Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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däuschen, n.

däuschen, n.
diminut. er ist geputzt wie ein däuschen Adelung. in einer deutschen übersetzung des Don Quixote (Pforzheim 1839) heiszt es band 2. cap. 30, da haben wir ja unsern herrn licentiaten, der euch auf der stelle trauen kann wie ein däuschen. (der neugeborne knabe) so leicht und hurtig in die welt herein geschlüpft ist wie ein däuschen Wieland in Mercks briefen 1, 150.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 855, Z. 74.

tauschen, verb.

tauschen, verb.
gegen anderes geben, mutare, commutare, permutare. das lautlich entsprechende mhd. tûschen hat mit tiuschen nur die bedeutung von fallere, trufare (s.tausch und täuschen); im heutigen sinne kommt es im 15. jh. nur in der composition vertauschen vor (s. tauschbrief), altclev. im Teuthonista (1475) und mnl. tuyschen (Kilian 570ᵇ), nnl. tuischen, nd. tuusken brem. wb. 5, 134, tûschen Schambach 237ᵃ, so dasz das wort dem anlaute nach nd. herkunft ist (alem.-schwäbisch dûschen, dauschen, s. unten).
1)
intransitiv oder absolut: ich tausch, commuto Alberus dict. r 3ᶜ, tauschen, verwächszlen, permutare, commutare Maaler 399ᵇ; es tauschet alles auf der welt, omnium rerum vicissitudo est. Stieler 2265; ich will dir mein allerliebste an die handt geben .. und so gib mir dieweil die dein, wellen gleich darnach wider dauschen. Zimm. chron.² 4, 307, 7; von 12 bisz 1 uhr ist alles auf diesem sammelplatz (börse in Amsterdam), bietet an, erhandlet, tauschet u. s. w. Haller tageb. 48 Hirzel;
Kroat. deine mütze mir wohlgefällt.
scharfschütz. wir tauschen hier! die herrn sind zeugen!
Schiller 12, 18 (Wallenst. lager 3);
sprichwörtlich getauscht ist getauscht;
beim tauschen
lasz niemand lauschen.
Simrock 549.
tauschen um:
weil sie also um kunig tauschen,
wöll wir sie mit gwalt überrauschen.
Schmelzl Saul 23ᵇ.
tauschen mit, an des andern stelle treten (den platz tauschen), abwechseln: abendstunde, wo die dämmerung mit der nacht tauscht. Bettine br. 1, 73;
wenn im regen wogentanze
welle mit der welle tauscht.
A. Grün ges. werke 1, 33.
2)
transitiv, wechseln, aus-, ein-, um-, vertauschen:
der bstelt, duscht, kouft so manig pfruͦn (pfründe).
S. Brant 30, 22;
hatte nicht Amor für uns wechselnde pfeile getauscht?
Göthe 1, 312 (der neue Pausanias v. 116 Weim.);
wie scheidemünze geht von hand zu hand,
tauscht stadt und schlosz den eilenden besitzer.
Schiller 12, 162 (Piccol. 4, 4);
die alte denkart tauscht kein ehrenmann
auf einem höhern posten.
6, 166;
die blume neigt sich bei des westes kuss,
und alle wesen seh ich wonne tauschen.
11, 209;
(da) flattern wir (die tauben) und tauschen
manchen langen kuss.
A. W. Schlegel poet. werke 1, 66;
die vöglein alle tauschen
die tausend melodien.
Tieck 1, 6;
sie zogen die schwerter und tauschten blitzschnelle schläge. Freytag ges. werke 9, 161; während die landleute neugierig zu den reitern traten, grüsze tauschten. 10, 30; die ältesten in der nähe des fürsten tauschten ernsthafte worte. 8, 31; mit angabe der wirkung (reflexiv):
wir tauschen nur gedanken
und tauschen all uns reich.
Voss ged. 5, 98.
Mit abhängigen präpositionen.
a)
tauschen an (statt gegen), für, gegen, um:
wie freudig wollt ich an den schäferstab
den zepter tauschen.
Wieland suppl. 4, 207;
Genuas schlechtester bettler besinnt sich, seine verachtung an meine quaal und meinen scharlach zu tauschen (var. vertauschen). Schiller 3, 153 (Fiesko 5, 13); und keinen wüszte sie, an welchen sie ihren Christen tauschen möchte. Gotthelf geld u. geist (1859) 14; daran (dagegen) tauschen mit dativ der person:
darauf sahe ich ein alten man,
der sein jung weib vertauschen wolt.
bot sie eim jungen an, der solt
sein altes weib im daran tauschen.
H. Sachs 5, 261, 16;
ich dächte, bruder, wir beide könnten schon geheimnisz gegen geheimnisz tauschen. Schiller 3, 14 (Fiesko 1, 3);
Menelaus zu Agamemnon. einen bruder soll ich
verlieren, um Helenen heimzuhohlen?
das hiesze gutes ja für böses tauschen!
6, 173;
(Orest,) der seines vaters haus, der einen thron verliesz,
gemächlichkeit für sturm, für kämpfe — wollust tauschte.
Gotter 2, 142;
der herzog .. hatte wen gefangen, ...
für den bin ich getauscht und eingelöst.
Schlegel Heinr. VI. erster theil 1, 4;
die meisten tauschen gott um leben, gold und gut.
Haller die falschh. der menschl. tugend v. 125;
liebe, die du götter oft um schäfer tauschest.
Ramler 1, 96;
tauschet diese frühlingstage (des ehelosen standes)
um die lockung Hymens nicht.
Gotter 1, 130;
und doch ist dieser augenblick
so festlich mir, dasz ich ...
... ihn nicht um schätze tauschte.
1, 268.
b)
mit einem (person oder sache) etwas tauschen:
komm mit in meine grotte! ich führe guten wein
(ich wollte mit keinem faun' ihn tauschen,
wiewohl ich ein wassergott bin).
Wieland der neue Amadis 8, 11;
er tauschet pilgerstab und kleid
mit einem sklavenwamms und einem grabesscheid.
Oberon 9, 23;
treu, natur! verbleib' ich dir,
bis ich deiner schönen erde
lebe wohl! einst sage, und mit ihr
eine schönre tauschen werde.
Göckingk 1, 53;
den ort verändern,
heiszt nur ein elend mit dem andern tauschen.
Tieck Cymbel. 1, 6;
und wilde tauben zwiesprach tauschen,
leis gurrend, mit der waldesfee.
F. Dahn ged., zweite sammlung 1, 377;
das königskind tauscht kuss und schwur
mit einem knappen schlicht.
109.
c)
von einem etwas tauschen: lob seines pferdes, das er gestern vom juden getauscht. Göthe 18, 71.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 209, Z. 30.

täuschen, verb.

täuschen, verb.
fallere, decipere. die ältere und richtige schreibung teuschen entspricht dem mhd. tiuschen (neben tûschen, md. auch tûsen), dessen anlaut auf nd. herkunft weist: altclev. im Teuthonista (1475) und mnl. tuyschen (ludere alea, ludere lucri spe et damni periculo Kilian 570ᵇ), mrhein. (voc. ex quo 1469) thussen, nd. tuusken, tûschen (tauschen und täuschen); über den mutmaszlichen zusammenhang von tauschen und täuschen s. das bei tausch gesagte. den oberd. mundarten ist täuschen ungeläufig (Schm.² 1, 628), auch das Basler bibelglossar von Petri (1523) bezeichnet das Luthersche teuschen als ein 'auszlendig wort' und erklärt es mit betriegen, s. Socin schriftsprache und dialekte 242.
1)
mhd. tûschen und tiuschen intrans., einen tûsch (s.tausch) treiben:
alsô begint er tûschen.
S. Helbling 1, 624;
man mac mit ir (mit der welt) wol tiuschen unde welten.
minnes. 2, 136ᵇ;
sus hete si getiuschet
mit dem künige Pêleô,
daʒ er verlôs sîn leben dô.
Konrad tr. krieg 11157;
sus wolt er âne tiuschen
machen si dô sicherhaft.
796;
swer niht kan smeichen und tûschen.
Renner 9073;
wan swer zu hofe tûschen (gedr. tauschen) kan,
der effet mangen einveltigen man.
17218.
2)
nhd. (seit dem 15. jahrh.) schein für wahres, für wirklichkeit nehmen machen (reflexiv nehmen), trügen, betrügen, hintergehn, überlisten, fallere, trufare Dief. 224ᵃ. 599ᶜ, ludificare nov. gl. 240ᵇ.
a)
transitiv.
α)
mit persönlichem object (subject eine person oder sache):
du soltest hie keufen und verkeufen
und die leute wol teuschen und leichen.
osterspiel (15. jh.), Wackernagel, leseb. 1, 1019, 20;
die weisen in der alten e ...
die musten sich all teuschen lon.
das macht der frauen susze minn,
das sie beraubt werden irer sinn.
fastn. sp. 126, 34;
und mainst ze teuschen hie die frumen.
290, 5;
und er hat mich (Laban den Jacob) geteuscht und zehen mal mein lohn verendert. 1 Mos. 31, 7; da sprach Delila zu Simson, sihe du hast mich geteuscht und mir gelogen. richter 16, 10; meinet ihr, das ir ihn (gott) teuschen werdet, wie man einen menschen teuschet? Hiob 13, 9; ein freund teuschet den andern, und reden kein war wort. Jer. 9, 5; du solt niemand teuschen. Marc. 10, 19 (nit tu triekeit cod. Tepl., betrieglichkeit bibel vom jahre 1487, goth. ni anamahtjais, μὴ ἀποστερήσῄς, ne fraudem feceris); wie vermöchte doch der bapst selbs unsern herrn Christum so subtil teuschen und effen, als diese leute unter ihres commissarien person gethan haben? Luther 8, 250ᵇ; er meinet, der wirth hett in also geteuschet. Kirchhof wendunm. 204ᵇ; so entstand auch ein sprichwort: bistu klug, so teusche mir die brüder in Preuszen. Henneberger landt. 291; das so genannte täuschen ist bei dem einfältigen volk gar ein gemein ding, und darf sich halben weg einer bei der nacht etwas einbilden, als hätte ihn da oder dort was angeblasen, oder hätte das und das gesehen oder gehört; da heiszt es alsbald: es hat mich getäuscht; ja freilich hats ihn getäuscht; was aber? seine eigne gedanken, und unzeitige furcht hat ihn getäuscht, denn das wort täuschen bedeut so viel nach dem eigentlichen verstande, als betrügen. die albere einfalt aber nimmt es also: es hat mich ein gespenst erschreckt. rockenphil. 927 (6, 46); es war kein spiegel was sie gesehen haben. ein bloszes pastellgemählde hinter einem glas, das einen mann in armenischer kleidung vorstellte, hat sie getäuscht. Schiller 4, 221; uns suchte er .. zu überreden, als ob er selbst von dem ritter getäuscht worden, und als ob er geglaubt hätte ihn zu täuschen. 4, 250;
jezt, jezt erkenn ich sie.
mich hat kein traum getäuscht ...
... es ist fürchterliche wahrheit.
14, 104 (braut von Mess. 4, 2);
nichts kleines war es, solche heimlichkeit
verhüllt zu tragen diese langen jahre,
den mann zu täuschen, den umsichtigsten
der menschen.
14, 96 (4, 1).
täuschen mit:
kein man mag sich vor in (den frauen) gefristen,
sie teuschen in mit iren listen.
fastn. sp. 355, 19;
mit an, um oder genetiv der sache (statt um):
(die) mit verschmitzter falscher lehr
sie an dem glauben teuschen sehr.
Ringwald laut. warh. 335;
der schmerz wird neu, es wiederholt die klage
des lebens labyrinthisch irren lauf,
und nennt die guten, die, um schöne stunden
vom glück getäuscht, vor mir hinweggeschwunden.
Göthe 12, 5 (Faust 16 Weim.);
ja mit ernst schon drohen .. ihr die götter jedesmal
wenn des mahles sie geteuscht sein.
Voss Arist., die wolken v. 611.
β)
mit sächlichem object (subject eine person oder sache):
wie ein gefärbtes glas, wodurch die sonne strahlt,
des auges urtheil täuscht.
Haller die falschh. menschl. tug. v. 106;
nichts täuscht so sanft die winterabendstunden, ...
als frommes kartenspiel.
Gotter 1, 248;
ergebung täuscht den gram.
2, 4;
ich küsse dich, o schleier,
du täuschest meinen schmerz.
3, 504;
wenn sie (viele) sich auf nichts als das gemählde einer leidenschaft gefaszt gemacht haben (im don Carlos), so hätte ich freilich ihre erwartung getäuscht. Schiller 6, 68;
jetzt täuschte
kein blendwerk mein ohr.
14, 56 (braut v. Mess. 2, 1);
ihr engel alle, die ich flehend bat,
ihn herzuführen, täuschet meine bitte,
weit weit von hier entfernet seine schritte!
14, 82 (3, 1).
täuschen mit: ich täuschte unterdesz meine ungeduld mit besichtigung des ortes und seiner weinberge. Thümmel reise 9 (1803), 274.
b)
reflexiv:
mir war, ich hörte
von fern die stimme meines vaters! — ach
wie kann die kranke fantasie sich täuschen!
Wieland suppl. 4, 271;
o wie möcht' ich gern mich täuschen.
Göthe 2, 29 (deutscher Parnasz v. 177 Weim.);
täuschen mit:
aber ich täusche mich nicht mit leichter hoffnung.
40, 309.
c)
absolut oder intransitiv: das so genannte täuschen s. a, α; (sie waren) lange zeit ungewiss, ob bedeutung in diesem gaukelspiel wäre, so sehr hatte der effektvolle ernst dieser spielerin getäuscht. Schiller 4, 206; täuschen durch, mit:
die jünglinge sind noch die ehrlichsten,
die nur durch blicke täuschen.
Kotzebue dram. sp. 3, 235;
partic. täuschend:
keineswegs, Odysseus, vermuten wir deiner gestalt nach
einen betrüger in dir und teuschenden (1781 losen schwätzer).
Voss Od. 11, 364;
ein teuschender traum (vgl. täuschungstraum).
Il. 2, 6;
wer sich der täuschenden (liebe) ergiebt als beute.
Tieck 1, 72;
mit allen groszen männern müss' ein künstler lange leben, um nur eine von ihren bedeutendsten auszenseiten in täuschender wahrheit fest zu haschen. Heinse Ardingh. 1, 104; warm und täuschend war der empfang. Schiller 6, 116; die täuschendste ähnlichkeit. 4, 243; optisch täuschend. 9, 98;
solltest du nicht ... auf täuschendem pfad ihm
jammer bereiten, und ihn verderben, dir selber zur rettung?
Pyrker Tunisias 2, 286.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 210, Z. 61.

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Zitationshilfe
„däuschen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/d%C3%A4uschen>, abgerufen am 14.06.2021.

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