Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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cramanzen

cramanzen, pl.
nugae, ineptiae, gesticulationes, franz. grimaces, welches auf nigromancia, altfranz. ingremance, portug. engrimanzo zurückzugehn scheint (Diez 651), es sind gaukeleien, possen, ceremonien: darumb so leren euwere kind in der jugent guͦtes ze thuͦn und nicht lernen sie, als vil vetter und müter thuͦn, die lernen sie cramanzen machen, sie geben inen nicht zuͦ essen, sie müssen inen vor bossen und cramanzen machen und sich krümmen und biegen, als wolten sie den morischgen tanz tanzen. Keisersb. brösaml. 76ᵇ; man lernet die kinder weltliche lieder singen, und wan sie swern und fluchen, so lacht vater und muter dazu, item sie müssen inen cramanzen machen. pred. über das narrenschif 180; wan sie ein kind abgerichtet, das es sich letz stellen kan, so sprechen sie denn, der kan kramatzen machen, da wird etwas usz. post. 148;
darumb so macht nit viel cramanz.
H. Sachs III. 3, 15ᵃ;
es sei beim wein oder beim tanz,
so mach wir gar seltzam cramanz,
das uns musz förchten jederman. ...
Schmidt im westerwäld. idiot. s. 87 hat kramanzies, krammanzien, krammanze machen, complimente, ceremonien, umstände machen: mache nur keine krammanzies, weigere dich nicht lange. in Augsburg grammandes machen. Stalder 2, 128 aber gibt kramenzel, kramanzis für zierrat, besetzung, franzen, blumenwerk und in diesem sinne steht es auch für die schnüre an hüten: wir sehen wol, das die wisen bilger schnür an den hüten hant, also die ept haben, aber nit also von siden und kramanzen (flittern, possen) gemacht, wie ietz sit ist. Keisersb. bilg. 64ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 637, Z. 73.

cramanzen

cramanzen,
nugas agere, nugari: es (das getreue hündlein) wirt nümme zornig sin, aber allwegen uf drien füeszlin springen und erümbher gon zuͦ kramanzen und zuͦ wedlen und frölich sin. Keisersb. bilg. 146ᵉ; das kramanzen taug hie nicht. Witzenb. 21;
und dan der hofleuten wohn
affengleich ist mit cramanzen
nach so hüpscher herren ton
stets zu singen und zu danzen.
Weckherlin 562;
verjagend das leid
mit drinken und danzen,
ohn alles cramanzen,
in lieblicher freud.
778—781.
Stieler 1024 hat noch das kramanzen, reverentia cum motu et sermone nimio et indecoro labrorum, leitet es aber unrichtig von kram.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 638, Z. 22.

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Zitationshilfe
„cramanzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/cramanzen>, abgerufen am 25.11.2020.

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