Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

D

1.
D vermittelt den dünnen und scharfen laut T mit dem gehauchten TH. es nimmt in dem griechischlateinischen alphabet den vierten platz ein zwischen Γ und Ε oder C und E: in dem nur aus sechzehn buchstaben bestehenden altrunischen, das eine eigene sehr verschiedene ordnung hat, kommt es nicht vor, da ihm Þ und T genügt; jenes hat die dritte stelle, aber zwischen U und O. dasz unter Þ nur die aspirata gemeint sei, ergibt sich aus den namen þurs und þorn. indessen hat D in der gothischen, althochd., nordischen und angelsächsischen sprache, soweit die denkmäler reichen, niemals gefehlt, zumal die media der mittelpunct des consonantismus ist: dem engern runenalphabet genügte die bezeichnung der zwei entgegengesetzten laute. das gröszere runenalphabet hat aber ein zeichen für die media zugefügt: in dem nordischen besteht es aus einem punctierten T (ᛑ), in dem angelsächsischen nicht eben geschickt aus zwei gegeneinandergekehrten Þ (ᛗ). da die ahd. sprache das gothische Þ aufgegeben hatte und dafür D setzte, mithin durs und dorn zu schreiben war, so entstand in dem deutschen runenalphabet ein misverhältnis bei der rune Þ: man behielt entweder das zeichen bei, setzte aber dorn hinzu, liesz sie also für die media gelten, wie in dem Sangaller alphabet (Deutsche runen taf. 2), oder man nahm das spätere zeichen ᛗ, wobei dann der name durs oder dorn hätte lauten müssen, schrieb aber, für diese zeit unrichtig, thorn (taf. 1).
2.
die abstufung der laute hat sich bei den lingualen fester erhalten als bei den andern stummen consonanten. die lautverschiebung stellt sich folgendergestalt dar, med. ten. asp. griech. D T TH goth. T Þ D ahd. Z D(DH) T. wir haben es hier nur mit der media zu thun. das mhd. behielt im anlaut und inlaut die ahd. regel bei, wandelte dagegen im auslaut, wo sie keine media duldete, D in T. im nhd. kam die auslautende media wieder zum vorschein. wir müssen dies verhältnis und die einzelnen abweichungen davon näher betrachten.
3.
während im ganzen der mhd. unterschied des anlautenden D und T im nhd. festgehalten wird, zeigt sich doch in einzelnen fällen ein D für T oder ein schwanken zwischen beiden, auf welches das niederd. mag eingewirkt haben. man schreibt docht und tocht, wie im ahd. und mhd. dâht und tâht ellychnium vorkommt. heute gilt dichten, dunkel, wie schon bei Dasyp. 314ᶜ. 242ᵃ, während Luther noch tichten tunkel beibehielt. Maaler tunkel 411ᶜ, aber dichten 89ᶜ. Simpliciss. noch tumm 1, 23. 27, sogar noch bei Bodmer, Breitinger, aber schon bei Dasypod. dumm für das mhd. tump. ebenso allgemein düngen für das mhd. tungen. man schreibt dätschelen und tetschelen, delben und telben, dengelen und tengelen, deutsch und teutsch, dälle und telle, dappe und tappe, danten und tanten, dadern und tadern, dauern und tauern u. s. w. dieses schwanken begann schon im 14ten jahrhundert, in der Theologia deutsch ist vordilgen neben vertilgen s. 70 zu bemerken, wie auch Keisersberg Bilger 48ᵃ uszdilcken schreibt. es steigerte sich vom 15ten bis zum 17ten, wo die regel wieder zum vorschein kam. bei Brant, der den übergang des 15ten in das 16te macht, tritt es am deutlichsten hervor; es wird am besten sein aus dem Narrenschiff, von welchem wir in Zarnkes ausgabe einen sichern text besitzen, beispiele zu wählen. bei einigen wörtern braucht er D allein, bei andern zieht er es vor. dapfer 13, 17. 73, 26. 77, 75. dapferlich 5, 21. dag neben tag 88, 21. 112, 25. danz 61, 2. 6. 26. 33. 34. 72, 11. vordanz 72, 33. 85, 92. danzen 61, α. 19. 21. 27. 85, 89. däsch (tasche) 80, 19. deilt 85, 81 und uszteilen 103, 48. deller 100, 11. 28 und teller 110ᵃ, 85. 130. 140. disch 69, 26. 71, 15. dor 85, 45. 111, 1. 52. doren 52, 10. 82, 63. 85, 11. dorheit 47, a. 67, 50. 80, 2. 85, 119. 111, 15 und tor 46, 27. 66, 118. torheit 100, 23. 104, 18. dot 5, 7. 56, 69. 66, 103. 72, 7. 85, 4. 14. 24. 35. 41. 51. 53. 75. 94, 4. 5. dotschlag 56, 64. dotsprung 85, 31 und todt 83, 98. todes strick 83, 109. tötlich 85, 5. douber 95, 51 und toub 61, 3. dür (theuer) 4, 14. drank 108, 77. 80. drinken 63, 86. 66, 88. 90. 81, 23. 82, 54. 102, 18. 110ᵃ, 100. 103. 108. drunk 81, 33. 110ᵃ, 110. drunken 66, 87. 72, 32 103, 25. gedrunken 85, 18. erdrinken 108, 90. drinkgeschirr 110ᵃ, 109. jedoch trink 69, 29 und ertrenken 98, 31. dritt 100, 27. dube 110ᵃ, 96 und tub 57, 18. duͦch 98, 22 und tuͦch 102, 33. brustduͦch 4, 17. dugentrich 107, 40 und tugent 8, 24. duͦ imperat. 21, 29. duͦn 70, 16. 73, 94. 95, 11. 102, 92 und tuͦn 18, 14. 17, getuͦn 79, 11. duͦt 3, 14. 65, 70. 67, 42. 69, 1. 75, 50. 78, 12. 79, 33. 82, 42. 83, 7. 84, γ. 96, 1. 7. 8. 110ᵇ, 74. duͦnt 4, 11. 19, 37. 73, 88. 81, β. 27. 30. 82, 38. 87, 12. 91, 28. det dett 16, 43. 66, 149. 67, 60. 101, 23. 110ᵃ, 173. dät 77, 45. dätten 72, 88. düg präs. conj. 95, 35 und tüg 33, 80. verduͦt 67, 22 und vertuͦnt 98, 31. getan, geton Protest. 28. 41, 32. aber auch schon das heutige TH, thuͦn 56, 26. 79, 11. 90, 11. 82, 55. 92, 80. 81. 84. 93, 19. 94, 20, 97, 2. 99, 163. thuͦt 91, 32. gethan, gethon 1, 3. 41, 6. underthon 99, 104. dieses TH erscheint auch in thür (janua) vorr. 134. 99, 89. 103, 117 neben tür 108, 96. Ulenspiegel desche 86, 99. deik teig 25. doben 54. einzelne beispiele aus der nächstfolgenden zeit, Dasypod. däsch 312ᶜ. Duͦnaw Hister 317ᶜ, bei Brant noch Tuͦnow 99, 52. Maaler daub und taub columbus 88ᵈ. H. Sachs danz 3. 3, 3ᵃ. drümmer 5. 2, 43ᶜ. Fischart danz, danzen Garg. 5ᵃ, Glückh. schiff 398. dapfer Garg. 32ᵃ. 101ᵇ. Glückh. schiff 334. 474. dannzapfen Garg. 19ᵇ. daube columba Garg. 64ᵃ. dölpel das. 93ᵇ. donnenköpf das. 18ᵇ. dapfer bei Murner, Dasyp. 313ᵃ, Maaler 86ᶜ. H. Sachs 5. 2, 30ᶜ. Schönsleder K 2. Phil. v. Sittew. 1, 363, bei diesem wie bei Dasyp. und Weckherlin 371 auch dapterkeit 1, 17. Luther draube 1 Mos. 40, 10. 3 Mos. 25, 1. 5 Mos. 32, 32. doll Dasyp. 319ᵃ. H. Sachs 1, 6ᵇ. Schönsleder L 3. Berliner handschr. von Nürnberger meistergesängen aus der mitte des 16 jh. drutz nr. 245. drübsal nr. 251. er det abdraben nr. 233. ducke nr. 249. duckisch nr. 286. Henisch 636. danzen J. Ayrer fastnachtsp. 1ᵃ. dal vallis. Lehmann 167 ein schimmel drapt. Simpliciss. verdauscht 1, 20. dölpel 1, 29. Umgekehrt wird das anlautende D von T und TH verdrängt. mhd. dôn (tonus), dœnen wird heute gegen die regel ton tönen geschrieben. S. Brant tönen Narrensch. 102, 2. getön 110ᵃ, 103. Luther dohnen (2 Mos. 19, 13) und doͤnen (Jesa. 42, 13), Dasypod. dohn und döhnen 315ᵈ. Maaler thon und thönen 400ᵈ. Fischart widerthon Gl. schiff 393. thon das. 526. thönen das. 521. Henisch don, döne und thone, dohnen und dönen 726. Schönsleder dönen. Stieler don und dönen 324. Steinbach thon und thönen 2, 822. thon Felsenb. 1, 5. erst Frisch das heutige ton und tönen 376ᶜ. truck Theol. deutsch 23. S. Brant Narrenschiff tach 64, 79. trüffel 110ᶜ, 43 neben drüffel 110ᵃ, 24. truckerei 103, 99 und drucken 18, 12. 19. tulden 35, 31. 82, 7. tumen 102, 39 neben dumenloch 63, 34. tunder 82, 28. 86, γ. 86, 6. 88. 20. Keisersberg treck Bilger 46ᶜ. tächer Postille 150ᵇ. tecke Steinhöwel 103ᵇ (1487). tiech coxa Steinhöwel 61ᵇ (1555), in der ältern ausg. von 1487 steht diech 50ᵃ. bei Luther zwar drücken, aber Psalm. 136, 23 untergetrückt. ticht für dicht 2 Mos. 25, 36. 37, 7. H. Sachs vertreust 1, 7ᶜ. trodt (droht) 3. 3, 60ᵃ. tachs 4. 3, 61ᵃ und dachs 4. 3, 90ᵈ. Wickram tuckten sich Rollwagen 67. tachloch Maaler 397. am weitesten treibt es Fischart vertrucken Garg. 14. tachtropfe das. 63ᵇ. teckelwärmerin das. 6ᵇ. trüffel das. 96ᵇ. trei das. 149ᵃ. zwischen tornen Gl. schiff 342. asche und treck Garg. 69ᵇ. durchtringen Gl. schiff 441. trung das. 1131. treisig das. 753. 985. 1172. geträng das. 1047. tutzend Garg. 96ᵇ. toppelhacken, tonnerten das. 233ᵃ. sogar austhänung (ausdehnung) Garg. 43ᵃ. tichten Ganskönig vorr. tach Mückenkr. 3, 466. Simpliciss. getrillt 1, 22. trehen 2, 125. Lehmann 89 trucken für drücken. Schoch Studentenleben nachtruck vorr. vertauen A 10. Polit. stockfisch 79 tach für dach. Günther thalen für dahlen 241. Lessing allein schreibt treustigkeit 6, 102.
4.
bei der inlautenden media sind wenig abweichungen von dem mhd. zu bemerken. dort gilt hinder, hindern und hinden, und das findet man noch bei Steinhöwel, Keisersberg, Luther, Dasypodius, Maaler, H. Sachs, Fuchs, Frischlin, Fischart, Ayrer, Henisch, Schönsleder, Lehmann, Wolgemut, Stieler und andern. ebenso das subst. und adj., der hinder Steinhöwel 54 (1487), Luther Ps. 78, 66. Dasyp. 187ᶜ. H. Sachs 4. 3, 105ᵇ. Maaler 222ᵈ. bein hindern füszen B. Waldis Äsop 164ᵇ. der hinderst Wolgemut Esopus 2, 305. seit dem 18ten jh. schreibt man die partikel hinter, hinten und das subst. und adj. hintere, daneben aber bleibt hindernis, hinderlich und das verb. hindern. ähnlich mit dem mhd. under und unden, so in der Theologia deutsch 22, so bei Steinhöwel, Dasyp., Maaler, H. Sachs, Waldis, Spreng 316ᵃ, Stieler, aber bei Luther, Frischlin 124. 433, Henisch, Frisch das heutige unter. mhd. der vierde noch bei Luther 1 Mos. 1, 9. 2, 14, jetzt der vierte. Lessing schreibt siebendes stück 7, 31, siebender brief 8, 17, aber auch siebenter. mhd. fürder, das im anfang des 18ten jh. auszer gebrauch kam, ward im 16ten und 17ten fürter geschrieben bei Dasyp. 333ᵈ. Philander v. Sittew. 1, 265. Wolgemut Esopus 2, 295. Simpliciss. 1, 23. Stieler 541. daneben fürderen bei Dasyp. und Henisch 1289, und das heutige förderen bei Luther Ps. 7, 10 und bei Schönsleder. Luther gebraucht noch das prät. schneit (mhd. sneit) für schnitt: und scheint dadurch verleitet einen infin. schneiten (mhd. snîden) 2 Mos. 31, 5. 35, 33. 35. 38, 23 und das subst. schneite (mhd. snîde) Richter 3, 22. 1 Sam. 13, 22. Pred. 10, 10 anzunehmen. unser flattern lautet mhd. fledern, wie noch heute mundartlich (Schmeller 1, 585), bei Lehmann fladern; bei diesem auch fledermaus, flederwisch. schnattern, mhd. snateren, im 16ten jh. (H. Sachs 4. 1, 21ᵃ) wird noch bei Lessing 1, 67 schnadern geschrieben. für das heutige knoten nodus, ahd. knodo, mhd. knode schreiben noch Dasypod. 366ᵇ, Maaler 246ᶜ, Fischart Garg. 96ᵃ, Fuchs Mückenkrieg 1, 469. Frischlin Nomencl. 127 und Henisch 1624 das gekürzte knod, Polit. stockf. vorr. mit knoden binden, doch bei Luther schon knote: Stieler 998 führt knode und knoten an, Frisch 1, 529 knode und knote. pfode für pfote Lehmann 139. schwerd, schwerder Comenius Orbis pictus 273. 289. witwe, wittwe, ahd. witawâ, mhd. witewe, schreibt Luther allein widwe, wozu ihn wol das lateinische vidua bestimmte. in einer urkunde vom jahr 1416 (Hund metropol. Salisb. 1, 234) wird das lateinische schedula die cetel geschrieben. im 16ten jh. zeigt sich ohne lautverschiebung der zedel Keisersberg Sünden des munds 9ᵃ. 4 Mos. 5, 23. Dasyp. 217. Alberus Dict. nov. y. Maaler 510ᵇ. 513, wie im niederdeutschen. dagegen vom 17ten jh. an der zettel, so bei Henisch 381, Schönsleder, Stieler. man hat aber auch die media noch verdoppelt und zeddel geschrieben, wie Gellert 2, 205. 228, was mit dem dän. seddel übereinkommt. Die ahd. gemination DD zeigt sich nur selten an der stelle von TT und ist wol nur hereingekommen durch das altsächs. DD, das organisch ist, aber ganz verschieden von dem gothischen DD, welches dem LL zu entsprechen scheint. im mhd. ist es ganz verschwunden und man begegnet ihm höchstens in fremden eigennamen: es dauert aber im niederdeutschen fort, wo man wedder (iterum), fedder, ledder (leder und leiter) spricht; s. Müllenhoff zu Quickborn s. 265. von dorther ist es manchmal in das nhd. eingedrungen, widder (iterum) öfter in den Weisthümern 2, 501 vom j. 1424. 3, 502 vom j. 1449. in widder (aries) ist es durchgesetzt. das ahd. widar, mhd. wider bewahrt noch Steinhöwel (Äsop 53), Maaler (494), Schönsleder (Mm 1), Wolgemut (1, 79. 2, 50) im reim auf nider, Jac. Ayrer (Trag. 244) schreibt sogar wieder. dagegen widder bei Dasypodius, Alberus Ss iij, Frischlin, Stieler. Luther schwankt, wider 1 Mos. 22, 3. öfter widder 1 Chron. 30, 21. 2. 13, 9. Psalm 66, 15. auch im dänischen vädder neben väder, dieses allein im schwedischen. Luther läszt DD aber auch in andern wörtern zu, daddlen 1, 342ᵃ. fedder 3, 414ᵇ. allerlei gefidderts gevogel 1 Mos. 1, 21. foddert (fordert) 5 Mos. 10, 12. besuddeln 1 Mos. 49, 4. 3 Mos. 11, 43. Hoh. lied 5, 3. Jesa. 63, 3. Jerem. 4, 14. hadder 4 Mos. 27, 14. 5 Mos. 1, 12. 25, 1. Ps. 55, 10. Sprüche Sal. 6, 14. 10, 12. 13, 10 u. s. w. hadderer Jesa. 49, 1. haddern 2 Mos. 21, 18. 4 Mos. 20, 13. Richter 6, 31. Ps. 35, 1 u. s. w. am häufigsten bei Alberus in dem Diction., ich besuddel, ich hadder jurgo, fladder bruscum, ich fladder strepo, fedder, ledder, nidder pessum, danidden, scheddel, sidder interea, widder iterum, ich schlodder vacillo, zwidder Ss iij. hadderte Simpliciss. 1, 29. viele, wie Adelung und Voss schreiben troddel, andere trottel.
5.
Der regel nach wandelt sich das auslautende ahd. D im mhd. in T, und dieses T tritt im nhd. wiederum in D zurück. also ahd. eid, lid, gold, tôd, mhd. eit, lit, golt, tôt, nhd. eid, glied, gold, tod. vereinzelt erscheint im 16ten jh. noch die mhd. tenuis z. b. Steinhöwel unwissent 69 (1487). gegent 110. H. Sachs helt 1, 6ᶜ. untugent 1, 11ᶜ. jugent: tugent Wolgemut Esop 2, 457. Ayrer balt 136ᵃ. tausent Keisersberg, Luther, Fischart Garg. 36. Lehmann 909. solt H. Sachs 5. 2, 32ᵈ. durchleuchtent Ganskönig Ev. Das ahd. auslautende T bleibt im mhd. und nhd. unverändert, z. b. alt, gewalt, welt, braut: doch zeigt sich im nhd. auch D, meist in verbindung mit einer liq., so in hand band bund brand freund geld. bei Steinhöwel 91. 93ᵇ. 111. Dasypod., H. Sachs 3. 3, 7ᵈ. Fischart Garg. 49. 52. Maaler, Henisch, Spreng 532ᵇ, 572ᵇ. Lehmann 671. Stieler noch gelt, bei Luther schon geld. Fischart freuntlichkeit Schiff 793. 1119. freuntschaft das. 1106. 1161. bei Steinhöwel, S. Brant (Narrensch. 26, 8. 46, 39. 110ᵃ, 48), Luther, Dasyp., Maaler, H. Sachs, Henisch, Schönsleder, Stieler, Steinbach brot. bei Waldis brot, brod und brodt 7ᵇ. im inlaut H. Sachs brode das. 5, 2, 31ᵈ. Wolgemut ein bissen brods Esopus 144. Lehmann brod 139. Frisch gebraucht brod, stellt aber brot daneben auf; man folgte ihm bis in die neuste zeit, wo wieder brot den vorzug erhalten hat. ebenso zieht Frisch schwerd vor.
6.
die mhd. sprache zeigt, wenn in zusammenziehungen das tonlose e wegfällt, kein DT, wie es heute in verwandt, wandte, sandte, lädt u. s. w. gebräuchlich ist, ihr genügt die einfache tenuis. beispiele aus dem reim bekleit (: schônheit) Haupts zeitschr. 5, 18. geschant (: brant) Walther 26, 18. gesant (: hant) ders. 34, 22. gesant (: vant) Eraclius 1696. bewant (: lant) Freidank 79, 25. unbewant (: vant) Iwein 3244. gewant pp (: hant) das. 1547. 3320. 3425. 3854 (: lant) 1823. 2310. 6610 (: envant) 4730. gesant: geschant: verpfant MS. 2, 244ᵃ. vint (: sint) Haupts zeitschr. 2, 52. bevint (: kint) Passional 90, 93. wirt (wirdet) häufig. verwunt (: gesunt) Gold. schmiede 1632. auszer dem reim schât (schadet) Walther 26, 16. 29, 28. 85, 24. sent (sendet) Freidank 68, 26. von einem so gewanten man Iwein 4461. sante prät. Walther 99, 17. auch nd im inlaut, wande (: entrande : erkande) ders. 30, 35. 110, 15. bei Muscatblut im 1 ten viertel des 14ten jahrhunderts gesant (: ant) 37, 5. (: bekant) 57, 58. beim Wolkensteiner im 1 ten viertel des 15ten gesant (: gewant subst.) 94. 3, 5. aber auch gesendt 27. 2, 14. 29. 1, 11 und wendt (wendet). die Fastnachtspiele zeigen zuweilen noch das mhd. T, verwant (p. p.) 180, 33. schat (schadet) 185, 16. 328, 9. went (wendet) vint (findet) 274, 4. 577, 15. ret (redet) 286, 3. rets (redest) 182, 24. schent (schendet) 706, 1. geschent 151, 10. gepfent (gepfändet) 706, 15. getot (getödet). 476, 5. selten TT, rett (redet) 23, 29. überrett 281, 17. schneitt 284, 11. getött 476, 5. vorherschend ist DT, schadt 469, 21. ir ladt 233, 12. redt 12, 5. 68, 16. 111, 1. 166, 17. 281, 33. 535, 24. 697, 15. 698, 25. geredt 112, 7. 586, 34. vollendt 311, 14. sendt 156, 21. meldt 801, 5. endt: gewendt 31, 18. unverwendt 147, 12. ich wendt (wendete) 565, 6. ir werdt 433, 8. 541, 7. schneidt 98, 23. leidt 279, 11. 421, 23. findt 32, 26. 119, 32. 139, 19. 284, 4. befridt (befriedet) 534, 16. verschlindt 548, 6. versundt (versündet) 16, 34. verkundt (verkündet) 172, 20. gewundt 464, 14. ir wurdt 460, 9. noch seltner ist dieses T bei Brant im Narrenschiff: es findet sich nur erblint 46, 2. 76, 4. 98, 22, neben erblindt 6, 1, ermort 66, 26. verblänt (verblendet). 67, 5. sonst immer DT, ladt 74, α. schadt 110ᵇ, 47. redt 19, 12. 41, 14. 110, 20. geredt 7, 14. endt 58, 33. 66, 40. wendt 25, 26. scheidt 104, 11. bindt 99, 125. findt vorr. 60. 127. 2, 29. 6, 54. 201. 43, 32. 53, β. 58, 71. 75. 64, 52. 80, 30. 83, 16. 113. 70, 1. 85, 64. 94, 14. 96, 26. 97, α. entpfindt 7, 7. 71, α. 77, 12. durchgründt 64, 51. schwindt 99, 109. verkundt 103, 74. verschuldt 112, 41. sündt 86, 60. versündt 86, 14. verwundt 57, 52. zündt 77, 10. entzündt 13, 35. 53, 33. anzündt 106, α. Steinhöwel schreibt bindt 48ᵇ (1487). getödt 43ᵇ. vindt 72. geredt 98. auszgesandt 111ᵇ, aber auch schlint und verschlindet. in einer handschr. des Cato geschendt: wendt Zarnke lesarten zu 114. Albrecht v. Eybe redt, überredt bl. 4ᵇ. Schwarzenberg erfindt: verplindt (siehe unten dennest). Theuerdank 2, 25 underredt. Murner leidt, duldt Luther. narr 73. 74. bindt 2047. doch auch fint das. 893. verschwint 925. schat 1822. Luther schneit (schneidet) Psalm 52, 4. aber immer das prät. sandte 1 Mos. 20, 2. 37, 14. 38, 20. 45, 23 u. s. w. auffallend das p. p. gesand 1 Mos. 19, 13. 38, 23. 46, 5 u. s. w. verwund 3 Mos. 22, 24. 1 Sam. 31, 3. 1 Chron. 11, 3. Sprüche Sal. 7, 26. Jerem. 37, 10. Hesek. 28, 23. aber auch geredt 4 Mos. 27, 7. verwundter Hesek. 30, 24. die verwündten 1 Chron. 6, 22. Jerem. 37, 10. 51, 21. Klagel. 2, 12. das verwundte Hesek. 34, 4. 16. verwandter Hesek. 30, 24. die verwandten 2 Könige 10, 11. Hiob 19, 13. Ps. 31, 12. 55, 14. 88, 19 u. s. w. H. Sachs wirt (wird) 1, 249ᶜ und wirdt 2. 4, 41. verwundt 3. 3, 2ᵃ. überwindt 3. 3, 5ᵃ. sendt das. verschuldt 3. 3, 7ᵈ. redt 3. 3, 8ᵉ. Fischart schneid Schiff 334. wirt das. 490. verwant das. 480. verkündten (prät.) das. 508. sant (sendete) das. 1072. aber auch find (findet) Garg. 74ᵇ. gebrandt Garg. 71ᵇ. Dasyp. verwanter und verwandtschaft 148. Frischlin verwandter 336. abgesandter 388. Henisch verwandt verwandter 1220. 1564. Lehmann scheidt 142. Ayrer ertödt: genödt 3ᵈ. gesendt: gewendt 4ᵃ. findt 10ᶜ u. s. w. Spangenberg sich endt: sich wendt Ganskönig F v. Fuchs Mückenkrieg bekleidt 1, 1022. meidt 1, 88. bescheidt 2, 18. Schönsleder verwandt Ii 2. Simpliciss. wante 1, 21. Stieler hält wieder streng bei T, bewant 2504. verwant verwanter verwantschaft 2431. gesant gesanter 2009. 2010. im 18ten jahrh. entschied man sich für DT, wie es bei Frisch und Steinbach angegeben wird: so z. b. beredt, auch das präs. redt kommt vor bei Fleming 106. Lessing 1, 208 u. a. findt Göthe 13, 46. 73. abgewandt ders. 41, 291. nur schreibt man wird, da kein wirdet mehr gebraucht und die zusammenziehung nicht erkannt wird. Man kann dieses DT ertragen, wiewol es so wenig als dicht't (Lessing 1, 115), reit't (Göthe 1, 182) einflusz auf die aussprache hat und die mhd. schreibung den vorzug verdient. aber es ist ein nicht zu entschuldigender misbrauch, wenn es auch da angewendet wird, wo eine zusammenziehung nicht dahinter liegt. Wolkensteiner landt 16. 3, 13. Albr. v. Eybe windt (ventus) bl. 4ᵇ. wandt 10. vndter 13ᵇ. Steinhöwel goldt 91ᵇ (1473). pedt (bett) 97. niemandt 60. schendtlich 72. freundtschaft 74. tausendt 93ᵇ. Fastnachtspiele bescheidt (imperat.) 14, 18. Fuchs Mückenkrieg kondten 2, 399. ein hauwendts schwein 2, 412. bei S. Brant sehr häufig, baldt 97, 32. 99, 172. bandt 86, 22. handt 13, 40. 57, 53. 63, 62. 79, 28. 84, 8. 86, 23. 89, 12. 94, 35. 99, 60. landt 6, 35. 22, 15. 27, 24. 31, 27. 56, 30. 87. 79, 28. 84, 7. 88, 27. 89, 11. 94, 35. 99, 59. 103, 74. fandt prät. 6, 35. 66, 31. 147. entpfandt 57, 53. radt (rota) 56, 42. rodt (consilium) 3, 5. allesandt 94, 34. gewandt (kleid) 63, 61. überwandt 56, 29. hendt pl. 25, 25. wendt 103, 34. erdt 3, 26. 24, 17. 43, 25. 66, 73. 75, 56. 90, 14. gerdt begerdt 3, 25. 24, 18. 43, 26. 83, 44. 73. unwerdt, werdt 83, 31. 72. 90, 15. erfreidt (erfreut) vorr. 57. leidt (subst.) 7, γ. 26, 31. blindt 3, 15. 20, 2. 40, 13. 71, γ. 72, 31. 77, 29. brindt 13, 36. 53, 34. grindt 3, 16. kindt 6, 2. 22, 3. 25, 11. 71, β. entpfindt 71, α. sindt vorr. 1. 28. 39, 30. 32. 46, 44. 65, 20. 72, 32. 73, 83. 99, 91. vindt (feind) 39, 31. windt (ventus) 97, 17. 99, 92. grundt 3, 22. gesundt 53, 8. 63, 24. hundt 95, 51. kundt 27, 20. 63, 23. mundt 27, 21. 53, 15. 70, 12. 92, 91. 110ᵃ, 51. fürmundt 71, 14. pfundt 3, 21. 25, 10. fründt 73, 82. stundt 70, 11. 92, 90. undt 71, 14. wundt 53, 7. zuweilen schreibt Brant bei diesen wörtern D, so bis auf die bemerkte ausnahme immer und, häufig kind 26, 45. 42, 31. 46, 25. 71, β. 77, 95. 78, 18. 87, 4. 94, 21. 98, 31. ferner land 93, 5. schand 93, 6. rad (rota) 56, 48. end 107, 61. hend 103, 33. 107, 62. 110ᵃ, 15. lend 107, 44. wend (wollen) 107, 43. 110ᵃ, 16. erd 72, 77. 83, 32. 43. 72. 97. werd 72, 78. 83, 96. sind 65, 18. stund (subst.) 110ᵃ, 52. selten T, hant 88, 27. blint 30, 10. stunt 95, 50. doch öfter sint 26, 80. 33, 6. 40, 14. 43, 31. 67, 53. 76, 3. 95, 63. 102, 62. man sieht er schwankt wie alle, doch herscht DT vor. Keisersberg sindt Bilger 46ᵇ neben sint und sind. gesundt das. 48ᵇ. Theuerdank randt (prät.) c. 90. behendt 10, 100. Luther, der überhaupt die rechtschreibung überdacht hatte und mit sorgfalt behandelte, hielt dieses rohe DT fern, während es sonst im 16ten jahrh. überhand nahm. bei H. Sachs steht es auf jeder seite, nur selten kommt daneben die einfache tenuis zum vorschein, zuweilen hant, brot neben handt, brodt. nur einige beispiele, landt. genandt: erkandt. endt: regimendt. feindt. freundt. gesindt: geschwindt. blindt. bildt: wildt. geldt: feldt. grundt: kundt. pferdt: schwerdt. erdtreich. gewaldt: waldt. baldt. spadt: dradt. leidt. neidt. schiedt: riedt. schaudt (seht). maid: aidt. Ringwaldt schreibt sich selbst so. Frischlin brodt 282. eidt 378. anwaldt 377. blutfreundt 389. zehendt (decuma) 388. bestandt 380. burgerstandt (status civilis) 389. schwerdt 453. schildt 452. schneidt (acies) 453. bei Waldis findet man sindt Äsop 105ᵃ. schwerdt 146ᵇ. freundt 147ᵃ. der sorgfältige Fischart meidet es nicht immer, kundtschaft Schiff 477. niemandt das. 506. kondt köndt (konnte könnte) Garg. 28ᵇ. 29. 46. Ayrer steht wieder mit H. Sachs auf gleicher stufe. Henisch freundt 1220. schwerdt 1427. Sprengs Ilias verwundt 391ᵇ. im 17ten jh. dauert es fort, in Wolfh. Spangenberg Ganskönig findet man endt (finis) A Vᵇ. behendt A U. alsbaldt D v. bekandt F. 1. bei Lehmann noch ziemlich häufig, z. b. bescheidt 195. erndt 258. endt 300. pferdt 381. 824 neben pferd 672. freundtlich 671. niemandt 672. beistandt 672. wildt 673. tugendt neben tugend 783. landt 792. stundt 934. am weitesten geht Wolgemut, der es in seinem Äsop fast zur regel macht. nur einige beispiele, holdt: goldt 1, 23. hundt: ungesundt 1, 23: mundt 1, 30: stundt 1, 144. waldt 1, 39. handt: sandt (subst.) 1, 31. heidt (heide): beidt. beidt: eidt 1, 63. windt 1, 74. geld 2, 373. kindt das. dagegen wo auf die sprache sorgfalt verwendet wird, kommt es nur vereinzelt vor, so in der Ilias von Spreng († 1601) handt 2ᵇ. 3ᵃ neben hand 70ᵃ. 357ᵇ. verstandt 481ᵇ. neben verstand 314ᵃ. bekandt: genandt 313ᵇ. genandt: erkandt 317ᵃ. mildt: wildt 316ᵃ. kundt für konnte 455ᵇ. 464ᵃ. in der sichtlich vorgeschrittenen sprache des Simplicissimus (1669) scheint es verschwunden zu sein. im 18ten jh. taucht es nur hier und da auf: in der hallischen ausgabe der bibel vom j. 1758 ist brot, wie Luther schrieb, in brodt geändert, und dies behält Lessing bei 2, 403, der auch schwerdfeger 6, 295 und schwerdter 2, 42 schreibt. Nur in ein paar fällen will DT nicht weichen. wir unterscheiden jetzt damit das subst. tod von dem adj. todt, schreiben auch das verb. tödten. mhd. galt tôt tôdes subst., tôt tôtes adj., und das verb. tœten, das noch beim Wolkensteiner im reim auf nœten vorkommt und das Albrecht v. Eybe beibehält 14ᵇ, Keisersberg schreibt erdötten Christl. bilger 33ᶜ. die Fastnachtsp. das part. prät. getot 180, 8 und getött 476, 5. aber bei Steinhöwel, Luther, Dasypodius, Maaler, Henisch, H. Sachs 5. 2, 43ᶜ, Logau, Schönsleder tödten, nur Frisch setzt töden an. bei dem subst. und adj. unsicherheit im 15ten, 16ten und 17ten jahrh. Keisersberg schreibt das subst. wie das adj. tod Bilger 47. Steinhöwel das subst. tod (68ᵇ) und todt 37ᵃ, das adj. todt 10ᵇ. Luther wie Keisersberg das subst. und in der regel das adj. tod 2 Mos. 14, 3. 3 Mos. 11, 32 u. s. w., selten todt wie 4 Mos. 19, 11, Dasypod., H. Sachs 3. 1, 228. 5. 2, 30ᵈ. 32ᶜ, Schönsleder, Lehmann 768 subst. und adj. todt. Fischart das adj. tod und todt Garg. 49. Waldis das subst. tod 217ᵃ und todt 152ᵇ. Frisch subst. tod, adj. tot und tod. bei Maaler, Stieler und Steinbach die heutige schreibung. ähnlich verhält es sich mit stadt (urbs). das ahd. mhd. stat findet sich noch beim Wolkensteiner, im Theuerdank 91, 25. 40. 51, bei Wolfh. Spangenberg Martinsgans bog. D; auch einmal bei Fischart Schiff 1021. Luther schreibt stad 1 Mos. 4, 17. 24, 10. viele statt, Steinhöwel 93ᵇ, Keisersberg, Maaler, Dasypod., Frischlin 389, Fischart Schiff 473. 479. 487. 491. 694. Garg. 233ᵃ, 698, H. Sachs 5. 2, 41ᶜ (in stetten 4. 3, 56ᶜ), Waldis, Henisch, Spreng 2ᵇ. 40ᵃ. 332ᵃ, wie bei blatt, matt, glatt nach kurzem vocal die verdoppelung hinzutritt. das heutige stadt auch bei H. Sachs 1, 5ᵈ. Ayrer 1ᵃ. 9ᵇ. 9ᶜ. Schoch, Stieler und den spätern.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 641, Z. 1.

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Zitationshilfe
„d“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/d>, abgerufen am 02.04.2020.

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