Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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dämmer, m.

dämmer, m.
schwelger. wie schlemmen und demmen gewöhnlich zusammen steht, so auch schlemmer und demmer.
von groben filzen ist der text,
die wüst rott sitzet in der non,
schlemmer und demmer dar zuͦ gon
Brant Narrensch. 72, 53.
könig Cyrus überfällt die schlemmer und demmer und bringt sie alle um Georg Scherer H ijᵇ. er wär ein schlemmer und demmer P. Abraham. demmer gulosus, lurco, ingluvies, catillo, asotus Stieler 290. Steinbach 1, 260. s. verdämmer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 709, Z. 61.

dämmer, m.

dämmer, m.
bezähmer, domitor, der einen dämpt und züchtiget Maaler 85ᶜ. Frisch 1, 182ᵇ. s.dämmen domare.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 709, Z. 70.

dämmer, m.

dämmer, m.
crepusculum, zwielicht, halbdunkel, verhüllung des lichtes, wie dämmerung. ahd. demar Graff 5, 141. mhd. demere f. Jeroschin 116ᵃ. nahe verwandt ist das ahd. timbarî caligo Graff 5, 428, altnord. dimma, sanskr. tamas, lat. tenebrae, lit. tamsa, serb. tama nebula. ferner das ahd. adj. timbar obscurus, mhd. timber, timmer
allez sîn gezimber
glanz und niht ze timber
Konrads Troj. krieg 17479.
bair. dimper, dumper Schmeller 1, 372.
diu timberhafte naht
Heinzelein v. Konstanz 127. 55, 3.
ags. dim, altsächs. thimm. es gehört zu einem verlorenen starken verbum diman tenebrescere; vergl. Gramm. 2, 184. heute wird es selten gebraucht, auf wiesen in deinem dämmer weben Göthe 12, 30. in dem grausen linden dämmer des mondes ders. an frau v. Stein 1, 116. am abend im dämmer der bäume Tieck Nov. 1, 25.
wol meine lippen sind so fromme lämmer,
o lasz sie weiden in der bergnacht dämmer.
Pückler-Muskau gedichte 1, 59.
nachtdämmer Göthe Briefe an Lavater 43. auch morgendämmer kommt vor.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 709, Z. 72.

dämmern

dämmern,
schlagen, klopfen dasz es schallt. in dieser bedeutung auch dammern ohne umlaut, gehört zu däm, getemer, und heiszt eigentlich durch schlagen bewältigen, niederdrücken, so dasz es sich an das active dämmen anschlieszt.
der swerte hemern
daz begunde alsô temern,
daz der luft ez niht vermeit
und mit galm dâdurch sneit
daz berc und tal dar nâch dôz
Reinbots Georg 1179.
dô wart getengelt und getemert
und ûf helme gehemert
Ottaker cap. 531.
sich huop ein getemern
rehte als zweinzec smide slüegen mit den hemern.
Rosengarten C 1134.
bei Jeroschin dummern, mit drîn blîdin dummirtin dar an nâch sturmis fettin 140. dammern dampern Schmeller 1, 370. dammern lärmend auftreten, stampfen K. Ch. L. Schmidt Westerwäld. idiotikon 43. dammern dämmern in der Schweiz sowol laut ertönen als activ heftig zuschlagen z. b. die thüre Stalder 1, 262. daher auch mit den füszen stoszen, ich dammer supplodo pedibus Alberus lex.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 710, Z. 63.

dämmern

dämmern,
er dämmert herum er geht müszig, in behaglicher abspannung, gedankenlos herum. ein jeder dämmert auf diesem erdenrund sein fleckchen wie der andere Fr. Müller 2, 41. so kannst du dir doch mit einiger einbildungskraft schon vorstellen dasz ich, wenn du mich auch nur als lenker meines eigenen fuhrwerks betrachtest, dieses jahr nicht viel dämmern, ruhen und säumen durfte Göthe an Zelter 484. dann auch, in der dämmerung unthätig sitzen, schweigend oder plaudernd, bringt das licht noch nicht, wir wollen noch dämmern. s. verdämmern. dämmerstunde.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 710, Z. 84.

dämmern

dämmern,
allmälich hell oder dunkel werden, zumal bei aufgang und nach untergang der sonne; zwielicht verbreiten; vergl. dämmer und aufdämmern. der morgen, der abend dämmert am horizont herauf.
an örtern wo ihr (der sonne) stral gedämpft
mit braunen schatten dämmernd kämpft
Gotter 1, 229.
welches meteores schimmer
dämmert durch der wolken flor?
3, 534.
wo du horchest der nachtigall,
zittert eine gestalt, dämmernd in mildem glanz,
leises fluges an dir vorbei
Hölty an Miller.
ich kam an die sonnen und die dämmerten.
Klopstock Mess. 9, 12.
sie sahen in des grabes nacht die morgenröthe der auferstehung schon dämmern 12, 200. im dämmernden saal, mit einer entschlummernden todtenlampe sparsam erhellt 12, 294.
scheide des tags und der nacht ein dämmerndes zwielicht.
Voss.
schleichen die andern zum dämmernden wald.
Göthe 1, 29.
mit der dämmernden fackel leuchtest du (liebe) ihm
durch die furten bei nacht
2, 66.
der schein des ewgen lämpchens flämmert
und schwach und schwächer seitwärts dämmert
11, 127.
dunstige fackeln, lampen, lichter
dämmern durchs verworrne fest
41, 38.
o es ist mit der ferne, wie mit der zukunft! ein groszes dämmerndes ganzes ruht vor unserer seele 16, 39. das zimmer war dunkel, nur eine kerze dämmerte hinter dem grünen schirm 22, 89. der ganze raum war eher nächtlich als dämmernd 23, 83. gehen wir schnell aus dem hellen ins dämmernde 52, 17. ein fensterkreuz das einen dämmernden himmel zum hintergrund hat 52, 22. vor ihm (dem Montblanc) sahen wir eine reihe von schneegebirgen dämmernder auf dem rücken von schwarzen fichtenbergen liegen 16, 245. da oben auf der zinne des bergs im dämmernden blau Tischbein bei Göthe 29, 14.
erhebe dich (maienlüftchen) mit allem süszen raube
nach jener dämmernden hollunderlaube
Bürger 4ᵃ.
die farbenkörner der natur zergiengen in eine einzige weite flut, und über der dämmernden flut stand der Unendliche als sonne J. Paul 1, 168. Uneigentlich gebraucht es Göthe gern,
ach wie so geschwinde
dämmert und blicket
und schwindet die lust
10, 325.
was ist das, das mir so oft in der seele dämmert, als wenn ich nicht mehr wäre? 11, 59. dann kommt wieder ein schlaf über mich, eine ohnmacht,
ich schwinde, verschwinde,
empfinde und finde
mich kaum.
ist das leben?
ists traum?
ich sollte nicht behalten
was mir das schicksal gab.
ich dämmre! ich schwanke!
komm, süszer gedanke,
tod! bereite mein grab
11, 59. 60.
der dämmernde traum 16, 178. stätte meines grabes, die ich mir weihte: wo umher alle wehmut, alle wonne meines lebens dämmert 10, 182. der blick wars, der mich ins verderben risz! so dämmernd! so lieb! 10, 184. indesz war dieser zustand immerfort nur dämmernd, nirgends fand ich eine aufklärung nach meinem sinne 50, 50. seine seele dämmerte noch in thierischem schlafe Klinger 2, 126. die weissagung die vor ihrer seele dämmert 2, 226. die schwermut die auf meiner seele dämmert 2, 247. du mit der dunklen stirne, auf welcher die glut der liebe so furchtbar dämmert, wenn dein heiszes herz in strömen sich ergieszt 2, 354. die wollust hatte seine dämmernden guten gefühle so vernichtet dasz — 3, 234.
eine grotte zunächst voll lieblich dämmernder anmut.
Voss Odyss. 2, 103.
in seiner dämmernden seele J. Paul Hesp. 1, 77. Victor kniete nieder und verlor sich in die dämmernde weinende gestalt 2, 99. eingehülltes lilienbad, sei so dämmernd schön wie eine vergangenheit ders. Unsichtb. loge 3, 64. vergleiche ich jetzt wie was mir im laufe der vorlesungen zu dämmern anfing, nun völlig mittagsklar geworden ist, die verwirrung in höchste bestimmtheit bis ins einzelne aufgelöst Niebuhrs leben 3, 170. unpersönlich, trat denn wirklich meine schöne gegen abend in weiszem kleide herein, da es eben im zimmer dämmerte, so kam sie mir länger vor Göthe 23, 83. es dämmert einem es fängt an einem klar in den gedanken zu werden,
der kennt nicht meinen ganzen dank,
dem es da noch dämmert,
dasz, wenn in ihrer vollen empfindung
die seele sich ergeuszt, nur stammeln die sprache kann.
Klopstock 6, 294.
endlich sprach er, als ob es ihm dämmerte ihm die erinnerung käme Arnim Kronenw. 1, 226. Tieck gebraucht dämmern activ für verdunkeln,
da begann ich schmerz zu fühlen,
thränen dämmerten den blick
4, 311.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 711, Z. 9.

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Zitationshilfe
„dämmern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/d%C3%A4mmern>, abgerufen am 18.05.2021.

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