Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

däuchten

däuchten,
dünken, videri. organisch sind, abgesehen von dem umlaut, nur das prät. däuchte und das partic. prät. gedäucht, goth. þûhta, ahd. dûhta, gedûht, mhd. dûhte, conj. diuhte, wozu der goth. infin. þugkjan, ahd. dunkjan, mhd. dunken gehört; auch die andern stammverwandten sprachen haben dieses anomale verbum. im 15ten jahrh. fieng man an das präsens däucht deucht nach dem prät. zu bilden, und im 17ten jahrh. kam noch der infinitiv däuchten dazu. das gleichbedeutende dünken ward als ein besonderes verbum abgetrennt und ihm das prät. dünkte beigelegt. keine der verwandten sprachen ist auf diese abwege gekommen, nur das niederdeutsche zeigt den infinit. duchten dugten und hat vielleicht auf das hochd. däuchten eingewirkt; in gutdünken hat die zusammensetzung das organische gesichert, denn gutdäuchten hat wol niemand gebraucht. Adelung betrachtet den infinit. däuchten sogar als die älteste form, aber Schmeller (1, 385) geht auf der andern seite zu weit, wenn er annimmt, Adelung habe ihn erst aufgebracht: er ist schon seit jahrhunderten in gebrauch. darüber sind nachweisungen zu geben. Dasypodius und Maaler im 16 ten jahrh. kennen infinit. und präsens nicht, aber Henisch hat mehrmals däuchten deuchten und das präs. daucht, deucht 663. 682. 765. Schönsleder kennt nur dunken L 5. Stieler setzt s. 296 dünken an mit dem part. prät. gedaucht gedocht gedöcht und dem prät. deuchtete und dauchte, keinen infinit. und kein präsens, aber s. 297 bei dichten bringt er als damit gleichbedeutend deuchten und gedeucht vor. Frisch sagt (1, 193) kurz 'deuchten v. es deucht mich mihi videtur, s. dünken'. Steinbach (1, 277) deuchten und das präs. deucht deuchtet. soweit die wörterbücher. die volkssprache pflegt leichter rohe formen anzunehmen als das organische zu zerstören. süddeutsche mundarten kennen diese bildungen des infinitivs und präsens nicht, und Schmeller 1, 385 hat nur dunken, es dunkt mi, hat mi dunkt. J. Gotthelf mischt in das hochdeutsche seiner schriften auf eine geschickte und lebendige weise die schweizerische volkssprache: bei ihm findet man häufig das präter. duechte und das partic. prät. geduecht, duecht mit dem acc., aber befremdlich auch das präsens, ich weisz nicht, aber es duecht mich manchmal ich könnte mich in alles schicken Bilder und sagen aus der Schweiz 4, 83. s'duecht mich immer, wenn es gott so gut mit einem meinte als es heiszt, er sollte einem nicht so dem teufel lassen vor die füsze werfen das. und grad so, es duecht mich ich sehe es, wird ihm daheim gewesen sein 5, 167. selten mit dem dativ, wo über tisch geredet wird dasz einem duecht, es sollte den wänden übel werden. noch auffallender der conjunct. dueche, es duech ihns selber das wär schickig (schicklich) 4, 37. es gieng ihr auch so, sagte die bäurin, obwol es sie manchmal dueche, man wäre ohne king viel ruhiger 4, 58. dreiszig jahre sei es nie gegangen wie sie gewollt, deretwegen wurde es ihr jetzt gar ungewohnt vorkommen, wenn es einmal gienge, wie es sie dueche dasz es ihr anständig wäre 4, 118. zu Resli sagte sie es dueche sie, es sollte ihm lieb sein nicht ungelegenheit zu haben 4, 120. so sagte er das dueche in kurios 4, 123. Wir verfolgen den gang den die sprache bei dieser abirrung genommen hat. Luther gebraucht den infinitiv nicht und in der bibel nur einmal das präsens, also sind auch die menschen in der hand des der sie gemacht hat, und gibt einem iglichen wie es in gut deucht Sirach 33, 14. anderwärts das präs. öfter, aber damit ich E. K. F. G. (kurfürst Joachim II. von Brandenburg) mein gutdünken sage, weil ich sehe das E. K. F. G. solcher ernst ist, deucht mich man möchte solche zwei stück sonst im brauch halten (1539) Luther Briefe 5, 233 de Wette. und gepieten das sie durch sich selbs oder einen andern oder andere dise briefe, nachdem sie es empfangen oder ir wissen haben, zum wenigsten ein mal im iar oder mer mal, so sie deucht not sein, in ihren kirchen herlich vorkündigen Bulla cene domini verdeutscht durch Martin Luth. Witt. 1522. 4. Cᵇ. ebenso nur das präs. in andern schriften dieser zeit,
darausz so kompt grosz ergernis
als ich glaub warlich und gewis
in allen andern nacion,
da diese sach kombt zuͦ verston.
drum deucht mich dasz nit underlieszt
und ernstlich rigel understieszt,
gebötst alnthalb in dieser sach
das iderman het gut gemach.
Zu kaiserlicher maiestat Carolo dem fünften doctor Martin Luthers lere aus den zwanziger jahren des 16ten jahrh. 4. B iiij.
mich bedeucht gut sein das die christlich kirch in einem gemeinen concilien beschlosz und aussetzt den leien das hochwirdich sacrament unter beder gestalt zu geben Die verteutsch bulle under dem namen des babst Leo des zehenden wider doctor Martinus Luther ausgangen (1520). 4. a iij.
mutter, ich thu nach deiner sag:
iedoch deucht mich es wer das best
das sollichs auch der vater west.
H. Sachs 1, 22ᵃ.
Zarnke (Seb. Brants Narrenschiff s. 303) führt eine stelle aus Val. Holl an, die vor 1526 geschrieben ist,
es deucht mich zeit,
ich thet meiner arbeit warten.
wer ein pfarrher oder prediger oder sonst ein gelert from redlich man, der lere und des lebens unstreflich, dem mocht man auch schreiben dem wirdigen wolgelerten fleiszigen sorgfeltigen fürsichtig fleiszigen etc. nach dem es einen iden am schicklichsten sein deucht, also auch den schulmeistern, nach dem eins idlichen geschicklichkeit gab und grad gelegen ist M. Fabiani Franks Cantzlei und titelbüchlin Wittemb. 1538. 8. bl. 90.
wer sie höret, den deucht allein
sie alle leiblich brüder sein
H. Sachs 4. 2, 114ᵇ.
mich deucht es wär gleich gnug gescherzt.
Tragedi vom Heli (Nürnberg 1548) C v.
darumb weil die gestalte der ding in sensu communi sind, so deucht den menschen (im traume) er sehe, er habe, er greife, er höre und gehe mit dem ding umb, daran er des tags vil und oft gedacht und darvon geredet hat J. Agricola Sprichw. (Hagenau 1529. 8.) bl. 161ᵇ. der teufel aber feret zu und macht einem jeden seinen stand also schwer dasz er ihn untreglich deucht, weiset ihm einen anderen stand, der nicht so schwer sei bl. 223ᵇ. in der ersten person,
mich dunkt du hast zu viel gesoffen,
drum rath ich dir das du bald gehst
zu bett und mir im weg nit stehst.
deshalb ich dir geraten deucht,
dir wird sonst übel ausgeleucht.
Waldis Esopus bl. 380.
ich hab dis einige kind, ihr habt der zween daheim,
noch dunkets uns so gar gut und so mächtig sein,
wann wir sie han zur schulen abgefertigt hin
das wir ir doch ein mal von hals los worden sin;
behüte gott, wie deuchts uns gut das wir dann fried
bekommen und vor sie mehr dürfen sorgen nit.
Rob. ja traun mich deuchts unkümrlich gut.
Mart. Hayneccii drei newe schöne und lustige comoedien (Lpzg. 1582. 8.) A vjᵇ.
deucht in dann das er fertig ist,
so nehm ern wider auf sein mist
G iij.
lieber mein,
wie lang deucht dich das (dasz es) mag gesein,
das wir aus unser heimat zogen
H iij.
mich deucht er werd sen sprengen und leckn,
wie deucht euch? hä?
J vᵇ.
ir werts versuchen, als mich deucht,
das ir das krimm im nacken kreicht
J vijᵇ.
mich deucht es wird sich schicken recht
J viijᵇ.
mich deucht er wird sehen
K.
ich halt er wird sich han versteckt,
mich deucht er hat mich rüm gereckt
D vjᵇ.
H. wie mich bedeucht.
Ph. hei deuchts euch noch?
Dd vj.
unser herre Christ,
der eh dann einen menschen deucht
verzeiht aus gnaden.
Ee.
ja wann ichs recht berichtet bin,
so deucht mich immer in meim sinn
ihr seid der schelm
Gg vᵇ.
sie sind geschlagen aus dem feld,
mich deucht sie gaben mir versen gelt
Gg viijᵇ.
mich deucht ich mein
man hat mirs dürre getrenket ein
Jiᵇ.
ich schlaf, ich wach, ich geh, ich steh,
ich kan dein nit vergessen.
mich deucht dasz ich dich allzeit seh:
du hast mein herz besessen.
Regnart Newe kurzweilige teutsche lieder (Nürnberg 1580.) n. 13.
hie deucht mich schon ich sehe die schwermer toll und rasend werden Calvinischer hammerschlag durch M. Mart. Forchheimerum. (Christlingen 1591. 4.) Fi.
jungen mut und frisches blut
deucht all sein wesen gut
Henisch 688.
wie gfelt dir dieses gmahel mein?
deuchts dich nicht schön und erbar sein?
Mauritius Comödie vom grafen Walter G IIᵃ (1606).
deucht michs oder ists im wesen?
und der infinit.,
es will mich deuchten
Fleming 295.
so seh ich bald bei mir was den Silenus deucht
Logau.
dann dasz sie gar nicht sich als ander besser deucht,
das macht dasz fleisch und blut sie auch im busem reucht.
1, 4, 92.
mich deucht ich sehe schon eure grosze begierde Schuppius 851. den fuhr aber der präsident überlaut und sprach 'was deucht euch? ich und andere fürstliche räte haben nicht so viel studiert dasz wir wissen können' u. s. w. Satyrische gesichte Philanders von Sittewalt 3 ter theil Frankf. 1645. 12. s. 25 (welcher theil aber nicht von Moscherosch herrührt, sondern von einem unbekannten eingeschoben und hernach unter dem titel Alamodischer politikus mehrmals abgedruckt ist). auch der infinitiv, er sol das ihn nicht lassen fremd deuchten 40. Hoffmannswaldau hat zuweilen mich dünkt, gewöhnlich mich deucht, prät. mich daucht.
mich deucht ich habe dies vor diesem auch gehört.
Der getreue schäfer 24.
mich deucht itzt habe ich gute sachen
89.
mich daucht ich sasz mit schatten wol ümgeben
25.
nur immer und ewig schade war es um den wunderschönen tempel Salomonis, dasz derselbe so mit muste vor die hunde gehen, es hätte mich sollen deuchten, wenn nur ein fleckchen daran wäre ganz geblieben Schelmufsky Reisebeschreibung 1, 52. sie liesz sich vier und zwanzig stunden so lange deuchten als ihr ganzes leben Riemer Stockf. 67. das präs. deuchtet kommt hier auch vor und wird hernach angeführt werden. du wirst dich stäts erinnern, dasz die schönheit der seelen der vortrefflichste schatz ist und dasz um solche zu erhalten uns nichts schwer deuchten musz Die tugendhafte Sicilianerin aus dem französ. von Crisius (Dresd. u. Lpz. 1744) s. 11. Liscov gebraucht mich deucht sehr häufig, aber niemals den infinitiv, auch nicht das prät. und partic. prät., doch deucht mich dasz man einen scribenten der 3 mal 7 jahre alt ist nicht vorwerfen könne, er habe zu jung angefangen 43. mich deucht alten gesetzten ehrwürdigen männern würde ein wenig mehr groszmut besser anstehen 55. mich deucht eine solche fensterscheibe ist werth dasz man sie bewundere 57. mich deucht ich habe mit unwidertreiblichen gründen dargethan 71. ferner 72. 84. 87. 103. 110. 117. 128. 146. 199. 207. 215. 149. 182. 235. 240. 366. 398. 466 u. s. w. Klopstock sagt sehr selten mich dünkt (8, 107), aber deucht, zuweilen däucht geschrieben, findet sich bei ihm öfter, höchst selten deuchtet (9, 17). das präter. dauchte ist in den spätern ausgaben immer in däuchte geändert, wol nur einmal der infin. deuchten (12, 258). einige beispiele,
es deucht mich er werde
jetzt mich erhören
9, 604.
mich deucht die stimme
bebt mir
11, 1158.
denn was ich sagt, ist mir nicht ganz gewis;
doch deucht michs wahr
9, 28.
ich seh es stäuben
von fern und einen in dem staub kommen.
ich kenn ihn nicht. doch deucht michs
9, 77.
oft deuchtet uns verzeihenswerth
was gott doch nicht verzeiht
9, 17.
wie mich deucht, und wie Sie, denk ich, auch deuchten wird, dennoch über die grammatik hinaus 12, 258.
mir dauchte dasz Teutona mit lächeln auf mich
blickte
2, 5.
das womit sich die republik bisher beschäftigt hat, gieng,
himmel und erde, so daucht es ihm, wollten
fliehn
Mess. 10, 998.
ihr daucht es als ob sie in thränen zerflösse
11, 385.
doch dauchte sie, zween von ihnen
wären viel mehr in entzückungen als in schlummer gesunken
11, 1246.
lange, so daucht es mir, dauerte schon die zeit der entscheidung
18, 53.
jetzo daucht es ihnen, als wollte der herr sie verlassen.
14, 1391.
mitleid daucht es ihm erst, dann daucht es ihm freude.
19, 11.
es dauchte mir, ernstvoll
blickt er auf dich.
16, 500.
seltener bei Lessing, aber mich deucht Sie wollen sagen, er müsse Ihnen gar zu viel vergeben 2, 42.
frei, fröhlich, ungequält hab ich dir sonst gedäucht
3, 333.
mich deucht herr Damis ist Julchen nicht zuwider 2, 10. 55. so war es, deucht mich, kein unglück 2, 340. mich deucht es kommt Ihnen weit säurer an 2, 347. auch bei Gellert,
in eine stadt, mich deucht sie lag in Griechenland,
drang einst der feind von wuth entbrannt
1, 138.
bei Wieland mich däucht und mir däucht. zwar das prät. und partic. prät. ist häufig, aber der infinitiv kommt nicht vor. ehe wir diese frage beantworten können, müssen mir, däucht mich, vorher fragen 'was ist das, was die menschen schön und gut nennen?' 1, 147, 203.
den unerfahrnen däucht
das leben ein system und jede tugend leicht
9, 233.
itzt däucht der tag mich nicht mehr helle
10, 209.
'es däucht mich fast, alte mutter', sagte Pedrillo, 'ihr wiszt mehr von der sache als wir selbst 10, 230. wie mich däucht 15, 91. 93, 113. 17, 229. 18, 74. 275. 19, 120. 144. 245. sodann, mir däucht 3, 129. 6, 33. 13, 88, 91. 16, 75. 17, 276. den damen däucht es zum wenigsten so 4, 14. aber dies däucht den unsinnigen nur ein spiel; sie wollen nicht nur blut, sie wollen leichen sehen 6, 293. mir däucht die unterdrücker der menschheit haben wol keine ursache sich zu beschweren 7, 52. gleichwol däucht mir dieser schlimmste unter den königen von Schesian weniger hasz als bedauern verdient zu haben 7, 102. nun, da sie gemacht ist, däucht mir sie hat recht 7, 111. aber mir däucht sie spielen mit ihrer religion 7, 144. mir däucht dieser punct wurde schon lange zwischen uns ausgemacht 7, 163. mir däucht dies wäre doch immer das sicherste 7, 164. die däucht mir nicht zu deinem umgang zu taugen 9, 32. 58. 81. 98. 10, 162.
allein ihr däucht in diesem augenblick
Hylaktors jagdgeheul die lieblichste musik
10, 198.
wie ihm nun das nicht allzuwohl deuchten mochte, so machte mein bär links um Münchhausens reisen 36.
erschlaffung däucht des menschensinns entfaltung,
man wähnt natur was roh sich hebt und wild
Voss.
solches däucht mir im geist die seligste wonne des lebens.
ders.
auch bei Göthe findet sich einigemal der infinit.,
so kann unserem geschlechte
nur das höchste heilig däuchten,
gold und perlen und juwelen
können solcher edlen seelen
himmelsglanz nicht überleuchten
4, 51.
was irgend schön und lieblich däucht
41, 145.
mich däucht er will ein zeichen senden
41, 277.
die so bedenkliche warnung eines weisen vorfahren musz uns wunderlich deuchten 60, 105. bei Schiller gewöhnlich der dat., es däucht Ihnen noch wol möglich, gewisse gewagte stellen zu retten 760. gerade ein gang der begebenheiten wie der bisherige, däucht mir, konnte einen solchen zustand erzeugen 765. ihr däucht sie wandle hin ders. der monat ist, däucht mir, auch schnell vorüber ders. mir däucht ich sehe dort eine hyacinthe blühen ders. und mir däucht ich weisz wer Sie dazu berechtigt ders. acc., das däucht Sie nur, das däucht Sie, doch sein Sie versichert, Sie irren sich ders. auch einmal der infinitiv,
höre, gesell, es fängt mir an zu däuchten,
wir stehen hier am pranger vor dem hut
334.
bei Rückert der infinitiv mehrmals,
ich weisz nicht ob euch selbst wol klein mag deuchten
was grosz euch traf, doch will ich prophezeien
136.
so lasse sich auch dies geschlecht nicht deuchten
freiheit zu finden, weil es bricht die bande
143.
einst kommt die zeit, doch ist sie wol noch ferne,
wo in sich wird die ganze erde leuchten
zum edelstein geworden oder sterne,
denn stern und edelstein will eins mir deuchten.
dann wird das meer ein perlentropfe werden,
den edelstein hinschmelzend zu umfeuchten
161.
das aber will von dir mir seltsam deuchten
144.
Man sieht der infinitiv ist erst in der letzten zeit häufiger gebraucht worden, ein gefühl von seiner unorganischen bildung hielt davon zurück, und dadurch ward wol Martin Hayneccius im 16 ten jahrh. veranlaszt, auch noch den unerhörten infinitiv deuchen zu bilden,
ich liesz mich wol bedeuchen es wär ein solche sach.
Drei newe comoedien H viijᵇ.
und dem gemäsz, ebenfalls nur einmal neben dem häufigen deucht, auch deuchet,
ists nicht der schreiber? wie deuchet dich?
B vij.
Ist die sprache einmal auf einen abweg geraten, so schreitet sie darauf fort. ein der regel scheinbar gemäszes däuchtet, das Adelung verlangt, weil er in däucht nur eine zusammenziehung davon erblickt, zeigt sich einzeln schon im 16ten und 17ten jahrhundert. so es dir gut deuchtet, so thue es 3 Esra 8, 95; die übersetzung rührt nicht von Luther. ob es gleich unser vernunft törlich deuchtet J. Coreander Gebot des sons gottes (1571) B iiijᵇ. bei Ambrosius Lobwasser neben deucht,
so gar ein kleines kindelein,
es deuchtet jederman wol klein,
so doch in sich die ganze welt,
kein gröszer ding beschlossen helt.
Bewerte hymni patrum 312.
narr. vater Fritz kömt itzt.
kammerfrau. es deuchtet dich, du bösewicht,
darzu ist er dein vater nicht.
Comoedia von entführung Ernesti und Alberti, herzog Friedrichs des andern söhne durch Georgium Henrici Lpz. 1595. 8. F vi.
der sel. herr M. Jer. Weber schreibet (in praef. ad cant. Lips. 1638. 24) hiervon also 'es deuchtet mich ein mittel zu solcher absonderung wol dienend zu sein' Jo. Christophori Olearii hymnologia passionalis. Arnstadt 1709. 8. vorr. s. 2.
du machest dasz jetzund schön dem Rinaldo leuchtet
Angelica, er ihr schlim und heszlich deuchtet.
Dietr. v. Werder Ariost 2. 2, 2. 56, 2.
kein ander liecht ist sonst das so hell einem deuchtet.
2. 56, 2.
mich deuchtet es sei ein windwirbel in eine bortenwürkerbude gefahren Riemer Polit. stockfisch vorrede. welches anderen leuten zu einem guten zweck undienlich deuchtet das. s. 2. es deuchtet mich ich sähe die stadt Steinbach 1, 277. es deuchtet mich das feld betraure selbst seinen herrn ders. auch bei Göckingk,
und ein aster, weisz wie schnee,
der am funkelnden pokale
sich so gut wie rosen deuchtet
1, 143.
Antonia zeigt wieder nachgerade
im deutschen tanz dem jungen kavalier
den schmalsten fusz, die schönste volle wade.
das fade zeug der grafen deuchtet ihr,
trotz dem geschmack an Moliere, nicht fade
2, 188.
ein beispiel aus Klopstock 9, 17 ist vorhin beigebracht. endlich ohne umlaut daucht im präsens, was auch Henisch neben deucht aufstellt. daucht sich kein narr sein sondern weis Eras. Alberus 20. es daucht den fuchs zwar selbst nicht fein 68ᵇ. der ander quendel ist dem jetz gemelten auch gleich mit der höhe bletlin stämlin, fast dreuschelecht, on allen geruch als mich bedaucht Hieron. Bocks Kräuterbuch Straszburg 1572 f. bl. 13ᵇ.
die kutte, wie mich daucht, steht beiden übel an.
Hofmannswaldau.
so daucht mich Günther 733 neben deucht 833. Bei dem prät. und partic. prät. gilt im 16ten jahrhundert die organische form dauchte und gedaucht ohne umlaut. so bei Luther, denn der bapst gottes wort untergedrückt oder je seines gefallens gedeutet hat, und also on gottes wort geleret und gepredigt, was ihn nur gedaucht hat Werke 6, 482ᵃ. den hat gedaucht er wär ein haushan ders. Tischreden 227 und durchaus in der bibel.
mich daucht warlich auf erderich
all creatur wärn wider mich
H. Sachs 4. 1, 125ᵇ.
mich daucht in solcher angst und quell
ich wär schon in abgrund der hell
das.
darum er nit von sünden liesz,
bisz das den teufel daucht zu viel
Waldis 130ᵇ.
das ich mich etwa daucht der best.
Schwarzenberg 159, 2ᵃ.
auch im 17ten jahrhundert zeigt sie sich noch bei einigen, mich dauchte endlich wir seien u. s. w. Schuppius s. 79. hat ir gedaucht besser des kaisers frau durch unerhörte blutschande (züchtige ohren vergeben uns) als dessen mutter zu sein ders. s. 528.
es dauchte mich wir lagen
zusammen mund an mund in äuszerstem behagen.
Opitz 1, 384.
dieses dauchte den könig etwas viel geredt zu sein Olear. Rosenthal 1, 30. dasz ich mich glückseliger zu sein dauchte als Fortunatus Simpliciss. 2, 133. im 18ten jahrh. ist der umlaut durchgedrungen, sehr selten fehlt er, wie in den vorhin angeführten beispielen aus Klopstock und bei Claudius, so hat mirs niemals noch gedaucht 2, 33. Indessen hat das unorganische präsens deuchtet noch weitere wirkung gehabt und ein ebenso verkehrtes prät. deuchtete hervorgerufen. bei Stieler haben wir es angemerkt, aber schon früher in der mitte des 17ten jahrhunderts bei dem unbekannten verfasser des dritten theils von den satyrischen gesichten Philanders von Sittewalt (1645) kommt es häufig vor, solcher gestalt dasz ein muck einen deuchtete ein elephant zu sein 35. hierauf sprach der vierte wie ihn deuchtete dasz u. s. w. 127. dieses aber deuchtete ihn ein herrlicher rat sein 162. er aber wolte die burgerschaft zwingen ad nutum zu attestieren was ihn gut deuchtete 211. dasz man sie in das angesicht einsetzen und wieder herausz heben kunte, so oft es einen gut deuchtete 353. mich deuchtete das ein seltsam ding sein 364. sie rührten das mus herzhaft umb, und wann sie deuchtete dasz es genugsam gekocht 407. merkenswert dasz er daneben einmal die alte richtige form gebraucht, da dauchte den kunden zeit sein seinen vorhaben zu end zu bringen 394. indem ihn deuchtete dasz er einen glückseligen anfang seiner ritterübungen gemacht hette Harnisch D. Quix. 53. Foote ging hin, brachte sein drama mit und bat den prälaten auszustreichen was ihm anstöszig deuchtete H. P. Sturz 2, 379. einigemal in dem roman vom schlosz Plesse, dieser rat deuchtete mir nicht unrecht zu sein 1, 174. 3, 113. Nach der mühsamen aber nicht abzuweisenden erörterung der form ist noch gebrauch und bedeutung zu entwickeln. im goth. und altnord. steht der dativ dabei, im ahd. der dativ und acc., im mhd. herscht der acc. entschieden vor; beispiele in der Gramm. 4, 240. 951 und bei Benecke 1, 359. Luther gebraucht nur den acc. und dieser bleibt in geltung bis etwa in die mitte des 18 ten jahrh. selten zeigt sich in dieser zeit der dativ, man findet ihn in der schon vorhin angeführten, nicht von Luther rührenden stelle aus 3 Esra 8, 95. habe ime gedaucht Forchheimer Calvinischer hammerschlag G ij neben dem vorhin angeführten deucht mich.
das deucht mir auch gerathen sein.
Rollenhagen Vom reichen manne F vjᵇ.
daraus sie las die allergröszten (eier)
und welch ihr dauchten sein die besten.
Wolgemut Esopus 2, 409.
aber auch der acc.
das schmeckt ihn (ihnen) wol und daucht sie gut sein
2, 460.
in den vorhin aus dem Dietr. v. Werder angeführten stellen steht der dativ.
was den sinnen
hier im finstern schöne däucht
Canitz.
Hagedorn, Lessing, Gellert, Göckingk, Klinger verwenden noch den acc. allein. Klopstock läszt daneben auch den dat. zu, doch ist der acc. bei dem präs. häufiger; beispiele sind vorhin gegeben. Wieland, der das wort gern gebraucht, schwankt, zwar scheint er dem dativ den vorzug gegeben zu haben, denn in der Musarion heiszt es,
zwei freunde? ja und zwar
die, däucht mir, nicht zu deinem umgang taugen
9, 32,
und in der alten ausgabe steht däucht mich; allein der acc. kommt bei ihm doch so oft vor als der dativ. Göthe, Voss, Engel und die folgenden scheinen sich für diesen entschieden zu haben, wiewol manchmal noch der acc. zum vorschein kommt. so in einer vorhin beigebrachten stelle aus Schiller.
1.
unpersönlich, es scheint, hat das ansehen. den bei der untersuchung der form schon gegebenen belegen sind noch einige zuzufügen, welche die bedeutung näher bestimmen. Luther drückt gerne damit die wirkung des traumes aus, mich daucht, wir bunden garben auf dem feld 1 Mos. 37, 7. ich habe noch einen traum gehabt, mich dauchte die sonne und der mond und eilf sternen neigten sich fur mir 37, 9. sihe, mir hat getrewmet, mich daucht ein geröstet gersten brot welzet sich zum heer der Midianiter Richter 7, 13. denn sie war eine jungfrau, und dauchte Amnon schwer sein das er ir etwas sollte thun 2 Samuel 13, 2. es dauchte ihn er sähe ein gesicht Apostelg. 12, 9.
einmal lag ich
in schlafes qual,
mich daucht ich wär
auf einem berk
vor eim küniglichen palast.
Nürnberg. meisterlied aus dem 16ten jahrh.
Klopstock bei erhabenen bildern,
mich deucht ich sehe die flammenschrift schon
2, 170.
himmel und erde, so deucht es ihm, wollten fliehen
Mess. 10, 998.
wenn auch, wie es ihm deucht, schon über ihm schallen die dumpfen,
losgeschaufelten, niedergeschmetterten erdenklumpen
12, 653.
erde, so daucht es ihm, wollten um ihn und himmel vergehen.
14, 397.
bei Wieland der acc., blumen, so däucht es sie, entsprangen unter seinen fuszsohlen 1, 32. ihn däuchte dasz er in einer gesellschaft von nymfen und liebesgöttern auf einer anmutigen ebne sich erlustige 1, 302. aus diesem gesichtspuncte däuchte ihn 2, 226. endlich däuchte ihn 2, 242. auch der dat., es däuchte ihm, dasz er niemals angenehmer getrunken habe 1, 28. einem natürlich gestimmten menschen würde gedäucht haben er höre ein gutes stück von eines geschickten hand 2, 18. mir däuchte ich sei bisher nur in der einbildung glücklich gewesen 2, 26. den Alcibiades selbst aus ihrem andenken auszulöschen, däuchte dem schönen Axiochus würdig alle seine reizungen gegen die nichts übels besorgende Danae aufzubieten 3, 301. bei Engel, der plan der Emilia Galotti ist, deucht mir, ganz sichtbar aus der geschichte der Virginie entstanden Philosoph für die welt. das erstere, deucht mir, beantwortet sich gleich von selbst das. und liesz sich jetzt, wie mir deuchte, auf einen hügel vor Rom nieder das. was deucht Ihnen dazu? Lustspiel der diamant.
2.
persönlich, also dienete Jacob um Rahel sieben jar, und dauchten in als wärens einzele tage, so lieb hatte er sie 1 Mos. 29, 20. und es dauchten sie ihre worte eben als wärens märlein und gläubeten ihnen nicht Lucas 24, 11. bei Wieland mit dem acc., die stunden däuchten ihn kürzer, wenn Plato sprach 2, 272. was würden Sie erst, wenn diese Sie seltsam däucht, von schwester Belladonna sagen? 4, 117. Perisadeh däuchte ihn doch noch schöner 8, 401.
itzt däucht der tag mich nicht mehr helle
10, 209.
die sterne däuchten ihn lauter salamander und salamandrinnen 11, 141. mit dem dativ, inzwischen waren ohngefähr acht tage verflossen, welche dem stillschweigenden und melankolischen Agathon acht jahrhunderte däuchten 1, 222. eine entdeckung, die ihm unwidersprechlich zu sein däuchte 1, 309.
was ihr so schön
und geistig däuchte
5, 55.
3.
zuweilen heiszt mich, mir däucht mir gefällt, wäre lieb. es hätte mich sollen deuchten, wenn nur ein fleckchen daran wäre ganz geblieben Schelmufsky Reise 1, 52. Göthe schreibt, schicke mir was dich däucht Briefe an Lavater 103. schreibe mir was dir däucht (was dir gefällt, wozu du lust hast), es wird jederzeit aufs herzlichste aufgenommen Bettine Briefe 2, 118. die liebe frau, der liebe mann mögen sich zusammen finden wo es ihnen däucht, ich will sie nicht genieren Bettine an Clemens 313. jetzt ists mir aber doch himmelangst, und es duecht mich (wäre mir lieb), wenn ich nur schon wieder daheim wäre J. Gotthelf Bilder und sagen 4, 82.
4.
sich däuchten hochmütig sich einbilden, er däucht sich etwas hat keine geringe meinung von sich. er däucht sich der erste zu sein er stellt sich allen voran. ich habe gerber und grobschmiede zu Athen gekannt, die sich nicht zu wenig däuchten mit dem ganzen volk in diesem tone zu sprechen Wieland 1, 98. wiewol sie nur eine tänzerin war, so däuchte sie sich doch zu einem solchen amte zu gut 3, 101.
5.
die ältere sprache setzte zu dunken den genitiv der sache, z. b. des dûhte in (Benecke 1, 360), der noch im 16ten jahrh. vorkommt, aber jetzt nicht mehr im gebrauch ist. es kann, wie aus den angeführten beispielen erhellt, ein abhängiger satz folgen oder der infinitiv mit zu. in dem 16ten bis in das 17te war dies zu noch nicht im gebrauch, belege liefern schon mehrere der vorhin aus dieser zeit beigebrachten stellen, hier sollen noch einige zugefügt werden. und da sie sich des morgens früe aufmachten und die sonne aufgieng auf das gewesser, dauchte die Moabiter das gewesser gegen inen rot sein wie blut 2 Könige 3, 22. und es dauchte gut die apostel und ältesten samt der ganzen gemeine aus inen männer erwehlen und senden gen Antiochiam Apostelg. 15, 22. hat es uns gut gedaucht einmütiglich versamlet männer erwehlen und zu euch senden 15, 25.
als man das fürbracht der gemein,
daucht sies alls gut und löblich sein.
H. Sachs 4. 1, 113ᶜ.
eines gerechten gütlein klein
deucht mich fürwar vil besser sein
denn all reichthum und güter grosz,
die do besitzet der gottlos.
Ambros. Lobwasser Bewerte hymni patrum Lpz. 1579. 8. s. 202.
der gottlos deucht sich selbs der best sein Henisch 688.
den eilften deucht Susanna nicht keuscher sein als sie.
Scultetus.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 831, Z. 17.

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Zitationshilfe
„däuchten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/d%C3%A4uchten>, abgerufen am 11.07.2020.

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