Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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dasig, adj.

dasig, adj.
ejus loci, regionis. ein dasiger bürger, dasige leute, der dasige wein, das dasige bier Frisch 1, 179. Steinbach 1, 237. in einer privatschule der dasigen gegend Lessing 4, 156. meine dasige krankheit war wirklich nur, wie ich schrieb, ein übergang von zwei tagen Herder Briefwechsel 1, 241. das wort zeigt sich, wie das analoge hiesig, erst häufiger am ende des 17 ten jahrh., Stieler bemerkt ausdrücklich, es sei erst neuerdings erfunden worden, dasige leute homines qui illic i. e. in eo loco in quo diximus habitant, dasige gelder argentum quod istic depositum est Stieler 268, der ihm auch s. 299 die bedeutung von talis similis beilegt mit ableitung von das id, dasige waren tales merces, sogar dasigkeit f. similitudo, unum et idem, und ebendasigkeit indifferentia indiscriminatio anführt. auch Frisch sagt es sei erst in neuern zeiten aufgekommen, aber von der höheren und reineren schreibart noch nicht anerkannt. das s in dasig ist, wie in hiesig, euphonisch eingeschoben, Frisch meint es sei mit r vertauscht, aber darig und hierig ist unerhört, doch daig erscheint bei Kaltenbäck öfter, z. b. 221ᵃ. 222ᵃ. 288ᵇ. 289ᵃ. 290ᵇ; ähnliche bildungen aus partikeln sind in der Gramm. 2, 295. 391 angemerkt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 809, Z. 48.

däsig, adj.

däsig, adj.
zahm, stille, kleinlaut, dann auch träge, dumm, unklug, albern. ahd. tusig stultus, hebes Graff 5, 460. mhd. dâsec, nur ein einziger beleg, dast ein dâsec hunt, der niht enkan dan liegen ûf rehtem pfade Frauenlob 368, 2.
1.
das wort ist in den mundarten zumal in den süddeutschen weit verbreitet. dasi, dasti kleinlaut, geduldig, unbändigem wesen gegenüber bei Schmeller 1, 400. dausig 1, 401. dusig 1, 402. düsig, diesig schwindlicht 1, 402. täsig still Schmid Schwäb. wörterb. 120. däsig zahm gemacht, beschwichtigt Stalder 1, 269. tûszig kopfhängerich Tobler 159. däsig, dasig albern Ouzen Fries. glossar 47. düsig, dösig schwindelig, taumelig, trüb Bremer wörterb. 1, 276. täsig, tesig zahm 5, 29. däsi, düssi Quikborn 284. ags. dysig, engl. dizzy, dozy.
2.
verwandt sind
a.
die adjectiva dus, dusam mild, nicht glänzend, dusmig nubilus Schmeller 1, 402, daselig (s. oben). düselicht, dusselich, düseli, düsseli schwindlig Reinwald Henneb. idiodikon 1, 22. tûslig Tobler 159. niederl. duizelig, deuzelich. dann düster, auch wol döstig matt, niedergeschlagen Schmeller 1, 403.
b.
die substantiva dähs, dehs betäubung, däs f. schwindel, taumel, verwirrung Quikborn 284, unruhiger schlummer zwischen wachen und schlafen (der kranke liegt im dähs) Hupel Liefl. idiot. 45. 47. engl. doze. gleichbedeutend ist dusel (s. unten). dasel verdrossene magd (s. oben). tüssel (unverständiger) knabe Stalder 2, 512. tuszli ein langsamer, unbeholfner mensch Tobler 132, taussi eine stille kuh ders. täs, täsen der langsam schleichende iltis Stalder 1, 269. tûser heimlicher nachschleicher, laurer, duckmäuser Tobler 159. Stalder 1, 331. hierher auch wol dust (vapor) = dunst der betäubt Frauenlob 315, 11. Schmeller 1, 402. staub Brem. wb. 1, 277. Richthofen 696. ags. dyst, engl. dust.
c.
die schwachen verba mhd. tûzen stille trauern.
innan tûzen, dâ mîn herze in sêre lît
MSHag. 1, 92ᵃ.
daesen delirare Kilian. ausdähsen in verwirrung kommen Hupel Liefl. idiot. 46. eintasen einschlummern. dusen, dussen, bedusten, duseln, dauseln schlummern, schwindelig, betäubt sein Schmeller 1, 401. Bremer wörterb. 1, 276. düsseln, tûsla leise gehen, um böses zu thun Stalder 1, 331. Tobler 159. niederl. duizelen, deuzelen taumeln. dosen stille sich verhalten Schmeller 1, 401. engl. to doze schläfrig sein. es scheint ein verlorenes starkes verbum dise, das, dâsen, gedosen zu grunde zu liegen.
3.
die grundbedeutung ist stille in sich gekehrt, daher auch betäubt, besinnungslos sein. in der schriftsprache kommt däsig selten vor, ohne umlaut noch im Vocab. incipiens teut. tasig obnixius (obnoxius), est aliquis propter culpas aut offensam alicui suppositus, obligatus aut territus X 4.
Rumpolt der dasig knecht
Fastnachtsp. 997, 24.
will geschweigen der gefahr, die sowol der mensch als auch thier überstehen musz, bisz mans nur ein wenig däsig macht Max. Fugger von der gestüterei (Frankf. 1583). däsig machen bändigen Schönsleder K 4. der bauer hat sich das halt müssen gefallen lassen, und ist einmal fein tasig gewesen Zingerle Hausmärchen 2, 188. uneigentlich, heuriger most, so man ihme nit luft lässet, sprenget oft den faszboden aus: da er aber ein alter wein wird, da ist er um ein gutes dässiger und frummer Abraham a S. Clara. ein pferd durch schläge oder harte arbeit tasig machen Höfer Östreich. wörterb. 3, 215.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 809, Z. 69.

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Zitationshilfe
„däsig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/d%C3%A4sig>, abgerufen am 18.05.2021.

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