Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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D

1.
D vermittelt den dünnen und scharfen laut T mit dem gehauchten TH. es nimmt in dem griechischlateinischen alphabet den vierten platz ein zwischen Γ und Ε oder C und E: in dem nur aus sechzehn buchstaben bestehenden altrunischen, das eine eigene sehr verschiedene ordnung hat, kommt es nicht vor, da ihm Þ und T genügt; jenes hat die dritte stelle, aber zwischen U und O. dasz unter Þ nur die aspirata gemeint sei, ergibt sich aus den namen þurs und þorn. indessen hat D in der gothischen, althochd., nordischen und angelsächsischen sprache, soweit die denkmäler reichen, niemals gefehlt, zumal die media der mittelpunct des consonantismus ist: dem engern runenalphabet genügte die bezeichnung der zwei entgegengesetzten laute. das gröszere runenalphabet hat aber ein zeichen für die media zugefügt: in dem nordischen besteht es aus einem punctierten T (ᛑ), in dem angelsächsischen nicht eben geschickt aus zwei gegeneinandergekehrten Þ (ᛗ). da die ahd. sprache das gothische Þ aufgegeben hatte und dafür D setzte, mithin durs und dorn zu schreiben war, so entstand in dem deutschen runenalphabet ein misverhältnis bei der rune Þ: man behielt entweder das zeichen bei, setzte aber dorn hinzu, liesz sie also für die media gelten, wie in dem Sangaller alphabet (Deutsche runen taf. 2), oder man nahm das spätere zeichen ᛗ, wobei dann der name durs oder dorn hätte lauten müssen, schrieb aber, für diese zeit unrichtig, thorn (taf. 1).
2.
die abstufung der laute hat sich bei den lingualen fester erhalten als bei den andern stummen consonanten. die lautverschiebung stellt sich folgendergestalt dar, med. ten. asp. griech. D T TH goth. T Þ D ahd. Z D(DH) T. wir haben es hier nur mit der media zu thun. das mhd. behielt im anlaut und inlaut die ahd. regel bei, wandelte dagegen im auslaut, wo sie keine media duldete, D in T. im nhd. kam die auslautende media wieder zum vorschein. wir müssen dies verhältnis und die einzelnen abweichungen davon näher betrachten.
3.
während im ganzen der mhd. unterschied des anlautenden D und T im nhd. festgehalten wird, zeigt sich doch in einzelnen fällen ein D für T oder ein schwanken zwischen beiden, auf welches das niederd. mag eingewirkt haben. man schreibt docht und tocht, wie im ahd. und mhd. dâht und tâht ellychnium vorkommt. heute gilt dichten, dunkel, wie schon bei Dasyp. 314ᶜ. 242ᵃ, während Luther noch tichten tunkel beibehielt. Maaler tunkel 411ᶜ, aber dichten 89ᶜ. Simpliciss. noch tumm 1, 23. 27, sogar noch bei Bodmer, Breitinger, aber schon bei Dasypod. dumm für das mhd. tump. ebenso allgemein düngen für das mhd. tungen. man schreibt dätschelen und tetschelen, delben und telben, dengelen und tengelen, deutsch und teutsch, dälle und telle, dappe und tappe, danten und tanten, dadern und tadern, dauern und tauern u. s. w. dieses schwanken begann schon im 14ten jahrhundert, in der Theologia deutsch ist vordilgen neben vertilgen s. 70 zu bemerken, wie auch Keisersberg Bilger 48ᵃ uszdilcken schreibt. es steigerte sich vom 15ten bis zum 17ten, wo die regel wieder zum vorschein kam. bei Brant, der den übergang des 15ten in das 16te macht, tritt es am deutlichsten hervor; es wird am besten sein aus dem Narrenschiff, von welchem wir in Zarnkes ausgabe einen sichern text besitzen, beispiele zu wählen. bei einigen wörtern braucht er D allein, bei andern zieht er es vor. dapfer 13, 17. 73, 26. 77, 75. dapferlich 5, 21. dag neben tag 88, 21. 112, 25. danz 61, 2. 6. 26. 33. 34. 72, 11. vordanz 72, 33. 85, 92. danzen 61, α. 19. 21. 27. 85, 89. däsch (tasche) 80, 19. deilt 85, 81 und uszteilen 103, 48. deller 100, 11. 28 und teller 110ᵃ, 85. 130. 140. disch 69, 26. 71, 15. dor 85, 45. 111, 1. 52. doren 52, 10. 82, 63. 85, 11. dorheit 47, a. 67, 50. 80, 2. 85, 119. 111, 15 und tor 46, 27. 66, 118. torheit 100, 23. 104, 18. dot 5, 7. 56, 69. 66, 103. 72, 7. 85, 4. 14. 24. 35. 41. 51. 53. 75. 94, 4. 5. dotschlag 56, 64. dotsprung 85, 31 und todt 83, 98. todes strick 83, 109. tötlich 85, 5. douber 95, 51 und toub 61, 3. dür (theuer) 4, 14. drank 108, 77. 80. drinken 63, 86. 66, 88. 90. 81, 23. 82, 54. 102, 18. 110ᵃ, 100. 103. 108. drunk 81, 33. 110ᵃ, 110. drunken 66, 87. 72, 32 103, 25. gedrunken 85, 18. erdrinken 108, 90. drinkgeschirr 110ᵃ, 109. jedoch trink 69, 29 und ertrenken 98, 31. dritt 100, 27. dube 110ᵃ, 96 und tub 57, 18. duͦch 98, 22 und tuͦch 102, 33. brustduͦch 4, 17. dugentrich 107, 40 und tugent 8, 24. duͦ imperat. 21, 29. duͦn 70, 16. 73, 94. 95, 11. 102, 92 und tuͦn 18, 14. 17, getuͦn 79, 11. duͦt 3, 14. 65, 70. 67, 42. 69, 1. 75, 50. 78, 12. 79, 33. 82, 42. 83, 7. 84, γ. 96, 1. 7. 8. 110ᵇ, 74. duͦnt 4, 11. 19, 37. 73, 88. 81, β. 27. 30. 82, 38. 87, 12. 91, 28. det dett 16, 43. 66, 149. 67, 60. 101, 23. 110ᵃ, 173. dät 77, 45. dätten 72, 88. düg präs. conj. 95, 35 und tüg 33, 80. verduͦt 67, 22 und vertuͦnt 98, 31. getan, geton Protest. 28. 41, 32. aber auch schon das heutige TH, thuͦn 56, 26. 79, 11. 90, 11. 82, 55. 92, 80. 81. 84. 93, 19. 94, 20, 97, 2. 99, 163. thuͦt 91, 32. gethan, gethon 1, 3. 41, 6. underthon 99, 104. dieses TH erscheint auch in thür (janua) vorr. 134. 99, 89. 103, 117 neben tür 108, 96. Ulenspiegel desche 86, 99. deik teig 25. doben 54. einzelne beispiele aus der nächstfolgenden zeit, Dasypod. däsch 312ᶜ. Duͦnaw Hister 317ᶜ, bei Brant noch Tuͦnow 99, 52. Maaler daub und taub columbus 88ᵈ. H. Sachs danz 3. 3, 3ᵃ. drümmer 5. 2, 43ᶜ. Fischart danz, danzen Garg. 5ᵃ, Glückh. schiff 398. dapfer Garg. 32ᵃ. 101ᵇ. Glückh. schiff 334. 474. dannzapfen Garg. 19ᵇ. daube columba Garg. 64ᵃ. dölpel das. 93ᵇ. donnenköpf das. 18ᵇ. dapfer bei Murner, Dasyp. 313ᵃ, Maaler 86ᶜ. H. Sachs 5. 2, 30ᶜ. Schönsleder K 2. Phil. v. Sittew. 1, 363, bei diesem wie bei Dasyp. und Weckherlin 371 auch dapterkeit 1, 17. Luther draube 1 Mos. 40, 10. 3 Mos. 25, 1. 5 Mos. 32, 32. doll Dasyp. 319ᵃ. H. Sachs 1, 6ᵇ. Schönsleder L 3. Berliner handschr. von Nürnberger meistergesängen aus der mitte des 16 jh. drutz nr. 245. drübsal nr. 251. er det abdraben nr. 233. ducke nr. 249. duckisch nr. 286. Henisch 636. danzen J. Ayrer fastnachtsp. 1ᵃ. dal vallis. Lehmann 167 ein schimmel drapt. Simpliciss. verdauscht 1, 20. dölpel 1, 29. Umgekehrt wird das anlautende D von T und TH verdrängt. mhd. dôn (tonus), dœnen wird heute gegen die regel ton tönen geschrieben. S. Brant tönen Narrensch. 102, 2. getön 110ᵃ, 103. Luther dohnen (2 Mos. 19, 13) und doͤnen (Jesa. 42, 13), Dasypod. dohn und döhnen 315ᵈ. Maaler thon und thönen 400ᵈ. Fischart widerthon Gl. schiff 393. thon das. 526. thönen das. 521. Henisch don, döne und thone, dohnen und dönen 726. Schönsleder dönen. Stieler don und dönen 324. Steinbach thon und thönen 2, 822. thon Felsenb. 1, 5. erst Frisch das heutige ton und tönen 376ᶜ. truck Theol. deutsch 23. S. Brant Narrenschiff tach 64, 79. trüffel 110ᶜ, 43 neben drüffel 110ᵃ, 24. truckerei 103, 99 und drucken 18, 12. 19. tulden 35, 31. 82, 7. tumen 102, 39 neben dumenloch 63, 34. tunder 82, 28. 86, γ. 86, 6. 88. 20. Keisersberg treck Bilger 46ᶜ. tächer Postille 150ᵇ. tecke Steinhöwel 103ᵇ (1487). tiech coxa Steinhöwel 61ᵇ (1555), in der ältern ausg. von 1487 steht diech 50ᵃ. bei Luther zwar drücken, aber Psalm. 136, 23 untergetrückt. ticht für dicht 2 Mos. 25, 36. 37, 7. H. Sachs vertreust 1, 7ᶜ. trodt (droht) 3. 3, 60ᵃ. tachs 4. 3, 61ᵃ und dachs 4. 3, 90ᵈ. Wickram tuckten sich Rollwagen 67. tachloch Maaler 397. am weitesten treibt es Fischart vertrucken Garg. 14. tachtropfe das. 63ᵇ. teckelwärmerin das. 6ᵇ. trüffel das. 96ᵇ. trei das. 149ᵃ. zwischen tornen Gl. schiff 342. asche und treck Garg. 69ᵇ. durchtringen Gl. schiff 441. trung das. 1131. treisig das. 753. 985. 1172. geträng das. 1047. tutzend Garg. 96ᵇ. toppelhacken, tonnerten das. 233ᵃ. sogar austhänung (ausdehnung) Garg. 43ᵃ. tichten Ganskönig vorr. tach Mückenkr. 3, 466. Simpliciss. getrillt 1, 22. trehen 2, 125. Lehmann 89 trucken für drücken. Schoch Studentenleben nachtruck vorr. vertauen A 10. Polit. stockfisch 79 tach für dach. Günther thalen für dahlen 241. Lessing allein schreibt treustigkeit 6, 102.
4.
bei der inlautenden media sind wenig abweichungen von dem mhd. zu bemerken. dort gilt hinder, hindern und hinden, und das findet man noch bei Steinhöwel, Keisersberg, Luther, Dasypodius, Maaler, H. Sachs, Fuchs, Frischlin, Fischart, Ayrer, Henisch, Schönsleder, Lehmann, Wolgemut, Stieler und andern. ebenso das subst. und adj., der hinder Steinhöwel 54 (1487), Luther Ps. 78, 66. Dasyp. 187ᶜ. H. Sachs 4. 3, 105ᵇ. Maaler 222ᵈ. bein hindern füszen B. Waldis Äsop 164ᵇ. der hinderst Wolgemut Esopus 2, 305. seit dem 18ten jh. schreibt man die partikel hinter, hinten und das subst. und adj. hintere, daneben aber bleibt hindernis, hinderlich und das verb. hindern. ähnlich mit dem mhd. under und unden, so in der Theologia deutsch 22, so bei Steinhöwel, Dasyp., Maaler, H. Sachs, Waldis, Spreng 316ᵃ, Stieler, aber bei Luther, Frischlin 124. 433, Henisch, Frisch das heutige unter. mhd. der vierde noch bei Luther 1 Mos. 1, 9. 2, 14, jetzt der vierte. Lessing schreibt siebendes stück 7, 31, siebender brief 8, 17, aber auch siebenter. mhd. fürder, das im anfang des 18ten jh. auszer gebrauch kam, ward im 16ten und 17ten fürter geschrieben bei Dasyp. 333ᵈ. Philander v. Sittew. 1, 265. Wolgemut Esopus 2, 295. Simpliciss. 1, 23. Stieler 541. daneben fürderen bei Dasyp. und Henisch 1289, und das heutige förderen bei Luther Ps. 7, 10 und bei Schönsleder. Luther gebraucht noch das prät. schneit (mhd. sneit) für schnitt: und scheint dadurch verleitet einen infin. schneiten (mhd. snîden) 2 Mos. 31, 5. 35, 33. 35. 38, 23 und das subst. schneite (mhd. snîde) Richter 3, 22. 1 Sam. 13, 22. Pred. 10, 10 anzunehmen. unser flattern lautet mhd. fledern, wie noch heute mundartlich (Schmeller 1, 585), bei Lehmann fladern; bei diesem auch fledermaus, flederwisch. schnattern, mhd. snateren, im 16ten jh. (H. Sachs 4. 1, 21ᵃ) wird noch bei Lessing 1, 67 schnadern geschrieben. für das heutige knoten nodus, ahd. knodo, mhd. knode schreiben noch Dasypod. 366ᵇ, Maaler 246ᶜ, Fischart Garg. 96ᵃ, Fuchs Mückenkrieg 1, 469. Frischlin Nomencl. 127 und Henisch 1624 das gekürzte knod, Polit. stockf. vorr. mit knoden binden, doch bei Luther schon knote: Stieler 998 führt knode und knoten an, Frisch 1, 529 knode und knote. pfode für pfote Lehmann 139. schwerd, schwerder Comenius Orbis pictus 273. 289. witwe, wittwe, ahd. witawâ, mhd. witewe, schreibt Luther allein widwe, wozu ihn wol das lateinische vidua bestimmte. in einer urkunde vom jahr 1416 (Hund metropol. Salisb. 1, 234) wird das lateinische schedula die cetel geschrieben. im 16ten jh. zeigt sich ohne lautverschiebung der zedel Keisersberg Sünden des munds 9ᵃ. 4 Mos. 5, 23. Dasyp. 217. Alberus Dict. nov. y. Maaler 510ᵇ. 513, wie im niederdeutschen. dagegen vom 17ten jh. an der zettel, so bei Henisch 381, Schönsleder, Stieler. man hat aber auch die media noch verdoppelt und zeddel geschrieben, wie Gellert 2, 205. 228, was mit dem dän. seddel übereinkommt. Die ahd. gemination DD zeigt sich nur selten an der stelle von TT und ist wol nur hereingekommen durch das altsächs. DD, das organisch ist, aber ganz verschieden von dem gothischen DD, welches dem LL zu entsprechen scheint. im mhd. ist es ganz verschwunden und man begegnet ihm höchstens in fremden eigennamen: es dauert aber im niederdeutschen fort, wo man wedder (iterum), fedder, ledder (leder und leiter) spricht; s. Müllenhoff zu Quickborn s. 265. von dorther ist es manchmal in das nhd. eingedrungen, widder (iterum) öfter in den Weisthümern 2, 501 vom j. 1424. 3, 502 vom j. 1449. in widder (aries) ist es durchgesetzt. das ahd. widar, mhd. wider bewahrt noch Steinhöwel (Äsop 53), Maaler (494), Schönsleder (Mm 1), Wolgemut (1, 79. 2, 50) im reim auf nider, Jac. Ayrer (Trag. 244) schreibt sogar wieder. dagegen widder bei Dasypodius, Alberus Ss iij, Frischlin, Stieler. Luther schwankt, wider 1 Mos. 22, 3. öfter widder 1 Chron. 30, 21. 2. 13, 9. Psalm 66, 15. auch im dänischen vädder neben väder, dieses allein im schwedischen. Luther läszt DD aber auch in andern wörtern zu, daddlen 1, 342ᵃ. fedder 3, 414ᵇ. allerlei gefidderts gevogel 1 Mos. 1, 21. foddert (fordert) 5 Mos. 10, 12. besuddeln 1 Mos. 49, 4. 3 Mos. 11, 43. Hoh. lied 5, 3. Jesa. 63, 3. Jerem. 4, 14. hadder 4 Mos. 27, 14. 5 Mos. 1, 12. 25, 1. Ps. 55, 10. Sprüche Sal. 6, 14. 10, 12. 13, 10 u. s. w. hadderer Jesa. 49, 1. haddern 2 Mos. 21, 18. 4 Mos. 20, 13. Richter 6, 31. Ps. 35, 1 u. s. w. am häufigsten bei Alberus in dem Diction., ich besuddel, ich hadder jurgo, fladder bruscum, ich fladder strepo, fedder, ledder, nidder pessum, danidden, scheddel, sidder interea, widder iterum, ich schlodder vacillo, zwidder Ss iij. hadderte Simpliciss. 1, 29. viele, wie Adelung und Voss schreiben troddel, andere trottel.
5.
Der regel nach wandelt sich das auslautende ahd. D im mhd. in T, und dieses T tritt im nhd. wiederum in D zurück. also ahd. eid, lid, gold, tôd, mhd. eit, lit, golt, tôt, nhd. eid, glied, gold, tod. vereinzelt erscheint im 16ten jh. noch die mhd. tenuis z. b. Steinhöwel unwissent 69 (1487). gegent 110. H. Sachs helt 1, 6ᶜ. untugent 1, 11ᶜ. jugent: tugent Wolgemut Esop 2, 457. Ayrer balt 136ᵃ. tausent Keisersberg, Luther, Fischart Garg. 36. Lehmann 909. solt H. Sachs 5. 2, 32ᵈ. durchleuchtent Ganskönig Ev. Das ahd. auslautende T bleibt im mhd. und nhd. unverändert, z. b. alt, gewalt, welt, braut: doch zeigt sich im nhd. auch D, meist in verbindung mit einer liq., so in hand band bund brand freund geld. bei Steinhöwel 91. 93ᵇ. 111. Dasypod., H. Sachs 3. 3, 7ᵈ. Fischart Garg. 49. 52. Maaler, Henisch, Spreng 532ᵇ, 572ᵇ. Lehmann 671. Stieler noch gelt, bei Luther schon geld. Fischart freuntlichkeit Schiff 793. 1119. freuntschaft das. 1106. 1161. bei Steinhöwel, S. Brant (Narrensch. 26, 8. 46, 39. 110ᵃ, 48), Luther, Dasyp., Maaler, H. Sachs, Henisch, Schönsleder, Stieler, Steinbach brot. bei Waldis brot, brod und brodt 7ᵇ. im inlaut H. Sachs brode das. 5, 2, 31ᵈ. Wolgemut ein bissen brods Esopus 144. Lehmann brod 139. Frisch gebraucht brod, stellt aber brot daneben auf; man folgte ihm bis in die neuste zeit, wo wieder brot den vorzug erhalten hat. ebenso zieht Frisch schwerd vor.
6.
die mhd. sprache zeigt, wenn in zusammenziehungen das tonlose e wegfällt, kein DT, wie es heute in verwandt, wandte, sandte, lädt u. s. w. gebräuchlich ist, ihr genügt die einfache tenuis. beispiele aus dem reim bekleit (: schônheit) Haupts zeitschr. 5, 18. geschant (: brant) Walther 26, 18. gesant (: hant) ders. 34, 22. gesant (: vant) Eraclius 1696. bewant (: lant) Freidank 79, 25. unbewant (: vant) Iwein 3244. gewant pp (: hant) das. 1547. 3320. 3425. 3854 (: lant) 1823. 2310. 6610 (: envant) 4730. gesant: geschant: verpfant MS. 2, 244ᵃ. vint (: sint) Haupts zeitschr. 2, 52. bevint (: kint) Passional 90, 93. wirt (wirdet) häufig. verwunt (: gesunt) Gold. schmiede 1632. auszer dem reim schât (schadet) Walther 26, 16. 29, 28. 85, 24. sent (sendet) Freidank 68, 26. von einem so gewanten man Iwein 4461. sante prät. Walther 99, 17. auch nd im inlaut, wande (: entrande : erkande) ders. 30, 35. 110, 15. bei Muscatblut im 1 ten viertel des 14ten jahrhunderts gesant (: ant) 37, 5. (: bekant) 57, 58. beim Wolkensteiner im 1 ten viertel des 15ten gesant (: gewant subst.) 94. 3, 5. aber auch gesendt 27. 2, 14. 29. 1, 11 und wendt (wendet). die Fastnachtspiele zeigen zuweilen noch das mhd. T, verwant (p. p.) 180, 33. schat (schadet) 185, 16. 328, 9. went (wendet) vint (findet) 274, 4. 577, 15. ret (redet) 286, 3. rets (redest) 182, 24. schent (schendet) 706, 1. geschent 151, 10. gepfent (gepfändet) 706, 15. getot (getödet). 476, 5. selten TT, rett (redet) 23, 29. überrett 281, 17. schneitt 284, 11. getött 476, 5. vorherschend ist DT, schadt 469, 21. ir ladt 233, 12. redt 12, 5. 68, 16. 111, 1. 166, 17. 281, 33. 535, 24. 697, 15. 698, 25. geredt 112, 7. 586, 34. vollendt 311, 14. sendt 156, 21. meldt 801, 5. endt: gewendt 31, 18. unverwendt 147, 12. ich wendt (wendete) 565, 6. ir werdt 433, 8. 541, 7. schneidt 98, 23. leidt 279, 11. 421, 23. findt 32, 26. 119, 32. 139, 19. 284, 4. befridt (befriedet) 534, 16. verschlindt 548, 6. versundt (versündet) 16, 34. verkundt (verkündet) 172, 20. gewundt 464, 14. ir wurdt 460, 9. noch seltner ist dieses T bei Brant im Narrenschiff: es findet sich nur erblint 46, 2. 76, 4. 98, 22, neben erblindt 6, 1, ermort 66, 26. verblänt (verblendet). 67, 5. sonst immer DT, ladt 74, α. schadt 110ᵇ, 47. redt 19, 12. 41, 14. 110, 20. geredt 7, 14. endt 58, 33. 66, 40. wendt 25, 26. scheidt 104, 11. bindt 99, 125. findt vorr. 60. 127. 2, 29. 6, 54. 201. 43, 32. 53, β. 58, 71. 75. 64, 52. 80, 30. 83, 16. 113. 70, 1. 85, 64. 94, 14. 96, 26. 97, α. entpfindt 7, 7. 71, α. 77, 12. durchgründt 64, 51. schwindt 99, 109. verkundt 103, 74. verschuldt 112, 41. sündt 86, 60. versündt 86, 14. verwundt 57, 52. zündt 77, 10. entzündt 13, 35. 53, 33. anzündt 106, α. Steinhöwel schreibt bindt 48ᵇ (1487). getödt 43ᵇ. vindt 72. geredt 98. auszgesandt 111ᵇ, aber auch schlint und verschlindet. in einer handschr. des Cato geschendt: wendt Zarnke lesarten zu 114. Albrecht v. Eybe redt, überredt bl. 4ᵇ. Schwarzenberg erfindt: verplindt (siehe unten dennest). Theuerdank 2, 25 underredt. Murner leidt, duldt Luther. narr 73. 74. bindt 2047. doch auch fint das. 893. verschwint 925. schat 1822. Luther schneit (schneidet) Psalm 52, 4. aber immer das prät. sandte 1 Mos. 20, 2. 37, 14. 38, 20. 45, 23 u. s. w. auffallend das p. p. gesand 1 Mos. 19, 13. 38, 23. 46, 5 u. s. w. verwund 3 Mos. 22, 24. 1 Sam. 31, 3. 1 Chron. 11, 3. Sprüche Sal. 7, 26. Jerem. 37, 10. Hesek. 28, 23. aber auch geredt 4 Mos. 27, 7. verwundter Hesek. 30, 24. die verwündten 1 Chron. 6, 22. Jerem. 37, 10. 51, 21. Klagel. 2, 12. das verwundte Hesek. 34, 4. 16. verwandter Hesek. 30, 24. die verwandten 2 Könige 10, 11. Hiob 19, 13. Ps. 31, 12. 55, 14. 88, 19 u. s. w. H. Sachs wirt (wird) 1, 249ᶜ und wirdt 2. 4, 41. verwundt 3. 3, 2ᵃ. überwindt 3. 3, 5ᵃ. sendt das. verschuldt 3. 3, 7ᵈ. redt 3. 3, 8ᵉ. Fischart schneid Schiff 334. wirt das. 490. verwant das. 480. verkündten (prät.) das. 508. sant (sendete) das. 1072. aber auch find (findet) Garg. 74ᵇ. gebrandt Garg. 71ᵇ. Dasyp. verwanter und verwandtschaft 148. Frischlin verwandter 336. abgesandter 388. Henisch verwandt verwandter 1220. 1564. Lehmann scheidt 142. Ayrer ertödt: genödt 3ᵈ. gesendt: gewendt 4ᵃ. findt 10ᶜ u. s. w. Spangenberg sich endt: sich wendt Ganskönig F v. Fuchs Mückenkrieg bekleidt 1, 1022. meidt 1, 88. bescheidt 2, 18. Schönsleder verwandt Ii 2. Simpliciss. wante 1, 21. Stieler hält wieder streng bei T, bewant 2504. verwant verwanter verwantschaft 2431. gesant gesanter 2009. 2010. im 18ten jahrh. entschied man sich für DT, wie es bei Frisch und Steinbach angegeben wird: so z. b. beredt, auch das präs. redt kommt vor bei Fleming 106. Lessing 1, 208 u. a. findt Göthe 13, 46. 73. abgewandt ders. 41, 291. nur schreibt man wird, da kein wirdet mehr gebraucht und die zusammenziehung nicht erkannt wird. Man kann dieses DT ertragen, wiewol es so wenig als dicht't (Lessing 1, 115), reit't (Göthe 1, 182) einflusz auf die aussprache hat und die mhd. schreibung den vorzug verdient. aber es ist ein nicht zu entschuldigender misbrauch, wenn es auch da angewendet wird, wo eine zusammenziehung nicht dahinter liegt. Wolkensteiner landt 16. 3, 13. Albr. v. Eybe windt (ventus) bl. 4ᵇ. wandt 10. vndter 13ᵇ. Steinhöwel goldt 91ᵇ (1473). pedt (bett) 97. niemandt 60. schendtlich 72. freundtschaft 74. tausendt 93ᵇ. Fastnachtspiele bescheidt (imperat.) 14, 18. Fuchs Mückenkrieg kondten 2, 399. ein hauwendts schwein 2, 412. bei S. Brant sehr häufig, baldt 97, 32. 99, 172. bandt 86, 22. handt 13, 40. 57, 53. 63, 62. 79, 28. 84, 8. 86, 23. 89, 12. 94, 35. 99, 60. landt 6, 35. 22, 15. 27, 24. 31, 27. 56, 30. 87. 79, 28. 84, 7. 88, 27. 89, 11. 94, 35. 99, 59. 103, 74. fandt prät. 6, 35. 66, 31. 147. entpfandt 57, 53. radt (rota) 56, 42. rodt (consilium) 3, 5. allesandt 94, 34. gewandt (kleid) 63, 61. überwandt 56, 29. hendt pl. 25, 25. wendt 103, 34. erdt 3, 26. 24, 17. 43, 25. 66, 73. 75, 56. 90, 14. gerdt begerdt 3, 25. 24, 18. 43, 26. 83, 44. 73. unwerdt, werdt 83, 31. 72. 90, 15. erfreidt (erfreut) vorr. 57. leidt (subst.) 7, γ. 26, 31. blindt 3, 15. 20, 2. 40, 13. 71, γ. 72, 31. 77, 29. brindt 13, 36. 53, 34. grindt 3, 16. kindt 6, 2. 22, 3. 25, 11. 71, β. entpfindt 71, α. sindt vorr. 1. 28. 39, 30. 32. 46, 44. 65, 20. 72, 32. 73, 83. 99, 91. vindt (feind) 39, 31. windt (ventus) 97, 17. 99, 92. grundt 3, 22. gesundt 53, 8. 63, 24. hundt 95, 51. kundt 27, 20. 63, 23. mundt 27, 21. 53, 15. 70, 12. 92, 91. 110ᵃ, 51. fürmundt 71, 14. pfundt 3, 21. 25, 10. fründt 73, 82. stundt 70, 11. 92, 90. undt 71, 14. wundt 53, 7. zuweilen schreibt Brant bei diesen wörtern D, so bis auf die bemerkte ausnahme immer und, häufig kind 26, 45. 42, 31. 46, 25. 71, β. 77, 95. 78, 18. 87, 4. 94, 21. 98, 31. ferner land 93, 5. schand 93, 6. rad (rota) 56, 48. end 107, 61. hend 103, 33. 107, 62. 110ᵃ, 15. lend 107, 44. wend (wollen) 107, 43. 110ᵃ, 16. erd 72, 77. 83, 32. 43. 72. 97. werd 72, 78. 83, 96. sind 65, 18. stund (subst.) 110ᵃ, 52. selten T, hant 88, 27. blint 30, 10. stunt 95, 50. doch öfter sint 26, 80. 33, 6. 40, 14. 43, 31. 67, 53. 76, 3. 95, 63. 102, 62. man sieht er schwankt wie alle, doch herscht DT vor. Keisersberg sindt Bilger 46ᵇ neben sint und sind. gesundt das. 48ᵇ. Theuerdank randt (prät.) c. 90. behendt 10, 100. Luther, der überhaupt die rechtschreibung überdacht hatte und mit sorgfalt behandelte, hielt dieses rohe DT fern, während es sonst im 16ten jahrh. überhand nahm. bei H. Sachs steht es auf jeder seite, nur selten kommt daneben die einfache tenuis zum vorschein, zuweilen hant, brot neben handt, brodt. nur einige beispiele, landt. genandt: erkandt. endt: regimendt. feindt. freundt. gesindt: geschwindt. blindt. bildt: wildt. geldt: feldt. grundt: kundt. pferdt: schwerdt. erdtreich. gewaldt: waldt. baldt. spadt: dradt. leidt. neidt. schiedt: riedt. schaudt (seht). maid: aidt. Ringwaldt schreibt sich selbst so. Frischlin brodt 282. eidt 378. anwaldt 377. blutfreundt 389. zehendt (decuma) 388. bestandt 380. burgerstandt (status civilis) 389. schwerdt 453. schildt 452. schneidt (acies) 453. bei Waldis findet man sindt Äsop 105ᵃ. schwerdt 146ᵇ. freundt 147ᵃ. der sorgfältige Fischart meidet es nicht immer, kundtschaft Schiff 477. niemandt das. 506. kondt köndt (konnte könnte) Garg. 28ᵇ. 29. 46. Ayrer steht wieder mit H. Sachs auf gleicher stufe. Henisch freundt 1220. schwerdt 1427. Sprengs Ilias verwundt 391ᵇ. im 17ten jh. dauert es fort, in Wolfh. Spangenberg Ganskönig findet man endt (finis) A Vᵇ. behendt A U. alsbaldt D v. bekandt F. 1. bei Lehmann noch ziemlich häufig, z. b. bescheidt 195. erndt 258. endt 300. pferdt 381. 824 neben pferd 672. freundtlich 671. niemandt 672. beistandt 672. wildt 673. tugendt neben tugend 783. landt 792. stundt 934. am weitesten geht Wolgemut, der es in seinem Äsop fast zur regel macht. nur einige beispiele, holdt: goldt 1, 23. hundt: ungesundt 1, 23: mundt 1, 30: stundt 1, 144. waldt 1, 39. handt: sandt (subst.) 1, 31. heidt (heide): beidt. beidt: eidt 1, 63. windt 1, 74. geld 2, 373. kindt das. dagegen wo auf die sprache sorgfalt verwendet wird, kommt es nur vereinzelt vor, so in der Ilias von Spreng († 1601) handt 2ᵇ. 3ᵃ neben hand 70ᵃ. 357ᵇ. verstandt 481ᵇ. neben verstand 314ᵃ. bekandt: genandt 313ᵇ. genandt: erkandt 317ᵃ. mildt: wildt 316ᵃ. kundt für konnte 455ᵇ. 464ᵃ. in der sichtlich vorgeschrittenen sprache des Simplicissimus (1669) scheint es verschwunden zu sein. im 18ten jh. taucht es nur hier und da auf: in der hallischen ausgabe der bibel vom j. 1758 ist brot, wie Luther schrieb, in brodt geändert, und dies behält Lessing bei 2, 403, der auch schwerdfeger 6, 295 und schwerdter 2, 42 schreibt. Nur in ein paar fällen will DT nicht weichen. wir unterscheiden jetzt damit das subst. tod von dem adj. todt, schreiben auch das verb. tödten. mhd. galt tôt tôdes subst., tôt tôtes adj., und das verb. tœten, das noch beim Wolkensteiner im reim auf nœten vorkommt und das Albrecht v. Eybe beibehält 14ᵇ, Keisersberg schreibt erdötten Christl. bilger 33ᶜ. die Fastnachtsp. das part. prät. getot 180, 8 und getött 476, 5. aber bei Steinhöwel, Luther, Dasypodius, Maaler, Henisch, H. Sachs 5. 2, 43ᶜ, Logau, Schönsleder tödten, nur Frisch setzt töden an. bei dem subst. und adj. unsicherheit im 15ten, 16ten und 17ten jahrh. Keisersberg schreibt das subst. wie das adj. tod Bilger 47. Steinhöwel das subst. tod (68ᵇ) und todt 37ᵃ, das adj. todt 10ᵇ. Luther wie Keisersberg das subst. und in der regel das adj. tod 2 Mos. 14, 3. 3 Mos. 11, 32 u. s. w., selten todt wie 4 Mos. 19, 11, Dasypod., H. Sachs 3. 1, 228. 5. 2, 30ᵈ. 32ᶜ, Schönsleder, Lehmann 768 subst. und adj. todt. Fischart das adj. tod und todt Garg. 49. Waldis das subst. tod 217ᵃ und todt 152ᵇ. Frisch subst. tod, adj. tot und tod. bei Maaler, Stieler und Steinbach die heutige schreibung. ähnlich verhält es sich mit stadt (urbs). das ahd. mhd. stat findet sich noch beim Wolkensteiner, im Theuerdank 91, 25. 40. 51, bei Wolfh. Spangenberg Martinsgans bog. D; auch einmal bei Fischart Schiff 1021. Luther schreibt stad 1 Mos. 4, 17. 24, 10. viele statt, Steinhöwel 93ᵇ, Keisersberg, Maaler, Dasypod., Frischlin 389, Fischart Schiff 473. 479. 487. 491. 694. Garg. 233ᵃ, 698, H. Sachs 5. 2, 41ᶜ (in stetten 4. 3, 56ᶜ), Waldis, Henisch, Spreng 2ᵇ. 40ᵃ. 332ᵃ, wie bei blatt, matt, glatt nach kurzem vocal die verdoppelung hinzutritt. das heutige stadt auch bei H. Sachs 1, 5ᵈ. Ayrer 1ᵃ. 9ᵇ. 9ᶜ. Schoch, Stieler und den spätern.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 641, Z. 1.

dam

dam,
s. damhirsch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 700, Z. 31.

däm, gedäm, n.

däm gedäm, n.
anschlagen der waffen, waffenlärm im kampf. das gedäm erhall in himmel strepitus armorum ad cœlum ferri cœpit D. v. Plieningens Jugurtha c. 60. der jud Joffel sagte aus es sei bei der marter des gemordeten christkindes ein solches geschrei und thäm gewesen, dasz er nicht gründlich angeben könne ob die marter mit nadeln oder mit messern geschehen sei Schmeller 1, 369. 70. bei einem bauernkampf wird gefragt
ach! wo sind unsre man?
do sprach das winzig Gredel
'sie seind auch in dem däm'
Uhland Volksl. 658.
ebenso gebraucht wird mhd. daz getemere, eigentlich das klopfen mit dem hammer auf metall, wofür man auch dengelen sagt.
man hôrte swert dô klingen
so lûte als vil hemere
macheten daz getemere,
dâ man vil kezzel worhte.
Ulrichs v. Türheim Wilhelm pfälz. hs. bl. 247.
dô wart ein solch getemere
sam tûsent smitte slüegen hemere.
Lohengr. s. 44. Engelh. 2729.
vgl.dämmern klopfen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 700, Z. 32.

damm, m.

damm m.
agger.
1.
eine in die länge sich ziehende erhöhung von sand, erde oder stein, in welchem allgemeinen sinn von den seeleuten eine sandbank ein damm genannt wird.
2.
in bestimmter bedeutung eine erhöhung, die am ufer des meeres, eines flusses, oder rings um einen see zum schutz gegen das austreten des wassers aufgeführt ist, ein wall, s.deich. man sagt einen damm schlagen, aufwerfen Henisch. das wasser mit einem damm schwellen mit einer schwelle umgeben ders. einen damm machen, durchstechen, durchgraben Frisch 1, 182ᵃ. im bergbau den damm stoszen. der damm bricht, wenn die gewalt des wassers ihn zerreiszt. und die wasser werden verlaufen dasz die seen an temmen werden geringe und treuge werden Jes. 19, 6. da ich (der herr) im (dem meer) den lauft brach mit meinem tham Hiob 38, 10. wer hadder anfehet ist gleich als der dem wasser den tham aufreiszt Sprichw. 17, 14. ob es (das wasser) nicht etwan mit einem damm aufzuhalten sei, denn je höher der damm, je tiefer das wasser wird Kirchhof milit. discipl. 167.
was dorfts das sie vil dämm umbbauten.
Fischart Glückh. schiff 20.
ja wann eins groszen wassers kraft
die vorgeschützten dämm, die nicht
stark genug sein, mit gewalt durchbricht.
Fuchs Mückenkr. 3, 551.
der damm zerreiszt, das feld erbraust,
die fluthen spielen, die fläche saust
Göthe 2, 37.
der damm zerschmilzt, das feld erbraust,
die fluthen wühlen, die fläche saust
2, 38
wo die flämmchen mächtig schwärmten
stand ein damm den andern tag
41, 301.
du bist doch nur für uns bemüht
mit deinen dämmen, deinen bühnen
41, 320.
gieng ihre (der Spanier) vermessenheit so weit dasz die einwohner (der Niederlande) aufhörten an den dämmen zu arbeiten und ihr vaterland lieber dem meere überlassen wollten Schiller 791.
3.
bildlich, das gesetz ist ein damm gegen willkür.
wenn ich wolt es gar gewis haben,
so hat mir ain ander den dam abgraben
(mich nicht dazu gelangen lassen)
Fastnachtsp. 673, 23.
denn da der grosze damm brach und gottes wort, die rechte meinung der kirchen weg war, wie solte da nicht einreiszen eitel sindflut, allerlei menschenlehre, das ist lügen, irrthum, abgötterei und greuel Luther 6, 91ᵃ. es war an seinem lierzen wie wenn ein damm durchgehet F. H. Jacobi Woldemar 190. da eitelkeit, stolz — auf einmal so rasch den damm überspringen können, der sie bisher eingeengt hat Klinger 5, 160. da das schwellende herz doch endlich den damm der verstellung überwältigt J. Paul Hesp. 3, 57.
denn Deutschlands völkerstamm
war grosz von anbeginne,
erst der freiheit damm,
dann der herschaft zinne
Rückert 145.
danke dasz dich nicht die flut verschlungen,
weil ich dir geworden bin zum damm
337.
man sagt einen auf den damm bringen einem forthelfen, ihn in die höhe bringen, besonders wenn man einem handwerker kunden verschaft, so dasz er in wolstand kommt. in Berlin, in Sachsen gilt die bildliche redensart er ist nicht auf dem damm nicht gesund, frisch und munter. ebenso man musz auf dem damm sein wachsam.
4.
in engerer bedeutung ein abzugsgraben, emissarium, um das wasser abzuschlieszen oder einzulassen, ein wassergatter, laszladen Henisch 637, schleuse nach Höfers östreich. wörterb. klopfdamm heiszt die erde, die man beim graben eines canals vorläufig stehen läszt, um das wasser von den arbeitern abzuhalten.
5.
da die heerstrasze meist erhöht wird, zumal in sumpfigen gegenden, und da sie oft auf einem damm hergeht, so wird der begriff vom fahrweg darauf übertragen: sanddamm, steindamm ist ein mit sand oder mit steinen erhöhter fahrweg: der knüttel- oder knüppeldamm wird aus unmittelbar an einander gelegten baumstämmen oder ästen hergestellt. im nördlichen Deutschland wird sogar der erhöhte theil in der mitte einer gepflasterten strasze der damm genannt: im dänischen und isländischen heiszt umgekehrt das von dem wall umgebene wasser dam. dort sagt man einen fisch in den damm (fischteich) setzen.
6.
nach Frisch heiszen die hölzer, worauf der stock in der orgel liegt, in welchem die pfeifen stecken, damit die register füglich können gezogen werden, dämme.
7.
in der anatomie das perinaeum, die schamleiste, das mittelfleisch, daher dammmuskel. Im gothischen faurdammjan durch einen damm verschlieszen, ags. demman; das subst. hat sich dort noch nicht gezeigt, erscheint aber im mhd. tam (tam für sünden sê K. Tirol MS. 2, 248. des sêwes tam Wartb. kr. MS. 2, 6ᵇ. den tam zerbrechen 7ᵃ), isl. dammr, altschwed. dampn bei Ihre, engl. schwed. dän. dam, mlat. damma, franz. dame klopfdamm, poln. tamma. das starke verbum, von dem es abstammt, ist verloren.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 706, Z. 38.

das

das,
s. der.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 806, Z. 51.

der, die, das

der, die, das.
I.
demonstrativum. singl. masc. der, des, dem, den. fem. die, der, der, die. neutr. das, des, dem, das. pl. comm. die, der, den, die is ea id. goth. demonstr. masc. sa, þis, þamma, þana: pl. þái, þizê, þáim, þans. fem. sô, þizôs, þizái, þô: pl. þôs, þizô, þaim, þôs. neutr. þata, þis, þamma, þata: pl. þô, þizê, þaim, þô. das relativum wird durch das suffix ei gebildet, saei, sôei þatei u. s. w. Gramm. 3, 15. ahd. masc. der, des, demu, den: pl. diê, derô, dêm, diê. fem. diu, derâ, deru, dia: pl. diô, derô, dêm, diô. neutr. daz, des, demu, daz: pl. diu, derô, dêm, diu. mhd. masc. der, des, dem, den: pl. die, der, den, die. fem. diu, der, der, die: pl. die, der, den, die. neutr. daz, des, dem, daz: pl. diu, der, den, diu. alts. masc. thie, thes, themu, thena: pl. thiâ, therô, thêm, thiâ. fem. thiu, thera, theru, thia: pl. thiâ, therô, thêm, thiâ. neutr. that, thes, themu, that: pl. thiu, thero, thêm, thiu. altfries. masc. thi, thes, thâ, thene. fem. thiu, there, there, thia. neutr. thet, thes, thâ, thet. pl. aller geschlechter tha, thera, thâ, tha. mittelniederl. masc. die, des, den, den. fem. die, der, der, die. neutr. dat, des, den, dat. pl. aller geschlechter die, der, den, die. neuniederl. masc. die, diens, dien, dien. fem. die, dier, dier, die. neutr. dat, diens, dien, dat. pl. aller geschlechter die, dier, dien, die. angels. masc. se, þäs, þam, þone. fem. seó, þäre, þäre, þa. neutr. þät, þäs, þam, þät. pl. aller geschlechter þa, þara, þâm, þa. engl. that unverändert für alle geschlechter und casus. altn. masc. sâ, þess, þeim, þann: pl. þeir, þeirra, þeim, þâ. fem. sû, þeirrar, þeirri, þâ: pl. þœr, þeirra, þeim, þœr. neutr. þat, þess, þvî, þat: pl. þœ, þeirra, þeim, þœ. schwed. masc. und fem. den, dens, den, den. neutr. det, dets oder dess, det, det. pl. aller geschlechter de, dêras, dem, de. dän. ebenso, nur im gen. pl. dêres.
A.
In verbindung mit einem subst., wo es den ton hat. das wird gedehnt ausgesprochen, Luther führt an das ist mein leib und bemerkt dabei folgendes 'das ist ein pronomen und lautet der buchstab a drinnen stark und lang, als wäre es geschrieben also, dahas, wie ein schwäbisch oder algauwisch daas lautet; und wer es höret, dem ist als stehe ein finger dabei der darauf zeige' 3, 67. dieses dâs ist noch heute in südlichen wie in nördlichen landschaften gebräuchlich, in Frankfurt, in Baiern (Schmeller 1, 401) hört man dês, im Östreichischen dœs.
1.
ohne nachfolgenden satz, der tag war zu dem fest bestimmt. die freude kam unerwartet. dem mann vertraue ich nicht. der sängerin kann man einen kranz reichen. wer kennt die frau? bis auf den tag habe ich gewartet. bis an den baum gelangte er noch. den augenblick habe ich ihn noch gesehen. mit den blonden locken, das kind ist das meinige: das dort. die jahre über war er nicht hier. nun weisz ich doch die stunde (bis auf diese stunde) nicht, wie Sie dieses tagebuch aufgenommen haben Rabener 6, 115.
der eine hat die, der andere andere gaben.
Göthe 40, 260.
es steht wie dieser, diese, dieses, was man insofern lieber gebraucht als es der verwechselung mit dem artikel gleich vorbeugt. besondern nachdruck erhält es bei ausrufungen, doch bleibt dem subst. der hauptton. dér held! dér narr! díe unsinnige! im mhd. wird das persönliche pronomen gesetzt, er stahel! er küene! weitere beispiele in der Grammatik 4, 443. es wird sogar hinter dem subst. wiederholt, der grobian der! die nichtswürdige die! das ungezogene kind das!
der fuchsschwänzer der!
Gotter 3, 171.
der balg der!
Göthe 7, 93.
die neider die! die kränker die! Klinger 4, 124. für solcher, solche, solches. der mann führt das nicht durch. in dem alter unternimmt man keine grosze reise mehr. in den jahren wird der wein nicht feurig. in den zeiten gedeiht nicht kunst und wissenschaft. mit den gründen überzeugt man keinen.
2.
folgt ein darauf sich beziehender satz, so steht es wie derjenige, diejenige, dasjenige, das man jedoch in der verbindung mit substantiven nicht gerne setzt. es wird dann nicht betont, auszer bei gegensätzen, und gleicht dem artikel. das ist der mann, den du suchst. es ist die mutter des kindes, das gestern ertrunken ist. ich habe das geschenk dem kind gegeben, das zuerst zu mir kam. ich achte die männer, die sich entschlossen zeigen. ich lasse von den freunden nicht ab, die sich treu erwiesen haben. und als sie kamen an die stet, die im gott saget, bawet Abraham daselbs einen altar 1 Mos. 22, 9. da schrieb er auf die tafeln, wie die erste schrift war, die zehen wort die der herr zu euch redet aus dem fewr auf dem berge 5 Mos. 10, 4. der stein den die bauleute verworfen haben, der ist zum eckstein worden Marc. 12, 10.
B.
Allein stehend nimmt es substantivische natur an, es tritt aber dann im nhd. in der flexion des gen. sing. und pl. wie des dat. pl. eine veränderung ein, wovon sich in der alten sprache keine spur zeigt. die betonung allein schien nicht mehr zu genügen, man erweiterte die flexion.
gen. sing. dessen, deren, dessen.
gen. pl. aller geschlechter deren und derer.
dat. pl. denen.
ähnlich ist der genitiv wes in wessen erweitert worden. dem gen. pl. hängt Philander v. Sittew. noch ein d an, etliche sind verliebt in ihre weiber, und derend sind am wenigsten zu finden 1, 26. ähnlich in derenthalben, derentwegen, derentwillen. es trat aber eine unterscheidung zwischen deren und derer ein, steht der gen. pl. blosz demonstr. oder blosz relativ, so wird deren gebraucht. es lagen Spanier hier, deren erinnere ich mich sehr wol. sei denen freundlich, deren liebe du genieszest.
rasch war ihm der Abanter geleit.
deren folgt ein geschwader von vierzig dunkelen schiffen
Voss Ilias 2, 545.
der alte fromme herr verständigte mich dasz diese mücken, wenn deren im paradiese gewesen, daselbst nur angenehm gesummet und nicht gestochen Göthe. was entwürfe zu monumenten aller art betrifft, deren habe ich viele gesammelt, und zeige sie gelegentlich 17, 205. was fang ich mit den leuten an, deren seelen so gleich als ihre sackuhren gehen? Schiller 188ᵃ. folgt dagegen auf das demonstr. ein relativer satz, wo es soviel als derjenige heiszt, so sagt man derer. du bist die freude derer, deren sorge du auch bist. urtheile daraus von dem geiste derer, welche uns als abtrünnige betrachten Mosheim. die abschaffung derer gesetze, welche die republik in beziehung auf sie gegeben hat Klopstock 12, 28. 209. die misgunst derer, die das übermasz meines glückes beleidigte Wieland.
doch derer die ich kenn, ersetzt ihn keiner
Rückert.
früherhin machte man diesen unterschied nicht,
der herr, der helfer aller deren (statt derer)
die ihn anrufen, lieben, ehren
Weckherlin 4.
die leuen, derer (statt deren) general ein hirsch ist Butschky Patmos 680. Der gebrauch des gen. sing. fem. ist etwas eingeschränkter, man sagt zwar ich habe damals eine frau gesehen und erinnere mich deren lebhaft, aber folgt ein relativum, so läszt man deren nicht zu. man sagt nicht sie ist die mutter deren, die ihr gestern gesehen habt, weil man es mit dem gen. pl. verwechseln könnte: man sagt derjenigen oder wiederholt das substantiv. dagegen beim masc. kann kein bedenken sein, er ist der sohn dessen, den ihr gestern gesehen habt. So ist die heutige regel, wir müssen untersuchen wann die erweiterte form zuerst sich zeigt und wie sie vordringt, nicht blosz bei dem demonstrativum und relativum, auch bei dem artikel.
a.
in dem 14ten jahrh. ist sie noch unbekannt, der Suchenwirt, der Wolkensteiner, die Theologia deutsch gebrauchen sie nicht. erst in der zweiten hälfte des 15ten taucht sie auf.
das was do niemant anders schuld
dann deren, die da dienten.
Wittenweiler Ring 36ᵃ, 34.
Haym von Greczingen
cham ouch zu denen dingen
51ᵈ, 39.
des cham zu denen stunden
einer mit dem messer sein
53ᶜ, 30.
dessen gebraucht Wittenweiler nicht, sondern immer des. auch bei Keisersberg ist des die regel, zuweilen dessen. und solt warnemen dessen, dem du das sagst Sünden des munds 27ᵇ. sie achten dessen alles nüt 29ᵃ. und rümen sich dessen 37. sogar desses, das geschicht in drei weg, des beichtvaters halb, desses, der da beichtet und disses halb, der es sunst höret 71ᵇ. umgekehrt gilt bei ihm deren gen. f. und pl. als regel und kommt auf jeder seite vor, der ist selten, nur davon einige beispiele, aber die geistlichen blattern, der fünf und zwenzig sein 3ᵇ. so die reben blüend, der seind vil in dissen landen 45ᵃ. ebenso verhält es sich mit denen, z. b. das thuͦt er (der arzt) denen nit, an denen er nit verzweiflet hat, denen verbütet er gar vil 18ᵃ. einmal den neben denen, aber Roboam erwelet jung reth, den volget er, gleich darauf, denen volget Roboam 59ᵇ. Seb. Brant gebraucht des Narrensch. 26, 34. 68, 15. 73, 3. 88, γ. 96, 15. 111, 23. 112, 4, aber denen und deren.
denen kunst art und mosz gebrist
Narrensch. protest. 20.
do er nun deren vil angeben het Brant bei Steinhöwel 151. Cyrillus von denen hat aber ein Griech nit geschrieben Vorr. bi denen das. Murner allen denen die es uns sagen Luth. narr 117. Pauli wie vil seind deren, die da haben die fuesz der begird zuo der bösen gsellschaft Schimpf und ernst L 3. Theuerdank des und denen,
da vil vögel waren,
zu denen der Tewrdank pirschet
58, 47.
Schwarzenberg des und der,
tugent pflanzen ist mein art,
der frucht plüt nicht auf wilder haid;
ir bawung bringet ewig fraid
150, 2.
von mannen, weiben, junkfraw rein,
der leiden ist so gar gemein
156, 2ᵇ.
Luther schreibt allzeit des. wer menschen blut vergeusset, des blut sol auch durch menschen vergossen werden 1 Mos. 9, 6. des bruder hiesz Jaketan 10, 25. laszt uns eine stad und thurn bauen, des spitze bis an den himel reiche 11, 4. warumb lachet des Sara? 18, 13. von dem man bin ich schwanger, des dis ist 38, 25. des verwunderten sie sich unternander 43, 33. die frucht alle des, das in irem lande ist 4 Mos. 18, 13. unser freund, bei des dirnen du gewesen bist Ruth 3, 2. des wil ich sein und bei im bleiben 2 Sam. 16, 18. herr gott, des die rache ist, gott, des die rache ist, erscheine Psalm 94, 1. Luther gebraucht auch nicht deren und derer, sondern das mhd. der und, wobei das ahd. derô nachwirkt, den gen. pl. dere; vergl. unten dero. zuerst beispiele von der. welche seele der eins anrüret, die ist unrein bis auf den abend 3 Mos. 22, 6. der war sechsmal hundert tausent 4 Mos. 1, 46. ir solt der keins thun, das wir heute alhie thun 5 Mos. 12, 8. du weist alle die bosheit, der dir dein herz bewuszt ist 1 Könige 2, 44. denn der ist mehr, die bei uns sind denn der, die bei inen sind 2 Könige 6, 16. lasz dein wort auch sein wie der einen 2 Chron. 18, 12. die mich on ursach hassen, der ist mehr, denn ich har auf dem heubt habe Psalm 69, 5. ewig wird die schande sein, der man nicht vergessen wird Jerem. 20, 11. beispiele von dere. es ist nicht ein geschrei gegen ander, dere die obligen und unterligen 2 Mos. 32, 18. denn welche diese grewel thun, dere seelen sollen ausgerottet werden von irem volk 3 Mos. 18, 29. zuschlage den rücken dere, die sich wider in auflehnen, und dere, die in hassen 5 Mos. 33, 11. und gab sie in die hand dere, die sie raubten Richt. 2, 14. das sind die namen dere, die im zu Jerusalem geboren sind 2 Sam. 5, 16. und strewet sie auf greber dere, die inen geopfert hatten 2 Chron. 34, 4. nach dem rat des herrn und dere, die die gebot unseres gottes furchten Esra 10, 3. du heiland dere die dir vertrawen Psalm 17, 7. umb der bosheit willen dere die drinnen woneten 107, 34. und wil sie geben in irer feinde hand und dere, die inen nach dem leben stehen Jerem. 34, 20. vergl. deretwegen. dagegen häufig der dat. pl. denen, z. b. das sind die drei söne Noah, von denen ist alles land besetzt 1 Mos. 9, 19. von denen sind ausgebreitet die leute auf erden 10, 31. gedenk an deinen diener Abraham, Isaac und Israel, denen du bei dir selbs geschworen und inen verheiszen hast 2 Mos. 32, 13. alle weise menner, denen der herr weisheit und verstand gegeben hatte 36, 1. und stunden oben an unter denen die gezelet waren 4 Mos. 7, 2. denen der viel ist solt ir deste mehr zuteilen und denen der wenig ist deste weniger zuteilen 33, 54. so gehet es alles denen die gottes vergessen Hiob 8, 13. und erhöhet mich aus denen die sich wider mich setzen Psalm 18, 49. wol denen die in deinem hause wonen 84, 5. doch ist ja seine hülfe nahe denen die in fürchten 85, 10. bei denen die mir zugehören 101, 5. sehr selten das alte den. die aber guts denken, den wird trew und güte widerfaren Sprüche Sal. 14, 22. es sind gerechten, den gehet es, als hetten sie werk der gottlosen, und sind gottlose, den gehet es als hetten sie werk der gerechten Pred. Sal. 8, 14. das es kriegen die eisenfresser, den es nie gedacht ist Luther 5, 413. merkenswerth bei dem Schweizer J. Ruff desi,
das wirt uss desi worten schin
Etter Heini vorsp. 435.
wir nemens an und desi z'vil
act 1. 627.
ebenso bei Maaler desse wil ich geschweigen 89ᵈ, was Henisch 681 von ihm hat. bei Albert Kranz Dänemärk. chronik (1545) in desse für indes 96. Hans Sachs schwankt, braucht aber die erweiterte form seltner.
sie komen, lerman, lerman, her her!
stecht todt! slagt todt! schont keiner der
3. 1, 228ᶜ.
sambt denen, so hie bei im ston
1. 1, 16ᶜ.
von denen du hast gesaget hie
4. 1, 20ᵃ.
da, mein Abner, warumb des nit?
4. 1, 4ᵈ.
der auch het theil am raube da,
dessn die merräuber theten erlangen
5. 2, 31ᶜ.
des danket der arm sünder got
5, 5ᵇ.
des frew ich mich von herzen sehr
5. 2, 33ᵇ.
bei Fischart des und dessen, auch deren.
des uns hast dise nacht beraubt
Schiff 200.
sal, des thurn man noch schaut
254.
solten sie billich des genisen
960.
aber ich tröst mich dessen Garg. 30ᵃ. dessen entschuldigt er sich aufrichtig und redlich das.
dessen sich mancher gewundert hat
Schiff 827.
die hosenbendel waren eben der farb, deren die armband und händschuch (waren) Garg. 281ᵇ. Fuchs Mückenkrieg des 1, 834. 3124. dessen 1, 61. deren 1, 77. 748. 912. denen 3, 487.
Teutischland (sags mit vergunst)
begabet ist mit mancher kunst,
derer (statt deren) sichs gar nit schemen thar.
P. Melissus 1tes lied.
und die die ihre bleiben,
die künnen sich denn schreiben
für freunde derer leute,
dran zeit hat keine beute
Logau 3, s. 163.
zwischen den beiden cirkeln fein,
deren der ein umb den meerstern
her gehet bei den zweien bern
Ganskönig F v.
dessen erschrack herr Simpel gar sehr
Eselkönig 253.
eine schlange tödten und dessen jungen erhalten Olear. Rosenthal 1, 5. die überzeugung des, so man sihet Joh. Arndt wahres Christenthum. in dem 18ten und 19ten jahrh. steht der gebrauch von deren, derer und denen ziemlich fest. bei Göckingk einmal das alte der,
denn ich bedarf der keines
3, 201.
und ein paarmal bei Göthe,
die krone der mein fürst mich würdig achtete
9, 156.
dasz du in alles was uns umgibt heil- und linderungskraft gelegt hast, der wir so stündlich bedürfen 16, 139. auch des ist nicht ganz verschwunden, aber da Adelung darin eine kürzung von dessen erblickt und sogar das alte der und den aus derer und denen zusammenschrumpfen läszt, so schreibt man es gewöhnlich aber mit unrecht desz. es ist nicht blosz desgleichen deshalb deswegen deswillen u. s. w. zu schreiben, statt deszgleichen deszhalb deszwegen deszwillen, sondern auch in folgenden stellen des anzunehmen,
die tochter desz, der einst ein bundsgenosse
der Römer war
J. El. Schlegel.
ihn läszt gütiges lob oder unsterblichkeit
desz, der ehre vergeudet, kalt
Klopstock.
dasz unser gott uns leben gab,
desz wollen wir uns freuen
Stolberg.
alles bösen, das geschehen ist, desz klagen dich der sultan und sein volk an Klinger 7, 226.
desz wird herr Jupiter ergrimmt
Göthe 13, 4.
desz wird der mutter angst und bang
13, 73.
was einer noch so emsig griffe,
desz hat er wirklich schlechten lohn
41, 46.
desz ungeachtet 45, 44. desz war die thüre schuld 47, 85.
mögen nicht ertragen die gegenwart
desz der die donner wirft
Schiller 16ᵃ.
dessen mit zugefügtem t in dessenthalben, dessentwegen, dessentwillen, ebenso derenthalben, derentwegen, derentwillen.
b.
es fand noch eine weitere ausschreitung statt. man erlaubte sich auch im dat. sing. fem. deren für der. häufig schon bei Keisersberg. dise blatter ist in dem herzen und nicht in dem mund, von deren ich hie reden Sünden des munds 19ᵃ. was thuͦt die am (amme), deren ein kind verdingt ist? sie seuget das kind 32ᵇ. eerabschneider seind auch die feigel (feile), mit deren man den roscht (rost) dannen feigelt 33ᵃ. warnemung der schnödigkeit, in deren die schmeichler seind 34ᵃ. da er den weg zuͦ der statt kam, in deren bös knaben waren 38ᵇ. das lachen ist ein bott der thorheit, zuͦ deren bringt der spottvogel die leut 54ᵃ. so wär er gefallen in die gruͦb der verzweiflung, deren er ganz nah war 55ᵇ. eine besundere tracht, die uns zuͦ dem letsten dar gesetzt würt, von deren wir ganz gesettigt werden 83ᵇ. darumb ist Christus der herr der warheit nach seiner ewigen gotheit, an deren wir werden gestan ders. Seelenparadies cap. 18. mit der weil, mit deren du hinuf steigest, steig auch abe S. Brant bei Steinhöwel 50. des (des hermaphroditen) gestalt was, in deren der vater und mutter mochten erkannt werden 171. nun hab ich ie nit von hinnen künnen scheiden, ich hab mich dann mit euwer gnaden abgeletzet. habe deren zu lieb ein news liedlin gedicht, so euwer gnad das begert zu hören, wolt ichs deren zuͦr letze singen Wickram Rollwagen bl. 8ᵇ. die magd deren man den dorn auszzog Fischart Garg. 15. gnädigster herr, es ist ewer majestät ehr, deren kompts zum besten. gott wöll deren alle wolfart mehren 224ᵇ. es eröffnet sich zu dieser unsrer zeit unter geringen leuten eine sucht, in deren die patienten — gleich rittermäszige herren und adeliche personen von uraltem geschlecht sein wollen Simpliciss. 1, 1.
o fürstin, deren sich
ein solcher fürst verbunden
Weckherlin 361.
verzeihet mir, dan ich nam euch
für Myrta, deren ihr gar gleich
392.
diese unorganische form ist jetzt verschwunden.
c.
ferner wird deren und denen, zumal in dem 17ten jahrhundert, in verbindung mit substantiven verwendet. ist es, das du gott nit dankbar bist deren guͦtthaten die er an dir bewisen hat, so ist es alles verloren Keisersb. Sünden des munds 84ᵃ. nun zum dritten und letzten von denen stücken, die in die salb gehören, damit man dise blatter heilen soll 25ᵇ. ich red allein von denen die nit oberkeit an inen habent, von denen menschen red ich hie 70ᵃ. ein jeglicher redt von dem das er gelernt hat, und von denen dingen, damit er zeschaffen hat 77ᵃ. so du aber ausz unsichtlichen dingen an gott denkest, von deiner eigenen sel, von denen dingen die in got seint 89ᵃ. ich frag denen dingen nichts nach haec non curo Maaler 89ᶜ. ein ungezweifelte wahrhaftige zuversicht derer dinge die man hoffet J. Arndt Christenthum.
wie weise sonsten gleich ward Salomo geachtet,
so hat er doch in dem nicht alles recht betrachtet,
dasz derer dinge zahl, die niemals werden satt,
die steuer er nicht auch noch beigesetzet hat.
Logau 1. 128, 27.
freude derer leute,
dran zeit hat keine beute
2. 261, 31.
ein gott musz er wol sein, denn auch in denen sachen,
die unbeseelet sind, da übt er seine kraft
Fleming 1, 154.
noch in neuerer zeit, Sie werden einige davon in folgenden fragmenten aus denen briefen finden, die wir in unserer ehe an einander geschrieben haben Klopstock 11, 11. 12. 210. es ist der charakter eines jungen mädchens, eines von denen jungen mädchen, versteht sichs, mein lieber Kallias, wie man sie in dieser materiellen welt findet Wieland 1, 206. die schilderung die sie von der kleinen welt machte und von denen menschen die sie besonders schätzte Göthe.
d.
endlich, und das war der gröszte misbrauch, verwendete man die erweiterte form auch als artikel, bei welchem, da er keine betonung haben kann, diese verlängerung unerträglich ist. man beschränkte sich meist auf den dat. pl., doch zeigte er sich zuweilen auch bei dem genit. pl. schon bei Keisersb. solich schlangenvolk mit denen zweien zungen Sünden des munds 68ᵇ. von denen schlecken (leckerhaften) schreibt Bernhardus 4ᵇ. im 17ten jahrh., als die sprache im tiefsten verfall lag, war diese verwilderung so allgemein, dasz nur einige beispiele nöthig sind. als dasz mit denenselben die lateinischen hasen gefangen werden Schuppius 424. wann ich ein mensch bin wie du, so müste ich auch an denen schwarzen zeilen sehen was du kanst Simpliciss. 1. cap. 10. im druck von 1713 steht an den schwarzen 1, 37. deren soldaten thun und lassen 1. cap. 16. andere weibspersonen heiraten mit denen augen, händen und geberden, gleichwie jene zu Venedig, welche aus vier ihr beisitzenden cavalieren doch einen gar gewis zu fangen gedachte, indem sie einen unter denenselbigen stäts mit freundlichen augen anstrahlete Riemer Stockfisch vorr. um den kopf und auf denen achseln Vorr. freilich sahe der schöne und zu selbiger zeit arme Solande wie milch und blut und deswegen denen gelben, staub- und sonnenschwarzen ungesunden bettlern ganz ungleich 22. und eilete dem becker nur aus denen augen zu kommen 23. dessen schönheit unter denen zuschauern ein lautes geheule erweckte 33. sich in denen hofsitten ferner zu erkundigen und noch besser umbzusehen 117. (der frauen) schönheit vor allen andern hervorleuchtete wie der mond vor denen sternen 117. wer ein biszchen französisch weisz, der siehet wie er seinen versionskarn anspannet und sein caball durch dicke durch dünne derer im unergründlichen wörter dräcket Chr. Weise Lustredner 103. ich habe mich derer närrischen façonen zuweilen dumm mögen lachen Ettner Unwürdiger doctor 695.
die liebe ist beflügelt,
weil sie dem geniesz entfliehet,
weil sie denen buhlern die schwingefedern entziehet.
Riemer Stockf. 134.
die liebe ist bewaffnet,
die liebenden und geliebten zu tödten,
mit denen pfeilen die herzen zu durchschieszen
135.
die liebe ist entblöszt,
weil unter denen geliebten nichts soll verborgen bleiben.
136.
die liebe ist blind,
weil sie der geliebten fehler nicht siehet:
weil sie nur von denen blinden geehrt wird
136.
die liebe komt mir in solcher art vor wie der weiber kannen auf denen kindtaufen, welche je mehr sie gerühret werden, je süszer sie schmecken 150. im 18ten jahrh. erhielt sich die form zumeist im canzleistil, C. W. v. Heppe einheimisch und ausländisch wohlredender jäger, nach alphabetischer ordnung gegründeter rapport derer holz- forst- und jagdkunstwörter Regensb. 1779. Kant läszt in den früheren schriften denenjenigen zu, z. b. 8, 67. ich gieng häufig mit denenjenigen um, die man sonst zu vernachlässigen pflegt G. Jacobi in Mercks briefsammlung 2, 28. Göthe gebraucht denen nicht blosz in seinen früheren schriften, es entschlüpft ihm auch noch in seinen spätern. so rief unser freund allen denenjenigen glück zu, die sich in den höheren regionen befinden 18, 248. wand man sich reitend hindurch, denen sich kreuzenden unzähligen schmalen pfaden nachfolgend 28, 158. mir ist übel mitgespielt in denen goldenen blättchens 33, 269. vielleicht dasz gott denen groszen die augen aufthut 42, 144. denen spitzbuben von Nürnberg einen menschen abjagen 42, 158. komm zu denen perücken: sie haben lange genug den vortrag gehabt 42, 165. von diesen erscheinungen und von denen dabei bemerkten farbensäumen einiges vorauszuschicken 60, 5. Nach dieser betrachtung der form ist gebrauch und bedeutung des allein stehenden demonstrativen pronomens zu erörtern.
1.
substantivisch gebraucht heiszt es soviel als dieser, diese, dieses und wird betont.
a.
zähle auf deinen freund, wie sollte dich der verlassen? ich habe viele frauen gesehen, aber keine war so schön als die. wenn das wahr wäre! ein mann soll vorüber gegangen sein, hast du den gesehen? thäte ich das, man würde mir einen vorwurf daraus machen.
ouch ist reht daz der mist
stinke swâ der ist
Iwein 207.
swer witze hât und künste list,
sô wizzet daz der meister ist
Freidank 79, 8ᵃ.
daz was sîn reht: wer lougent des?
Parz. 598, 15.
darumb sagt er dir das von dem Keisersb. Sünden des munds 43ᵇ. ein schuͦhmacher zu seinem knaben spricht 'also soltu schuch neien' (nähen), und zeugt im wie er dem sol tuͦn 81ᵃ. sind in unser land gezogen, das ganz und gar zu verstören Buch der liebe 13, 4ᵈ. er sahe oben herunter sagende 'Margarethe, bistu es? sei stille, ich will dir aufmachen, damit du nicht auf der gasse erfrierest'. die schmälte aber immer fort und lud ihn wol tausendmal zu gaste. endlich machte er auf, die zur thüre hinein und wolte über ihn her Ettner Unwürd. doctor 340. ich merkte deutlich dasz alles von der beschaffenheit meiner seele abhieng, wenn die nicht ganz in der geradesten richtung zu gott gekehrt war, so blieb ich kalt Göthe 19, 249. ich bedurfte einer kräftigen unterstützung und die verlieh mir gott nicht, wenn ich mit der schellenkappe herumlief 19, 295. und was den knaben betrifft, den, dächt ich, nähmen Sie selbst zu sich 20, 82. könig und familie waren gefangen, die absetzung dessen schon zur sprache gekommen 30, 90.
mit lust vollstrecken die, was sie der fürst geheiszen.
Schiller 41ᵃ.
wie schlimm wir auch berathen waren,
mit dem (Fridolin) ist gott und seine schaaren
69ᵃ.
spaszt nur! so lange der thut walten,
denk ich euch, mein seel, an kein entlaufen
322ᵇ.
ergeben Sie sich nur in gutem, freund,
mit dem da werden Sie nicht fertig
335ᵇ.
lasz mir den fischerkittel, den trutzigen, macht sich noch rar, der!
Mörike Idylle 53.
allerliebstes kind, das! Gutzkow Ritter vom geiste 2, 284. steht das demonstr. zu anfang des satzes, so schlieszt sich das verbum an, der ist es. der da ist der schuldige. wenn alle ausbleiben, der kommt gewis. alle waren still, nur seine frau nicht: die konnte nicht schweigen. dem dort habe ich das geld eingehändigt. der hat es gesagt, aber was kann der verschweigen? den hat man gesucht. den erwarte nicht. dessen erinnert er sich deutlich.
'des volge ich' sprach Liddamus
Parz. 421, 7.
im 15ten und 16ten jahrh. liesz man zuweilen das demonstr. weg; einige beispiele aus Keisersberg, es was ein fürnem man, ward ein mal besteibt mit wein und mocht nit heim kummen Sünden des munds 9ᵇ. ein mensch gewint ein krankheit an den hals, heiszt squinantia (angina) das. sie seind glich den bösen haushündlein die tag und nacht bellen, was aber der starken rüden seind, kehren sich nit daran 42ᵃ. die selbig predig suͦch in dem evangelibuͦch doctor Keisersberg, sagt wie sich Joseph hie uf erden hab gehalten 58ᵃ. so besonders im volksmäszigen stil,
es kommen drei wägen, seind wol beladen,
von Frankfurt aus der messen.
Uhland Volksl. 359.
Perman will ich euch nennen,
was ein purger im rat
458.
sölt wir den könig vertreiben?
ist mir wenig bekant
459.
die erst püchsen will ich nennen,
haiszt man den Purlapaus
460.
Bastian von Wattwiler das edel bluͦt,
er tet gar manchen schutz (schusz), was guͦt
507.
Maximilian bei dem ist aufkumme
ein orden, durchzeucht alle land
516.
der krämer läszt ein kranz zuͦ lest,
ligt in dem kram verborgen
640.
ich hoff es sol mir werden
ein schöner kranz, hat mir gemacht
die allerschönst auf erden
643.
he folgede sines herten beger
unde toch hen in en lant, was fer.
B. Waldis Vorlorn son 1103.
ein new gedicht will heben an
von wunderlichen dingen,
von ainem kaiser, ist wolgethan,
gott wöll das mir gelinge
Soltau 1, 360.
und Stolburg, leit an einem rain,
nit weit davon der Zabelstein,
die thetens all verprennen
2, 107.
dazu zwo büchsen, waren grosz (variante die waren grosz)
108.
darmit er angezündet hat
das Pauler closter, thet brennen
233.
zu Leipzig in dem Meisner land,
ist die häuptstad gar wol bekand
386 (17 tes jh.).
da weinte der alte greis,
war wie der schnee so weisz
421 (18 tes jh.).
und so selbst Göthe im Götz, machte mir meine mutter ein schönes hofkleid, war rosenfarb 42, 93. die hatte ein kleid an, war feuerfarb das. auch schon im mhd.,
sîn pflæge ein künec, hiez Anfortas
Parz. 389, 2.
sprach einer, stuont dâ nâhe bî
Lanz. 449.
sprach ein ritter, stuont dâ bî
Haupts zeitschr. 6, 500.
b.
bei ausrufungen und fragen, also der verlangt das? der will das haben! die glocken läuten, was heiszt das? was willich also? das! Lessing 2, 54. A. er hat geirrt. B. wie das? wie, ich soll gedroht haben den verfasser der fragmente zu nennen? wo das? 10, 220. 'sie haben mich fast abgeschreckt über den bruder mit Ihnen zu reden'. 'wie das?' Engel Lorenz Stark c. 16. was will das machen? ders. Philos. f. d. welt. ha, was soll das! bist du ein böser geist in gestalt meines weibes? Göthe.
das war ein toben, war ein wüthen!
1, 211.
du beleidigst mich, Weislingen, kennst du mich für das? 8, 129.
wie lange hat sie an dem kerl gehangen!
das war ein spazieren,
auf dorf und tanzplatz führen!
12, 187.
da fragt ich 'aber sind sie das?
sind das die knaben alle?'
47, 3.
beim Jupiter, nur das!
Schiller 13ᵇ.
Ch. mein herr ist verliebt in seine cousine. M. ah, ist es das! 648.
wer einmal das von sich
zu rühmen hätte!
26ᵇ.
haha! ist es das? 124ᵇ. lernen Sie erst die Ihrige (pflicht) kennen, und mir nimmer das! 170ᵃ.
Domingo. wir wünschten
zu wissen, gnädge fürstin, welchen ort
und welche beszre stunde Sie —
Prinzessin. auch das!
267ᵃ.
Alba. mein könig,
selbst das entscheidet noch nicht ganz.
König. auch das nicht?
und das? und wieder das?
273ᵃ.
was war das? still!
296ᵇ.
heiszt das geladen? gleich das doppelte!
520ᵇ.
sogar bei dem pl. in desz begegneten ihnen (dem vater und sohn) schöne mägdlein, sie waren zu einer hochzeit gewesen, da fragte der son aber (abermals) 'vatter, was sind das?' Boccaccio 1, 199ᵃ. es wird mit besonderm nachdruck wiederholt, der also ist angelangt? der? das verlangst du zu wissen? das? den hast du im verdacht? den? Damis. das hattest du? das? Anton. ja das. Damis. das? Lessing 1, 252. oder unmittelbar hinter einander, das, das ist meine lust! den, den suche ich! die, die liebe ich!
deinen adlerblick nicht zu
bewundern! das, das schreit um rache!
Lessing 2, 258.
c.
will man eine frage verneinen, eine behauptung widerlegen, so wird statt des einfachen nein, das demonstrativum vor nicht oder gar nicht oder bei leibe nicht minime gentium gestellt. das haus wird abbrennen. 'das nicht, man hat dem feuer einhalt gethan'. er ist für schuldig erklärt. 'das nicht, er hat sich gerechtfertigt'. hast du das geld bezahlt? 'das nicht, ich habe es nur versprochen'. kennst du den mann? 'den nicht, aber seinen bruder'. hast du die frau gerühmt? 'die nicht, eine andere'. reden die gemeinen leut allezeit die wahrheit? 'das gar nicht', o nein, Judas. ebenso steht auch das andere demonstr.
d.
bei bezeichnung von gegensätzen.
α.
der und die, wenn man sich allgemein und unbestimmt ausdrücken, oder wenn man niemand nennen will.
wan ich sagiu daz für wâr,
der und diu triegent sich gar,
die mit einer andern unstæte
wænet heln ir missetæte
Welscher gast 811.
so hat der das gethan und die hat das gethon Keisersb. Sünden des munds 30ᵃ. komm zu mir in den und den garten, da wollen wir mit einander lustig sein: der und die wird auch hinkommen Schuppius 201. da musz man wissen der oder die denkt an dich Gutzkow Ritter vom geiste 6, 63.
β.
der und der, die und die, das und das, wie dieser und jener. der und der musz es wissen. von wem hast du das gehört? von dem und dem. an dem und dem tage. ahd.
in dia ind in dia stat
Diut. 1, 508ᵇ.
zu den beispielen aus dem mhd. bei Ben. 314ᵇ sind einige nachzutragen,
im gebreste weder des noch des
Troj. krieg 5790.
der ez allez wizz von wan
daz und ouch daz geschiht
Welscher gast 4993.
diu hât daz und daz getân
Lichtenstein 646, 20.
gedenken wir wie daz und daz gesîn müge Bertholt Pred. 59.
iederman fuor, als im sîn boteschaft seit,
der hin, der her
Lohengrin s. 40.
ee wann ich das und das gethan, denn so wil ich min seele versorgen Keisersb. Bilger 48ᶜ. die und die schwester ders. Has im pfeffer Bb 5ᶜ. es ist (geschieht), so du dich entschuldigest, du habest das und das nit gethon, so du es wissigklichen gethon hast ders. Sünden des munds 14ᵇ. das und das hast du geredt 79ᵃ. wenn jemand zu dir spricht 'der und der mann ist böse' Olear. Baumg. 7, 10. ehen die bahn, auf welcher das geschlecht zu seiner vollkommenheit gelangt, musz jeder einzelne mensch (der früher, der später) erst durchlaufen haben 10, 329. die und die bewegungen Kant 8, 56.
was die und die für fremde mienen an sich nahm.
Lessing 1, 116.
wie der und der, so sehr es ihn erschreckte,
sein liebstes da- und dortwohin versteckte
Göthe 41, 17.
dies fasten find ich nicht bequem,
doch frist ich mich mit dem und dem
Platen 28.
weil ich dachte 'das ist der oder der' Gutzkow Ritter vom geiste 5, 424. Auch bezeichnet der und der den teufel, den man nicht gern nennt, zumal bei verwünschungen, dasz dich der und der! Schönsleder K 4.
ich wäre kein soldat, nein sondern der und der.
Kriegsbrand D 2ᵇ.
oder mich zreisz der ã der.
Marx Gedichte in Nürnberg. mundart.
γ.
der und jener. hol dich der und jener! der teufel. einem menschen gelüst das und gens ze haben Keisersb. Sünden des munds 43ᵃ.
und wünscht mir die und jene sucht
H. Sachs 4. 3, 80ᵈ.
ob dem oder jenem zu schreiben sei Schuppius 710.
was taug der alte krieg? der neue krieg ist besser,
denn jener war ein feind der menschen, der der schlösser,
und jener machte leer der menschen leib von blut,
da dieser nur fegt aus der kasten altes gut.
Logau 1, 32, 7.
wer andern lebt, lebt recht: wer ihme lebt, lebt gut,
weil jener andren wol, ihm übel der nicht thut
1, 33, 15.
tod ist ein langer schlaf, schlaf ist ein kurzer tod,
die noth die lindert der, und jener tilgt die noth.
1, 117, 100.
es läszt sich übel paaren
die erde zu der luft, dann die wil oben fahren,
und jene sinkt in sich
2, 13.
ein glock und eine nusz und ein esel und ein knecht
thun nicht leichtlich ohne schlag was sie sollen jemals recht.
jene schweiget, die verharrt, jener steht und dieser liegt.
wann das eisen und das holz ihnen recht wird angefügt,
klinget jene, diese bricht: jener geht und dieser eilt;
drum was jedem zugehört, sei auch jedem zugetheilt.
2, 25, 92.
verstand den jeder hat, helt jeder lieb und wert:
den zustand den er hat, wird anders stäts begert,
da jener, wie mich dünkt, doch mehr als der verkehrt.
3, 31, 53.
von dem und jenem mit ihm zu reden Riemer Stockfisch 257. wir haben die und jene thorheit in einem lustigen augenblick empfangen und geboren Göthe 8, 215.
dasz sie zugleich auch dem und jenem winke
41, 36.
dem und jenem schlund
aufwirbelten viel tausend wilde flammen
41, 62.
Göthe setzt sogar den artikel vor,
A. doch hat sie wol auch zu guter stund
dem und jenem nichts abgeschlagen.
B. wer ist denn der der und der jener?
2, 274.
dasz vernehmlich der und jener
brummt in seinen grauen bart
Uhland Ged. 327.
und will mich dennoch der und jener schmälen
500.
δ.
der und dieser, meist dieser und der. schon im ahd. noh thizi noh thaz keins von beiden Gramm. 4, 447. beispiele aus dem mhd. bei Ben. 1, 314ᵇ. 367.
daz du scholt eben wissen was
du gebist, warum und auch wem,
es sei disem oder dem
Wittenweiler Ring 29ᵇ, 8.
was hat mich gott gezigen daz ich also ein armer mensch bin, und dem und dissem reichtumb geben hat Keisersb. Sünden des munds 17ᵇ. die fiengen ob tisch an hinderreden und eer abschneiden und sagten von dem und disem 26ᵃ. darumb so ein mensch wil seinen friden uf ander leut setzen, uf den, uf diszen, es thuͦt sin nit 43ᵃ.
wan jeder dät als er thun sol,
so wären sie beid geltes wert,
diser mit federn, der mit schwert.
Brant Narrensch. 79, 13.
doch endlich verlieret sich dieser und der,
schleicht eins nach dem andern gekleidet einher.
Göthe 1, 230.
dieser ist es auch nicht, auch der nicht, auch nicht jener Schiller 128ᵇ. dies und das kommt häufig vor, selten umgestellt. recht als ein glast oder schîn, der dâ ûsz fluszet ûsz der sunne oder ûsz einem liechte und schînet etwas dis oder das Theologia deutsch 2. wan gotes eigenschaft ist âne disz und âne das und âne selbheit und icheit und dem es glîch stê und sî 44. und was etwan ist, disz oder das, das ist niht alle und über alle. sich, wêr nu got etwas, disz oder das, sô wêr er nicht alle und über alle, als er ist, und so wêr er ouch nit die wâre volkomenheit. dar umb ist got, und ist doch weder disz noch das, das die crêatûre als crêatûr bekennen genennen gedenken oder gesprechen mag 60. sich, dâ wirt dan fürbas mê nicht anders gewolt oder geliebet dan gût umbe gût, und umb nicht anders dan dar umbe das es gût ist, und nicht dar umb das es disz oder das ist oder das es disz oder das sî, disem oder dem lieb oder leide, wol oder wê, sûsze oder sûr sî und des glîchen 62. recht als âne mich (spricht gott) weder wesen noch leben ist, noch disz noch das, alsô solt ouch kein wille sîn âne mich und âne mînen willen 94.
was ist dicz und was ist das?
Ring 9ᵈ, 11.
rabi Anelin schreibt das und ditz.
Fastnachtsp. 20, 19.
wan ich got wär, so wolt ich das
und disz und jens, und weisz nicht was.
Alberus 152.
ob dis, ob das ein warheit sei.
Murner Luther. narr 2324.
Unfalo fürt den held hin und her
und zeiget im dann ditz, dann das.
Theuerd. 57, 11.
man vermisset auch nicht dieses noch des Jesaia 34, 16. disz vor (für) das isthaec pro illis Henisch 715, der auch bemerkt dasz man sprichwörtlich den wechsel der dinge damit bezeichne.
und solt uns disz und das darüber widerfahren.
Rompler 58.
so schuf bald dies, bald das, schon manchen zum poeten.
Gotter 1, 259.
was mir über dies und das den kopf warm macht Herder in Mercks briefen 1, 40.
bald ist es ernst, bald ist es spasz:
bald ist es lieb, bald ist es hasz:
bald ist es diesz, bald ist es das
Göthe 2, 288.
wie ich sie freundlich fragte über diesz und das 16, 10. und sagte es wäre recht artig gewesen, wenn nur diesz und das nicht gewesen wäre 18, 27. dann sagte sie hinterdrein 'lieber Franz, thu dies, thu das' 42, 191.
mir ist das volk zur last,
meint es doch diesz und das:
weil es die fürsten haszt,
denkt es es wäre was
47, 237.
Göthe behandelt beide pronomina einmal wie substantiva und läszt sie im dativ unverändert,
das leben ist ein schlechter spasz,
dem fehlts an diesz, dem fehlts an das
5, 79.
wir sind nicht mehr am ersten glas,
drum denken wir gern an dies und das,
was rauschet und was brauset
Uhland Ged. 92.
so lang mir mochte dies und das
an dir gefallen,
war ich gefahrlos leicht verliebt
Rückert 382.
ich denke dies und denke das
Mörike Ged. 40.
ich wünsche mir nun dies und das
57.
plaudern wir dieses und das
153.
Bei verwünschungen, verschweige mir nichts, gott thu dir dis und das, wo du mir etwas verschweigest, das dir gesagt ist 1 Samuel 3, 17.
e.
in verbindung mit dem verbum substantivum bei substantiven oder adjectiven steht das demonstr. das ohne rücksicht auf genus und numerus. man sagt das ist mein vater, das ist meine mutter. die im lateinischen hier nothwendige unterscheidung des geschlechts ist an sich wol zulässig, aber nicht im gebrauch. wenn man zwischen zwei neben einander stehenden zweifelhaft wäre, würde man wol mit dem finger deutend fragen ist der dein sohn? bei minder bestimmter hinweisung, ist das dein sohn? was nicht viel verschieden ist von dem allgemeinen ist es dein sohn? wo das persönliche pronomen gleichfalls im neutrum steht; in dem dänischen und schwedischen mit dem verbum substantivum verbundenen det kommt sogar die bedeutung von das und es zusammen. dieses das zeigt sich schon in der ahd. und mhd. sprache; beispiele in der Gramm. 4, 275—77 und bei Ben. 1, 315. ja die mhd. sprache gieng noch weiter, indem sie es auch mit ordinalzahlen verbinden konnte, z. b. das dritte was Pinel, wo wir heute der dritte sagen müssen. es steht also ebenso vor masc. und fem., wir sagen das ist mein glaube. das ist der wunsch meines herzens. der dritte in der reihe das war sein vater. das ist die ursache. das ist meine freude. das sind die drei schwestern, das ist die gute, das die schöne, das die geistreiche. ist daz nit ein groszer narr, der da murmelet darumb das er siech oder arm ist? Keisersb. Sünden des munds 17ᵇ. das ist der schalk, hüt dich vor im 68ᵃ. das ist aber der wille des, der mich gesand hat Joh. 6, 40. es kann sich auch auf ein das geschlecht unterscheidendes pronomen demonstr. beziehen, die dir zulächelte, das war deine freundin. das ist der, den ihr suchet. die du da siehst, das sind männer und frauen des orts. das ist derjenige, der sich auszeichnete. das ist dieselbe, die gestern schon zugegen war.
ein braver mann das, ders gebaut
Göthe 11, 338.
ohne rücksicht auf den numerus. die ubersichtig augen habent, daz seint die jungen ratgeber Keisersb. Sünden des munds 59ᵇ. diese weiber hond lieb die zweizüngigen, das seint die schlangen 67ᵇ. das sind alle meine schätze. das sind die heubter unter den vetern der Leviter geschlechten 2 Mos. 6, 25. das sind aber die kleider die sie machen sollen 28, 4. das sind deine götter, Israel, die dich aus Egyptenlande gefüret haben 32, 4. das sind die name dere die im zu Jerusalem geboren sind 2 Samuel 5, 14. wiszt ihr, gnädiger herr, wie ihr uns prophezeitet, wenn sich die welt umkehrte, würden wir jäger werden? das sind wir ohne das Göthe 42, 170.
f.
häufig bezieht sich das auf einen zustand, ein ereignis, eine thätigkeit im allgemeinen, wie in den unter 1ᵇ schon angeführten stellen. er arbeitet unermüdlich, das ist seine freude. herumzuschweifen, alles zu betrachten, von einem zum andern zu laufen, das ist sein leben. so die frummen krank seind, verachtet seind und arm seind, das ist inen nütz Keisersb. Sünden des munds 13ᵇ. itzt bin ich ein gefangener, den man auf sein wort frei herumgehen läszt: das schmeichelt! Lessing 2, 54. Falk. hast du des schönen morgens schon genug genossen? fällt dir etwas ein, so sprich du. Ernst. gut das. mir fällt ein dasz ich dich schon längst um etwas fragen wollen 10, 253.
und wenn ich sie denn fassen darf
im luftgen deutschen tanz,
das (tanzen) geht herum, das geht so scharf.
Göthe 1, 19.
wo geht das liebchen?
sag mir das
1, 89.
alte geschichten sind das, und ich erzähle sie wol.
1, 287.
mein bester, wie ist uns? das sieht ja reisefertig aus ders.
hab appetit auch ohne das
12, 135.
g.
über das, ahd. ubar daz, mhd. über daz praeterea galt bis ans ende des 16 ten jahrh. bei H. Sachs zeigt es sich (4. 3, 57ᶜ), Dasypodius 445 und Henisch 662 führen es an, hernach erhielt überdies den vorzug; s. unten.
h.
in ähnlicher weise bezieht sich das, ohne geschlecht und numerus zu berücksichtigen, auf personen, auf eine und auf mehrere, auch auf sachen, wenn man sie nicht bestimmt oder nur im allgemeinen bezeichnen will. es soll dadurch in humoristischer und ironischer stimmung ein herabblicken, eine ringschätzung, oder, bei erbittertem gefühl, eine verhöhnung ausgedrückt werden. so sagt man das putzt sich, das schmückt sich und doch vergeblich. das brüstet sich wie ein welscher hahn. das treibt sich in den straszen herum. das jauchzt und schreit. das will sich ein ansehen geben. das plackt sich das ganze jahr hindurch und kommt doch zu nichts. man hat dich bei den schultern genommen, dich zur thüre geführt und gesagt 'fort schuft, lasz dich nicht wieder sehen'. das will sinn haben, glaub ich, will vernunft haben. oder ich will den jungen Zierau in Naumburg: das will doch auch ein ökonom sonst sein Lenz 1, 125. Göthe, der gerne von der anhöhe herabblickte, liebte diese ausdrucksweise,
sie (die zwerglein) tragen die würste, die schinken so klein
und braten und fisch und geflügel herein:
er kreiset beständig der köstliche wein;
das toset und koset so lange,
verschwindet zuletzt mit gesange
1, 197.
der mond der hat alles ins helle gebracht:
der kirchhof er liegt wie am tage.
da regt sich ein grab und ein anderes dann,
sie kommen hervor, ein weib da, ein mann
in weiszen und schleppenden hemden.
Das reckt nun, es will sich ergetzen sogleich,
die knöchel zur runde, zum kranze,
so arm und so jung, und so alt und so reich;
doch hindern die schleppen am tanze
1, 229.
das wollen alle herren sein,
und keiner ist herr von sich
4, 320.
warum bist du der welt so satt?
das weisz alles nicht
was es neben und um sich hat
4, 346.
das drängt und stöszt, das rutscht und klappert,
das zischt und quirlt, das zieht und plappert!
das leuchtet, sprüht und stinkt und brennt!
ein wahres hexenelement
12, 210.
versichern dasz man überzeugt ist sie habe mehr als jemand: item das weisz nichts und das entscheidet auch 36, 66.
der sonne heilgen lebestrahlen
sind todte werke nur ein spasz.
das bildet schmelzend, unverdrossen,
und haben sies in erz gegossen,
dann denken sie es wäre was
41, 171.
Philine nahm ihm die pantoffeln aus den händen und sagte 'wie ich sie krumm getreten habe! sie sind mir viel zu weit'. dann spielte sie damit und rieb die sohlen gegen einander. 'was das heisz wird!' rief sie aus, indem sie die eine sohle flach an die wange hielt 19, 170. und was das wieder vor umstände sind! das schiebt sich und verliebt sich 23, 21. item sie will witz haben: item man musz ihr
schad um die leut! sind sonst wackre brüder.
aber das denkt wie ein seifensieder.
Schiller 329ᵇ.
prrr! das (die mädchen in der pension) kann die zeit nicht erwarten, bis die gymnastischen übungen anfangen Kotzbue Dramat. spiele 2, 106.
schwer wie blei ist der patron,
doch ich hör ihn auf den stufen,
tapp! tapp! tapp! tapp!
wie sich das langsam vorwärts schiebt!
2, 251.
ein schoszhund wolgestalt, ein bunter papagei,
das brummt, mault, poltert nicht, das liebt und bleibt uns treu
3, 71.
jetzt reist das hin und her: im fluge ist man unter andere verhältnisse versetzt Gutzkow Ritter vom geiste 6, 136.
i.
das erscheint im mhd. mit dem unbestimmten artikel als substantivum; s. Gramm. 3, 535. Ben. 1, 315ᵇ.
ez sî dur wârheit oder dur haz,
man lobt nu niemen âne ein daz ohne eine beschränkung, nicht unbedingt
Freidank 62, 6.
ez sî eht man oder frouwe, so lobet man sie selten ân ein daz oder âne vieriu ohne einen oder vier fehler Berthold 248.
sît nieman vinden mac an ir
nach mîner ougen kür ein daz (einen tadel, mangel)
niht wan daz eine daz, daz ih ie meit.
Truchsesz von St. Gallen MSHag. 3, 325ᵇ.
hôchvart zorn nît unde haz
gebent rehten dingen ein daz (hängen ihnen einen flecken an, verunglimpfen sie)
und wizzent doch wol daz sie liegent
Renner 7303.
dâ von sol nieman wesen zorn,
ob ich mich etswâ hân vergezzen:
dan wir sehen dicke mezzen
ein dinc drîstunt oder baz,
dem man dennoch gibt ein daz,
daz mich ze swære wolte ankomen
9299.
noch Henisch kannte diesen gebrauch, es ist kein mensch sonder (ohne) ein das nihil est ab omni parte beatum 661; ähnlich sagen wir es ist ein aber bei der sache (oben 1, 31).
k.
berichtet man über verschiedenes, zählt man eins nach dem andern her, und ist mit einem zu ende, so setzt man wol hinzu das ist das, das wäre das, so viel von dem. ohne dasz von mehrerem die rede wäre, wird es in Wittenweilers Ring als bekräftigung zugefügt,
'noch liebt sei (die jungfrau) mir ie bas und bas'.
sprach aber 'das ist das,
ich han gesworen ich muosz sei haben,
wär sei joch in erd vergraben'
11ᵃ, 31.
daz ist daz, das ich do sing
16ᵇ, 12.
ich han nicht pfennig (daz ist daz)
ze opfern, sam ich pilleich schol
33ᶜ, 36.
l.
bei dem, das noch im 17 ten jahrh. zuweilen die mhd. form deme zeigt, z. b. bei P. Gerhard, Schuppius, ist einiges hervorzuheben,
α.
dem ist so es verhält sich wirklich so, die sache steht so. ich wollte dem wäre so möchte die sache sich so verhalten. dem sei wie ihm wolle einerlei in welcher lage sich die sache befindet, es mag wahr sein oder nicht Lessings Nathan. wie ist dem? haben wir nichts anders? Steinhöwels Äsop 12 (1555). do das Nectanabus ersah, sprach er zu Esopo 'wie ist dem? kunnen die lüt fliegen in ewrem land?' 23ᵇ.
er fragt 'wer hat euch her citirt,
ich bitt laszt mich jetzt ungeirrt,
ich hab gar viel ein anders zschaffen,
denn ich nach ewrem thun solt gaffen'.
der mönch sprach 'dem sei wie ihm wöll:
ihr seidt zwar (in wahrheit) ein schwacher gesell'.
Wolgemut 2, 248.
dem ist also, fürwar, es ist nit anders Henisch 672. ob wohl an deme, das das glück sich je und allezeit gegen ihme als eine freundin gestellet Butschky Kanzlei 891. wann nun an deme, das die erstorbene leiche, christlicher ordnung nach, zur erden bestattet werde 913.
doch nun (wenn anders dem so ist)
hat er durch sparung eures lebens ...
Tempelherr. ja,
dem allerdings ist so. das leben das
ich leb, ist sein geschenk
Lessing 2, 252.
β.
mit gleicher bedeutung an dem sein ita se habere, in eo esse. es ist an dem (es ist wahr) dasz er sein wort gegeben hat. an dem ist etwas die sache ist nicht ohne grund. ist es nicht an dem, dasz die frau schwägerin lange nicht so schön aussieht als es die leute machen? Gellert 2, 210. ich versichere Sie dasz es nicht an dem ist 2, 278. es ist gewis an dem, er denkt an keine liebe 2, 286. es ist an dem, dasz der regen das erdreich abspült Kant 9, 15. und, lustig genommen, war es wirklich an dem Göthe 28, 101. ich sei, wie es denn wirklich auch an dem war, durch Lavaters physiognomik in dieses fach wieder eingeführt worden 30, 245.
wärs an dem
was man am hofe leise flüstert
Schiller 338ᵃ.
es war an dem heiszt auch 'es war nahe daran', es war an dem dasz er ins wasser stürzte er war im begriff ins wasser zu stürzen.
γ.
in verbindung mit andern präpositionen. bei alle dem dem ungeachtet, dennoch. er ist reich, bei alle dem kommt er nicht aus. Marin. nun? nicht wahr, nun hab ich zu viel gethan und vorhin zu wenig? Prinz. das nicht, aber ich sehe bei alle dem nicht ab — Lessing 2, 149. in dem in dem augenblick, gerade jetzt. er wollte ausgehen, in dem kam sein vater. sie öffnete das fenster, in dem fuhr ein blitzstrahl herab. und in dem da erwachet diszer Keisersb. Sünden des munds 22.
in dem sprang ausz einer hanfstauden
der has
H. Sachs 4. 3, 86.
in dem stund Pampinea auf Bocc. 1, 7ᵇ.
in dem im newe mär zuͦkam.
Soltau 2. 219, 46.
mit dem zugleich, wie auch damit gebraucht wird. er schalt den knaben und mit dem gab er ihm einen schlag.
mit dem er ir zum busen mawst.
H. Folz in Haupts zeitschr. 8, 513.
mit dem recket er seinen hals hoch embor Steinhöwel 111ᵇ (1487). und mit dem auf ihn dar! Frank Weltb. 190.
mit dem bald thet gen wald einrucken.
H. Sachs 4. 3, 59.
mit dem der Liendel darvon zog
4. 3, 60ᵈ.
neben dem dabei, daneben. nebem deme was zur hoföconomie gehöret Schuppius 105. nach dem wie, in der weise. das ist vernünftiglich gehandelt und nit allein nach dem als sein vernunft angibt, sunder auch als ein weiser man in seinem dünken mag erachten Keisersb. Sünden des munds 86ᵇ. Prinz. er steht in dem rufe, sich so etwas nicht zweimal sagen zu lassen. Marin. nach dem es fällt, ohne zweifel Lessing 2, 147. auch für danach. wan es got noch dem grosz pein darausz in dem fegfeuer Keisersb. Sünden des munds 7ᵇ.
nach dem schliefens dahin die nacht
H. Sachs 4. 3, 64.
von dem an von der zeit an. von dem an das ich die welt hab verlassen Keisersb. Sünden des munds 25ᵇ. von dem an das ich hab begert himmelische und ewige ding 25ᵇ. von dem an trachtet Pilatus wie er ihn los liesze Joh. 19, 12. von dem an war sein herz von Stilling ganz abgekehrt Stillings Jugend 3, 107. zu vergleichen sind die zusammensetzungen demgemäsz, demnach, demnächst, demzufolge, auszerdem, ehedem, indem, nachdem, nächstdem, ohnedem, trotzdem, überdem, vordem, währenddem, zudem.
δ.
bei Göthe einmal dem für zu dem,
wenn mich ein freundlich walten
des gottes dem wir beten, hell umflossen,
und ich zu nacht des tages glück genossen
57, 291.
2.
beispiele von dem demonstrativum, das sich auf einen nachfolgenden satz bezieht, musten schon bei betrachtung der form unter B und auch unter 1ᶜ angeführt werden, hier ist dieser fall noch besonders zu erörtern.
a.
folgt ein relativum, so hat das demonstr. die bedeutung von derjenige, diejenige, dasjenige. er ist in der gewalt dessen der ihm zu schmeicheln weisz. das haus ist dessen der es bewohnt. er lebt von dem was ihm mitleidige menschen geben. das ist das ziel derer denen ihr folgt. sunder allein von dem der es ist und weisz Theologia deutsch 28. wir und der, bei dem der becher funden ist, sind meines herren knechte 1 Mos. 44, 16. wenn du des der dich hasset, esel siehest 2 Mos. 23, 5. und besprengen den der vom aussatz zu reinigen ist, siebenmal 3 Mos. 14, 7.
wol dem dem da zugleich die freiheit ist gegeben.
Logau 1, 33 (15).
denn denen die gott lieben,
ist seine hülfe täglich nach
Gellert 6, 229.
mit hacken nährt sich anfangs der (Adam),
von dem die fürsten kommen her
Simpliciss. 1, 11.
b.
in nachahmung des französischen setzt man, wenn man die wiederholung eines substantivs, zu dem ein genitiv gehört, vermeiden will, blosz das demonstrativum. der stolz des sohns geht über den des vaters hinaus. ihre schönheit übertrifft die ihrer mutter. die grösze des jungen löwen ist die eines schäferhundes. im gemeinen leben setzt man, was nicht zu empfehlen ist, das possessivum, obwol es auch bei schriftstellern sich findet, wie bei Lessing, der stolz des sohns geht über des vaters seinen hinaus. die schönheit der tochter übertrifft der mutter ihre. sonst läszt man auch das demonstr. aus,
er legt von im sein brinn und schwert
und nam zuͦ im des Ecken,
das da was vil guͦtes wert
Ecke 122 Schade.
des ahnen aberwitz wird auch des enkels sein
Haller 70.
ihr truget die last des gefürchteten todes, bis nieder
euch des kommenden stürzte
Klopstock Mess. 17, 318.
3.
das demonstrativum kann unmittelbar hinter dem bezüglichen substantivum stehen, in welchem falle seine demonstrative kraft abgeschwächt wird.
a.
der bestimmte artikel geht voran, der vater der rief seinen sohn, die mutter die rief ihre tochter herbei. das kleine kind das lief fort. der redliche der kam vorwärts. der böse der sank immer tiefer. der abend der näherte sich. des boten des harrte man lange. der drohung der lachte man. dem befehl dem folgte man nicht. den wein den holte der diener herbei. die früchte die sind alle reif. die ketten die löste man ihm.
die noth die lindert der, und jener tilgt die noth.
Logau 1, 117 (100).
häufig bei Göthe,
die sterne die begehrt man nicht,
man freut sich ihrer pracht
1, 97.
die sechse die verzehrten dann
zusammen ein gutes mahl!
1, 122.
die ratte die raschle so lange sie mag!
1, 196.
der thürmer der schaut zu mitten der nacht
hinab auf die gräber in lage:
der mond der hat alles ins helle gebracht:
der kirchhof er liegt wie am tage
1, 229.
in der letzten zeile ist das persönliche pronom. statt des demonstr. gesetzt, wie man sagt die nacht sie kommt heran, das heer es kommt gezogen; vergl. Gramm. 4, 424.
der philosoph der tritt herein
und beweist euch es müszt so sein
12, 95.
auch folgt es dem nachstehenden articulierten adjectivum,
Amor der nahe der höret sie spotten,
rächet sich einmal und rächet sich bald
1, 30.
im ahd. und mhd. war dies nachgesetzte demonstrativum nicht selten, zumal wo ruhig und umständlich erzählt ward wie bei Otfried und in dem volksepos, während einige der ersten höfischen dichter es meiden; vergl. Gramm. 4, 400. 415. 423. an sich ist es überflüssig, und auch heute wird es nur in behaglicher stimmung gebraucht. von dem relativum, das in gleicher stellung vorkommen kann, unterscheidet es sich auch dadurch, dasz das verbum dann nicht unmittelbar darauf folgt.
b.
in ähnlicher weise kann der unbestimmte artikel voran gehen, ein mann der gieng in den wald holz zu holen. ein sonnenblick der erfreut uns. eine freude die kam unerwartet. ein kind das denkt nicht. einem feinde dem steht man nicht bei. einen schwachen den stützt man. ein fabel die stot in Esopo Keisersb. Sünden des munds 9ᵇ. ein mensch der musz vernunft brauchen 26ᵇ. ein solcher böser rathgeber der bringt schaden der versammelung gottes 59ᵃ. ein richter der hat ein sun, der sol der junker heiszen 67ᵃ. ein weiser man und vernünftiger mensch der redt langsam und macht wenig wort 82ᵃ. für das ahd. hat Graff 5, 14 kein beispiel, inwiefern es im mhd. vorkommt, musz noch ermittelt werden.
ein bosch der bran
Walther 4, 13
kann durch die lesart busch enbran entfernt werden.
ein wîser man der hât für guot,
strâfe ich in swenner missetuot
Freidank 80, 20
ist nicht ganz dasselbe, weil durch das vorangehende adject. die demonstrative kraft des pronomens gesteigert wird. so auch bei Göthe,
ein kluger fürst der münzt sie (die alten thaler) ein
und thut ein tüchtigs kupfer drein
13, 111.
c.
oder das possessivum geht vorher.
mîn friunt der minnet andriu wîp
Walther 70, 32.
sein mut der minderte sich nicht. seine frau die bat flehentlich. meiner tochter der will ich die freude nicht verkümmern. sein licht das stellt er nicht unter den scheffel. deinen freund den wünsche ich kennen zu lernen. meine leute die sind alle zugegen. unser wunsch der ist natürlich. eure gedanken die kann niemand erraten. ihre absichten die sind bekannt.
mein tochter die ist in büchern belesen
Göthe 13, 62.
mir ists im herzen weh und bange,
mein bräutigam der bleibt so lange
13, 69.
d.
das demonstrativum kann folgen und wegbleiben, wenn bei dem vorangehenden substantivum ein artikel oder das possessivum nicht zulässig ist oder fehlt. Arminius der war heerführer. Thusnelde die war seine tochter. brot das ist jetzt theuer. böses das zeigt sich überall. wein den trinkt er mit lust. freunde die belästigen nicht. kinder die spielen gerne. sorgen deren kommen genug. frauen denen sieht man etwas nach. es kann ein adject. vor dem subst. stehen, gute gesellen die läszt man gerne zu.
mancher narr der ist also thum,
meint etlich leut die sen (seien) zu frum.
Schwarzenberg 132, 2.
alle künig in Egipten die hieszen Pharaones, wie bei uns die keiser Cesares heiszen Keisersb. Sünden des munds 2ᵇ. nerrisch menschen die hadern gerne 42ᵃ.
e.
mehr gewicht hat es, wenn es sich auf das substantivum eines satzes oder auf einen ganzen satz bezieht, oder das substantivum nach einem zwischensatz wieder aufnimmt. es kann nicht wegfallen. er hatte viel theilnahme erfahren, die hört jetzt auf. deine mühle hat kein wasser, die meinige hat dessen genug. viele waren da beisammen, du bist deren einer. das haus, woran er so grosze freude hatte, das will er wieder verkaufen. seinen reichthum zu mehren, das war sein bestreben.
getorste sie in hân küsset, daz hete si âne haz.
Nibel. 526, 2.
einen stîc ich dô gevienc,
der truoc mich ûz der wilde
Iwein 275.
ein æhter heizet mort, der schât der strâze sêre.
Walther 26, 16.
Vergilius der weis poet, welcher so guten bescheid und underricht vom sünopfer der mess, wie oben am 73. blatt gehört, der hat auch das fegfeuer bei eim mör gestellet Fischart Bienenkorb 111ᵇ.
merk gottes genad, die ist gemein.
Schwarzenberg 132, 2.
wodurch aber dieser Kolonos besonders merkwürdig geworden, das waren die letzten schicksale des Ödipus Lessing 6, 290.
und nichts zu suchen,
das war mein sinn
Göthe 1, 27.
f.
beginnt der voranstehende satz mit wer oder was, so kann das darauf bezügliche demonstrativum stehen oder wegbleiben, wie in den unter b bemerkten fällen. so in den folgenden beispielen, wer pech angreift, der besudelt sich, oder besudelt sich und wer fest steht, der wird geachtet. wem du vertraust, dem vertraue ich auch. wen du liebst, den liebe ich auch. was dich erfreut, das erfreut mich auch. wer in entheiligt, der sol des tods sterben 2 Mos. 31, 4. wer es (das blut) isset, der soll ausgerottet werden 3 Mos. 17, 14. wer die ehe brichet mit jemands weibe, der sol des todes sterben 20, 10. wer ein einheimischer ist, der sol solchs thun 4 Mos. 15, 13. wer nur irgend einen todten menschen anrüret, der wird siben tage unrein sein 19, 11. denn wer solches thut, der ist dem herrn ein grewel 5 Mos. 18, 12. und wer an den ort kam, da Asahel tod lag, der stund stille 2 Samuel 2, 23. wer sein geld nicht auf wucher gibt und nimpt nicht geschenke über den unschuldigen, der das thut der wird wol bleiben Psalm 15, 5. Luther läszt das demonstr. auch aus, und wer gerüst ist, gehe fur den laden des herrn Josua 6, 7. und wer gerüst war, gieng fur den priestern her 6, 9. und wer etwas heiligt, sol auch sein sein, und wer etwas dem priester gibt, das sol auch sein sein 4 Mos. 5, 10. nach der welcher, der der, das was läszt man es besser weg, der welcher zuerst anlangt, erhält den preis. der der nicht ermüdet, wird das ziel erreichen. das was du wünschest, ist dir gewährt. dagegen kann es natürlich nicht wegfallen, wenn der eine satz einen anderen casus verlangt. wer pech angreift, dem werden die hände unrein. wem es unter uns gefällt, der kann hier bleiben. und wer seinen nehesten verletzt, dem sol man thun, wie er gethan hat 3 Mos. 24, 19. wer mich ehrt, den will ich auch ehren 1 Samuel 2, 27. denn wer sich grün macht, den fressen die ziegen Göthe 13, 116. richtig sagt Fürnstein bei Göthe 45, 245.
wer immer finstre mienen macht,
hat bald die gunst verloren:
aber fehlerhaft setzt er hinzu
wer immer scherzt und immer lacht,
hält man für einen thoren.
hier konnte den nicht wegbleiben. das demonstrativum kann auch vorangehen, der ist klug wer vorher bedenkt was er sagen will.
der hütt der hewschreck an der sunn
und schütet wasser in ein brunn,
wer hüttet das sein frow blib frumm.
Brant Narrenschiff 32, α.
der würfet in die höh den ball
und wartet nit des widerfall,
wer will die lüt erzürnen all
69, α.
der ist ein narr und groszer dor,
wer eim werkman den lon gibt vor
111, 1.
g.
eigenthümlich der heutigen deutschen sprache ist die verwechselung die zwischen dem demonstrativum und possessivum stattfinden kann. Am häufigsten wird sein für das demonstrativum gesetzt. wir sagen er vernahm des vaters willen und folgte seinen worten. er erblickte den herrn und achtete auf seine winke. ich seufze nicht ins leben zurück, um seiner freuden länger zu genieszen Dusch. das an sich allein richtige dessen gebraucht man wol auch, doch zieht man es nur vor, wenn eine entschiedene zweideutigkeit abzuwenden ist, er gieng mit einem freund zu seinem vater zu dem eigenen, zu dessen vater, zu dem vater des freundes. aber auch dagegen wird gefehlt, in folgendem fall müste dessen stehen,
wie selig, Henzi, ists fürs vaterland sich grämen,
und sein verlasznes wol freiwillig auf sich nehmen.
Lessing.
Umgekehrt wird, doch nur von einigen und noch tadelnswerther, dessen statt sein gebraucht. so würde es Apollo sein durch dessen (seine) stirne, oder Jupiter durch die haare seiner stirne Winckelmann 4, 96. welches der schönste kopf dieser gottheit, auf dessen statue, nebst vielen andern dessen bildern beweisen kann 4, 99. Verschieden davon ist ein gebrauch, den Adelung als eine erfindung neuerer höflichkeit ansieht, der aber schon wieder verschwunden scheint. wenn man nämlich bei der anrede in einem brief nicht ihr und nicht dero sagen wollte, so gebrauchte man dessen, deren. geehrter herr, dessen schreiben habe ich empfangen. werthe frau, deren wünsche habe ich vernommen. der angeredete wird hier als ein dritter betrachtet, wie auch bei dero (gen. pl.) anzunehmen ist.
h.
in der eben angeführten stelle aus Winckelmann heiszt es nebst vielen andern dessen bildern. so wird auch im canzleistil das demonstr. zwischen das adject. und substantivum gestellt. dem gesammten reiche und allen und jeden dessen ständen. und in unverhoffter widriger dessen entstehung.
II.
relativum.
1.
ist das pronomen lediglich relativ, so ist es gleichbedeutend mit dem minder üblichen oder schwerfälligern welcher, welche, welches. der relativsatz beginnt damit und das verbum steht am ende. er ist der held der allen vorleuchtet. die frau die alle an schönheit übertrifft. ein freund kommt, dessen gegenwart dich erheitern wird. eine unglückliche deren hoffnung unerfüllt geblieben ist. dieser ist es, dem ihr dank schuldig seid. er findet den nicht, den er suchet. die glücklichen die die gedanken davon abwenden können. die blumen deren duft uns erquickt. denen vertraue ich, denen er vertraut. und der priester der gesalbt ist, sol des farrenbluts nemen 3 Mos. 4, 5.
die dänke, da man mit denselben will belegen,
der überwinder wird, die sein ein schild und degen.
Werders Ariost 18. 94, 5.
das leben das
ich leb, ich sein geschenk
Lessing 2, 252.
so gehe denn, o freundin, die ich ehre,
durch deren umgang ich mehr als ich sagen kann
zehn ganze jahre lang gewann
Gellert 6, 228.
die kette gib den rittern,
vor deren kühnem angesicht
der feinde lanzen splittern:
gib sie dem kanzler den du hast
Göthe 1, 179.
2.
man scheut nicht die unmittelbare berührung des ganz gleichlautenden demonstrativen und relativen pronomens und es ist deshalb nicht welcher welche welches nöthig, er ist der, der sich ausgezeichnet hat. er ist der sohn dessen, dessen tochter ihr schon kennt. ich gab es dem, dem ich geneigt war. ich sah die, die ich suchte. ich nahm das, das sie ausgewählt hatte. also wirt es ouch umb das, das dem menschen zuwider ist Theol. deutsch 44. und alles das, das allen tugenden zugehört, das musz da sein 55. sich, alles das, das dem waren liechte zuwider ist, das gehôrt dem falschen zu 75. 79. wer ist nu der, der sich unschuldig weisz? 81. do schamten sie sich jetz des, des sie sich vor nit schamten Keisersb. Sünden des munds 12ᵇ. der da gern hört eer abschneiden, der schneidet eben als wol als der, der da hinder redet 28ᵇ. aber die schmeichler, die die laster loben, die seind gegenwirtig 34ᵇ. aber die, die der welt habent urlob geben, die werden sein innen und erfarent 69ᵇ. (ihr habt) zum theil gemeinschaft gehabt mit denen, denen es also gehet Ebräer 10, 33. gott segne euch, geb euch glückliche tage und behalte die, die er euch abzieht, für eure kinder Göthe 8, 103.
3.
das steht wie das relative was. dar umb sô mûsz man disz alles lâszen sîn das es ist Theologia deutsch 53. das du jetz gewis hast, das las nit von hoffnung wegen gib nicht auf einer hoffnung wegen Steinhöwel 86ᵇ (1555). dasz einem widerferet eben das man einem andern zugedacht hat Agricola Sprichwörter 7ᵇ. in der letzten zeit hat es Göthe wieder aufgenommen und gerne gebraucht. wenn das erscheinen abenteuerlicher gestalten sie auch nur in ihren hoffnungen bestärkte, das es gewis thun wird 11, 56. sie sollten ihrer schwester folgen, als wenn sies selber wäre, das denn auch einige versprachen. ihre brüder die noch einmal ihre hand zu küssen begehrten, das denn der älteste mit aller zärtlichkeit that 16, 28. Lottens portrait habe ich dreimal angefangen und mich dreimal prostituiert: das mich umsomehr verdrieszt 16, 57. dasz ich mich nicht enthalten kann ihm zu widersprechen, oft eine sache nach meinem kopf und meiner art zu machen, das ihm denn, wie natürlich, niemals recht ist 16, 101. ob er dem herrn die stiefeln ausziehen solle? das er denn zuliesz 16, 159. hier ist etwas von deiner hand, das du vielleicht ungern verlörst 17, 147. nun da er mich los sein wollte, fieng er an französisch zu schreiben, das vorher manchmal nur im scherze geschehen war 14, 240. ihm hatte man Hilarien bestimmt, das ihm sehr wol bekannt war 22, 52. unter andern hat er eine sündflut gemahlt, das etwas einziges ist 29, 31. um euer drama vorzustreichen, das man euch verzeihen könnte 33, 274. du hast ja genug, das alles nichts ist 33, 281. hat er denn auch die sechs sous zum schlafgeld nicht in der tasche, das ihm wol manchmal begegnet 36, 5. nur wenige wolken erschienen am horizonte, und der nacht blieb kaum übrig das sie aufzulösen hätte 51, 212. Göthe geht in demselben satz von was zu das über, sie führte dagegen an was ein zartes gemüt gewis mit ihr gleich empfinden wird und das wir mit worten auszuführen nicht unternehmen 22, 113.
4.
schon im mhd. (Ben. 1, 319ᵃ) konnte eine verschmelzung des relat. mit dem demonstr., welches dann ausgelassen scheint, stattfinden. das seind die (die welche) jederman gewunnen red (recht) geben und sie loben in sünden Keisersb. Sünden des munds 32ᵃ. aber die vil wort geben, das sint leicht (leichtfertige) menschen 42ᵃ. darumb wiltu ein dank gegen eim verdienen, so gib im daz (das was) du im schüldig bist, bald und unverheiszen 65ᵃ. und citierten mich zuͦ verantwurten das ich gesagt hab 79ᵃ. wan sie uberreden die gemeind das sie thuͦn das wider got ist 81ᵇ. was solt der rosen geruch, wa nicht wären die sie zur erquickung abbrächen? Fischart Garg. 66ᵇ.
was freut denn jeden? blühen zu sehen
das von innen schon gut gestaltet
Göthe 3, 125.
5.
das relativum wird, wie im englischen und dänischen, zuweilen ausgelassen.
Christus thet Petro winken,
im mör begundt zu sinken
Körner Volksl. 177.
der pfaw fiel da zu der erden,
sein flug hett im Württemberger land.
Soltau 2, 185.
den hardesten orden, ik wêt up erden.
Waldis Verloren sohn 1536.
6.
das relativum wird auch vor die erste und zweite person des persönlichen pronomens gestellt. der ich nie in der treue wankte. die ich ihn immer liebte. der du in ewigkeit bist. die du niemals dein wort gebrochen hast. die wir immer bereit waren. die ihr treu geblieben seid. wirstu es nicht thun, gott der du uns verstöszest Psalm 108, 12. o gott, ein herzkundiger allein, der du weiszest Melissus Psalme A 7ᵇ. C 4ᵃ. C 8ᵇ. fahr hin, narr, der du bist Boccaccio 2, 71ᵃ.
o der du über uns mit deinem vater sitzest
Opitz.
der du mit allmacht dieses element beherschest.
Ramler.
ha; zittre selbst der du mir fluchen willst!
Gotter 3, 93.
der du von dem himmel bist,
alles leid und schmerzen stillest
Göthe 1, 109.
öfter in briefschlüssen, der ich recht wol zu leben wünsche und mich zu geneigtem andenken empfehle Göthe an Leipz. freunde 302. häufig geht das wiederholte persönliche pronomen voran, ich der ich nie in der treue wankte. du die du niemals dein wort gebrochen hat. wir die wir immer bereit waren. einige lassen das persönliche pronomen aus,
o got, ein brunne und ursprung alles guten,
der dise welt regierest
Melissus Ps. Q 2ᵇ.
du bists der machest
A 7ᵃ.
mich der so mat bin
C 3ᵃ.
mann mit der scharfen sense, der den säugling
an der weinenden mutter busen mähest.
F. L. Stolberg 1, 289.
7.
im mhd. nimmt das relativum zuweilen das natürliche geschlecht wieder auf, meist bei wîp. einige beispiele aus dem zwölften jh. ein wîb diu guot wâre und êrlich Hoffmann Fundgruben 2. 34, 31.
dû bist ein ander wîb,
diu uns brâhte den lîb.
Wackernagel Leseb. 1. 198, 13.
beispiele aus dem 13 ten jh. bei Benecke 1, 318ᵇ. daz weib das duͦ mir geben hast zuͦ einer gesellin, die hat mir geben von dem holz (baum) und ich hab davon gessen Keisersb. Sünden des munds 12ᵃ. heute selten, ein kerlchen den frau Fortuna zu ihrem liebling gedrechselt zu haben scheint Klinger 1, 99. auf kosten des weibes, die du liebst, die ich mehr als mein leben achte 1, 437. das kleine geschöpf, die mich in diesen zustand gebracht hat Göthe 24, 96.
8.
im mhd. steht der, um einen bedingungssatz einzuleiten, für wenn einer, wenn jemand; beispiele bei Benecke 1, 320ᵇ, die sich vermehren lieszen. zuweilen noch im 16 ten und 17 ten jahrhundert. als da ein mensch ein ganzen tag sitzt und schweigt, redt nichts, das ist eben als ein blater uf dem maul, als der zevil redet Keisersb. Sünden des munds 3ᵃ. zu dem fierden so sprich ich von vil essen und überflüssigem, do man sich füllt, als der ein wurst füllt 7ᵃ.
swär ist recht thuͦn, ders nit hat gewont.
Brant Narrensch. 5, 34.
swigen ist loblich, recht und guͦt,
besser ist red, der im recht duͦt
19, 94.
es ist ein herter orden,
der seinen buͦlen meiden muͦsz.
Uhland Volksl. 71.
'ich will zu land ausreiten'
sprach sich meister-Hiltebrant,
'der (wenn doch einer) mich die weg tät weisen
gen Bern wol in die lant'
330.
es ist ein herter orden,
der sich von gott dört scheiden muͦsz
875.
ha ha, es wär kein gut par schu, ders nit wolt: gewis der sie begert der mangelt ihr Fischart Garg. 153ᵃ.
da sprach der fuchs 'ich armer tropf!
wer wert, der mich schlüg umb den kopf?'
Wolgemut 122.
sie sprach 'gotz hei! secht an wie glunst
dem man sein angesicht vor fewr.
ach der im det ein kleine stewr
und güsz ein spülwasser auf in!
Hans Folz in Haupts zeitschrift 8, 511.
wieder bei Göthe, der auf dem lande im winter krank würde ohne wartung, wie elend wäre das Schöll Briefe 171.
9.
der für dasz er, mhd. dêr und in jedem obliquen casus Ben. 1, 320ᵃ.
kein mensch so hoch hie kumen mag,
der im verheisz den mornden tag
oder das er morn glück soll han.
Brant Narrenschiff 37, 9.
wer ist so weise, der die wolken erzelen könde Hiob 38, 37. da gieng der fürst des andern tags in den sal mit allem seinem hofgesind ob iemants etwas gemälts sehen künd, aber niemant künt sagen, der etwas sehe Ulenspiegel s. 38.
10.
bei collectivbegriffen tritt zuweilen der plural ein, nicht selten im mhd. bei Ben. 1, 318ᵃ. an den fursten höfen, da vil jungs volks ist, die nichts arbeiten und wol mechten fasten, die essen frü ze morgen Keisersb. Sünden des munds 6ᵇ.
III.
artikel. oben (sp. 959) ist gezeigt dasz man im 17 ten jahrh. anfieng die erweiterten formen des pronom. im gen. und dat. pl. widernatürlich auch bei dem artikel anzuwenden. in dem neuniederl. sonderte es sich durch abweichende formen, masc. de, des, den, den. fem. de, der, der, de. das neutr. hat nur den genit. des und braucht für die übrigen casus sing. das persönliche pronomen het. der pl. aller geschlechter de, der, den, de.
1.
es ist das abgeschwächte, des tons verlustig gegangene demonstrativum, das ursprünglich zu dem substantivum gesetzt ward, um ihm gröszeren nachdruck zu verleihen, aber bei häufiger anwendung in dieser bedeutung herabsank. so schildert Luther das neutrum des artikels im gegensatz zu dem demonstrativum (oben sp. 955), aber das ander das lautet kurz verhawen, das man den buchstaben a kaum höret oder nicht weisz obs a, e oder i laute, und stehet kein finger dabei, der da zeige das es laute: gleichwie die Behmen ire buchstaben kurz verhawen 3, 67. im mhd. wird daher nicht selten aus metrischen gründen daz in dez geschwächt. der ward schon im 12 ten und 13 ten jahrh., wiewol selten in d abgeschwächt, beispiele in Wackernagels Lesebuch 301, 16. 724, 11. bei H. Sachs findet sich
da kum ich zu euch, mein herr dabt (der abt).
3. 3, 60ᵈ. 61ᵃ. 63ᵃ.
am Rhein hört man dvate (der vater). häufig verschmelzen diu und die als bloszes d mit dem meist vocalischen anlaut des folgenden worts, schon im mhd., beispiele in der Gramm. 4, 370, bei Benecke 1, 313ᵇ und in Wackernagels glossar xc, in der volkssprache und in mundarten noch heute; vergl. Schmeller 1, 349. im 15 ten und 16 ten jahrhundert zeigt es sich sowol vor vocal- als vor consonantanlaut. Nimindhand, Farindkuo eigennamen in Wittenweilers Ring 22ᵈ, 26. 22ᶜ, 13. 18.
hinderd tür er sich verparg
10ᵇ, 28.
und warf sei dreistund wider derd
11ᵃ, 16. 40ᶜ, 8.
Pertschi nam ein andern weg
über dhaid der selben zeit
57ᶜ, 22.
wie oft man dirs in daugen slecht
19ᵇ, 21.
und warfs dem preutgom unter daugen
37, 3.
do raunt ir muoter in doren mein.
Fastnachtsp. 321, 20.
stechen in daugen usz
Murner Luther. narr 1326.
man uberredet dbaurn
Agricola Sprichw. 45ᵇ.
weit darvon ist gut für dschüsz
54ᵃ.
kund tuͦt got sein heimlich grundnis den din (denen die in) seiner furcht stehen Melissus Ps. C 2ᵇ.
den dreschern dhend zerbrechen
Waldis Esopus 102ᵃ.
tragens in dlöcher, da sie wonen
150ᵃ.
(der biber) schnidt dhoden ausz und lief davon
153ᵇ.
da ward er zornig über dmaszen
171ᵃ.
das er sich dleng nit kundt erwehren
180ᵃ.
der schwanz heng uber dhelft hinein
182ᵃ.
als wern mir dsünd zu Rom vergeben
206ᵃ.
sahe was dfrauw daheimen macht
293ᵇ.
mit springen thust dich hoch begeben
in dlüft, kanst doch des lufts nit leben
307ᵃ.
so würdn mir dleut ins korn stehen
H. Sachs 4. 3, 25ᵇ.
hand dmeuler offen wie die narren.
M. Montanus Spiel von Fulvio und Gisippo E ij.
der sie leit gar in dstatt hinein
Fischart Schiff 694.
das ers in dscheuren lasz
ders. Gargant. 87ᵇ.
häufig bei dem Schweizer Jac. Ruff, z. b.
gelt, ich will üch und den Schwizeren dschellen schlan.
Vorsp. 42.
ob got wil, noch in deewigkeit
wird bhalten si in einigkeit
Etter Heini 47.
das si kumend
zuo im in dgmeind und sich nit sumend
440.
schnell hat der fründ sich grüst uf dfart
441.
der lasz im dsach anglegen sin
492.
stell dich uf dstrasz wol, rüst dich fin
550.
daran ouch dschuld hat dobergkeit
1584.
ja wenig lüten gipt in dhand
2179.
wenn einer kam in dkilchen loufen
2292.
luogend wir nit basz in dsachen
2646.
dann gott hat im sin hirn verruckt
und im dvernunft im kopf verzuckt
3596.
dwil ichs nun alls vollkommen gmacht.
Adam und Heva 571.
duntrüw, dschalkheit dich wirt betriegen
959.
damit wir kommind nit in dschmach
durch dines urteil und in draach (die rache)
1842.
nach unserm bruch wend wir in dstatt
1902.
denn werdend ir hörn dstraaf der sünd
2742.
ir land beschirmen, dgrechtigkeit
3347.
dann ich, din gott, der dsünd thuot demmen
4137.
und wie bald dgest dann gladen sind
5598. 5649. 5770.
in Brants Narrenschiff musz es öfter angenommen werden; vergl. Zarncke 290ᵇ. geht eine präposition vorher, so hängt Murner dieser das d an,
ind hell gesprungen
Luther. narr 1240.
Gengenbach
gond nit ind sach als wärens blind
5, 19.
das do nit wären frommer leut
dand Schwitzer bin (bei den) selben tagen
13, 55.
krachen mir dbein und trüft (trieft) mir dnas.
71, 616.
H. Sachs ein t,
kein harm (harn) ant gassen ausz zu gieszen.
4. 1, 1ᵃ.
bringt ir ant hörner im die schlingen.
4. 3, 3ᶜ.
stund auf vom tisch und mit im nam
zween fürsten und int kuchen (in die küche) kam.
4. 3, 56ᵃ. 71ᵃ.
dem könig ubert achsel schaut
4. 3, 57ᵃ.
int wach und ordnung musz ich (landsknecht) stahn.
4. 3, 62ᵈ.
darmit thu ich int heuser schleichen
4. 3, 63ᵈ.
untert fleischbank gangen ist
4. 3, 71ᵃ.
flicht dir ein satteldeck und schürz
sie ubert lend
4. 3, 177ᵇ.
warfs auch zum fenster nausz ant gassen.
4. 3, 82ᶜ.
ging int werkstatt
4. 3, 82ᵈ.
int abziehstuben
4. 3, 88ᵇ.
doch musz die katz int schelmengruben
4. 3, 91ᵇ.
an das persönliche pronomen,
und die (diejenigen welche) in stetten erbarn frawen
in den kirchen die hend abhawen
dasz int stümpf an der gürtel hangen
4. 3, 65ᶜ.
dieses t hat sich noch in dem eigennamen Schlagintweit erhalten.
2.
umgekehrt findet aphäresis statt, im mhd. zuweilen en für den, ez für dez = daz; vergl. Gramm. 4, 369. häufig wird der gekürzte artikel mit dem vorangehenden wort verschleift.
a.
bei präpositionen. im ahd. nur bei ze, Otfried hat zemo und zem. im mhd. öfter mit einsilbigen sowol als zweisilbigen; beispiele Grammatik 4, 368. 369. Benecke 1, 313. Suchenwirt im 14 ten jahrh. er kund inn (in den) houfen dringen 11, 274. Wittenweiler
kamend her mit irem gepraht
auf den plan und widern gast
Ring 3ᵈ, 37.
Brant im Narrenschiff bim (bei dem), bim mindesten pfund 25, 10. bim ofen 97, 12. im (in dem), im mer 108, 106. im mund 80, 5. zuͦm (zu dem) zuͦm zil 86, 6. bin (bei den), bin wisen 68, 17. bin oren 72, 8. bin mannen 77, 38. inn (in den), inn seckel 15, 22. inn himel 19, 79. inn doppel 75, 42. inn ermel 75, 43. ins (in das), ins narrenspil 11, γ. ins hus 32, 9. ins dorf 72, 31. ins dinctenfasz 79, 16. auch jedems (jedem das) 41, 28. Murner zuͦn (zu den) suwen Luther. narr 4287. Gengenbach bin selben tagen 13, 55. Jac. Ruff bim win Adam und Heva 3596. undern (unter den) 3596. umbs (umb das) unser Etter Heini 2302. Alberus umbs (umb des) bauchs willen Jörg Witzel F 4ᵃ. Luther gebraucht fast immer am, im, zum, aber nicht vorm. Maaler will amm nicht am geschrieben haben 15ᵇ, auszerdem führt er an beim 56ᵃ, im 235ᵇ, vom 473, zum 525, aber nicht vorm. volkslied bei Uhland
peir (bei der) nacht und auch peim tage
814.
Waldis
bein hindern füszen sich aufhenkt
164ᵇ.
macht ihm viel sprüch aufm lotterholz
213ᵇ.
hetst den mantel nachm wind gehenkt
215ᵇ.
und führt sie oben übers dach
103ᵇ.
underm tisch allenthalben sucht
165ᵇ. 168ᵃ. 240ᵇ.
das ir allzeit seit auszerm haus
227ᵇ.
H. Sachs
will mich nit ducken wie vorhin,
meiner frawen untern füszen liegen
3. 1, 2ᵃ.
und solt keim andern beichten gar
denn unserm caplan hinderm altar
4. 3, 8ᶜ.
Wolgemut
weil euch zun dingen ist so gach
2, 255.
Fuchs Mückenkr.
es dürft wol unterm last erliegen
1, 666.
vons pulvers rauch
3, 195.
Jucundiss. muste ich ihm widers teufels dank eine andere gans verschaffen 131. Lehmann die gebratene keste auszm fewer scharren 139. trew vorm gesicht und tragen den schalk aufm rücken 142. beim fewer 144. auszm haus 146. sitzt die katz aufm käfig 171. Schuppius ich will ein exempel statuieren am M. Bernd Schmidt 606. wie er fürn Ruttelhof kompt 83. ich musz meine zähne zun wölfen haben. kommen beien kürschner zusammen 839. Stieler hat am 46, beim 142, im 889, vom 2394, vorm 583, zum 2653, von den zweisilbigen nur hinderm 842. Frisch 1, 26 ist der verschleifung abgeneigt, am sogar scheint ihm nicht überall zulässig: es werde nur bei schneller rede gebraucht, und man müsse den wollaut berücksichtigen, der jedoch dabei gar nicht leidet. ein gleiches bemerkt er zu beim 1, 94 und vom 2, 406. im kurzen will er gelten lassen für in kurzem, da in dem kurzen unstatthaft sei. zum wird 2, 482 angeführt, aber nicht vorm, und bei den zweisilbigen ist keine rede von einer verschleifung. Gegenwärtig findet man in der schriftsprache am, beim, im, vom, zum und zur, sodann ans, aufs, durchs, fürs, ins, ums. im gemeinen leben hört man aufm, ausm, mitm, nachm, vorm, samtm, auch aufn, bein, durchn, fürn, ummen, zun und beis, widers. doch auch bei Göthe aufm und vorm. bei den zweisilbigen präpositionen ist zulässig auszerm, hinterm, überm, unterm, hintern, übern, untern, in der umgangssprache auch nebens, ohnes. Selten wird es mit einer andern partikel verschleift.
ir lieb wil mir nurs (nur das) herz abdrücken.
H. Sachs 2. 4, 29ᶜ.
helfen dich basz denns (denn das) haberkorn.
Wolgemut 2, 322.
b.
an das persönliche, vor dem subst. stehende pronomen konnte sich im mhd. das gekürzte daz anlehnen, z. b.
wie erz harnasch gewan
Parz. 170, 2.
dâ manz ambet tete
Iwein 7409.
vergl. Gr. 4, 369.
dar zuo was ims weibe (ihm das weib) tod.
Wittenweiler Ring 9ᵇ, 37.
das kommt in der heutigen schriftsprache nicht mehr vor.
c.
das des dem den kann mit dem vor dem substantivum stehenden verbum in der umgangssprache verschmelzen, ich wills licht holen. er solln vater rufen. ich laszm vogel seine freiheit. mit dempronomen,
Fritz der wart sichs dings versehen.
Wittenweiler Ring 10ᵈ, 37.
mit einer präposition, durchs feindes lager Chr. Ew. v. Kleist 2, 45. mit mehreren imperativisch gebildeten eigennamen, Suchenwirt suche den wirt, Leidenfrost leide den frost, Stürzenbecher stürze den becher, so ferner Fegenbeutel, Füllenmagen, Griepenkerl, Hauenschild, Leckenprei, Nagenfleck, Rüerenbrei, Rüerenmost, Rührendreck, Schürenprand, Schüttenhelm u. a.; s. vorrede zu Wittenweilers Ring viii. ix. im 14 ten jahrh. ward der wein Netzengoumen genannt.
d.
im mhd. ward zuweilen des vor dem gen. in s gekürzt und mit dem subst. verbunden, z. b. sküneges, skriuces (Gr. 4, 369).
das diser küng stroums (des traums) vergasz.
J. Ruff Etter Heini 3597.
also das stods (des tods) nit muesz ersterben.
ders. Adam und Heva 591.
in der volkssprache noch heute bei den adverbien smorgens, sabends, snachts, sjahrs. so wird auch s für das angehängt, sglück, skind, slicht.
srecht wirt gesteckt alls hinder thür.
Jac. Ruff Etter Heini 320.
ich hett schier sghäck (gehackte fleischspeise) da gar vergessen
775.
da muost er wîchen, sland (das land) verlon
3381.
3.
er zeigt sich in den ältesten ahd. denkmälern, wie in der Exhortatio ad plebem christianam und in der übersetzung Isidors bereits in geltung. wenn er in einigen andern, aus dem lateinischen übersetzten, namentlich in den Hymnen, etwas seltner gebraucht wird, so trägt die sclavische nachahmung daran schuld, aber man darf nicht denken dasz er, ursprünglich der sprache fremd, erst nach und nach sich eingeführt habe, zumal er dem gothischen eigen war. wenn er die freiere bewegung und die kühnere wortstellung, wie sie in der lateinischen sprache zulässig ist, hindert, so gewährt er wiederum eigene vortheile. denn da er nach bestimmten gesetzen steht und wegfällt, oder die wahl frei läszt, so macht er feine unterscheidungen möglich, die man dort entbehrt, die aber dem sinn verschiedene färbung geben, nähere und allgemeinere beziehungen aus einander halten. er behält auch in der schwächsten bedeutung immer noch eine gewisse demonstrative kraft. die bedingungen, unter welchen er wegfällt, werden hernach erörtert werden.
4.
er heiszt der bestimmte artikel, weil er auf ein bestimmtes, aber zu einer art gehöriges individuum hinweist, im gegensatz zu dem unbestimmten, der im allgemeinen die art, aber nicht das individuum hervorhebt. wenn Artus auf der jagd nach dem weiszen hirsch ausruft 'ich sehe den hirsch', so kann er nur diesen meinen, hätte er einen gewöhnlichen erblickt, so würde er gesagt haben 'ich sehe einen hirsch'. bei dem pl. würde Artus in dem einen fall gesagt haben 'ich sehe die hirsche', die weiszen nämlich, in dem andern aber 'ich sehe hirsche', da der unbestimmte artikel seiner natur nach keinen pl. haben kann. der nachen weicht dem dampfschiff aus und ein nachen fährt langsamer als ein dampfschiff. man liesz die pferde vorspannen, die zu dem wagen gehörigen, sagt man pferde, so wird angezeigt dasz man keine andere thiere vorgespannt habe. ich höre ein geschrei oder geschrei: dagegen nothwendig 'ich höre das geschrei des adlers'. will man jemand bezeichnen, der nicht empfindlich ist, so sagt man er versteht scherz oder einen scherz, ist ein bestimmter scherz gemeint, er versteht den scherz. die regel wird freilich nicht immer streng befolgt, vergisz nicht der armen, wenn du den frölichen tag hast Sirach 14, 14, wo einen stehen müste, soll nicht ein bestimmter tag gemeint sein. dieses rothmalen einiger vertiefungen, wodurch ein hölzernes berghaus den so lustigen anblick gewährt Göthe 21, 24 läszt sich entschuldigen, wenn ergänzt wird den bekannten so lustigen anblick. in dem ursprünglichen Götz v. Berlichingen steht ich war die närrin dich für etwas zu halten das du nicht bist 8, 131. 42, 192, in der letzten bearbeitung ist aber dafür eine gesetzt.
5.
man kann sagen der artikel und das demonstrativum vermischen sich, oder jener erhält beinahe die kraft von diesem, wenn vor dem substantivum, mit dem er verbunden ist, ein adjectivum oder mehrere vorangehen, in welchen ein relativsatz versteckt ist. ich kenne den guten trefflichen mann heiszt ich kenne den mann, der so gut und trefflich ist. ferner, wir wandelten auf dem anmutigen, über die wiesen sich schlängelnden weg. es ist dem dem menschen innewohnenden trieb gemäsz. du stehst in dem für dich durch gott bestimmten stand Gellert 6, 228. der seines erfolgs sichere eifer. wenn man aus dem in sich und durch sich lebenden und wirkenden herzen redet Göthe 60, 225. Wird der relativsatz ausgedrückt, so sinkt dagegen das demonstrativum fast zum artikel herab. der relativsatz sagt dann aus was in der andern fassung durch adjectiva ausgedrückt wird und enthält nur eine nähere beschreibung und ausführung, z. b. sie holte den teppich herbei der so glänzend und reich gestickt war, den glänzenden reichgestickten. wir erfreuten uns der landschaft, die durch den flusz belebt war. wir erblickten das haus, das in flammen stand.
6.
zweifelhaft kann man sein ob artikel oder demonstrativum anzunehmen ist in einer der deutschen sprache eigenthümlichen stellung. man bezeichnet herkunft aus einem land, abstammung von einem geschlecht, wenn man sagt der aus Hessen, der aus Pommern, der aus Spanien oder der von der Malsburg, der von Baumbach, der von Eschwege. immer nur bei dem adel der auf grundbesitz beruht, man sagt nicht der von Müller, der von Schneider, der von Schulze. schon im mhd. kommt dieses der vor, auch im pl., di von Brittanne Rol. 267, 15. di von Dalvergie 267, 22. der von dem swarzen dorne Iwein 5629. der von Berne Nib. 1659, 2. der von Spâne 1735, 1. die von Düringen 1815, 2. die von Bechelâren 1257, 2. die von Rîne 1058. von dem von Burgunden land 2010, 4. von den ûz Berne Dietleib 5707.
dô kômen die von Friesen und die von Sturmlant,
nâch den von Tenemarke hete sie ouch gesant.
Gudrun 938.
die von Tenelande 1111, 2. 2549, 4. mit dem von Tenemarke 1544, 3. die von Karadîe, Karadîne 702, 1. 733, 3. die von Môrrîche 729, 3. die von Nortlande 466, 4. die von Ormanîe 948.
daz lop des von Katzenellenbogen
Walther 81, 6.
der von Norwæge Parz. 676, 3. diu von Hagenouwe Gottfr. Tristan 121, 19. durch den von Tiersberc Konrad v. Würzb. Otto 750. der von Libenzelle Jeroschin 73, 65. 80, 295. weitere beispiele bei Ben. 1, 318. nicht nur ruht in diesen stellen die hebung darauf, man setzte ebenso das zweite demonstr.
dô dise von Berne gescheiden wâren dan
Nibel. 1813, 1.
daher ist die ansicht von Benecke, der eine ellipse von herre, man annimmt, nicht wahrscheinlich. und das geschicht auch etwan denen von den räten Keisersb. Sünden des munds 8ᵇ. glaub mir das verfürt auch die in den clöstern 10ᵃ. ich mein euch hie nicht, aber die von Nürnberg 15ᵃ. und das thuͦnt nicht allein die an den furstenhöfen sondern auch die ratsherren 15ᵃ. ich muͦsz gedenken wie sich die in dem eelichen standt versünden 15ᵃ. wie der (bischof) von Passaw musz solchs thun Luther 3, 407. aber der von Israel (on die von Benjamin) wurden gezelet vier hundert tausent man Richter 20, 17. dasz Luther, der die erweiterte form nicht bei dem artikel verwendet, darin das demonstr. sieht, beweist folgende stelle, die alle überblieben waren vom ganzen heer deren aus Morgenland Richter 8, 10. anzumerken ist aber dasz bei ihm nur in dieser stelle deren vorkommt, sonst nur (oben sp. 957) der oder dere. da wird denn der könig sagen zu denen zu seiner rechten Matth. 25, 34. und es begab sich dasz die zu pferd den Römern oblagen Rihel Livius 299.
als nun war auszbrochen weit
deren von Straszburg willigkeit
Fischart Schiff 92.
sie (die Javaner) haben das betele und areka, welches sie wie die in India stäts kauen Olearius Orient. insuln 148. als dieses die zu Facratea sahen 150. die in der schanze merkten die verätherei 151. der von adel fiel ihm in die rede Chr. Weise Klügst. leute 38. Erznarren 283. 285. das geschlecht derer von Logau Ramlers und Lessings Vorrede zu Logau V. Adelh. wer führt gegen Berlichingen? Franz. der von Sirau Göthe 8, 88. es fällt in die zeiten wie ich die von Miltenberg und Singlingen in der wirthsstube fand, die mich nicht kannten 8, 133. darnach führten wir heraus den Helfenstein, den Eltershofen, an die dreizehn von adel, zusammen auf achtzig 8, 137. ein neuerer roman hat den titel Aus den familienpapieren derer von H.
7.
seine stelle erhält der artikel unmittelbar vor dem subst. oder adject. das war schon in der alten sprache regel, die mhd. hatte davon ausnahmen gemacht und wechselnde freiere stellungen zugelassen, die in der Grammatik 4, 537—542 nachgewiesen sind, wozu Benecke 1, 317 weitere belege liefert. die heutige sprache ist zu der regel zurückgekehrt, und die freiheit den artikel mit dem adjectivum nach dem subst. zu setzen (z. b. wîn der allerbeste. von ritterschaft der mæren Gr. 4, 538—539), die im mhd. das epos und einige dichter zulieszen, ist nur noch, wie im französischen und englischen, erlaubt, wenn adjectiva als epitheta hinter eigennamen gestellt werden, z. b. Ludwig der fromme. Karl der kühne. Friedrich der grosze. Philipp der groszmütige. nur Göthe ist weiter gegangen, er sagt
höhle die tiefste schützt
41, 333.
ein suffigierter artikel wie er in den nordischen sprachen bekannt ist, kommt im deutschen nicht vor; vergl. Grammatik 4, 373.
8.
er zieht die schwache form des folgenden adjectivums nach sich, während der unbestimmte im casus rectus die starke fordert. von dieser regel finden sich schon in frühster zeit ausnahmen, die sich zeigende starke form musz aber als eine verwilderung betrachtet werden; vergl. Grammatik 4, 533—536. mhd. erscheint häufiger (Gramm. 4, 540. 541) die starke form neben der schwachen bei dem allein stehenden adject. (der guoter), nach dem articulierten subst. (der vater vil guoter), nach eigennamen (Constantînus der guoter) und bei dem articulierten adj. welchem ein subst. folgt (der listiger man. diu tugentrîchiu meit. daz listigez wîp. des ganzes apfels. dem helflîchem tage). noch im 16 ten und 17 ten jahrhundert kommt die starke form vor, zuweilen auch bei Luther, z. b. dieser ist der erstgeborner 1 Mos. 48, 18. die rechte kriegsleute Jerem. 48, 14. Schottel hat 236—238 beispiele gesammelt. gegenwärtig gilt die ursprüngliche regel ohne ausnahme, also der gute, die gute, das gute. der gute mann, die gute frau, das gute kind. des guten, der guten, des guten u. s. w. es können auch mehrere adj. folgen.
9.
der bestimmte artikel will bei dem substantivum das besondere aus dem allgemeinen hervorheben und verdankt diesem streben sein dasein. bei entschiedener strenger individualität tritt er zurück, wie bei eigennamen und in andern fällen, wovon hernach die rede sein wird, während er, soll das besondere, das einzelne bezeichnet werden, nicht fehlen darf, wie z. b. bei könig, herr, meister, welt. der blosze allgemeine begriff hat ihn nicht nöthig oder nur den unbestimmten. Hans Sachs unterscheidet richtig,
und verbot ihn (den säufern) den wein
bei groszer straf, auf dasz sie schier
fürbasz nur solten trinken bier
4. 3, 65ᶜ.
wein erhält den artikel, weil damit etwas bestimmtes, der tägliche trank gemeint ist, bier nicht, weil es als appellativum angenommen ist. da aber die linie zwischen der gattung und dem individuum öfter nicht genau zu bezeichnen ist, der zusammenhang der rede in betracht kommt, lage und verhältnisse der sprechenden und hörenden dabei einwirken, so kann er häufig stehen und wegbleiben. im mhd. war die freiheit noch gröszer, Hartmann sagt,
es ist sun des künec Vrîênes
Iwein 2111,
wir müsten sagen der oder ein sohn. es konnte in demselben satz ein substantivum den artikel bei sich haben, das andre nicht,
aldâ si kan verswinden
als viur in dem brunnen
und daz tou in der sunnen
Parzival 2, 3.
selbst in formelhaften verbindungen,
liute und ouch diu lant
Nibel. 1458, 2.
weder regen noch der snê
Parzival 565, 11. Boner 57, 18.
fleisch mit den fischen
Nibel. 370, 3. Iwein 6217;
vergl. Grammatik 4, 416. 417. bei Waldis
thet sich der windt und wasser stillen
Äsop 112ᵃ.
weder multer noch den trok
Uhland Volksl. 718.
Wir betrachten die anwendung des artikels in den verschiedenen fällen.
10.
Da der vocativus, an die zweite person gerichtet, seiner natur nach den artikel nicht erträgt, so ist in der anrede nur herr zuläszig, es stehe nun allein oder vor titel und namen. im mhd. kann hêrre herre in her gekürzt werden, her künec, her keiser, nur nicht vor gott und krist: herre got bei Walther und Hartmann, got hêrre bei Walther. man findet im 13 ten jahrh. auch er für her, er Sîfrit Nibel. 291, 3. er Gunther 614, 2. er Hagene 836, 1. sogar kann er dem vorangehenden wort angeschleift werden, so im Iwein bedahter Îwein 2960. got under Gâwein 4865. ja es wird her herre neben einander gesetzt, wenn es in voller bedeutung von dominus gebieter stehen soll. Adam ruft zu gott her mîn lieber hêrre Karajan denkm. 42, 20.
her herre, und habt ir einen man
der iu sînen dienest marketveile machen kan
MS. 2, 132ᵃ.
herre, her künec Helbling 15, 779. herre, her Dieterîch Rosengarten C. 1670. 1701. 1953. 1967. aber schon im mhd. findet sich ein beispiel, wo aller nachdruck auf herre liegt und der titel mit dem artikel als dritte person zugefügt wird, wie in dem französischen monsieur le duc, monsieur le juge, in dem niederländischen min her de graf. Rudolf nemlich sagt
lieber herre der bischof
Gerhard 685.
hernach im 15 ten und 16 ten jahrh.
got grüsz üch, frow die herzogin
Uhland Volksl. 303.
in den Fastnachtspielen bei Keller kommt neben her wirt, her richter und andern titeln nicht selten her der wirt, her der richter vor, und scheint aus der volkssprache aufgenommen. also, her der bürgermeister 746, 14. 29. 750, 14. her der official 321, 11. 322, 16. 771, 24. 772, 2. 769, 18. her der richter 310, 21. 311, 12. 20. 312, 15. 318, 1. 319, 9. 590, 7. 29 u. s. w. her der wirt 319, 16. 329, 5. 371, 22. 567, 4. 612, 13. 631, 1. 653, 26. 699, 5. 14. 713, 23. 718, 18 u. s. w. einmal der unbestimmte artikel,
Parzival ein ritter guot,
habt euchs für kein unmuot
407, 7.
auch bei Keisersberg herr der könig, herr der fuchs Baum der sel 27ᶜ. sogar vor den eigennamen,
genädiger herr der Perchtold,
darumb pin ich euch von herzen holt.
Fastnachtsp. 577, 21.
ach mein herr der Wolfdieterich,
wie thu euch jetzt gefallen ich?
Jac. Ayrer Trag. 213ᵃ.
noch bei andern, herr der rector Ulenspiegel c. 29. herr der mon (mond) Alte weisen 117ᵃ.
mein lieber herr der doctor
Theuerd. 67, 51.
herr der hofrichter
109, 78.
da kum ich zu euch, mein herr dabt (der abt).
H. Sachs 4. 3, 60ᵈ.
die Carolina criminalis schreibt dem advocaten als formel vor herr der richter, A der anklager klagt zu B dem übelthäter art. 89.
11.
zwei durch und verbundene substantiva lassen den artikel nicht immer weg, von welchem fall unter 13 geredet wird, er kann aber, wenn eine verschiedenheit oder ein gegensatz vorhanden ist, nicht fehlen. der herr und meister, der dichter und tonkünstler ist eine person, der herr und der meister, der dichter und der tonkünstler sind zwei. darauf wird nicht streng gehalten, zumal wenn die verschiedenheit doch nicht zweifelhaft ist, Göthe sagt der epiker und dramatiker sind beide den allgemeinen poetischen gesetzen unterworfen 49, 146. wo der dramatiker stehen sollte. ein gleiches gilt von zwei adjectiven, der gute und gewissenhafte mann, der liebe und treue freund: dagegen zwischen dem weiszen und dem blauen zeug hatte sie die wahl. die gesunden und die kranken gäste kamen zu dem brunnen. mehrere unmittelbar auf einander folgende adjectiva bedürfen keiner wiederholung des artikels, die guten lieben kinder, der tüchtige entschlossene rasche mann: sie verstärkt aber den nachdruck,
so schmausen die zwerge behaglich und laut
zu ehren der reichen, der niedlichen braut.
Göthe 1, 196.
ich habe das nahe, das einzige glück
verscherzt
1, 215.
nothwendig ist der artikel, wenn aus gleichem grund das adject. hinter das subst. gestellt wird, der richter, der gerechte, hat dies urtheil gesprochen. dem herrn, dem mächtigen, sollt ihr gehorchen. die mutter wird kommen, die gute.
und die mauer, die vermorschte,
altershalben ist gefallen
Göthe 5, 274.
nahend seh ichs mit erstaunen
sitzt er noch im pelz, dem braunen,
wahrlich wie ich ihn verliesz
41, 98.
die glocke tönt, die fürchterliche,
durchschauert die beruszten mauern
41, 103.
12.
bei ausdrücklich angezeigtem gegensatz ist er im sing. nothwendig. der glückliche vermag das, nicht der unglückliche.
der trûrege, niht der geile
Parz. 491, 18.
im pl. kann er wegbleiben, man sagt die reichen gelangen dazu, nicht die armen, aber auch reiche gelangen dazu, nicht arme. Göthe wol nur allein hat das articulierte adjectivum vorangesetzt und bei dem dazugehörigen subst. den artikel wiederholt,
sie sinds, die unholdigen schwestern.
sie streifen heran und sie finden uns hier:
sie trinken das mühsam geholte, das bier,
und lassen nur leer uns die krüge
1, 226.
nun ists um den armen, den thürmer gethan
1, 230.
gehören zwei substantiva von verschiednem geschlecht und numerus zusammen, so musz der artikel wiederholt werden, das glück und die theilnahme der menschen begünstigten ihn. der widerwillen und die zuneigung drückten sich auf ihrem gesicht aus. die lust und die begierden waren nicht zu zähmen. Luther fehlt dagegen, wie andere, zur ehre und lobe gottes Philipp. 11, 11. und euer geist samt der sele und leibe müste behalten werden unsträflich 1 Thess. 5, 23. auch im canzleistil häufig. Göthe hat in ähnlichen fällen die regel in der prosa oft hintangesetzt, er sagt z. b. mit diesem lied und wendung 5, 19. deinen rock und mütze 12, 92. gleichen wuchses und würde 21, 69. um ihre gestalt und wesen 48, 23; weitere beispiele s. Lehmann Göthes sprache 205.
13.
Werden zwei oder mehrere nebeneinander stehende substantiva durch eine conjunction verbunden, so kann der artikel vorangehen aber auch wegbleiben. in jenem fall wird das besondere das in den appellativen liegt, bezeichnet, in diesem gestattet die durch die substantiva angezeigte vielheit den artikel auszulassen. man kann sagen die stadt brennt im östlichen theil, die straszen und die plätze sind mit menschen angefüllt, aber auch straszen und plätze. hier zeigt sich kein merklicher unterschied, aber häufig entsteht, wenn der artikel wegfällt, eine formelhafte, bildliche oder sprichwörtliche redensart. sagt man das kraut und die rüben unter einander hacken, so kann das nicht uneigentlich genommen werden, dagegen kraut und rüben kann auch bildlich heiszen 'das verschiedenartige, nicht zusammengehörige in der betrachtung, in dem gespräch unter einander werfen'. diese verbindung zieht häufig noch eine nähere herbei, indem sich wie von selbst alliteration oder reim einfindet. von jener sind aus älterer zeit und in beziehung auf rechtliche verhältnisse beispiele in den Rechtsalterthümern s. 6 folg. gegeben, von diesem s. 13. hieran schlieszen sich hier die in der folgenden zeit bemerkten.
a.
barte und beil (Froschm. Vv v). bauer noch bürger (Waldis Esopus 24ᵇ). baum und borke (Gutzkow Ritter vom geist 3, 36). baum und busch (Göthe 1, 43). in bausch und bogen. busz und besserung (Eyering 2, 321). blatt und blume (Schiller 54ᵇ). blüte und blume. bürger und bauer. braut und bräutigam (Schiller 191ᵃ.) brot und butter. dicke und dünne. distel und dorn. dorn und dickicht (Göthe 22, 87). dunst und dampf (H. Sachs 3, 138ᵃ). in allen ecken und enden (Göthe an fr. v. Stein 1, 47). ernst und eifer. feld und fach (Göthe 46, 250). feuer und flamme. flammen und funken (Günther 928). fisch und fleisch (Eyering 2, 344. Göthe 40, 173). flur und feld. freude und furcht. freund und feind. friede und freude. gang und gemach (A Grün Ged. 264). gärten und güter (Mörike Idylle 53). geld und gut (Waldis Esopus 2026). geld und gewalt (Eyering 3, 315). geld und gunst (Brant Narrensch. 111, 21. Herm. Grimm Novellen 354). gift und galle. gift und geifer. gift (geschenk) und gabe (Schuppius 532). gold und geld (Eyering 3, 118). gras und gries (Zingerle Hausmärchen 2, 269). glitz und glanz (Mörike). glück und glas. glück und gunst. groll und grille (Günther 597). hahn und huhn (Froschm. Q iiij). hals und hand. hand und herz. hast und hatze (Göthe an fr. v. Stein 2, 127). haupt und hals (Froschm. M m 1). haupt und haar. haus und hof. haus und herd. in haus und herz behalten (J. Paul Siebenkäs 2, 112). haut und haar (Brant Narrensch. 67 β. Göthe an Lavater 98). herr und haupt (Eyering 3, 126). herz und hand. herz und haupt (Froschm. G iiij). himmel und hölle. hirt und hund (Wittenweiler 55ᶜ, 34). hirsch und has (Froschm. N ij). hof und herre (Froschm. E v). höhen und halden. huhn und hahn. kalb und kuh (Wittenweiler 9ᵈ, 32). kaul und kegel (Eyering 2, 384). keiser und könig (Soltau 2. 338, 21). keller und koch (Gargantua 169ᵃ). klette und kleid (Göthe 56, 82). kind und kegel. kisten und kasten. könig und keiser (Eyering 2, 591). kranz und krone (Kotzebue Dramat. spiele 2, 281). kräuter und kiesel (Göthe an fr. v. Stein 1, 217). krieg und krankheit (Eyering 3, 184). küche und keller. küssen und kosen. land und leute. leib und leben (Mückenkr. 2, 498). liebe und leid. licht und leben (Schiller). lenz und liebe (Uhland Ged. 445). licht und luft. lunge und leber (Wittenweiler 3ᵈ, 25. Eyering 3, 463). lust und liebe. mann und maus. maul und magen (Eyering 3, 86). moder und morast. münz und masz (Eyering 3, 274). nacht und nebel. rang und reichthum (Herm. Grimm Novellen 388). reden und rathen. rosz und reiter. ritter und rosz (Göthe 1, 103). rosz und rind (Wittenw. 55ᵃ, 30). ruh und rast. sammt und seide. schalk und schelm (Mercks briefe 1, x). scham und scheu (Göthe 40, 180). schand und schmach. schand und schade (Wittenw. 55ᵃ, 18. Eyering 3, 586). schild und schirm (Boccaccio 1, 7ᵃ). schild und schutz (H. Sachs 4. 1, 13ᵃ). schild und sper. schild und schwert. schimpf und schande. schirm und schutz. schmach und schande. schutz und schirmung (Göthe 41, 227). sichel und sense (A. Grün Ged. 78). stahl und stein. stich und streich (Theuerd. 77, 85. Fuchs Mückenkr. 3, 413). stock und staude. stock und stein. schlägt stuhl und stahl entzwei (Günther (1061). stumpf und stiel. sturm und streit (Laurin 766 Schade. Froschm. 994). stütze und stab. tag und thau (Lisch Mecklenb. jahrb. 20, 201). thür und thor (Göthe 1, 103). thor und thürangel (Eyering 2, 384). tiegel und topf (Mörike Idyll. 112). tod und teufel (Kotzebue Dramat. sp. 2, 315). trommel und trompete (A. Grün Ged. 264). trotz und thränen (Göthe 40, 282). wall und warte (A. Grün Ged. 172). waffe und wehr. wald und wiese (Mörike Ged. 30). wanderer und wagen (Göthe 40, 238). wasser und wald (Froschm. C v). wasser und weide (Froschm. Dd v). wein und weib (Uhland Ged. 371). werk und wort (Brant Narrensch. 112, 15). werth und würde (Iffland Werke 11, 182). wind und wasser (Froschm. E ij). wind und welle (Göthe 2, 76). wind und wetter. wittwen und waisen. wonne und weide (H. Sachs 4. 3, 54ᵇ). wol und weh. weder wort noch weis (Theuerd. 48, 119). worte und wendungen (Herder in Mercks briefen 1, 25). worte und werke (H. Sachs 3. 1, 4ᵇ. Göthe 1, 237). wort und wink (Schiller 327ᵇ). wunsch und wink (J. Paul Siebenk. 1, 116). wunsch und wille. zaum und zügel. zins und zehnte. zins und zol (Eyering 2, 412). zittern und zagen. zunge und zähne (Froschm. Mm 1). zweck und ziel (Soltau Volkslieder 2. 183, 16).
b.
bürde und würde. dach und fach. zu ding und ring gehen (Haltaus 227. Weisth. 2, 180. 181). duft und luft (Lorich 95). freund und leid. freund und feind. gang und drang (Uhland Ged. 417). gut und blut (Froschm. Mm iij). handel und wandel. hülle und fülle. klang und sang. knall und fall. durch korn und dorn (Bürger 69ᵇ). kniffe und pfiffe (Kotzebue Dramat. sp. 2, 296). krieg und sieg. krüppel und tippel (Fischart Garg.). kunst und gunst (Göthe 41, 149). über land und sand laufen (Stilling Jugend 2, 68). leben und weben. lug und trug. macht und pracht. not und tod. aus rand und band sein (Gutzkow Ritter vom geist 1, 253). rat und that. rumpf und stumpf. sack und pack. saft und kraft. salz und schmalz. sang und klang. saus und braus. scham und gram. schewel und grewel (Hesekiel 11, 18. 21). schmollen und grollen (Mörike Ged. 18). sporn und dorn (Fischart Garg. 69ᵇ). stein und bein. schritt und tritt. stock und block. schutz und trutz.
wenn wahn und bahn
der beste brach
Göthe 40, 417.
weg und steg. Beispiele von diesem wegfall des artikels aus dem ahd. und mhd. gibt die Grammatik 4, 389. 401. 409. 410. aus der groszen menge, die sich in den schriften der folgenden zeit finden, hier nur einige. im anfang schuf got himel und erden 1 Mos. 1, 1. scheiden tag und nacht 14, 18. dorn und distel sol er tragen 3, 18.
der velt bald in sünd und schuld.
Brant Narrensch. 35, 22.
und tag und nacht spielen und rasen
77, 5
an weib und kind nit viel gedacht.
Waldis Esopus 190ᵇ.
zur arbeit stäts hielt mägd und knecht
193ᵃ
ein ewig schreien weh und klag
343ᵃ.
bei Hans Sachs sehr häufig, nur einige beispiele,
gester hat Alexander plagt
land unde leut, schlösser und stätt
2, 55ᵃ.
nach dem thut fleisch und blut stät streben
3, 55ᵃ
vieh und leut mangel bei ihn leiden
3, 56ᵇ.
tag und nacht mit treuer hut
3, 56ᵇ.
sommer und winter musz ich wandern
3, 62ᶜ
er sei denn von adels geschlecht
das zu der that hab fug und recht
3, 67ᵇ.
all krieg und hader wird zerbrochen
3, 71ᵇ
ist ein zung die nur suchet endlich
hader und zank
3, 71ᵈ.
da ist hund und katz das best vihe Fischart Garg. 69ᵃ. reiten durch wald und strauch Schütz Beschreib. v. Preuszen 75.
in gefahr setzen leib und blut.
Fuchs Mückenkrieg 1, 400.
bei Göthe sehr beliebt; beispiele nur aus dem ersten band.
spät erklingt was früh erklang,
glück und unglück wird gesang
9.
wo du, engel, bist, ist lieb und güte
79.
und regen, sturm und gewitter
verpast ich unter dem baum
94.
füllest wieder busch und thal
still mit nebelglanz
111.
jetzt nur stangen diese bäume,
geben einst noch frucht und schatten
113.
und wenn du haus und felder pflegst,
will ich dein diener sein
122.
bei flöten und schalmeien
erneuert sich die zeit
129.
ich stellt mein sach auf geld und gut, juche!
darüber verlor ich freud und mut, o weh!
145
zu ende geht nun sang und schmaus
147.
da kommt behende kreuz und band
und zieret rock und brust
150.
ball und oper wird uns tödten
161.
sie tragen die würste, die schinken so klein,
und braten und fisch und geflügel herein
197.
und wagen und reiter und bräutlicher schwall
sie kommen und zeigen und neigen sich all
197.
soll spott und hohn getragen sein,
trag ich allein den hohn
204.
und helle
ward aug und gesicht
216.
hatten frühe schon
töchterchen und sohn
braut und bräutigam voraus genannt
242.
keimt ein glaube neu,
wird oft lieb und treu
wie ein böses unkraut ausgerauft
242.
wein und essen prangt
eh er es verlangt
243.
müdigkeit läszt speis und trank vergessen
244.
klag und wonnelaut
bräutigams und braut
247.
salz und wasser kühlt
nicht wo jugend fühlt.
249.
noch betracht ich kirch und palast, ruinen und seulen.
259.
mutter und tochter erfreun sich ihres nordischen gastes
261.
fehlet bildung und farbe doch auch der blüte des weinstocks,
wenn die beere gereift menschen und götter entzückt
271.
minder häufig bei Schiller.
stürzten, flogen, schmolzen geist und geist zusammen,
lippen, wangen brannten, zitterten,
seele rann in seele, erd und himmel schwammen
wie zerronnen um die liebenden
1ᵃ.
und braust durch mark und bein
7ᵃ.
knüpfet sich kein liebesknoten
zwischen kind und mutter an?
zwischen lebenden und todten
ist kein bündnis aufgethan
54ᵇ.
stadt und ho wissen es richtig 187ᵇ. hof und serail wimmeln jetzt von Italiens auswurf 191ᵃ. himmel und erde liegen auf mir 191ᵇ. seis tod oder leben 191ᵇ. wenn himmel und erde, wenn schöpfung und schöpfer zusammen träten 201ᵃ.
die himmlischen gestirne machen nicht
blosz tag und nacht, frühling und sommer
341ᵇ.
Dasselbe verhältnis tritt noch häufiger ein, wenn eine präposition voran geht, die bei dem zweiten wort wiederholt werden kann. auf tod und leben kämpfen. auf strang und schwert anklagen. durch mark und bein dringen. durch dick und dünn gehen. hinter schlosz und riegel verwahren. in kummer und elend, in sorge und leid leben. in staub und asche sitzen. in wind und wetter gehen. über berg und thal ziehen. über stock und stein springen. von haus und hof verjagen. da ward aus abend und morgen der dritte tag 1 Mos. 1, 13.
on was mit disteln und mit dorn
durchwachsen war und gar verworn.
Waldis Äsop 193ᵃ.
warn von disteln und dorn erstickt
193ᵃ.
über schnee und eis, stock und stauden mit im ins elend reisen Fischart Garg. 70ᵃ.
so dringet ängstlich hin und wieder
durch feld und busch und wald mein blick.
Göthe 1, 67.
zwischen waizen und korn,
zwischen hecken und dorn,
zwischen bäumen und gras
wo gehts liebchen?
1, 89.
ohne rast und ruh
1, 93. 112.
wo hinter thoren und thüren
sonst lauerten ritter und rosz
1, 103.
wandle zwischen freud und schmerz
in der einsamkeit
1, 111.
er reit't in blitz und wetterschein
1, 182.
den erlenkönig mit kron und schweif?
1, 183.
manches pfand zu lieb und huld
1, 194.
wie soll man ruh mit fleisch und blut
wol finden?
1, 208.
labung für durst und hunger reichen
1, 218.
eilt es durch anger, feld und busch
1, 225.
der wald ist frei
von eis und reifgehänge
1, 232.
entlassend meiner wolke tragwerk, die mich sanft
an klaren tagen über land und meer geführt
31, 251.
herscht doch über gut und blut
dieser schönheit übermut
41, 217.
du gebietest über tod und leben
Schiller 2ᵇ.
über koch und keller raisonnieren
183ᵇ.
er rücke
mit schwert und feuer auf mich an
241ᵃ.
mir zuerkannt von himmel und natur
250ᵇ.
die christenheit trauert in sack und asche
324ᵇ.
Terzkas regimenter zu rosz und fusz
329ᵇ.
da musten wir heraus in schnee und eis
354ᵃ.
14.
wird das nomen in einem satz mehrmals wiederholt, so kann, wenn es zum erstenmal steht, der artikel fehlen, regen erquickt die pflanzen, aber wenn der regen zu lange dauert, faulen die wurzeln. glück will jeder haben, kommt aber das glück, ist man damit nicht zufrieden.
15.
im gothischen waren mehrere wörter des artikels nicht fähig, deren zahl sich im ahd., noch mehr im mhd., verringerte (Gramm. 4, 383. 394. 404): jetzt sind nur wenige übrig.
a.
gott nimmt den artikel auch im nachgesetzten genitiv nicht an, gott ist gewaltig. die gnade gottes ist unerschöpflich. du kannst gott vertrauen. du sollst gott ehren. doch wo eine besondere beziehung eintritt erscheint der artikel, der gott der herrscharen, der gott der christen im gegensatz zu dem gott der heiden. Luther sagt auch darüber lobte Daniel den gott von himel Dan. 2, 20. Dagegen bei heidnischen göttern und göttinnen wird der artikel zugefügt, Jupiter der gott kam herab. Pallas die göttin ward sichtbar. die götter Griechenlands. der abgott der heiden. schon im mhd. der got niez Saturnus Kaiserchr. 174. dem got Apollen Roland 10, 7. tempel der gotinne Athis C*, 101. diu götinne Mêdusâ Barlaam 246, 2. apgot war im ahd. und bis ins 12te jh. masc. und neutrum. Bei zugefügtem adject. ist der artikel nöthig, also hat der grosze gott dem könige gezeiget Daniel 2, 45. denselbigen tag hat ihnen der allmächtige gott gemacht 6, 16. wir befinden aber dasz die jüden gute gesetze haben und kinder des höchsten und ewigen gottes sind Esther 6, 10. Wolfram setzt gotheit einmal ohne artikel, der sonst bei diesem wort im mhd. so wenig fehlt als jetzt, auch nicht Parz. 466, 20.
swâ werc verwurkent sînen (gottes) gruoz
daz gotheit sich schamen muoz,
wem lât den menschlîchiu zuht?
Parz. 467, 2.
gott der herr sagt man gewöhnlich, gelobt sei gott der herr des Sems 1 Mos. 9, 26.
als gott der herr (ich weisz auch wol warum)
uns aus der luft in tiefste tiefen bannte
Göthe 41, 253.
bei herrgott, insofern es ein bildnis Christi bezeichnet, gebraucht H. Sachs, der besondern bedeutung wegen, mit recht den artikel,
am auffartstag nach altem brauch
ward gstellt auf den altar
der herrgott mit der osterfannen
4. 4, 60ᵇ.
soll der herrgott gen himel farn
das.
Liendl den herrgott vom altar nam
das.
thet hindern tisch den herrgott setzen
das.
b.
auch vor Christus ist der artikel unzulässig, wenn nicht ein adj. dabei steht. mhd.
sîn sun der ist geheizen Krist
Walther 12, 13.
nû heilent Kristes wunden
77, 9.
in dem jâmer Kriste dez herze brach
27, 22,
aber
der wâre Krist
5, 10. Freidank 173, 10.
man behält jetzt mit richtigem tact Christi Christo Christum bei, nur Göthe sagt
wenn man auch nach Mecca triebe
Christus' esel, würd er nicht
dadurch besser abgericht
5, 129 (Divan).
aber bei dem teuflischen Antichrist steht der artikel, schon im ahd. und mhd. der Antichristo Muspilli 42. 48. thes Antikristen Otfr. 4. 7, 28. den Antichrist Anno 255. Kaiserchr. 607. der Endekrist sol komen Freidank 172, 11. 14. 20.
c.
vater hat schon im ahd. den artikel erhalten, der im gothischen fehlte, doch zeigen sich noch einwirkungen des ursprünglichen. man sagt gott vater, aber gott der sohn. im obliquen casus musz der artikel stehen, gottes des vaters Philipp. 2, 11. bei Schiller da in vaters brust dein eisen drang 134ᵇ ist vatersbrust zu schreiben. gott dem vater Galat. 1, 3. 2 Tim. 1, 2. got den vater 1 Corinth. 8, 6. doch sagt man noch in der umgangssprache des nördlichen Deutschlands (Schirlitz §. 15) vater ist ausgegangen. mutter kleidet sich an. groszmutter will zu haus bleiben. ja man hört auch den nach der flexion der eigennamen gebildeten acc. vatern, muttern. ich habe vatern nicht gesehen.
groszmutter spricht 'morgen ists feiertag,
groszmutter hat keinen feiertag'.
urahne spricht 'morgen ists feiertag,
am liebsten morgen ich sterben mag'
G. Schwab.
auch wol bei andern verwandtschaftsverhältnissen. brüderchen nahm sein schwesterchen an die hand. die böse stiefmutter meinte nicht anders als schwesterchen wäre von den wilden thieren im wald zerrissen worden, und brüderchen als ein rehkalb von den jägern todt geschossen Hausmärchen nr. 11.
begrüszt von mümichen Empuse
Göthe 41, 145.
dann gieng sie singen vor schwesters thür.
Wunderhorn 1, 94.
er geht mit ihr vor mutters haus
1, 101.
in mutters frommem kämmerleine
Heine Buch der lieder 79.
d.
das gothische diabulus nimmt den artikel nicht an und in der ersten zeit, wie es scheint, auch nicht das ahd. diufal, doch bei Otfried ist er vorhanden (Grammatik 4, 395) und im mhd. wie heute nothwendig.
e.
nichts und niemand weisen den artikel zurück, wie jeder, jedermann, jeglicher, keiner, weil sie die vollkommenste bestimmtheit ausdrücken. nichts erhält ihn, wenn ihm ein positiver sinn beigelegt wird, das nichts soll der grund der dinge sein, wie man die welt dies grosze nichts magnum inane nennt, Stieler 1357. so auch niemand, wenn es als person behandelt wird, der Niemand soll das gethan haben. der Niemand ist an allem schuld. warum das adj. all den artikel nicht vor sich duldet, ist oben (1, 206) gezeigt.
16.
abstracte begriffe bedürfen im nom. und acc. des artikels nicht und lassen ihn daher häufig weg, zumal in sprüchen und sprichwörtlichen redensarten, alter schützt vor thorheit nicht. wenn hochmut uafgeht, geht glück unter. mut geht über gut. lieb ist leides anfang.
redlichkeit lobt jedermann,
jedoch läszt man sie betteln gahn.
jugend fängt wie zunder. flieh ehre, so läuft sie dir nach ehre vor der welt ist schaden im beutel. sprichestu ee daz ich mich bedenk, so bin ich herusz. ursach ist der schlüssel zu dem mul, der ist dir ze nahe du kannst das maul nicht halten Keisersb. Sünden des munds 52ᵃ. thorheit steckt dem knaben im herzen Sprüche Salom. 22, 5. warheit ist dem narren zu hoch 24, 7. kaufe warheit und verkaufe sie nicht 23, 23.
der schmid dacht 'kunst geht nit recht zu'.
H. Sachs 4. 3, 70ᶜ.
bewährt den forscher der natur
ein frei und ruhig schauen,
so folge meszkunst seiner spur
mit vorsicht und vertrauen
Göthe 2, 209.
im genitiv und dativ kann aber der artikel nicht fehlen, des hochmuts spottet ein jeder. der redlichkeit soll man nachstreben. dem glück läuft man vergeblich nach. der tugend machte er eine verbeugung und liesz sie vorüber gehen.
17.
bei sein und werden wird der artikel nicht gebraucht, zumal wenn ein persönliches substantivum prädiciert wird. so steht tag, abend, nacht, sommer, winter, herbst, frühling, luft, wasser und andere. er ist könig. er ist arzt. der geselle wird heute meister. es ist schon tag. es wird bald abend, bald nacht werden. bei uns ists winter, in jenen ländern ists sommer. es ist luft im zimmer. es ist wasser im krug. so schon im mhd. s. Gramm. 4, 409.
18.
den cardinalzahlen wird der artikel beigegeben, wenn ein theil einer gröszeren zahl soll heraus gehoben werden, also eine nähere bestimmung nöthig ist, der eine soll alles auf sich nehmen. die achte waren aus dem haufen getreten. die zwölfe kämpften wie helden.
des antwurt im der eine
Erek 5445. 5506.
ez was diu eine von den drin
der zweier frouwe under in
Iwein 3396.
nû wil ich die siben (von acht tugenden) unter wegen lân Berthold 280.
er hat zwelf lebendige kind,
und seind die sibne klein
Uhland Volksl. 489.
Ein gleiches kann statt finden, wenn eine ungefähre zahl soll bezeichnet werden, das ich kumen pin uber die zweinzig jar Albrecht v. Eybe 14. in die sechs reuter Ettner Unwürd. doctor 657. über die 600 personen gestorben Lisch Jahrbücher 17, 204. in die fünf wochen. in die dritthalb hundert. in die 50 häuser 17, 218. bei Göthe öfter,
und zu pferd an seinen seiten
an die vierundzwanzig kamen
4, 134.
an die acht jahre 8, 76. an die dreizehn von adel 8, 127. es sind schon an die hundert ortschaften aufgestanden 8, 134. es sind nun über die acht jahre, dasz sie hierher kamen 10, 134. der mörder gab ihm an die zwanzig stiche 27, 232. dagegen waren manche, die schon in die dreiszig gelangt, mich aufsuchten. 48, 74. wir giengen neben einander an die sechs jahre ders. an Lavater 7. ich habe mit dem hause über die dreiszig jahre verkehrt Lenz 1, 285. Die ordinalzahlen verlangen den artikel, der erste, der zehnte, der zwanzigste, der hundert und zweite. er mengt das hundertste in das tausendste. nun zu dem dritten und letzten Keisersb. Sünden des munds 25ᵇ. Logau gestattet sich einmal ihn wegzulassen,
wenn mannesmäuler sich und weibermündlein paaren,
gibts zehnden monat drauf was junges zu erfahren
1. 4, 76.
Steht beide vor dem substantivum, so kann der artikel gesetzt werden und auch wegfallen, er leidet an beiden oder den beiden augen. beide oder die beiden füsze schmerzen ihn. steht es allein und bezieht sich auf ein vorangegangenes substant., so bleibt der artikel weg, ich erwartete einen von den brüdern, aber beide sind gekommen. der kleine und der goldfinger sind verletzt, und beide bluten heftig.
19.
Göthe, dem der artikel zuweilen beschwerlich fiel, liesz ihn, und in späteren gedichten nicht selten, auch da weg, wo eine bestimmte beziehung vorhanden war, die ihn forderte, in den beiden ersten beispielen läszt er sogar ein adject. vorangehen.
der abgebildete
vergleicht sich billig
heilgem dreikönige
2, 161.
ich will doch gleich hinauf in kleinen vorsaal gehen,
wie weit ists ungefähr, auf meiner charte sehen
7, 45.
suppe kocht und siedet ein,
braten will verbrennen
1, 153.
und so hab ich auch den fischer
ruhig sehen netze werfen,
brauchte dem gewandten tischer
winkelmasz nicht einzuschärfen
5, 105.
schäferhund er will nicht weichen
5, 273.
welch ein tönen, welch ein schauer!
treppe schwankt, es bebt die mauer
41, 94.
was musz die sternenstunde sein?
gemäuer scheint mir zu erbangen
41, 96.
luft ist gereinigt,
athme der geist
41, 331.
auch Rückert,
ich stand auf berges halde,
als sonn hinunter gieng.
20.
erklärbar ist der fehlende artikel bei dem appellativum, wenn dieses die stelle eines eigennamens vertritt. man sagt im märchenstil, füchschen kam herbei geschlichen, schwälbchen flog weg, mäuschen fürchtete sich.
läuschen hat sich verbrannt,
flöhchen weint,
thürchen knarrt,
besenchen kehrt,
wägelchen rennt,
mistchen brennt,
bäumchen schüttelt sich
Hausmärchen nr. 30.
knabe sprach 'ich breche dich,
röslein auf der heiden'.
röslein sprach 'ich steche dich
dasz du ewig denkst an mich'
Göthe 1, 17.
mein vater, mein vater, und hörest du nicht,
was erlenkönig mir leise verspricht?
mein vater, mein vater, und siehst du nicht dort
erlkönigs tochter am düsteren ort?
erlkönig hat mir ein leids gethan
1, 184.
seele wills nicht länger ertragen,
sie (die flasche) an der thüre in stücke schlagen
5, 209.
märchen sagt 'es war einmal'
41, 271.
Fantasie das ungeheure riesenweib
sasz zu berg,
hatte neben sich zum zeitvertreib
Witz den zwerg
Rückert.
was glimmert schwarz katers auge so hell?
Heine Buch der lieder 19.
kommt feins liebchen heut?
36.
wo da wandelt liebchen traut
40.
Walther fügt in ähnlichem fall frau hinzu,
waz êren hât frô Bône?
17, 25. 38.
21.
er fehlt bei formelhaften elliptischen redensarten. kopf weg! ruft man, wenn wasser aus dem fenster soll herabgeschüttet werden, hut ab! wenn die höflichkeit aus den augen gesetzt wird. gewehr auf! gewehr ab! brust heraus! lautet das militärische commando.
22.
wenn eine nähere bestimmung vorausgesetzt, aber nicht ausgedrückt wird, so wird dennoch der artikel zugefügt, er will bauen, aber ihm fehlt das geld, das dazu nöthige. du must dich fügen, denn er ist der herr, er kann es gebieten. er hat das brot nicht, er kann sich nicht sättigen, hat nicht das nothwendigste.
darmit gewinn ich kaum das brodt
H. Sachs 4. 3, 63ᵇ.
es gibt Ludwigskreuze die das brot nicht haben Göthe 36, 72.
23.
da das dem subst. beigegebene adject. eine nähere bestimmung enthält, so kann der artikel wegbleiben, er kann aber auch hinzugefügt werden. man sagt guter weizen oder der gute weizen ist theuer. volles oder des vollen glückes gewährung. bösem oder dem bösen wetter ist niemand hold. reine oder die reinen tage kommen selten. lärmenden oder den lärmenden vergnügungen gieng er aus dem wege. gleichwol entstunden (fehlten) ihm auch die mittel eigenen herrn zu spielen Stockfisch 18. Bei dem comparativus findet ein gleiches statt, aber nicht bei dem superlativus. bei diesem kann in präpositionalformeln der artikel wegbleiben, in höchster not oder in der höchsten not, ebenso in bester stimmung, in frühster zeit, mit gröszter lust, mit tiefstem schmerz, bei höchster ungnade.
warum ist wahrheit fern und weit,
birgt sich hinab in tiefste gründe?
Göthe 5, 123.
mit innigstem behagen
5, 196.
einst mit heiszestem verlangen
so erwartet wie empfangen
7, 219.
kommt von allerreifsten früchten
mit geschmack und lust zu speisen
41, 27.
augenstral ist mir verliehen
wie dem luchs auf höchstem baum
41, 212.
als gott der herr (ich weisz auch wol warum)
uns aus der luft in tiefste tiefen bannte
41, 255.
mit stolz in tiefster brust
41, 292.
sonst wird er beibehalten, das gröszte glück begleitet ihn. das schlimmste ist zu erwarten. er begreift das geringste nicht. sie ist das liebste kind. der glücklichste erfolg war gesichert. indessen hat man in neuerer zeit sich darüber hinausgesetzt. Göthe liebt es, zumal in seinen spätern gedichten, den artikel wegzulassen, auch wenn keine präposition vorangeht, und umgekehrt hat er auch wol den unbestimmten zugefügt: eine stelle im Divan als beispiel für die verschiedenen fälle,
Enweri sagts, ein herrlichster der männer,
des tiefsten herzens, höchsten hauptes kenner
5, 119.
und ein gegenstück liefert Rückert,
denn ein reinlichstes bild mit treffendsten zügen entworfen
soll mir ein haushalt hier werden der freundlichsten art
296.
beispiele für unsern fall aus dem spätern Faust,
dasz er euch gelenk und weich sei,
wuszt ich feinsten flachs zu sichten
41, 34.
zerrt unnützeste gespinste
lange sie an licht und luft:
hoffnung herrlichster gewinste
schleppt sie schneidend zu der gruft
34.
in ringen köstlichstes juwel
45.
du bleibst zu hause wichtigstes zu thun
111.
verderblichstes dir abgerungen
153.
sie werfen sich, anmutigster gebärde,
vom wasserdrachen auf Neptunus pferde
162.
doch beugt sogleich hartnäckigster mann
vor der allbezwingenden schöne den sinn
180.
nun denn, statt freundlich mit trost reich begabten
letheschenkenden, holdmildesten worts,
regest du auf aller vergangenheit
bösestes mehr denn gutes
196.
wie so sittig herab mit verweilendem tritt
jungholdeste schar anständig bewegt
den geregelten zug
209.
du kommst heran, er meldets nicht, verfehlt
ist ehrenvollster schuldigster empfang
so hohen gastes
211.
ihrem tritt
begegne sanfter boden: ihrem blick,
nur göttliche nicht blendend, höchster glanz
217.
dann aber liesz ich allerschönsten frauen
vertraut-bequeme häuslein bauen
256.
zwar wetterleuchten in der weiten ferne,
blickschnelles fallen allerhöchster sterne
mag jede sommernacht geschehn
282.
so viel erschrecklichstes im engsten raume
324.
andere sind viel sparsamer mit diesem superlativus ohne artikel, weil man das ungewöhnliche darin noch fühlt. unbedenklich kann das quantitativpronomen voran gehen,
vom himmel fordert er die schönsten sterne
und von der erde jede höchste lust
Göthe 12, 24.
denn jeden schwierigsten gedankeninhalt bändigt er mit leichtem und sicherm griffe Gervinus Geschichte der deutschen dichtung 5, 651. jene bedeutsamkeit und pathetische weisheit, mit der er nun jede elendste sache ansah und beschaute 653.
24.
dem pronomen demonstrativum, das schon eine scharfe bestimmung enthält, kann kein artikel vorgesetzt werden. doch sagt Göthe einmal (oben sp. 963) der der. bei jener findet sich schon im mhd. eine ausnahme, wo aber der artikel die schwache form nicht nach sich zieht,
der jener (wart) gevangen
Herbort 6460.
die jene zwêne nâmen
ir swert an die rehten hant
13582.
vergl. 3641. 8141, wo es ebenfalls vorkommt, aber eine besserung nöthig ist. in den von Leyser herausgegebenen predigten des 13ten und 14ten jahrhunderts steht es mit einem darauf folgenden relativum, da die gene habe (vermögen) mit samenen, die diese werlt lieb haben 51, 9. die gene die sie martelten 114, 11. ohne relativum aus einer Leipziger handschrift des 14ten jahrhunderts werden bei Leyser s. 149 folgende stellen angeführt, der jener wider in dô sprach 80ᵃ. dô der jener wart gewar daz er vant sulchen untrôst 81ᵃ. die jene lobeten den gewin als sie ir valscheit lêrte 94ᵇ. den jenen dat. pl. Keisersb. Postille 8. auch im mittelniederd. zeigt sich de gin, de gin di he geladen hede Wackernagel Leseb. 776, 6. es wird aus dem mittelniederländischen eingedrungen sein, wo de gone gebräuchlich war; beispiele in der Gramm. 4, 447. vielleicht war das bedürfnis einer schwachen form die veranlassung zu der bildung derjenige, die gegen das ende des 15ten jahrh. aufkam. indessen fieng man um diese zeit auch an eine schwache form von jener neben der starken zuzulassen, und was frölich als derginne, der verloren schadens oder schulden wider zuͦkumpt Ulenspiegel s. 68 Lappenberg. so dürfen dieginnen nit klagen, die du betrogen hast 134. der jenen Hutten 5, 238. so dem mehrer theil der jenen die reimen machen, gemein ist Alberus 10. on den glauben kan uns das jene nit nutz werden, das Christus für uns gethan hat ders. wider Jörg Witzeln C 7ᵃ. wo sind die jene, denen du umb meintwiln gedient hast das. E 4ᵃ. die jenen die sich so unmäszlich schmücketen Buch der liebe 289, 3. de jenne aus Rehtmaiers Chronik 2, 226 bei Frisch 1, 486ᵃ. auch bei Opitz,
der jene welcher dir nun ganz ergeben ist.
die krone trägt sie auch die sie dem jenen gibt,
der ihren ruhm erhöht
1, 103.
was mag das gold dort nützen
dem jenen welcher stäts darüber pflegt zu sitzen?
1, 105.
und noch bei Göthe,
zu diesem sprach der jene dann
47, 85.
er behält auch, wie es im mhd. geschah, die starke form bei,
wer ist denn der der und der jener?
2, 274.
25.
der canzleistil gestattet in einigen fällen den artikel auszulassen, wo er sonst stehen müste, so heiszt es, stände gaben zu erwägen, beharrten bei dem beschlusz. kläger brachte folgendes vor, klägern ward aufgegeben zu beweisen. beklagter antwortete. doch bleibt diese freiheit nur auf einige fälle beschränkt, man sagt nicht beschuldigter erwiderte, verurtheilter gab zu erkennen, sondern der beschuldigte, der verurtheilte.
26.
bei aufschriften und überschriften, in registern ist eine weitere hinweisung nicht erforderlich, der artikel fällt daher weg, Louisenplatz, Schloszplatz, Breitestrasze, Dorotheenstrasze, Linksstrasze, eisengieszerei, holzmagazin, gasthof zum weiszen rosz, herberge für fuhrleute. ebenso in dramatischen gedichten bei der angabe des orts und der gegend. einige beispiele aus Göthes Götz und Faust, wirthshaus zu Heilbronn 42, 149. lager der reichsexecution 42, 108; doch auch der bischöfliche palast zu Bamberg. der speisesaal 42, 41. ferner, dämmerung 41, 1. saal des thrones 41, 8. rittersaal. staatsrat in erwartung des kaisers 41, 9. felsbuchten des ägäischen meers 41, 158. bei büchertiteln läszt man ihn öfter weg, geschichte des mittelalters, lehrbuch des deutschen rechts, wechselrecht, farbenlehre: er wird auch gesetzt, der verfall des römischen reichs, das recht des besitzes, die lehre vom artikel.
27.
im ahd. kann, wie im gothischen, der genitiv mit auslassung des artikels nachgesetzt werden, z. b. stuchi steines (fragmen molae), dionost himiles (militia coeli); s. Gramm. 4, 397. gewöhnlich geht er voran, z. b. mittelgartes lioht, sterrôno strâza, von fîanto hanton: er steht auch zwischen dem artikel und dem nomen, z. b. der gotes forasago, daz satanâses kisindi. jedoch wird auch in den beiden ersten fällen der artikel zugefügt, joh des perages (jugum montis), furisto des zimbares, thiu diurî thera salba, so auch thes lantliutes menigî. nicht anders verhält es sich im mhd., am häufigsten steht der unarticulierte genitiv vor dem subst., kann aber auch zu adjectiven und zeitwörtern gehören. der dativ ohne artikel nur in adverbialischen ausdrücken oder in abhängigkeit von zeitwörtern. bei diesen auch öfter der acc. ohne artikel. wir betrachten die verhältnisse im nhd.
a.
der genitiv mit dem artikel dem substantivum vorgestellt. des kindes lust. des vaters freude. der mutter glück. des schicksals wink. der blumen pracht. der sterne glanz. des herren groszer tag Zeph. 1, 14.
des traumbs verstandt zu zeigen an
H. Sachs 4. 3, 57ᶜ.
des elfen schönste pflicht
Göthe 41, 4.
des Pindus letztgedehnte zweige
41, 148.
der schätze würdigste custoden
41, 68.
doch gewöhnlich setzt man den genitiv mit dem artikel nach, die lust des kindes u. s. w.
b.
der genitiv ohne artikel vorgestellt; meist bei dichtern,
gürt sich zu ihm nach bettlers art
H. Sachs 4. 3, 59ᵃ.
und blieben gar einfeltig bei
dem gottes wort der reinen lehr
4. 3, 64.
auf eises läng und breite
da blüht der winter schön
Göthe 1, 25.
als wie nach windes regel
anzögen weisze segel
41, 162.
theilet Helenens glück,
welche zu vaterhauses herd
freudig herannaht
41, 184.
mannlustige du, so wie verführt, verführende,
entnervend beide, kriegers auch und bürgers kraft
41, 190.
häufig bei Schiller, in äthers höhn, in abendroths strahlen, mit feuers hülfe, von nordens hauch, in schlafes arm, an ufers grün. es macht den übergang zu der uneigentlichen composition, freundesgrusz, reichsfürst, kindeslust, sternenglanz, windesbraut, wolfsmilch, brückengeld.
c.
der unarticulierte genitiv wird nachgestellt bei gott, wo überhaupt der artikel nicht zulässig ist, die mutter, der sohn gottes: natürlich kann er auch voranstehen, gottes mutter, gottes lohn, gottes kind. sodann im canzleistil, ohne beisetzung jahres und tages Stieler 2246. ferner bei wörtern die ein masz, ein gewicht, einen theil bezeichnen. zween armringe zehen seckel golds schwer 1 Mos. 24, 22. er zahlte eine mark goldes. sechs hundert stück goldes 1 Könige 10, 16. drei pfund goldes zu einer tartschen 10, 17. und hatte bei sich zehn pfund silbers Tobias 1, 16. dem muste man täglich opfern drei eimer weins Bel 2. und vermenget in (den sauerteig) unter drei scheffel melhs Matth. 13, 33. Luc. 13, 21. ein stück brotes, ein trunk wassers; beispiele aus der alten sprache in der Gramm. 4, 722. jetzt läszt man bei dem masc. und neutr. die flexion gewöhnlich abfallen, man sagt ein stück brot, ein trunk wasser, eine klafter holz, ein bund stroh, ein centner flachs. doch zeit lebens.
d.
bei dem präpositionalen wegen steht der genitiv mit dem artikel gewöhnlich voran, doch folgt er auch. der leute wegen läszt er sich nicht sehen. des geldes wegen bleibt er weg. oder wegen der überschwemmung kann er nicht kommen. im 16ten jahrhundert begegnet man wol dem unarticulierten genitiv, wegen hungers nach brot 4 Esra 15, 58.
ruckt er fort mit groszer mühe
gewässers wegen an die brühe.
Fuchs Mückenkr. 2, 482.
auch bei halben und halber. der schulden halber ist er eingesteckt. lasz dirs nicht übel gefallen des knaben und der magd halben 1 Mos. 21, 12. und Mose schrei zu dem herrn der frösche halben 2 Mos. 8, 12. dasz wir nicht hunger brots halben leiden müssen Jerem. 42, 14. konten hungers halben nicht länger darin bleiben 1 Maccab. 6, 49. der menschen halben ist die welt geschaffen, der mensch aber gottes halben Stieler 736. und er geht nicht hörens halben in die kirche das. ferner bei willen mit vorangehendem um, um des himmels willen, wer ist es? um der menschen willen konnte das geschehen. so werden auch mit dem articulierten genitiv als präpositionen gebraucht angesichts, anstatt, behufs, kraft, inkraft, laut, statt, trotz, vermöge, zufolge.
e.
im ahd. und mhd. nehmen nicht wenige adjectiva das nähere bestimmung enthaltende, im genitiv stehende substantiv zu sich (Gramm. 4, 729—735), dem sie meist vorangehen; der artikel wird manchmal zugefügt. heute ist die zahl dieser adjectiva beschränkter, man gebraucht lieber die präp. an und von, die sich auch dort schon zeigen. statt touwes naz sagt man nasz vom thau, statt bluotes rôt roth von blut. im mhd. heiszt es kindes swanger, bei Luther Elisabeth ist auch swanger mit einem sohn Luc. 1, 36. beispiele aus unserer zeit, des lebens satt, müde, überdrüssig. des lebens froh. der sorgen ledig, los. des lobes werth. der schulden quitt. der sache gewis. des erfolges sicher. der ehren würdig. der freuden eingedenk. des glückes theilhaftig. des geldes habhaft. des vortheils gewärtig. läszt man den artikel weg, so entsteht uneigentliche composition, freudenleer, ehrenwerth, lebensfroh, lebenssatt u. s. w.
f.
der genitiv beim superlativus hat heute den artikel nöthig der im ahd. wegblieb, wo man sango scônista, barno bezista, manno miltisto (Gr. 4, 736) sagte. also der frauen lieblichste, der blumen schönste, der männer tapferster, oder die lieblichste der frauen, der tapferste der männer. doch ist eine präposition gewöhnlicher, die lieblichste unter den frauen, von den männern der tapferste.
g.
aus substantiven gebildete genitivische adverbia haben im ahd. und mhd. zuweilen den artikel vor sich, z. b. tages interdiu, des tages eo die, des selben tages (eodem die), des andern tages. des morgens Parzival 128, 13. 376, 18. des âbendes Lanz. 3251. Lichtenstein 76, 4; vergl. Gr. 3, 128. 129. so auch im nhd., wo jedoch der artikel häufiger ist, des jahrs per annum, des tages verschmachte ich fur hitze 1 Mos. 31, 40. mein gott, des tages rufe ich, so antwortest du nicht Psalm 22, 3. er leitete sie des tages mit einer wolken 78, 14. das dich des tages die sonne nicht steche 121, 6. vorigen tages die pristino Stieler 2247. Göthe gebraucht noch tages ohne artikel, was man bei andern selten findet,
tages arbeit, abends gäste
1, 199.
ferner marktags, man verlor sich in die alte gewerbstadt und besonders marktags in dem gewühl 24, 22. sogar messenzeits 25, 84; vergl. Lehmann Göthes sprache und geist 203. 386. ferner sommers aestate (wie im mhd. sumers MS. 2, 25ᵇ) und winters.
priesters tafelfleisch vergäsz ich
eher als dem freund entsagen,
den ich sommers rasch bezwungen,
winters langer weil bezähmte
Göthe 1, 171.
sommers wann die lilien blühen.
Justinus Kerner Ged. 142.
bei andern wird man diese beiden adverbien nicht leicht finden. Luther sagt im sommer Sprichw. 6, 8. 10, 5. im winter Matth. 24, 20. Stieler im sommer 2, 602, doch Steinbach des sommers aestate 2, 602. frühlings und herbstes kommt schwerlich vor. häufig morgens und des morgens, mittags und des mittags, abends und des abends, nachts und des nachts. Luther und seine zeitgenossen, H. Sachs, Wolgemut gebrauchen lieber den artikel. bei den mit tag und abend zusammengesetzten namen der wochentage ist der artikel seltner, er wird montags oder donnerstags anlangen und sonnabends wieder abreisen.
es hat durch unser land sich alles umgekehret,
drum wundert mich der brauch, dasz er so lange wehret,
dasz dinstags noch und nicht man freitags hochzeit macht,
und mehr als göldnes frei, das schwere dienen macht.
es gienge zwar noch hin des dinstags hochzeit haben,
freitages aber doch bald tod, bald sein begraben.
Logau 1. 2, 36 (31).
Der anomale genitiv der dem fem. nacht in dem adv. nahtes, des nahtes noctu schon in der ahd. und mhd. sprache beigelegt wird (Gr. 3, 133), dauert fort. nachts ist sehr gebräuchlich,
so geh es jedem der am tage
sein edles liebchen frech betriegt
und nachts mit allzukühner wage
zu Amors falscher mühle kriecht
Göthe 1, 213.
aber auch, des nachts im traume zwickt michs an allen gliedern 8, 208. im 16ten jahrh. hatte des nachts den vorzug, des tages verschmacht ich fur hitze und des nachts fur frost 1 Mos. 31, 40. und des nachts schweige ich auch nicht Psalm 22, 3. der herr hat verheiszen seine güte und des nachts singe ich im 42, 9. das dich des tages die sonne nicht steche noch der mond des nachts 121, 6.
dasz ein des nachts die flöh nicht beiszen.
Wolgemut 2, 204.
daneben gilt bei nacht Dasypod. 387ᵇ. Frisch 2, 4ᵇ und bei der nacht. Eine eigenthümliche erscheinung ist die genitivische unarticulierte form nach präpositionen, denen ein anderer casus gebührt. schon im mhd. vor tages Parz. 376, 10. vor âbendes Nibel. 1556, 1 B. wider âbendes Gudrun 47, 4. von morgens unz an die naht 1041, 5, wo Volmer von morgen geändert hat. weitere beispiele Gr. 3, 130. denn es kan vor abends wol anders werden weder es am morgen war Sirach 3, 130.
der mich zu abends ordiniert
H. Sachs 4. 3, 62.
vor nachts ante noctem Frisch 2, 4ᵇ. Göthe hat diese form noch gekannt, er sagt vor winters Briefe an Schiller 1, 203. an Zelter 1, 194. das heutige vormittags, nachmittags läszt sich auch auf diese weise erklären: in der Grammatik 3, 131 wird es aus compositis abgeleitet. man könnte in den bisher angeführten beispielen annehmen zeit sei ausgelassen, allein in andern fällen geht das nicht: man findet im mhd. auch ze teiles in partem, vor gerihtes coram judice, und die ganz gleiche geltung mit der regelmäszigen form ergibt sich aus einem andern beispiel, daz ein wazzer wider berc (aufwärts) flüzze Berthold in Wackernagels Lesebuch 669, 12. es steht wie ze berge (Freidank 35, 12. 109, 25. Jüng. Titurel 5968, 2), aber man sagte auch widerberges (Jüng. Tit. 5090. 5907).
h.
verba die den genitiv zu sich nehmen, waren in der alten sprache viel häufiger, als jetzt, wo man lieber den acc. oder eine präposition gebraucht. der genitiv hatte in der regel den artikel vor sich, er fiel nur zuweilen ab, z. b. heiles wünschen, kindes genesen, rehtes vâren. gegenwärtig hat sich der genit. etwa bei folgenden zeitwörtern erhalten, entbehren, entraten, gedenken, genieszen, harren, sein, spotten, und bei einigen reflexiven, sich annehmen, besinnen, enthalten, entschlagen, erwehren. der artikel steht voran, man sagt also des beistandes entbehren, der dinge entraten, des freundes gedenken, der besten gesundheit genieszen, der ankunft harren, er ist der ehren, sie sind alle des todes. er spottet des befehls. des kindes genesen Henisch 1403. der kinder sich annehmen. der zeit sich besinnen. der bemerkungen sich enthalten. der sorgen sich entschlagen. des hungers sich erwehren Frisch 1, 476ᵇ. selten ohne artikel wie hungers sterben Stieler 645. Luther sagt des todes sterben 1 Mos. 20, 7. 26, 11. 4 Mos. 23, 10. Richter 13, 22. Fischart im 25 sten cap. des Gargantua setzt bei spielen den genitiv mit dem artikel, der bonen spielen, des glückes, des hörnlins, des fuchses, des kolbens, der braut, doch auch röpflins 165ᵇ. bei Stieler des ballens spielen, des ungetreuen nachbars, der pike 2085; gewöhnlicher ist der acc. ohne artikel.
28.
der dativ, der seiner natür nach auf personenverhältnisse geht, erhält bei zeitwörtern den artikel, er dient dem mann und schmeichelt der frau. er hilft dem kind. im pluralis kann er nach der allgemeinen regel wegbleiben, männern dient er, frauen schmeichelt er.
29.
der acc. sing. steht ohne artikel bei vielen zeitwörtern, die eine gewöhnliche beschäftigung anzeigen, z. b. brot backen, bier brauen, butter machen, flachs brechen, fleisch braten, gras mähen, korn schneiden, holz schlagen, wasser tragen, ebenso beistand leisten, hilfe bringen u. s. w. bei andern kann der artikel nur im pluralis fehlen, z. b. wurzeln graben, nüsse pflücken, trauben schneiden, strümpfe stricken, lichter ziehen.
30.
werden auszer dem subst. andere redetheile substantivisch verwendet, so nehmen sie den artikel unter gleichen bedingungen an. am häufigsten ist es der fall bei dem adject. und dem neutralen infinitivus, der tüchtige weisz es zu vollbringen. der entschlossene geht vorwärts. dem gesunden schadet es nicht. das lesen und das schreiben liebte er nicht. des neckens war kein ende. er sah dem tanzen zu.
das prahlen steht dir gar zu schön
Göthe 41, 45.
zuweilen auch das neutrum bei partikeln, das ja der braut hörte man kaum. das ehrliche nein war mir lieber als das erzwungene ja.
31.
der pluralis der substantiven, da er in der vielheit auch die allgemeinheit ausdrückt, kann den artikel auslassen und zusetzen. menschen oder die menschen vermögen das nicht. störche oder die störche nisten auf dächern. tauben oder die tauben bauen gern in felsenritzen. wölfen oder den wölfen geht man aus dem wege. im singularis wäre hier der artikel nicht zu entbehren.
32.
artikel bei dem possessivum.
a.
im ahd. stehen die possessiva ohne artikel und mit flexion meist vor dem substantivum, sînêr scîmo Otfr. 2. 12, 93. sînan sun 1. 5, 36. mîna worolt 1. 5, 40. seltner nachgesetzt, namo thînêr Otfr. 2. 21, 8. quenâ thînu 1. 4, 29. scalk thînan 1. 25, 7. in beiden fällen kann bei allen geschlechtern die flexion wegfallen, doch geschieht es gewöhnlich nur im nom. sing. (auch im acc. beim neutr.), seltner im nom. und acc. pl. mîn kind Otfr. 1. 6, 12. ubar thîn houbit 1. 6, 14. bin ih smâhêr scalk thîn 1. 2, 2. thû bist einego mîn 1. 22, 50. eigan thiu ist sî thîn 1. 2, 2. selbâ muater sîn 1. 6, 10. jungoron sîn (discipuli ejus) 3. 20, 127. vergl. Gramm. 4, 402. aber es wird auch im ahd. der artikel gesetzt, sowol vor dem subst., wenn das possess. nachfolgt, als vor dem possess., wenn dieses, was der gewöhnliche fall ist, vorangeht. also thie forasagon sînê Otfr. 1. 20, 7. zên goumôn sînên 3. 7, 89 und thaz mînaz bluat 4. 10, 14. thiu sîn muater 2. 8, 7. then sînan geist 2, 13, 32. beide stellungen finden statt, wenn adjectiva zugefügt sind, thaz suazâ liabaz sîn Otfr. 5. 11, 30. thie selbun drûta sînê 5. 11, 34 und in dheru sîneru heilegûn chiburdi Isid. 11, 20. thaz sînaz lîb niuwaz Otfr. 4. 37, 24.
b.
im mhd. fehlt bei den possess. gewöhnlich der artikel, manchmal folgt er hinter dem subst.
sîn sarc der was bereitet
Nibel. 991, 1.
sîn lîp der ist sô schœne
102, 3.
sîniu jâr diu giengen hin
Dietleib 98.
Dem articulierten subst. kann das possess. nachgesetzt werden, aber in der regel unflectiert,
der bruoder sîn
Nibel. 9, 1.
der neve sîn
9, 1.
durch den willen mîn
62, 3.
vor allen vîenden sîn
62, 4.
ouch enist ez von den schulden sîn:
ez ist von den unsælden mîn
Iwein 4068.
al diu âventiure sîn
Parz. 3, 18.
der bruoder dîn
92, 28.
da erkant ich niht des ankers dîn
50, 1.
die grôzen kraft der güete dîn
Walther 24, 22.
daz kumt allez von der frowen dîn
91, 33.
ûf die gnâde dîn
Freidank 181, 6.
andere beispiele, auch einige mit der schwachen form Gramm. 4, 480. 481. oder der artikel steht vor dem im obliquen casus flectierten possess.,
bî den sînen landen
Nibel. 79, 3.
in der sîner zeswen
1298, 2.
endlich vor dem adject., wenn das possess. mit dem subst. vorangeht,
sînen schilt den guoten leint er von der hant
Nibel. 1771, 2.
sînen sun den jungen
Gudrun 55, 4.
Bei zwei substantiven steht das possess. in der regel vor jedem, doch zeigt sich auch vor dem zweiten der artikel allein,
sô wol sîn brôt als ouch den wîn
Dietleib 6307.
oder vor dem zweiten das possess. allein,
ros und iuwer sârwât
6731.
vergl. Gramm. 4, 352. 419.
c.
im nhd. dauert die freiere stellung des possess. nicht fort: es wird jetzt ohne artikel vorgesetzt. nur folgendes ist zu bemerken. das nachgesetzte unflectierte possess. zeigt sich noch in Luthers vater unser (vergl. das gothische atta unsar, ahd. fatar unsar) und ist kein graecismus (πάτερ ἡμῶν), da bei ihm zugleich unser vater (Matth. 6, 9. Luc. 11, 2) vorkommt; im ahd. fatar unsar und auch im mhd.
jâ dô wir dich vater unser nennen
Jüng. Titurel 65.
Hans Sachs gebraucht dies nachgesetzte possess. häufig: nur von wenigen blättern die beispiele,
unter allen den knechten dein
4. 1, 10ᵇ.
David den jüngsten bruder dein
4. 1, 6ᵈ.
den dreien brüdern dein
4. 1, 7ᵃ.
zu retten mir das leben mein
4. 1, 5ᵃ.
vor den eltesten des volkes mein
4. 1, 5ᵈ.
wann Saul rewt mich im herzen mein
4. 1, 6ᵃ.
wiewol ich im verheiszen han
Merob die eltsten tochter mein
4. 1, 9ᵈ.
mit Michal der tochter mein
4. 1, 10ᵇ.
den waren gott und herren mein
4. 1, 77ᵃ.
ich wag hierin das leben mein
4. 3, 5ᵈ.
o David, lieber gemahel mein
4. 1, 11.
so wil er zu eim weib dir geben
Michal, die jüngsten tochter sein
4. 1, 9ᵈ.
sicht sündigen den bruder sein
4. 1, 98ᵃ.
da fragten ihn die jünger sein
4. 1, 76ᵃ.
seltner bei andern,
und sprach 'geliebde schwester mein,
bitt wöllest gutes mutes sein'
Waldis Äsop 18ᵃ.
und sprach 'nempt hin die güter mein'
95ᵇ.
die barschaft mein,
was mir gat ein
Fischart Garg. 89ᵇ.
hat mich doch mein schwager getrost
mit weiser red mir aufgelost
den knoden in dem herzen mein
Fuchs Mückenkr. 1, 469.
Siccaboron schnaubt wie ein schwein,
erblasset in dem antlitz sein
2, 388.
neuere dichter gebrauchen das possess. auf diese weise nur, wenn sie die ältere sprache nachahmen wollen,
und du geliebtes Lorchen mein
Göthe 13, 73.
und sing ich dann im herzen mein
13, 78.
d.
bezieht sich das possess. auf ein vorangegangenes aber nicht wiederholtes subst., so steht es entweder ohne artikel in der starken form, oder mit dem artikel in der schwachen. man sagt wem gehört dieser stab? 'das ist meiner'. alle weingärten sind verschlossen, nur meiner und deiner nicht oder nur der meine und der deine nicht. die frauen der familie waren zugegen, nur deine oder die deine nicht. wessen haus ist abgebrannt? deins oder das deine. sind das meine bücher oder sind es ihre, die ihren? sind es unsere, die unsern? meine felder sind bestellt, aber eure oder die euren nicht.
D. frei von zärtlichkeit ist noch kein herz geblieben:
nur deines, Silvia ...
S. nur meines kann nicht lieben
Gellert 2, 322.
häufiger werden jetzt die ableitungen der die das deinige meinige seinige eurige ihrige unsrige gebraucht, wo der artikel notwendig ist.
e.
er kann nicht fehlen, wenn die possess. in substantivischer geltung stehen. ich erwarte die meinen (meine leute, meine familie). sind die deinen angelangt? und sie woneten auch umb ire brüder in Jerusalem unter den iren 1 Chron. 10, 38. denn ir seid nicht mein volk, so wil ich auch nicht der ewr sein Hosea 9, 5. es grüszet euch Epaphras, der von den euren ist Coloss. 4, 12. gewöhnlicher sind jetzt die eben erwähnten ableitungen. s. oben dein 6ᵃ.
f.
in dem 15ten und 16ten jahrh. erscheint noch zuweilen der artikel vor dem possess. und dem dazu gehörigen substantivum.
ir seit des ewern lasters fro
Wittenweiler Ring 42ᵇ, 7.
so ich der seinen red nachtracht
H. Sachs 3. 1, 2ᶜ.
scheidt ab mit deinem bloszen schwerdt
gleich wie ein hirt die deinen schaf
3. 1, 253.
so fürcht ich doch so sere
des eures vater zoren
Uhland Volksl. 196.
ein brief schrieb er behende
der seinen frawen klar
786.
wir schullen das seine leiden
in unserm herzen tragen
882.
erschwing das dein gefieder
du tewrer adeler
Körner Hist. volksl. 142.
das ewer tyrannisch leben
ist mir noch wol bekandt
Adrian Mittheil. 123.
33.
nach präpositionen folgt der regel gemäsz der artikel, wenn das appellativum in besonderer beziehung steht. er setzte sich in die laube. er lehnte sich an den baum. er gieng gerne mit dem kind herum. er stieg aus der grube. er hielt sich vom wasser fern.
34.
dagegen fehlt er notwendig nach präpositionen bei allgemeiner bedeutung des substantivs, woraus eine adverbiale form entsteht. zu asche werden. vor angst nicht reden. vor furcht zittern. aus liebe sterben. zu liebe thun. zu danke machen. mit dank erkennen. schön von angesicht. frei von sorgen. eine tafel von marmor, nicht von holz. eine kugel mit wachs überzogen. Luther sagt zu hauf zusammen, niederd. to hope. und rufen zu hauf ire freundschaft 2 Maccab. 8, 1. also stunden auf jeder seiten vor dem thor vier tische, das sind acht tische zu hauf Hesekiel 40, 41. ferner zu haufe, David brachte zu haufe die kinder Aaron und die Leviten 1 Chron. 16, 4. alle diese könige versammelten sich und kamen und lagerten sich zu haufe Josua 11, 5. und auch zu haufen, Salomo brachte zu haufen wagen und reuter 1 Könige 10, 26. noch bei Göthe,
zu hauf euch sehnend
4, 190.
als wo man emsig und zu hauf
macht vogelbauer auf den kauf
13, 41.
da liegt das rothe gold zu hauf
41, 285.
und alle kommen doch zu haufen
ihr ihre waare abzukaufen
13, 46.
noch einige andere beispiele,
warlich zuͦ fuͦsz und auch zuͦ rosz.
Murner Luther. narr 3436.
auf einer kugel zirkelrund
ein ansehnlich herrlich weib
ohn kleidung, blosz, nacket von leib.
H. Sachs 4. 3, 57ᵇ.
in mangel stehen Garg. 33ᵇ.
35.
Der artikel kann nach der präposition stehen und wegfallen, je nachdem das appellativum im besondern oder im allgemeinen sinn genommen wird; in letzterm fall tritt das formelhafte und die adverbiale bedeutung hervor. die beispiele müssen das schwanken darin vorzüglich berücksichtigen. man sagt in den wald, in das feld gehen, ins feld rücken, dagegen über feld, zu wald gehen. es steht mir deutlich vor den augen und vor augen. man geht zu bett und in das bett. gib den brief in die hände des vaters aber auch zu händen des vaters. zu wagen reisen und im wagen. mit post schicken und mit der post. man geht auf den acker.
spitz die schar, spitz die schar,
in acker fahr
Wolf zeitschr. für deutsche mythol. 1, 239.
schon im ahd. in dhes chirihhûn ardôt (habitat) wolf mit lambû Isidor 89, 21. redan (cribrare) sô man korn in sibe duat Otfr. 4. 13, 16. im mhd. nicht selten bei präpos. mit dem gen. und acc., am häufigsten mit ze; vergl. Grammatik 4, 399. 413. 414. beispiele aus der folgenden zeit,
dein schand wil ich legen an tak.
Fastnachtsp. 255, 5.
nun wolauf, ir frauen, über felt
371, 14.
pat dieselb fraw alle morgen ir götter das er bei leben solt beleiben Albrecht v. Eybe. betracht den mangel Christi, so er uf erdtreich gelitten hat Keisersb. Sünden des munds 12ᵃ. alles das in himmel und in erd ist 12ᵇ. er hat in gesehen sitzen dort in seiner groszen kappen die er bis an hals gestreift hat, als dan gewonheit ist der küning in Frankreich 46ᵃ. die hend in teig stoszen 41ᵇ. werden wir die charten und propositiones einmal an tag geben Alberus wider Jörg Witzeln H 2ᵃ.
in dem wolt die liechte sunn
geen zuͦ rast mit irem wagen
Theuerd. 17, 57.
zu dem tisch sitzen
19, 88.
zu dem essen gan
26, 48. 118.
wer vil usz fliegen wil zuͦ wald
Brant Narrensch. 33, 89.
wer andere stoszen wil in sack,
der wart ouch selbs des backenschlack
69, 7.
halt dasz es nit zuͦ tal ab felt
66, 10.
der selbig baum steht in mitten der aller scherpfesten dörnen Pauli cap. 489. denn gott der hatte noch nicht regnen lassen auf erden 1 Mos. 1, 13. sihe gen himel 15, 5. zu ohren fassen sein gebot 2 Mos. 15, 26. nim zu ohren was ich sage 4 Mos. 23, 18. Jesaias 1, 2. 10. 28, 23. 32, 9. Jerem. 9, 20. wird sie hören schwerlich mit ohren Apostelg. 28, 27. doch auch ich habe dich mit den ohren gehort Hiob 42, 5. mit den ohren werdet ihr hören Matth. 13, 14. Apostelg. 28, 26. zu tode steinigen 5 Mos. 13, 10. 17. 22, 21. 2 Chron. 10, 18. warf in ganz Israel mit steinen zu tod, dagegen zum tode verurtheilen 2 Maccab. 4, 47. Hesekiel 13, 19. Susanna 41. reizet eure kinder nicht zu zorn Ephes. 6, 4. man erwartet zu häupten, aber Luther sagt da neiget sich Israel auf dem bette zun heupten 1 Mos. 47, 34. wehe euch, die ir küssen machet den leuten unter die arme und pfüle zu den heubten Hesekiel 13, 18.
srecht wirt gestellt alls hinder thür.
Jac. Ruff Etter Heini 320.
wie er (Äsop) von leib nun ganz und gar
ungstalt und so gar scheuszlich war
Waldis Esopus.
er ward gesandt von seinem herrn
hinausz zu feld den acker ern
ders.
den so geschicht noch heut bei tag
2ᵃ.
erwüscht den käs und lief zu loch
9ᵇ.
zu holze will ich wieder gan
40ᵃ.
die wachtel da zu velde flohe
71ᵃ.
damit liefen zu holze gach
94ᵃ.
seiner mutter folgt ein junger knab
neben seim vatter nach zu grab
132ᵃ.
so ein gfehrlich reis über meer
H. Sachs 4. 3, 28ᵈ.
wie man dergleich seh über tag
4. 3, 54ᵈ.
mit dem bald thet gen walt einrucken
4. 3, 59ᵇ.
dann er wird jetzt gen himel fahrn
4. 3, 60ᵇ.
wan art die laszt selten von art
4. 3, 61ᶜ.
wird einer geworfen in den tagen
mit einem stein, in kopf ein loch
4. 3, 61ᵈ.
und so thund mich die feind oft firmen
in schlacht, scharmützel und in stürmen
4. 3, 62ᵈ.
bis auf mitnacht sitz ich beim wein
4. 3, 62ᵈ.
bis sie endlich in grund verdarm (verdarben)
4. 3, 65ᵈ.
der messner war ein alter mann,
dient uns zu tisch
4. 3, 71ᵃ.
und ich hab doch kein mönch nit
mein lebtag sehen gen acker fahrn
4. 3, 87ᵇ.
ein reicher burger der fruh und spat
zu hof war bei Maximilian
4. 3, 81ᵃ.
der schlug ein nider zu unglück
4. 3, 81ᵇ.
da traten dar
dise zwölf blinden in kreisz zumal
4. 3, 81ᵇ.
do gab der wolf die flucht gar bald
wider ausz dem dorf ein gen wald
4. 3, 106ᶜ.
die wolf flohen vor im gen holz
4. 3, 109ᶜ.
hinauf gen himel fahren thet
4. 3, 114ᵈ.
sagt das alt sprichwort 'in not
gehn der freund zweinzig auf ein lot'
4. 3, 116ᶜ.
führt seinen gast zu nacht hinausz
4. 3, 87.
aber auch
bei der nacht
4. 3, 90ᵃ.
sein (des mannes) zank bei tag, liebs anfang zu nacht Garg. 70ᵇ. fahr in wald 8ᵃ. in wald laufen Schweinichen 1, 353.
jagen den wolf von holz zu feld
Wolgemut2, 401.
das wild lief zu holz in voller brunst
2, 451.
eilends hinab in keller lief
2, 368.
must leer wider zu holz hinlaufen.
Eyering Sprichw. 1, 154.
in der stadt kömpt ein meuterei
an tag, und rückt mit gewalt herbei
mit den ameisen der tewre held
Granestor und legt sich auch zu feld.
Fuchs Mückenkr. 2, 19—22.
und nam damit zu loch sein straszen.
Rollenhagen Froschm. R iiij.
sein irrthum wird nicht viel gezehlet,
dann wo er etwa hat gefehlet,
das wird in erde tief verhohlet
Logau 1. 2, 40.
gott müsse ihnen nothwendig ein sammetes kissen in himmel legen lassen. er werde deshalb in himmel kommen. nicht in himmel klettern Schuppius 87. bisz an morgen 105. zog ich in krieg 119. wann ihnen ein geringer rauher wind unter augen wehet 135. mit füszen eines groben bauern kan zertreten werden 137. was ihm in sinn kompt Olearius Rosenthal buch 1. cap. 1. er wirft seine söhne in thurm 1, 10. von nutzbarkeit der verschwiegenheit 4. überschrift. mit begehren 7, 1. in meinung eine stattliche verehrung zu erlangen 4, 11. in meinung du wärest unvorsichtig ders. Baumgarten 116. für augen kommen Butschky Patmos 116. niemals ist mir in sinn gekommen Riemer Stockfisch 193. jedennoch aber verordnete er dasz man einen angezündeten strohwisch oben von fenster herunter werfen solte 226. damit muste er in gasthof einkehren als ein blutfremder 238. die einbusze seiner güter und zwar auf eine so ungerechte art gieng ihm oft in kopfe herum 238. bei seite geräumet 334. in gegenwart so vieler personen 335. wie er (der bauer auf dem heimweg) in busch kommt Ettner Maulaffe 630. unter augen und unter den augen oben 1, 792. 793. vor augen und vor den augen 793. aus den augen 795. Auch im 18ten jahrh. dauern diese formeln fort. bei den meisten kommen sie nur in beschränkter zahl vor, bei einigen häufig, wie z. b. bei Klinger, der sie aber auch unpassend gebraucht. zu winkel kriegen Lessing 1, 373. in augen ist ihr ganzer geist ders. fragt nichts nach lauf der welt Gotter 1, 197. stosz mich in abgrund Klinger Theater 2, 147. wenn er mir noch einmal erscheint, sollen seine gebeine in flusz, und müst ich sie mit eignen händen hineintragen 2, 174. komm an wasserfall 2, 189. stolz traten sie zusammen in garten 2, 194. ich wollte nur fragen ob ich dich würde an hof begleiten 2, 227. er soll sie diesen abend in park am schlosz bescheiden 3, 172. die gnade des suldans wird dich schon in hafen treiben 3, 174, und noch viel öfter. auch Göthe läszt hier nicht selten den artikel weg,
bei heiterem sinn, mit fröhlichem blut
ist alles an tafel vergessen
1, 137.
versäumen Sie nicht zur rechten stunde an tafel zu kommen 57, 219.
und in hoffnung wieder dich zu sehen
1, 209.
der thürmer der schaut zu mitten der nacht
herab auf die gräber in lage
1, 229.
gar verdrieszlich ist mir einsam das lager zu nacht
1, 286.
ihr glückt es wol bei einigem verweilen
mit wurzelkräften dich von grund zu heilen
4, 133.
mein mädchen hab ich ihm wahrhaftig nicht gegeben
um so in tag hinein von meinem geld zu leben
7, 41.
ihr herren, merkts euch wol, es kommt zuletzt an tag.
7, 110.
an galgen mit dem dieb!
7, 111.
ihr warft sie (die armbrust) dem feind an kopf 8, 11. ja, wenn ihro majestät nicht bald dazu thun, so stecken einen die kerl am end in sack 8, 39. dagegen mit dem artikel, das müst ein kerl sein, der das weinfasz von Fuld in den sack schieben wollte 8, 40. seinen innigsten antheil an tag legen 10, 60.
den wedel nimm hier
und setz dich in sessel
12, 124.
und laszt uns sehen dort stäubts im sand,
dort zieht ein wütig heer zu land
13, 51.
neulich kam mirs in sinn den engel Michael wieder,
der mir die officin bezeichnet, vergolden zu lassen.
40, 263.
auffallend ist hier in tag leben, an tag kommen, an kopf werfen, in sessel setzen, bei andern wird man den artikel finden. dagegen setzt er ihn wol, wo andere ihn weglassen,
anbeter konnt ich wol noch in der menge haben
7, 52.
wie der bischof sah er richt nichts aus und zieht immer den kürzern, kroch er zum kreuz 8, 6. gewöhnlich ist in menge, zu kreuz. so sagt man auch einen bei namen rufen, nennen, aber Schiller,
du erfrechst dich,
ihr ärgster feind, beim namen sie zu rufen.
manche form, die im 16ten und 17ten jahrh. noch gäng und gäbe war, ist auszer gebrauch gekommen, und nur zuweilen wird eine und die andere wieder hervorgezogen, so von Rückert
wenn ich zu walde geh
303.
bei Göthe
wie ein vogel der den faden bricht
und zum walde kehrt
1, 107.
gegenwärtig wird hauptsächlich bei folgenden substantiven der artikel weggelassen, auf erden, auf sicht. bei tag, bei nacht. bei sonnen-, bei mondschein. bei licht arbeiten. gewehr bei fusz. das heer steht gewehr bei fusz ist zum kampf bereit, erwartet die schlacht. bei hof angesehen. bei seite bringen. bei sinnen sein. bei geld sein. bei tisch sitzen speisen. in angst, in furcht leben. in stand setzen. in zukunft kann es geschehen. in gebrauch sein. in frieden leben. etwas in menge haben. die schiffe werden bald in see gehen. nach belieben. nach hause gehen. nach sicht. über nacht wegbleiben. über land, über feld gehen. über tisch während des essens. um friede bitten. von anfang an. von grund aus. von haus aus. von natur. von haus kommen. von tisch aufstehen. von grund aus verändern. die haare stehen zu berge. zu dache steigen. zu bette gehen. zu ende bringen. zu dienst sein. zu gast sein. zu grabe tragen. zu grund richten. gut zu gesicht stehen. zu gevatter laden. zu fusz gehen. zu neste tragen. zu kopf steigen. zu pferd steigen, sitzen. zu schiff gehen. zu stuhl gehen alvum exonerare. zu thal rinnen. zu tische setzen. zu tod ärgern. zu haus bleiben. zu stand, zu wege bringen. zu ende des jahrs. zu hilfe eilen. zu falle kommen. zu wasser werden.
36.
noch sind substantiva mit einer präposition zu erwähnen, wobei, obgleich sie nicht in allgemeiner bedeutung stehen, vielmehr in der bestimmtesten, dennoch der artikel wegfallen darf. so sagt man in der hoffnung und in hoffnung auf bessere zeiten. auf den grund und auf grund dieser erklärung. in oder mit hinsicht, rücksicht, erwartung. andere dulden den artikel gar nicht, auf seiten, von seiten, in betreff, in betracht, in berücksichtigung, in bezug, in ermangelung, in erwägung, liebt der canzleistil.
37.
völlig zu adverbien erstarrt und mit dem substantivum zusammengewachsen sind im nhd. beileibe, überhaupt, übernacht, zufrieden, zurück u. a. das ursprüngliche zu rücke hat H. Sachs,
der wolf zog auch zu rücke nider
4. 3, 118ᵇ.
und noch Frisch setzt es 2, 482ᵇ an. heute kommt es selten vor,
o ruf sie zurücke die vorigen zeiten!
Göthe 1, 71.
diese frage geb ich zurücke Schiller 1, 307ᵃ. kann ich ganz zurücke treten? 308. bei H. Sachs findet man
die sau lof eim blinden zwischen die bein
und stiesz in dasz er fiel an rück
4. 3, 81ᵇ.
weder vor auch noch hinder rück
4. 3, 115ᶜ.
wofür wir jetzt hinterrücks sagen. doch auch mit dem artikel,
dasz er schlug nieder an den rück
4. 3, 81ᶜ.
überruck im schlüssel zum Theuerdank,
das er tod überruck zuͦ der erd viel
s. 186.
statt zufrieden,
darmit der fromb adel abschied
und war des urtheils wol zu fried
4. 3, 67ᵇ.
38.
von zwei durch eine conjunction oder eine präposition verbundenen substantiven war schon (unter 13) die rede, ein anderer fall ist es, wenn dasselbe substantivum in verbindung mit einer dazwischen stehenden präposition und meist in adverbialer geltung wiederholt wird. dort fehlte meist der artikel, war aber zulässig, hier wird er ganz abgewiesen. schon im mhd.
die den helden erkanden
von landen ze landen
Dietleib 526.
und mâc mit mâge übele lebet
Freidank 46, 8.
und ir zal war von heubt zu heubt, das starke mann waren, acht und dreiszig tausent 1 Chron. 24, 3.
das er von tag zu tag abnam
Waldis Esopus 156ᵇ.
trags abents morgens tag bei tag
192.
aber die königin an dem orte
fusz für fusz gieng da in kurzweil
H. Sachs 4. 2, 59ᵇ.
in dem rückten die beide heer
von schrit zu schrit je lenger je mehr
zusam
Fuchs Mückenkr. 3, 108.
der herr erzehle mir doch
drei stücke von glied zu gliede
Gryphius 903.
bei Göthe sehr häufig,
hand in hand und lipp auf lippe
1, 61.
was wir in gesellschaft singen
wird von herz zu herzen dringen
1, 117.
und in unsern liedern keimet
silb aus silbe, wort aus wort
1, 163.
sie warfen mit brust sich zu brüsten
und herzten und küszten nach lüsten
1, 224.
lieb um liebe, stund um stunde,
wort um wort und blick um blick:
kusz um kusz vom treusten munde,
hauch um hauch und glück um glück
5, 160.
geheime doppelschrift
die in das mark des lebens
wie pfeil um pfeile trifft
5, 195.
diese brust, wo deine siegel
kusz auf kusz hereingedrückt
5, 196.
reim auf reim will was bedeuten
5, 219.
weisheitsbaum an baum, cypresseragend,
heben äpfel goldner zierd empor
5, 253.
gib die hand dasz tag für tag
ich an deinen zarten fingern
ewigkeiten zählen mag
5, 258. 13, 156. 160.
brachte mich zeitrechnung und nomenclatur unseres wunderlichen sammlers schritt vor schritt aus der richte 31, 221. aber ungewöhnlich,
von schritt für (statt zu) schritt wuszt ich mirs zu erörtern.
41, 259.
wenn sonst im keller fasz an fasz sich häufte
14, 3.
wenn das gewünschte glück endlich hand in hand, arm in arm zu uns tritt 21, 149.
schlieszt sich heilig stern an stern
41, 4.
von sturz zu sturzen wälzt er (der wassersturz) sich jetzt.
41, 7.
bis wir ihm sagen dürfen aug in auge
dasz sie zugleich auch dem und jenem winke
41, 36.
mit ihnen nacht für nacht zu wohnen,
ich glaube nicht dasz es behagt
41, 111.
plätschernd ziemt es da zu schwimmen,
lied um lieder anzustimmen
41, 135.
noch drängt sich fels auf fels bewegt heran
41, 138.
ich schwebe so von stell zu stelle
41, 149.
raubschiffend ruderte Menelas von bucht zu bucht
41, 201.
geh und häufe schatz auf schatz
41, 216.
voreilend ihren schritten lasz beblümt
an teppich teppiche sich wälzen
41, 217.
an einander gelehnet,
schulter an schulter, knie an knie,
hand in hand wiegen sie sich
über des throns
aufgepolsterter herrlichkeit
41, 219.
und hört ihr donnern auf dem meere?
dort wiederdonnern thal um thal,
in staub und wellen, heer dem heere,
in drang um drang zu schmerz und qual
41, 241.
und fels an fels und berg an berg gereiht
41, 254.
als Molochs hammer, fels an felsen schmiedend,
gebürges trümmer in die ferne schlug
41, 254.
cascadensturz, durch fels zu fels gepaart
41, 256.
burg gegen burg, stadt gegen stadt,
zunft gegen adel fehde hat
41, 261.
da freut uns jeder wie er schiebt und drängt
und mann für mann der säle raum verengt.
41, 269. 275. 318.
so stürzt der feind, mann über mann
ersäuft im eigenen geblüte
41, 272.
da schwanken städte hin und wieder,
da steigen gärten auf und nieder,
wie bild um bild den äther bricht
41, 275.
erst ordnet oben
saal an saal
die kostbarkeiten
allzumal
41, 305.
dort wollt ich, weit umher zu schauen
von ast zu ast gerüste bauen
41, 306.
stamm dicht an stamm hinan
woge nach woge spritzt
41, 333.
seele rann in seele
Schiller 1ᵃ. 124ᵃ.
schwert blitze gegen schwert!
45ᵇ.
böses musz mit bösem enden
53ᵇ.
und welle auf welle zerrinnet
62ᵇ.
von stunde zu stunde gewartet er
mit hoffender seele der wiederkehr
63ᵃ.
kämpfer gegen kämpfer stürmen
72ᵇ.
von munde zu munde
flog, von geschlecht zu geschlecht, euer empfundenes wort.
84ᵃ.
opfer um opfer 142ᵇ. geheimnis gegen geheimnis tauschen 146ᵃ. ohrfeig um ohrfeig 193ᵇ. und wenn wir jetzt brust gegen brust und schicksal gegen schicksal auswechseln sollten 204ᵇ. wir wälzen uns von schlamm zu schlamm 210ᵇ. wir betteln mit der ballade von thür zu thür 208.
arm in arm mit dir
213ᵃ.
von schwäche zu schwäche sinkend
213ᵃ.
wir musten uns drücken von ort zu ort
322ᵇ.
39.
der artikel fällt weg, wenn der begriff nur im allgemeinen soll angegeben werden, er ist aber auch bei dem gegensatz nicht zulässig, wenn nemlich von einer scharf bestimmten, ganz entschiedenen individualität die rede ist. daher steht er, das ist die regel, nicht bei eigennamen der menschen, seien es geschlechts- oder vornamen, ja er fällt ab bei unsinnlichen und ganz abstracten begriffen, sobald sie als person auftreten. so läszt man in allegorischen gedichten Milde, Tapferkeit, Gerechtigkeit, Poesie, Kunst erscheinen; in den gedichten des 13ten jahrh. setzte man gerne frau voran, wie z. b. frou Sælde. Waldis überschreibt seine 31 ste fabel von der spinne und podagra, in welcher die krankheit als ein weib auftritt: da heiszt es Podagra sprach, Podagra macht sich auf die fahrt.
a.
im gothischen stand die regel fest, im ahd. hat man eine ausnahme bemerkt, ther Barrabâs Tatian 190, 18. im 12ten jahrh. fieng der artikel an sich einzuschleichen. in des Augusti cîtin Anno 517. einige handschriften der Nibel. 215, 2 lesen sun des Sigemundes statt sun den Sigemundes. in der Gudrun des Hagenen tohter 456, 3. in des Hagenen lande 457, 3. der Gêrlinde sabene 1272, 2. sun des Ludewîges 1631, 1. Welscher gast do er den Baldewînen sach 13304. im 14ten jahrh. bei Jeroschin,
ein brûderlîn ein knottir (capuciner)
der was genant der Ottir
105, 2.
zu einin zîtin geschach
daz man den Albrecht sach
mit andrin brûdrin reise varn
129ᵃ.
dô der Kasimir gesach,
der herzoge diz ungemach
136ᶜ.
bei Keisersberg zuweilen, der Saul gebot das man solet für und für die feind verfolgen Sünden des munds 4ᵃ. da wolt der Saul seinen sun lassen tötten, aber das volk bat den Saul für in 4ᵃ. der Milo was so stark das er ochsen mit der hand ze todt schluͦg 5ᵇ. das lert der Gerson, den sollen sie lesen 14ᵃ. der David spricht 15ᵇ. die muͦter Jacobs sprach zu dem Jacob 16ᵃ. die ander figur ist von dem Joseph und Jacob das. da kam einer, gieng zu dem David und sagt im daz Saul tod wer. der David fraget in 'wa von weistu daz er tod ist? den Saul weinet und claget David 29ᵇ. wir lesen von dem Nabal, der spottet des Davids 46ᵇ. als der Oracius spricht 81ᵇ. in den Fastnachtspielen des 15ten jahrh. bei dem casus rectus sowol als bei den obliquen nicht sehr selten.
do dich der Heinz Putz fand
36, 2.
hie kumt der Neithart, der ritter reich
191, 4.
eur nam mag wol heiszen der Schendel
371, 10.
so heisz ich der Ackertrapp
398, 4.
ich will mir haben die Adelhait, die Geuten
398, 6. 24.
ich pin gehaiszen der Eisengrein
398, 18.
so heisz ich der Hebenstreit
398, 33.
darumb will ich die Gerdraut
399, 10.
so haisz ich der Milchfridel
399, 18.
den Wegendrüssel nim ich mir
401, 32.
geben wir ungefuogen zol
den der Neithart am ersten fand
420, 11.
darumb so ist er der Adelheit wol gleich
516, 21.
darümb so sol in die Gerhaus nemen gern
568, 16.
Stadeleiner, für mir sie her
junkfrau die Adelhait,
die hat an ain nagelneue pfait
583, 24.
als mein gesell der Heinrich dort
585, 25.
es bleibt dem Heinrich nimer verschwigen
586, 7.
bei Murner, het auch nimmer vertrüwet das ich damit weder den Luther noch iemans uf der erden solt oder möcht beleidigt haben Luther. narr s. 2.
redestu dem Luther noch ein wort
451.
gewöhnlich Tewrdank, doch auch
so wär ertrunken der Tewrdank
64, 42.
auffallend dasz Luther den eigennamen, wo er im genitiv stehen sollte, unflectiert und ohne artikel auf das substantivum folgen läszt, von dem er abhängt, etwa wie man jetzt eine handlung bezeichnet, das haus Lindheim, das haus Goldschmidt. er sagt da gieng Laban in die hütten Jacob und Lea und der beiden megde, und gieng aus der hütten Lea in die hütten Rahel 1 Mos. 31, 33. die tochter Pharao 2 Mos. 2, 5. 7. 8. das herz Pharao ist hart 7, 14. 19. die kinder Ruben und die kinder Gad hatten seer viel vieh 4 Mos. 32, 1. fewr verzere die cedern Libanon Richter 9, 15. und sie kamen auf das gebirge Ephraim ans haus Micha 18, 2. 13. bei dem gesinde Micha 18, 13. und verwarf die hütten Joseph Psalm 78, 67. ich bin schwarz, aber gar lieblich, ir töchter Jerusalem, wie die hütten Kedar, wie die teppiche Salomo Hohelied 1, 5. ich wil die gefengnis der hütten Jacob wenden Jerem. 30, 18. in allen hütten Jacob Judith 13, 31. Luther gebraucht zuweilen die lateinische endigung, wie andere seiner zeit, mit und ohne den artikel, wider den Timotheum 2 Macc. 12, 10. und zog wider Timotheum 12, 20. darnach thäten sie viel schlachten mit Timotheo 8, 30. zogen sie wider Georgiam 12, 32. der Georgias davon entran 12, 35. sonst gebraucht er zwar in der regel den artikel nicht, doch läszt er ihn manchmal zu, die Zilla gebar auch, nemlich den Thubalkain, und die schwester des Thubalkain war Naema 1 Mos. 4, 22. gott der herr des Sems. wonen in den hütten des Sems 9, 26. 27. die fürsten des Pharao 12, 15. ein sohn der Micha 24, 15. also stal Jacob dem Laban das herz 31, 20. aber der herr erschreckte den Sillem Richter 18, 2. der Boas unser freund Ruth 3, 2. also nam Boas die Ruth 4, 1. der Bel ist gebeugt Jesaia 46, 1. ich hab den Bel zu Bal heimgesucht Jerem. 51, 44. liesz der könig dem Bel die speise vorsetzen Bel 13. um den mittag pflegte die Susanna in ihres mannes garten zu gehen Susanna 7. kam die Susanna mit den zwo mädchen 15. und verurteilte die Susanna zum tode 41. er sagt der Zwingel und die seinen, nach des Zwingels tode, das es sein eigen, des Zwingels, sein muste Luther 20, 2198 Walch. Hans Sachs behält bei alten namen gern die lateinische endigung, z. b. Minervæ 4. 3, 98ᵇ. Alexandro 4. 3, 56ᵈ. Baccho 4. 1, 112ᵈ. 113ᵇ. Mercurio 4. 3, 113ᵈ. Matthæum 4. 1, 68ᵇ. er fügt auch wol, wie wir es bei Luther bemerkt haben, den namen unflectiert zu dem subst.,
da schon der teufel hett besessen
das hertz Juda Iscarioth
4. 1, 85ᵇ.
er gebraucht zwar den artikel, auch im nom., doch nicht häufig, der Centeleon 4. 3, 63ᶜ. der Steffacher 2, 55ᵇ. der Griszler 2, 55ᵈ. der Neidhart 3, 49ᵇ. 51ᵃ. 52ᵃ. der Engelmeir 3, 49ᵇ. bei des Jupiters gähen rach 3, 103. des Neidharts weib 3, 49ᶜ. dem Lindel - Fritzen 3, 26ᵈ. dem Neidhart 3, 49ᶜ. zu dem Sewheintzen 3, 59ᶜ. es wär vom Liendl geschehen 3, 61ᵃ. ich bin bei der Margredn gelegen 3, 23. den Liendel 3, 60ᶜ. lieber setzt er ein adjectiv vor, das den artikel nöthig macht. merkenswerth ist der mit einem adjectiv zusammengesetzte name Faulfritz: im nom. erhält er keinen artikel, weil dann das adj. müste flectiert werden,
Faulfritz der nam für hungers not
in seinen busen fünf hofbrot
3, 67ᵈ.
Faulfritz stäts in der schüssel lag
3, 68ᵃ.
in dem obliquen casus,
mit Faulfritzen zu tische sasz
3, 68ᵃ.
aber auch
mit dem faulen Fritzen
3, 68ᶜ.
aus dem Äsop des B. Waldis,
der Jupiter gab im gehör
15ᵇ.
der Arion hett gern gefrist
96ᵃ.
da trat der Arion herfür
96ᵇ.
dem Lazaro lecken die wunden
97ᵃ.
wir wölln anfallen den Jupiter
15ᵃ.
aus Fischarts Gargantua, des Martials 23ᵇ. dem Salust 61ᵇ. dem Mercurio 64ᵃ. allzeit find man sie wie Lucretiam 74ᵇ. Ein ähnliches verhältnis bei den schriftstellern des 17ten jahrhunderts. in der letzten zeit hat man die lateinische flexion gänzlich zurückgewiesen und sie klingt jetzt pedantisch. doch in dem gebrauch des artikels zeigt sich zwischen dem südlichen und nördlichen Deutschland ein unterschied. dort wird er vorgesetzt, in der umgangssprache auch im nominativ, der August kommt heute, die Mathilde ist bei ihren verwandten. Hebel sagt der Friederli, der Fritz, sVreneli, es Eveli. der vorangesetzte flectierte genitiv bedarf des artikels nicht, Göthes, Schillers werke sind in aller händen. unflectiert bedarf er des artikels, der Adelheid vertrauen gefällt mir. im dativ fehlt er nicht leicht, wenn er die flexion ersetzt, ich habe es dem Ernst gesagt. ich bin der Auguste begegnet. ebenso im acc. ich sah den Friedrich weggehen, ich grüszte die Therese, und zumal wenn keine flexion statt finden kann, wie bei fremden namen, er hat den Cicero als staatsmann geschildert. Schiller läszt den Brutus erscheinen. der mahler hat die Veronica dargestellt. im nördlichen Deutschland meidet man den artikel, nicht blosz im nom., auch in dem dat. und accus., wo man die flexion zufügt, ich habe es Ernsten gesagt. ich habe Louisen einen brief geschrieben. ich habe Georgen abgesendet. man hat ihm Marien empfohlen. Göthe folgt dem norddeutschen sprachgebrauch: im Wilhelm Meister und in den wahlverwandtschaften entschlüpft ihm der artikel selten, anderwärts kommt er zuweilen vor. der nominativ meist nur, wenn er gemeine leute sprechen läszt, indem so kommt der Weislingen daher geritten Götz 8, 23. das wär gut und gäb auch der sache einen schein, wenns der Götz thät 8, 139. der genitiv mit dem artikel höchst selten,
der Mufti las des Misri gedichte
5, 36.
artikel und flexion fehlt bei fremden auf is und us ausgehenden namen,
Hafis dichterzüge sie bezeichnen
ausgemachte wahrheit unauslöschlich
5, 34.
als noch Venus heitrer tempel stand
1, 249.
Brutus rede für die freiheit 8, 196. sonst die flexion ohne artikel, seine reiter, Selbitzens, eure sind zerstreut 8, 102. die frevelhaften reize Philinens 18, 167. mit einem reinen charakter wie Theresens 20, 231. die strafrede Jarnos 20, 304. beim dativ der artikel nur ein paarmal, denkt ihr seid einmal wieder beim Götz 8, 28. ich hab Georgen nach dem Selbitz geschickt 8, 86. wenn diese ergebenheit nichts mehr verdient als eure gedanken alle nach dem Karl (dem kaiser) gerichtet zu sehen 8, 131. woher das dem Weisling kommen sein mag? 42, 27. fehlt der artikel, so wird die flexion - en zugefügt.
sind wir wieder bei Hafisen
5, 19.
ich diente Götzen von Berlichingen 8, 88. diese nacht begegnete ich Götzen im wald 8, 155. was hört ihr von Georgen? ist Lerse nach Georgen? 8, 162. Wilhelmen verdrosz dieser ausfall 8, 54. Aurelie blieb vor Wilhelmen noch einige augenblicke stehen 19, 197. die ganze welt war mir auszer Narcissen todt 19, 289. Wilhelms abschied von Theresen war heiter 20, 71. so rein blieb sein verhältnis zu Natalien 20, 244. Lucinden, wie uns allen, waren die hände gebunden 21, 69. schien es möglich Augustinen eine neigung zu seinem vaterland einzuflöszen 20, 289. die briefe von Wernern 20, 300. auch Wielanden fieng dieser naturzustand an bedenklich zu werden 31, 145. Ludwig Hummeln war der preis zu erkennen 31, 141. nur zuweilen bleibt die flexion weg, ohne dasz der artikel vorgesetzt wird, mit Mignon beschäftigt 18, 241. gesinnungen, die Serlo gewissermaszen natürlich waren 19, 140. sie scheint mit Felix ganz glücklich zu sein 20, 174. 21, 38. fragt nach St. Joseph 21, 9. zu Antoni hab ich kein vertrauen 21, 144. auffallend, er gestand Melina'n (ein mannsname) gerne zu 19, 254, dagegen, er gehe zu Sperata 20, 269. auch hier einiges schwanken, der verabredung mit Schiller gemäsz, ich hatte mit Schiller diese angelegenheit besprochen, und ich besprach die sache mit Schillern 31, 187. 188. 189. von Schillern eingehändigt 31, 185. auch beim accusativ der artikel nur als ausnahme, suchtest du den Götz 8, 162. sonst fast nur wo die flexion nicht anzuwenden war, habt ihr den Weislingen? 8, 22. darnach führten wir heraus den Helfenstein, den Eltershofen 8, 137. als wenn ich den Jery nicht kennte 11, 16. Natalie die den Felix bei der hand nahm 20, 16. als sie den Felix rufen hörten 20, 208. von dem nicht articulierten acc. nur ein paar beispiele, siehest du Götzen? 8, 98. ich möchte Georgen und Franzen geschlossen sehen! 8, 117. darf ich Lersen nach deinem sohn ins kloster schicken 8, 164. ich wollte Tankreden und Reinalden spielen 18, 135. fand er Friedrichen in einer art raserei 18, 223. Wilhelms vorliebe für Shakespearen 19, 72. ein freudetrunkener blick den er auf Marianen warf 18, 17. nun sah er Aurelien 20, 10. die schalkhafte miene, womit er Wilhelmen und Theresen ansah 20, 187. die übersetzung von Rameaus neffe war noch durch Schillern nach Leipzig gesandt 31, 195. die endigung -en fällt zuweilen wie im dat. weg. dort war Augustinen angeführt, dagegen ist hier zu bemerken dasz man Augustin in seinem blute gefunden habe 20, 296. Schiller wechselt mehr mit den verschiedenen formen, läszt aber die flexion seltner zu. zuweilen der artikel bei dem nominativ, der Spiegelberg 108ᵇ. 109ᵃ. 117ᵇ. der Schufterle 134. der Terzky 351ᵃ. im genitiv bleiben fremde, auf -us ausgehende namen unverändert, Nereus tochter 223ᵃ. tochter Zeus 238ᵃ. Rom verröchelt über Brutus bahre 134ᵇ. in Priamus land 216ᵃ. ein sohn Atreus 217. Phöbus heilige erde 224ᵃ. Achill, sohn Peleus 226ᵃ. zuweilen ist ein apostroph zugefügt, der hohe lichtfunken Prometheus' ist ausgebrannt 105ᵇ. ein todesstosz von Brutus' schwerte 134ᵇ. auch wird der artikel als ersatz für die mangelnde flexion vorgesetzt, des Eurytus scepter 217. sohn des Sisyphus 220. das haus des Oedipus 239ᵃ. der sohn des Talaus 240. die abenteuer des Julius Cäsar und Alexander, wo des Alexander stehen müste 104. sturz des Appius Claudius 152ᵃ. ferner, keule des Herkules 105ᵇ. tactik des Hannibal 105ᵇ. das blut des Andreas 158ᵃ. des Piccolomini hohe gnade 330. bräutigam der Milford 187. wo die flexion zulässig ist, bleibt der artikel weg, Dorias trotzige that 157ᵃ. 168ᵇ. Gianettinos anschlag 157ᵃ. Nestors flotte 1, 217. Agamemnons kind 228ᵃ. enkel Agenors 238. Thebens töchter 238. beim grab der tochter Niobens 237ᵇ. Philipps frau 250ᵇ. herzog Albas henker 250. Amalias porträt 115ᵇ. zu Mathildens füszen 249ᵃ. beim dativ alle möglichen formen, ohne artikel und flexion, diese ewige grille von Karl 124ᵃ. nieder mit Doria 160ᵃ. nur nicht Brutus mochte Cäsar stehen 134ᵇ, wo man dem Brutus erwartet. mit flexion, dieser kummer wird wachsen mit Karln 114ᵇ. ein langer traum von Karln 114ᵇ. wenn du dein kind Dianen schlachtest 218. zu Achillen senden 222ᵇ. der artikel zu boden mit den Doria, oheim und neffen 156ᵃ. das sag du niemand als dem Fiesco 178ᵇ. halb Genua springt dem Andreas zu 180ᵇ.
was der könig hat,
gehört dem glück, Elisabeth dem Philipp
252ᵇ.
mit dem Geszler 531. wie beim dativ auch beim accusativ. ohne artikel und flexion, ich verlasse Amalia 112. sein fliehender geist verzog, Franz und Amalia noch zusammen zu knüpfen 116. ohne artikel mit flexion, wo sie Dianen erfreuen 216ᵃ. sah ich Diomeden, Palameden 216. nu denke dir Ulyssen 220ᵇ. mit dem artikel, sie werden den Fiesco zum herzog ausrufen 178.
so gab
ich kinder meinem eignen kind, zwei knaben,
den Eteokles erst und Polynices
den herrlichen
236ᵇ.
Es genügt bei Göthe und Schiller den gebrauch des artikels nachgewiesen zu haben. indessen kommt in der schriftsprache die flexion auf -en, im genitiv auf -ens immer mehr in abnahme. man schreibt er ahmt Schiller nach, nicht Schillern. ebenso, er vergleicht ihn mit Göthe. er hat sein buch Uhland zugeeignet.
b.
Der artikel wird dem eigennamen gerne vorgesetzt, wenn von einer bekannten person die rede ist, oder man auf eine vorher genannte zurückkommt; es ist dann eine bestimmtere hinweisung nöthig (Schirlitz Syntax des neuhochdeutschen artikels §. 30). nicht alle waren gekommen, nur der Dietrich und der Hermann. das ist also der Peter mit dem lahmen fusz? der bewuszte. wer? wer anders als der Sapupi? es ist nicht möglich, der Sapupi? Göthe 8, 77.
ich kenn ihn, 's ist der Baumgart von Alzellen.
Schiller 517ᵃ.
es ist der Tell von Bürgeln
518.
was der blitz!
das ist ja die Gustel von Blasewitz!
321ᵃ.
B. nun denn, so geht und schickt mir Pestalutzen.
D. den Pestalutz! hum!
397.
c.
zur unterscheidung des weiblichen geschlechts setzt man in der umgangssprache den artikel zu dem eigennamen, ich bin der Engelhard begegnet. ich sah die Hermann vorübergehen, aber nicht die Augusti. im 17 ten bis etwa in die mitte des 18 ten jahrh. setzte man, wie noch jetzt im volk, auszer dem artikel noch die geschlechtsendigung -in zu dem namen des ehemannes, die Ritterin, die Wernerin, die Karschin.
d.
im 16 ten jahrh. fügte man zu den frauennamen den namen des vaters oder mannes im genitiv, Maria Königsteins, Liese Hasenkamps, Anna Fridages; s. Gramm. 3, 340. aus dem 17 ten jahrh. führt Schirlitz §. 32 noch ein beispiel an, Margaretha Friedrichs. der genitiv erklärt sich aus dem ausgelassenen tochter, ehefrau, wie bei Barthels, Eggers, Jacobs, Peters, Steffens sohn verstanden wird.
e.
werden durch das haupt der familie zugleich die mitglieder derselben bezeichnet, so wird kein artikel zugefügt, die familie Weber wohnt an verschiedenen orten. im gemeinen leben pflegt man den genitiv zu gebrauchen, von Günthers (familie) war niemand zugegen. Wernhers sind sämtlich abgereist. Reinharts sind auf ihrem landgut.
f.
eigennamen als appellativa verwendet erhalten den artikel, die Shakespeare und die Göthe erscheinen nicht oft. man behauptet Corneille sei der Sophokles, Racine der Euripides der Franzosen. ähnlich bei kunstwerken, die Leda von Michel Angelo. die Venus von Titian. der Blücher, der Scharnhorst von Rauch. der Schiller von Thorwaldsen.
g.
auch patronymica verlangen als appellativa den artikel.
man sach die Nibelunge mit Sîfride gân
Nibel. 571, 4.
doch vorhte sie harte sêre der Nibelunge tôt
971, 2.
der was den Nibelungen ein helfelîcher trôst
1466, 2.
der der Amelunge
bediet (unterthänig gemacht) hât manege kraft.
Dietleib 6377.
daz ez den Amelungen
bî ir zîten nie geschach
11083.
der Harlunge tôt
2608.
Ermrîch die Harlunge vie
2546.
von dem selben geslehte sint uns die Wülfinge komen.
Wolfdieterich.
die Hegelinge Gudrun 1497, 4. mit den Hegelingen 1110, 3. die Karlinge Roland 48, 14. 185, 14. 267, 28. Wälsch. gast 10601. der Harlunger, Amelunger stamm Fischart Garg. 30ᵇ.
der Äaciden mordend eisen
Schiller 114ᵇ.
h.
übertragene eigennamen erhalten den artikel.
α.
bei den planeten die götternamen,
in einem halbkreis standen um mich her
sechs oder sieben grosze königsbilder,
das scepter in der hand, und auf dem haupt
trug jedes einen stern, und alles licht
im thurm schien von den sternen nur zu kommen.
das wären die planeten, sagte mir (Thekla)
mein führer (Seni), sie regierten das geschick:
drum seien sie als könige gebildet.
der äuszerste, ein grämlich finstrer greis,
mit dem trübgelben stern, sei der Saturnus:
der mit dem rothen schein, grad von ihm über,
in kriegerischer rüstung sei der Mars;
und beide bringen wenig glück den menschen.
doch eine schöne frau stand ihm zur seite,
sanft schimmerte der stern auf ihrem haupt:
das sei die Venus, das gestirn der freude.
zur linken hand erschien Mercur geflügelt.
ganz in der mitte glänzte silberhell
ein heitrer mann mit einer königsstirn,
das sei der Jupiter, des vaters (Wallensteins) stern,
und mond und sonne standen ihm zur seite.
Schiller 347ᵇ.
mit unrecht steht vor Mercur nicht der artikel, es heiszt jetzt der gott selbst sei erschienen.
β.
bei schiffen, der Humboldt ist nach Amerika abgesegelt. der Nelson liegt im canal. der Göthe fährt morgen thalwärts von Mainz nach Cöln. die Gefion ist an Gibraltar vorbeigekommen.
γ.
bei thieren, er hat seine besten pferde geritten, den Chosru und den Agamemnon. er nahm zwei hunde mit auf die jagd, den Hektor und die Diana. der Hans spricht, der gezähmte rabe.
i.
wird das werk durch den namen seines verfassers bezeichnet, so kann der artikel nicht fehlen, der Homer, der Sophokles, der Shakespeare, der Cervantes findet sich unter seinen büchern. er hat den Plato gelesen. er will den Aristoteles herausgeben. dies gleichnis ist aus dem Jesus Sirach genommen. Lachmanns anmerkungen zum Walther von der Vogelweide. ein gleiches gilt von kunstwerken, der Raphael in der gallerie ist nicht echt, der Albrecht Dürer ist ein schönes bild. ebenso wenn ein eigenname zum titel eines buches dient, das erste capitel des Hiobs Simpliciss. 1, 36. Göthe hat den Faust selbst vorgelesen. mädchen die den Theuerdank lesen Göthe 8, 65. mein erster gedanke war den Demetrius zu vollenden 31, 192. dagegen fehlt Göthe, wenn er sagt, Reineke fuchs durfte nun hervortreten, das gedicht von Reineke durfte erscheinen 31, 146, wiewol hier auch das thier selbst kann gemeint sein, dagegen, wie im Reinecke fuchs weiter nachzulesen ist Briefe an fr. v. Stein 1, 173. der erste theil von Eugenie 31, 156. richtig aber sagt man Göthe dichtete Hermann und Dorothea, hier konnte der artikel wegbleiben, weil und die beiden namen verband (s. oben sp. 982). endlich wenn eine rolle in einer dramatischen dichtung gemeint wird, er spielte den Egmont gut, aber ich finde ihn im Hamlet besser. der Tasso gelang ihm nicht immer. sie stellte das Clärchen im Egmont mit rührender wahrheit dar: auch in der Eugenie war sie vortrefflich.
k.
in der alten zeit hatten die thiere eigenthümliche, nicht von den menschen geborgte namen, die dann keinen artikel erhielten. so Isingrîn, Brûn, Bertin, Reinhart, Kuonin, Diezelin und andere, die im gedicht vom Reinhart fuchs vorkommen; vergl. cap. 11 von den thiernamen.
Reinhart und Bartman von den ziegen
zusammen in ein pfützen stiegen.
Waldis Esopus 150ᵇ.
l.
auch die besondern namen der schwerter blieben der regel gemäsz unarticuliert, wenn nicht ein adj. dabei stand.
sîn swert hiez Durendart
Roland 117, 17.
Durndart muoz mir hiute dingen
143, 14.
nim dû Durndarten
163, 22.
wâ ist Alteclêre?
198, 5.
Olivier zôch Alteclêren
198, 9.
Ruolant zuhtigete si harte
mit deme guoten Durindarte,
Olivier mit Alteclêre
29, 28—30.
und recken siben hundert twang er von Nibelunge lant
mit dem guoten swerte: daz hiez Balmunc
Nibel. 96, 1.
er zucte ein swert daz Freise hiez.
Dieterichs drachenkämpfe, s. Heldensage s. 267.
m.
die namen der monate erhielten im mhd. gewöhnlich den artikel, weil man das appellat. mânôt hinzudachte, in dem aberellen Heinr. v. Veldeke MS. 1, 20ᵃ.
dô was des abrillen schîn zergangen
Parzival 96, 12.
nâch des merzen stunden
Gudrun 1217, 3.
der meie bringe uns al sîn wunder
Walther 46, 16.
gên wir zuo des meien hôchgezîte
46, 22.
der des meien kleider sneit.
Steinmar MS. 2, 106ᵃ. 107ᵃ.
weizgot er lât ouch dem meien den strît
Walther 39, 9.
als ich enmitten in dem meien wære
118, 35.
ich snîd iu vor dem meien nicht
Lichtenstein 24, 6. 7.
ouch wart in von dem meigen
gesant rîlîchiu stiure
Konrad v. Würzb. Troj. krieg 16327.
sô der ougest ende hât
Freidank 146, 8.
dô sich der ougest ane gie
Silvester 2792.
der êrste tac in dem oweste Hermann v. Fritzlar 170, 3.
in dem oweste diz geschach
Livl. chronik 9673.
und vaste in den ouwest gienc
Iwein 3058.
in dem oust ein küeler wint
Renner 6067.
seltner fällt er weg,
swenne aberelle gegen den meien
alsô wünneclîche strebet
Gottfr. v. Straszb. MS. 2, 183ᵇ.
ze ûzgândem aberellen
Lanzelet 8787.
der sumer gap diu selben kleit,
aberelle maz, der meie sneit.
Schulmeister von Esslingen MS. 2, 94ᵇ.
swaz meige ûf die planiure
bluomen hete gezetet
Konrad v. Würzb. Troj. krieg 3983.
die von Karl dem groszen gegebenen namen sind, bis auf hornung, mit mânôt zusammengesetzt (Gesch. der deutschen sprache 82), doch steht der artikel nicht dabei. heute kann er nicht wegbleiben. sein geburtstag ist im januar. er will während des februars dort verweilen. einige im februar und märz von ihm geschriebene blätter Göthe 31, 192. die erste hälfte des augusts war verstrichen 31, 155. 203. geht anfangs, mitte oder ende voran, so wird der monatsname jetzt ohne artikel und flexion zugefügt, er wollte anfangs januar anlangen, kam aber erst mitte mai. ende november trat frost ein. anfangs mai wagt ich mich aus Göthe 31, 192.
n.
auch die wochentage, da sie mit einem appellativum zusammengesetzt sind, werden articuliert. der sonntag ist der ruhe gewidmet. er war den montag nicht zu haus. er ist am mittwochen und am donnerstag hier gewesen. in der nacht auf den freitag oder auf den sonnabend will er abreisen. auch sabbath erhält den artikel. im gemeinen leben läszt man ihn weg, ich werde montag nicht zugegen sein und nächsten donnerstag abreisen. es geschah freitag den achtzehnten. er fällt weg bei adverbialischen genitiven sonntags, montags u. s. w., aber nicht bei besonders benannten tagen, am abend des Johannistags Göthe 31, 178. am pfingstfest, osterfest. wiederum fällt er weg, wenn die namen allein genannt werden, zu Michaelis, auf Silvester, nach ostern, aber vor pfingsten.
Mattheis brichts eis.
auf sanct Gall
da bleibt die kuh im stall
Schirlitz §. 48.
's ist heut Simons und Judä,
da rast der see und will sein opfer haben.
Schiller 518.
o.
den namen der winde gebührt der artikel, der nordwind, der ostwind, der südwind. der biswind aquilo Maaler 70ᵃ. Frisch 1, 101ᵇ, bei Dasypod. 12ᵃ beiszwind. aber nicht blosz die zusammengesetzten, auch die einfachen namen erhalten ihn. die bise nordostwind (Stalder 1, 173), mhd. diu bîse (Benecke 163ᵃ), der föhn südwind (Schmeller 1, 534), die fön (Maaler 139ᵃ. Frisch 1, 285), der samum, der Sirocco, der zephyr, der ostner (Dasypod. 66ᶜ. 393ᶜ).
40.
Völkernamen erhalten weder im gothischen noch im ahd. den artikel, dort also Rumôneis, Israêliteis, Krêkôs, bei Otfried Kriachi 1. 1, 60. Frankon 1. 1, 33. 103; doch schon thie Rômâni 1. 1, 59. im 12 ten jahrhundert fieng man an den artikel vorzusetzen. in dem gedicht von Anno bleibt er meist weg bei den namen alter völker, Rômêre 262. 465. Rômêre gewalt 510. mit Rômêren 248. Troieri 371, Beire 298. 316. ci Vrankin 546. 559. doch auch mit dem artikel di Criechin 32. 232. 350. die Duringe 333. 338. cin Duringen 335. die Vrankin 538. der Sahsin wankelmuot 319. ähnlich in der Kaiserchronik, häufig Rômære 63. 94. 119. 156 u. s. w. wider Rômæren 225. mit Rômæren 600. selten der artikel, zuo den Rômæren 11212, wo ihn auch nicht alle handschriften haben. bei andern völkern steht er fast immer, die Kriechen 586. die Juden 271. 827. die Swâbe 280. 295. die Baiere 6827. die geslehte der Beiere 315. an den Baieren 321. ûf die Beiere 296. die Sahsen 340. der Sahsen grimmeger muot 323. die Megenzære 393. nur eine handschrift hat Duringe 338. Rolandslied Burgunder 267, 31. Swâben die milten 268, 5. Ungeren nam ich ir kraft 238, 9. Sahsen 218, 5. Lotringe helde 267, 29. dagegen kunc von den Britten 57, 25. die Franken 41, 3. 48, 5. den Franken 276, 2. die Flaminge 267, 26. di Friesen 267, 27. Athis Rômêre A**, 22, doch häufiger die Rômer, die Rômêre, den Rômêren A, 96. B, 131. C, 160. E, 92. im beginn des 13 ten jahrhunderts hat sich das verhältnis umgekehrt, der artikel ist regel geworden. noch am ersten fehlt er bei Rômære, wie im Eraclius 540. 599. 994. 2245. 2671. 2860. 2910. 3557. 4387. so auch im Freidank, dem wellent Rômer lîhte niht 160, 20. swer Rômer site rehte ersiht 148, 12. in Rômer hant 153, 24ᵇ; doch der Rômer spot 151, 24. sodann, der Walhe spot 163, 3. den Tiuschen gehaz 156, 18. im Walther kommt Rômer nicht vor, sonst immer der artikel, die Düringe und die Sahsen 19, 15. der Dürnge bluome 35, 15. Dietleib die Düringe 6575. die Swâbe zuo den Franken 12123. Klage der Priuzen künec 3487. zer Burgonden handen 220. von der Hiunen lant 1462. zen, ze den Hiunen 92. 1413. 1604. 1667. auch in den Nibel. ist der artikel nöthig, der Burgonden sorge 426, 2. ze den Burgonden erkant 1802, 4. dâ zen Burgonden was ir lant genant 5, 3. mit den Burgonden 1811, 3. die Tenen und die Düringe 2011, 1. die Sahsen 219. in der Sahsen lant 179, 3. den Sahsen 176, 4. zen Sahsen gesant 215, 4. in der Hiunen lant 1229, 3. der Hiunen neheiner 1822, 2. zen Hiunen vrowe vil gewaltec 1109, 4. 1110, 4. Lachmann hat einmal nach zwei handschriften ohne, zweifel aus metrischen gründen, den artikel eingeklammert,
dô tâten [die] Burgonden als in der bote geriet
526, 4.
Gudrun mit der Holsæzen liute 1415, 1. er bringet vil der Friesen und ouch der Holsæzen 1374, 2. der künec von den Mœren 670, 3. 1540, 1. mit den Mœren 708, 1. die helde von den Stürmen 1546, 1. 1510, 4. die Tene Hôrant unde Môrunc 1552, 2. so halten es auch die höfischen dichter, und die regel wird heute nicht verletzt. Anzumerken ist dasz der sing. mit dem artikel das ganze volk bezeichnet, meist wenn sein wesen und seine natur soll angedeutet werden, der Engländer ist schweigsam, der Franzose spricht beständig. der Isländer sehnt sich nach seiner insel. du bist ja ärger als der Spanier Göthe 8, 171. sie trieben den Türken von den grenzen des reichs 8, 201. ein gnädiger herr! der echte Niederländer! so gar nichts spanisches 8, 207. ähnlich bei corporationen. der student ist lustig. der jäger ist gern im wald. der husar schwärmt herum.
besonders ungeheuer
gings drüber und drunter her
mit fürchterlichem feuer
beim feindlichen chaseur
Soltau 2. 428, 5.
41.
ländernamen werden nicht articuliert, gewöhnlich geht in der alten sprache eine präposition voran. gothisch us Galeileian, du Dalmatiai. bei Otfried in Aegyptum 1. 8, 7. in Galilêa 2. 7, 39. 3. 2, 1. Merigarto von Arâbjâ 4, 17. in Egiptilant 4, 18. in Îslant 5, 15. in Tuskâne 5, 31. in Môrlant 6, 41. in Campanjâ 7, 18. in Siciljâ 7, 24. in Idumêâ 7, 14. in Sardinjâ 8, 6. Anno in Gallicîâ 82. in Indîâ 209. in Egiptilant 433. ingegin Suâben 279. in Denemarkin 637. von Tenemarc unz in Apulîam 679. von Kerlingin unz an Ungerin 680. in Walilant 383. in Duringelant 695. im Rolandslied wird einmal die lateinische endigung vorgezogen, Alemanniam ich ervaht 238, 8. sonst im nom. und acc. Frankrîche 134, 8. Britanjâ 238, 10. Engellant 238, 18. Lancparten 237, 32. Pulle 237, 33. Behaim unt Polân 238, 11. Schotten und Îrlant 238, 16. sodann mit präposition, zuo Frankrîche 114, 8. gegen Ispânje 236, 1. ze Karlingen 240, 25. von Beigeren 282, 32. Kaiserchronik ze Swâben 271. Dietleib der helt von Türkîe 3456. Walther von Engellant 19, 26. ûz Ôsterrîche 19, 29. 32, 5. 35, 7. von Rôme 6, 34. 28, 1. 84, 30. 105, 21. 124, 26. ze Rôme 9, 20. 25, 13. 33, 21. Freidank 148, 22. 149, 1. ze Rôme 148, 5. 149, 27. 152, 3. zÂkers 154, 19. 10. 13. 156, 5. ze Jaffe 157, 9. Nibel. ûz Arâbî 535, 4. von Sahsen Liudgêr 169, 1. in Sahsen 193, 4. Irnvrit von Düringen 1285, 3. die von Düringen 1815, 2. von Spâne Walther 1694, 3. 1735, 1. von Marroch dem lande und ouch von Libîân 355, 1. von Burgonden der herre Gêrnôt 287, 1. 933, 1. ze Burgonden 469, 1. 683, 3. durch Ôstervranken 1464, 2. ze Norwege in der marke 682, 3. bei den mit lant, rîche, marc zusammengesetzten ländernamen sollte man den artikel vermuten, aber er zeigt sich nicht. mehrere beispiele sind eben angeführt worden, hier noch einige. häufig sind sie in den Nibel., ûz Îslant 397, 1. der helt von Niderlant 117, 1. ûz Niderlant 167, 3. in Niderlande 1308, 1. in Niderlanden 20, 1. von Niderlanden der herre 714, 1. ûzer Vlâchenlant 1283, 1. ûzer Ungerlande 1313, 1. ûzer Hiunenlant 1286, 3. ûz Hiunenlande 1106, 3. ûz Beierlande 1242, 2. gegen Sahsenlande 175, 2. ûz, von, in, ze Niblungelant 491, 7. 944, 3. 1023, 3. 1025, 3. von, ûz Amelungelant 1659, 2. 2216, 2. 1920, 3. durch Ôsterrîche 1276, 4. 1652, 1. in Ôsterlant 1281, 1, einmal auffallend mit dem artikel in daz Ôsterlant 1269, 2, wo ihn aber eine handschrift wegläszt. auch an andern orten kommt Ôsterlant immer ohne artikel vor, s. Stricker kleine gedichte xii, 44. Lichtenstein 477, 8. MS. 2, 163. Passional 23, 74. 24, 8. 162, 8. 268, 10. in der Gudrun bleibt der artikel ausgeschlossen wie bei Hartmann, Wolfram und andern. Noch heute dauert die regel fort. nur im volk hört man die Schlesing, das Tirol, das Vorarlberg. die auf n ausgehenden ländernamen beruhen auf einem obliquen casus, meist auf dem von der präposition regierten dat. pl. wie Sahsen, Düringen für ze Sahsen, ze Düringen. das hat veranlassung gegeben zu einem unorganisch gebildeten Arabien, Spanien, Persien u. s. w. es versteht sich von selbst dasz ein vorgesetztes adjectivum den artikel herbeizieht, das kornreiche Holstein. das fruchtbare Schlesien.
das ganze Deutschland soll es sein
Arndt.
auch vor beide kann er stehen, die beiden Hessen. die beiden Sicilien. die beiden Indien. dagegen das unflectierte ganz und halb läszt ihn nicht zu, da es (wie in ganzhüfner, halbbruder) als mit dem namen zusammengewachsen betrachtet wird, halb Schlesien war erobert. ganz Sachsen sollte ihm offen stehen Schiller. Ist der name des volks mit land verbunden, so wird jetzt, was, wie vorhin bemerkt ist, in der alten sprache nicht erlaubt war, bei einigen der artikel zugefügt, er kommt aus dem Hessenlande, will ins Hessenland gehen. im Sachsenland war der eifer grosz. wein aus dem Frankenland. da verhengt gott zehen blagen und strafe uber das Egiptenlandt Keisersberg Sünden des munds 2ᵇ.
das Frankenland ist ein schönes land
Soltau 2, 382.
von Phokis, vom Spartanerland
Schiller 58ᵃ.
doch Uhland läszt ihn auch weg,
nun war ein herr aus Schwabenland
von hohem wuchs und starker hand.
die Niederlande fast nur im pluralis, doch bei G. Schwab
aus Brügge reitet im Niederland ein königlicher held.
dagegen die mit reich zusammengesetzten dulden den artikel nicht; nur Arndt gestattet sich
gewis, es ist das Österreich
an ehren und an siegen reich.
Indessen ist die in der alten sprache so fest gehaltene regel in der neuern zeit durchbrochen worden. es gibt mehrere ländernamen, welche den artikel nicht blosz zulassen, sondern fordern. dahin gehören die Schweiz. die Krim. die Pfalz. die Lausitz. die Mark (Alt-Neu-Uckermark). die Moldau. die Wallachei. die Türkei. die Bulgarei. die Tartarei. die Berberei. die Lombardei. die Bukowina. die Ukraine. die Herzegowina. der Elsasz. der Peloponnes. das Banat. das Exarchat u. a. die Normandie, die Bretagne, die Picardie, die Vendée, die Champagne, die Dauphinée sind mit dem artikel, den die ländernamen dort immer verlangen, aus Frankreich herübergenommen. Wird königreich, herzogthum, grafschaft, fürstenthum vorgesetzt, so ist der artikel nicht zu entbehren, das königreich Hannover gränzt an das herzogthum Braunschweig, die landgrafschaft Hessen an das Frankfurter gebiet, Nassau an das königreich Preuszen. die neuerdings aufgekommenen, das verhältnis umkehrenden zusammensetzungen Baselstadttheil, Basellandschaft stehen allein und sind nicht zu empfehlen.
42.
unter den eben bemerkten ländernamen welche articuliert werden, befinden sich mehrere welche man als landschaften eines gröszeren reiches betrachten kann, wie die Mark, das Exarchat, die Lombardei als theil von Italien, die Lausitz, die Priegnitz, das Voigtland, und in dieser eigenschaft bedürfen sie des artikels, wie er bei den mit gau zusammengesetzten landschaftsnamen nöthig ist.
hin für Hagenouwe
in dem Rîngouwe
Dietleib 5792.
so sagen wir der Rheingau, der Hennegau, der Schwangau, der Breisgau, der Thurgau, der Allgäu, der Hegäu, der Wasgau. auch die Wetterau ist hier anzuführen, die Meinau und die Reichenau, zwei inseln. deshalb erhält in der Gudrun der name eines unbebauten eilandes den artikel, der Wülpensant 848.
dô si gewendet wâren von des küneges lande
zuo einem wilden werde, der was geheizen dâ zem Wülpensande
809, 3. 4.
ûf dem Wülpensande 871, 4. 909, 8. 918, 2. 1121, 1. 1434, 4. ûf dem Wülpenwerde 883, 4. 897, 4. ebenso das Eichsfeld, das Lechfeld.
und ist an dem Leckfeld gelegen
Fastnachtsp. 517, 4.
sie zohen z'amen alle drei
ubers Lechfeld Augsburg fürbei
Waldis 205ᵃ.
43.
ortsnamen bleiben wie ländernamen ohne artikel. gothisch vairôs Baiþilis ja Aai, þai bi Tyra jah Seidôna, us Beþlaihaim veihsa, us Kaurinþôn in Rumai, du Jairusaulymai; weitere beispiele in Schulzes gothischem glossar 159. Otfried fona Rumu 1. 11, 2. zi Bethaniu 4. 5, 2. ze Hierosolimu 2. 14, 59. Merigarto zÛztrehte 4, 39. Anno Rôme 75. Babilônje 202. Troie 380. Mezze 507. Kolni 556. Sigeberg 643. in Hierusalêm 81. in Babilônje 327. von Troie 349. häufig mit zi, ci Rôme 397. 421. 464. 473. 478. 523. ci Babilônje 527. ci Salivelt 695. Roland Sarraguz 55, 13. Parîs 249, 21. die latein. endigung, ich twanc mit dir Provinciam 237, 30. ze Almarie 36, 19. ze Jerusalêm 27, 22. ze Lêûne 233, 12. ze Regensburc 58, 19. ze Rôme 142, 33. ze Sarraguz 246, 24. 250, 18. unze an Sarraguz 12, 10. Nibel. vor dem Otenwalde ein dorf lît Ôtenhaim 939, 7. ein burc geheizen Zeizenmûre 1272, 3. aber gewöhnlich die präpos. für, gegen, ûzer, von, ze, für Bechelâren 1267, 1. gegen Îsensteine 371, 3. gegen Mûtâren 1531, 1. von Spîre 1448, 2. von Arraz 1763, 1. von Wiene si dô riten 1315, 1. ûzer Medilike 1268, 2. am häufigsten ze, auch da, wo es wegbleiben konnte, diu (burg) was geheizen Santen 653, 4, aber diu was ze Santen genant 20, 4, wie burc ze Bechelâren 1258, 2, oder diu stat ze Wormeze 966, 1. (so auch im Dietleib, sie, die burg, heizet Bechelâren 960 und sie heizet ze Mûtâren 1073). stat ze Gran 1437, 2. sodann, ze Everdingen 1242, 1. ze Etzelburc 1319, 1. ze Lôche 1077, 3. ze Pazzouwe 1236, 1. 1238, 1. ze Wormz bî dem Rîne 6, 1. ze Wormz in der stat 743, 1. ze wormz über Rîn 1345, 2. kômens an den Rîn ze Wormez zuo dem lande 1370, 2. ze Zeizenmûre 1276. zuweilen wird noch eine hinweisende partikel zugesetzt, dâ ze Bechelâren 1103, 1. dâ ze Mœringen si wâren über komen 1531, 1. hinze Bechelâren 1364, 1. In der folgenden zeit erscheint bei den orts- und städtenamen zuweilen vereinzelt der artikel und hat meist eine besondere veranlassung. zem Elbinge Livl. chronik 8777. 10857. Jeroschin gebraucht ihn bei der burg Colmin, und er gilt dem berg auf dem sie wahrscheinlich lag. kein (gên) dem Colmin 45, 277, zu dem Colmin 44, 214. 45, 337. den Colmen. in dem 15 ten und 16 ten jahrh. ward, wie in der Grammatik 3, 422 bemerkt ist, manchmal der namen der stadt als masculinum betrachtet und der artikel zugefügt, so der Ham (Fichard Archiv 1, 91), der Berlin, aus dem Berlin, nach dem Hage Sastrow 2, 7. 10. 386. heute sagt man noch im obliquen casus aus dem Hag, im Hag, nach dem Hage, weil die appellative bedeutung des wortes zu offen liegt. in Böhmen, Sachsen, in der Lausitz, in Schlesien auch das fem., die Breslau, die Schweidnitz. so bei Günther pastor primarius zur Schweidnitz 901. ein beispiel aus dem 14 ten jahrh., ouch mugen sie (die Freiberger leinweber) die lenge an iren lînwâten fûren, die die von Kempnitz und von der Mitteweide fûren Freiberger leinweberinnung bei Schott Sammlung zu den deutschen land- und stadtrechten 3, 297. sonst wird allgemein der artikel gemieden. Das appellativum in zusammensetzungen ist meist ohne einflusz, man sagt Reinhardsbrunn, Wilhelmshöhe, Wilhelmsthal, Schwalbach, Alexisbad, Ilsenburg, Charlottenburg, Menzenberg, doch die Harzburg, die Löwenburg. Schon das mhd. gewährt beispiele von dem vorgesetzten adject. mit dem artikel, diu wol gezierte Rôme Kaiserchr. 49. ûz der starken Berbester Wolfr. Titurel 42, 2. die guoten Matelâne wolten sie verbrennen Gudr. 793, 3. in den Nibel. wird lieber das adject. nachgesetzt, ze Heimburc der alten 1316, 1. ze Mîsenburc der rîchen 1317, 1. von Zazamanc der guoten 353, 2. Wormez diu vil wîte 751, 3. der alde Colmen Jeroschin 45ᶜ, 346. aus der letzten zeit nur ein beispiel, weil Schiller darin das alte femin. wieder hervorgezogen hat,
die edle Bern erhebt ihr herschend haupt,
Freiburg ist eine sichre burg der freien,
die rege Zürich wafnet ihre zünfte
512.
wächst aber das adject. mit dem hauptwort zusammen, so fällt der artikel wieder weg, so Altaich (Ober- und Niederaltaich) in Baiern. Altdamm in Pommern. Altdorf. Alt- und Neucöln in Berlin. Neuburg. Neudorf. Neustadt. Neuhaus. Wenn bei ländernamen königreich, herzogthum u. s. w. zugefügt wird, fehlt, wie wir vorhin gesehen haben, der artikel nicht, jedoch steht kloster, schlosz, burg vor einem ortsnamen, so wird er manchmal ausgelassen, schlosz Wabern liegt in einer ebene. schlosz Vippach in Thüringen. wir erblickten kloster Ihlefeld. burg Friedberg liegt etwas erhöht.
was? steht die burg noch und schlosz Sarnen liegt
in asche, und der Roszberg ist gebrochen
Schiller 547.
doch in diesen und ähnlichen fällen sind gewöhnlich beide wörter vereinigt, Berggieshübel (in Sachsen). Burgdorf. Burgwindheim. Klosterbeuren. Klosterneuburg. Stadthagen. Schulpforte.
44.
einzelne aus irgend einem grund durch einen besondern namen ausgezeichnete örtlichkeiten erhalten den artikel, der Brünhildenstein auf dem Feldberg. der Drachenfels. die Lorelei. das Bingerloch. die Rosztrappe. der Mägdesprung. der Wolfsgrund bei Steinau an der strasze. der Wolfstein bei Harzburg. der Ilsenstein. daher in den Nibelungen
nu wer was der ûfem schilde vor dem Wasgensteine saz?
2281, 3.
45.
erhält ein stadttheil eine besondere benennung, so steht der artikel dabei, wie in Berlin die Louisenstadt, die Friedrichstadt. ebenso bei den namen der straszen, die Heiligegeiststrasze. die Dorotheenstrasze. die Lennéstrasze. die Lindenstrasze. die Friedrichsgracht. die Aegidienstrasze. die Sandgasse. die Wildemannsgasse. die Marktgasse. die Zeil in Frankfurt a. M. bei plätzen, der Königsplatz. der Alexanderplatz. der Carlsplatz. der Roszmarkt in Frankfurt a. M. auch wo keine zusammensetzung statt findet, der Brink in Cassel, der Brühl in Leipzig, der Anger in Erfurt.
46.
bergnamen. bei Ulfilas sei ist Agar (der arabische name des berges Sinai) Galat. 4, 24. Anno an dem berge Suêbo 285. ûf den bergin Ararât 312. im mhd. fehlt er selten; vergl. Grammatik 4, 408. Jeroschin unz an den Brûnsberc 160ᶜ, 147. Brant
das er uf Ethna sprang in flam
Narrenschiff 45, 16.
Murner
ja gröszer dan der Gothart ist
Luther. narr 383.
denn Agar heiszt in Arabia der berg Sina Galat. 4, 25. Luther scheint im nom. den artikel nicht zu setzen, so sol Libanon ein feld werden Jesaia 29, 17. seine frucht wird beben wie Libanon Psalm 72, 16. seine gestalt ist wie Libanon Hohel. 5, 15. dagegen im obliq. casus, und sandte sie auf den Libanon Könige 5, 14. holz hauwen auf dem Libanon 2 Chronica 2, 16. zu Jerusalem und auf dem Libanon 8, 6. doch auch der thurm auf Libanon Hohel. 7, 4. heute ist der artikel unentbehrlich, der Brocken im Harz. der Meiszner, der Krüll, der Huttner in Hessen. der Zobten. der Rigi. die Röhn. die Haube in Hessen. sodann die zusammengesetzten namen, die Roszkuppe, der Dörnberg in Hessen. der Feldberg. der Donnersberg. der Vogelsberg.
47.
die namen der wälder können mit den namen der berge zusammenfallen, sofern diese waldbewachsen sind, wie der Habichtswald, der Reinhardswald in Hessen, der Thüringer wald. so auch der Libanon stehet schändlich zuhawen Jesaia 33, 9 und ohne artikel, cedern aus Libanon 1 Könige 5, 6. im 13 ten jahrh. ward er gesetzt und weggelassen; vergl. Gramm. 4, 408. dâ zem Spehtsharte Nibel. 903, 3. von dem Otenwalde 939, 7.
mêr (zeltstangen) dan in Spehteshart sî ronen.
Parzival 216, 12.
und wol erwerben inme Spehtshart
Wolfr. Wilh. 377, 25.
ûz dem Spehtharte
Helmbrecht 137.
wer möht daz loup in Spehteshart gezellen?
Jüng. Titurel 3474, 4.
der Swarzwalt und der Spehtshart.
Konrads Trojan. krieg 25021.
heute läszt man nie den artikel weg.
48.
flusznamen bei Ulfilas mehrmals ohne artikel, Jaurdanus (Schulze s. 153), doch ufar rinnôn þô Kaidrôn Joh. 18, 1. im ahd. zeigen die wenigen beispiele keinen artikel (Gramm. 4, 395), dort heiszt es ubar thaz wazzer Cêdron. im mhd. verlangt ihn der casus rectus, und in den obliquen ist er häufig, di Saibre Roland 293, 14. 24. der Rîn Dietleib 7326. der Pfât, diu Tuonouwe, daz In und des Rînes, den Rîn, den Rôten; weitere nachweisungen s. Gramm. 4, 407. es wird dann flusz, strom hinzugedacht. geht eine präposition voran, so darf der artikel auch wegbleiben, bî Rîne Anno 387. 501. in einer zeile beide fälle,
von Rôten zuo dem Rîne, von der Elbe unz an daz mer.
Nibel. 1184, 2.
zwischen Tuonouwe und dem In
Klage 1644.
bî dem Rîne Nibel. 6, 1. 20, 4. 327, 2. 1013, 3 und bî Rîne 662, 1. 975. bî Tuonouwe 1281, 1. 1650, 4. am häufigsten über Rîn Klage 1526. 1752. 1762. Dietleib 2137. 6617. 13131. Nibel. 324, 1. 648, 3. 861, 3. 807, 1. 943, 1. 1344, 2. 1345, 2. 1652, 3. 1677, 3. 1747, 3. 2030, 3. 2038, 2. vogt, künec von Rîne Dietleib 3061. Nibel. 442, 15. 487, 2. die von Rîne Nibel. 204, 1. doch auch daz gesinde von dem Rîne Klage 1203. die helde von dem Rîne Nibel. 194, 1. die recken von dem Rîne Dietleib 8201. 11940. Nibel. 232, 3. gên Rîne Dietleib 5681.
die uns mîn bruoder Gunther sendet nider Rîn.
Nibel. 685, 3.
nider ze Tuonouwe Dietleib 13355. ûf bî Tuonouwe Klage 1403. im nhd. musz der artikel zu jedem casus gesetzt werden, auch wenn eine präposition vorangeht, bei dem Rhein stehen. von dem Rhein kommen. über den Rhein schwimmen. nahe an der Mosel wohnen. am Neckar grasen. Rothenburg an der Tauber. Frankfurt am Main, an der Oder. Berlin an der Spree. auf der Donau fahren. in der Fulda baden. in der Kinzig fischen. ein münch der wär gern uber ein wasser gewesen in Sachsen, das hiesz die Elb Keisersb. Sünden des munds 65ᵇ. steine die sie aus dem Jordan genommen hatten Josua 4, 20. er gieng trocken durch den Jordan 4, 22. hett ich ein keiserthum, dazu den zoll am Rhein Garg. 90ᵇ. nur noch bei Waldis ohne artikel, wenn nicht in folgender stelle in'n anzunehmen ist,
ich warf ein groszen stein in Rhein
Esopus 101ᵇ.
an der Saale das auch leisten,
was an der Töpel ich trieb im spiel
Göthe 47, 165.
zehn regimenter stehn am Weserstrom,
am Rhein und Main
Schiller 333ᵇ.
in dem titel pfalzgraf bei Rhein ist das alte noch erhalten.
49.
bei den namen der seen und meere steht der artikel. der Müggelsee. der Genfersee. der Tegernsee, während er bei dem gleichnamigen daran liegenden kloster wegbleiben musz.
ach lägen sie in dem Bodensee
Murner Luther. narr 689.
wolauf wolauf am Bodensee
Garg. 88ᵃ.
das Eismeer, die Nordsee, die Ostsee. meerengen und meerbusen, der Belt, der Sund, der Canal, das Cattegat, das Haff.
50.
ist dem eigennamen eine würde zugefügt, so wird der dem appellativum gebührende artikel vorgesetzt. der kaiser Maximilian. der könig Gustav Adolf. der herzog Bernhard. der infant Carlos. der fürst Piccolomini. der graf Casimir. ebenso in der alten sprache, der künic Constantîn Walther 10, 29. der künic Salomôn Welscher gast 6189. der keiser Julîân 6214. der herzoge Râmunc Nibel. 1283, 1. 1818, 2. ferner die kaiserin Maria Theresia. die königin Christine. die landgräfin Amalie Elisabeth. bei einem amtstitel, der hofrat Böttiger. der canzleirat Zimmer der pfarrer Schlemmer. die professorin Müller. Da man würde und titel als dem keinen artikel duldenden eigennamen zugehörig betrachten kann, so darf der artikel auch wegbleiben. mhd.
und habt in iuwerm muot
künic Karln den helt guot
Welscher gast 1047.
meister Albumasar
8956.
heute lautet das ungezwungen und doch nicht gerade vertraulich. diesen mittelweg hat Göthe oft in seinen tag- und jahresheften (bd. 31) gewählt, herzog und prinz von Gotha 47. prinz August 115. fürst Galizin 157. fürst Reusz XIII. 266. graf Löpel 251. gräfin Constanze von Fritsch 47, 180. herzogin Amalie 157. oberappellationsrat Körner 76. hofrat Blumenbach 97. hofrat Heyne 98. consistorialrat Horstig 104. major von Truchsesz. geheimerat Wolf 137. kanzler Niemeyer 137. probst Henke 235. doctor Gall 206. bildhauer Weisser 250. Mit dem genitiv wird es verschieden gehalten. bleiben titel und würden ohne artikel und flexion, so scheinen sie dem eigennamen anzuwachsen, der die flexionsendigung allein erhält. so sagt man kaiser Karls gesetz. könig Wilhelms verordnungen. pabst Hildebrands ansehen.
und wa du schreibest ein wörtlin mer
wider doctor Luthers lehr.
Murner Luther. narr 455.
er war mit könig Friedrichs macht
gezogen in die Prager schlacht
Bürger 13ᵃ.
in kaiser Friedrichs brief Schiller 529. graf Terzkys regimenter ders. hofrat Beireisens ärztliches ansehen Göthe 31, 227. wird der artikel vorgesetzt, so erhält der titel die flexionsendigung, nicht aber der eigenname. also des grafen Terzky regimenter. des hofrats Beireis ansehen. schon bei Luther, zu der zeit des königs Amraphel von Sinear 1 Mos. 14, 1. im achtzehenden jar des königs Jerobeam, des sons Nebat 1 Könige 15, 1. Joseba die tochter des königs Joram 11, 2. nach befelh des königs Hiskia 2 Chron. 31, 13. Jesaia 36, 1. bis ins elft jar des königs Zedekia Jerem. 52, 5. nur zeigt sich auch der latein. gen., im andern jar des königs Darii Haggai 1, 1. endlich stellt Luther den namen ohne flexion voran, und läszt dann die würde mit dem artikel folgen, zu der zeit Arioch, des königes von Elassar, Kedar Laomor, des königes von Elarn und Thideal, des königs der heiden 1 Mos. 14, 1. in die hende Nebucadnezar, des königs zu Babel Jerem. 22, 25. zu den zeiten Salmanassar, des königs in Syrien Tobias 1, 2. Auch vor dem dativ läszt Göthe gern den artikel weg, bei fürst Hohenlohe 31, 272. 275. mit obrist von Massenbach 273. bei hofrat Martens 110. von hofrat Büttner 180. spaziergang nach Wehnde mit professor Bouterwek zu oberamtmann Westfeld 109. in gesellschaft mit professor Hugo 111. mit baron von Racknitz 267. Im ahd. war bei den vor dem eigennamen stehenden würden der artikel gewöhnlich und die flexion nöthig, daz bette des cuniges Salomônis Williram 24, 25. tuot wara des cuniges Salomônis 27, 25. so noch im 12 ten jahrh., des kunegis Miliânis schar Kaiserchr. 5230, wiewol hier mehrere handschr. des kunegis auslassen. bî des kuniges Ludewîges zîten 15217. bî des kuniges Arnoldes zîten 15555. jedoch einmal des keiser Liuthêres sêle 17181, wo eine handschr. keisers hat. dat. deme kunige Ludewîge 17287. zô deme kuninge Alexandrô Lambrecht 4712. des fürsten Botelunges kint Dietleib 13112. im anfang des 13 ten jahrh. bei Hartmann, Wolfram und Walther war die flexionslosigkeit entschieden,
er ist sun des künec Vrîênes
Iwein 2111.
in des künec Artûses lande
4513.
an des künec Artûses hof
Erek 27, 43.
des künec Artûses bete
5262. 6755.
künec Artûses hof
Walther 25, 1.
des künec Lôtes sun
Wolframs Parzival 300, 23. 368, 3. 543, 9. 546, 26. 597, 26.
des künec Tampenteires parn
211, 1.
des künc Melianzes vater
344, 21.
des künic Terramêres her
ders. Wilh. 11, 2.
des künec Gorhandes her
35, 20.
bî des künec Philippes zît
Welsch. gast 10535.
auch im epos,
des künic Guntheres lant
Nibel. 646, 4.
des künec Etzelen wîp
1720, 4.
51.
ist von einem berühmten manne die rede, so fällt der titel weg: weitverbreiteter gesicherter ruhm bedarf keiner besondern hinweisung, der name allein genügt; ebenso unschicklich würde dann der artikel sein. Göthe, dem niemand herr vorsetzt oder geheimerat, wählt zur überschrift eines gedichts das einfache an Schiller 47, 168, an Alexander von Humboldt 173, an Klinger 195; selbst die flexion die er sonst bei eigennamen nicht leicht fehlen läszt, hat er hier aufgegeben.
52.
freund ohne artikel und flexion vertritt zuweilen die stelle des titels und bezeichnet ein vertrauliches verhältnis, freund Meyer verliesz mein haus in gefolg einer eingegangenen ehlichen verbindung Göthe 31, 145. freund Meyer half mir möglichst aus 160. so kam er mit seinem begleiter, freund Meyer, vergnügt und behaglich zurück 201. freund Hein Asmus. ein buch von Musäus hat den titel Freund Heins erscheinungen. auf ähnliche weise wird vater gesetzt, vater Gleims hütte. vater Basedow Göthe 2, 282.
53.
es war öfter gelegenheit zu bemerken dasz ein vorangestelltes adjectiv den artikel verlangt, auch wo er sonst gemieden wird, sanct macht eine ausnahme und erträgt ihn so wenig als die flexion. es scheint mit dem eigennamen, bei dem es steht, zu verschmelzen. man sagt sanct Peters, sanct Johannes kirche, wie in dem ital. Sampietro, in dem adj. sangallensis. Otfried zi selben sancti Gallen Hartm. 154. ih meinu sancta Marîûn 1. 7, 25. mhd. sant sent sente, wahrscheinlich aus dem latein. sancti gebildet,
senti Pêter
Anno 533.
ze sente Michehêlis misse
Roland 17, 12.
sent Dîonissen hûs
142, 13.
dînes erwelten sent Johannes
270, 3.
ze dem guoten sent Rômâne
295, 22.
an sant Jôhannes naht
Iwein 901.
sent Pêters slüzzel
Walther 33, 3.
an sant Vîtes tage
Lichtenstein 526, 16.
sant Brandanus houbet
Amis 374.
bî sente Georgen tage
Jeroschin 173, 2.
an sent Bartholomêus tac
173, 10.
zu sente Barbaren
44ᶜ, 200.
im 16 ten jahrh., sanct Peters platz Waldis Esopus 205ᵇ. bei sanct Alex, bei sanct Paul 206ᵃ.
54.
bei herr und frau vor titel oder eigennamen kann der artikel stehen und wegfallen. so schon im mhd., der herre Iwein 803. der herre Gunther Nibel. 103, 4. der herre Sîfrit 119, 1. 513, 1. der herre Blœdel 1286, 2. des herren Rüedegêres 1107, 4. der her Otte Welsch. gast 10471. ins herrn Otten strît 10536. des herrn Philippes kraft 10540. dem hêrren Zachêô Kaiserchr. 1431. dem hern Iweine Iwein 5084. dem hern Erecke 2792. diu vrouwa Sâra Wackernagels Leseb. 167, 10. die frowen Enîten Erek 1528. der frowen Enîten 1555. 2358. ohne artikel, beispiele vom nom. sind nicht nöthig. hêrn Otten milte Walther 26, 33. hêrn Otten triuwe 26, 23. hern Iweins swære Iwein 3241. nâch herrn Iweines êren 3749. hern Gâweins swester kint 4095. hern Iweinen acc. 2720. vrowen Krîmhilden Klage 35. vroun Helchen dat. 44. vroun Lûneten dat. Iwein 5438. Göthe setzt den artikel nur bei minder bekannten persönlichkeiten, ich übergab solches dem herrn professor Reusz 31, 108. gewöhnlich läszt er ihn weg, frau von Stael kündigte sich immer dringender an 31, 170. hierüber gab ich mein misfallen an frau von Stael zu erkennen 31, 171. bei der zueignung von gedichten, herrn grafen Loeben 47, 175. herrn obrist von Geismar 47, 170. herrn Ferdinand Hiller 47, 193. sogar bei dem nachgesetzten genitiv, ebenso hätten wir dankbar der gegenwart herrn Benjamin Constant zu gedenken 31, 176, wo der artikel passend gewesen wäre.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4,5 (1856,1857), Bd. II (1860), Sp. 954, Z. 48.

dasz, conj.

dasz, conj.
gebildet aus dem neutr. des pronom. der in seiner relativen bedeutung, wie im griech. ὅτι, lat. quod, franz. que, engl. that. im goth. wird das relative bedeutung wirkende suffix ei angehängt, þatei, in Muspilli daʒî 12. im ahd. und mhd. gilt daz für die conj. wie für das pronomen: im nhd. hat man eine unorganische, für die aussprache gleichgültige unterscheidung eingeführt, indem man die conj. dasz, das pron. das schreibt. die Theologia deutsch, Albrecht v. Eybe, Steinhöwel, Schwarzenberg, Keisersberg, Brant, Luther, Murner, Dasypodius, H. Sachs, Fischart, S. Frank, Waldis und andere wenden diese unterscheidung noch nicht an und schreiben in beiden fällen das oder auch daz. Maaler jedoch in der mitte des 16ten jahrhunderts kennt sie, und Henisch im anfang des 17 ten bemerkt ausdrücklich das mit einem s und dasz mit zweien s 661. von der zeit an ist sie anerkannt und wird nur zuweilen vergessen, wie Lessing 11, 134 das schreibt, und Göthe öfter in seinen früheren briefen, oder sie wird von einzelnen, z. b. von Butschky, absichtlich hintangesetzt. in neuerer zeit haben einige versucht auch das pronom. dasz zu schreiben.
1.
am einfachsten verbindet die conjunction den abhängigen satz
a.
mit zeitwörtern die eine empfindung, eine thätigkeit des geistes oder der sinne ausdrücken wie sehen, hören, bemerken, wissen, denken, glauben, fühlen, hoffen, wünschen, fürchten und ähnlichen. ich sehe dasz der tag anbricht. ich wuste dasz er abgereist war. ich finde dasz er unrecht hat. ich denke, ich glaube dasz er den sieg davon trägt. ich setze voraus, ich nehme an dasz es so ist. ich wollte dasz er käme. ich beklage dasz er ausbleibt. dunkt dich nicht das einer ein narr sei, der da seinen feind beschirmen wil Keisersb. Sünden des munds 13ᵇ. zu dem ersten gedenk, wer füget dir zu krankheit, schmach, armut, und das es got thüge (thue) 18ᵇ. ich hab einen kant, von dem hab ich es gehört das er sprach 23ᵇ. sein meinung was das er im damit die unkuscheit vertreiben wolt, das er der abkäm 36ᵃ. und wann sie verlieren, so schetzen sie es, daz der teufel hab auch verloren 45ᵇ. da er das hort das er so toll trunken was, da zog er daz urteil uf bisz das er nüchtern ward 73ᵃ. die selben prediger förchten sie erzürnen dich und das ir des entgelten müsz 79ᵃ. aber ich halt das die beichtiger, die dich absolvieren, ketzer seint 79ᵃ. und gott sahe das das liecht gut war 1 Mos. 1, 4. da wurden ir beider augen aufgethan und (sie) wurden gewar das sie nacket waren 3, 7. so erkennet man das der herr recht schaffet Psalm 9, 17. ich hoffe aber darauf, das du so gnädig bist 13, 6. er vergisset das sie möchten zutreten werden und ein wild thier sie zubreche Hiob 39, 15. ich fürchte dasz mir diese unglückliche entdeckung schon mehr als zu bekannt ist Gellert. ich fühle dasz meine liebe zu dir nicht eigennützig ist Göthe. mir wollt ich wünschen, dasz ich nicht mehr um dich zu sorgen hätte. freilich werde ich alt und spüre denn doch dasz ich abnehme ders. ich habe nie gezweifelt, dasz man sein fortkommen in der welt finden könne, wenn es einem ernst ist 18, 99. eine gottheit da einzuflechten, wo sie fühlen dasz die natürlichen bande zerreiszen möchten Mösers vermischte schriften 1, 135.
b.
bei sagen, melden, äuszern, mittheilen und ähnlichen. er sagte dasz er die nachricht erhalten habe. er äuszerte dasz er zufrieden sein könne. er meldete dasz der feind anrücke. er theilte ihm mit dasz er kommen werde. wir lesen von zweien kaufmennern in Cöllen, die beichteten zu Cöllen einem priester das, das sie der zwei stück nit kunten on sein, liegen und schweren Keisersb. Sünden des munds 22ᵇ. wenn das kind uf das maul falt das es blaw würt, so uberredet sie das kind das es hab gesprungen oder ein sprünglin gethon 32ᵇ. das sie verkündigen das der herr so from ist Psalm 92, 16. wo soll ich sagen dasz ich das geld her bekommen habe? Lessing 1, 476. sie behauptete dasz er ihr damals vor allen andern gefallen und dasz sie seine bekanntschaft gewünscht habe Göthe 18, 94. willst du auf sokratische weise mir die ehre anthun mir begreiflich zu machen, mich bekennen zu lassen dasz ich äuszerst absurd und dickstirnig sei 21, 54. man setzte auch wol noch wie vor die conjunction, der sun klagt dem herrn seinem vater, wie das der schulmeister im ze hart sei Keisersb. Sünden des munds 67ᵃ. oder wie allein.
c.
bei befehlen, bewirken, bitten, erlauben, stehen, gestatten und ähnlichen. er bewirkte dasz er zurück berufen ward. er erwirkte dasz er noch ein jahr reisen durfte. und befal und hiesz seine brüder allsamen gott für das kind solten bitten und daz sie solten nider fallen uf das ertreich und nit essen den ganzen tag, bisz das sie got erhorte Keisersb. Sünden des munds 56ᵇ. er hat seinen engeln befohlen uber dir, das sie dich behüten auf allen deinen wegen Psalm 91, 11. gott befahl inen im trawm, das sie sich nicht solten wieder zu Herodes lenken Matth. 2, 12. so bittet nu gott das er uns gnädig sei Maleachi 1, 9. so bitte ich dich, vater, das du in sendest in meines vaters haus Luc. 16, 27. herr, erlaube mir das ich hin gehe und zuvor meinen vater begrabe Matth. 8, 21. meines herzen wunsch ist und flehe auch gott für Israel, das sie selig werden Röm. 10, 1. denn es wird niemand gestattet, das er mit gott rechte Hiob 34, 23.
d.
wenn ein zustand, ein bestimmtes verhältnis, ein eingetretenes ereignis angezeigt wird. es ist meine pflicht dasz ich folge leiste. es ist sicher dasz er kommt. ein glück dasz es so gut geht. es ist besser dasz er schweigt, als dasz er sich zu vertheidigen sucht. im fall dasz er kommt, musz man ihn zurückhalten. unter der bedingung dasz er ernst macht. es steht so, dasz man nichts mehr hoffen darf. es geschieht wol dasz ein brief verloren geht. es geschah dasz er blind ward. also hat sie (die natur) im auch gegeben und das er schuldig sei zu bezalen den zins des fleisches A. v. Eybe 12ᵇ. ist das nicht ein grosze verkerlichkeit, das ein mensch wil beschirmen die sünd, die gott der herr verfolget hat Keisersb. Sünden des munds 14ᵃ. und wär nit ein wunder das ein solicher mensch im selber feind wär 25ᵃ. wie ein rap von art hat das er stilt und ein fuchs das er gescheid ist, ein wolf fressig, also hat ein hund von art, das er wol schmeicheln kan und sich gelieben 31ᵃ. es wart einer einist gefragt wie es käm, das er alt wär zu hof worden. da antwurt er 'ich hab mich geduckt und hab gelacht, das hat gemacht das ich zuͦ hof alt bin worden 31ᵇ. es ist ein groszer zorn gottes, das da nicht seind gegenwirtig die strafer der laster 34ᵇ. das ist ein zeichen das du ein narr bist 34ᵇ. es stet keinem dapfern vernünftigen menschen zuͦ, das er von lachen das maul zerzerr, das man im die zen sehe 49ᵇ. so gebent ir mir ursach, das ich nit bleiben mag 63ᵃ. ich wär auch schuldig das ich denselben warnte, uf das er nit erstochen würd 72ᵇ. davon ist not einem menschen, daz er im fürsetz einen steifen anschlag (festen vorsatz) 80ᵇ. wan du wärest ein stum und kuntest nit reden, und das dir got darnach gäb daz du reden würdest, so würdest du erst innen das es ein grosze gab wär, und du nemest nit aller welt gut dar für 82ᵃ. ich bit dich du wellest mir geben, das ich meinen mund mög vor sünden bewaren 82ᵇ. ist es sach daz iemants sich schetzet das er geistlich sei und nit zömet sein zung, sunder verfürt sein herz, des geistlichkeit ist vergebens 89ᵃ. es sei dann sach, dasz der vater ein anders sage Maaler 86ᵃ. es begab sich aber nach etlichen tagen umb die weizenerndte, das Simson sein weib besuchte Richter 15, 1. aber die in dem flecken verlieszen sich darauf, dasz er so hoch lag 2 Macc. 10, 34. es ist doch ein unerträglicher stolz, dasz er mich verläszt Gellert. ist es möglich, dasz ich allein sein kann? ders. das ist die glückseligkeit der thoren, dasz andere ihn für glückselig halten Dusch. dem den es trift, ist es eine wolthat, dasz die sinne ihn verlassen Göthe 18, 118. hier ist eigentlich das erste mal dasz ich still halte: das erste mal dasz ich die dritte nacht in demselben bette schlafe 20, 11. nichts war natürlicher als dasz ihn dieses seltsame gesicht aus seinen betrachtungen risz 21, 6. es war zeit, dasz der wirth und die kinder herein traten 21, 17. daher kam es, dasz man mich in der taufe Joseph nannte 21, 19. glücklicherweise dasz die gemälde so hoch stehen und die täfelung etwas aushält 21, 21. das fehlte noch, dasz er sich zu überheben anfängt 42, 204. von meinem letzten leben ist wieder ein schönes glück, dasz die leidigen wolken, die Herdern so lange von mir getrennt haben, endlich und, wie ich überzeugt bin, auf immer sich verziehen musten ders. an Jacobi 66.
e.
zu den unter d angeführten beispielen gehört auch sein, wenn es soviel heiszt als an dem sein, sich so verhalten. jetzt wird es kaum noch gebraucht, im mhd. war es nicht ganz selten. ist daz steht für wenn.
iuwer leben wirt bî Etzel sô rehte lobelîch,
daz ez iuch immer wünnet, ist daz ez ergât.
Nibel. 1179, 3.
ezen sî daz (wenn nicht) mir zebreste daz Nibelunges swert.
2284, 3.
ist daz im von der Minnin
ie sichein ungemach
an sîme lîbe gescach
Athis D, 72.
des sît ir alles gewert,
ist daz ir betelîches gert
Iwein 4545.
und ist daz sî betrouc ir wân,
zwâre, dazn wirt mir niemer leit
6674.
ist daz wir reineclîchen leben,
sünde und schulde ist uns vergeben
Freidank 10, 1.
ist daz er sich bekêret
37, 26.
und ist daz er mir guotes giht
62, 4.
ist aber daz sie verborgen hât
viel tiefe under ir brüsten triegen, spot, unsüezen rât.
Reinmar v. Zweter MS. 2, 141ᵇ.
ist es das du sie verachtest, so wig doch die vile Keisersb. Sünden des munds 51ᵇ. lasz schon sein das einer keusch sei, der da solche schampere (unverschämte, rohe) wort redet, dannocht erwechst im selber schaden darausz 62ᵃ. ein mensch sol luͦgen (darauf achten) daz er ganz kein schamper wort rede, es wär dann das es in einem ernst geredt würd, und also gähe hergieng in einem zorn, das dadurch die schand undergedrückt und verdeckt würd 62ᵃ. und ist es das du gott nit dankbar bist deren guͦthaten, die er dir bewiesen hat, so ist es alles verloren 84ᵃ. Bei ad kann der abhängige satz, um ihm gröszern nachdruck zu geben, auch vorangestellt werden, z. b. dasz der tag anbricht, sehe ich. dasz er die nachricht erhalten habe, hat er mir schon gestern gesagt. dasz die sache guten fortgang haben werde, läszt sich vermuten.
2.
wo ungewisheit stattfindet, folgt bei dem präteritum mit recht der conjunctiv. ich wünschte dasz er das nicht thäte. ich wollte dasz er käme. ich hoffte dasz er seine gesundheit wieder erlangen würde. sollte man glauben dasz er grausam wäre? wer dachte dasz die sache so stände?
ich wânde niht daz âne got
der gewalt ieman töhte
Iwein 502.
der îserînen decke dach
was ein pfellel, des man jach
daz er tiwer wære
Parzival 261, 13.
het er gewest daz dâ von übel künftic wære.
Walther 10, 30.
daz ich ie wânde daz iht wære, was daz iht?
124, 3.
aber woher wüste ich, dasz du die laute hättest haben wollen? Gellert. freilich gestattet man auch den indicativ, der dann im präsens steht: in den angeführten beispielen kann es heiszen dasz er grausam ist, dasz die sache so steht, dasz du die laute haben willst. geht das präsens voran, so läszt man gewöhnlich den indicativ folgen, ich wünsche dasz er das thut, dasz er kommt. ich hoffe, ich erwarte dasz er da bleibt: besser ist der conjunctiv thue, komme, bleibe. so in der alten sprache, wio mag ich wizan thanne thaz uns kind werde Otfried 1. 4, 55.
wænt ir daz elliu frümekheit
mit im ze grabe sî geleit?
Iwein 1933.
swie bœse ir wænet daz er sî
2582.
wir biten umb unser schulde dich
daz dû uns sîst genædeclich
Walther 7, 34.
sollen die worte anderer angeführt oder nachrichten mitgetheilt werden, so ist in der regel der conjunctiv erforderlich. beim präsens, er schreibt dasz er zu haus angelangt sei. er meldet dasz er bald eintreffen werde. sage ihm dasz er unklug handele.
kristen juden und die heiden
jehent daz diz ir erbe sî
Walther 16, 30.
saget ir uns daz er sant Peters slüzzel habe
33, 3.
doch läszt man bei völliger gewisheit auch den indicativ zu, er meldet dasz er bald eintreffen wird. sag ihm dasz er unklug handelt. beim präteritum, er sagte dasz das nicht angienge, dasz er selbst kommen würde. er erzählte dasz er ohne mühe dazu gelangt wäre. ich wollte ihr sagen dasz der papa nach ihr gefragt hätte Gellert. aber man läszt auch das präsens conjunct. folgen, also in den gegebenen beispielen dasz das nicht angehe, dasz er selbst kommen werde, dasz er ohne mühe dazu gelangt sei, dasz der papa nach ihr gefragt habe. ja bei gewisheit sogar das präsens indicat., ich sagte ihr dasz ihr sohn angelangt ist. er rühmte an ihr dasz sie wahrhaft ist. Liegt in dem verhältnis noch eine ungewisheit, ist der erfolg nicht sicher, so gebraucht man den conjunctiv auch da, wo man den indicativ erwartet.
an wîbe lobe stêt wol daz man sie heize schœne.
Walther 35, 27.
der könig aber, als er versucht hatte dasz die jüden so freudig wären, wendete sich und zog durch unwegsame orte 2 Maccab. 13, 18. der spiegel erinnert mich dasz es zeit sei ernsthaft zu werden Rabener. ich habe ihm die versicherung gegeben, dasz bei uns nicht die musketier so galant thäten, wenn sie in der schenke wären Gellert. wenn sie wüste das wir von ihrer andacht sprächen ders.
3.
die conjunction in dieser verbindung kann wegfallen, wenn die folge der wörter sich ändern läszt. ich glaube er wird sich heute nicht zeigen. ich vermute er hat einen andern weg eingeschlagen. es war zu befürchten, er würde nicht wiederkommen. ich glaubte ich sollte zugegenbleiben. ich wollte er hätte das nie gehört. er sagte es wäre alles vorüber. er meldete mir sie läge hoffnungslos danieder. in der alten sprache,
sît uns hie biderbe für daz ungefüege wort,
daz ieman spræche, ir soldet sîn beliben mit êren dort.
Walther 28, 19.
si jehent der himele der sîn drî,
und derde mitten drinne sî
Freidank 11, 6.
Verschieden davon ist die unterdrückung der conjunction ohne änderung der folge der wörter, wobei der conjunctiv steht. in der alten sprache kam das nicht selten vor (vergl. Grammatik 4, 209. 210), z. b. mich dunchet ih nû sehe. ein beispiel aus dem 17 ten jahrhundert, in hoffnung er die vestung überkommen würde Olearius Orient. insuln 152.
4.
ferner kann dasz durch änderung der construction völlig ausgeschlossen werden. der accus. mit dem infinitiv kommt dabei kaum in betracht: zwar im gothischen und ahd. nicht unbekannt, zeigt er sich doch im mhd. höchst selten, und ist heute ganz verschwunden; spuren aus dem 16 ten und 17 ten jahrhundert weist die Grammatik 4, 119 nach. aber dasz kann entfernt werden durch die verbindung des herschenden verbums mit dem reinen infinitiv, wodurch eine verschmelzung beider sätze bewirkt wird. statt ich sehe dasz der tag anbricht, ich höre dasz er spricht sagt man ich sehe den tag anbrechen, ich höre ihn sprechen. auszer bei sehen und hören ist aber dieser reine infinitiv, insofern er die construction mit dasz ersetzt, kaum zu finden. in der ersten ausgabe des Simplicissimus vom j. 1669 noch mein knän schätzte billig sein dasz ich meiner adelichen geburt gemäsz auch adelich tun und leben sollte, in der ausg. von 1713 schätzte billich zu sein 1, 4. wo er sonst noch vorkommt, bei dürfen, helfen, heiszen, können, lernen, lassen, mögen, müssen, sollen könnte keine construction mit dasz stattfinden, da er die stelle eines hilfsverbums vertritt. in der alten sprache war er nicht selten, aber schon damals drängte sich die vorgesetzte präposition du za zi ze zu ein, und griff immer weiter um sich. dieser präpositionale infinitiv dient jetzt häufig die construction mit dasz aufzuheben, man sagt ich freue mich ihn zu finden statt dasz ich ihn finde. er gebot ihn fest zu halten. er bat ihn heran zu kommen. er ermahnte ihn abzulassen, gutes mutes zu sein. sie fürchtete ihn zu verletzen. er wünschte, er begehrte sie zu sehen.
5.
die conjunction steht nicht nothwendig in unmittelbarer beziehung zum herschenden verbum, sie kann auch einer partikel zugefügt werden. so gebraucht die alte sprache wan daz in der bedeutung von ausgenommen, nisi quod, praeterquam quod, um einen satz zu beschränken.
der (hirsch) was michel unde guot,
wan daz er nichein herze in ime truoc.
Wackernagels Leseb. 209, 27.
si sprach 'ich bin nâch im gesant,
und wart mir anders niht genant,
wan daz ein lewe mit im ist'
Iwein 5951.
waz mac ich sprechen mêre
wan daz ich iuch êre
als iuwer rîtr und iuwer kneht?
7531.
waz sol ich dir sagen mê
wan daz dir nieman holder ist dann ich?
Walther 49, 29.
ich wolte von ir dienste gân;
wan daz ein trôst mich wider brâhte
65, 36.
wan daz ez nieman reden sol,
ein tôre vint den andern wol
Freidank 82, 15.
oder niuwan,
niuwen daz er sie daz leben
vil schiere wolte âne tuon
Heinrichs Krone 11128.
daz kann auch wegbleiben,
alle fürsten lebent nû mit êren,
wan der hœhste ist geswachet
Walther 25, 20.
Keisersberg sagt allein dasz, sanct Antonius sprach 'wie gefallen dir die brüder die bei dir sein?' da antwurt der altvatter 'wol, allein das ir stal hat kein thür: wer da wil, der gat ausz und ein und entledigt den esel', er meint sie wären sunst frum brüder, aber sie schwetzten vil Sünden des munds 75ᵇ. jetzt gebraucht man auszer dasz, er läszt sich nicht sehen auszer dasz er in die kirche geht. ich billige alles auszer dasz er nicht selbst kommen will. auszer dasz er an den augen leidet, hat er über nichts zu klagen. oder nur dasz, seine gesinnung ist lobenswert, nur dasz er nicht arbeiten will. er ist kräftig, nur dasz er hinkt. die beiden schwestern gleichen sich, nur dasz die eine gröszer ist.
wer zu ehren was stellt an
mag ersparen was er kan,
nur dasz er an ehren nicht
etwas spart und abebricht
Logau 3. 79, 19.
wie Sie befehlen, nur dasz ich mich nicht zu lange in der luft aufhalten darf Gellert. oder, wenn die verneinung vorangeht, denn dasz, und nam sich keins dings an — denn das er asz und trank 1 Mos. 39, 6. sie haben sonst nichts gethan dann dasz sie die sach (wegbrachten) Henisch 646. ohne dasz für ausgenommen zeigt sich in der alten sprache selten,
'ân daz du iht triutest' sprach der künic dô
'mîne lieben vrouwen (anders bin ich vrô),
sô tuo ir swaz du wellest'
Nibel. 604.
bei Luther öfter, one das das alte testament etwas mehr darüber hat 4, 1ᵇ. es ist uns unbegreiflich, on das wir die wort also können nachsprechen 4, 5ᵃ. kompt er auf, das er ausgehet an seinem stabe, so sol der in schlug unschuldig sein, on das er im bezale was er verseumet hat, und das arztgeld gebe 2 Mos. 21, 19. wir sind ins land kommen, dahin ir uns sandtet, da milch und honig innen fleuszt, on das stark volk drinnen wohnet und seer grosze und feste stedte sind 4 Mos. 13, 29. 30. und solt mit Ai und irem könige thun, wie du mit Jeriho und irem könige gethan hast, on das ir iren raub, ir vieh unter euch teilen solt Josua 8, 2. Salomo aber hatte den herrn lieb und wandelte nach den sitten seines vaters David, on das er auf den höhen opferte und reucherte 1 Könige 3, 3. denn wo viel guts ist, da sind viel die es essen, und was geneuszt sein der es hat on das ers mit den augen ansihet? Prediger Sal. 5, 10. on das der heilige geist in allen stedten bezeuget und spricht, bande und trübsal warten mein daselbst Apostelg. 20, 23. und thet das dem herrn wol gefiel wie sein vater Usia gethan hatte, on das er nicht in den tempel des herrn gieng 2 Chronica 27, 2. die scorzonera so aus Spanien kommt, ist dem bocksbart fast ähnlich, ohne dasz sie breitere blätter und gelbe blumen hat Hohberg 1, 484ᵃ. sie gehen nackend ohn dasz sie ein cattunen leinwand umb den leib hängen, welches über den nabel fest gebunden Olearius Orient. insuln s. 147. Ludovicus konte dem verschanzten herzoge nichts sonderliches anhaben, ohne dasz er das platte land verwüstete Hahn Reichshistorie 1, 228. bei verneinung auch mit dem conjunctiv, und Joas thet was recht war und dem herrn wolgefiel, so lang in der priester Jojada leret, on das sie die höhen nicht abtheten, denn das volk opferte und reucherte noch auf den höhen 2 Könige 12, 2. 3. Dieses ohne dasz für auszer dasz wird heute gebraucht, wenn ein verneinender satz vorangeht, der durch die ausnahme zu einem positiven wird, er kam niemals ohne dasz er ein geschenk brachte so oft er kam, brachte er ein geschenk. er reiste nicht ab ohne dasz er abschied nahm. die belagerten ergeben sich nicht ohne dasz man ehrenvolle bedingungen macht. ohne dasz man geld gibt, richtet man nichts aus. keine herberge soll ich verlassen, ohne dasz ich mich wenigstens eine meile von ihr entferne Göthe 21, 11. niemand trat herein, ohne dasz er von dem spiegel zur natur und von der natur zum spiegel sich nicht gern hin und wieder gewendet hätte 21, 140. man setzt aber gern dafür den präpositionalen infinitiv, er kam niemals ohne ein geschenk zu machen, er reiste nicht ab ohne abschied zu nehmen, eine construction die in der alten sprache unbekannt war. aber auch dasz nicht für ohne dasz, dasz mancher eisenfresser sei, der nicht einen römer wein trinken könne, dasz er nicht einen für (vor) den degen fordere Schuppius 317. es ist wahr, wir würden uns nicht rühren dürfen, dasz es unsere eltern nicht erführen Schoch Studentenleben E. keiner redet von einem mädchen, wie ehrlich und fein sie auch sei, dasz er nicht zuerst frage was und wie viel sie habe Riemer Polit. stockf. vorrede.
der (fächer) öffnet sich niemals, dasz er nicht schalkheit lächelt.
Zachariä 1, 20.
bald läszt er da
ein stück, bald eines dort. er kehret nie
von einer reise wieder, dasz ihm nicht
ein drittheil seiner sachen fehle
Göthe 9, 188.
es vergieng kein tag, dasz ihr dem mädchen nicht etwas schenket 20, 225. es vergieng fast kein tag, dasz nicht mein vater sich hinaus begab. 24, 247. Sonst aber fügt ohne dasz zu dem positiven satz einen verneinenden, wo es sich dann durch und nicht auflösen läszt. er sündigt ohne dasz er es weisz und weisz es nicht. er entfernte sich ohne dasz er geld mitgenommen hatte. er lag krank ohne dasz er arznei nahm. ihr denkt, ohne dasz ich es weitläuftig beschreibe, wie wunderlich mir zu muthe war Göthe 21, 29. bückte ich mich als wenn ich etwas am gurte zu thun hätte, und küszte den niedlichsten schuh, den ich in meinem leben gesehen hatte, ohne dasz sie es merkte 21, 31. der himmlische friede theilt sich noch jetzt einem jeden mit, der die ersten zehn gesänge liest ohne die forderung bei sich laut werden zu lassen — 25, 291. Lessing setzt noch eine verneinung hinzu,
der edle der von seinen ahnen
in unzertrennter ordnung stammt,
ohn dasz ein wackrer bauerknecht
nicht oft das heldenblut geschwächt
1, 81.
auch nicht dasz, wiewol die pestilenz in mehrtheil heusern war, liefen sie doch in alle und stalen alles was darinnen war, nit dasz sich einer darab schaudert Fischart Garg. 202ᵇ. auch hier kann, wenn es sonst die construction zuläszt, der infinitiv mit zu gebraucht werden, er sündigt ohne es zu wissen. der knabe sprach nicht ohne zu weinen. in der kirche sein ohne zuzuhören Frisch 2, 30ᶜ. Die alte sprache gebraucht in diesem fall daz mit einer verneinung; unrichtig erklärt es Benecke 1. 321, 47 durch obgleich,
got hôrte Moyses gebet,
daz er den munt nie ûf getet
Freidank 5, 15.
mich dürstet zetelîcher zît,
daz mir nieman trinken gît
71, 22.
si sol mirz gehalten
sô si aller beste kan, daz siz ieman gebe
MSHag. 3, 206ᵇ.
noch im 17 ten jahrhundert, Claus narr sahe eine ziege auf einer mauren gehen, und war sorgfältig (besorgt) wie die arme ziege werde wieder herunter kommen, dasz sie kein bein breche Schuppius 266. noch heute, wie soll ich fortkommen, dasz es niemand merkt?
6.
in causalsätzen steht es für darum dasz, weil, quoniam. da hier keine ungewisheit stattfindet, so folgt der indicativ. heute wird es fast nur im gemeinen leben gebraucht, und das ist wol der grund, weshalb Adelung behauptet es klinge unangenehm.
a.
öfter im mhd. beispiele bei Ben. 1, 321ᵇ. auch in dem 15 ten und 16 ten jahrhundert. das thuͦt das er kein vernunft mer hat, und wie in die sinlichkeit treibt, also schwatzt er herausz Keisersb. Sünden des munds 9ᵃ. als so du einen lobst, das einer eim andern sein frauw buͦlet, oder das er ein spiler ist, oder ein füller, das ist todsünd 31ᵇ. was lobst du mich? ich mein du wöllest mich verkaufen, das du mich mir lobest 34ᵇ.
sinr muͦter schilt gar mancher fürt,
das er villicht am vatter irrt.
Brant Narrensch. 76, 50.
ich bin elend und ammechtig, das ich so verstoszen bin Psalm 88, 16. sihe den wein nicht an, das er so rot ist und im glase so schön steht, er gehet glat ein Sprüche Sal. 23, 31. da werden die hirten schreien und die gewaltigen uber die herde werden heulen, das der herr ire weide so verwüstet hat Jerem. 25, 36. die kaufleut in lendern pfeifen dich an, das du so plötzlich untergangen bist und nicht mehr aufkommen kanst Hesekiel 27, 36. und weil sich dein herz erhebt, das du so schöne bist 28, 17. denn es trieb in gottes zorn, das er so frech geredet hatte 2 Macc. 9, 4. er ist geköpft worden, dasz er den erstochen hat Henisch 661.
es trachten ihrer viel uns mördlich umzubringen,
dasz wir nicht ihrem thun und ihres sinnes dingen
verpflichtet sind wie sie
Logau 1, 206, 52.
als nun der bürger über eine zeit von einem seiner befreundten ganz grillenfängerisch oder maulhenkolisch gesehen und umb die ursache gefragt wurde, gab er zur antwort dasz er den procesz wider den sautregel verloren habe Chr. Weise kl. leute 38. Göthe sagt noch, aber dasz ich arm bin, war ich verachtet 57, 128.
b.
bei dadurch dasz, darum dasz (oben s. 802), um dasz, mhd. durch daz, sît daz.
7.
in sätzen, welche folge und wirkung ausdrücken. was ists, das dein geist so unmuts ist und das du nicht brot issest 1 Könige 21, 5. das machet dein zorn, das wir so vergehen und dein grim, das wir so plötzlich dahin müssen Psalm 90, 7. was kann ich dafür, dasz sie mich rührt Gellert. was hat er dir denn gethan, dasz du ihm diese ehre nicht erweisest? ders. natürlich kann der abhängige satz auch voran stehen, dasz die sache misglückt ist, verschuldet er allein.
dasz er so wenig redt, das macht er meint es treu.
Gellert.
8.
die beziehung zwischen ursache und wirkung wird gemessen oder gesteigert durch ein zugesetztes demonstratives so, also in der bedeutung von dergestalt, in solcher art, in solchem grad, und kann bei dem herschenden verbum allein stehen,
nû hânt ir sô mit ir gevarn
daz sich ein wîp wider die man
niemer wol behüeten kan
Iwein 3160.
doch gelobet ez her Gawein sô,
daz sie ez niemen solte sagen
5676.
nideriu minne heizet diu sô swachet
daz der lîp nach kranker liebe ringet
Walther 47, 5.
nû müeze ez got gefüegen sô,
daz ich noch von wâren schulden werde frô
120, 32.
nû ist sümelichen sô,
daz si mir wol gelouben swaz ich sage
122, 16.
er hat mirs so gemacht, dasz ich ihn verabschieden muste. er lebt so, dasz man sein verderben voraussieht. die sache steht so, dasz man nichts gutes hoffen darf. er eilt so, dasz er noch heute fort kommt. häufiger steht es bei einem adjectivum oder adverbium. er arbeitet so eifrig, dasz jeder mit ihm zufrieden ist. der mann ist so kräftig, dasz er jede beschwerde ertragen kann. er spricht so leise, dasz man nichts versteht.
er hat bî sînen zîten
gelebet alsô schône
daz er der êren krône
dô truoc und noch sîn name treit
Iwein 8.
sô rehte reine sost ir lîp,
daz si der guoten lop wol lîdet
Walther 45, 19.
si sol sîn gemeine,
sô gemeine daz si gê
dur zwei herze und dur dekeinez mê
51, 10.
sîn liljerôsevarwe wart sô karkelvar
daz ez verlôs smac unde schîn
68, 3.
das (schelten) gab im so vil ze schaffen und thet im so wee, das er der unküscheit vergasz Keisersb. Sünden des munds 36ᵃ. der herr sprach zu Mose 'recke deine hand gen himel das es so finster werde in Egyptenland, das mans greifen mag' 1 Mos. 10, 21. ir aber habet sie erwürget so grewlich, das es in den himel reicht 2 Chronica 28, 9. und die stangen waren so lang, das ire kneufe gesehen wurden in dem heiligthum fur dem chor 1 Könige 8, 8. es gehet mir so übel, das ich bin eine grosze schmach worden meinen nachbarn Hiob 31, 12. denn mein bette ist so enge, das nichts ubrigs ist, und die decke so kurz, das man sich drein schmiegen musz Jesaia 28, 20. er war so veracht, das man das angesicht fur im verbarg 53, 3. darumb bin ich des herrn drewen so vol, das ichs nit lassen kan Jerem. 6, 11. meinstu das sich jemand so heimlich verbergen könne, das ich in nicht sehe 23, 24. die so verwüst sind, das weder leute noch bürger noch vieh drinnen ist 33, 10. die am meer wonen sind so erschrocken, das sie nicht ruge haben können 49, 23. deine unreinigkeit ist so verhertet, das, ob ich dich gleich gern reinigen wolt, dennoch du nicht wilt dich reinigen lassen von deiner unreinigkeit Hesekiel 24, 13. ich habe in so schöne gemacht, das er so vil este kriegt, das in alle lüstige bewme im garten gottes neideten 31, 9. da ich noch im irthum war konte ich auch vil lehrens, und war so gelehrt, das ichs nicht alles sagen konte Sirach 34, 12. er (der schnee) ist so weisz, das er die augen blendet 43, 20. ja ich war so perfect und vollkommen in der unwissenheit, dasz es mir unmüglich war zu wissen dasz ich so gar nichts wuste Simpliciss. 1, 4. da fieng ich an mit meiner sackpfeife so gut geschick zu machen, dasz man die krotten im krautgarten hätte vergeben mögen, also dasz ich vor dem wolf, welcher mir stätig im sinn lag, mich sicher genug zu sein bedunkte 1, 21. sie (die liebe) ist eine so starke würze, dasz selbst schale und ekle brühen davon schmackhaft werden Göthe 18, 26. ich zeigte und erklärte ihr die bilder eins nach dem andern und entwickelte dabei die pflichten eines pflegevaters auf eine so lebendige herzliche weise, dasz ihr die thränen in die augen traten 21, 34. Fischart erlaubt sich so von dem adverbium zu trennen,
da ward er (Xerxes) so ergrimmet sehr
das er liesz geiselen das meer
Glückh. schiff 7.
Rückt so in den abhängigen satz, so verbindet es sich mit dasz, verliert seine demonstrative kraft und dient nur zur verstärkung der conjunction. er ist so schwach, dasz er nicht reden kann ist nachdrücklicher als er ist schwach, so dasz er nicht reden kann.
der wirt und her Gawein
wârn einander liep genuoc,
sô daz ir ietweder truoc
des andern liep unde leit
Iwein 2710.
häufiger bei Walther v. der Vogelweide, z. b.
wir biten umb unser schulde dich
daz dû uns sîst genædiclich,
sô daz dîn bete erklinge
vor der barmunge urspringe
7, 33.
noch müez ich geleben daz ich den gast ouch grüeze,
sô daz er mir dem wirte danken müeze
31, 27.
der nimt ir tugende rehte war,
sô daz ez in sîn herze gêt
96, 5.
sint ir mînes herzen ougen bî,
sô daz ich ân ougen sihe sie?
99, 23.
himel und erde noch zergânt,
sô daz si'n bezzern êren stânt
Freidank 179, 4.
dieses so kann auch ausgelassen werden. er zitterte, dasz er nicht stehen konnte. der glanz der sonne blendete ihn, dasz er nichts sah.
zeiner zît ein esel luote
daz ez al die werlt muote
Freidank 109, 12.
vergl. Ben. 1, 321ᵃ. ein mensch sol sein von dapferen worten, das ein wort ein pfundt wigt und hinder ihnen das gewicht haben Keisersb. Sünden des munds 3ᵃ. dan sie schnadern und schnadern für und für, bisz das sie vol weins werden, das sie nit me reden künden, und bis in die zung ie schwerer würt, das sie anfahen zuͦ stammeln und krumbs reden 81ᵇ. ich wil ein essen zuͦbereiten (von solcher art), das er wänt es sei wiltpret 16ᵃ. in Hibernia in dem mer erschien allemal eine insel und gieng dann wider hinweg, das niemant kunt erfaren war sie hinkam 63ᵃ. was ist leichter dan ein feder, wan aber einer drü bett uf den hals nimpt und vil federn zesamen kumen, das (dasz es) etwan zwen oder drei zentner wigt, so trucken sie einen darnider 76ᵃ. du findest leut die reden selten, wan sie aber ankumen, so reden sie zevil und künden nümer ufhören, das man etwan spricht 'er ist ankumen' 81ᵇ. und (die winde) wehen den schnee durch einander, das er sich zu haufen wirft, als wenn sich die hewschrecken nider thun Sirach 43, 19. und (er) verfaulet mit groszen schmerzen, das ganze stück von seinem leibe fielen 2 Maccab. 9, 9. denn sie satzten ihn zu einem feuer, banden ihn, dasz er weder hände noch füsze regen konte Simpliciss. 1, 20. aber gar bald verwirrte ich die leichten drähte, kam darüber in unruhe und bangigkeit — dasz ich alles, so gut ich konnte, zusammendrückte Göthe 18, 23. der graf redete einen jeden bei seinem namen an und mischte einige scherze in die unterredung, dasz alle über einen so gnädigen herrn ganz entzückt waren 18, 261. der herr dieser besitzung, im höhern sinne wolthätig, dasz er alles um sich her zum thun und schaffen aufregte 21, 68. mit gestörter wortfolge, ein stöhnen erscholl, dasz, hätten es menschen vernommen, ihr herz wäre erstarrt und die quelle ihres lebens yersunken Klinger 3, 27. besser würde hier dasz ganz wegfallen. Die alte sprache liesz auch auf den satz mit so einen neuen folgen, in welchem der indicativ und conjunctiv stehen konnte, z. b.
sô nâhen gienc ime ir nôt,
in dûhte des daz sîn tôt
unclägelîcher wære
dan ob sî ein vinger swære
Iwein 1351.
wandez ist mir sô gewant,
ich mac verliesen wol mîn lant
hiute ode morgen
2311.
sô sêre erbarmet ir mich,
ich benæme iun gerne, möht ich
6415.
ez ist vil kûme ein kleinez trœstelîn;
so kleine, swenne ichs iu gesage, ir spottet mîn.
Walther 66, 2.
gotes wunder sint sô grôz,
des menschen sin ist gein in blôz.
Freidank 9, 3.
noch heute im gemeinen leben bei lebhafter rede, ich war so müde, ich konnte nicht weiter gehen. er war so wüthend, er hätte ihn umbringen können.
9.
statt so dasz kann in negativen sätzen dieser art zu mit als dasz und dem conjunctiv gebraucht werden, er spricht zu leise, als dasz man ihn verstehen könnte. er schwätzt zu viel, als dasz man darauf hören könnte. er ist zu unwahr, als dasz man auf seine worte rücksicht nähme. das bett ist zu kurz, als dasz man sich darin ausstrecken könnte. der glanz der sonne blendete zu sehr, als dasz man hätte aufblicken können. er ist zu traurig, als dasz er reden möchte. ein umstand, der zur ehre meiner guten mutter gereicht, ist zu wichtig, als dasz ich ihn vorbeigehen könnte Wieland. mit unrecht gebraucht Gellert hier auch den indicativ, ich bin viel zu redlich, als dasz ich ihr einen mann mit einem so groszen vermögen entziehen will für wollte. Auf diese weise wird auch ein bejahender satz verneinend aufgestellt, er denkt zu edel, als dasz er nicht die wahrheit sagte. er ist zu verständig, als dasz er das herkommen nicht achten sollte. ihr beifall ist mir zu kostbar, als dasz ihn meine eigenliebe nicht mit vergnügen anhören sollte Gellert.
9b.
statt, anstatt dasz ist schon 1, 476 erläutert.
10.
in zeitsätzen. es ist lange her dasz ich ihn gesehen habe. es sind zwölf jahre dasz ich hier wohne. drei nächte dasz ich nicht geschlafen habe. es sind drei stunden dasz er fort ist. in der zeit dasz ich bei ihm war, klagte er nicht.
in disen grôzen êren lebter, daz ist wâr,
und rihte ouch under krône an daz zehende jâr,
daz diu schœne vrouwe einen sun gewan
Nibel. 659.
swer sünden volgt unz an den tac
daz er niht mê sünden mac
Freidank 36, 19.
ich arbeitete bis zu der zeit dasz er kam. bis dahin dasz ich abreise, werde ich beschäftigt sein. während dasz wir bei tische saszen, brach ein gewitter aus. während dasz der körper die linie AE durchläuft Kant 8, 472. indessen dasz er schlief, ward sein zimmer ausgeschmückt. seit dasz er weg ist, habe ich keinen ruhigen augenblick gehabt.
erzeigte sich die hoffnung nicht bei mir
der gütigkeit des herren zu genieszen,
dieweil dasz ich noch bin auf erden hier
Opitz.
ein feiner lauernder zug um den mund und wange, halb physiognomie halb empfindung, schien mehren als nur dem elfenbeinern könig zu drohen, inzwischen dasz adel und freundlichkeit gleich einem majestätischen ehepaar über den schwarzen augenbrauen herschten Göthe 42, 62.
acht höllenbange monde, Roderich,
dasz dieses feur in meinem busen wüthet,
dasz tausendmal sich das entsetzliche
geständnis schon auf meinen lippen meldet
Schiller 246.
jedesmal dasz ich nachricht von Ihnen erhalte, freue ich mich herzlich Ihres andenkens Merks Briefsammlung 1, 155.
die künigin fieng vil kurzweil an
mit dem edlen helden bisz das
die halb nacht schier vergangen was
Theuerd. 94, 46.
bis dasz er wiederkehrt, müssen wir warten. so sol er in der stad wonen bis das er stehe fur der gemeine fur gericht, bis das der hohepriester sterbe, der zu derselben zeit sein wird Josua 20, 6.
und, wie ich eines felsenriffs gewahre,
das abgeplattet vorsprang in den see —
schrie ich den knechten handlich zuzugehen,
bis dasz wir vor die felsenplatte kämen
Schiller 1, 540.
weitere beispiele von bis dasz s. bis 2. ehe, bevor dasz er kam, liesz er sich ankündigen und sprach 'bring mir her Kitzen bald, ee das dein bruder Esau kumpt' Keisersb. Sünden des munds 16ᵃ. sprichestu 'ee daz ich mich bedenk, so bin ich herusz' 52ᵃ. folgt dasz unmittelbar auf dieweil, während, bis, bevor, ehe, indessen, so fällt es gewöhnlich weg, dieweil ich unter euch lebe, während wir bei tische saszen, indessen er abwesend war, bis er wiederkehrt. die alte sprache gebrauchte ebenfalls ê daz, unz daz, sît daz, die wîle daz; vergl. Benecke 1, 321. Göthe läszt während aus und setzt dasz allein,
wie oft trat nicht die herrschaft schon herein —
dasz er noch kletterte, die stangen trug
13, 138.
11.
in finalsätzen steht dasz wie das lateinische ut oder bei verneinungen ne für damit. beispiele aus dem mhd. bei Ben. 1, 324ᵇ. ich hab ein lere von euch gehört, ich solle mein wege behüten, das ich nit misfare in meiner zungen Albr. v. Eybe 13ᵃ. also thun auch die selben follen krüg (säufer), suͦchen wie sie mögen, das sie des lasters abkummen Keisersb. Sünden des munds 10ᵃ. so einer korn hat und hat den sack nicht darzu das er es darin fassen mag 10ᵃ. nun so fragest du 'was ist die arzenei, darmit man die blatter vertreibet, das ich doch des unflats abkäm? 10ᵃ. und asz allein das er sich nicht befleckte mit füllerei 13ᵃ. machet ein arzenei und ein salb ze heilen disse blatter des fraszes, ob ein stück nit helfen wolt das das ander helfe 12ᵃ. gott hat den menschen beschaffen das er im dienen solt 14ᵇ. die eerabschneider seind got heszlich (verhaszt), gott straft soliche eerabschneider hartigklich und zuͦm dickermal, daz sie ire zungen nit mögen bruchen das sie ire sünd beichten und rüwent, so sie des allernottürftigsten wären an irem end 29ᵃ. sie bruchen schmeichlen das sie etwas uberkummen 33ᵇ. aber das ichs nicht gar lasz hingon, so wil ich dir dennocht davon sagen 23ᵃ. ein strauchstein den einer einem darlegt, das er darüber fall 62ᵃ. wan sie uberreden die gemeind, das sie thuͦn das wider got ist, die sol man nit leiden 81ᵇ. geheiligt werd dein nam, das du grosz geachtet und geschetzt werdest von allen menschen 84ᵃ. der herr sprach zu Mose 'recke deine hand gen himel, das so finster werde in Egyptenland das mans greifen mag 2 Mos. 10, 21. las deine wege ferne von ir sein und nahe nicht zur thür ires hauses, das du nicht den fremden gebest deine ehre und deine jar dem grausamen: das sich nicht fremde von deinem vermügen settigen und deine erbeit nicht sei in eins andern haus Sprüche Sal. 5, 8—10. und fuhr tag und nacht, das er ja bald hinkäme 2 Maccab. 9, 4. lasz das volk von dir, das sie hin gehen in die märkte umbher, und in die dörfer, das sie herberge und speise finden, denn wir sind hie in der wüsten Lucas 9, 12.
deshalb ein andre weis ist gwis
zu zämen die wasser und flüsz,
das sie geschlacht und folgig werden
und die leut fertigen on bschwerden.
Fischart Schiff 23.
alle blüthen müssen vergehen, dasz früchte beglücken;
blüthen und früchte zugleich gebet ihr musen allein.
Göthe 1, 399.
dasz ich aber Ihren wunsch, etwas von ihm zu wissen, nicht ganz unbefriedigt lasse, will ich Ihnen wenigstens unsere vermutungen entdecken 10, 30. darum schick ich dir Iphigenien nicht als werk oder erfüllung jener alten hoffnungen werth, sondern dasz sich mein geist mit dem deinigen unterhalte, wie mir das stück mitten unter kümmerlichen zerstreuungen vier wochen eine stille unterhaltung mit höheren wesen war ders. an Jacobi 62.
etwas fürchten und hoffen und sorgen
musz der mensch für den kommenden morgen,
dasz er die schwere des daseins ertrage
und das ermüdende gleichmasz der tage.
Schiller 497ᵃ.
diese construction fordert eigentlich, den conjunctiv wie das lateinische ut oder ne, und so steht es auch immer in der alten sprache, z. b.
daz si deste balder kœmen über fluot,
diu ros si an sluogen
Nibel. 1511, 1.
aber schon im 15ten jahrh. erlaubte man sich auch den indicativ, wan schellen darnach die prediger ein mal, daz man von inen hört die gerechtigkeit Keisersb. Sünden des munds 79ᵃ. dasz einer gunst hat, dazu hilft nicht dasz einer ein ding wol könne, sondern alles liegt an der zeit und glücke Riemer Polit. stockfisch 3. wir wollen sie in die mitte nehmen, dasz ihr das gehen nicht so sauer wird Gellert.
und dasz sein kleines horn die nymphen nicht erschreckt,
es unter rosen schlau versteckt
Wieland
Von dem verstärkenden auf dasz ist schon oben (1, 605) die rede gewesen und sein ursprung aus auf das dasz nachgewiesen; Keisersberg gebraucht beide formen gleich oft. früherhin sagt man auch damit dasz; s. oben sp. 705.
12.
ähnlich in conditionalsätzen, unter der bedingung. er soll das bild haben, doch dasz er es wieder zurück gibt. er soll es hören, doch dasz er nicht davon spricht.
keiner verdienen möcht grosz golt,
das er an einer predig säsz
ein stund, und er des schlofs vergäsz.
S. Brant Narrenschiff 77, 23.
so stehet jedem die lösung frei, jedoch dasz er das ganze gut einlöse Mainzer landrecht 26, §. 1. beispiele aus dem mhd. bei Ben. 1, 321ᵇ.
13.
einige seltnere bedeutungen.
a.
dasz für wenn, falls, gesetzt dasz. so einer korn hat und hat den sack nicht darzuͦ, das er es darin fassen mag, oder hat er sie beide, das korn und den sack, und daz des korns zuͦ wenig ist Keisersb. Sünden des munds 10ᵃ. wan sie bösz von den leuten sagen, und das dieselben darzuͦ kumen, dan so schweigen sie stil und reden kein wort me 67ᵇ. so aber der knab nimpt weder bürsten noch alen in die hant, darusz wirt nümer kein guͦter schuͦmacher. also auch daz ich oder ein anderer prediger euch vil wölt sagen und leren wie man im thuͦn solt, also oder also, und ir wolten das nit me dan zuͦ hören und nit angrifen, das ist alles umbsunst 81ᵃ. wan du wärest ein stum und kuntest nit reden, und das dir got darnach geb daz du reden würdest, so würdest du erst innen das es ein grosze gab wär 82ᵃ. darumb, wann die wort verschwinden und das ein mensch nit weisz was es me reden sol von groszer begierd, so ist das gebet erst an dem allerbesten 84ᵃ.
wer schlüft in esel umb das schmär,
der ist vernunft und wisheit lär,
das er ein alt wib nimbt zur ee.
Brant Narrenschiff 52, 3.
denn das wir euch dis stück wolten einräumen, was woltet ir mit eurem gewissen thun? Luther 4, 376ᵇ
tritt in recht vollem klaren schein
frau Venus am abendhimmel herein.
oder dasz blutroth ein komet
gar ruthengleich durch sterne steht:
der philister springt zur thür heraus.
Göthe 3, 192.
b.
für ob.
daz wart durch daz getân
daz si daz wolten wizzen daz (ob) des küneges wîp
müese mit in dringen
Nibel. 1797.
und dasz (ob auch) der wint so kule wät,
so hat mich noch nie getrorn
Uhland Volksl. 260.
wir haben unserseits darauf gedacht, das nicht ein bequemer weg und mittel auch keis. majest. ausschreiben gemäs solt sein Luther 5, 108ᵇ.
c.
als ob, als wenn für dasz. er hat meinen vater überreden wollen, als ob ich ihn liebte und als wenn du hingegen den herrn Damis liebtest Gellert.
14.
man sagt dasz ich es nicht vergesse, der fremde ist angelangt, dabei wird verstanden bemerke ich, sage ich, füge ich hinzu. dasz ich nichts verheimliche, sie ist verlobt. dasz er nicht irre geht, es kreuzen sich zwei wege. durch verdacht, verdrusz — irre geführt, durch heftiges treiben aufgeregt und, dasz wir das letzte sagen, durch ein unheilbares körperliches übel gepeinigt Göthe 6, 208.
Ruysum (invalide und taub). dasz ich euch sage!
Soest. wie ists, alter?
Ruysum. dasz ich euch sage! er schieszt wie sein herr,
er schieszt wie Egmont.
8, 170.
ich bin verdrieszlich, dasz ich dirs gestehe,
und lieber sag ich dir dasz ich es bin
9, 220.
es steht auch zu oder um zu mit dem infinitiv, ferner davon zu reden, der mensch ist erschaffen aus stawbe Albr. v. Eybe 42ᵃ. nicht zu vergessen, meine herren, ein könig nährt seine leute Göthe 8, 170. Noch weiter geht Fischart, und dasz noch wol ein anders ist, welches dem ein aug ausbeiszt Bienenkorb 123ᵃ, d. h. und damit man sehe dasz noch wol ein anderes ist, so will ich ein beispiel anführen, welches das vorige bei weitem übertrift. Eine ellipse anderer art bei Logau,
tugend ist so treflich schön, (wie kommts) dasz sie dann die welt nicht liebet?
weil sie alt, so schämt sie sich, so sie sich aufs lieben gibet.
2. 84, 27.
Schwerlich aber ist die redensart dasz ich weisz, dasz ich wüste für soviel ich weisz, oder die verneinung, dasz ich nicht weisz, nicht wüste elliptisch zu verstehen. wahrscheinlich ist sie aus dem lateinischen quod sciam entstanden und dasz steht für das relativum das. er ist, dasz ich weisz, schon abgereist. war er zugegen? nein, dasz ich nicht weisz, dasz ich nicht wüste. er hat, dasz ich nur weisz, schon sechs häuser gekauft. niemals, dasz ich wüste, hat mich das vorurtheil für diejenigen, die ich liebe, blind gemacht Wieland. 'nicht dasz ich wüste' sprach der junge fürst ders. Oberon 10, 34. die Römer haben ihr jus publicum, dasz wir wüsten, nie wissenschaftlich abgehandelt G. Hugo Encyclopädie 1835) 69. die redensart hat etwas gesuchtes und pedantisches und wird nicht oft angewendet: ganz gut ist sie dem humoristischen Papageno in den mund gelegt,
A. Sarastro? wo habt ihr Sarastro gesehen?
Papag. in unsern gebirgen.
A. er suchte kräuter?
Papag. nicht dasz ich wüste.
Göthe 11, 124.
auch gebraucht sie Jerem. Gotthelf, scheint also in die sprache des volks gedrungen zu sein, öppe appart schlechter als andere leute seien sie denn doch nicht, dasz es würste, sagte Anne Marei Schuldenbauer 65. Stieler, Frisch und Steinbach scheinen sie noch nicht zu kennen, und sie mag erst in der zweiten hälfte des 18 ten jahrh. aufgekommen sein.
15.
leicht erkenntlich ist die ellipse, wenn dasz vor einer ausrufung steht, die meist einen guten oder bösen wunsch enthält. so sagt man dasz gott erbarm! dasz ihn meine augen nie erblickt hätten! dasz er den mund nicht aufthäte! dasz man nicht von ihm lassen kann! dasz er sich offen zeigte! dasz er endlich zu mir käme! dasz wir nur nicht überrascht werden! dasz er immer schweigt! man versteckt scherzhaft und mildernd den vorwurf mit dem ausruf dasz dich das mäuschen beisze! dasz dich der guckguck hole! nicht selten im mhd.
daz der mennisch sus brôdis!
Athis A, 20.
daz Perithêus ist irslagin!
A, 17.
daz ich ie wart alsus wîs
an der liebe und an der leide!
und daz ich armir man sie beide
alsô rehte wol irkenne!
A, 41.
pfî daz er ie wart geborn!
Heinr. v. Rücke MSHag. 3, 468ᶜ.
daz er ie in diz lant quam,
daz im got geswîche!
Veldeke Äneide 303, 14.
daz die niht solten leben, die si ê hânt getragen!
Klage 1262.
tôt, daz du mich nu kanst sparn!
Wolframs Wilh. 61, 12.
daz die vor den kirchen lægen (als kranke bettler).
Rudolf v. Rotenburg MSHag. 1, 75ᵃ.
daz dich glücke sælic tuo!
Konr. v. Würzburg Troj. krieg 13513.
armez herze, daz du bist so veste!
Rabenschlacht 918.
daz iuch mîn engel grüeze!
Kolocz. 102.
daz dîn der tiuvel müeze pflegen!
Lieders. 3. 8, 245.
daz dich der hasehart verzer!
Haupts zeitschr. 1, 576.
daz dich hasehart schende!
Malagis Heidelb. hs. 58ᵃ.
andere beispiele bei Benecke 1, 321.
wafen, das ich ie ward geporn!
Fastnachtsp. 280, 9.
der narr ward uszgejagt von den dienern und fluͦchten im 'wol usz nar, das dich die truͦsz (drüse) musz angon!' Keisersb. Sünden des munds 34ᵇ.
und dacht 'das dich der teufel hol!'
Ringwald G vb.
das dich der unlust hol!
L 16.
dasz doch immer die alte hexe dabei sein musz!
Gellert.
nein, dasz ich mich nicht mit den advocaten einliesze!
ders.
ich weisz nicht, dasz ich heute allen so verdächtig vorkomme!
ders.
dasz ich mit ihnen drüber stritte!
Lessing 2, 144.
dasz sie recht haben!
2, 162.
warte doch, Al-Hafi.
entläuft dir denn die wüste? warte doch.
dasz er mich hörte!
2, 212.
ach dasz mich doch niemand will in die hölle holen! mich heiraten! 2, 391. dasz er doch aus dem buch der lebendigen vertilgt würde! ders. dasz ich ihn doch nimmermehr wiedersehen dürfte! ders. o dasz ich nicht längst einen freund Ihres gleichen gehabt habe! ders.
auf sein versprechen, herr, mag es ein andrer wagen,
dasz ich kein narre bin!
ders.
dasz doch alle mannspersonen nichts glauben wollen! Gellert 2, 149.
dasz doch dem geist den zorn der könige versöhne,
der jetzt die welt verherrt!
Ramler.
dasz ich leben muste um ein zeuge eines solches greuels zu sein! Wieland 8, 187. 188. dasz ihn der teufel mit seiner fuchtel! Engel Der dankbare sohn 30. dasz du auf dem blocksberg wärest! Lichtenberg 6, 201.
dasz man doch zu seiner qual
nimmer es vergiszt!
Göthe 1, 111.
dasz man so veränderlich ist! 10, 54.
dasz man es fände wie er erzählt!
40, 193.
dasz gott ihn strafen wollte!
Schiller 26ᵃ.
dasz er noch lebte!
ich gäb ein Indien dafür.
305.
16.
im mhd. wird nicht selten der klagenden ausrufung noch die interjection vorgesetzt,
ouwê daz ich einer rede vergaz!
Reinmar MS. 1, 66ᵇ.
ouwê daz mir niemen ist als ich im bin!
68ᵇ.
ouwê daz ich ie wart geborn!
Iwein 1469.
ouwê daz diu guote
in selhem muote
ist sô rehte wünneclich!
1681.
owê daz ich der trüge ie künde an in gewan!
Walther 31, 10.
owê daz man si niht vermîdet!
44, 32.
owê daz dîn wirde alsô geliget!
64, 35.
owê daz ez nieman tuot!
65, 8.
owê daz ichz ie gesach!
67, 33.
ouwê daz ich niht fluochen kan!
73, 26.
owê daz wîsheit unde jugent
des mannes schœne noch sîn tugent
niht erben sol, sô ie der lîp erstirbet!
82, 24.
owê daz man dem einen an ir drîer stat nû nîgen muoz!
102, 26.
owê daz ie der tag erschein,
bî des liehte disiu nôt geschach!
Parzival 526, 12.
ach erscheint in der alten sprache an dieser stelle nicht, aber ach dasz utinam zeigt sich bei Luther schon häufig, des morgens wirst du sagen 'ach das ich den abend erleben möchte!' des abends wirst du sagen 'ach das ich den morgen erleben möchte!' 5 Mos. 28, 67. ach das ich wäre umbkomen und mich nie kein auge gesehen hätte! Hiob 10, 18. ah das gott mit dir redet und thet seine lippen auf! 11, 5. ah das du mich in der helle verdecktest und verbergest bis dein zorn sich lege, und setzest mir ein ziel, das du an mich denkst! 14, 13. ah das sie müssen sein wie das gras auf den dechern, welches verdorret, eh man es ausreuft! Psalm 129, 6. ah das du den himel zurissest und fürest herab das die berge zerflössen, wie ein heisz wasser vom heftigen fewr verseudet! Jesaia 64, 1. ach dasz ich dazu geboren bin! 1 Maccab. 2, 7. ach dasz an diese geliebte person die schicksale so vieler personen geknüpft sind! Göthe. ach dasz die freundin meiner jugend dahin ist! ach dasz ich sie je gekannt habe! 16, 12. Bei einem wunsch fügen wir gerne die interj. o hinzu,
o dasz es (das bild) auch dorthin mich begleite,
wo sich das leben wilder nun bewegt!
Göthe 45, 81.
o dasz sie ewig grünen bliebe,
die schöne zeit der jungen liebe!
Schiller 77.
17.
ausrufungen werden leicht formelhaft, und formeln pflegt man oft nur halb auszusprechen. man sagt dasz gott! für dasz gott erbarm! aber, dasz gott! meine pferde die armen thiere stehen noch gesattelt Lessing 1, 321. dasz gott! Sie sind auch gar zu stürmisch 2, 388. aber dasz gott! was wird mein vetter dazu sprechen? 2, 406. ach dasz gott! Lelio 2, 411. verwünschungen mildert man durch einen unbestimmten ausdruck, dasz dich die raben fressen! statt dasz du am galgen hiengest! (pascere corvos in cruce bei Horaz) Stieler 1495. man läszt aber auch das verbum weg. dasz dich der guckuck!
noch will er (das in all die raben!)
allzeit für uns vorteil haben
Ringwald l. W. 332.
ähnlich,
das euch die gicht (packe)!
ihr habt mich nicht recht unterricht
270.
der eine spricht 'das dich die macht! (?)
du hast mich in die not gebracht
ders. t. E. Fvb.
Man spricht den namen des teufels nicht gerne aus, dasz dich der und der! dasz dich dieser und jener! s. unter der und dieser. oder man entstellt das wort, dasz dich der deuker! dasz dich der deikert! deutscher! hört man im volk, s. deikert. Man geht noch weiter, bei einer überraschung oder verwunderung genügt dasz dich! man ruft dasz dich! er ist fort, er ist entwischt.
ei das dich! ei das dich! ei das dich!
Fastnachtsp. 186, 11.
'dasz dich!' rief der alte Engel Lorenz Stark c. 13. dasz dich! potz schlapperment, ist das der grosze schatz? Arnim Schaubühne 2, 69. oder das substantiv allein, der henker! heiszt 'dasz dich der henker hole!' der geier! dasz dich der geier fresse! Christ. 'je vous aime' würde ich sagen, wenn Sie eine französische marquisin wären. Lisette. der geier! Sie sind wol gar ein Franzose? Lessing 1, 321.
18.
bei proportionalsätzen wird zuweilen nach dem comparativ ein überflüssiges dasz zugefügt, je tiefer dasz man gräbt, je lohnender die ausbeute. je höher er steigt, je übermütiger dasz er wird.
man wird nur tiefer dumm je tiefer dasz man sinnt.
Göthe 7, 102.
sein stolzer hunger wächst je mehr dasz du ihm gibst
7, 16.
19.
man fügt dasz ohne noth, nur des nachdrucks wegen, zu einigen partikeln, wo eine von beiden wegfallen kann, man hat nachricht erhalten wie dasz die ganze stadt abgebrannt ist. schon in der alten sprache, doch selten; Benecke 1, 321 hat keine beispiele.
diu frouwe enwesse rehte wie
daz si ir den list erdæhte
unde in von dem willen bræhte
Parzival 126, 17.
im 14ten jahrhundert,
gar bald si da vernamend
von Sempach usz der burg
wie das deidgnossen kamend.
W. Wackernagel Lesebuch 1. 923, 3.
und in dem briefe stuont wie das got erzürnet wäre über der welte sünde 935, 5. im 15ten jahrhundert,
das ward den eidgnossen geseit
und wie das Murten wer beleit
1051, 18.
der sun clagt dem herren seinem vatter wie das der schuͦlmeister im ze hart sei Keisersb. Sünden des munds 67ᵃ. öfter im 17ten jahrhundert,
und schlägt beherzt den feind, wie dasz (damit) er lob erwirbt
Opitz.
herr, wie dasz du so bedenkst den sterblichen!
ders.
dieses kennzeichen meines andenkens sol ihm, wie dasz ich ihn nie aus dem sinne und gedanken fallen lasse, vergewissern Butschky Kanzlei 29. ich habe dem herren so vilfaltigmal gesaget wie dasz ich sein diener 30. ersehe ich aus deinem brieflein wie dasz dir u. s. w. 409.
der vierte macht geschrei,
wie dasz sie an geduld der Lea schwester sei
Scultet.
bei wenn, wann,
er sprach 'ir sult gedenken wes mir swuor iwer hant,
swenne daz vrou Prünhilt kœme in dize lant
ir gæbt mir iwer swester'
Nibel. 562.
wenn dasz du auf dein pferd erhitzt gesessen bist
Opitz.
wenn dasz dein herze nun die groszen thaten siehet
ders.
soll immer eines sein, nicht zittern und nicht flehn,
wie kleine kinder thun, wann dasz sie larven sehn.
ders. 3, 294.
bei wo,
wirf alles das was welt ist von dir hin,
wo dasz du willt was göttlich ist erlangen
Opitz.
wo dasz wir etwa gehen wollen,
so schlieszen sie uns mitten ein
ders.
20.
im mhd. findet sich dazs für daz si, dasz für daz ez (Iwein 2352. Wolfr. Wilh. 275, 3), so steht dasz das für das es häufig im 15ten und 16ten jahrhundert, z. b. und sol es doch sagen mit vernunft, dasz nit schaden bring Keisersberg. und wil das schwert hinder sie schicken, bis das aus mit inen sei Jerem. 9, 16.
werden wehe klagen und auch brallen
das in dem himel wird erhallen.
Körner Hist. volkslieder 298.
auch noch jetzt, man sagt dasz (es) gott erbarm! der steht in einem andenken bei hof und überall, dasz nicht zu sagen ist Göthe 42, 59.
da schieszen die Preuszen dasz donnert und blitzt.
Soltau 595.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 811, Z. 24.

dem

dem,
s. der.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 916, Z. 51.

deme

deme,
s.dehme.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 918, Z. 76.

den

den,
s. der.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 925, Z. 3.

der, die, das

der, die, das.
I.
demonstrativum. singl. masc. der, des, dem, den. fem. die, der, der, die. neutr. das, des, dem, das. pl. comm. die, der, den, die is ea id. goth. demonstr. masc. sa, þis, þamma, þana: pl. þái, þizê, þáim, þans. fem. sô, þizôs, þizái, þô: pl. þôs, þizô, þaim, þôs. neutr. þata, þis, þamma, þata: pl. þô, þizê, þaim, þô. das relativum wird durch das suffix ei gebildet, saei, sôei þatei u. s. w. Gramm. 3, 15. ahd. masc. der, des, demu, den: pl. diê, derô, dêm, diê. fem. diu, derâ, deru, dia: pl. diô, derô, dêm, diô. neutr. daz, des, demu, daz: pl. diu, derô, dêm, diu. mhd. masc. der, des, dem, den: pl. die, der, den, die. fem. diu, der, der, die: pl. die, der, den, die. neutr. daz, des, dem, daz: pl. diu, der, den, diu. alts. masc. thie, thes, themu, thena: pl. thiâ, therô, thêm, thiâ. fem. thiu, thera, theru, thia: pl. thiâ, therô, thêm, thiâ. neutr. that, thes, themu, that: pl. thiu, thero, thêm, thiu. altfries. masc. thi, thes, thâ, thene. fem. thiu, there, there, thia. neutr. thet, thes, thâ, thet. pl. aller geschlechter tha, thera, thâ, tha. mittelniederl. masc. die, des, den, den. fem. die, der, der, die. neutr. dat, des, den, dat. pl. aller geschlechter die, der, den, die. neuniederl. masc. die, diens, dien, dien. fem. die, dier, dier, die. neutr. dat, diens, dien, dat. pl. aller geschlechter die, dier, dien, die. angels. masc. se, þäs, þam, þone. fem. seó, þäre, þäre, þa. neutr. þät, þäs, þam, þät. pl. aller geschlechter þa, þara, þâm, þa. engl. that unverändert für alle geschlechter und casus. altn. masc. sâ, þess, þeim, þann: pl. þeir, þeirra, þeim, þâ. fem. sû, þeirrar, þeirri, þâ: pl. þœr, þeirra, þeim, þœr. neutr. þat, þess, þvî, þat: pl. þœ, þeirra, þeim, þœ. schwed. masc. und fem. den, dens, den, den. neutr. det, dets oder dess, det, det. pl. aller geschlechter de, dêras, dem, de. dän. ebenso, nur im gen. pl. dêres.
A.
In verbindung mit einem subst., wo es den ton hat. das wird gedehnt ausgesprochen, Luther führt an das ist mein leib und bemerkt dabei folgendes 'das ist ein pronomen und lautet der buchstab a drinnen stark und lang, als wäre es geschrieben also, dahas, wie ein schwäbisch oder algauwisch daas lautet; und wer es höret, dem ist als stehe ein finger dabei der darauf zeige' 3, 67. dieses dâs ist noch heute in südlichen wie in nördlichen landschaften gebräuchlich, in Frankfurt, in Baiern (Schmeller 1, 401) hört man dês, im Östreichischen dœs.
1.
ohne nachfolgenden satz, der tag war zu dem fest bestimmt. die freude kam unerwartet. dem mann vertraue ich nicht. der sängerin kann man einen kranz reichen. wer kennt die frau? bis auf den tag habe ich gewartet. bis an den baum gelangte er noch. den augenblick habe ich ihn noch gesehen. mit den blonden locken, das kind ist das meinige: das dort. die jahre über war er nicht hier. nun weisz ich doch die stunde (bis auf diese stunde) nicht, wie Sie dieses tagebuch aufgenommen haben Rabener 6, 115.
der eine hat die, der andere andere gaben.
Göthe 40, 260.
es steht wie dieser, diese, dieses, was man insofern lieber gebraucht als es der verwechselung mit dem artikel gleich vorbeugt. besondern nachdruck erhält es bei ausrufungen, doch bleibt dem subst. der hauptton. dér held! dér narr! díe unsinnige! im mhd. wird das persönliche pronomen gesetzt, er stahel! er küene! weitere beispiele in der Grammatik 4, 443. es wird sogar hinter dem subst. wiederholt, der grobian der! die nichtswürdige die! das ungezogene kind das!
der fuchsschwänzer der!
Gotter 3, 171.
der balg der!
Göthe 7, 93.
die neider die! die kränker die! Klinger 4, 124. für solcher, solche, solches. der mann führt das nicht durch. in dem alter unternimmt man keine grosze reise mehr. in den jahren wird der wein nicht feurig. in den zeiten gedeiht nicht kunst und wissenschaft. mit den gründen überzeugt man keinen.
2.
folgt ein darauf sich beziehender satz, so steht es wie derjenige, diejenige, dasjenige, das man jedoch in der verbindung mit substantiven nicht gerne setzt. es wird dann nicht betont, auszer bei gegensätzen, und gleicht dem artikel. das ist der mann, den du suchst. es ist die mutter des kindes, das gestern ertrunken ist. ich habe das geschenk dem kind gegeben, das zuerst zu mir kam. ich achte die männer, die sich entschlossen zeigen. ich lasse von den freunden nicht ab, die sich treu erwiesen haben. und als sie kamen an die stet, die im gott saget, bawet Abraham daselbs einen altar 1 Mos. 22, 9. da schrieb er auf die tafeln, wie die erste schrift war, die zehen wort die der herr zu euch redet aus dem fewr auf dem berge 5 Mos. 10, 4. der stein den die bauleute verworfen haben, der ist zum eckstein worden Marc. 12, 10.
B.
Allein stehend nimmt es substantivische natur an, es tritt aber dann im nhd. in der flexion des gen. sing. und pl. wie des dat. pl. eine veränderung ein, wovon sich in der alten sprache keine spur zeigt. die betonung allein schien nicht mehr zu genügen, man erweiterte die flexion.
gen. sing. dessen, deren, dessen.
gen. pl. aller geschlechter deren und derer.
dat. pl. denen.
ähnlich ist der genitiv wes in wessen erweitert worden. dem gen. pl. hängt Philander v. Sittew. noch ein d an, etliche sind verliebt in ihre weiber, und derend sind am wenigsten zu finden 1, 26. ähnlich in derenthalben, derentwegen, derentwillen. es trat aber eine unterscheidung zwischen deren und derer ein, steht der gen. pl. blosz demonstr. oder blosz relativ, so wird deren gebraucht. es lagen Spanier hier, deren erinnere ich mich sehr wol. sei denen freundlich, deren liebe du genieszest.
rasch war ihm der Abanter geleit.
deren folgt ein geschwader von vierzig dunkelen schiffen
Voss Ilias 2, 545.
der alte fromme herr verständigte mich dasz diese mücken, wenn deren im paradiese gewesen, daselbst nur angenehm gesummet und nicht gestochen Göthe. was entwürfe zu monumenten aller art betrifft, deren habe ich viele gesammelt, und zeige sie gelegentlich 17, 205. was fang ich mit den leuten an, deren seelen so gleich als ihre sackuhren gehen? Schiller 188ᵃ. folgt dagegen auf das demonstr. ein relativer satz, wo es soviel als derjenige heiszt, so sagt man derer. du bist die freude derer, deren sorge du auch bist. urtheile daraus von dem geiste derer, welche uns als abtrünnige betrachten Mosheim. die abschaffung derer gesetze, welche die republik in beziehung auf sie gegeben hat Klopstock 12, 28. 209. die misgunst derer, die das übermasz meines glückes beleidigte Wieland.
doch derer die ich kenn, ersetzt ihn keiner
Rückert.
früherhin machte man diesen unterschied nicht,
der herr, der helfer aller deren (statt derer)
die ihn anrufen, lieben, ehren
Weckherlin 4.
die leuen, derer (statt deren) general ein hirsch ist Butschky Patmos 680. Der gebrauch des gen. sing. fem. ist etwas eingeschränkter, man sagt zwar ich habe damals eine frau gesehen und erinnere mich deren lebhaft, aber folgt ein relativum, so läszt man deren nicht zu. man sagt nicht sie ist die mutter deren, die ihr gestern gesehen habt, weil man es mit dem gen. pl. verwechseln könnte: man sagt derjenigen oder wiederholt das substantiv. dagegen beim masc. kann kein bedenken sein, er ist der sohn dessen, den ihr gestern gesehen habt. So ist die heutige regel, wir müssen untersuchen wann die erweiterte form zuerst sich zeigt und wie sie vordringt, nicht blosz bei dem demonstrativum und relativum, auch bei dem artikel.
a.
in dem 14ten jahrh. ist sie noch unbekannt, der Suchenwirt, der Wolkensteiner, die Theologia deutsch gebrauchen sie nicht. erst in der zweiten hälfte des 15ten taucht sie auf.
das was do niemant anders schuld
dann deren, die da dienten.
Wittenweiler Ring 36ᵃ, 34.
Haym von Greczingen
cham ouch zu denen dingen
51ᵈ, 39.
des cham zu denen stunden
einer mit dem messer sein
53ᶜ, 30.
dessen gebraucht Wittenweiler nicht, sondern immer des. auch bei Keisersberg ist des die regel, zuweilen dessen. und solt warnemen dessen, dem du das sagst Sünden des munds 27ᵇ. sie achten dessen alles nüt 29ᵃ. und rümen sich dessen 37. sogar desses, das geschicht in drei weg, des beichtvaters halb, desses, der da beichtet und disses halb, der es sunst höret 71ᵇ. umgekehrt gilt bei ihm deren gen. f. und pl. als regel und kommt auf jeder seite vor, der ist selten, nur davon einige beispiele, aber die geistlichen blattern, der fünf und zwenzig sein 3ᵇ. so die reben blüend, der seind vil in dissen landen 45ᵃ. ebenso verhält es sich mit denen, z. b. das thuͦt er (der arzt) denen nit, an denen er nit verzweiflet hat, denen verbütet er gar vil 18ᵃ. einmal den neben denen, aber Roboam erwelet jung reth, den volget er, gleich darauf, denen volget Roboam 59ᵇ. Seb. Brant gebraucht des Narrensch. 26, 34. 68, 15. 73, 3. 88, γ. 96, 15. 111, 23. 112, 4, aber denen und deren.
denen kunst art und mosz gebrist
Narrensch. protest. 20.
do er nun deren vil angeben het Brant bei Steinhöwel 151. Cyrillus von denen hat aber ein Griech nit geschrieben Vorr. bi denen das. Murner allen denen die es uns sagen Luth. narr 117. Pauli wie vil seind deren, die da haben die fuesz der begird zuo der bösen gsellschaft Schimpf und ernst L 3. Theuerdank des und denen,
da vil vögel waren,
zu denen der Tewrdank pirschet
58, 47.
Schwarzenberg des und der,
tugent pflanzen ist mein art,
der frucht plüt nicht auf wilder haid;
ir bawung bringet ewig fraid
150, 2.
von mannen, weiben, junkfraw rein,
der leiden ist so gar gemein
156, 2ᵇ.
Luther schreibt allzeit des. wer menschen blut vergeusset, des blut sol auch durch menschen vergossen werden 1 Mos. 9, 6. des bruder hiesz Jaketan 10, 25. laszt uns eine stad und thurn bauen, des spitze bis an den himel reiche 11, 4. warumb lachet des Sara? 18, 13. von dem man bin ich schwanger, des dis ist 38, 25. des verwunderten sie sich unternander 43, 33. die frucht alle des, das in irem lande ist 4 Mos. 18, 13. unser freund, bei des dirnen du gewesen bist Ruth 3, 2. des wil ich sein und bei im bleiben 2 Sam. 16, 18. herr gott, des die rache ist, gott, des die rache ist, erscheine Psalm 94, 1. Luther gebraucht auch nicht deren und derer, sondern das mhd. der und, wobei das ahd. derô nachwirkt, den gen. pl. dere; vergl. unten dero. zuerst beispiele von der. welche seele der eins anrüret, die ist unrein bis auf den abend 3 Mos. 22, 6. der war sechsmal hundert tausent 4 Mos. 1, 46. ir solt der keins thun, das wir heute alhie thun 5 Mos. 12, 8. du weist alle die bosheit, der dir dein herz bewuszt ist 1 Könige 2, 44. denn der ist mehr, die bei uns sind denn der, die bei inen sind 2 Könige 6, 16. lasz dein wort auch sein wie der einen 2 Chron. 18, 12. die mich on ursach hassen, der ist mehr, denn ich har auf dem heubt habe Psalm 69, 5. ewig wird die schande sein, der man nicht vergessen wird Jerem. 20, 11. beispiele von dere. es ist nicht ein geschrei gegen ander, dere die obligen und unterligen 2 Mos. 32, 18. denn welche diese grewel thun, dere seelen sollen ausgerottet werden von irem volk 3 Mos. 18, 29. zuschlage den rücken dere, die sich wider in auflehnen, und dere, die in hassen 5 Mos. 33, 11. und gab sie in die hand dere, die sie raubten Richt. 2, 14. das sind die namen dere, die im zu Jerusalem geboren sind 2 Sam. 5, 16. und strewet sie auf greber dere, die inen geopfert hatten 2 Chron. 34, 4. nach dem rat des herrn und dere, die die gebot unseres gottes furchten Esra 10, 3. du heiland dere die dir vertrawen Psalm 17, 7. umb der bosheit willen dere die drinnen woneten 107, 34. und wil sie geben in irer feinde hand und dere, die inen nach dem leben stehen Jerem. 34, 20. vergl. deretwegen. dagegen häufig der dat. pl. denen, z. b. das sind die drei söne Noah, von denen ist alles land besetzt 1 Mos. 9, 19. von denen sind ausgebreitet die leute auf erden 10, 31. gedenk an deinen diener Abraham, Isaac und Israel, denen du bei dir selbs geschworen und inen verheiszen hast 2 Mos. 32, 13. alle weise menner, denen der herr weisheit und verstand gegeben hatte 36, 1. und stunden oben an unter denen die gezelet waren 4 Mos. 7, 2. denen der viel ist solt ir deste mehr zuteilen und denen der wenig ist deste weniger zuteilen 33, 54. so gehet es alles denen die gottes vergessen Hiob 8, 13. und erhöhet mich aus denen die sich wider mich setzen Psalm 18, 49. wol denen die in deinem hause wonen 84, 5. doch ist ja seine hülfe nahe denen die in fürchten 85, 10. bei denen die mir zugehören 101, 5. sehr selten das alte den. die aber guts denken, den wird trew und güte widerfaren Sprüche Sal. 14, 22. es sind gerechten, den gehet es, als hetten sie werk der gottlosen, und sind gottlose, den gehet es als hetten sie werk der gerechten Pred. Sal. 8, 14. das es kriegen die eisenfresser, den es nie gedacht ist Luther 5, 413. merkenswerth bei dem Schweizer J. Ruff desi,
das wirt uss desi worten schin
Etter Heini vorsp. 435.
wir nemens an und desi z'vil
act 1. 627.
ebenso bei Maaler desse wil ich geschweigen 89ᵈ, was Henisch 681 von ihm hat. bei Albert Kranz Dänemärk. chronik (1545) in desse für indes 96. Hans Sachs schwankt, braucht aber die erweiterte form seltner.
sie komen, lerman, lerman, her her!
stecht todt! slagt todt! schont keiner der
3. 1, 228ᶜ.
sambt denen, so hie bei im ston
1. 1, 16ᶜ.
von denen du hast gesaget hie
4. 1, 20ᵃ.
da, mein Abner, warumb des nit?
4. 1, 4ᵈ.
der auch het theil am raube da,
dessn die merräuber theten erlangen
5. 2, 31ᶜ.
des danket der arm sünder got
5, 5ᵇ.
des frew ich mich von herzen sehr
5. 2, 33ᵇ.
bei Fischart des und dessen, auch deren.
des uns hast dise nacht beraubt
Schiff 200.
sal, des thurn man noch schaut
254.
solten sie billich des genisen
960.
aber ich tröst mich dessen Garg. 30ᵃ. dessen entschuldigt er sich aufrichtig und redlich das.
dessen sich mancher gewundert hat
Schiff 827.
die hosenbendel waren eben der farb, deren die armband und händschuch (waren) Garg. 281ᵇ. Fuchs Mückenkrieg des 1, 834. 3124. dessen 1, 61. deren 1, 77. 748. 912. denen 3, 487.
Teutischland (sags mit vergunst)
begabet ist mit mancher kunst,
derer (statt deren) sichs gar nit schemen thar.
P. Melissus 1tes lied.
und die die ihre bleiben,
die künnen sich denn schreiben
für freunde derer leute,
dran zeit hat keine beute
Logau 3, s. 163.
zwischen den beiden cirkeln fein,
deren der ein umb den meerstern
her gehet bei den zweien bern
Ganskönig F v.
dessen erschrack herr Simpel gar sehr
Eselkönig 253.
eine schlange tödten und dessen jungen erhalten Olear. Rosenthal 1, 5. die überzeugung des, so man sihet Joh. Arndt wahres Christenthum. in dem 18ten und 19ten jahrh. steht der gebrauch von deren, derer und denen ziemlich fest. bei Göckingk einmal das alte der,
denn ich bedarf der keines
3, 201.
und ein paarmal bei Göthe,
die krone der mein fürst mich würdig achtete
9, 156.
dasz du in alles was uns umgibt heil- und linderungskraft gelegt hast, der wir so stündlich bedürfen 16, 139. auch des ist nicht ganz verschwunden, aber da Adelung darin eine kürzung von dessen erblickt und sogar das alte der und den aus derer und denen zusammenschrumpfen läszt, so schreibt man es gewöhnlich aber mit unrecht desz. es ist nicht blosz desgleichen deshalb deswegen deswillen u. s. w. zu schreiben, statt deszgleichen deszhalb deszwegen deszwillen, sondern auch in folgenden stellen des anzunehmen,
die tochter desz, der einst ein bundsgenosse
der Römer war
J. El. Schlegel.
ihn läszt gütiges lob oder unsterblichkeit
desz, der ehre vergeudet, kalt
Klopstock.
dasz unser gott uns leben gab,
desz wollen wir uns freuen
Stolberg.
alles bösen, das geschehen ist, desz klagen dich der sultan und sein volk an Klinger 7, 226.
desz wird herr Jupiter ergrimmt
Göthe 13, 4.
desz wird der mutter angst und bang
13, 73.
was einer noch so emsig griffe,
desz hat er wirklich schlechten lohn
41, 46.
desz ungeachtet 45, 44. desz war die thüre schuld 47, 85.
mögen nicht ertragen die gegenwart
desz der die donner wirft
Schiller 16ᵃ.
dessen mit zugefügtem t in dessenthalben, dessentwegen, dessentwillen, ebenso derenthalben, derentwegen, derentwillen.
b.
es fand noch eine weitere ausschreitung statt. man erlaubte sich auch im dat. sing. fem. deren für der. häufig schon bei Keisersberg. dise blatter ist in dem herzen und nicht in dem mund, von deren ich hie reden Sünden des munds 19ᵃ. was thuͦt die am (amme), deren ein kind verdingt ist? sie seuget das kind 32ᵇ. eerabschneider seind auch die feigel (feile), mit deren man den roscht (rost) dannen feigelt 33ᵃ. warnemung der schnödigkeit, in deren die schmeichler seind 34ᵃ. da er den weg zuͦ der statt kam, in deren bös knaben waren 38ᵇ. das lachen ist ein bott der thorheit, zuͦ deren bringt der spottvogel die leut 54ᵃ. so wär er gefallen in die gruͦb der verzweiflung, deren er ganz nah war 55ᵇ. eine besundere tracht, die uns zuͦ dem letsten dar gesetzt würt, von deren wir ganz gesettigt werden 83ᵇ. darumb ist Christus der herr der warheit nach seiner ewigen gotheit, an deren wir werden gestan ders. Seelenparadies cap. 18. mit der weil, mit deren du hinuf steigest, steig auch abe S. Brant bei Steinhöwel 50. des (des hermaphroditen) gestalt was, in deren der vater und mutter mochten erkannt werden 171. nun hab ich ie nit von hinnen künnen scheiden, ich hab mich dann mit euwer gnaden abgeletzet. habe deren zu lieb ein news liedlin gedicht, so euwer gnad das begert zu hören, wolt ichs deren zuͦr letze singen Wickram Rollwagen bl. 8ᵇ. die magd deren man den dorn auszzog Fischart Garg. 15. gnädigster herr, es ist ewer majestät ehr, deren kompts zum besten. gott wöll deren alle wolfart mehren 224ᵇ. es eröffnet sich zu dieser unsrer zeit unter geringen leuten eine sucht, in deren die patienten — gleich rittermäszige herren und adeliche personen von uraltem geschlecht sein wollen Simpliciss. 1, 1.
o fürstin, deren sich
ein solcher fürst verbunden
Weckherlin 361.
verzeihet mir, dan ich nam euch
für Myrta, deren ihr gar gleich
392.
diese unorganische form ist jetzt verschwunden.
c.
ferner wird deren und denen, zumal in dem 17ten jahrhundert, in verbindung mit substantiven verwendet. ist es, das du gott nit dankbar bist deren guͦtthaten die er an dir bewisen hat, so ist es alles verloren Keisersb. Sünden des munds 84ᵃ. nun zum dritten und letzten von denen stücken, die in die salb gehören, damit man dise blatter heilen soll 25ᵇ. ich red allein von denen die nit oberkeit an inen habent, von denen menschen red ich hie 70ᵃ. ein jeglicher redt von dem das er gelernt hat, und von denen dingen, damit er zeschaffen hat 77ᵃ. so du aber ausz unsichtlichen dingen an gott denkest, von deiner eigenen sel, von denen dingen die in got seint 89ᵃ. ich frag denen dingen nichts nach haec non curo Maaler 89ᶜ. ein ungezweifelte wahrhaftige zuversicht derer dinge die man hoffet J. Arndt Christenthum.
wie weise sonsten gleich ward Salomo geachtet,
so hat er doch in dem nicht alles recht betrachtet,
dasz derer dinge zahl, die niemals werden satt,
die steuer er nicht auch noch beigesetzet hat.
Logau 1. 128, 27.
freude derer leute,
dran zeit hat keine beute
2. 261, 31.
ein gott musz er wol sein, denn auch in denen sachen,
die unbeseelet sind, da übt er seine kraft
Fleming 1, 154.
noch in neuerer zeit, Sie werden einige davon in folgenden fragmenten aus denen briefen finden, die wir in unserer ehe an einander geschrieben haben Klopstock 11, 11. 12. 210. es ist der charakter eines jungen mädchens, eines von denen jungen mädchen, versteht sichs, mein lieber Kallias, wie man sie in dieser materiellen welt findet Wieland 1, 206. die schilderung die sie von der kleinen welt machte und von denen menschen die sie besonders schätzte Göthe.
d.
endlich, und das war der gröszte misbrauch, verwendete man die erweiterte form auch als artikel, bei welchem, da er keine betonung haben kann, diese verlängerung unerträglich ist. man beschränkte sich meist auf den dat. pl., doch zeigte er sich zuweilen auch bei dem genit. pl. schon bei Keisersb. solich schlangenvolk mit denen zweien zungen Sünden des munds 68ᵇ. von denen schlecken (leckerhaften) schreibt Bernhardus 4ᵇ. im 17ten jahrh., als die sprache im tiefsten verfall lag, war diese verwilderung so allgemein, dasz nur einige beispiele nöthig sind. als dasz mit denenselben die lateinischen hasen gefangen werden Schuppius 424. wann ich ein mensch bin wie du, so müste ich auch an denen schwarzen zeilen sehen was du kanst Simpliciss. 1. cap. 10. im druck von 1713 steht an den schwarzen 1, 37. deren soldaten thun und lassen 1. cap. 16. andere weibspersonen heiraten mit denen augen, händen und geberden, gleichwie jene zu Venedig, welche aus vier ihr beisitzenden cavalieren doch einen gar gewis zu fangen gedachte, indem sie einen unter denenselbigen stäts mit freundlichen augen anstrahlete Riemer Stockfisch vorr. um den kopf und auf denen achseln Vorr. freilich sahe der schöne und zu selbiger zeit arme Solande wie milch und blut und deswegen denen gelben, staub- und sonnenschwarzen ungesunden bettlern ganz ungleich 22. und eilete dem becker nur aus denen augen zu kommen 23. dessen schönheit unter denen zuschauern ein lautes geheule erweckte 33. sich in denen hofsitten ferner zu erkundigen und noch besser umbzusehen 117. (der frauen) schönheit vor allen andern hervorleuchtete wie der mond vor denen sternen 117. wer ein biszchen französisch weisz, der siehet wie er seinen versionskarn anspannet und sein caball durch dicke durch dünne derer im unergründlichen wörter dräcket Chr. Weise Lustredner 103. ich habe mich derer närrischen façonen zuweilen dumm mögen lachen Ettner Unwürdiger doctor 695.
die liebe ist beflügelt,
weil sie dem geniesz entfliehet,
weil sie denen buhlern die schwingefedern entziehet.
Riemer Stockf. 134.
die liebe ist bewaffnet,
die liebenden und geliebten zu tödten,
mit denen pfeilen die herzen zu durchschieszen
135.
die liebe ist entblöszt,
weil unter denen geliebten nichts soll verborgen bleiben.
136.
die liebe ist blind,
weil sie der geliebten fehler nicht siehet:
weil sie nur von denen blinden geehrt wird
136.
die liebe komt mir in solcher art vor wie der weiber kannen auf denen kindtaufen, welche je mehr sie gerühret werden, je süszer sie schmecken 150. im 18ten jahrh. erhielt sich die form zumeist im canzleistil, C. W. v. Heppe einheimisch und ausländisch wohlredender jäger, nach alphabetischer ordnung gegründeter rapport derer holz- forst- und jagdkunstwörter Regensb. 1779. Kant läszt in den früheren schriften denenjenigen zu, z. b. 8, 67. ich gieng häufig mit denenjenigen um, die man sonst zu vernachlässigen pflegt G. Jacobi in Mercks briefsammlung 2, 28. Göthe gebraucht denen nicht blosz in seinen früheren schriften, es entschlüpft ihm auch noch in seinen spätern. so rief unser freund allen denenjenigen glück zu, die sich in den höheren regionen befinden 18, 248. wand man sich reitend hindurch, denen sich kreuzenden unzähligen schmalen pfaden nachfolgend 28, 158. mir ist übel mitgespielt in denen goldenen blättchens 33, 269. vielleicht dasz gott denen groszen die augen aufthut 42, 144. denen spitzbuben von Nürnberg einen menschen abjagen 42, 158. komm zu denen perücken: sie haben lange genug den vortrag gehabt 42, 165. von diesen erscheinungen und von denen dabei bemerkten farbensäumen einiges vorauszuschicken 60, 5. Nach dieser betrachtung der form ist gebrauch und bedeutung des allein stehenden demonstrativen pronomens zu erörtern.
1.
substantivisch gebraucht heiszt es soviel als dieser, diese, dieses und wird betont.
a.
zähle auf deinen freund, wie sollte dich der verlassen? ich habe viele frauen gesehen, aber keine war so schön als die. wenn das wahr wäre! ein mann soll vorüber gegangen sein, hast du den gesehen? thäte ich das, man würde mir einen vorwurf daraus machen.
ouch ist reht daz der mist
stinke swâ der ist
Iwein 207.
swer witze hât und künste list,
sô wizzet daz der meister ist
Freidank 79, 8ᵃ.
daz was sîn reht: wer lougent des?
Parz. 598, 15.
darumb sagt er dir das von dem Keisersb. Sünden des munds 43ᵇ. ein schuͦhmacher zu seinem knaben spricht 'also soltu schuch neien' (nähen), und zeugt im wie er dem sol tuͦn 81ᵃ. sind in unser land gezogen, das ganz und gar zu verstören Buch der liebe 13, 4ᵈ. er sahe oben herunter sagende 'Margarethe, bistu es? sei stille, ich will dir aufmachen, damit du nicht auf der gasse erfrierest'. die schmälte aber immer fort und lud ihn wol tausendmal zu gaste. endlich machte er auf, die zur thüre hinein und wolte über ihn her Ettner Unwürd. doctor 340. ich merkte deutlich dasz alles von der beschaffenheit meiner seele abhieng, wenn die nicht ganz in der geradesten richtung zu gott gekehrt war, so blieb ich kalt Göthe 19, 249. ich bedurfte einer kräftigen unterstützung und die verlieh mir gott nicht, wenn ich mit der schellenkappe herumlief 19, 295. und was den knaben betrifft, den, dächt ich, nähmen Sie selbst zu sich 20, 82. könig und familie waren gefangen, die absetzung dessen schon zur sprache gekommen 30, 90.
mit lust vollstrecken die, was sie der fürst geheiszen.
Schiller 41ᵃ.
wie schlimm wir auch berathen waren,
mit dem (Fridolin) ist gott und seine schaaren
69ᵃ.
spaszt nur! so lange der thut walten,
denk ich euch, mein seel, an kein entlaufen
322ᵇ.
ergeben Sie sich nur in gutem, freund,
mit dem da werden Sie nicht fertig
335ᵇ.
lasz mir den fischerkittel, den trutzigen, macht sich noch rar, der!
Mörike Idylle 53.
allerliebstes kind, das! Gutzkow Ritter vom geiste 2, 284. steht das demonstr. zu anfang des satzes, so schlieszt sich das verbum an, der ist es. der da ist der schuldige. wenn alle ausbleiben, der kommt gewis. alle waren still, nur seine frau nicht: die konnte nicht schweigen. dem dort habe ich das geld eingehändigt. der hat es gesagt, aber was kann der verschweigen? den hat man gesucht. den erwarte nicht. dessen erinnert er sich deutlich.
'des volge ich' sprach Liddamus
Parz. 421, 7.
im 15ten und 16ten jahrh. liesz man zuweilen das demonstr. weg; einige beispiele aus Keisersberg, es was ein fürnem man, ward ein mal besteibt mit wein und mocht nit heim kummen Sünden des munds 9ᵇ. ein mensch gewint ein krankheit an den hals, heiszt squinantia (angina) das. sie seind glich den bösen haushündlein die tag und nacht bellen, was aber der starken rüden seind, kehren sich nit daran 42ᵃ. die selbig predig suͦch in dem evangelibuͦch doctor Keisersberg, sagt wie sich Joseph hie uf erden hab gehalten 58ᵃ. so besonders im volksmäszigen stil,
es kommen drei wägen, seind wol beladen,
von Frankfurt aus der messen.
Uhland Volksl. 359.
Perman will ich euch nennen,
was ein purger im rat
458.
sölt wir den könig vertreiben?
ist mir wenig bekant
459.
die erst püchsen will ich nennen,
haiszt man den Purlapaus
460.
Bastian von Wattwiler das edel bluͦt,
er tet gar manchen schutz (schusz), was guͦt
507.
Maximilian bei dem ist aufkumme
ein orden, durchzeucht alle land
516.
der krämer läszt ein kranz zuͦ lest,
ligt in dem kram verborgen
640.
ich hoff es sol mir werden
ein schöner kranz, hat mir gemacht
die allerschönst auf erden
643.
he folgede sines herten beger
unde toch hen in en lant, was fer.
B. Waldis Vorlorn son 1103.
ein new gedicht will heben an
von wunderlichen dingen,
von ainem kaiser, ist wolgethan,
gott wöll das mir gelinge
Soltau 1, 360.
und Stolburg, leit an einem rain,
nit weit davon der Zabelstein,
die thetens all verprennen
2, 107.
dazu zwo büchsen, waren grosz (variante die waren grosz)
108.
darmit er angezündet hat
das Pauler closter, thet brennen
233.
zu Leipzig in dem Meisner land,
ist die häuptstad gar wol bekand
386 (17 tes jh.).
da weinte der alte greis,
war wie der schnee so weisz
421 (18 tes jh.).
und so selbst Göthe im Götz, machte mir meine mutter ein schönes hofkleid, war rosenfarb 42, 93. die hatte ein kleid an, war feuerfarb das. auch schon im mhd.,
sîn pflæge ein künec, hiez Anfortas
Parz. 389, 2.
sprach einer, stuont dâ nâhe bî
Lanz. 449.
sprach ein ritter, stuont dâ bî
Haupts zeitschr. 6, 500.
b.
bei ausrufungen und fragen, also der verlangt das? der will das haben! die glocken läuten, was heiszt das? was willich also? das! Lessing 2, 54. A. er hat geirrt. B. wie das? wie, ich soll gedroht haben den verfasser der fragmente zu nennen? wo das? 10, 220. 'sie haben mich fast abgeschreckt über den bruder mit Ihnen zu reden'. 'wie das?' Engel Lorenz Stark c. 16. was will das machen? ders. Philos. f. d. welt. ha, was soll das! bist du ein böser geist in gestalt meines weibes? Göthe.
das war ein toben, war ein wüthen!
1, 211.
du beleidigst mich, Weislingen, kennst du mich für das? 8, 129.
wie lange hat sie an dem kerl gehangen!
das war ein spazieren,
auf dorf und tanzplatz führen!
12, 187.
da fragt ich 'aber sind sie das?
sind das die knaben alle?'
47, 3.
beim Jupiter, nur das!
Schiller 13ᵇ.
Ch. mein herr ist verliebt in seine cousine. M. ah, ist es das! 648.
wer einmal das von sich
zu rühmen hätte!
26ᵇ.
haha! ist es das? 124ᵇ. lernen Sie erst die Ihrige (pflicht) kennen, und mir nimmer das! 170ᵃ.
Domingo. wir wünschten
zu wissen, gnädge fürstin, welchen ort
und welche beszre stunde Sie —
Prinzessin. auch das!
267ᵃ.
Alba. mein könig,
selbst das entscheidet noch nicht ganz.
König. auch das nicht?
und das? und wieder das?
273ᵃ.
was war das? still!
296ᵇ.
heiszt das geladen? gleich das doppelte!
520ᵇ.
sogar bei dem pl. in desz begegneten ihnen (dem vater und sohn) schöne mägdlein, sie waren zu einer hochzeit gewesen, da fragte der son aber (abermals) 'vatter, was sind das?' Boccaccio 1, 199ᵃ. es wird mit besonderm nachdruck wiederholt, der also ist angelangt? der? das verlangst du zu wissen? das? den hast du im verdacht? den? Damis. das hattest du? das? Anton. ja das. Damis. das? Lessing 1, 252. oder unmittelbar hinter einander, das, das ist meine lust! den, den suche ich! die, die liebe ich!
deinen adlerblick nicht zu
bewundern! das, das schreit um rache!
Lessing 2, 258.
c.
will man eine frage verneinen, eine behauptung widerlegen, so wird statt des einfachen nein, das demonstrativum vor nicht oder gar nicht oder bei leibe nicht minime gentium gestellt. das haus wird abbrennen. 'das nicht, man hat dem feuer einhalt gethan'. er ist für schuldig erklärt. 'das nicht, er hat sich gerechtfertigt'. hast du das geld bezahlt? 'das nicht, ich habe es nur versprochen'. kennst du den mann? 'den nicht, aber seinen bruder'. hast du die frau gerühmt? 'die nicht, eine andere'. reden die gemeinen leut allezeit die wahrheit? 'das gar nicht', o nein, Judas. ebenso steht auch das andere demonstr.
d.
bei bezeichnung von gegensätzen.
α.
der und die, wenn man sich allgemein und unbestimmt ausdrücken, oder wenn man niemand nennen will.
wan ich sagiu daz für wâr,
der und diu triegent sich gar,
die mit einer andern unstæte
wænet heln ir missetæte
Welscher gast 811.
so hat der das gethan und die hat das gethon Keisersb. Sünden des munds 30ᵃ. komm zu mir in den und den garten, da wollen wir mit einander lustig sein: der und die wird auch hinkommen Schuppius 201. da musz man wissen der oder die denkt an dich Gutzkow Ritter vom geiste 6, 63.
β.
der und der, die und die, das und das, wie dieser und jener. der und der musz es wissen. von wem hast du das gehört? von dem und dem. an dem und dem tage. ahd.
in dia ind in dia stat
Diut. 1, 508ᵇ.
zu den beispielen aus dem mhd. bei Ben. 314ᵇ sind einige nachzutragen,
im gebreste weder des noch des
Troj. krieg 5790.
der ez allez wizz von wan
daz und ouch daz geschiht
Welscher gast 4993.
diu hât daz und daz getân
Lichtenstein 646, 20.
gedenken wir wie daz und daz gesîn müge Bertholt Pred. 59.
iederman fuor, als im sîn boteschaft seit,
der hin, der her
Lohengrin s. 40.
ee wann ich das und das gethan, denn so wil ich min seele versorgen Keisersb. Bilger 48ᶜ. die und die schwester ders. Has im pfeffer Bb 5ᶜ. es ist (geschieht), so du dich entschuldigest, du habest das und das nit gethon, so du es wissigklichen gethon hast ders. Sünden des munds 14ᵇ. das und das hast du geredt 79ᵃ. wenn jemand zu dir spricht 'der und der mann ist böse' Olear. Baumg. 7, 10. ehen die bahn, auf welcher das geschlecht zu seiner vollkommenheit gelangt, musz jeder einzelne mensch (der früher, der später) erst durchlaufen haben 10, 329. die und die bewegungen Kant 8, 56.
was die und die für fremde mienen an sich nahm.
Lessing 1, 116.
wie der und der, so sehr es ihn erschreckte,
sein liebstes da- und dortwohin versteckte
Göthe 41, 17.
dies fasten find ich nicht bequem,
doch frist ich mich mit dem und dem
Platen 28.
weil ich dachte 'das ist der oder der' Gutzkow Ritter vom geiste 5, 424. Auch bezeichnet der und der den teufel, den man nicht gern nennt, zumal bei verwünschungen, dasz dich der und der! Schönsleder K 4.
ich wäre kein soldat, nein sondern der und der.
Kriegsbrand D 2ᵇ.
oder mich zreisz der ã der.
Marx Gedichte in Nürnberg. mundart.
γ.
der und jener. hol dich der und jener! der teufel. einem menschen gelüst das und gens ze haben Keisersb. Sünden des munds 43ᵃ.
und wünscht mir die und jene sucht
H. Sachs 4. 3, 80ᵈ.
ob dem oder jenem zu schreiben sei Schuppius 710.
was taug der alte krieg? der neue krieg ist besser,
denn jener war ein feind der menschen, der der schlösser,
und jener machte leer der menschen leib von blut,
da dieser nur fegt aus der kasten altes gut.
Logau 1, 32, 7.
wer andern lebt, lebt recht: wer ihme lebt, lebt gut,
weil jener andren wol, ihm übel der nicht thut
1, 33, 15.
tod ist ein langer schlaf, schlaf ist ein kurzer tod,
die noth die lindert der, und jener tilgt die noth.
1, 117, 100.
es läszt sich übel paaren
die erde zu der luft, dann die wil oben fahren,
und jene sinkt in sich
2, 13.
ein glock und eine nusz und ein esel und ein knecht
thun nicht leichtlich ohne schlag was sie sollen jemals recht.
jene schweiget, die verharrt, jener steht und dieser liegt.
wann das eisen und das holz ihnen recht wird angefügt,
klinget jene, diese bricht: jener geht und dieser eilt;
drum was jedem zugehört, sei auch jedem zugetheilt.
2, 25, 92.
verstand den jeder hat, helt jeder lieb und wert:
den zustand den er hat, wird anders stäts begert,
da jener, wie mich dünkt, doch mehr als der verkehrt.
3, 31, 53.
von dem und jenem mit ihm zu reden Riemer Stockfisch 257. wir haben die und jene thorheit in einem lustigen augenblick empfangen und geboren Göthe 8, 215.
dasz sie zugleich auch dem und jenem winke
41, 36.
dem und jenem schlund
aufwirbelten viel tausend wilde flammen
41, 62.
Göthe setzt sogar den artikel vor,
A. doch hat sie wol auch zu guter stund
dem und jenem nichts abgeschlagen.
B. wer ist denn der der und der jener?
2, 274.
dasz vernehmlich der und jener
brummt in seinen grauen bart
Uhland Ged. 327.
und will mich dennoch der und jener schmälen
500.
δ.
der und dieser, meist dieser und der. schon im ahd. noh thizi noh thaz keins von beiden Gramm. 4, 447. beispiele aus dem mhd. bei Ben. 1, 314ᵇ. 367.
daz du scholt eben wissen was
du gebist, warum und auch wem,
es sei disem oder dem
Wittenweiler Ring 29ᵇ, 8.
was hat mich gott gezigen daz ich also ein armer mensch bin, und dem und dissem reichtumb geben hat Keisersb. Sünden des munds 17ᵇ. die fiengen ob tisch an hinderreden und eer abschneiden und sagten von dem und disem 26ᵃ. darumb so ein mensch wil seinen friden uf ander leut setzen, uf den, uf diszen, es thuͦt sin nit 43ᵃ.
wan jeder dät als er thun sol,
so wären sie beid geltes wert,
diser mit federn, der mit schwert.
Brant Narrensch. 79, 13.
doch endlich verlieret sich dieser und der,
schleicht eins nach dem andern gekleidet einher.
Göthe 1, 230.
dieser ist es auch nicht, auch der nicht, auch nicht jener Schiller 128ᵇ. dies und das kommt häufig vor, selten umgestellt. recht als ein glast oder schîn, der dâ ûsz fluszet ûsz der sunne oder ûsz einem liechte und schînet etwas dis oder das Theologia deutsch 2. wan gotes eigenschaft ist âne disz und âne das und âne selbheit und icheit und dem es glîch stê und sî 44. und was etwan ist, disz oder das, das ist niht alle und über alle. sich, wêr nu got etwas, disz oder das, sô wêr er nicht alle und über alle, als er ist, und so wêr er ouch nit die wâre volkomenheit. dar umb ist got, und ist doch weder disz noch das, das die crêatûre als crêatûr bekennen genennen gedenken oder gesprechen mag 60. sich, dâ wirt dan fürbas mê nicht anders gewolt oder geliebet dan gût umbe gût, und umb nicht anders dan dar umbe das es gût ist, und nicht dar umb das es disz oder das ist oder das es disz oder das sî, disem oder dem lieb oder leide, wol oder wê, sûsze oder sûr sî und des glîchen 62. recht als âne mich (spricht gott) weder wesen noch leben ist, noch disz noch das, alsô solt ouch kein wille sîn âne mich und âne mînen willen 94.
was ist dicz und was ist das?
Ring 9ᵈ, 11.
rabi Anelin schreibt das und ditz.
Fastnachtsp. 20, 19.
wan ich got wär, so wolt ich das
und disz und jens, und weisz nicht was.
Alberus 152.
ob dis, ob das ein warheit sei.
Murner Luther. narr 2324.
Unfalo fürt den held hin und her
und zeiget im dann ditz, dann das.
Theuerd. 57, 11.
man vermisset auch nicht dieses noch des Jesaia 34, 16. disz vor (für) das isthaec pro illis Henisch 715, der auch bemerkt dasz man sprichwörtlich den wechsel der dinge damit bezeichne.
und solt uns disz und das darüber widerfahren.
Rompler 58.
so schuf bald dies, bald das, schon manchen zum poeten.
Gotter 1, 259.
was mir über dies und das den kopf warm macht Herder in Mercks briefen 1, 40.
bald ist es ernst, bald ist es spasz:
bald ist es lieb, bald ist es hasz:
bald ist es diesz, bald ist es das
Göthe 2, 288.
wie ich sie freundlich fragte über diesz und das 16, 10. und sagte es wäre recht artig gewesen, wenn nur diesz und das nicht gewesen wäre 18, 27. dann sagte sie hinterdrein 'lieber Franz, thu dies, thu das' 42, 191.
mir ist das volk zur last,
meint es doch diesz und das:
weil es die fürsten haszt,
denkt es es wäre was
47, 237.
Göthe behandelt beide pronomina einmal wie substantiva und läszt sie im dativ unverändert,
das leben ist ein schlechter spasz,
dem fehlts an diesz, dem fehlts an das
5, 79.
wir sind nicht mehr am ersten glas,
drum denken wir gern an dies und das,
was rauschet und was brauset
Uhland Ged. 92.
so lang mir mochte dies und das
an dir gefallen,
war ich gefahrlos leicht verliebt
Rückert 382.
ich denke dies und denke das
Mörike Ged. 40.
ich wünsche mir nun dies und das
57.
plaudern wir dieses und das
153.
Bei verwünschungen, verschweige mir nichts, gott thu dir dis und das, wo du mir etwas verschweigest, das dir gesagt ist 1 Samuel 3, 17.
e.
in verbindung mit dem verbum substantivum bei substantiven oder adjectiven steht das demonstr. das ohne rücksicht auf genus und numerus. man sagt das ist mein vater, das ist meine mutter. die im lateinischen hier nothwendige unterscheidung des geschlechts ist an sich wol zulässig, aber nicht im gebrauch. wenn man zwischen zwei neben einander stehenden zweifelhaft wäre, würde man wol mit dem finger deutend fragen ist der dein sohn? bei minder bestimmter hinweisung, ist das dein sohn? was nicht viel verschieden ist von dem allgemeinen ist es dein sohn? wo das persönliche pronomen gleichfalls im neutrum steht; in dem dänischen und schwedischen mit dem verbum substantivum verbundenen det kommt sogar die bedeutung von das und es zusammen. dieses das zeigt sich schon in der ahd. und mhd. sprache; beispiele in der Gramm. 4, 275—77 und bei Ben. 1, 315. ja die mhd. sprache gieng noch weiter, indem sie es auch mit ordinalzahlen verbinden konnte, z. b. das dritte was Pinel, wo wir heute der dritte sagen müssen. es steht also ebenso vor masc. und fem., wir sagen das ist mein glaube. das ist der wunsch meines herzens. der dritte in der reihe das war sein vater. das ist die ursache. das ist meine freude. das sind die drei schwestern, das ist die gute, das die schöne, das die geistreiche. ist daz nit ein groszer narr, der da murmelet darumb das er siech oder arm ist? Keisersb. Sünden des munds 17ᵇ. das ist der schalk, hüt dich vor im 68ᵃ. das ist aber der wille des, der mich gesand hat Joh. 6, 40. es kann sich auch auf ein das geschlecht unterscheidendes pronomen demonstr. beziehen, die dir zulächelte, das war deine freundin. das ist der, den ihr suchet. die du da siehst, das sind männer und frauen des orts. das ist derjenige, der sich auszeichnete. das ist dieselbe, die gestern schon zugegen war.
ein braver mann das, ders gebaut
Göthe 11, 338.
ohne rücksicht auf den numerus. die ubersichtig augen habent, daz seint die jungen ratgeber Keisersb. Sünden des munds 59ᵇ. diese weiber hond lieb die zweizüngigen, das seint die schlangen 67ᵇ. das sind alle meine schätze. das sind die heubter unter den vetern der Leviter geschlechten 2 Mos. 6, 25. das sind aber die kleider die sie machen sollen 28, 4. das sind deine götter, Israel, die dich aus Egyptenlande gefüret haben 32, 4. das sind die name dere die im zu Jerusalem geboren sind 2 Samuel 5, 14. wiszt ihr, gnädiger herr, wie ihr uns prophezeitet, wenn sich die welt umkehrte, würden wir jäger werden? das sind wir ohne das Göthe 42, 170.
f.
häufig bezieht sich das auf einen zustand, ein ereignis, eine thätigkeit im allgemeinen, wie in den unter 1ᵇ schon angeführten stellen. er arbeitet unermüdlich, das ist seine freude. herumzuschweifen, alles zu betrachten, von einem zum andern zu laufen, das ist sein leben. so die frummen krank seind, verachtet seind und arm seind, das ist inen nütz Keisersb. Sünden des munds 13ᵇ. itzt bin ich ein gefangener, den man auf sein wort frei herumgehen läszt: das schmeichelt! Lessing 2, 54. Falk. hast du des schönen morgens schon genug genossen? fällt dir etwas ein, so sprich du. Ernst. gut das. mir fällt ein dasz ich dich schon längst um etwas fragen wollen 10, 253.
und wenn ich sie denn fassen darf
im luftgen deutschen tanz,
das (tanzen) geht herum, das geht so scharf.
Göthe 1, 19.
wo geht das liebchen?
sag mir das
1, 89.
alte geschichten sind das, und ich erzähle sie wol.
1, 287.
mein bester, wie ist uns? das sieht ja reisefertig aus ders.
hab appetit auch ohne das
12, 135.
g.
über das, ahd. ubar daz, mhd. über daz praeterea galt bis ans ende des 16 ten jahrh. bei H. Sachs zeigt es sich (4. 3, 57ᶜ), Dasypodius 445 und Henisch 662 führen es an, hernach erhielt überdies den vorzug; s. unten.
h.
in ähnlicher weise bezieht sich das, ohne geschlecht und numerus zu berücksichtigen, auf personen, auf eine und auf mehrere, auch auf sachen, wenn man sie nicht bestimmt oder nur im allgemeinen bezeichnen will. es soll dadurch in humoristischer und ironischer stimmung ein herabblicken, eine ringschätzung, oder, bei erbittertem gefühl, eine verhöhnung ausgedrückt werden. so sagt man das putzt sich, das schmückt sich und doch vergeblich. das brüstet sich wie ein welscher hahn. das treibt sich in den straszen herum. das jauchzt und schreit. das will sich ein ansehen geben. das plackt sich das ganze jahr hindurch und kommt doch zu nichts. man hat dich bei den schultern genommen, dich zur thüre geführt und gesagt 'fort schuft, lasz dich nicht wieder sehen'. das will sinn haben, glaub ich, will vernunft haben. oder ich will den jungen Zierau in Naumburg: das will doch auch ein ökonom sonst sein Lenz 1, 125. Göthe, der gerne von der anhöhe herabblickte, liebte diese ausdrucksweise,
sie (die zwerglein) tragen die würste, die schinken so klein
und braten und fisch und geflügel herein:
er kreiset beständig der köstliche wein;
das toset und koset so lange,
verschwindet zuletzt mit gesange
1, 197.
der mond der hat alles ins helle gebracht:
der kirchhof er liegt wie am tage.
da regt sich ein grab und ein anderes dann,
sie kommen hervor, ein weib da, ein mann
in weiszen und schleppenden hemden.
Das reckt nun, es will sich ergetzen sogleich,
die knöchel zur runde, zum kranze,
so arm und so jung, und so alt und so reich;
doch hindern die schleppen am tanze
1, 229.
das wollen alle herren sein,
und keiner ist herr von sich
4, 320.
warum bist du der welt so satt?
das weisz alles nicht
was es neben und um sich hat
4, 346.
das drängt und stöszt, das rutscht und klappert,
das zischt und quirlt, das zieht und plappert!
das leuchtet, sprüht und stinkt und brennt!
ein wahres hexenelement
12, 210.
versichern dasz man überzeugt ist sie habe mehr als jemand: item das weisz nichts und das entscheidet auch 36, 66.
der sonne heilgen lebestrahlen
sind todte werke nur ein spasz.
das bildet schmelzend, unverdrossen,
und haben sies in erz gegossen,
dann denken sie es wäre was
41, 171.
Philine nahm ihm die pantoffeln aus den händen und sagte 'wie ich sie krumm getreten habe! sie sind mir viel zu weit'. dann spielte sie damit und rieb die sohlen gegen einander. 'was das heisz wird!' rief sie aus, indem sie die eine sohle flach an die wange hielt 19, 170. und was das wieder vor umstände sind! das schiebt sich und verliebt sich 23, 21. item sie will witz haben: item man musz ihr
schad um die leut! sind sonst wackre brüder.
aber das denkt wie ein seifensieder.
Schiller 329ᵇ.
prrr! das (die mädchen in der pension) kann die zeit nicht erwarten, bis die gymnastischen übungen anfangen Kotzbue Dramat. spiele 2, 106.
schwer wie blei ist der patron,
doch ich hör ihn auf den stufen,
tapp! tapp! tapp! tapp!
wie sich das langsam vorwärts schiebt!
2, 251.
ein schoszhund wolgestalt, ein bunter papagei,
das brummt, mault, poltert nicht, das liebt und bleibt uns treu
3, 71.
jetzt reist das hin und her: im fluge ist man unter andere verhältnisse versetzt Gutzkow Ritter vom geiste 6, 136.
i.
das erscheint im mhd. mit dem unbestimmten artikel als substantivum; s. Gramm. 3, 535. Ben. 1, 315ᵇ.
ez sî dur wârheit oder dur haz,
man lobt nu niemen âne ein daz ohne eine beschränkung, nicht unbedingt
Freidank 62, 6.
ez sî eht man oder frouwe, so lobet man sie selten ân ein daz oder âne vieriu ohne einen oder vier fehler Berthold 248.
sît nieman vinden mac an ir
nach mîner ougen kür ein daz (einen tadel, mangel)
niht wan daz eine daz, daz ih ie meit.
Truchsesz von St. Gallen MSHag. 3, 325ᵇ.
hôchvart zorn nît unde haz
gebent rehten dingen ein daz (hängen ihnen einen flecken an, verunglimpfen sie)
und wizzent doch wol daz sie liegent
Renner 7303.
dâ von sol nieman wesen zorn,
ob ich mich etswâ hân vergezzen:
dan wir sehen dicke mezzen
ein dinc drîstunt oder baz,
dem man dennoch gibt ein daz,
daz mich ze swære wolte ankomen
9299.
noch Henisch kannte diesen gebrauch, es ist kein mensch sonder (ohne) ein das nihil est ab omni parte beatum 661; ähnlich sagen wir es ist ein aber bei der sache (oben 1, 31).
k.
berichtet man über verschiedenes, zählt man eins nach dem andern her, und ist mit einem zu ende, so setzt man wol hinzu das ist das, das wäre das, so viel von dem. ohne dasz von mehrerem die rede wäre, wird es in Wittenweilers Ring als bekräftigung zugefügt,
'noch liebt sei (die jungfrau) mir ie bas und bas'.
sprach aber 'das ist das,
ich han gesworen ich muosz sei haben,
wär sei joch in erd vergraben'
11ᵃ, 31.
daz ist daz, das ich do sing
16ᵇ, 12.
ich han nicht pfennig (daz ist daz)
ze opfern, sam ich pilleich schol
33ᶜ, 36.
l.
bei dem, das noch im 17 ten jahrh. zuweilen die mhd. form deme zeigt, z. b. bei P. Gerhard, Schuppius, ist einiges hervorzuheben,
α.
dem ist so es verhält sich wirklich so, die sache steht so. ich wollte dem wäre so möchte die sache sich so verhalten. dem sei wie ihm wolle einerlei in welcher lage sich die sache befindet, es mag wahr sein oder nicht Lessings Nathan. wie ist dem? haben wir nichts anders? Steinhöwels Äsop 12 (1555). do das Nectanabus ersah, sprach er zu Esopo 'wie ist dem? kunnen die lüt fliegen in ewrem land?' 23ᵇ.
er fragt 'wer hat euch her citirt,
ich bitt laszt mich jetzt ungeirrt,
ich hab gar viel ein anders zschaffen,
denn ich nach ewrem thun solt gaffen'.
der mönch sprach 'dem sei wie ihm wöll:
ihr seidt zwar (in wahrheit) ein schwacher gesell'.
Wolgemut 2, 248.
dem ist also, fürwar, es ist nit anders Henisch 672. ob wohl an deme, das das glück sich je und allezeit gegen ihme als eine freundin gestellet Butschky Kanzlei 891. wann nun an deme, das die erstorbene leiche, christlicher ordnung nach, zur erden bestattet werde 913.
doch nun (wenn anders dem so ist)
hat er durch sparung eures lebens ...
Tempelherr. ja,
dem allerdings ist so. das leben das
ich leb, ist sein geschenk
Lessing 2, 252.
β.
mit gleicher bedeutung an dem sein ita se habere, in eo esse. es ist an dem (es ist wahr) dasz er sein wort gegeben hat. an dem ist etwas die sache ist nicht ohne grund. ist es nicht an dem, dasz die frau schwägerin lange nicht so schön aussieht als es die leute machen? Gellert 2, 210. ich versichere Sie dasz es nicht an dem ist 2, 278. es ist gewis an dem, er denkt an keine liebe 2, 286. es ist an dem, dasz der regen das erdreich abspült Kant 9, 15. und, lustig genommen, war es wirklich an dem Göthe 28, 101. ich sei, wie es denn wirklich auch an dem war, durch Lavaters physiognomik in dieses fach wieder eingeführt worden 30, 245.
wärs an dem
was man am hofe leise flüstert
Schiller 338ᵃ.
es war an dem heiszt auch 'es war nahe daran', es war an dem dasz er ins wasser stürzte er war im begriff ins wasser zu stürzen.
γ.
in verbindung mit andern präpositionen. bei alle dem dem ungeachtet, dennoch. er ist reich, bei alle dem kommt er nicht aus. Marin. nun? nicht wahr, nun hab ich zu viel gethan und vorhin zu wenig? Prinz. das nicht, aber ich sehe bei alle dem nicht ab — Lessing 2, 149. in dem in dem augenblick, gerade jetzt. er wollte ausgehen, in dem kam sein vater. sie öffnete das fenster, in dem fuhr ein blitzstrahl herab. und in dem da erwachet diszer Keisersb. Sünden des munds 22.
in dem sprang ausz einer hanfstauden
der has
H. Sachs 4. 3, 86.
in dem stund Pampinea auf Bocc. 1, 7ᵇ.
in dem im newe mär zuͦkam.
Soltau 2. 219, 46.
mit dem zugleich, wie auch damit gebraucht wird. er schalt den knaben und mit dem gab er ihm einen schlag.
mit dem er ir zum busen mawst.
H. Folz in Haupts zeitschr. 8, 513.
mit dem recket er seinen hals hoch embor Steinhöwel 111ᵇ (1487). und mit dem auf ihn dar! Frank Weltb. 190.
mit dem bald thet gen wald einrucken.
H. Sachs 4. 3, 59.
mit dem der Liendel darvon zog
4. 3, 60ᵈ.
neben dem dabei, daneben. nebem deme was zur hoföconomie gehöret Schuppius 105. nach dem wie, in der weise. das ist vernünftiglich gehandelt und nit allein nach dem als sein vernunft angibt, sunder auch als ein weiser man in seinem dünken mag erachten Keisersb. Sünden des munds 86ᵇ. Prinz. er steht in dem rufe, sich so etwas nicht zweimal sagen zu lassen. Marin. nach dem es fällt, ohne zweifel Lessing 2, 147. auch für danach. wan es got noch dem grosz pein darausz in dem fegfeuer Keisersb. Sünden des munds 7ᵇ.
nach dem schliefens dahin die nacht
H. Sachs 4. 3, 64.
von dem an von der zeit an. von dem an das ich die welt hab verlassen Keisersb. Sünden des munds 25ᵇ. von dem an das ich hab begert himmelische und ewige ding 25ᵇ. von dem an trachtet Pilatus wie er ihn los liesze Joh. 19, 12. von dem an war sein herz von Stilling ganz abgekehrt Stillings Jugend 3, 107. zu vergleichen sind die zusammensetzungen demgemäsz, demnach, demnächst, demzufolge, auszerdem, ehedem, indem, nachdem, nächstdem, ohnedem, trotzdem, überdem, vordem, währenddem, zudem.
δ.
bei Göthe einmal dem für zu dem,
wenn mich ein freundlich walten
des gottes dem wir beten, hell umflossen,
und ich zu nacht des tages glück genossen
57, 291.
2.
beispiele von dem demonstrativum, das sich auf einen nachfolgenden satz bezieht, musten schon bei betrachtung der form unter B und auch unter 1ᶜ angeführt werden, hier ist dieser fall noch besonders zu erörtern.
a.
folgt ein relativum, so hat das demonstr. die bedeutung von derjenige, diejenige, dasjenige. er ist in der gewalt dessen der ihm zu schmeicheln weisz. das haus ist dessen der es bewohnt. er lebt von dem was ihm mitleidige menschen geben. das ist das ziel derer denen ihr folgt. sunder allein von dem der es ist und weisz Theologia deutsch 28. wir und der, bei dem der becher funden ist, sind meines herren knechte 1 Mos. 44, 16. wenn du des der dich hasset, esel siehest 2 Mos. 23, 5. und besprengen den der vom aussatz zu reinigen ist, siebenmal 3 Mos. 14, 7.
wol dem dem da zugleich die freiheit ist gegeben.
Logau 1, 33 (15).
denn denen die gott lieben,
ist seine hülfe täglich nach
Gellert 6, 229.
mit hacken nährt sich anfangs der (Adam),
von dem die fürsten kommen her
Simpliciss. 1, 11.
b.
in nachahmung des französischen setzt man, wenn man die wiederholung eines substantivs, zu dem ein genitiv gehört, vermeiden will, blosz das demonstrativum. der stolz des sohns geht über den des vaters hinaus. ihre schönheit übertrifft die ihrer mutter. die grösze des jungen löwen ist die eines schäferhundes. im gemeinen leben setzt man, was nicht zu empfehlen ist, das possessivum, obwol es auch bei schriftstellern sich findet, wie bei Lessing, der stolz des sohns geht über des vaters seinen hinaus. die schönheit der tochter übertrifft der mutter ihre. sonst läszt man auch das demonstr. aus,
er legt von im sein brinn und schwert
und nam zuͦ im des Ecken,
das da was vil guͦtes wert
Ecke 122 Schade.
des ahnen aberwitz wird auch des enkels sein
Haller 70.
ihr truget die last des gefürchteten todes, bis nieder
euch des kommenden stürzte
Klopstock Mess. 17, 318.
3.
das demonstrativum kann unmittelbar hinter dem bezüglichen substantivum stehen, in welchem falle seine demonstrative kraft abgeschwächt wird.
a.
der bestimmte artikel geht voran, der vater der rief seinen sohn, die mutter die rief ihre tochter herbei. das kleine kind das lief fort. der redliche der kam vorwärts. der böse der sank immer tiefer. der abend der näherte sich. des boten des harrte man lange. der drohung der lachte man. dem befehl dem folgte man nicht. den wein den holte der diener herbei. die früchte die sind alle reif. die ketten die löste man ihm.
die noth die lindert der, und jener tilgt die noth.
Logau 1, 117 (100).
häufig bei Göthe,
die sterne die begehrt man nicht,
man freut sich ihrer pracht
1, 97.
die sechse die verzehrten dann
zusammen ein gutes mahl!
1, 122.
die ratte die raschle so lange sie mag!
1, 196.
der thürmer der schaut zu mitten der nacht
hinab auf die gräber in lage:
der mond der hat alles ins helle gebracht:
der kirchhof er liegt wie am tage
1, 229.
in der letzten zeile ist das persönliche pronom. statt des demonstr. gesetzt, wie man sagt die nacht sie kommt heran, das heer es kommt gezogen; vergl. Gramm. 4, 424.
der philosoph der tritt herein
und beweist euch es müszt so sein
12, 95.
auch folgt es dem nachstehenden articulierten adjectivum,
Amor der nahe der höret sie spotten,
rächet sich einmal und rächet sich bald
1, 30.
im ahd. und mhd. war dies nachgesetzte demonstrativum nicht selten, zumal wo ruhig und umständlich erzählt ward wie bei Otfried und in dem volksepos, während einige der ersten höfischen dichter es meiden; vergl. Gramm. 4, 400. 415. 423. an sich ist es überflüssig, und auch heute wird es nur in behaglicher stimmung gebraucht. von dem relativum, das in gleicher stellung vorkommen kann, unterscheidet es sich auch dadurch, dasz das verbum dann nicht unmittelbar darauf folgt.
b.
in ähnlicher weise kann der unbestimmte artikel voran gehen, ein mann der gieng in den wald holz zu holen. ein sonnenblick der erfreut uns. eine freude die kam unerwartet. ein kind das denkt nicht. einem feinde dem steht man nicht bei. einen schwachen den stützt man. ein fabel die stot in Esopo Keisersb. Sünden des munds 9ᵇ. ein mensch der musz vernunft brauchen 26ᵇ. ein solcher böser rathgeber der bringt schaden der versammelung gottes 59ᵃ. ein richter der hat ein sun, der sol der junker heiszen 67ᵃ. ein weiser man und vernünftiger mensch der redt langsam und macht wenig wort 82ᵃ. für das ahd. hat Graff 5, 14 kein beispiel, inwiefern es im mhd. vorkommt, musz noch ermittelt werden.
ein bosch der bran
Walther 4, 13
kann durch die lesart busch enbran entfernt werden.
ein wîser man der hât für guot,
strâfe ich in swenner missetuot
Freidank 80, 20
ist nicht ganz dasselbe, weil durch das vorangehende adject. die demonstrative kraft des pronomens gesteigert wird. so auch bei Göthe,
ein kluger fürst der münzt sie (die alten thaler) ein
und thut ein tüchtigs kupfer drein
13, 111.
c.
oder das possessivum geht vorher.
mîn friunt der minnet andriu wîp
Walther 70, 32.
sein mut der minderte sich nicht. seine frau die bat flehentlich. meiner tochter der will ich die freude nicht verkümmern. sein licht das stellt er nicht unter den scheffel. deinen freund den wünsche ich kennen zu lernen. meine leute die sind alle zugegen. unser wunsch der ist natürlich. eure gedanken die kann niemand erraten. ihre absichten die sind bekannt.
mein tochter die ist in büchern belesen
Göthe 13, 62.
mir ists im herzen weh und bange,
mein bräutigam der bleibt so lange
13, 69.
d.
das demonstrativum kann folgen und wegbleiben, wenn bei dem vorangehenden substantivum ein artikel oder das possessivum nicht zulässig ist oder fehlt. Arminius der war heerführer. Thusnelde die war seine tochter. brot das ist jetzt theuer. böses das zeigt sich überall. wein den trinkt er mit lust. freunde die belästigen nicht. kinder die spielen gerne. sorgen deren kommen genug. frauen denen sieht man etwas nach. es kann ein adject. vor dem subst. stehen, gute gesellen die läszt man gerne zu.
mancher narr der ist also thum,
meint etlich leut die sen (seien) zu frum.
Schwarzenberg 132, 2.
alle künig in Egipten die hieszen Pharaones, wie bei uns die keiser Cesares heiszen Keisersb. Sünden des munds 2ᵇ. nerrisch menschen die hadern gerne 42ᵃ.
e.
mehr gewicht hat es, wenn es sich auf das substantivum eines satzes oder auf einen ganzen satz bezieht, oder das substantivum nach einem zwischensatz wieder aufnimmt. es kann nicht wegfallen. er hatte viel theilnahme erfahren, die hört jetzt auf. deine mühle hat kein wasser, die meinige hat dessen genug. viele waren da beisammen, du bist deren einer. das haus, woran er so grosze freude hatte, das will er wieder verkaufen. seinen reichthum zu mehren, das war sein bestreben.
getorste sie in hân küsset, daz hete si âne haz.
Nibel. 526, 2.
einen stîc ich dô gevienc,
der truoc mich ûz der wilde
Iwein 275.
ein æhter heizet mort, der schât der strâze sêre.
Walther 26, 16.
Vergilius der weis poet, welcher so guten bescheid und underricht vom sünopfer der mess, wie oben am 73. blatt gehört, der hat auch das fegfeuer bei eim mör gestellet Fischart Bienenkorb 111ᵇ.
merk gottes genad, die ist gemein.
Schwarzenberg 132, 2.
wodurch aber dieser Kolonos besonders merkwürdig geworden, das waren die letzten schicksale des Ödipus Lessing 6, 290.
und nichts zu suchen,
das war mein sinn
Göthe 1, 27.
f.
beginnt der voranstehende satz mit wer oder was, so kann das darauf bezügliche demonstrativum stehen oder wegbleiben, wie in den unter b bemerkten fällen. so in den folgenden beispielen, wer pech angreift, der besudelt sich, oder besudelt sich und wer fest steht, der wird geachtet. wem du vertraust, dem vertraue ich auch. wen du liebst, den liebe ich auch. was dich erfreut, das erfreut mich auch. wer in entheiligt, der sol des tods sterben 2 Mos. 31, 4. wer es (das blut) isset, der soll ausgerottet werden 3 Mos. 17, 14. wer die ehe brichet mit jemands weibe, der sol des todes sterben 20, 10. wer ein einheimischer ist, der sol solchs thun 4 Mos. 15, 13. wer nur irgend einen todten menschen anrüret, der wird siben tage unrein sein 19, 11. denn wer solches thut, der ist dem herrn ein grewel 5 Mos. 18, 12. und wer an den ort kam, da Asahel tod lag, der stund stille 2 Samuel 2, 23. wer sein geld nicht auf wucher gibt und nimpt nicht geschenke über den unschuldigen, der das thut der wird wol bleiben Psalm 15, 5. Luther läszt das demonstr. auch aus, und wer gerüst ist, gehe fur den laden des herrn Josua 6, 7. und wer gerüst war, gieng fur den priestern her 6, 9. und wer etwas heiligt, sol auch sein sein, und wer etwas dem priester gibt, das sol auch sein sein 4 Mos. 5, 10. nach der welcher, der der, das was läszt man es besser weg, der welcher zuerst anlangt, erhält den preis. der der nicht ermüdet, wird das ziel erreichen. das was du wünschest, ist dir gewährt. dagegen kann es natürlich nicht wegfallen, wenn der eine satz einen anderen casus verlangt. wer pech angreift, dem werden die hände unrein. wem es unter uns gefällt, der kann hier bleiben. und wer seinen nehesten verletzt, dem sol man thun, wie er gethan hat 3 Mos. 24, 19. wer mich ehrt, den will ich auch ehren 1 Samuel 2, 27. denn wer sich grün macht, den fressen die ziegen Göthe 13, 116. richtig sagt Fürnstein bei Göthe 45, 245.
wer immer finstre mienen macht,
hat bald die gunst verloren:
aber fehlerhaft setzt er hinzu
wer immer scherzt und immer lacht,
hält man für einen thoren.
hier konnte den nicht wegbleiben. das demonstrativum kann auch vorangehen, der ist klug wer vorher bedenkt was er sagen will.
der hütt der hewschreck an der sunn
und schütet wasser in ein brunn,
wer hüttet das sein frow blib frumm.
Brant Narrenschiff 32, α.
der würfet in die höh den ball
und wartet nit des widerfall,
wer will die lüt erzürnen all
69, α.
der ist ein narr und groszer dor,
wer eim werkman den lon gibt vor
111, 1.
g.
eigenthümlich der heutigen deutschen sprache ist die verwechselung die zwischen dem demonstrativum und possessivum stattfinden kann. Am häufigsten wird sein für das demonstrativum gesetzt. wir sagen er vernahm des vaters willen und folgte seinen worten. er erblickte den herrn und achtete auf seine winke. ich seufze nicht ins leben zurück, um seiner freuden länger zu genieszen Dusch. das an sich allein richtige dessen gebraucht man wol auch, doch zieht man es nur vor, wenn eine entschiedene zweideutigkeit abzuwenden ist, er gieng mit einem freund zu seinem vater zu dem eigenen, zu dessen vater, zu dem vater des freundes. aber auch dagegen wird gefehlt, in folgendem fall müste dessen stehen,
wie selig, Henzi, ists fürs vaterland sich grämen,
und sein verlasznes wol freiwillig auf sich nehmen.
Lessing.
Umgekehrt wird, doch nur von einigen und noch tadelnswerther, dessen statt sein gebraucht. so würde es Apollo sein durch dessen (seine) stirne, oder Jupiter durch die haare seiner stirne Winckelmann 4, 96. welches der schönste kopf dieser gottheit, auf dessen statue, nebst vielen andern dessen bildern beweisen kann 4, 99. Verschieden davon ist ein gebrauch, den Adelung als eine erfindung neuerer höflichkeit ansieht, der aber schon wieder verschwunden scheint. wenn man nämlich bei der anrede in einem brief nicht ihr und nicht dero sagen wollte, so gebrauchte man dessen, deren. geehrter herr, dessen schreiben habe ich empfangen. werthe frau, deren wünsche habe ich vernommen. der angeredete wird hier als ein dritter betrachtet, wie auch bei dero (gen. pl.) anzunehmen ist.
h.
in der eben angeführten stelle aus Winckelmann heiszt es nebst vielen andern dessen bildern. so wird auch im canzleistil das demonstr. zwischen das adject. und substantivum gestellt. dem gesammten reiche und allen und jeden dessen ständen. und in unverhoffter widriger dessen entstehung.
II.
relativum.
1.
ist das pronomen lediglich relativ, so ist es gleichbedeutend mit dem minder üblichen oder schwerfälligern welcher, welche, welches. der relativsatz beginnt damit und das verbum steht am ende. er ist der held der allen vorleuchtet. die frau die alle an schönheit übertrifft. ein freund kommt, dessen gegenwart dich erheitern wird. eine unglückliche deren hoffnung unerfüllt geblieben ist. dieser ist es, dem ihr dank schuldig seid. er findet den nicht, den er suchet. die glücklichen die die gedanken davon abwenden können. die blumen deren duft uns erquickt. denen vertraue ich, denen er vertraut. und der priester der gesalbt ist, sol des farrenbluts nemen 3 Mos. 4, 5.
die dänke, da man mit denselben will belegen,
der überwinder wird, die sein ein schild und degen.
Werders Ariost 18. 94, 5.
das leben das
ich leb, ich sein geschenk
Lessing 2, 252.
so gehe denn, o freundin, die ich ehre,
durch deren umgang ich mehr als ich sagen kann
zehn ganze jahre lang gewann
Gellert 6, 228.
die kette gib den rittern,
vor deren kühnem angesicht
der feinde lanzen splittern:
gib sie dem kanzler den du hast
Göthe 1, 179.
2.
man scheut nicht die unmittelbare berührung des ganz gleichlautenden demonstrativen und relativen pronomens und es ist deshalb nicht welcher welche welches nöthig, er ist der, der sich ausgezeichnet hat. er ist der sohn dessen, dessen tochter ihr schon kennt. ich gab es dem, dem ich geneigt war. ich sah die, die ich suchte. ich nahm das, das sie ausgewählt hatte. also wirt es ouch umb das, das dem menschen zuwider ist Theol. deutsch 44. und alles das, das allen tugenden zugehört, das musz da sein 55. sich, alles das, das dem waren liechte zuwider ist, das gehôrt dem falschen zu 75. 79. wer ist nu der, der sich unschuldig weisz? 81. do schamten sie sich jetz des, des sie sich vor nit schamten Keisersb. Sünden des munds 12ᵇ. der da gern hört eer abschneiden, der schneidet eben als wol als der, der da hinder redet 28ᵇ. aber die schmeichler, die die laster loben, die seind gegenwirtig 34ᵇ. aber die, die der welt habent urlob geben, die werden sein innen und erfarent 69ᵇ. (ihr habt) zum theil gemeinschaft gehabt mit denen, denen es also gehet Ebräer 10, 33. gott segne euch, geb euch glückliche tage und behalte die, die er euch abzieht, für eure kinder Göthe 8, 103.
3.
das steht wie das relative was. dar umb sô mûsz man disz alles lâszen sîn das es ist Theologia deutsch 53. das du jetz gewis hast, das las nit von hoffnung wegen gib nicht auf einer hoffnung wegen Steinhöwel 86ᵇ (1555). dasz einem widerferet eben das man einem andern zugedacht hat Agricola Sprichwörter 7ᵇ. in der letzten zeit hat es Göthe wieder aufgenommen und gerne gebraucht. wenn das erscheinen abenteuerlicher gestalten sie auch nur in ihren hoffnungen bestärkte, das es gewis thun wird 11, 56. sie sollten ihrer schwester folgen, als wenn sies selber wäre, das denn auch einige versprachen. ihre brüder die noch einmal ihre hand zu küssen begehrten, das denn der älteste mit aller zärtlichkeit that 16, 28. Lottens portrait habe ich dreimal angefangen und mich dreimal prostituiert: das mich umsomehr verdrieszt 16, 57. dasz ich mich nicht enthalten kann ihm zu widersprechen, oft eine sache nach meinem kopf und meiner art zu machen, das ihm denn, wie natürlich, niemals recht ist 16, 101. ob er dem herrn die stiefeln ausziehen solle? das er denn zuliesz 16, 159. hier ist etwas von deiner hand, das du vielleicht ungern verlörst 17, 147. nun da er mich los sein wollte, fieng er an französisch zu schreiben, das vorher manchmal nur im scherze geschehen war 14, 240. ihm hatte man Hilarien bestimmt, das ihm sehr wol bekannt war 22, 52. unter andern hat er eine sündflut gemahlt, das etwas einziges ist 29, 31. um euer drama vorzustreichen, das man euch verzeihen könnte 33, 274. du hast ja genug, das alles nichts ist 33, 281. hat er denn auch die sechs sous zum schlafgeld nicht in der tasche, das ihm wol manchmal begegnet 36, 5. nur wenige wolken erschienen am horizonte, und der nacht blieb kaum übrig das sie aufzulösen hätte 51, 212. Göthe geht in demselben satz von was zu das über, sie führte dagegen an was ein zartes gemüt gewis mit ihr gleich empfinden wird und das wir mit worten auszuführen nicht unternehmen 22, 113.
4.
schon im mhd. (Ben. 1, 319ᵃ) konnte eine verschmelzung des relat. mit dem demonstr., welches dann ausgelassen scheint, stattfinden. das seind die (die welche) jederman gewunnen red (recht) geben und sie loben in sünden Keisersb. Sünden des munds 32ᵃ. aber die vil wort geben, das sint leicht (leichtfertige) menschen 42ᵃ. darumb wiltu ein dank gegen eim verdienen, so gib im daz (das was) du im schüldig bist, bald und unverheiszen 65ᵃ. und citierten mich zuͦ verantwurten das ich gesagt hab 79ᵃ. wan sie uberreden die gemeind das sie thuͦn das wider got ist 81ᵇ. was solt der rosen geruch, wa nicht wären die sie zur erquickung abbrächen? Fischart Garg. 66ᵇ.
was freut denn jeden? blühen zu sehen
das von innen schon gut gestaltet
Göthe 3, 125.
5.
das relativum wird, wie im englischen und dänischen, zuweilen ausgelassen.
Christus thet Petro winken,
im mör begundt zu sinken
Körner Volksl. 177.
der pfaw fiel da zu der erden,
sein flug hett im Württemberger land.
Soltau 2, 185.
den hardesten orden, ik wêt up erden.
Waldis Verloren sohn 1536.
6.
das relativum wird auch vor die erste und zweite person des persönlichen pronomens gestellt. der ich nie in der treue wankte. die ich ihn immer liebte. der du in ewigkeit bist. die du niemals dein wort gebrochen hast. die wir immer bereit waren. die ihr treu geblieben seid. wirstu es nicht thun, gott der du uns verstöszest Psalm 108, 12. o gott, ein herzkundiger allein, der du weiszest Melissus Psalme A 7ᵇ. C 4ᵃ. C 8ᵇ. fahr hin, narr, der du bist Boccaccio 2, 71ᵃ.
o der du über uns mit deinem vater sitzest
Opitz.
der du mit allmacht dieses element beherschest.
Ramler.
ha; zittre selbst der du mir fluchen willst!
Gotter 3, 93.
der du von dem himmel bist,
alles leid und schmerzen stillest
Göthe 1, 109.
öfter in briefschlüssen, der ich recht wol zu leben wünsche und mich zu geneigtem andenken empfehle Göthe an Leipz. freunde 302. häufig geht das wiederholte persönliche pronomen voran, ich der ich nie in der treue wankte. du die du niemals dein wort gebrochen hat. wir die wir immer bereit waren. einige lassen das persönliche pronomen aus,
o got, ein brunne und ursprung alles guten,
der dise welt regierest
Melissus Ps. Q 2ᵇ.
du bists der machest
A 7ᵃ.
mich der so mat bin
C 3ᵃ.
mann mit der scharfen sense, der den säugling
an der weinenden mutter busen mähest.
F. L. Stolberg 1, 289.
7.
im mhd. nimmt das relativum zuweilen das natürliche geschlecht wieder auf, meist bei wîp. einige beispiele aus dem zwölften jh. ein wîb diu guot wâre und êrlich Hoffmann Fundgruben 2. 34, 31.
dû bist ein ander wîb,
diu uns brâhte den lîb.
Wackernagel Leseb. 1. 198, 13.
beispiele aus dem 13 ten jh. bei Benecke 1, 318ᵇ. daz weib das duͦ mir geben hast zuͦ einer gesellin, die hat mir geben von dem holz (baum) und ich hab davon gessen Keisersb. Sünden des munds 12ᵃ. heute selten, ein kerlchen den frau Fortuna zu ihrem liebling gedrechselt zu haben scheint Klinger 1, 99. auf kosten des weibes, die du liebst, die ich mehr als mein leben achte 1, 437. das kleine geschöpf, die mich in diesen zustand gebracht hat Göthe 24, 96.
8.
im mhd. steht der, um einen bedingungssatz einzuleiten, für wenn einer, wenn jemand; beispiele bei Benecke 1, 320ᵇ, die sich vermehren lieszen. zuweilen noch im 16 ten und 17 ten jahrhundert. als da ein mensch ein ganzen tag sitzt und schweigt, redt nichts, das ist eben als ein blater uf dem maul, als der zevil redet Keisersb. Sünden des munds 3ᵃ. zu dem fierden so sprich ich von vil essen und überflüssigem, do man sich füllt, als der ein wurst füllt 7ᵃ.
swär ist recht thuͦn, ders nit hat gewont.
Brant Narrensch. 5, 34.
swigen ist loblich, recht und guͦt,
besser ist red, der im recht duͦt
19, 94.
es ist ein herter orden,
der seinen buͦlen meiden muͦsz.
Uhland Volksl. 71.
'ich will zu land ausreiten'
sprach sich meister-Hiltebrant,
'der (wenn doch einer) mich die weg tät weisen
gen Bern wol in die lant'
330.
es ist ein herter orden,
der sich von gott dört scheiden muͦsz
875.
ha ha, es wär kein gut par schu, ders nit wolt: gewis der sie begert der mangelt ihr Fischart Garg. 153ᵃ.
da sprach der fuchs 'ich armer tropf!
wer wert, der mich schlüg umb den kopf?'
Wolgemut 122.
sie sprach 'gotz hei! secht an wie glunst
dem man sein angesicht vor fewr.
ach der im det ein kleine stewr
und güsz ein spülwasser auf in!
Hans Folz in Haupts zeitschrift 8, 511.
wieder bei Göthe, der auf dem lande im winter krank würde ohne wartung, wie elend wäre das Schöll Briefe 171.
9.
der für dasz er, mhd. dêr und in jedem obliquen casus Ben. 1, 320ᵃ.
kein mensch so hoch hie kumen mag,
der im verheisz den mornden tag
oder das er morn glück soll han.
Brant Narrenschiff 37, 9.
wer ist so weise, der die wolken erzelen könde Hiob 38, 37. da gieng der fürst des andern tags in den sal mit allem seinem hofgesind ob iemants etwas gemälts sehen künd, aber niemant künt sagen, der etwas sehe Ulenspiegel s. 38.
10.
bei collectivbegriffen tritt zuweilen der plural ein, nicht selten im mhd. bei Ben. 1, 318ᵃ. an den fursten höfen, da vil jungs volks ist, die nichts arbeiten und wol mechten fasten, die essen frü ze morgen Keisersb. Sünden des munds 6ᵇ.
III.
artikel. oben (sp. 959) ist gezeigt dasz man im 17 ten jahrh. anfieng die erweiterten formen des pronom. im gen. und dat. pl. widernatürlich auch bei dem artikel anzuwenden. in dem neuniederl. sonderte es sich durch abweichende formen, masc. de, des, den, den. fem. de, der, der, de. das neutr. hat nur den genit. des und braucht für die übrigen casus sing. das persönliche pronomen het. der pl. aller geschlechter de, der, den, de.
1.
es ist das abgeschwächte, des tons verlustig gegangene demonstrativum, das ursprünglich zu dem substantivum gesetzt ward, um ihm gröszeren nachdruck zu verleihen, aber bei häufiger anwendung in dieser bedeutung herabsank. so schildert Luther das neutrum des artikels im gegensatz zu dem demonstrativum (oben sp. 955), aber das ander das lautet kurz verhawen, das man den buchstaben a kaum höret oder nicht weisz obs a, e oder i laute, und stehet kein finger dabei, der da zeige das es laute: gleichwie die Behmen ire buchstaben kurz verhawen 3, 67. im mhd. wird daher nicht selten aus metrischen gründen daz in dez geschwächt. der ward schon im 12 ten und 13 ten jahrh., wiewol selten in d abgeschwächt, beispiele in Wackernagels Lesebuch 301, 16. 724, 11. bei H. Sachs findet sich
da kum ich zu euch, mein herr dabt (der abt).
3. 3, 60ᵈ. 61ᵃ. 63ᵃ.
am Rhein hört man dvate (der vater). häufig verschmelzen diu und die als bloszes d mit dem meist vocalischen anlaut des folgenden worts, schon im mhd., beispiele in der Gramm. 4, 370, bei Benecke 1, 313ᵇ und in Wackernagels glossar xc, in der volkssprache und in mundarten noch heute; vergl. Schmeller 1, 349. im 15 ten und 16 ten jahrhundert zeigt es sich sowol vor vocal- als vor consonantanlaut. Nimindhand, Farindkuo eigennamen in Wittenweilers Ring 22ᵈ, 26. 22ᶜ, 13. 18.
hinderd tür er sich verparg
10ᵇ, 28.
und warf sei dreistund wider derd
11ᵃ, 16. 40ᶜ, 8.
Pertschi nam ein andern weg
über dhaid der selben zeit
57ᶜ, 22.
wie oft man dirs in daugen slecht
19ᵇ, 21.
und warfs dem preutgom unter daugen
37, 3.
do raunt ir muoter in doren mein.
Fastnachtsp. 321, 20.
stechen in daugen usz
Murner Luther. narr 1326.
man uberredet dbaurn
Agricola Sprichw. 45ᵇ.
weit darvon ist gut für dschüsz
54ᵃ.
kund tuͦt got sein heimlich grundnis den din (denen die in) seiner furcht stehen Melissus Ps. C 2ᵇ.
den dreschern dhend zerbrechen
Waldis Esopus 102ᵃ.
tragens in dlöcher, da sie wonen
150ᵃ.
(der biber) schnidt dhoden ausz und lief davon
153ᵇ.
da ward er zornig über dmaszen
171ᵃ.
das er sich dleng nit kundt erwehren
180ᵃ.
der schwanz heng uber dhelft hinein
182ᵃ.
als wern mir dsünd zu Rom vergeben
206ᵃ.
sahe was dfrauw daheimen macht
293ᵇ.
mit springen thust dich hoch begeben
in dlüft, kanst doch des lufts nit leben
307ᵃ.
so würdn mir dleut ins korn stehen
H. Sachs 4. 3, 25ᵇ.
hand dmeuler offen wie die narren.
M. Montanus Spiel von Fulvio und Gisippo E ij.
der sie leit gar in dstatt hinein
Fischart Schiff 694.
das ers in dscheuren lasz
ders. Gargant. 87ᵇ.
häufig bei dem Schweizer Jac. Ruff, z. b.
gelt, ich will üch und den Schwizeren dschellen schlan.
Vorsp. 42.
ob got wil, noch in deewigkeit
wird bhalten si in einigkeit
Etter Heini 47.
das si kumend
zuo im in dgmeind und sich nit sumend
440.
schnell hat der fründ sich grüst uf dfart
441.
der lasz im dsach anglegen sin
492.
stell dich uf dstrasz wol, rüst dich fin
550.
daran ouch dschuld hat dobergkeit
1584.
ja wenig lüten gipt in dhand
2179.
wenn einer kam in dkilchen loufen
2292.
luogend wir nit basz in dsachen
2646.
dann gott hat im sin hirn verruckt
und im dvernunft im kopf verzuckt
3596.
dwil ichs nun alls vollkommen gmacht.
Adam und Heva 571.
duntrüw, dschalkheit dich wirt betriegen
959.
damit wir kommind nit in dschmach
durch dines urteil und in draach (die rache)
1842.
nach unserm bruch wend wir in dstatt
1902.
denn werdend ir hörn dstraaf der sünd
2742.
ir land beschirmen, dgrechtigkeit
3347.
dann ich, din gott, der dsünd thuot demmen
4137.
und wie bald dgest dann gladen sind
5598. 5649. 5770.
in Brants Narrenschiff musz es öfter angenommen werden; vergl. Zarncke 290ᵇ. geht eine präposition vorher, so hängt Murner dieser das d an,
ind hell gesprungen
Luther. narr 1240.
Gengenbach
gond nit ind sach als wärens blind
5, 19.
das do nit wären frommer leut
dand Schwitzer bin (bei den) selben tagen
13, 55.
krachen mir dbein und trüft (trieft) mir dnas.
71, 616.
H. Sachs ein t,
kein harm (harn) ant gassen ausz zu gieszen.
4. 1, 1ᵃ.
bringt ir ant hörner im die schlingen.
4. 3, 3ᶜ.
stund auf vom tisch und mit im nam
zween fürsten und int kuchen (in die küche) kam.
4. 3, 56ᵃ. 71ᵃ.
dem könig ubert achsel schaut
4. 3, 57ᵃ.
int wach und ordnung musz ich (landsknecht) stahn.
4. 3, 62ᵈ.
darmit thu ich int heuser schleichen
4. 3, 63ᵈ.
untert fleischbank gangen ist
4. 3, 71ᵃ.
flicht dir ein satteldeck und schürz
sie ubert lend
4. 3, 177ᵇ.
warfs auch zum fenster nausz ant gassen.
4. 3, 82ᶜ.
ging int werkstatt
4. 3, 82ᵈ.
int abziehstuben
4. 3, 88ᵇ.
doch musz die katz int schelmengruben
4. 3, 91ᵇ.
an das persönliche pronomen,
und die (diejenigen welche) in stetten erbarn frawen
in den kirchen die hend abhawen
dasz int stümpf an der gürtel hangen
4. 3, 65ᶜ.
dieses t hat sich noch in dem eigennamen Schlagintweit erhalten.
2.
umgekehrt findet aphäresis statt, im mhd. zuweilen en für den, ez für dez = daz; vergl. Gramm. 4, 369. häufig wird der gekürzte artikel mit dem vorangehenden wort verschleift.
a.
bei präpositionen. im ahd. nur bei ze, Otfried hat zemo und zem. im mhd. öfter mit einsilbigen sowol als zweisilbigen; beispiele Grammatik 4, 368. 369. Benecke 1, 313. Suchenwirt im 14 ten jahrh. er kund inn (in den) houfen dringen 11, 274. Wittenweiler
kamend her mit irem gepraht
auf den plan und widern gast
Ring 3ᵈ, 37.
Brant im Narrenschiff bim (bei dem), bim mindesten pfund 25, 10. bim ofen 97, 12. im (in dem), im mer 108, 106. im mund 80, 5. zuͦm (zu dem) zuͦm zil 86, 6. bin (bei den), bin wisen 68, 17. bin oren 72, 8. bin mannen 77, 38. inn (in den), inn seckel 15, 22. inn himel 19, 79. inn doppel 75, 42. inn ermel 75, 43. ins (in das), ins narrenspil 11, γ. ins hus 32, 9. ins dorf 72, 31. ins dinctenfasz 79, 16. auch jedems (jedem das) 41, 28. Murner zuͦn (zu den) suwen Luther. narr 4287. Gengenbach bin selben tagen 13, 55. Jac. Ruff bim win Adam und Heva 3596. undern (unter den) 3596. umbs (umb das) unser Etter Heini 2302. Alberus umbs (umb des) bauchs willen Jörg Witzel F 4ᵃ. Luther gebraucht fast immer am, im, zum, aber nicht vorm. Maaler will amm nicht am geschrieben haben 15ᵇ, auszerdem führt er an beim 56ᵃ, im 235ᵇ, vom 473, zum 525, aber nicht vorm. volkslied bei Uhland
peir (bei der) nacht und auch peim tage
814.
Waldis
bein hindern füszen sich aufhenkt
164ᵇ.
macht ihm viel sprüch aufm lotterholz
213ᵇ.
hetst den mantel nachm wind gehenkt
215ᵇ.
und führt sie oben übers dach
103ᵇ.
underm tisch allenthalben sucht
165ᵇ. 168ᵃ. 240ᵇ.
das ir allzeit seit auszerm haus
227ᵇ.
H. Sachs
will mich nit ducken wie vorhin,
meiner frawen untern füszen liegen
3. 1, 2ᵃ.
und solt keim andern beichten gar
denn unserm caplan hinderm altar
4. 3, 8ᶜ.
Wolgemut
weil euch zun dingen ist so gach
2, 255.
Fuchs Mückenkr.
es dürft wol unterm last erliegen
1, 666.
vons pulvers rauch
3, 195.
Jucundiss. muste ich ihm widers teufels dank eine andere gans verschaffen 131. Lehmann die gebratene keste auszm fewer scharren 139. trew vorm gesicht und tragen den schalk aufm rücken 142. beim fewer 144. auszm haus 146. sitzt die katz aufm käfig 171. Schuppius ich will ein exempel statuieren am M. Bernd Schmidt 606. wie er fürn Ruttelhof kompt 83. ich musz meine zähne zun wölfen haben. kommen beien kürschner zusammen 839. Stieler hat am 46, beim 142, im 889, vom 2394, vorm 583, zum 2653, von den zweisilbigen nur hinderm 842. Frisch 1, 26 ist der verschleifung abgeneigt, am sogar scheint ihm nicht überall zulässig: es werde nur bei schneller rede gebraucht, und man müsse den wollaut berücksichtigen, der jedoch dabei gar nicht leidet. ein gleiches bemerkt er zu beim 1, 94 und vom 2, 406. im kurzen will er gelten lassen für in kurzem, da in dem kurzen unstatthaft sei. zum wird 2, 482 angeführt, aber nicht vorm, und bei den zweisilbigen ist keine rede von einer verschleifung. Gegenwärtig findet man in der schriftsprache am, beim, im, vom, zum und zur, sodann ans, aufs, durchs, fürs, ins, ums. im gemeinen leben hört man aufm, ausm, mitm, nachm, vorm, samtm, auch aufn, bein, durchn, fürn, ummen, zun und beis, widers. doch auch bei Göthe aufm und vorm. bei den zweisilbigen präpositionen ist zulässig auszerm, hinterm, überm, unterm, hintern, übern, untern, in der umgangssprache auch nebens, ohnes. Selten wird es mit einer andern partikel verschleift.
ir lieb wil mir nurs (nur das) herz abdrücken.
H. Sachs 2. 4, 29ᶜ.
helfen dich basz denns (denn das) haberkorn.
Wolgemut 2, 322.
b.
an das persönliche, vor dem subst. stehende pronomen konnte sich im mhd. das gekürzte daz anlehnen, z. b.
wie erz harnasch gewan
Parz. 170, 2.
dâ manz ambet tete
Iwein 7409.
vergl. Gr. 4, 369.
dar zuo was ims weibe (ihm das weib) tod.
Wittenweiler Ring 9ᵇ, 37.
das kommt in der heutigen schriftsprache nicht mehr vor.
c.
das des dem den kann mit dem vor dem substantivum stehenden verbum in der umgangssprache verschmelzen, ich wills licht holen. er solln vater rufen. ich laszm vogel seine freiheit. mit dempronomen,
Fritz der wart sichs dings versehen.
Wittenweiler Ring 10ᵈ, 37.
mit einer präposition, durchs feindes lager Chr. Ew. v. Kleist 2, 45. mit mehreren imperativisch gebildeten eigennamen, Suchenwirt suche den wirt, Leidenfrost leide den frost, Stürzenbecher stürze den becher, so ferner Fegenbeutel, Füllenmagen, Griepenkerl, Hauenschild, Leckenprei, Nagenfleck, Rüerenbrei, Rüerenmost, Rührendreck, Schürenprand, Schüttenhelm u. a.; s. vorrede zu Wittenweilers Ring viii. ix. im 14 ten jahrh. ward der wein Netzengoumen genannt.
d.
im mhd. ward zuweilen des vor dem gen. in s gekürzt und mit dem subst. verbunden, z. b. sküneges, skriuces (Gr. 4, 369).
das diser küng stroums (des traums) vergasz.
J. Ruff Etter Heini 3597.
also das stods (des tods) nit muesz ersterben.
ders. Adam und Heva 591.
in der volkssprache noch heute bei den adverbien smorgens, sabends, snachts, sjahrs. so wird auch s für das angehängt, sglück, skind, slicht.
srecht wirt gesteckt alls hinder thür.
Jac. Ruff Etter Heini 320.
ich hett schier sghäck (gehackte fleischspeise) da gar vergessen
775.
da muost er wîchen, sland (das land) verlon
3381.
3.
er zeigt sich in den ältesten ahd. denkmälern, wie in der Exhortatio ad plebem christianam und in der übersetzung Isidors bereits in geltung. wenn er in einigen andern, aus dem lateinischen übersetzten, namentlich in den Hymnen, etwas seltner gebraucht wird, so trägt die sclavische nachahmung daran schuld, aber man darf nicht denken dasz er, ursprünglich der sprache fremd, erst nach und nach sich eingeführt habe, zumal er dem gothischen eigen war. wenn er die freiere bewegung und die kühnere wortstellung, wie sie in der lateinischen sprache zulässig ist, hindert, so gewährt er wiederum eigene vortheile. denn da er nach bestimmten gesetzen steht und wegfällt, oder die wahl frei läszt, so macht er feine unterscheidungen möglich, die man dort entbehrt, die aber dem sinn verschiedene färbung geben, nähere und allgemeinere beziehungen aus einander halten. er behält auch in der schwächsten bedeutung immer noch eine gewisse demonstrative kraft. die bedingungen, unter welchen er wegfällt, werden hernach erörtert werden.
4.
er heiszt der bestimmte artikel, weil er auf ein bestimmtes, aber zu einer art gehöriges individuum hinweist, im gegensatz zu dem unbestimmten, der im allgemeinen die art, aber nicht das individuum hervorhebt. wenn Artus auf der jagd nach dem weiszen hirsch ausruft 'ich sehe den hirsch', so kann er nur diesen meinen, hätte er einen gewöhnlichen erblickt, so würde er gesagt haben 'ich sehe einen hirsch'. bei dem pl. würde Artus in dem einen fall gesagt haben 'ich sehe die hirsche', die weiszen nämlich, in dem andern aber 'ich sehe hirsche', da der unbestimmte artikel seiner natur nach keinen pl. haben kann. der nachen weicht dem dampfschiff aus und ein nachen fährt langsamer als ein dampfschiff. man liesz die pferde vorspannen, die zu dem wagen gehörigen, sagt man pferde, so wird angezeigt dasz man keine andere thiere vorgespannt habe. ich höre ein geschrei oder geschrei: dagegen nothwendig 'ich höre das geschrei des adlers'. will man jemand bezeichnen, der nicht empfindlich ist, so sagt man er versteht scherz oder einen scherz, ist ein bestimmter scherz gemeint, er versteht den scherz. die regel wird freilich nicht immer streng befolgt, vergisz nicht der armen, wenn du den frölichen tag hast Sirach 14, 14, wo einen stehen müste, soll nicht ein bestimmter tag gemeint sein. dieses rothmalen einiger vertiefungen, wodurch ein hölzernes berghaus den so lustigen anblick gewährt Göthe 21, 24 läszt sich entschuldigen, wenn ergänzt wird den bekannten so lustigen anblick. in dem ursprünglichen Götz v. Berlichingen steht ich war die närrin dich für etwas zu halten das du nicht bist 8, 131. 42, 192, in der letzten bearbeitung ist aber dafür eine gesetzt.
5.
man kann sagen der artikel und das demonstrativum vermischen sich, oder jener erhält beinahe die kraft von diesem, wenn vor dem substantivum, mit dem er verbunden ist, ein adjectivum oder mehrere vorangehen, in welchen ein relativsatz versteckt ist. ich kenne den guten trefflichen mann heiszt ich kenne den mann, der so gut und trefflich ist. ferner, wir wandelten auf dem anmutigen, über die wiesen sich schlängelnden weg. es ist dem dem menschen innewohnenden trieb gemäsz. du stehst in dem für dich durch gott bestimmten stand Gellert 6, 228. der seines erfolgs sichere eifer. wenn man aus dem in sich und durch sich lebenden und wirkenden herzen redet Göthe 60, 225. Wird der relativsatz ausgedrückt, so sinkt dagegen das demonstrativum fast zum artikel herab. der relativsatz sagt dann aus was in der andern fassung durch adjectiva ausgedrückt wird und enthält nur eine nähere beschreibung und ausführung, z. b. sie holte den teppich herbei der so glänzend und reich gestickt war, den glänzenden reichgestickten. wir erfreuten uns der landschaft, die durch den flusz belebt war. wir erblickten das haus, das in flammen stand.
6.
zweifelhaft kann man sein ob artikel oder demonstrativum anzunehmen ist in einer der deutschen sprache eigenthümlichen stellung. man bezeichnet herkunft aus einem land, abstammung von einem geschlecht, wenn man sagt der aus Hessen, der aus Pommern, der aus Spanien oder der von der Malsburg, der von Baumbach, der von Eschwege. immer nur bei dem adel der auf grundbesitz beruht, man sagt nicht der von Müller, der von Schneider, der von Schulze. schon im mhd. kommt dieses der vor, auch im pl., di von Brittanne Rol. 267, 15. di von Dalvergie 267, 22. der von dem swarzen dorne Iwein 5629. der von Berne Nib. 1659, 2. der von Spâne 1735, 1. die von Düringen 1815, 2. die von Bechelâren 1257, 2. die von Rîne 1058. von dem von Burgunden land 2010, 4. von den ûz Berne Dietleib 5707.
dô kômen die von Friesen und die von Sturmlant,
nâch den von Tenemarke hete sie ouch gesant.
Gudrun 938.
die von Tenelande 1111, 2. 2549, 4. mit dem von Tenemarke 1544, 3. die von Karadîe, Karadîne 702, 1. 733, 3. die von Môrrîche 729, 3. die von Nortlande 466, 4. die von Ormanîe 948.
daz lop des von Katzenellenbogen
Walther 81, 6.
der von Norwæge Parz. 676, 3. diu von Hagenouwe Gottfr. Tristan 121, 19. durch den von Tiersberc Konrad v. Würzb. Otto 750. der von Libenzelle Jeroschin 73, 65. 80, 295. weitere beispiele bei Ben. 1, 318. nicht nur ruht in diesen stellen die hebung darauf, man setzte ebenso das zweite demonstr.
dô dise von Berne gescheiden wâren dan
Nibel. 1813, 1.
daher ist die ansicht von Benecke, der eine ellipse von herre, man annimmt, nicht wahrscheinlich. und das geschicht auch etwan denen von den räten Keisersb. Sünden des munds 8ᵇ. glaub mir das verfürt auch die in den clöstern 10ᵃ. ich mein euch hie nicht, aber die von Nürnberg 15ᵃ. und das thuͦnt nicht allein die an den furstenhöfen sondern auch die ratsherren 15ᵃ. ich muͦsz gedenken wie sich die in dem eelichen standt versünden 15ᵃ. wie der (bischof) von Passaw musz solchs thun Luther 3, 407. aber der von Israel (on die von Benjamin) wurden gezelet vier hundert tausent man Richter 20, 17. dasz Luther, der die erweiterte form nicht bei dem artikel verwendet, darin das demonstr. sieht, beweist folgende stelle, die alle überblieben waren vom ganzen heer deren aus Morgenland Richter 8, 10. anzumerken ist aber dasz bei ihm nur in dieser stelle deren vorkommt, sonst nur (oben sp. 957) der oder dere. da wird denn der könig sagen zu denen zu seiner rechten Matth. 25, 34. und es begab sich dasz die zu pferd den Römern oblagen Rihel Livius 299.
als nun war auszbrochen weit
deren von Straszburg willigkeit
Fischart Schiff 92.
sie (die Javaner) haben das betele und areka, welches sie wie die in India stäts kauen Olearius Orient. insuln 148. als dieses die zu Facratea sahen 150. die in der schanze merkten die verätherei 151. der von adel fiel ihm in die rede Chr. Weise Klügst. leute 38. Erznarren 283. 285. das geschlecht derer von Logau Ramlers und Lessings Vorrede zu Logau V. Adelh. wer führt gegen Berlichingen? Franz. der von Sirau Göthe 8, 88. es fällt in die zeiten wie ich die von Miltenberg und Singlingen in der wirthsstube fand, die mich nicht kannten 8, 133. darnach führten wir heraus den Helfenstein, den Eltershofen, an die dreizehn von adel, zusammen auf achtzig 8, 137. ein neuerer roman hat den titel Aus den familienpapieren derer von H.
7.
seine stelle erhält der artikel unmittelbar vor dem subst. oder adject. das war schon in der alten sprache regel, die mhd. hatte davon ausnahmen gemacht und wechselnde freiere stellungen zugelassen, die in der Grammatik 4, 537—542 nachgewiesen sind, wozu Benecke 1, 317 weitere belege liefert. die heutige sprache ist zu der regel zurückgekehrt, und die freiheit den artikel mit dem adjectivum nach dem subst. zu setzen (z. b. wîn der allerbeste. von ritterschaft der mæren Gr. 4, 538—539), die im mhd. das epos und einige dichter zulieszen, ist nur noch, wie im französischen und englischen, erlaubt, wenn adjectiva als epitheta hinter eigennamen gestellt werden, z. b. Ludwig der fromme. Karl der kühne. Friedrich der grosze. Philipp der groszmütige. nur Göthe ist weiter gegangen, er sagt
höhle die tiefste schützt
41, 333.
ein suffigierter artikel wie er in den nordischen sprachen bekannt ist, kommt im deutschen nicht vor; vergl. Grammatik 4, 373.
8.
er zieht die schwache form des folgenden adjectivums nach sich, während der unbestimmte im casus rectus die starke fordert. von dieser regel finden sich schon in frühster zeit ausnahmen, die sich zeigende starke form musz aber als eine verwilderung betrachtet werden; vergl. Grammatik 4, 533—536. mhd. erscheint häufiger (Gramm. 4, 540. 541) die starke form neben der schwachen bei dem allein stehenden adject. (der guoter), nach dem articulierten subst. (der vater vil guoter), nach eigennamen (Constantînus der guoter) und bei dem articulierten adj. welchem ein subst. folgt (der listiger man. diu tugentrîchiu meit. daz listigez wîp. des ganzes apfels. dem helflîchem tage). noch im 16 ten und 17 ten jahrhundert kommt die starke form vor, zuweilen auch bei Luther, z. b. dieser ist der erstgeborner 1 Mos. 48, 18. die rechte kriegsleute Jerem. 48, 14. Schottel hat 236—238 beispiele gesammelt. gegenwärtig gilt die ursprüngliche regel ohne ausnahme, also der gute, die gute, das gute. der gute mann, die gute frau, das gute kind. des guten, der guten, des guten u. s. w. es können auch mehrere adj. folgen.
9.
der bestimmte artikel will bei dem substantivum das besondere aus dem allgemeinen hervorheben und verdankt diesem streben sein dasein. bei entschiedener strenger individualität tritt er zurück, wie bei eigennamen und in andern fällen, wovon hernach die rede sein wird, während er, soll das besondere, das einzelne bezeichnet werden, nicht fehlen darf, wie z. b. bei könig, herr, meister, welt. der blosze allgemeine begriff hat ihn nicht nöthig oder nur den unbestimmten. Hans Sachs unterscheidet richtig,
und verbot ihn (den säufern) den wein
bei groszer straf, auf dasz sie schier
fürbasz nur solten trinken bier
4. 3, 65ᶜ.
wein erhält den artikel, weil damit etwas bestimmtes, der tägliche trank gemeint ist, bier nicht, weil es als appellativum angenommen ist. da aber die linie zwischen der gattung und dem individuum öfter nicht genau zu bezeichnen ist, der zusammenhang der rede in betracht kommt, lage und verhältnisse der sprechenden und hörenden dabei einwirken, so kann er häufig stehen und wegbleiben. im mhd. war die freiheit noch gröszer, Hartmann sagt,
es ist sun des künec Vrîênes
Iwein 2111,
wir müsten sagen der oder ein sohn. es konnte in demselben satz ein substantivum den artikel bei sich haben, das andre nicht,
aldâ si kan verswinden
als viur in dem brunnen
und daz tou in der sunnen
Parzival 2, 3.
selbst in formelhaften verbindungen,
liute und ouch diu lant
Nibel. 1458, 2.
weder regen noch der snê
Parzival 565, 11. Boner 57, 18.
fleisch mit den fischen
Nibel. 370, 3. Iwein 6217;
vergl. Grammatik 4, 416. 417. bei Waldis
thet sich der windt und wasser stillen
Äsop 112ᵃ.
weder multer noch den trok
Uhland Volksl. 718.
Wir betrachten die anwendung des artikels in den verschiedenen fällen.
10.
Da der vocativus, an die zweite person gerichtet, seiner natur nach den artikel nicht erträgt, so ist in der anrede nur herr zuläszig, es stehe nun allein oder vor titel und namen. im mhd. kann hêrre herre in her gekürzt werden, her künec, her keiser, nur nicht vor gott und krist: herre got bei Walther und Hartmann, got hêrre bei Walther. man findet im 13 ten jahrh. auch er für her, er Sîfrit Nibel. 291, 3. er Gunther 614, 2. er Hagene 836, 1. sogar kann er dem vorangehenden wort angeschleift werden, so im Iwein bedahter Îwein 2960. got under Gâwein 4865. ja es wird her herre neben einander gesetzt, wenn es in voller bedeutung von dominus gebieter stehen soll. Adam ruft zu gott her mîn lieber hêrre Karajan denkm. 42, 20.
her herre, und habt ir einen man
der iu sînen dienest marketveile machen kan
MS. 2, 132ᵃ.
herre, her künec Helbling 15, 779. herre, her Dieterîch Rosengarten C. 1670. 1701. 1953. 1967. aber schon im mhd. findet sich ein beispiel, wo aller nachdruck auf herre liegt und der titel mit dem artikel als dritte person zugefügt wird, wie in dem französischen monsieur le duc, monsieur le juge, in dem niederländischen min her de graf. Rudolf nemlich sagt
lieber herre der bischof
Gerhard 685.
hernach im 15 ten und 16 ten jahrh.
got grüsz üch, frow die herzogin
Uhland Volksl. 303.
in den Fastnachtspielen bei Keller kommt neben her wirt, her richter und andern titeln nicht selten her der wirt, her der richter vor, und scheint aus der volkssprache aufgenommen. also, her der bürgermeister 746, 14. 29. 750, 14. her der official 321, 11. 322, 16. 771, 24. 772, 2. 769, 18. her der richter 310, 21. 311, 12. 20. 312, 15. 318, 1. 319, 9. 590, 7. 29 u. s. w. her der wirt 319, 16. 329, 5. 371, 22. 567, 4. 612, 13. 631, 1. 653, 26. 699, 5. 14. 713, 23. 718, 18 u. s. w. einmal der unbestimmte artikel,
Parzival ein ritter guot,
habt euchs für kein unmuot
407, 7.
auch bei Keisersberg herr der könig, herr der fuchs Baum der sel 27ᶜ. sogar vor den eigennamen,
genädiger herr der Perchtold,
darumb pin ich euch von herzen holt.
Fastnachtsp. 577, 21.
ach mein herr der Wolfdieterich,
wie thu euch jetzt gefallen ich?
Jac. Ayrer Trag. 213ᵃ.
noch bei andern, herr der rector Ulenspiegel c. 29. herr der mon (mond) Alte weisen 117ᵃ.
mein lieber herr der doctor
Theuerd. 67, 51.
herr der hofrichter
109, 78.
da kum ich zu euch, mein herr dabt (der abt).
H. Sachs 4. 3, 60ᵈ.
die Carolina criminalis schreibt dem advocaten als formel vor herr der richter, A der anklager klagt zu B dem übelthäter art. 89.
11.
zwei durch und verbundene substantiva lassen den artikel nicht immer weg, von welchem fall unter 13 geredet wird, er kann aber, wenn eine verschiedenheit oder ein gegensatz vorhanden ist, nicht fehlen. der herr und meister, der dichter und tonkünstler ist eine person, der herr und der meister, der dichter und der tonkünstler sind zwei. darauf wird nicht streng gehalten, zumal wenn die verschiedenheit doch nicht zweifelhaft ist, Göthe sagt der epiker und dramatiker sind beide den allgemeinen poetischen gesetzen unterworfen 49, 146. wo der dramatiker stehen sollte. ein gleiches gilt von zwei adjectiven, der gute und gewissenhafte mann, der liebe und treue freund: dagegen zwischen dem weiszen und dem blauen zeug hatte sie die wahl. die gesunden und die kranken gäste kamen zu dem brunnen. mehrere unmittelbar auf einander folgende adjectiva bedürfen keiner wiederholung des artikels, die guten lieben kinder, der tüchtige entschlossene rasche mann: sie verstärkt aber den nachdruck,
so schmausen die zwerge behaglich und laut
zu ehren der reichen, der niedlichen braut.
Göthe 1, 196.
ich habe das nahe, das einzige glück
verscherzt
1, 215.
nothwendig ist der artikel, wenn aus gleichem grund das adject. hinter das subst. gestellt wird, der richter, der gerechte, hat dies urtheil gesprochen. dem herrn, dem mächtigen, sollt ihr gehorchen. die mutter wird kommen, die gute.
und die mauer, die vermorschte,
altershalben ist gefallen
Göthe 5, 274.
nahend seh ichs mit erstaunen
sitzt er noch im pelz, dem braunen,
wahrlich wie ich ihn verliesz
41, 98.
die glocke tönt, die fürchterliche,
durchschauert die beruszten mauern
41, 103.
12.
bei ausdrücklich angezeigtem gegensatz ist er im sing. nothwendig. der glückliche vermag das, nicht der unglückliche.
der trûrege, niht der geile
Parz. 491, 18.
im pl. kann er wegbleiben, man sagt die reichen gelangen dazu, nicht die armen, aber auch reiche gelangen dazu, nicht arme. Göthe wol nur allein hat das articulierte adjectivum vorangesetzt und bei dem dazugehörigen subst. den artikel wiederholt,
sie sinds, die unholdigen schwestern.
sie streifen heran und sie finden uns hier:
sie trinken das mühsam geholte, das bier,
und lassen nur leer uns die krüge
1, 226.
nun ists um den armen, den thürmer gethan
1, 230.
gehören zwei substantiva von verschiednem geschlecht und numerus zusammen, so musz der artikel wiederholt werden, das glück und die theilnahme der menschen begünstigten ihn. der widerwillen und die zuneigung drückten sich auf ihrem gesicht aus. die lust und die begierden waren nicht zu zähmen. Luther fehlt dagegen, wie andere, zur ehre und lobe gottes Philipp. 11, 11. und euer geist samt der sele und leibe müste behalten werden unsträflich 1 Thess. 5, 23. auch im canzleistil häufig. Göthe hat in ähnlichen fällen die regel in der prosa oft hintangesetzt, er sagt z. b. mit diesem lied und wendung 5, 19. deinen rock und mütze 12, 92. gleichen wuchses und würde 21, 69. um ihre gestalt und wesen 48, 23; weitere beispiele s. Lehmann Göthes sprache 205.
13.
Werden zwei oder mehrere nebeneinander stehende substantiva durch eine conjunction verbunden, so kann der artikel vorangehen aber auch wegbleiben. in jenem fall wird das besondere das in den appellativen liegt, bezeichnet, in diesem gestattet die durch die substantiva angezeigte vielheit den artikel auszulassen. man kann sagen die stadt brennt im östlichen theil, die straszen und die plätze sind mit menschen angefüllt, aber auch straszen und plätze. hier zeigt sich kein merklicher unterschied, aber häufig entsteht, wenn der artikel wegfällt, eine formelhafte, bildliche oder sprichwörtliche redensart. sagt man das kraut und die rüben unter einander hacken, so kann das nicht uneigentlich genommen werden, dagegen kraut und rüben kann auch bildlich heiszen 'das verschiedenartige, nicht zusammengehörige in der betrachtung, in dem gespräch unter einander werfen'. diese verbindung zieht häufig noch eine nähere herbei, indem sich wie von selbst alliteration oder reim einfindet. von jener sind aus älterer zeit und in beziehung auf rechtliche verhältnisse beispiele in den Rechtsalterthümern s. 6 folg. gegeben, von diesem s. 13. hieran schlieszen sich hier die in der folgenden zeit bemerkten.
a.
barte und beil (Froschm. Vv v). bauer noch bürger (Waldis Esopus 24ᵇ). baum und borke (Gutzkow Ritter vom geist 3, 36). baum und busch (Göthe 1, 43). in bausch und bogen. busz und besserung (Eyering 2, 321). blatt und blume (Schiller 54ᵇ). blüte und blume. bürger und bauer. braut und bräutigam (Schiller 191ᵃ.) brot und butter. dicke und dünne. distel und dorn. dorn und dickicht (Göthe 22, 87). dunst und dampf (H. Sachs 3, 138ᵃ). in allen ecken und enden (Göthe an fr. v. Stein 1, 47). ernst und eifer. feld und fach (Göthe 46, 250). feuer und flamme. flammen und funken (Günther 928). fisch und fleisch (Eyering 2, 344. Göthe 40, 173). flur und feld. freude und furcht. freund und feind. friede und freude. gang und gemach (A Grün Ged. 264). gärten und güter (Mörike Idylle 53). geld und gut (Waldis Esopus 2026). geld und gewalt (Eyering 3, 315). geld und gunst (Brant Narrensch. 111, 21. Herm. Grimm Novellen 354). gift und galle. gift und geifer. gift (geschenk) und gabe (Schuppius 532). gold und geld (Eyering 3, 118). gras und gries (Zingerle Hausmärchen 2, 269). glitz und glanz (Mörike). glück und glas. glück und gunst. groll und grille (Günther 597). hahn und huhn (Froschm. Q iiij). hals und hand. hand und herz. hast und hatze (Göthe an fr. v. Stein 2, 127). haupt und hals (Froschm. M m 1). haupt und haar. haus und hof. haus und herd. in haus und herz behalten (J. Paul Siebenkäs 2, 112). haut und haar (Brant Narrensch. 67 β. Göthe an Lavater 98). herr und haupt (Eyering 3, 126). herz und hand. herz und haupt (Froschm. G iiij). himmel und hölle. hirt und hund (Wittenweiler 55ᶜ, 34). hirsch und has (Froschm. N ij). hof und herre (Froschm. E v). höhen und halden. huhn und hahn. kalb und kuh (Wittenweiler 9ᵈ, 32). kaul und kegel (Eyering 2, 384). keiser und könig (Soltau 2. 338, 21). keller und koch (Gargantua 169ᵃ). klette und kleid (Göthe 56, 82). kind und kegel. kisten und kasten. könig und keiser (Eyering 2, 591). kranz und krone (Kotzebue Dramat. spiele 2, 281). kräuter und kiesel (Göthe an fr. v. Stein 1, 217). krieg und krankheit (Eyering 3, 184). küche und keller. küssen und kosen. land und leute. leib und leben (Mückenkr. 2, 498). liebe und leid. licht und leben (Schiller). lenz und liebe (Uhland Ged. 445). licht und luft. lunge und leber (Wittenweiler 3ᵈ, 25. Eyering 3, 463). lust und liebe. mann und maus. maul und magen (Eyering 3, 86). moder und morast. münz und masz (Eyering 3, 274). nacht und nebel. rang und reichthum (Herm. Grimm Novellen 388). reden und rathen. rosz und reiter. ritter und rosz (Göthe 1, 103). rosz und rind (Wittenw. 55ᵃ, 30). ruh und rast. sammt und seide. schalk und schelm (Mercks briefe 1, x). scham und scheu (Göthe 40, 180). schand und schmach. schand und schade (Wittenw. 55ᵃ, 18. Eyering 3, 586). schild und schirm (Boccaccio 1, 7ᵃ). schild und schutz (H. Sachs 4. 1, 13ᵃ). schild und sper. schild und schwert. schimpf und schande. schirm und schutz. schmach und schande. schutz und schirmung (Göthe 41, 227). sichel und sense (A. Grün Ged. 78). stahl und stein. stich und streich (Theuerd. 77, 85. Fuchs Mückenkr. 3, 413). stock und staude. stock und stein. schlägt stuhl und stahl entzwei (Günther (1061). stumpf und stiel. sturm und streit (Laurin 766 Schade. Froschm. 994). stütze und stab. tag und thau (Lisch Mecklenb. jahrb. 20, 201). thür und thor (Göthe 1, 103). thor und thürangel (Eyering 2, 384). tiegel und topf (Mörike Idyll. 112). tod und teufel (Kotzebue Dramat. sp. 2, 315). trommel und trompete (A. Grün Ged. 264). trotz und thränen (Göthe 40, 282). wall und warte (A. Grün Ged. 172). waffe und wehr. wald und wiese (Mörike Ged. 30). wanderer und wagen (Göthe 40, 238). wasser und wald (Froschm. C v). wasser und weide (Froschm. Dd v). wein und weib (Uhland Ged. 371). werk und wort (Brant Narrensch. 112, 15). werth und würde (Iffland Werke 11, 182). wind und wasser (Froschm. E ij). wind und welle (Göthe 2, 76). wind und wetter. wittwen und waisen. wonne und weide (H. Sachs 4. 3, 54ᵇ). wol und weh. weder wort noch weis (Theuerd. 48, 119). worte und wendungen (Herder in Mercks briefen 1, 25). worte und werke (H. Sachs 3. 1, 4ᵇ. Göthe 1, 237). wort und wink (Schiller 327ᵇ). wunsch und wink (J. Paul Siebenk. 1, 116). wunsch und wille. zaum und zügel. zins und zehnte. zins und zol (Eyering 2, 412). zittern und zagen. zunge und zähne (Froschm. Mm 1). zweck und ziel (Soltau Volkslieder 2. 183, 16).
b.
bürde und würde. dach und fach. zu ding und ring gehen (Haltaus 227. Weisth. 2, 180. 181). duft und luft (Lorich 95). freund und leid. freund und feind. gang und drang (Uhland Ged. 417). gut und blut (Froschm. Mm iij). handel und wandel. hülle und fülle. klang und sang. knall und fall. durch korn und dorn (Bürger 69ᵇ). kniffe und pfiffe (Kotzebue Dramat. sp. 2, 296). krieg und sieg. krüppel und tippel (Fischart Garg.). kunst und gunst (Göthe 41, 149). über land und sand laufen (Stilling Jugend 2, 68). leben und weben. lug und trug. macht und pracht. not und tod. aus rand und band sein (Gutzkow Ritter vom geist 1, 253). rat und that. rumpf und stumpf. sack und pack. saft und kraft. salz und schmalz. sang und klang. saus und braus. scham und gram. schewel und grewel (Hesekiel 11, 18. 21). schmollen und grollen (Mörike Ged. 18). sporn und dorn (Fischart Garg. 69ᵇ). stein und bein. schritt und tritt. stock und block. schutz und trutz.
wenn wahn und bahn
der beste brach
Göthe 40, 417.
weg und steg. Beispiele von diesem wegfall des artikels aus dem ahd. und mhd. gibt die Grammatik 4, 389. 401. 409. 410. aus der groszen menge, die sich in den schriften der folgenden zeit finden, hier nur einige. im anfang schuf got himel und erden 1 Mos. 1, 1. scheiden tag und nacht 14, 18. dorn und distel sol er tragen 3, 18.
der velt bald in sünd und schuld.
Brant Narrensch. 35, 22.
und tag und nacht spielen und rasen
77, 5
an weib und kind nit viel gedacht.
Waldis Esopus 190ᵇ.
zur arbeit stäts hielt mägd und knecht
193ᵃ
ein ewig schreien weh und klag
343ᵃ.
bei Hans Sachs sehr häufig, nur einige beispiele,
gester hat Alexander plagt
land unde leut, schlösser und stätt
2, 55ᵃ.
nach dem thut fleisch und blut stät streben
3, 55ᵃ
vieh und leut mangel bei ihn leiden
3, 56ᵇ.
tag und nacht mit treuer hut
3, 56ᵇ.
sommer und winter musz ich wandern
3, 62ᶜ
er sei denn von adels geschlecht
das zu der that hab fug und recht
3, 67ᵇ.
all krieg und hader wird zerbrochen
3, 71ᵇ
ist ein zung die nur suchet endlich
hader und zank
3, 71ᵈ.
da ist hund und katz das best vihe Fischart Garg. 69ᵃ. reiten durch wald und strauch Schütz Beschreib. v. Preuszen 75.
in gefahr setzen leib und blut.
Fuchs Mückenkrieg 1, 400.
bei Göthe sehr beliebt; beispiele nur aus dem ersten band.
spät erklingt was früh erklang,
glück und unglück wird gesang
9.
wo du, engel, bist, ist lieb und güte
79.
und regen, sturm und gewitter
verpast ich unter dem baum
94.
füllest wieder busch und thal
still mit nebelglanz
111.
jetzt nur stangen diese bäume,
geben einst noch frucht und schatten
113.
und wenn du haus und felder pflegst,
will ich dein diener sein
122.
bei flöten und schalmeien
erneuert sich die zeit
129.
ich stellt mein sach auf geld und gut, juche!
darüber verlor ich freud und mut, o weh!
145
zu ende geht nun sang und schmaus
147.
da kommt behende kreuz und band
und zieret rock und brust
150.
ball und oper wird uns tödten
161.
sie tragen die würste, die schinken so klein,
und braten und fisch und geflügel herein
197.
und wagen und reiter und bräutlicher schwall
sie kommen und zeigen und neigen sich all
197.
soll spott und hohn getragen sein,
trag ich allein den hohn
204.
und helle
ward aug und gesicht
216.
hatten frühe schon
töchterchen und sohn
braut und bräutigam voraus genannt
242.
keimt ein glaube neu,
wird oft lieb und treu
wie ein böses unkraut ausgerauft
242.
wein und essen prangt
eh er es verlangt
243.
müdigkeit läszt speis und trank vergessen
244.
klag und wonnelaut
bräutigams und braut
247.
salz und wasser kühlt
nicht wo jugend fühlt.
249.
noch betracht ich kirch und palast, ruinen und seulen.
259.
mutter und tochter erfreun sich ihres nordischen gastes
261.
fehlet bildung und farbe doch auch der blüte des weinstocks,
wenn die beere gereift menschen und götter entzückt
271.
minder häufig bei Schiller.
stürzten, flogen, schmolzen geist und geist zusammen,
lippen, wangen brannten, zitterten,
seele rann in seele, erd und himmel schwammen
wie zerronnen um die liebenden
1ᵃ.
und braust durch mark und bein
7ᵃ.
knüpfet sich kein liebesknoten
zwischen kind und mutter an?
zwischen lebenden und todten
ist kein bündnis aufgethan
54ᵇ.
stadt und ho wissen es richtig 187ᵇ. hof und serail wimmeln jetzt von Italiens auswurf 191ᵃ. himmel und erde liegen auf mir 191ᵇ. seis tod oder leben 191ᵇ. wenn himmel und erde, wenn schöpfung und schöpfer zusammen träten 201ᵃ.
die himmlischen gestirne machen nicht
blosz tag und nacht, frühling und sommer
341ᵇ.
Dasselbe verhältnis tritt noch häufiger ein, wenn eine präposition voran geht, die bei dem zweiten wort wiederholt werden kann. auf tod und leben kämpfen. auf strang und schwert anklagen. durch mark und bein dringen. durch dick und dünn gehen. hinter schlosz und riegel verwahren. in kummer und elend, in sorge und leid leben. in staub und asche sitzen. in wind und wetter gehen. über berg und thal ziehen. über stock und stein springen. von haus und hof verjagen. da ward aus abend und morgen der dritte tag 1 Mos. 1, 13.
on was mit disteln und mit dorn
durchwachsen war und gar verworn.
Waldis Äsop 193ᵃ.
warn von disteln und dorn erstickt
193ᵃ.
über schnee und eis, stock und stauden mit im ins elend reisen Fischart Garg. 70ᵃ.
so dringet ängstlich hin und wieder
durch feld und busch und wald mein blick.
Göthe 1, 67.
zwischen waizen und korn,
zwischen hecken und dorn,
zwischen bäumen und gras
wo gehts liebchen?
1, 89.
ohne rast und ruh
1, 93. 112.
wo hinter thoren und thüren
sonst lauerten ritter und rosz
1, 103.
wandle zwischen freud und schmerz
in der einsamkeit
1, 111.
er reit't in blitz und wetterschein
1, 182.
den erlenkönig mit kron und schweif?
1, 183.
manches pfand zu lieb und huld
1, 194.
wie soll man ruh mit fleisch und blut
wol finden?
1, 208.
labung für durst und hunger reichen
1, 218.
eilt es durch anger, feld und busch
1, 225.
der wald ist frei
von eis und reifgehänge
1, 232.
entlassend meiner wolke tragwerk, die mich sanft
an klaren tagen über land und meer geführt
31, 251.
herscht doch über gut und blut
dieser schönheit übermut
41, 217.
du gebietest über tod und leben
Schiller 2ᵇ.
über koch und keller raisonnieren
183ᵇ.
er rücke
mit schwert und feuer auf mich an
241ᵃ.
mir zuerkannt von himmel und natur
250ᵇ.
die christenheit trauert in sack und asche
324ᵇ.
Terzkas regimenter zu rosz und fusz
329ᵇ.
da musten wir heraus in schnee und eis
354ᵃ.
14.
wird das nomen in einem satz mehrmals wiederholt, so kann, wenn es zum erstenmal steht, der artikel fehlen, regen erquickt die pflanzen, aber wenn der regen zu lange dauert, faulen die wurzeln. glück will jeder haben, kommt aber das glück, ist man damit nicht zufrieden.
15.
im gothischen waren mehrere wörter des artikels nicht fähig, deren zahl sich im ahd., noch mehr im mhd., verringerte (Gramm. 4, 383. 394. 404): jetzt sind nur wenige übrig.
a.
gott nimmt den artikel auch im nachgesetzten genitiv nicht an, gott ist gewaltig. die gnade gottes ist unerschöpflich. du kannst gott vertrauen. du sollst gott ehren. doch wo eine besondere beziehung eintritt erscheint der artikel, der gott der herrscharen, der gott der christen im gegensatz zu dem gott der heiden. Luther sagt auch darüber lobte Daniel den gott von himel Dan. 2, 20. Dagegen bei heidnischen göttern und göttinnen wird der artikel zugefügt, Jupiter der gott kam herab. Pallas die göttin ward sichtbar. die götter Griechenlands. der abgott der heiden. schon im mhd. der got niez Saturnus Kaiserchr. 174. dem got Apollen Roland 10, 7. tempel der gotinne Athis C*, 101. diu götinne Mêdusâ Barlaam 246, 2. apgot war im ahd. und bis ins 12te jh. masc. und neutrum. Bei zugefügtem adject. ist der artikel nöthig, also hat der grosze gott dem könige gezeiget Daniel 2, 45. denselbigen tag hat ihnen der allmächtige gott gemacht 6, 16. wir befinden aber dasz die jüden gute gesetze haben und kinder des höchsten und ewigen gottes sind Esther 6, 10. Wolfram setzt gotheit einmal ohne artikel, der sonst bei diesem wort im mhd. so wenig fehlt als jetzt, auch nicht Parz. 466, 20.
swâ werc verwurkent sînen (gottes) gruoz
daz gotheit sich schamen muoz,
wem lât den menschlîchiu zuht?
Parz. 467, 2.
gott der herr sagt man gewöhnlich, gelobt sei gott der herr des Sems 1 Mos. 9, 26.
als gott der herr (ich weisz auch wol warum)
uns aus der luft in tiefste tiefen bannte
Göthe 41, 253.
bei herrgott, insofern es ein bildnis Christi bezeichnet, gebraucht H. Sachs, der besondern bedeutung wegen, mit recht den artikel,
am auffartstag nach altem brauch
ward gstellt auf den altar
der herrgott mit der osterfannen
4. 4, 60ᵇ.
soll der herrgott gen himel farn
das.
Liendl den herrgott vom altar nam
das.
thet hindern tisch den herrgott setzen
das.
b.
auch vor Christus ist der artikel unzulässig, wenn nicht ein adj. dabei steht. mhd.
sîn sun der ist geheizen Krist
Walther 12, 13.
nû heilent Kristes wunden
77, 9.
in dem jâmer Kriste dez herze brach
27, 22,
aber
der wâre Krist
5, 10. Freidank 173, 10.
man behält jetzt mit richtigem tact Christi Christo Christum bei, nur Göthe sagt
wenn man auch nach Mecca triebe
Christus' esel, würd er nicht
dadurch besser abgericht
5, 129 (Divan).
aber bei dem teuflischen Antichrist steht der artikel, schon im ahd. und mhd. der Antichristo Muspilli 42. 48. thes Antikristen Otfr. 4. 7, 28. den Antichrist Anno 255. Kaiserchr. 607. der Endekrist sol komen Freidank 172, 11. 14. 20.
c.
vater hat schon im ahd. den artikel erhalten, der im gothischen fehlte, doch zeigen sich noch einwirkungen des ursprünglichen. man sagt gott vater, aber gott der sohn. im obliquen casus musz der artikel stehen, gottes des vaters Philipp. 2, 11. bei Schiller da in vaters brust dein eisen drang 134ᵇ ist vatersbrust zu schreiben. gott dem vater Galat. 1, 3. 2 Tim. 1, 2. got den vater 1 Corinth. 8, 6. doch sagt man noch in der umgangssprache des nördlichen Deutschlands (Schirlitz §. 15) vater ist ausgegangen. mutter kleidet sich an. groszmutter will zu haus bleiben. ja man hört auch den nach der flexion der eigennamen gebildeten acc. vatern, muttern. ich habe vatern nicht gesehen.
groszmutter spricht 'morgen ists feiertag,
groszmutter hat keinen feiertag'.
urahne spricht 'morgen ists feiertag,
am liebsten morgen ich sterben mag'
G. Schwab.
auch wol bei andern verwandtschaftsverhältnissen. brüderchen nahm sein schwesterchen an die hand. die böse stiefmutter meinte nicht anders als schwesterchen wäre von den wilden thieren im wald zerrissen worden, und brüderchen als ein rehkalb von den jägern todt geschossen Hausmärchen nr. 11.
begrüszt von mümichen Empuse
Göthe 41, 145.
dann gieng sie singen vor schwesters thür.
Wunderhorn 1, 94.
er geht mit ihr vor mutters haus
1, 101.
in mutters frommem kämmerleine
Heine Buch der lieder 79.
d.
das gothische diabulus nimmt den artikel nicht an und in der ersten zeit, wie es scheint, auch nicht das ahd. diufal, doch bei Otfried ist er vorhanden (Grammatik 4, 395) und im mhd. wie heute nothwendig.
e.
nichts und niemand weisen den artikel zurück, wie jeder, jedermann, jeglicher, keiner, weil sie die vollkommenste bestimmtheit ausdrücken. nichts erhält ihn, wenn ihm ein positiver sinn beigelegt wird, das nichts soll der grund der dinge sein, wie man die welt dies grosze nichts magnum inane nennt, Stieler 1357. so auch niemand, wenn es als person behandelt wird, der Niemand soll das gethan haben. der Niemand ist an allem schuld. warum das adj. all den artikel nicht vor sich duldet, ist oben (1, 206) gezeigt.
16.
abstracte begriffe bedürfen im nom. und acc. des artikels nicht und lassen ihn daher häufig weg, zumal in sprüchen und sprichwörtlichen redensarten, alter schützt vor thorheit nicht. wenn hochmut uafgeht, geht glück unter. mut geht über gut. lieb ist leides anfang.
redlichkeit lobt jedermann,
jedoch läszt man sie betteln gahn.
jugend fängt wie zunder. flieh ehre, so läuft sie dir nach ehre vor der welt ist schaden im beutel. sprichestu ee daz ich mich bedenk, so bin ich herusz. ursach ist der schlüssel zu dem mul, der ist dir ze nahe du kannst das maul nicht halten Keisersb. Sünden des munds 52ᵃ. thorheit steckt dem knaben im herzen Sprüche Salom. 22, 5. warheit ist dem narren zu hoch 24, 7. kaufe warheit und verkaufe sie nicht 23, 23.
der schmid dacht 'kunst geht nit recht zu'.
H. Sachs 4. 3, 70ᶜ.
bewährt den forscher der natur
ein frei und ruhig schauen,
so folge meszkunst seiner spur
mit vorsicht und vertrauen
Göthe 2, 209.
im genitiv und dativ kann aber der artikel nicht fehlen, des hochmuts spottet ein jeder. der redlichkeit soll man nachstreben. dem glück läuft man vergeblich nach. der tugend machte er eine verbeugung und liesz sie vorüber gehen.
17.
bei sein und werden wird der artikel nicht gebraucht, zumal wenn ein persönliches substantivum prädiciert wird. so steht tag, abend, nacht, sommer, winter, herbst, frühling, luft, wasser und andere. er ist könig. er ist arzt. der geselle wird heute meister. es ist schon tag. es wird bald abend, bald nacht werden. bei uns ists winter, in jenen ländern ists sommer. es ist luft im zimmer. es ist wasser im krug. so schon im mhd. s. Gramm. 4, 409.
18.
den cardinalzahlen wird der artikel beigegeben, wenn ein theil einer gröszeren zahl soll heraus gehoben werden, also eine nähere bestimmung nöthig ist, der eine soll alles auf sich nehmen. die achte waren aus dem haufen getreten. die zwölfe kämpften wie helden.
des antwurt im der eine
Erek 5445. 5506.
ez was diu eine von den drin
der zweier frouwe under in
Iwein 3396.
nû wil ich die siben (von acht tugenden) unter wegen lân Berthold 280.
er hat zwelf lebendige kind,
und seind die sibne klein
Uhland Volksl. 489.
Ein gleiches kann statt finden, wenn eine ungefähre zahl soll bezeichnet werden, das ich kumen pin uber die zweinzig jar Albrecht v. Eybe 14. in die sechs reuter Ettner Unwürd. doctor 657. über die 600 personen gestorben Lisch Jahrbücher 17, 204. in die fünf wochen. in die dritthalb hundert. in die 50 häuser 17, 218. bei Göthe öfter,
und zu pferd an seinen seiten
an die vierundzwanzig kamen
4, 134.
an die acht jahre 8, 76. an die dreizehn von adel 8, 127. es sind schon an die hundert ortschaften aufgestanden 8, 134. es sind nun über die acht jahre, dasz sie hierher kamen 10, 134. der mörder gab ihm an die zwanzig stiche 27, 232. dagegen waren manche, die schon in die dreiszig gelangt, mich aufsuchten. 48, 74. wir giengen neben einander an die sechs jahre ders. an Lavater 7. ich habe mit dem hause über die dreiszig jahre verkehrt Lenz 1, 285. Die ordinalzahlen verlangen den artikel, der erste, der zehnte, der zwanzigste, der hundert und zweite. er mengt das hundertste in das tausendste. nun zu dem dritten und letzten Keisersb. Sünden des munds 25ᵇ. Logau gestattet sich einmal ihn wegzulassen,
wenn mannesmäuler sich und weibermündlein paaren,
gibts zehnden monat drauf was junges zu erfahren
1. 4, 76.
Steht beide vor dem substantivum, so kann der artikel gesetzt werden und auch wegfallen, er leidet an beiden oder den beiden augen. beide oder die beiden füsze schmerzen ihn. steht es allein und bezieht sich auf ein vorangegangenes substant., so bleibt der artikel weg, ich erwartete einen von den brüdern, aber beide sind gekommen. der kleine und der goldfinger sind verletzt, und beide bluten heftig.
19.
Göthe, dem der artikel zuweilen beschwerlich fiel, liesz ihn, und in späteren gedichten nicht selten, auch da weg, wo eine bestimmte beziehung vorhanden war, die ihn forderte, in den beiden ersten beispielen läszt er sogar ein adject. vorangehen.
der abgebildete
vergleicht sich billig
heilgem dreikönige
2, 161.
ich will doch gleich hinauf in kleinen vorsaal gehen,
wie weit ists ungefähr, auf meiner charte sehen
7, 45.
suppe kocht und siedet ein,
braten will verbrennen
1, 153.
und so hab ich auch den fischer
ruhig sehen netze werfen,
brauchte dem gewandten tischer
winkelmasz nicht einzuschärfen
5, 105.
schäferhund er will nicht weichen
5, 273.
welch ein tönen, welch ein schauer!
treppe schwankt, es bebt die mauer
41, 94.
was musz die sternenstunde sein?
gemäuer scheint mir zu erbangen
41, 96.
luft ist gereinigt,
athme der geist
41, 331.
auch Rückert,
ich stand auf berges halde,
als sonn hinunter gieng.
20.
erklärbar ist der fehlende artikel bei dem appellativum, wenn dieses die stelle eines eigennamens vertritt. man sagt im märchenstil, füchschen kam herbei geschlichen, schwälbchen flog weg, mäuschen fürchtete sich.
läuschen hat sich verbrannt,
flöhchen weint,
thürchen knarrt,
besenchen kehrt,
wägelchen rennt,
mistchen brennt,
bäumchen schüttelt sich
Hausmärchen nr. 30.
knabe sprach 'ich breche dich,
röslein auf der heiden'.
röslein sprach 'ich steche dich
dasz du ewig denkst an mich'
Göthe 1, 17.
mein vater, mein vater, und hörest du nicht,
was erlenkönig mir leise verspricht?
mein vater, mein vater, und siehst du nicht dort
erlkönigs tochter am düsteren ort?
erlkönig hat mir ein leids gethan
1, 184.
seele wills nicht länger ertragen,
sie (die flasche) an der thüre in stücke schlagen
5, 209.
märchen sagt 'es war einmal'
41, 271.
Fantasie das ungeheure riesenweib
sasz zu berg,
hatte neben sich zum zeitvertreib
Witz den zwerg
Rückert.
was glimmert schwarz katers auge so hell?
Heine Buch der lieder 19.
kommt feins liebchen heut?
36.
wo da wandelt liebchen traut
40.
Walther fügt in ähnlichem fall frau hinzu,
waz êren hât frô Bône?
17, 25. 38.
21.
er fehlt bei formelhaften elliptischen redensarten. kopf weg! ruft man, wenn wasser aus dem fenster soll herabgeschüttet werden, hut ab! wenn die höflichkeit aus den augen gesetzt wird. gewehr auf! gewehr ab! brust heraus! lautet das militärische commando.
22.
wenn eine nähere bestimmung vorausgesetzt, aber nicht ausgedrückt wird, so wird dennoch der artikel zugefügt, er will bauen, aber ihm fehlt das geld, das dazu nöthige. du must dich fügen, denn er ist der herr, er kann es gebieten. er hat das brot nicht, er kann sich nicht sättigen, hat nicht das nothwendigste.
darmit gewinn ich kaum das brodt
H. Sachs 4. 3, 63ᵇ.
es gibt Ludwigskreuze die das brot nicht haben Göthe 36, 72.
23.
da das dem subst. beigegebene adject. eine nähere bestimmung enthält, so kann der artikel wegbleiben, er kann aber auch hinzugefügt werden. man sagt guter weizen oder der gute weizen ist theuer. volles oder des vollen glückes gewährung. bösem oder dem bösen wetter ist niemand hold. reine oder die reinen tage kommen selten. lärmenden oder den lärmenden vergnügungen gieng er aus dem wege. gleichwol entstunden (fehlten) ihm auch die mittel eigenen herrn zu spielen Stockfisch 18. Bei dem comparativus findet ein gleiches statt, aber nicht bei dem superlativus. bei diesem kann in präpositionalformeln der artikel wegbleiben, in höchster not oder in der höchsten not, ebenso in bester stimmung, in frühster zeit, mit gröszter lust, mit tiefstem schmerz, bei höchster ungnade.
warum ist wahrheit fern und weit,
birgt sich hinab in tiefste gründe?
Göthe 5, 123.
mit innigstem behagen
5, 196.
einst mit heiszestem verlangen
so erwartet wie empfangen
7, 219.
kommt von allerreifsten früchten
mit geschmack und lust zu speisen
41, 27.
augenstral ist mir verliehen
wie dem luchs auf höchstem baum
41, 212.
als gott der herr (ich weisz auch wol warum)
uns aus der luft in tiefste tiefen bannte
41, 255.
mit stolz in tiefster brust
41, 292.
sonst wird er beibehalten, das gröszte glück begleitet ihn. das schlimmste ist zu erwarten. er begreift das geringste nicht. sie ist das liebste kind. der glücklichste erfolg war gesichert. indessen hat man in neuerer zeit sich darüber hinausgesetzt. Göthe liebt es, zumal in seinen spätern gedichten, den artikel wegzulassen, auch wenn keine präposition vorangeht, und umgekehrt hat er auch wol den unbestimmten zugefügt: eine stelle im Divan als beispiel für die verschiedenen fälle,
Enweri sagts, ein herrlichster der männer,
des tiefsten herzens, höchsten hauptes kenner
5, 119.
und ein gegenstück liefert Rückert,
denn ein reinlichstes bild mit treffendsten zügen entworfen
soll mir ein haushalt hier werden der freundlichsten art
296.
beispiele für unsern fall aus dem spätern Faust,
dasz er euch gelenk und weich sei,
wuszt ich feinsten flachs zu sichten
41, 34.
zerrt unnützeste gespinste
lange sie an licht und luft:
hoffnung herrlichster gewinste
schleppt sie schneidend zu der gruft
34.
in ringen köstlichstes juwel
45.
du bleibst zu hause wichtigstes zu thun
111.
verderblichstes dir abgerungen
153.
sie werfen sich, anmutigster gebärde,
vom wasserdrachen auf Neptunus pferde
162.
doch beugt sogleich hartnäckigster mann
vor der allbezwingenden schöne den sinn
180.
nun denn, statt freundlich mit trost reich begabten
letheschenkenden, holdmildesten worts,
regest du auf aller vergangenheit
bösestes mehr denn gutes
196.
wie so sittig herab mit verweilendem tritt
jungholdeste schar anständig bewegt
den geregelten zug
209.
du kommst heran, er meldets nicht, verfehlt
ist ehrenvollster schuldigster empfang
so hohen gastes
211.
ihrem tritt
begegne sanfter boden: ihrem blick,
nur göttliche nicht blendend, höchster glanz
217.
dann aber liesz ich allerschönsten frauen
vertraut-bequeme häuslein bauen
256.
zwar wetterleuchten in der weiten ferne,
blickschnelles fallen allerhöchster sterne
mag jede sommernacht geschehn
282.
so viel erschrecklichstes im engsten raume
324.
andere sind viel sparsamer mit diesem superlativus ohne artikel, weil man das ungewöhnliche darin noch fühlt. unbedenklich kann das quantitativpronomen voran gehen,
vom himmel fordert er die schönsten sterne
und von der erde jede höchste lust
Göthe 12, 24.
denn jeden schwierigsten gedankeninhalt bändigt er mit leichtem und sicherm griffe Gervinus Geschichte der deutschen dichtung 5, 651. jene bedeutsamkeit und pathetische weisheit, mit der er nun jede elendste sache ansah und beschaute 653.
24.
dem pronomen demonstrativum, das schon eine scharfe bestimmung enthält, kann kein artikel vorgesetzt werden. doch sagt Göthe einmal (oben sp. 963) der der. bei jener findet sich schon im mhd. eine ausnahme, wo aber der artikel die schwache form nicht nach sich zieht,
der jener (wart) gevangen
Herbort 6460.
die jene zwêne nâmen
ir swert an die rehten hant
13582.
vergl. 3641. 8141, wo es ebenfalls vorkommt, aber eine besserung nöthig ist. in den von Leyser herausgegebenen predigten des 13ten und 14ten jahrhunderts steht es mit einem darauf folgenden relativum, da die gene habe (vermögen) mit samenen, die diese werlt lieb haben 51, 9. die gene die sie martelten 114, 11. ohne relativum aus einer Leipziger handschrift des 14ten jahrhunderts werden bei Leyser s. 149 folgende stellen angeführt, der jener wider in dô sprach 80ᵃ. dô der jener wart gewar daz er vant sulchen untrôst 81ᵃ. die jene lobeten den gewin als sie ir valscheit lêrte 94ᵇ. den jenen dat. pl. Keisersb. Postille 8. auch im mittelniederd. zeigt sich de gin, de gin di he geladen hede Wackernagel Leseb. 776, 6. es wird aus dem mittelniederländischen eingedrungen sein, wo de gone gebräuchlich war; beispiele in der Gramm. 4, 447. vielleicht war das bedürfnis einer schwachen form die veranlassung zu der bildung derjenige, die gegen das ende des 15ten jahrh. aufkam. indessen fieng man um diese zeit auch an eine schwache form von jener neben der starken zuzulassen, und was frölich als derginne, der verloren schadens oder schulden wider zuͦkumpt Ulenspiegel s. 68 Lappenberg. so dürfen dieginnen nit klagen, die du betrogen hast 134. der jenen Hutten 5, 238. so dem mehrer theil der jenen die reimen machen, gemein ist Alberus 10. on den glauben kan uns das jene nit nutz werden, das Christus für uns gethan hat ders. wider Jörg Witzeln C 7ᵃ. wo sind die jene, denen du umb meintwiln gedient hast das. E 4ᵃ. die jenen die sich so unmäszlich schmücketen Buch der liebe 289, 3. de jenne aus Rehtmaiers Chronik 2, 226 bei Frisch 1, 486ᵃ. auch bei Opitz,
der jene welcher dir nun ganz ergeben ist.
die krone trägt sie auch die sie dem jenen gibt,
der ihren ruhm erhöht
1, 103.
was mag das gold dort nützen
dem jenen welcher stäts darüber pflegt zu sitzen?
1, 105.
und noch bei Göthe,
zu diesem sprach der jene dann
47, 85.
er behält auch, wie es im mhd. geschah, die starke form bei,
wer ist denn der der und der jener?
2, 274.
25.
der canzleistil gestattet in einigen fällen den artikel auszulassen, wo er sonst stehen müste, so heiszt es, stände gaben zu erwägen, beharrten bei dem beschlusz. kläger brachte folgendes vor, klägern ward aufgegeben zu beweisen. beklagter antwortete. doch bleibt diese freiheit nur auf einige fälle beschränkt, man sagt nicht beschuldigter erwiderte, verurtheilter gab zu erkennen, sondern der beschuldigte, der verurtheilte.
26.
bei aufschriften und überschriften, in registern ist eine weitere hinweisung nicht erforderlich, der artikel fällt daher weg, Louisenplatz, Schloszplatz, Breitestrasze, Dorotheenstrasze, Linksstrasze, eisengieszerei, holzmagazin, gasthof zum weiszen rosz, herberge für fuhrleute. ebenso in dramatischen gedichten bei der angabe des orts und der gegend. einige beispiele aus Göthes Götz und Faust, wirthshaus zu Heilbronn 42, 149. lager der reichsexecution 42, 108; doch auch der bischöfliche palast zu Bamberg. der speisesaal 42, 41. ferner, dämmerung 41, 1. saal des thrones 41, 8. rittersaal. staatsrat in erwartung des kaisers 41, 9. felsbuchten des ägäischen meers 41, 158. bei büchertiteln läszt man ihn öfter weg, geschichte des mittelalters, lehrbuch des deutschen rechts, wechselrecht, farbenlehre: er wird auch gesetzt, der verfall des römischen reichs, das recht des besitzes, die lehre vom artikel.
27.
im ahd. kann, wie im gothischen, der genitiv mit auslassung des artikels nachgesetzt werden, z. b. stuchi steines (fragmen molae), dionost himiles (militia coeli); s. Gramm. 4, 397. gewöhnlich geht er voran, z. b. mittelgartes lioht, sterrôno strâza, von fîanto hanton: er steht auch zwischen dem artikel und dem nomen, z. b. der gotes forasago, daz satanâses kisindi. jedoch wird auch in den beiden ersten fällen der artikel zugefügt, joh des perages (jugum montis), furisto des zimbares, thiu diurî thera salba, so auch thes lantliutes menigî. nicht anders verhält es sich im mhd., am häufigsten steht der unarticulierte genitiv vor dem subst., kann aber auch zu adjectiven und zeitwörtern gehören. der dativ ohne artikel nur in adverbialischen ausdrücken oder in abhängigkeit von zeitwörtern. bei diesen auch öfter der acc. ohne artikel. wir betrachten die verhältnisse im nhd.
a.
der genitiv mit dem artikel dem substantivum vorgestellt. des kindes lust. des vaters freude. der mutter glück. des schicksals wink. der blumen pracht. der sterne glanz. des herren groszer tag Zeph. 1, 14.
des traumbs verstandt zu zeigen an
H. Sachs 4. 3, 57ᶜ.
des elfen schönste pflicht
Göthe 41, 4.
des Pindus letztgedehnte zweige
41, 148.
der schätze würdigste custoden
41, 68.
doch gewöhnlich setzt man den genitiv mit dem artikel nach, die lust des kindes u. s. w.
b.
der genitiv ohne artikel vorgestellt; meist bei dichtern,
gürt sich zu ihm nach bettlers art
H. Sachs 4. 3, 59ᵃ.
und blieben gar einfeltig bei
dem gottes wort der reinen lehr
4. 3, 64.
auf eises läng und breite
da blüht der winter schön
Göthe 1, 25.
als wie nach windes regel
anzögen weisze segel
41, 162.
theilet Helenens glück,
welche zu vaterhauses herd
freudig herannaht
41, 184.
mannlustige du, so wie verführt, verführende,
entnervend beide, kriegers auch und bürgers kraft
41, 190.
häufig bei Schiller, in äthers höhn, in abendroths strahlen, mit feuers hülfe, von nordens hauch, in schlafes arm, an ufers grün. es macht den übergang zu der uneigentlichen composition, freundesgrusz, reichsfürst, kindeslust, sternenglanz, windesbraut, wolfsmilch, brückengeld.
c.
der unarticulierte genitiv wird nachgestellt bei gott, wo überhaupt der artikel nicht zulässig ist, die mutter, der sohn gottes: natürlich kann er auch voranstehen, gottes mutter, gottes lohn, gottes kind. sodann im canzleistil, ohne beisetzung jahres und tages Stieler 2246. ferner bei wörtern die ein masz, ein gewicht, einen theil bezeichnen. zween armringe zehen seckel golds schwer 1 Mos. 24, 22. er zahlte eine mark goldes. sechs hundert stück goldes 1 Könige 10, 16. drei pfund goldes zu einer tartschen 10, 17. und hatte bei sich zehn pfund silbers Tobias 1, 16. dem muste man täglich opfern drei eimer weins Bel 2. und vermenget in (den sauerteig) unter drei scheffel melhs Matth. 13, 33. Luc. 13, 21. ein stück brotes, ein trunk wassers; beispiele aus der alten sprache in der Gramm. 4, 722. jetzt läszt man bei dem masc. und neutr. die flexion gewöhnlich abfallen, man sagt ein stück brot, ein trunk wasser, eine klafter holz, ein bund stroh, ein centner flachs. doch zeit lebens.
d.
bei dem präpositionalen wegen steht der genitiv mit dem artikel gewöhnlich voran, doch folgt er auch. der leute wegen läszt er sich nicht sehen. des geldes wegen bleibt er weg. oder wegen der überschwemmung kann er nicht kommen. im 16ten jahrhundert begegnet man wol dem unarticulierten genitiv, wegen hungers nach brot 4 Esra 15, 58.
ruckt er fort mit groszer mühe
gewässers wegen an die brühe.
Fuchs Mückenkr. 2, 482.
auch bei halben und halber. der schulden halber ist er eingesteckt. lasz dirs nicht übel gefallen des knaben und der magd halben 1 Mos. 21, 12. und Mose schrei zu dem herrn der frösche halben 2 Mos. 8, 12. dasz wir nicht hunger brots halben leiden müssen Jerem. 42, 14. konten hungers halben nicht länger darin bleiben 1 Maccab. 6, 49. der menschen halben ist die welt geschaffen, der mensch aber gottes halben Stieler 736. und er geht nicht hörens halben in die kirche das. ferner bei willen mit vorangehendem um, um des himmels willen, wer ist es? um der menschen willen konnte das geschehen. so werden auch mit dem articulierten genitiv als präpositionen gebraucht angesichts, anstatt, behufs, kraft, inkraft, laut, statt, trotz, vermöge, zufolge.
e.
im ahd. und mhd. nehmen nicht wenige adjectiva das nähere bestimmung enthaltende, im genitiv stehende substantiv zu sich (Gramm. 4, 729—735), dem sie meist vorangehen; der artikel wird manchmal zugefügt. heute ist die zahl dieser adjectiva beschränkter, man gebraucht lieber die präp. an und von, die sich auch dort schon zeigen. statt touwes naz sagt man nasz vom thau, statt bluotes rôt roth von blut. im mhd. heiszt es kindes swanger, bei Luther Elisabeth ist auch swanger mit einem sohn Luc. 1, 36. beispiele aus unserer zeit, des lebens satt, müde, überdrüssig. des lebens froh. der sorgen ledig, los. des lobes werth. der schulden quitt. der sache gewis. des erfolges sicher. der ehren würdig. der freuden eingedenk. des glückes theilhaftig. des geldes habhaft. des vortheils gewärtig. läszt man den artikel weg, so entsteht uneigentliche composition, freudenleer, ehrenwerth, lebensfroh, lebenssatt u. s. w.
f.
der genitiv beim superlativus hat heute den artikel nöthig der im ahd. wegblieb, wo man sango scônista, barno bezista, manno miltisto (Gr. 4, 736) sagte. also der frauen lieblichste, der blumen schönste, der männer tapferster, oder die lieblichste der frauen, der tapferste der männer. doch ist eine präposition gewöhnlicher, die lieblichste unter den frauen, von den männern der tapferste.
g.
aus substantiven gebildete genitivische adverbia haben im ahd. und mhd. zuweilen den artikel vor sich, z. b. tages interdiu, des tages eo die, des selben tages (eodem die), des andern tages. des morgens Parzival 128, 13. 376, 18. des âbendes Lanz. 3251. Lichtenstein 76, 4; vergl. Gr. 3, 128. 129. so auch im nhd., wo jedoch der artikel häufiger ist, des jahrs per annum, des tages verschmachte ich fur hitze 1 Mos. 31, 40. mein gott, des tages rufe ich, so antwortest du nicht Psalm 22, 3. er leitete sie des tages mit einer wolken 78, 14. das dich des tages die sonne nicht steche 121, 6. vorigen tages die pristino Stieler 2247. Göthe gebraucht noch tages ohne artikel, was man bei andern selten findet,
tages arbeit, abends gäste
1, 199.
ferner marktags, man verlor sich in die alte gewerbstadt und besonders marktags in dem gewühl 24, 22. sogar messenzeits 25, 84; vergl. Lehmann Göthes sprache und geist 203. 386. ferner sommers aestate (wie im mhd. sumers MS. 2, 25ᵇ) und winters.
priesters tafelfleisch vergäsz ich
eher als dem freund entsagen,
den ich sommers rasch bezwungen,
winters langer weil bezähmte
Göthe 1, 171.
sommers wann die lilien blühen.
Justinus Kerner Ged. 142.
bei andern wird man diese beiden adverbien nicht leicht finden. Luther sagt im sommer Sprichw. 6, 8. 10, 5. im winter Matth. 24, 20. Stieler im sommer 2, 602, doch Steinbach des sommers aestate 2, 602. frühlings und herbstes kommt schwerlich vor. häufig morgens und des morgens, mittags und des mittags, abends und des abends, nachts und des nachts. Luther und seine zeitgenossen, H. Sachs, Wolgemut gebrauchen lieber den artikel. bei den mit tag und abend zusammengesetzten namen der wochentage ist der artikel seltner, er wird montags oder donnerstags anlangen und sonnabends wieder abreisen.
es hat durch unser land sich alles umgekehret,
drum wundert mich der brauch, dasz er so lange wehret,
dasz dinstags noch und nicht man freitags hochzeit macht,
und mehr als göldnes frei, das schwere dienen macht.
es gienge zwar noch hin des dinstags hochzeit haben,
freitages aber doch bald tod, bald sein begraben.
Logau 1. 2, 36 (31).
Der anomale genitiv der dem fem. nacht in dem adv. nahtes, des nahtes noctu schon in der ahd. und mhd. sprache beigelegt wird (Gr. 3, 133), dauert fort. nachts ist sehr gebräuchlich,
so geh es jedem der am tage
sein edles liebchen frech betriegt
und nachts mit allzukühner wage
zu Amors falscher mühle kriecht
Göthe 1, 213.
aber auch, des nachts im traume zwickt michs an allen gliedern 8, 208. im 16ten jahrh. hatte des nachts den vorzug, des tages verschmacht ich fur hitze und des nachts fur frost 1 Mos. 31, 40. und des nachts schweige ich auch nicht Psalm 22, 3. der herr hat verheiszen seine güte und des nachts singe ich im 42, 9. das dich des tages die sonne nicht steche noch der mond des nachts 121, 6.
dasz ein des nachts die flöh nicht beiszen.
Wolgemut 2, 204.
daneben gilt bei nacht Dasypod. 387ᵇ. Frisch 2, 4ᵇ und bei der nacht. Eine eigenthümliche erscheinung ist die genitivische unarticulierte form nach präpositionen, denen ein anderer casus gebührt. schon im mhd. vor tages Parz. 376, 10. vor âbendes Nibel. 1556, 1 B. wider âbendes Gudrun 47, 4. von morgens unz an die naht 1041, 5, wo Volmer von morgen geändert hat. weitere beispiele Gr. 3, 130. denn es kan vor abends wol anders werden weder es am morgen war Sirach 3, 130.
der mich zu abends ordiniert
H. Sachs 4. 3, 62.
vor nachts ante noctem Frisch 2, 4ᵇ. Göthe hat diese form noch gekannt, er sagt vor winters Briefe an Schiller 1, 203. an Zelter 1, 194. das heutige vormittags, nachmittags läszt sich auch auf diese weise erklären: in der Grammatik 3, 131 wird es aus compositis abgeleitet. man könnte in den bisher angeführten beispielen annehmen zeit sei ausgelassen, allein in andern fällen geht das nicht: man findet im mhd. auch ze teiles in partem, vor gerihtes coram judice, und die ganz gleiche geltung mit der regelmäszigen form ergibt sich aus einem andern beispiel, daz ein wazzer wider berc (aufwärts) flüzze Berthold in Wackernagels Lesebuch 669, 12. es steht wie ze berge (Freidank 35, 12. 109, 25. Jüng. Titurel 5968, 2), aber man sagte auch widerberges (Jüng. Tit. 5090. 5907).
h.
verba die den genitiv zu sich nehmen, waren in der alten sprache viel häufiger, als jetzt, wo man lieber den acc. oder eine präposition gebraucht. der genitiv hatte in der regel den artikel vor sich, er fiel nur zuweilen ab, z. b. heiles wünschen, kindes genesen, rehtes vâren. gegenwärtig hat sich der genit. etwa bei folgenden zeitwörtern erhalten, entbehren, entraten, gedenken, genieszen, harren, sein, spotten, und bei einigen reflexiven, sich annehmen, besinnen, enthalten, entschlagen, erwehren. der artikel steht voran, man sagt also des beistandes entbehren, der dinge entraten, des freundes gedenken, der besten gesundheit genieszen, der ankunft harren, er ist der ehren, sie sind alle des todes. er spottet des befehls. des kindes genesen Henisch 1403. der kinder sich annehmen. der zeit sich besinnen. der bemerkungen sich enthalten. der sorgen sich entschlagen. des hungers sich erwehren Frisch 1, 476ᵇ. selten ohne artikel wie hungers sterben Stieler 645. Luther sagt des todes sterben 1 Mos. 20, 7. 26, 11. 4 Mos. 23, 10. Richter 13, 22. Fischart im 25 sten cap. des Gargantua setzt bei spielen den genitiv mit dem artikel, der bonen spielen, des glückes, des hörnlins, des fuchses, des kolbens, der braut, doch auch röpflins 165ᵇ. bei Stieler des ballens spielen, des ungetreuen nachbars, der pike 2085; gewöhnlicher ist der acc. ohne artikel.
28.
der dativ, der seiner natür nach auf personenverhältnisse geht, erhält bei zeitwörtern den artikel, er dient dem mann und schmeichelt der frau. er hilft dem kind. im pluralis kann er nach der allgemeinen regel wegbleiben, männern dient er, frauen schmeichelt er.
29.
der acc. sing. steht ohne artikel bei vielen zeitwörtern, die eine gewöhnliche beschäftigung anzeigen, z. b. brot backen, bier brauen, butter machen, flachs brechen, fleisch braten, gras mähen, korn schneiden, holz schlagen, wasser tragen, ebenso beistand leisten, hilfe bringen u. s. w. bei andern kann der artikel nur im pluralis fehlen, z. b. wurzeln graben, nüsse pflücken, trauben schneiden, strümpfe stricken, lichter ziehen.
30.
werden auszer dem subst. andere redetheile substantivisch verwendet, so nehmen sie den artikel unter gleichen bedingungen an. am häufigsten ist es der fall bei dem adject. und dem neutralen infinitivus, der tüchtige weisz es zu vollbringen. der entschlossene geht vorwärts. dem gesunden schadet es nicht. das lesen und das schreiben liebte er nicht. des neckens war kein ende. er sah dem tanzen zu.
das prahlen steht dir gar zu schön
Göthe 41, 45.
zuweilen auch das neutrum bei partikeln, das ja der braut hörte man kaum. das ehrliche nein war mir lieber als das erzwungene ja.
31.
der pluralis der substantiven, da er in der vielheit auch die allgemeinheit ausdrückt, kann den artikel auslassen und zusetzen. menschen oder die menschen vermögen das nicht. störche oder die störche nisten auf dächern. tauben oder die tauben bauen gern in felsenritzen. wölfen oder den wölfen geht man aus dem wege. im singularis wäre hier der artikel nicht zu entbehren.
32.
artikel bei dem possessivum.
a.
im ahd. stehen die possessiva ohne artikel und mit flexion meist vor dem substantivum, sînêr scîmo Otfr. 2. 12, 93. sînan sun 1. 5, 36. mîna worolt 1. 5, 40. seltner nachgesetzt, namo thînêr Otfr. 2. 21, 8. quenâ thînu 1. 4, 29. scalk thînan 1. 25, 7. in beiden fällen kann bei allen geschlechtern die flexion wegfallen, doch geschieht es gewöhnlich nur im nom. sing. (auch im acc. beim neutr.), seltner im nom. und acc. pl. mîn kind Otfr. 1. 6, 12. ubar thîn houbit 1. 6, 14. bin ih smâhêr scalk thîn 1. 2, 2. thû bist einego mîn 1. 22, 50. eigan thiu ist sî thîn 1. 2, 2. selbâ muater sîn 1. 6, 10. jungoron sîn (discipuli ejus) 3. 20, 127. vergl. Gramm. 4, 402. aber es wird auch im ahd. der artikel gesetzt, sowol vor dem subst., wenn das possess. nachfolgt, als vor dem possess., wenn dieses, was der gewöhnliche fall ist, vorangeht. also thie forasagon sînê Otfr. 1. 20, 7. zên goumôn sînên 3. 7, 89 und thaz mînaz bluat 4. 10, 14. thiu sîn muater 2. 8, 7. then sînan geist 2, 13, 32. beide stellungen finden statt, wenn adjectiva zugefügt sind, thaz suazâ liabaz sîn Otfr. 5. 11, 30. thie selbun drûta sînê 5. 11, 34 und in dheru sîneru heilegûn chiburdi Isid. 11, 20. thaz sînaz lîb niuwaz Otfr. 4. 37, 24.
b.
im mhd. fehlt bei den possess. gewöhnlich der artikel, manchmal folgt er hinter dem subst.
sîn sarc der was bereitet
Nibel. 991, 1.
sîn lîp der ist sô schœne
102, 3.
sîniu jâr diu giengen hin
Dietleib 98.
Dem articulierten subst. kann das possess. nachgesetzt werden, aber in der regel unflectiert,
der bruoder sîn
Nibel. 9, 1.
der neve sîn
9, 1.
durch den willen mîn
62, 3.
vor allen vîenden sîn
62, 4.
ouch enist ez von den schulden sîn:
ez ist von den unsælden mîn
Iwein 4068.
al diu âventiure sîn
Parz. 3, 18.
der bruoder dîn
92, 28.
da erkant ich niht des ankers dîn
50, 1.
die grôzen kraft der güete dîn
Walther 24, 22.
daz kumt allez von der frowen dîn
91, 33.
ûf die gnâde dîn
Freidank 181, 6.
andere beispiele, auch einige mit der schwachen form Gramm. 4, 480. 481. oder der artikel steht vor dem im obliquen casus flectierten possess.,
bî den sînen landen
Nibel. 79, 3.
in der sîner zeswen
1298, 2.
endlich vor dem adject., wenn das possess. mit dem subst. vorangeht,
sînen schilt den guoten leint er von der hant
Nibel. 1771, 2.
sînen sun den jungen
Gudrun 55, 4.
Bei zwei substantiven steht das possess. in der regel vor jedem, doch zeigt sich auch vor dem zweiten der artikel allein,
sô wol sîn brôt als ouch den wîn
Dietleib 6307.
oder vor dem zweiten das possess. allein,
ros und iuwer sârwât
6731.
vergl. Gramm. 4, 352. 419.
c.
im nhd. dauert die freiere stellung des possess. nicht fort: es wird jetzt ohne artikel vorgesetzt. nur folgendes ist zu bemerken. das nachgesetzte unflectierte possess. zeigt sich noch in Luthers vater unser (vergl. das gothische atta unsar, ahd. fatar unsar) und ist kein graecismus (πάτερ ἡμῶν), da bei ihm zugleich unser vater (Matth. 6, 9. Luc. 11, 2) vorkommt; im ahd. fatar unsar und auch im mhd.
jâ dô wir dich vater unser nennen
Jüng. Titurel 65.
Hans Sachs gebraucht dies nachgesetzte possess. häufig: nur von wenigen blättern die beispiele,
unter allen den knechten dein
4. 1, 10ᵇ.
David den jüngsten bruder dein
4. 1, 6ᵈ.
den dreien brüdern dein
4. 1, 7ᵃ.
zu retten mir das leben mein
4. 1, 5ᵃ.
vor den eltesten des volkes mein
4. 1, 5ᵈ.
wann Saul rewt mich im herzen mein
4. 1, 6ᵃ.
wiewol ich im verheiszen han
Merob die eltsten tochter mein
4. 1, 9ᵈ.
mit Michal der tochter mein
4. 1, 10ᵇ.
den waren gott und herren mein
4. 1, 77ᵃ.
ich wag hierin das leben mein
4. 3, 5ᵈ.
o David, lieber gemahel mein
4. 1, 11.
so wil er zu eim weib dir geben
Michal, die jüngsten tochter sein
4. 1, 9ᵈ.
sicht sündigen den bruder sein
4. 1, 98ᵃ.
da fragten ihn die jünger sein
4. 1, 76ᵃ.
seltner bei andern,
und sprach 'geliebde schwester mein,
bitt wöllest gutes mutes sein'
Waldis Äsop 18ᵃ.
und sprach 'nempt hin die güter mein'
95ᵇ.
die barschaft mein,
was mir gat ein
Fischart Garg. 89ᵇ.
hat mich doch mein schwager getrost
mit weiser red mir aufgelost
den knoden in dem herzen mein
Fuchs Mückenkr. 1, 469.
Siccaboron schnaubt wie ein schwein,
erblasset in dem antlitz sein
2, 388.
neuere dichter gebrauchen das possess. auf diese weise nur, wenn sie die ältere sprache nachahmen wollen,
und du geliebtes Lorchen mein
Göthe 13, 73.
und sing ich dann im herzen mein
13, 78.
d.
bezieht sich das possess. auf ein vorangegangenes aber nicht wiederholtes subst., so steht es entweder ohne artikel in der starken form, oder mit dem artikel in der schwachen. man sagt wem gehört dieser stab? 'das ist meiner'. alle weingärten sind verschlossen, nur meiner und deiner nicht oder nur der meine und der deine nicht. die frauen der familie waren zugegen, nur deine oder die deine nicht. wessen haus ist abgebrannt? deins oder das deine. sind das meine bücher oder sind es ihre, die ihren? sind es unsere, die unsern? meine felder sind bestellt, aber eure oder die euren nicht.
D. frei von zärtlichkeit ist noch kein herz geblieben:
nur deines, Silvia ...
S. nur meines kann nicht lieben
Gellert 2, 322.
häufiger werden jetzt die ableitungen der die das deinige meinige seinige eurige ihrige unsrige gebraucht, wo der artikel notwendig ist.
e.
er kann nicht fehlen, wenn die possess. in substantivischer geltung stehen. ich erwarte die meinen (meine leute, meine familie). sind die deinen angelangt? und sie woneten auch umb ire brüder in Jerusalem unter den iren 1 Chron. 10, 38. denn ir seid nicht mein volk, so wil ich auch nicht der ewr sein Hosea 9, 5. es grüszet euch Epaphras, der von den euren ist Coloss. 4, 12. gewöhnlicher sind jetzt die eben erwähnten ableitungen. s. oben dein 6ᵃ.
f.
in dem 15ten und 16ten jahrh. erscheint noch zuweilen der artikel vor dem possess. und dem dazu gehörigen substantivum.
ir seit des ewern lasters fro
Wittenweiler Ring 42ᵇ, 7.
so ich der seinen red nachtracht
H. Sachs 3. 1, 2ᶜ.
scheidt ab mit deinem bloszen schwerdt
gleich wie ein hirt die deinen schaf
3. 1, 253.
so fürcht ich doch so sere
des eures vater zoren
Uhland Volksl. 196.
ein brief schrieb er behende
der seinen frawen klar
786.
wir schullen das seine leiden
in unserm herzen tragen
882.
erschwing das dein gefieder
du tewrer adeler
Körner Hist. volksl. 142.
das ewer tyrannisch leben
ist mir noch wol bekandt
Adrian Mittheil. 123.
33.
nach präpositionen folgt der regel gemäsz der artikel, wenn das appellativum in besonderer beziehung steht. er setzte sich in die laube. er lehnte sich an den baum. er gieng gerne mit dem kind herum. er stieg aus der grube. er hielt sich vom wasser fern.
34.
dagegen fehlt er notwendig nach präpositionen bei allgemeiner bedeutung des substantivs, woraus eine adverbiale form entsteht. zu asche werden. vor angst nicht reden. vor furcht zittern. aus liebe sterben. zu liebe thun. zu danke machen. mit dank erkennen. schön von angesicht. frei von sorgen. eine tafel von marmor, nicht von holz. eine kugel mit wachs überzogen. Luther sagt zu hauf zusammen, niederd. to hope. und rufen zu hauf ire freundschaft 2 Maccab. 8, 1. also stunden auf jeder seiten vor dem thor vier tische, das sind acht tische zu hauf Hesekiel 40, 41. ferner zu haufe, David brachte zu haufe die kinder Aaron und die Leviten 1 Chron. 16, 4. alle diese könige versammelten sich und kamen und lagerten sich zu haufe Josua 11, 5. und auch zu haufen, Salomo brachte zu haufen wagen und reuter 1 Könige 10, 26. noch bei Göthe,
zu hauf euch sehnend
4, 190.
als wo man emsig und zu hauf
macht vogelbauer auf den kauf
13, 41.
da liegt das rothe gold zu hauf
41, 285.
und alle kommen doch zu haufen
ihr ihre waare abzukaufen
13, 46.
noch einige andere beispiele,
warlich zuͦ fuͦsz und auch zuͦ rosz.
Murner Luther. narr 3436.
auf einer kugel zirkelrund
ein ansehnlich herrlich weib
ohn kleidung, blosz, nacket von leib.
H. Sachs 4. 3, 57ᵇ.
in mangel stehen Garg. 33ᵇ.
35.
Der artikel kann nach der präposition stehen und wegfallen, je nachdem das appellativum im besondern oder im allgemeinen sinn genommen wird; in letzterm fall tritt das formelhafte und die adverbiale bedeutung hervor. die beispiele müssen das schwanken darin vorzüglich berücksichtigen. man sagt in den wald, in das feld gehen, ins feld rücken, dagegen über feld, zu wald gehen. es steht mir deutlich vor den augen und vor augen. man geht zu bett und in das bett. gib den brief in die hände des vaters aber auch zu händen des vaters. zu wagen reisen und im wagen. mit post schicken und mit der post. man geht auf den acker.
spitz die schar, spitz die schar,
in acker fahr
Wolf zeitschr. für deutsche mythol. 1, 239.
schon im ahd. in dhes chirihhûn ardôt (habitat) wolf mit lambû Isidor 89, 21. redan (cribrare) sô man korn in sibe duat Otfr. 4. 13, 16. im mhd. nicht selten bei präpos. mit dem gen. und acc., am häufigsten mit ze; vergl. Grammatik 4, 399. 413. 414. beispiele aus der folgenden zeit,
dein schand wil ich legen an tak.
Fastnachtsp. 255, 5.
nun wolauf, ir frauen, über felt
371, 14.
pat dieselb fraw alle morgen ir götter das er bei leben solt beleiben Albrecht v. Eybe. betracht den mangel Christi, so er uf erdtreich gelitten hat Keisersb. Sünden des munds 12ᵃ. alles das in himmel und in erd ist 12ᵇ. er hat in gesehen sitzen dort in seiner groszen kappen die er bis an hals gestreift hat, als dan gewonheit ist der küning in Frankreich 46ᵃ. die hend in teig stoszen 41ᵇ. werden wir die charten und propositiones einmal an tag geben Alberus wider Jörg Witzeln H 2ᵃ.
in dem wolt die liechte sunn
geen zuͦ rast mit irem wagen
Theuerd. 17, 57.
zu dem tisch sitzen
19, 88.
zu dem essen gan
26, 48. 118.
wer vil usz fliegen wil zuͦ wald
Brant Narrensch. 33, 89.
wer andere stoszen wil in sack,
der wart ouch selbs des backenschlack
69, 7.
halt dasz es nit zuͦ tal ab felt
66, 10.
der selbig baum steht in mitten der aller scherpfesten dörnen Pauli cap. 489. denn gott der hatte noch nicht regnen lassen auf erden 1 Mos. 1, 13. sihe gen himel 15, 5. zu ohren fassen sein gebot 2 Mos. 15, 26. nim zu ohren was ich sage 4 Mos. 23, 18. Jesaias 1, 2. 10. 28, 23. 32, 9. Jerem. 9, 20. wird sie hören schwerlich mit ohren Apostelg. 28, 27. doch auch ich habe dich mit den ohren gehort Hiob 42, 5. mit den ohren werdet ihr hören Matth. 13, 14. Apostelg. 28, 26. zu tode steinigen 5 Mos. 13, 10. 17. 22, 21. 2 Chron. 10, 18. warf in ganz Israel mit steinen zu tod, dagegen zum tode verurtheilen 2 Maccab. 4, 47. Hesekiel 13, 19. Susanna 41. reizet eure kinder nicht zu zorn Ephes. 6, 4. man erwartet zu häupten, aber Luther sagt da neiget sich Israel auf dem bette zun heupten 1 Mos. 47, 34. wehe euch, die ir küssen machet den leuten unter die arme und pfüle zu den heubten Hesekiel 13, 18.
srecht wirt gestellt alls hinder thür.
Jac. Ruff Etter Heini 320.
wie er (Äsop) von leib nun ganz und gar
ungstalt und so gar scheuszlich war
Waldis Esopus.
er ward gesandt von seinem herrn
hinausz zu feld den acker ern
ders.
den so geschicht noch heut bei tag
2ᵃ.
erwüscht den käs und lief zu loch
9ᵇ.
zu holze will ich wieder gan
40ᵃ.
die wachtel da zu velde flohe
71ᵃ.
damit liefen zu holze gach
94ᵃ.
seiner mutter folgt ein junger knab
neben seim vatter nach zu grab
132ᵃ.
so ein gfehrlich reis über meer
H. Sachs 4. 3, 28ᵈ.
wie man dergleich seh über tag
4. 3, 54ᵈ.
mit dem bald thet gen walt einrucken
4. 3, 59ᵇ.
dann er wird jetzt gen himel fahrn
4. 3, 60ᵇ.
wan art die laszt selten von art
4. 3, 61ᶜ.
wird einer geworfen in den tagen
mit einem stein, in kopf ein loch
4. 3, 61ᵈ.
und so thund mich die feind oft firmen
in schlacht, scharmützel und in stürmen
4. 3, 62ᵈ.
bis auf mitnacht sitz ich beim wein
4. 3, 62ᵈ.
bis sie endlich in grund verdarm (verdarben)
4. 3, 65ᵈ.
der messner war ein alter mann,
dient uns zu tisch
4. 3, 71ᵃ.
und ich hab doch kein mönch nit
mein lebtag sehen gen acker fahrn
4. 3, 87ᵇ.
ein reicher burger der fruh und spat
zu hof war bei Maximilian
4. 3, 81ᵃ.
der schlug ein nider zu unglück
4. 3, 81ᵇ.
da traten dar
dise zwölf blinden in kreisz zumal
4. 3, 81ᵇ.
do gab der wolf die flucht gar bald
wider ausz dem dorf ein gen wald
4. 3, 106ᶜ.
die wolf flohen vor im gen holz
4. 3, 109ᶜ.
hinauf gen himel fahren thet
4. 3, 114ᵈ.
sagt das alt sprichwort 'in not
gehn der freund zweinzig auf ein lot'
4. 3, 116ᶜ.
führt seinen gast zu nacht hinausz
4. 3, 87.
aber auch
bei der nacht
4. 3, 90ᵃ.
sein (des mannes) zank bei tag, liebs anfang zu nacht Garg. 70ᵇ. fahr in wald 8ᵃ. in wald laufen Schweinichen 1, 353.
jagen den wolf von holz zu feld
Wolgemut2, 401.
das wild lief zu holz in voller brunst
2, 451.
eilends hinab in keller lief
2, 368.
must leer wider zu holz hinlaufen.
Eyering Sprichw. 1, 154.
in der stadt kömpt ein meuterei
an tag, und rückt mit gewalt herbei
mit den ameisen der tewre held
Granestor und legt sich auch zu feld.
Fuchs Mückenkr. 2, 19—22.
und nam damit zu loch sein straszen.
Rollenhagen Froschm. R iiij.
sein irrthum wird nicht viel gezehlet,
dann wo er etwa hat gefehlet,
das wird in erde tief verhohlet
Logau 1. 2, 40.
gott müsse ihnen nothwendig ein sammetes kissen in himmel legen lassen. er werde deshalb in himmel kommen. nicht in himmel klettern Schuppius 87. bisz an morgen 105. zog ich in krieg 119. wann ihnen ein geringer rauher wind unter augen wehet 135. mit füszen eines groben bauern kan zertreten werden 137. was ihm in sinn kompt Olearius Rosenthal buch 1. cap. 1. er wirft seine söhne in thurm 1, 10. von nutzbarkeit der verschwiegenheit 4. überschrift. mit begehren 7, 1. in meinung eine stattliche verehrung zu erlangen 4, 11. in meinung du wärest unvorsichtig ders. Baumgarten 116. für augen kommen Butschky Patmos 116. niemals ist mir in sinn gekommen Riemer Stockfisch 193. jedennoch aber verordnete er dasz man einen angezündeten strohwisch oben von fenster herunter werfen solte 226. damit muste er in gasthof einkehren als ein blutfremder 238. die einbusze seiner güter und zwar auf eine so ungerechte art gieng ihm oft in kopfe herum 238. bei seite geräumet 334. in gegenwart so vieler personen 335. wie er (der bauer auf dem heimweg) in busch kommt Ettner Maulaffe 630. unter augen und unter den augen oben 1, 792. 793. vor augen und vor den augen 793. aus den augen 795. Auch im 18ten jahrh. dauern diese formeln fort. bei den meisten kommen sie nur in beschränkter zahl vor, bei einigen häufig, wie z. b. bei Klinger, der sie aber auch unpassend gebraucht. zu winkel kriegen Lessing 1, 373. in augen ist ihr ganzer geist ders. fragt nichts nach lauf der welt Gotter 1, 197. stosz mich in abgrund Klinger Theater 2, 147. wenn er mir noch einmal erscheint, sollen seine gebeine in flusz, und müst ich sie mit eignen händen hineintragen 2, 174. komm an wasserfall 2, 189. stolz traten sie zusammen in garten 2, 194. ich wollte nur fragen ob ich dich würde an hof begleiten 2, 227. er soll sie diesen abend in park am schlosz bescheiden 3, 172. die gnade des suldans wird dich schon in hafen treiben 3, 174, und noch viel öfter. auch Göthe läszt hier nicht selten den artikel weg,
bei heiterem sinn, mit fröhlichem blut
ist alles an tafel vergessen
1, 137.
versäumen Sie nicht zur rechten stunde an tafel zu kommen 57, 219.
und in hoffnung wieder dich zu sehen
1, 209.
der thürmer der schaut zu mitten der nacht
herab auf die gräber in lage
1, 229.
gar verdrieszlich ist mir einsam das lager zu nacht
1, 286.
ihr glückt es wol bei einigem verweilen
mit wurzelkräften dich von grund zu heilen
4, 133.
mein mädchen hab ich ihm wahrhaftig nicht gegeben
um so in tag hinein von meinem geld zu leben
7, 41.
ihr herren, merkts euch wol, es kommt zuletzt an tag.
7, 110.
an galgen mit dem dieb!
7, 111.
ihr warft sie (die armbrust) dem feind an kopf 8, 11. ja, wenn ihro majestät nicht bald dazu thun, so stecken einen die kerl am end in sack 8, 39. dagegen mit dem artikel, das müst ein kerl sein, der das weinfasz von Fuld in den sack schieben wollte 8, 40. seinen innigsten antheil an tag legen 10, 60.
den wedel nimm hier
und setz dich in sessel
12, 124.
und laszt uns sehen dort stäubts im sand,
dort zieht ein wütig heer zu land
13, 51.
neulich kam mirs in sinn den engel Michael wieder,
der mir die officin bezeichnet, vergolden zu lassen.
40, 263.
auffallend ist hier in tag leben, an tag kommen, an kopf werfen, in sessel setzen, bei andern wird man den artikel finden. dagegen setzt er ihn wol, wo andere ihn weglassen,
anbeter konnt ich wol noch in der menge haben
7, 52.
wie der bischof sah er richt nichts aus und zieht immer den kürzern, kroch er zum kreuz 8, 6. gewöhnlich ist in menge, zu kreuz. so sagt man auch einen bei namen rufen, nennen, aber Schiller,
du erfrechst dich,
ihr ärgster feind, beim namen sie zu rufen.
manche form, die im 16ten und 17ten jahrh. noch gäng und gäbe war, ist auszer gebrauch gekommen, und nur zuweilen wird eine und die andere wieder hervorgezogen, so von Rückert
wenn ich zu walde geh
303.
bei Göthe
wie ein vogel der den faden bricht
und zum walde kehrt
1, 107.
gegenwärtig wird hauptsächlich bei folgenden substantiven der artikel weggelassen, auf erden, auf sicht. bei tag, bei nacht. bei sonnen-, bei mondschein. bei licht arbeiten. gewehr bei fusz. das heer steht gewehr bei fusz ist zum kampf bereit, erwartet die schlacht. bei hof angesehen. bei seite bringen. bei sinnen sein. bei geld sein. bei tisch sitzen speisen. in angst, in furcht leben. in stand setzen. in zukunft kann es geschehen. in gebrauch sein. in frieden leben. etwas in menge haben. die schiffe werden bald in see gehen. nach belieben. nach hause gehen. nach sicht. über nacht wegbleiben. über land, über feld gehen. über tisch während des essens. um friede bitten. von anfang an. von grund aus. von haus aus. von natur. von haus kommen. von tisch aufstehen. von grund aus verändern. die haare stehen zu berge. zu dache steigen. zu bette gehen. zu ende bringen. zu dienst sein. zu gast sein. zu grabe tragen. zu grund richten. gut zu gesicht stehen. zu gevatter laden. zu fusz gehen. zu neste tragen. zu kopf steigen. zu pferd steigen, sitzen. zu schiff gehen. zu stuhl gehen alvum exonerare. zu thal rinnen. zu tische setzen. zu tod ärgern. zu haus bleiben. zu stand, zu wege bringen. zu ende des jahrs. zu hilfe eilen. zu falle kommen. zu wasser werden.
36.
noch sind substantiva mit einer präposition zu erwähnen, wobei, obgleich sie nicht in allgemeiner bedeutung stehen, vielmehr in der bestimmtesten, dennoch der artikel wegfallen darf. so sagt man in der hoffnung und in hoffnung auf bessere zeiten. auf den grund und auf grund dieser erklärung. in oder mit hinsicht, rücksicht, erwartung. andere dulden den artikel gar nicht, auf seiten, von seiten, in betreff, in betracht, in berücksichtigung, in bezug, in ermangelung, in erwägung, liebt der canzleistil.
37.
völlig zu adverbien erstarrt und mit dem substantivum zusammengewachsen sind im nhd. beileibe, überhaupt, übernacht, zufrieden, zurück u. a. das ursprüngliche zu rücke hat H. Sachs,
der wolf zog auch zu rücke nider
4. 3, 118ᵇ.
und noch Frisch setzt es 2, 482ᵇ an. heute kommt es selten vor,
o ruf sie zurücke die vorigen zeiten!
Göthe 1, 71.
diese frage geb ich zurücke Schiller 1, 307ᵃ. kann ich ganz zurücke treten? 308. bei H. Sachs findet man
die sau lof eim blinden zwischen die bein
und stiesz in dasz er fiel an rück
4. 3, 81ᵇ.
weder vor auch noch hinder rück
4. 3, 115ᶜ.
wofür wir jetzt hinterrücks sagen. doch auch mit dem artikel,
dasz er schlug nieder an den rück
4. 3, 81ᶜ.
überruck im schlüssel zum Theuerdank,
das er tod überruck zuͦ der erd viel
s. 186.
statt zufrieden,
darmit der fromb adel abschied
und war des urtheils wol zu fried
4. 3, 67ᵇ.
38.
von zwei durch eine conjunction oder eine präposition verbundenen substantiven war schon (unter 13) die rede, ein anderer fall ist es, wenn dasselbe substantivum in verbindung mit einer dazwischen stehenden präposition und meist in adverbialer geltung wiederholt wird. dort fehlte meist der artikel, war aber zulässig, hier wird er ganz abgewiesen. schon im mhd.
die den helden erkanden
von landen ze landen
Dietleib 526.
und mâc mit mâge übele lebet
Freidank 46, 8.
und ir zal war von heubt zu heubt, das starke mann waren, acht und dreiszig tausent 1 Chron. 24, 3.
das er von tag zu tag abnam
Waldis Esopus 156ᵇ.
trags abents morgens tag bei tag
192.
aber die königin an dem orte
fusz für fusz gieng da in kurzweil
H. Sachs 4. 2, 59ᵇ.
in dem rückten die beide heer
von schrit zu schrit je lenger je mehr
zusam
Fuchs Mückenkr. 3, 108.
der herr erzehle mir doch
drei stücke von glied zu gliede
Gryphius 903.
bei Göthe sehr häufig,
hand in hand und lipp auf lippe
1, 61.
was wir in gesellschaft singen
wird von herz zu herzen dringen
1, 117.
und in unsern liedern keimet
silb aus silbe, wort aus wort
1, 163.
sie warfen mit brust sich zu brüsten
und herzten und küszten nach lüsten
1, 224.
lieb um liebe, stund um stunde,
wort um wort und blick um blick:
kusz um kusz vom treusten munde,
hauch um hauch und glück um glück
5, 160.
geheime doppelschrift
die in das mark des lebens
wie pfeil um pfeile trifft
5, 195.
diese brust, wo deine siegel
kusz auf kusz hereingedrückt
5, 196.
reim auf reim will was bedeuten
5, 219.
weisheitsbaum an baum, cypresseragend,
heben äpfel goldner zierd empor
5, 253.
gib die hand dasz tag für tag
ich an deinen zarten fingern
ewigkeiten zählen mag
5, 258. 13, 156. 160.
brachte mich zeitrechnung und nomenclatur unseres wunderlichen sammlers schritt vor schritt aus der richte 31, 221. aber ungewöhnlich,
von schritt für (statt zu) schritt wuszt ich mirs zu erörtern.
41, 259.
wenn sonst im keller fasz an fasz sich häufte
14, 3.
wenn das gewünschte glück endlich hand in hand, arm in arm zu uns tritt 21, 149.
schlieszt sich heilig stern an stern
41, 4.
von sturz zu sturzen wälzt er (der wassersturz) sich jetzt.
41, 7.
bis wir ihm sagen dürfen aug in auge
dasz sie zugleich auch dem und jenem winke
41, 36.
mit ihnen nacht für nacht zu wohnen,
ich glaube nicht dasz es behagt
41, 111.
plätschernd ziemt es da zu schwimmen,
lied um lieder anzustimmen
41, 135.
noch drängt sich fels auf fels bewegt heran
41, 138.
ich schwebe so von stell zu stelle
41, 149.
raubschiffend ruderte Menelas von bucht zu bucht
41, 201.
geh und häufe schatz auf schatz
41, 216.
voreilend ihren schritten lasz beblümt
an teppich teppiche sich wälzen
41, 217.
an einander gelehnet,
schulter an schulter, knie an knie,
hand in hand wiegen sie sich
über des throns
aufgepolsterter herrlichkeit
41, 219.
und hört ihr donnern auf dem meere?
dort wiederdonnern thal um thal,
in staub und wellen, heer dem heere,
in drang um drang zu schmerz und qual
41, 241.
und fels an fels und berg an berg gereiht
41, 254.
als Molochs hammer, fels an felsen schmiedend,
gebürges trümmer in die ferne schlug
41, 254.
cascadensturz, durch fels zu fels gepaart
41, 256.
burg gegen burg, stadt gegen stadt,
zunft gegen adel fehde hat
41, 261.
da freut uns jeder wie er schiebt und drängt
und mann für mann der säle raum verengt.
41, 269. 275. 318.
so stürzt der feind, mann über mann
ersäuft im eigenen geblüte
41, 272.
da schwanken städte hin und wieder,
da steigen gärten auf und nieder,
wie bild um bild den äther bricht
41, 275.
erst ordnet oben
saal an saal
die kostbarkeiten
allzumal
41, 305.
dort wollt ich, weit umher zu schauen
von ast zu ast gerüste bauen
41, 306.
stamm dicht an stamm hinan
woge nach woge spritzt
41, 333.
seele rann in seele
Schiller 1ᵃ. 124ᵃ.
schwert blitze gegen schwert!
45ᵇ.
böses musz mit bösem enden
53ᵇ.
und welle auf welle zerrinnet
62ᵇ.
von stunde zu stunde gewartet er
mit hoffender seele der wiederkehr
63ᵃ.
kämpfer gegen kämpfer stürmen
72ᵇ.
von munde zu munde
flog, von geschlecht zu geschlecht, euer empfundenes wort.
84ᵃ.
opfer um opfer 142ᵇ. geheimnis gegen geheimnis tauschen 146ᵃ. ohrfeig um ohrfeig 193ᵇ. und wenn wir jetzt brust gegen brust und schicksal gegen schicksal auswechseln sollten 204ᵇ. wir wälzen uns von schlamm zu schlamm 210ᵇ. wir betteln mit der ballade von thür zu thür 208.
arm in arm mit dir
213ᵃ.
von schwäche zu schwäche sinkend
213ᵃ.
wir musten uns drücken von ort zu ort
322ᵇ.
39.
der artikel fällt weg, wenn der begriff nur im allgemeinen soll angegeben werden, er ist aber auch bei dem gegensatz nicht zulässig, wenn nemlich von einer scharf bestimmten, ganz entschiedenen individualität die rede ist. daher steht er, das ist die regel, nicht bei eigennamen der menschen, seien es geschlechts- oder vornamen, ja er fällt ab bei unsinnlichen und ganz abstracten begriffen, sobald sie als person auftreten. so läszt man in allegorischen gedichten Milde, Tapferkeit, Gerechtigkeit, Poesie, Kunst erscheinen; in den gedichten des 13ten jahrh. setzte man gerne frau voran, wie z. b. frou Sælde. Waldis überschreibt seine 31 ste fabel von der spinne und podagra, in welcher die krankheit als ein weib auftritt: da heiszt es Podagra sprach, Podagra macht sich auf die fahrt.
a.
im gothischen stand die regel fest, im ahd. hat man eine ausnahme bemerkt, ther Barrabâs Tatian 190, 18. im 12ten jahrh. fieng der artikel an sich einzuschleichen. in des Augusti cîtin Anno 517. einige handschriften der Nibel. 215, 2 lesen sun des Sigemundes statt sun den Sigemundes. in der Gudrun des Hagenen tohter 456, 3. in des Hagenen lande 457, 3. der Gêrlinde sabene 1272, 2. sun des Ludewîges 1631, 1. Welscher gast do er den Baldewînen sach 13304. im 14ten jahrh. bei Jeroschin,
ein brûderlîn ein knottir (capuciner)
der was genant der Ottir
105, 2.
zu einin zîtin geschach
daz man den Albrecht sach
mit andrin brûdrin reise varn
129ᵃ.
dô der Kasimir gesach,
der herzoge diz ungemach
136ᶜ.
bei Keisersberg zuweilen, der Saul gebot das man solet für und für die feind verfolgen Sünden des munds 4ᵃ. da wolt der Saul seinen sun lassen tötten, aber das volk bat den Saul für in 4ᵃ. der Milo was so stark das er ochsen mit der hand ze todt schluͦg 5ᵇ. das lert der Gerson, den sollen sie lesen 14ᵃ. der David spricht 15ᵇ. die muͦter Jacobs sprach zu dem Jacob 16ᵃ. die ander figur ist von dem Joseph und Jacob das. da kam einer, gieng zu dem David und sagt im daz Saul tod wer. der David fraget in 'wa von weistu daz er tod ist? den Saul weinet und claget David 29ᵇ. wir lesen von dem Nabal, der spottet des Davids 46ᵇ. als der Oracius spricht 81ᵇ. in den Fastnachtspielen des 15ten jahrh. bei dem casus rectus sowol als bei den obliquen nicht sehr selten.
do dich der Heinz Putz fand
36, 2.
hie kumt der Neithart, der ritter reich
191, 4.
eur nam mag wol heiszen der Schendel
371, 10.
so heisz ich der Ackertrapp
398, 4.
ich will mir haben die Adelhait, die Geuten
398, 6. 24.
ich pin gehaiszen der Eisengrein
398, 18.
so heisz ich der Hebenstreit
398, 33.
darumb will ich die Gerdraut
399, 10.
so haisz ich der Milchfridel
399, 18.
den Wegendrüssel nim ich mir
401, 32.
geben wir ungefuogen zol
den der Neithart am ersten fand
420, 11.
darumb so ist er der Adelheit wol gleich
516, 21.
darümb so sol in die Gerhaus nemen gern
568, 16.
Stadeleiner, für mir sie her
junkfrau die Adelhait,
die hat an ain nagelneue pfait
583, 24.
als mein gesell der Heinrich dort
585, 25.
es bleibt dem Heinrich nimer verschwigen
586, 7.
bei Murner, het auch nimmer vertrüwet das ich damit weder den Luther noch iemans uf der erden solt oder möcht beleidigt haben Luther. narr s. 2.
redestu dem Luther noch ein wort
451.
gewöhnlich Tewrdank, doch auch
so wär ertrunken der Tewrdank
64, 42.
auffallend dasz Luther den eigennamen, wo er im genitiv stehen sollte, unflectiert und ohne artikel auf das substantivum folgen läszt, von dem er abhängt, etwa wie man jetzt eine handlung bezeichnet, das haus Lindheim, das haus Goldschmidt. er sagt da gieng Laban in die hütten Jacob und Lea und der beiden megde, und gieng aus der hütten Lea in die hütten Rahel 1 Mos. 31, 33. die tochter Pharao 2 Mos. 2, 5. 7. 8. das herz Pharao ist hart 7, 14. 19. die kinder Ruben und die kinder Gad hatten seer viel vieh 4 Mos. 32, 1. fewr verzere die cedern Libanon Richter 9, 15. und sie kamen auf das gebirge Ephraim ans haus Micha 18, 2. 13. bei dem gesinde Micha 18, 13. und verwarf die hütten Joseph Psalm 78, 67. ich bin schwarz, aber gar lieblich, ir töchter Jerusalem, wie die hütten Kedar, wie die teppiche Salomo Hohelied 1, 5. ich wil die gefengnis der hütten Jacob wenden Jerem. 30, 18. in allen hütten Jacob Judith 13, 31. Luther gebraucht zuweilen die lateinische endigung, wie andere seiner zeit, mit und ohne den artikel, wider den Timotheum 2 Macc. 12, 10. und zog wider Timotheum 12, 20. darnach thäten sie viel schlachten mit Timotheo 8, 30. zogen sie wider Georgiam 12, 32. der Georgias davon entran 12, 35. sonst gebraucht er zwar in der regel den artikel nicht, doch läszt er ihn manchmal zu, die Zilla gebar auch, nemlich den Thubalkain, und die schwester des Thubalkain war Naema 1 Mos. 4, 22. gott der herr des Sems. wonen in den hütten des Sems 9, 26. 27. die fürsten des Pharao 12, 15. ein sohn der Micha 24, 15. also stal Jacob dem Laban das herz 31, 20. aber der herr erschreckte den Sillem Richter 18, 2. der Boas unser freund Ruth 3, 2. also nam Boas die Ruth 4, 1. der Bel ist gebeugt Jesaia 46, 1. ich hab den Bel zu Bal heimgesucht Jerem. 51, 44. liesz der könig dem Bel die speise vorsetzen Bel 13. um den mittag pflegte die Susanna in ihres mannes garten zu gehen Susanna 7. kam die Susanna mit den zwo mädchen 15. und verurteilte die Susanna zum tode 41. er sagt der Zwingel und die seinen, nach des Zwingels tode, das es sein eigen, des Zwingels, sein muste Luther 20, 2198 Walch. Hans Sachs behält bei alten namen gern die lateinische endigung, z. b. Minervæ 4. 3, 98ᵇ. Alexandro 4. 3, 56ᵈ. Baccho 4. 1, 112ᵈ. 113ᵇ. Mercurio 4. 3, 113ᵈ. Matthæum 4. 1, 68ᵇ. er fügt auch wol, wie wir es bei Luther bemerkt haben, den namen unflectiert zu dem subst.,
da schon der teufel hett besessen
das hertz Juda Iscarioth
4. 1, 85ᵇ.
er gebraucht zwar den artikel, auch im nom., doch nicht häufig, der Centeleon 4. 3, 63ᶜ. der Steffacher 2, 55ᵇ. der Griszler 2, 55ᵈ. der Neidhart 3, 49ᵇ. 51ᵃ. 52ᵃ. der Engelmeir 3, 49ᵇ. bei des Jupiters gähen rach 3, 103. des Neidharts weib 3, 49ᶜ. dem Lindel - Fritzen 3, 26ᵈ. dem Neidhart 3, 49ᶜ. zu dem Sewheintzen 3, 59ᶜ. es wär vom Liendl geschehen 3, 61ᵃ. ich bin bei der Margredn gelegen 3, 23. den Liendel 3, 60ᶜ. lieber setzt er ein adjectiv vor, das den artikel nöthig macht. merkenswerth ist der mit einem adjectiv zusammengesetzte name Faulfritz: im nom. erhält er keinen artikel, weil dann das adj. müste flectiert werden,
Faulfritz der nam für hungers not
in seinen busen fünf hofbrot
3, 67ᵈ.
Faulfritz stäts in der schüssel lag
3, 68ᵃ.
in dem obliquen casus,
mit Faulfritzen zu tische sasz
3, 68ᵃ.
aber auch
mit dem faulen Fritzen
3, 68ᶜ.
aus dem Äsop des B. Waldis,
der Jupiter gab im gehör
15ᵇ.
der Arion hett gern gefrist
96ᵃ.
da trat der Arion herfür
96ᵇ.
dem Lazaro lecken die wunden
97ᵃ.
wir wölln anfallen den Jupiter
15ᵃ.
aus Fischarts Gargantua, des Martials 23ᵇ. dem Salust 61ᵇ. dem Mercurio 64ᵃ. allzeit find man sie wie Lucretiam 74ᵇ. Ein ähnliches verhältnis bei den schriftstellern des 17ten jahrhunderts. in der letzten zeit hat man die lateinische flexion gänzlich zurückgewiesen und sie klingt jetzt pedantisch. doch in dem gebrauch des artikels zeigt sich zwischen dem südlichen und nördlichen Deutschland ein unterschied. dort wird er vorgesetzt, in der umgangssprache auch im nominativ, der August kommt heute, die Mathilde ist bei ihren verwandten. Hebel sagt der Friederli, der Fritz, sVreneli, es Eveli. der vorangesetzte flectierte genitiv bedarf des artikels nicht, Göthes, Schillers werke sind in aller händen. unflectiert bedarf er des artikels, der Adelheid vertrauen gefällt mir. im dativ fehlt er nicht leicht, wenn er die flexion ersetzt, ich habe es dem Ernst gesagt. ich bin der Auguste begegnet. ebenso im acc. ich sah den Friedrich weggehen, ich grüszte die Therese, und zumal wenn keine flexion statt finden kann, wie bei fremden namen, er hat den Cicero als staatsmann geschildert. Schiller läszt den Brutus erscheinen. der mahler hat die Veronica dargestellt. im nördlichen Deutschland meidet man den artikel, nicht blosz im nom., auch in dem dat. und accus., wo man die flexion zufügt, ich habe es Ernsten gesagt. ich habe Louisen einen brief geschrieben. ich habe Georgen abgesendet. man hat ihm Marien empfohlen. Göthe folgt dem norddeutschen sprachgebrauch: im Wilhelm Meister und in den wahlverwandtschaften entschlüpft ihm der artikel selten, anderwärts kommt er zuweilen vor. der nominativ meist nur, wenn er gemeine leute sprechen läszt, indem so kommt der Weislingen daher geritten Götz 8, 23. das wär gut und gäb auch der sache einen schein, wenns der Götz thät 8, 139. der genitiv mit dem artikel höchst selten,
der Mufti las des Misri gedichte
5, 36.
artikel und flexion fehlt bei fremden auf is und us ausgehenden namen,
Hafis dichterzüge sie bezeichnen
ausgemachte wahrheit unauslöschlich
5, 34.
als noch Venus heitrer tempel stand
1, 249.
Brutus rede für die freiheit 8, 196. sonst die flexion ohne artikel, seine reiter, Selbitzens, eure sind zerstreut 8, 102. die frevelhaften reize Philinens 18, 167. mit einem reinen charakter wie Theresens 20, 231. die strafrede Jarnos 20, 304. beim dativ der artikel nur ein paarmal, denkt ihr seid einmal wieder beim Götz 8, 28. ich hab Georgen nach dem Selbitz geschickt 8, 86. wenn diese ergebenheit nichts mehr verdient als eure gedanken alle nach dem Karl (dem kaiser) gerichtet zu sehen 8, 131. woher das dem Weisling kommen sein mag? 42, 27. fehlt der artikel, so wird die flexion - en zugefügt.
sind wir wieder bei Hafisen
5, 19.
ich diente Götzen von Berlichingen 8, 88. diese nacht begegnete ich Götzen im wald 8, 155. was hört ihr von Georgen? ist Lerse nach Georgen? 8, 162. Wilhelmen verdrosz dieser ausfall 8, 54. Aurelie blieb vor Wilhelmen noch einige augenblicke stehen 19, 197. die ganze welt war mir auszer Narcissen todt 19, 289. Wilhelms abschied von Theresen war heiter 20, 71. so rein blieb sein verhältnis zu Natalien 20, 244. Lucinden, wie uns allen, waren die hände gebunden 21, 69. schien es möglich Augustinen eine neigung zu seinem vaterland einzuflöszen 20, 289. die briefe von Wernern 20, 300. auch Wielanden fieng dieser naturzustand an bedenklich zu werden 31, 145. Ludwig Hummeln war der preis zu erkennen 31, 141. nur zuweilen bleibt die flexion weg, ohne dasz der artikel vorgesetzt wird, mit Mignon beschäftigt 18, 241. gesinnungen, die Serlo gewissermaszen natürlich waren 19, 140. sie scheint mit Felix ganz glücklich zu sein 20, 174. 21, 38. fragt nach St. Joseph 21, 9. zu Antoni hab ich kein vertrauen 21, 144. auffallend, er gestand Melina'n (ein mannsname) gerne zu 19, 254, dagegen, er gehe zu Sperata 20, 269. auch hier einiges schwanken, der verabredung mit Schiller gemäsz, ich hatte mit Schiller diese angelegenheit besprochen, und ich besprach die sache mit Schillern 31, 187. 188. 189. von Schillern eingehändigt 31, 185. auch beim accusativ der artikel nur als ausnahme, suchtest du den Götz 8, 162. sonst fast nur wo die flexion nicht anzuwenden war, habt ihr den Weislingen? 8, 22. darnach führten wir heraus den Helfenstein, den Eltershofen 8, 137. als wenn ich den Jery nicht kennte 11, 16. Natalie die den Felix bei der hand nahm 20, 16. als sie den Felix rufen hörten 20, 208. von dem nicht articulierten acc. nur ein paar beispiele, siehest du Götzen? 8, 98. ich möchte Georgen und Franzen geschlossen sehen! 8, 117. darf ich Lersen nach deinem sohn ins kloster schicken 8, 164. ich wollte Tankreden und Reinalden spielen 18, 135. fand er Friedrichen in einer art raserei 18, 223. Wilhelms vorliebe für Shakespearen 19, 72. ein freudetrunkener blick den er auf Marianen warf 18, 17. nun sah er Aurelien 20, 10. die schalkhafte miene, womit er Wilhelmen und Theresen ansah 20, 187. die übersetzung von Rameaus neffe war noch durch Schillern nach Leipzig gesandt 31, 195. die endigung -en fällt zuweilen wie im dat. weg. dort war Augustinen angeführt, dagegen ist hier zu bemerken dasz man Augustin in seinem blute gefunden habe 20, 296. Schiller wechselt mehr mit den verschiedenen formen, läszt aber die flexion seltner zu. zuweilen der artikel bei dem nominativ, der Spiegelberg 108ᵇ. 109ᵃ. 117ᵇ. der Schufterle 134. der Terzky 351ᵃ. im genitiv bleiben fremde, auf -us ausgehende namen unverändert, Nereus tochter 223ᵃ. tochter Zeus 238ᵃ. Rom verröchelt über Brutus bahre 134ᵇ. in Priamus land 216ᵃ. ein sohn Atreus 217. Phöbus heilige erde 224ᵃ. Achill, sohn Peleus 226ᵃ. zuweilen ist ein apostroph zugefügt, der hohe lichtfunken Prometheus' ist ausgebrannt 105ᵇ. ein todesstosz von Brutus' schwerte 134ᵇ. auch wird der artikel als ersatz für die mangelnde flexion vorgesetzt, des Eurytus scepter 217. sohn des Sisyphus 220. das haus des Oedipus 239ᵃ. der sohn des Talaus 240. die abenteuer des Julius Cäsar und Alexander, wo des Alexander stehen müste 104. sturz des Appius Claudius 152ᵃ. ferner, keule des Herkules 105ᵇ. tactik des Hannibal 105ᵇ. das blut des Andreas 158ᵃ. des Piccolomini hohe gnade 330. bräutigam der Milford 187. wo die flexion zulässig ist, bleibt der artikel weg, Dorias trotzige that 157ᵃ. 168ᵇ. Gianettinos anschlag 157ᵃ. Nestors flotte 1, 217. Agamemnons kind 228ᵃ. enkel Agenors 238. Thebens töchter 238. beim grab der tochter Niobens 237ᵇ. Philipps frau 250ᵇ. herzog Albas henker 250. Amalias porträt 115ᵇ. zu Mathildens füszen 249ᵃ. beim dativ alle möglichen formen, ohne artikel und flexion, diese ewige grille von Karl 124ᵃ. nieder mit Doria 160ᵃ. nur nicht Brutus mochte Cäsar stehen 134ᵇ, wo man dem Brutus erwartet. mit flexion, dieser kummer wird wachsen mit Karln 114ᵇ. ein langer traum von Karln 114ᵇ. wenn du dein kind Dianen schlachtest 218. zu Achillen senden 222ᵇ. der artikel zu boden mit den Doria, oheim und neffen 156ᵃ. das sag du niemand als dem Fiesco 178ᵇ. halb Genua springt dem Andreas zu 180ᵇ.
was der könig hat,
gehört dem glück, Elisabeth dem Philipp
252ᵇ.
mit dem Geszler 531. wie beim dativ auch beim accusativ. ohne artikel und flexion, ich verlasse Amalia 112. sein fliehender geist verzog, Franz und Amalia noch zusammen zu knüpfen 116. ohne artikel mit flexion, wo sie Dianen erfreuen 216ᵃ. sah ich Diomeden, Palameden 216. nu denke dir Ulyssen 220ᵇ. mit dem artikel, sie werden den Fiesco zum herzog ausrufen 178.
so gab
ich kinder meinem eignen kind, zwei knaben,
den Eteokles erst und Polynices
den herrlichen
236ᵇ.
Es genügt bei Göthe und Schiller den gebrauch des artikels nachgewiesen zu haben. indessen kommt in der schriftsprache die flexion auf -en, im genitiv auf -ens immer mehr in abnahme. man schreibt er ahmt Schiller nach, nicht Schillern. ebenso, er vergleicht ihn mit Göthe. er hat sein buch Uhland zugeeignet.
b.
Der artikel wird dem eigennamen gerne vorgesetzt, wenn von einer bekannten person die rede ist, oder man auf eine vorher genannte zurückkommt; es ist dann eine bestimmtere hinweisung nöthig (Schirlitz Syntax des neuhochdeutschen artikels §. 30). nicht alle waren gekommen, nur der Dietrich und der Hermann. das ist also der Peter mit dem lahmen fusz? der bewuszte. wer? wer anders als der Sapupi? es ist nicht möglich, der Sapupi? Göthe 8, 77.
ich kenn ihn, 's ist der Baumgart von Alzellen.
Schiller 517ᵃ.
es ist der Tell von Bürgeln
518.
was der blitz!
das ist ja die Gustel von Blasewitz!
321ᵃ.
B. nun denn, so geht und schickt mir Pestalutzen.
D. den Pestalutz! hum!
397.
c.
zur unterscheidung des weiblichen geschlechts setzt man in der umgangssprache den artikel zu dem eigennamen, ich bin der Engelhard begegnet. ich sah die Hermann vorübergehen, aber nicht die Augusti. im 17 ten bis etwa in die mitte des 18 ten jahrh. setzte man, wie noch jetzt im volk, auszer dem artikel noch die geschlechtsendigung -in zu dem namen des ehemannes, die Ritterin, die Wernerin, die Karschin.
d.
im 16 ten jahrh. fügte man zu den frauennamen den namen des vaters oder mannes im genitiv, Maria Königsteins, Liese Hasenkamps, Anna Fridages; s. Gramm. 3, 340. aus dem 17 ten jahrh. führt Schirlitz §. 32 noch ein beispiel an, Margaretha Friedrichs. der genitiv erklärt sich aus dem ausgelassenen tochter, ehefrau, wie bei Barthels, Eggers, Jacobs, Peters, Steffens sohn verstanden wird.
e.
werden durch das haupt der familie zugleich die mitglieder derselben bezeichnet, so wird kein artikel zugefügt, die familie Weber wohnt an verschiedenen orten. im gemeinen leben pflegt man den genitiv zu gebrauchen, von Günthers (familie) war niemand zugegen. Wernhers sind sämtlich abgereist. Reinharts sind auf ihrem landgut.
f.
eigennamen als appellativa verwendet erhalten den artikel, die Shakespeare und die Göthe erscheinen nicht oft. man behauptet Corneille sei der Sophokles, Racine der Euripides der Franzosen. ähnlich bei kunstwerken, die Leda von Michel Angelo. die Venus von Titian. der Blücher, der Scharnhorst von Rauch. der Schiller von Thorwaldsen.
g.
auch patronymica verlangen als appellativa den artikel.
man sach die Nibelunge mit Sîfride gân
Nibel. 571, 4.
doch vorhte sie harte sêre der Nibelunge tôt
971, 2.
der was den Nibelungen ein helfelîcher trôst
1466, 2.
der der Amelunge
bediet (unterthänig gemacht) hât manege kraft.
Dietleib 6377.
daz ez den Amelungen
bî ir zîten nie geschach
11083.
der Harlunge tôt
2608.
Ermrîch die Harlunge vie
2546.
von dem selben geslehte sint uns die Wülfinge komen.
Wolfdieterich.
die Hegelinge Gudrun 1497, 4. mit den Hegelingen 1110, 3. die Karlinge Roland 48, 14. 185, 14. 267, 28. Wälsch. gast 10601. der Harlunger, Amelunger stamm Fischart Garg. 30ᵇ.
der Äaciden mordend eisen
Schiller 114ᵇ.
h.
übertragene eigennamen erhalten den artikel.
α.
bei den planeten die götternamen,
in einem halbkreis standen um mich her
sechs oder sieben grosze königsbilder,
das scepter in der hand, und auf dem haupt
trug jedes einen stern, und alles licht
im thurm schien von den sternen nur zu kommen.
das wären die planeten, sagte mir (Thekla)
mein führer (Seni), sie regierten das geschick:
drum seien sie als könige gebildet.
der äuszerste, ein grämlich finstrer greis,
mit dem trübgelben stern, sei der Saturnus:
der mit dem rothen schein, grad von ihm über,
in kriegerischer rüstung sei der Mars;
und beide bringen wenig glück den menschen.
doch eine schöne frau stand ihm zur seite,
sanft schimmerte der stern auf ihrem haupt:
das sei die Venus, das gestirn der freude.
zur linken hand erschien Mercur geflügelt.
ganz in der mitte glänzte silberhell
ein heitrer mann mit einer königsstirn,
das sei der Jupiter, des vaters (Wallensteins) stern,
und mond und sonne standen ihm zur seite.
Schiller 347ᵇ.
mit unrecht steht vor Mercur nicht der artikel, es heiszt jetzt der gott selbst sei erschienen.
β.
bei schiffen, der Humboldt ist nach Amerika abgesegelt. der Nelson liegt im canal. der Göthe fährt morgen thalwärts von Mainz nach Cöln. die Gefion ist an Gibraltar vorbeigekommen.
γ.
bei thieren, er hat seine besten pferde geritten, den Chosru und den Agamemnon. er nahm zwei hunde mit auf die jagd, den Hektor und die Diana. der Hans spricht, der gezähmte rabe.
i.
wird das werk durch den namen seines verfassers bezeichnet, so kann der artikel nicht fehlen, der Homer, der Sophokles, der Shakespeare, der Cervantes findet sich unter seinen büchern. er hat den Plato gelesen. er will den Aristoteles herausgeben. dies gleichnis ist aus dem Jesus Sirach genommen. Lachmanns anmerkungen zum Walther von der Vogelweide. ein gleiches gilt von kunstwerken, der Raphael in der gallerie ist nicht echt, der Albrecht Dürer ist ein schönes bild. ebenso wenn ein eigenname zum titel eines buches dient, das erste capitel des Hiobs Simpliciss. 1, 36. Göthe hat den Faust selbst vorgelesen. mädchen die den Theuerdank lesen Göthe 8, 65. mein erster gedanke war den Demetrius zu vollenden 31, 192. dagegen fehlt Göthe, wenn er sagt, Reineke fuchs durfte nun hervortreten, das gedicht von Reineke durfte erscheinen 31, 146, wiewol hier auch das thier selbst kann gemeint sein, dagegen, wie im Reinecke fuchs weiter nachzulesen ist Briefe an fr. v. Stein 1, 173. der erste theil von Eugenie 31, 156. richtig aber sagt man Göthe dichtete Hermann und Dorothea, hier konnte der artikel wegbleiben, weil und die beiden namen verband (s. oben sp. 982). endlich wenn eine rolle in einer dramatischen dichtung gemeint wird, er spielte den Egmont gut, aber ich finde ihn im Hamlet besser. der Tasso gelang ihm nicht immer. sie stellte das Clärchen im Egmont mit rührender wahrheit dar: auch in der Eugenie war sie vortrefflich.
k.
in der alten zeit hatten die thiere eigenthümliche, nicht von den menschen geborgte namen, die dann keinen artikel erhielten. so Isingrîn, Brûn, Bertin, Reinhart, Kuonin, Diezelin und andere, die im gedicht vom Reinhart fuchs vorkommen; vergl. cap. 11 von den thiernamen.
Reinhart und Bartman von den ziegen
zusammen in ein pfützen stiegen.
Waldis Esopus 150ᵇ.
l.
auch die besondern namen der schwerter blieben der regel gemäsz unarticuliert, wenn nicht ein adj. dabei stand.
sîn swert hiez Durendart
Roland 117, 17.
Durndart muoz mir hiute dingen
143, 14.
nim dû Durndarten
163, 22.
wâ ist Alteclêre?
198, 5.
Olivier zôch Alteclêren
198, 9.
Ruolant zuhtigete si harte
mit deme guoten Durindarte,
Olivier mit Alteclêre
29, 28—30.
und recken siben hundert twang er von Nibelunge lant
mit dem guoten swerte: daz hiez Balmunc
Nibel. 96, 1.
er zucte ein swert daz Freise hiez.
Dieterichs drachenkämpfe, s. Heldensage s. 267.
m.
die namen der monate erhielten im mhd. gewöhnlich den artikel, weil man das appellat. mânôt hinzudachte, in dem aberellen Heinr. v. Veldeke MS. 1, 20ᵃ.
dô was des abrillen schîn zergangen
Parzival 96, 12.
nâch des merzen stunden
Gudrun 1217, 3.
der meie bringe uns al sîn wunder
Walther 46, 16.
gên wir zuo des meien hôchgezîte
46, 22.
der des meien kleider sneit.
Steinmar MS. 2, 106ᵃ. 107ᵃ.
weizgot er lât ouch dem meien den strît
Walther 39, 9.
als ich enmitten in dem meien wære
118, 35.
ich snîd iu vor dem meien nicht
Lichtenstein 24, 6. 7.
ouch wart in von dem meigen
gesant rîlîchiu stiure
Konrad v. Würzb. Troj. krieg 16327.
sô der ougest ende hât
Freidank 146, 8.
dô sich der ougest ane gie
Silvester 2792.
der êrste tac in dem oweste Hermann v. Fritzlar 170, 3.
in dem oweste diz geschach
Livl. chronik 9673.
und vaste in den ouwest gienc
Iwein 3058.
in dem oust ein küeler wint
Renner 6067.
seltner fällt er weg,
swenne aberelle gegen den meien
alsô wünneclîche strebet
Gottfr. v. Straszb. MS. 2, 183ᵇ.
ze ûzgândem aberellen
Lanzelet 8787.
der sumer gap diu selben kleit,
aberelle maz, der meie sneit.
Schulmeister von Esslingen MS. 2, 94ᵇ.
swaz meige ûf die planiure
bluomen hete gezetet
Konrad v. Würzb. Troj. krieg 3983.
die von Karl dem groszen gegebenen namen sind, bis auf hornung, mit mânôt zusammengesetzt (Gesch. der deutschen sprache 82), doch steht der artikel nicht dabei. heute kann er nicht wegbleiben. sein geburtstag ist im januar. er will während des februars dort verweilen. einige im februar und märz von ihm geschriebene blätter Göthe 31, 192. die erste hälfte des augusts war verstrichen 31, 155. 203. geht anfangs, mitte oder ende voran, so wird der monatsname jetzt ohne artikel und flexion zugefügt, er wollte anfangs januar anlangen, kam aber erst mitte mai. ende november trat frost ein. anfangs mai wagt ich mich aus Göthe 31, 192.
n.
auch die wochentage, da sie mit einem appellativum zusammengesetzt sind, werden articuliert. der sonntag ist der ruhe gewidmet. er war den montag nicht zu haus. er ist am mittwochen und am donnerstag hier gewesen. in der nacht auf den freitag oder auf den sonnabend will er abreisen. auch sabbath erhält den artikel. im gemeinen leben läszt man ihn weg, ich werde montag nicht zugegen sein und nächsten donnerstag abreisen. es geschah freitag den achtzehnten. er fällt weg bei adverbialischen genitiven sonntags, montags u. s. w., aber nicht bei besonders benannten tagen, am abend des Johannistags Göthe 31, 178. am pfingstfest, osterfest. wiederum fällt er weg, wenn die namen allein genannt werden, zu Michaelis, auf Silvester, nach ostern, aber vor pfingsten.
Mattheis brichts eis.
auf sanct Gall
da bleibt die kuh im stall
Schirlitz §. 48.
's ist heut Simons und Judä,
da rast der see und will sein opfer haben.
Schiller 518.
o.
den namen der winde gebührt der artikel, der nordwind, der ostwind, der südwind. der biswind aquilo Maaler 70ᵃ. Frisch 1, 101ᵇ, bei Dasypod. 12ᵃ beiszwind. aber nicht blosz die zusammengesetzten, auch die einfachen namen erhalten ihn. die bise nordostwind (Stalder 1, 173), mhd. diu bîse (Benecke 163ᵃ), der föhn südwind (Schmeller 1, 534), die fön (Maaler 139ᵃ. Frisch 1, 285), der samum, der Sirocco, der zephyr, der ostner (Dasypod. 66ᶜ. 393ᶜ).
40.
Völkernamen erhalten weder im gothischen noch im ahd. den artikel, dort also Rumôneis, Israêliteis, Krêkôs, bei Otfried Kriachi 1. 1, 60. Frankon 1. 1, 33. 103; doch schon thie Rômâni 1. 1, 59. im 12 ten jahrhundert fieng man an den artikel vorzusetzen. in dem gedicht von Anno bleibt er meist weg bei den namen alter völker, Rômêre 262. 465. Rômêre gewalt 510. mit Rômêren 248. Troieri 371, Beire 298. 316. ci Vrankin 546. 559. doch auch mit dem artikel di Criechin 32. 232. 350. die Duringe 333. 338. cin Duringen 335. die Vrankin 538. der Sahsin wankelmuot 319. ähnlich in der Kaiserchronik, häufig Rômære 63. 94. 119. 156 u. s. w. wider Rômæren 225. mit Rômæren 600. selten der artikel, zuo den Rômæren 11212, wo ihn auch nicht alle handschriften haben. bei andern völkern steht er fast immer, die Kriechen 586. die Juden 271. 827. die Swâbe 280. 295. die Baiere 6827. die geslehte der Beiere 315. an den Baieren 321. ûf die Beiere 296. die Sahsen 340. der Sahsen grimmeger muot 323. die Megenzære 393. nur eine handschrift hat Duringe 338. Rolandslied Burgunder 267, 31. Swâben die milten 268, 5. Ungeren nam ich ir kraft 238, 9. Sahsen 218, 5. Lotringe helde 267, 29. dagegen kunc von den Britten 57, 25. die Franken 41, 3. 48, 5. den Franken 276, 2. die Flaminge 267, 26. di Friesen 267, 27. Athis Rômêre A**, 22, doch häufiger die Rômer, die Rômêre, den Rômêren A, 96. B, 131. C, 160. E, 92. im beginn des 13 ten jahrhunderts hat sich das verhältnis umgekehrt, der artikel ist regel geworden. noch am ersten fehlt er bei Rômære, wie im Eraclius 540. 599. 994. 2245. 2671. 2860. 2910. 3557. 4387. so auch im Freidank, dem wellent Rômer lîhte niht 160, 20. swer Rômer site rehte ersiht 148, 12. in Rômer hant 153, 24ᵇ; doch der Rômer spot 151, 24. sodann, der Walhe spot 163, 3. den Tiuschen gehaz 156, 18. im Walther kommt Rômer nicht vor, sonst immer der artikel, die Düringe und die Sahsen 19, 15. der Dürnge bluome 35, 15. Dietleib die Düringe 6575. die Swâbe zuo den Franken 12123. Klage der Priuzen künec 3487. zer Burgonden handen 220. von der Hiunen lant 1462. zen, ze den Hiunen 92. 1413. 1604. 1667. auch in den Nibel. ist der artikel nöthig, der Burgonden sorge 426, 2. ze den Burgonden erkant 1802, 4. dâ zen Burgonden was ir lant genant 5, 3. mit den Burgonden 1811, 3. die Tenen und die Düringe 2011, 1. die Sahsen 219. in der Sahsen lant 179, 3. den Sahsen 176, 4. zen Sahsen gesant 215, 4. in der Hiunen lant 1229, 3. der Hiunen neheiner 1822, 2. zen Hiunen vrowe vil gewaltec 1109, 4. 1110, 4. Lachmann hat einmal nach zwei handschriften ohne, zweifel aus metrischen gründen, den artikel eingeklammert,
dô tâten [die] Burgonden als in der bote geriet
526, 4.
Gudrun mit der Holsæzen liute 1415, 1. er bringet vil der Friesen und ouch der Holsæzen 1374, 2. der künec von den Mœren 670, 3. 1540, 1. mit den Mœren 708, 1. die helde von den Stürmen 1546, 1. 1510, 4. die Tene Hôrant unde Môrunc 1552, 2. so halten es auch die höfischen dichter, und die regel wird heute nicht verletzt. Anzumerken ist dasz der sing. mit dem artikel das ganze volk bezeichnet, meist wenn sein wesen und seine natur soll angedeutet werden, der Engländer ist schweigsam, der Franzose spricht beständig. der Isländer sehnt sich nach seiner insel. du bist ja ärger als der Spanier Göthe 8, 171. sie trieben den Türken von den grenzen des reichs 8, 201. ein gnädiger herr! der echte Niederländer! so gar nichts spanisches 8, 207. ähnlich bei corporationen. der student ist lustig. der jäger ist gern im wald. der husar schwärmt herum.
besonders ungeheuer
gings drüber und drunter her
mit fürchterlichem feuer
beim feindlichen chaseur
Soltau 2. 428, 5.
41.
ländernamen werden nicht articuliert, gewöhnlich geht in der alten sprache eine präposition voran. gothisch us Galeileian, du Dalmatiai. bei Otfried in Aegyptum 1. 8, 7. in Galilêa 2. 7, 39. 3. 2, 1. Merigarto von Arâbjâ 4, 17. in Egiptilant 4, 18. in Îslant 5, 15. in Tuskâne 5, 31. in Môrlant 6, 41. in Campanjâ 7, 18. in Siciljâ 7, 24. in Idumêâ 7, 14. in Sardinjâ 8, 6. Anno in Gallicîâ 82. in Indîâ 209. in Egiptilant 433. ingegin Suâben 279. in Denemarkin 637. von Tenemarc unz in Apulîam 679. von Kerlingin unz an Ungerin 680. in Walilant 383. in Duringelant 695. im Rolandslied wird einmal die lateinische endigung vorgezogen, Alemanniam ich ervaht 238, 8. sonst im nom. und acc. Frankrîche 134, 8. Britanjâ 238, 10. Engellant 238, 18. Lancparten 237, 32. Pulle 237, 33. Behaim unt Polân 238, 11. Schotten und Îrlant 238, 16. sodann mit präposition, zuo Frankrîche 114, 8. gegen Ispânje 236, 1. ze Karlingen 240, 25. von Beigeren 282, 32. Kaiserchronik ze Swâben 271. Dietleib der helt von Türkîe 3456. Walther von Engellant 19, 26. ûz Ôsterrîche 19, 29. 32, 5. 35, 7. von Rôme 6, 34. 28, 1. 84, 30. 105, 21. 124, 26. ze Rôme 9, 20. 25, 13. 33, 21. Freidank 148, 22. 149, 1. ze Rôme 148, 5. 149, 27. 152, 3. zÂkers 154, 19. 10. 13. 156, 5. ze Jaffe 157, 9. Nibel. ûz Arâbî 535, 4. von Sahsen Liudgêr 169, 1. in Sahsen 193, 4. Irnvrit von Düringen 1285, 3. die von Düringen 1815, 2. von Spâne Walther 1694, 3. 1735, 1. von Marroch dem lande und ouch von Libîân 355, 1. von Burgonden der herre Gêrnôt 287, 1. 933, 1. ze Burgonden 469, 1. 683, 3. durch Ôstervranken 1464, 2. ze Norwege in der marke 682, 3. bei den mit lant, rîche, marc zusammengesetzten ländernamen sollte man den artikel vermuten, aber er zeigt sich nicht. mehrere beispiele sind eben angeführt worden, hier noch einige. häufig sind sie in den Nibel., ûz Îslant 397, 1. der helt von Niderlant 117, 1. ûz Niderlant 167, 3. in Niderlande 1308, 1. in Niderlanden 20, 1. von Niderlanden der herre 714, 1. ûzer Vlâchenlant 1283, 1. ûzer Ungerlande 1313, 1. ûzer Hiunenlant 1286, 3. ûz Hiunenlande 1106, 3. ûz Beierlande 1242, 2. gegen Sahsenlande 175, 2. ûz, von, in, ze Niblungelant 491, 7. 944, 3. 1023, 3. 1025, 3. von, ûz Amelungelant 1659, 2. 2216, 2. 1920, 3. durch Ôsterrîche 1276, 4. 1652, 1. in Ôsterlant 1281, 1, einmal auffallend mit dem artikel in daz Ôsterlant 1269, 2, wo ihn aber eine handschrift wegläszt. auch an andern orten kommt Ôsterlant immer ohne artikel vor, s. Stricker kleine gedichte xii, 44. Lichtenstein 477, 8. MS. 2, 163. Passional 23, 74. 24, 8. 162, 8. 268, 10. in der Gudrun bleibt der artikel ausgeschlossen wie bei Hartmann, Wolfram und andern. Noch heute dauert die regel fort. nur im volk hört man die Schlesing, das Tirol, das Vorarlberg. die auf n ausgehenden ländernamen beruhen auf einem obliquen casus, meist auf dem von der präposition regierten dat. pl. wie Sahsen, Düringen für ze Sahsen, ze Düringen. das hat veranlassung gegeben zu einem unorganisch gebildeten Arabien, Spanien, Persien u. s. w. es versteht sich von selbst dasz ein vorgesetztes adjectivum den artikel herbeizieht, das kornreiche Holstein. das fruchtbare Schlesien.
das ganze Deutschland soll es sein
Arndt.
auch vor beide kann er stehen, die beiden Hessen. die beiden Sicilien. die beiden Indien. dagegen das unflectierte ganz und halb läszt ihn nicht zu, da es (wie in ganzhüfner, halbbruder) als mit dem namen zusammengewachsen betrachtet wird, halb Schlesien war erobert. ganz Sachsen sollte ihm offen stehen Schiller. Ist der name des volks mit land verbunden, so wird jetzt, was, wie vorhin bemerkt ist, in der alten sprache nicht erlaubt war, bei einigen der artikel zugefügt, er kommt aus dem Hessenlande, will ins Hessenland gehen. im Sachsenland war der eifer grosz. wein aus dem Frankenland. da verhengt gott zehen blagen und strafe uber das Egiptenlandt Keisersberg Sünden des munds 2ᵇ.
das Frankenland ist ein schönes land
Soltau 2, 382.
von Phokis, vom Spartanerland
Schiller 58ᵃ.
doch Uhland läszt ihn auch weg,
nun war ein herr aus Schwabenland
von hohem wuchs und starker hand.
die Niederlande fast nur im pluralis, doch bei G. Schwab
aus Brügge reitet im Niederland ein königlicher held.
dagegen die mit reich zusammengesetzten dulden den artikel nicht; nur Arndt gestattet sich
gewis, es ist das Österreich
an ehren und an siegen reich.
Indessen ist die in der alten sprache so fest gehaltene regel in der neuern zeit durchbrochen worden. es gibt mehrere ländernamen, welche den artikel nicht blosz zulassen, sondern fordern. dahin gehören die Schweiz. die Krim. die Pfalz. die Lausitz. die Mark (Alt-Neu-Uckermark). die Moldau. die Wallachei. die Türkei. die Bulgarei. die Tartarei. die Berberei. die Lombardei. die Bukowina. die Ukraine. die Herzegowina. der Elsasz. der Peloponnes. das Banat. das Exarchat u. a. die Normandie, die Bretagne, die Picardie, die Vendée, die Champagne, die Dauphinée sind mit dem artikel, den die ländernamen dort immer verlangen, aus Frankreich herübergenommen. Wird königreich, herzogthum, grafschaft, fürstenthum vorgesetzt, so ist der artikel nicht zu entbehren, das königreich Hannover gränzt an das herzogthum Braunschweig, die landgrafschaft Hessen an das Frankfurter gebiet, Nassau an das königreich Preuszen. die neuerdings aufgekommenen, das verhältnis umkehrenden zusammensetzungen Baselstadttheil, Basellandschaft stehen allein und sind nicht zu empfehlen.
42.
unter den eben bemerkten ländernamen welche articuliert werden, befinden sich mehrere welche man als landschaften eines gröszeren reiches betrachten kann, wie die Mark, das Exarchat, die Lombardei als theil von Italien, die Lausitz, die Priegnitz, das Voigtland, und in dieser eigenschaft bedürfen sie des artikels, wie er bei den mit gau zusammengesetzten landschaftsnamen nöthig ist.
hin für Hagenouwe
in dem Rîngouwe
Dietleib 5792.
so sagen wir der Rheingau, der Hennegau, der Schwangau, der Breisgau, der Thurgau, der Allgäu, der Hegäu, der Wasgau. auch die Wetterau ist hier anzuführen, die Meinau und die Reichenau, zwei inseln. deshalb erhält in der Gudrun der name eines unbebauten eilandes den artikel, der Wülpensant 848.
dô si gewendet wâren von des küneges lande
zuo einem wilden werde, der was geheizen dâ zem Wülpensande
809, 3. 4.
ûf dem Wülpensande 871, 4. 909, 8. 918, 2. 1121, 1. 1434, 4. ûf dem Wülpenwerde 883, 4. 897, 4. ebenso das Eichsfeld, das Lechfeld.