Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

dölpel, m.

dölpel, m.
s.tölpel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1233, Z. 1.

dölpel

dölpel,
ein geldstück, vielleicht für dubbel; s. dublone.
ach, mein herr (ein wucherer), laszt uns bei euch bleiben,
wir seind auch gottes creatur,
und helft mir mit sechs dölpeln nur;
morgen schlagt mir sie wider ab
Ayrer Fastnachtsp. 23ᵈ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1233, Z. 2.

tölpel, dölpel, m.

tölpel, dölpel, m.
ein plumper, roher, ungeschickter, dummer mensch, bardus, hebes, homo ineptus.
herkunft und formen (vgl. zeitschrift f. deutsche wortforschung 2, 294 ff. 3, 198 ff. 359 f. 4, 330).
1)
nhd. tölpel geht zurück auf mhd. dorpære, dörper 'dorfbewohner, roher, nicht höfisch gebildeter mensch', eine niederdeutsche wortform (für echt mhd. dorfære, dörfer), die um 1170 als terminus der rittersprache aus dem flämischen aufgenommen wurde. die ableitung dorpericheit findet sich zweimal bereits in dem um 1170 entstandenen gedicht vom grafen Rudolf (6, 15. 7, 2). andre frühe belege aus Heinrich v. Veldeke, Hartmann v. Aue und Walther v. d. Vogelweide sammelt Wilmanns z. Walth.² 51, 24. das eindringen des flämischen wortes in die deutsche rittersprache erklärt sich aus dem umstand, dasz das französische ritterwesen, welches für das gesammte abendland maszgebend war, den deutschen landen vielfach durch Flandern übermittelt wurde, wobei auch einzelne flämische ausdrücke in das ritterdeutsch übergingen. so ist vor allem ritter selbst, wie zuerst Martin im literaturbl. f. germ. und rom. phil. 1888 sp. 255 bemerkt hat (vgl. Schröder anz. f. deutsches alterthum 23, 158 und Stosch zeitschr. f. dtsch. wortf. 2, 76), kein ursprünglich deutsches wort (das entsprechende deutsche lautet vielmehr ahd. rîtâri, mhd. rîtære, rîter, woraus im nhd. reiter geworden ist, s. theil 8, 777), sondern um 1170 erst dem mnld. ridder nachgebildet. flämischen ursprungs ist ferner die im mhd. gern gebrauchte form ors für ros, wol auch wâpen für wâfen (vgl. im nhd. den unterschied von waffe und wappen th. 13, 251). überhaupt galt es in den kreisen der deutschen ritterschaft für zierlich zu vlæmen, dh. flämische worte und wortformen zu gebrauchen, und ein feingebildeter mann, der sich der vlæmischen hövescheit befleiszigte und mit sîner rede vlæmte, hiesz ein Vlæminc (vgl. Wackernagel geschichte der deutschen litteratur 1², 127. 157; altfranzösische lieder und leiche 193 f; Haupt z. Neidhart von Reuenthal 102, 34).
2)
lautliche veränderungen des wortes dörper entstanden noch innerhalb der mhd. periode einerseits durch übergang des anlautenden d zu t (vgl. Wilmanns deutsche grammatik 1 § 84, 2. Wackernagel zum armen Heinrich Hartmanns von Aue v. 51 will in dem übergang assimilation des d an das p sehen), andrerseits durch vertauschung des r - mit dem l - suffix (vgl. Wilmanns 2 § 208, 1), sodasz die vier formen zu unterscheiden sind: dörper, törper, dörpel, törpel. die beiden letzteren gehören dem späteren mhd. an; aus ihnen entstanden durch umwandlung des inlautenden r in l (vgl. Wilmanns 1 § 114) die nhd. formen dölpel und tölpel.
3)
das alter der formen mit inlautendem l läszt sich nur ungefähr bestimmen: wenn die sp. 650 unter tölp geäuszerte vermuthung richtig ist, dasz dies eine verkürzung von tölpel sei, so musz die letztere form schon vor dem ende des 15 jh.'s aufgekommen sein, weil sich Tölp als fingierter eigenname bereits bei Hans Folz findet. die belege für tölpel, die Frisch 2, 376ᶜ und W. Grimm oben theil 2, 1151 unter Keisersbergs namen anführen, können für den sprachgebrauch Geilers nicht in betracht kommen, da sie, wie zeitschr. f. dtsch. wortf. 3, 198 f. nachgewiesen ist, aus Hönigers 1574 erschienener bearbeitung des lateinischen textes von Keisersbergs narrenschiff stammen. lehrreich dagegen ist das verhalten der beiden ältesten Neidhartdrucke: während nämlich der undatierte aus dem 15. jh. (exemplar in Hamburg) noch durchweg an törpel festhält (einmal verdruckt terpel), kennt der jüngere von 1537 (exemplar in Zwickau) nur tölpel (vgl. Stosch zeitschr. f. dtsch. wortf. 1, 374). überhaupt ist seit dem 16. jh. die l-form (tölpel oder dölpel, auch tülpel und dülpel kommt vor) fast ausschlieszlich in gebrauch. belegstellen für sie aus Luther, S. Franck, E. Alberus, H. Sachs und anderen s. unten; nur aus den wörterbüchern seien einige hier angeführt: bijanus (= beanus), ochsz, puffel, tulpel Diefenbach 70ᵇ (1517); ignavus, truncus, ein grober dölpel E. Alberus dictionarium (1540) Aa 3ᵃ, ineptissimus rebus agendis, gar vngeschickt, ein tölpel, ἀπρακτότατος ein grober tölpel ebd. E 1ᵃ, discinctus, iners, ein tölpel ebd. i 2ᵃ, discinctus, vngerüst, ein dölpel, vngefüg, hinlessig ebd. tt 3ᵇ; obtusus ingenio, dölpell J. Schöpper synonyma (1550) a 8ᵇ; excors, ein vnbesinnter tüppel, tölpel Diefenbach 215ᵇ (1590). blax, stolidus, ein dülpel, narr, verwehnter Dasypodius (ausg. bei Heydens erben, Straszburg o. j.) C 5ᵇ, truncus ... metaph. ein klotz, dülpel Hh 4ᵇ. dölpel, bardus, blax, excors Crr 2ᵇ (dagegen lesen die ausgaben des Dasypodius von 1537, 1547 und 1559 an den beiden ersteren stellen statt dülpel — düppel, die dritte stelle aber fehlt in ihnen); dölpel, narr, vnuerstendig, vnbesinter, insulsus, stupidus et bardus Henisch (1616) 725; düppel, tölpel, tolb, eins groben verstands, obtusus, stupidus ebd. 770, grobian, tölpel, bardus, tardus 1747; dölpel ... inconditus, insulsus, insipidus Andreas Helvigius origines dictionum germanicarum (1620) 101; der tölpel Comenius sprachenthür, übers. von Decemius (1642) index; dölpl, bardus, excors, rusticus, agrestis Schönsleder promptuarium (1647) L bᵃ; truncus ... ein grober klotz, tölpel Corvinus fons lat. 1 (1660) 693ᵇ; tölpel, sciocco, goffo, grossolano, ballordo Hulsius teutsch-ital. dictionarium (1657) 248ᵇ, tülpel, grober gesell, balloco, vide tölpel 252ᵃ; tölp, tölpel, törpel, dölpel, bardus, hebes, lourdaut Schottelius (1663) 1432; törpel, tölpel, tölp, bardus, stipes, caudex, lapis, germen Arcadicum, Antronius asinus Stieler (1691) 2282; tolpel [ohne umlaut], bardus, blax, truncus, stipes, der seine hände an nichts zu legen weisz, asinus neues teutschlat. dictionarium (Hamburg 1700) 505; tölpel, dölpel, un goffo, gaglioffo, rustico etc. Rädlein 1 (1711), 881ᵃ; vgl. ferner Ludwig teutsch-engl. lexicon (1716) 1991, Kramer hoch-nider-teutsch. dict. (1719) 213ᵇ, teutsch-ital. dict. 2 (1724), 1100, Hederich (1729) 2982, Steinbach 2 (1734), 822, Frisch 2 (1741), 376ᶜ usw.
4)
doch findet sich die ältere form mit inlautendem r vereinzelt noch im 16. und 17. jh. (s.dörpel theil 2, 1301): törpel: cörpel Niklaus Manuel 27 Bächtold s. unten 1, c. dörppel, düppel, grober vnd vnuerstendiger, sine acumine homo, bardus Maaler (1561) 92ᵇ, törpel, der sich etwas ze thuͦn minder bewegt, dann ein stein, lapis de homine, ein schlufe [s. theil 9, 810], excors, murcidus 404ᵃ, türpel, törpel, bardus, idiota, imperitus 411ᶜ; törpel Schottelius (1663), Stieler (1691) s. oben 3. in der bedeutung 'zwergartiges kind oder thier, unbehülfliches kind' wird dörpel noch von Schmid im schwäbischen wörterbuch 133 angeführt.
5)
in dem bei Stieler 2282 überlieferten tölperey (rusticitas) für tölpelei (vgl. das merkwürdige, mit dem suffix - lei gebildete tölper - lei bei Olaf Lind teutschschwed. wb. (1749) 1539), sowie in dem öfter belegten tölpenchen für tölpelchen liegt offenbar nur streben nach dissimilation vor. grundformen wie tölper oder gar tölpen sind darnach nicht anzusetzen.
6)
nicht ganz selten finden sich im älteren nhd. formen mit ü oder u statt mit ö (vgl. auch tülp neben tölp (sp. 650) und tülpisch neben tölpisch): türppel Heidelberger handschr. der Krone Heinrichs v. d. Türlein 20577 (vom j. 1479); tulpel Diefenbach 70ᵇ (1517) s. oben 3; türpel Maaler (1561) 411ᶜ s. oben 4; dülpel Dasypodius (ausg. bei Heydens erben, Straszburg o. j.) s. oben 3; tülpel Bartholomäus Krüger von dem anfang und ende der welt (1580) Tittmann 1, 252 s. unten 1, a; dülpel Heyden Plinius (1584) 25 s. unten 1, b; tülpel Dietrich v. d. Werder Ariost (1632) 28, 35, 7 s. unten 1, b; tülpel vide tölpel Hulsius (1657) 252ᵃ s. oben 3. in den meisten der hier aufgezählten wörterbücher ist die ü-form neben der ö-form angegeben; Heyden gebraucht sogar in zusammenhängender rede beide formen neben einander.
7)
formen ohne umlaut, wie mhd. dorpære, sind im nhd. selten und häufiger nur bei Luther (s. unten), der auch vom adjectiv die form tolpisch gebraucht. vgl. ferner tulpel Diefenbach 70ᵇ (1517), tolpel neues teutschlat. dictionarium (Hamburg 1700) 505, beide oben 3.
8)
wie im mhd., so schwankt längere zeit auch noch im nhd. der anlaut des wortes zwischen media und tenuis, bis die schriftsprache sich für die letztere entscheidet. wie es in dieser hinsicht die mundarten halten, ist leider in den betreffenden idiotiken nicht immer genügend angemerkt.
9)
das aus einem ausdruck der rittersprache hervorgegangene wort ist allmählich auch volkstümlich geworden und in verschiedene mundarten gedrungen: vgl. Schmeller² 1, 603 (tölpel, dölpel); Lexer kärnt. wb. 64 (tölp'l); Kehrein volksspr. in Nassau 114. 405 (dölpel, tölpel); Crecelius oberhessisches wb. 1, 280 (dölpel); Spiesz hennebergisches idiot. 255 (tölpelfleisch); Schmidt westerw. idiot. 256 (tölpel); Müller-Weitz Aachener mundart 34 (tölpel); Weinhold schles. wb. 99 (tölpel); Drechsler Wencel Scherffer und die sprache der Schlesier 261 (tölpel); Mi wb. der mecklenb.-vorpomm. mundart 93 (tölpel); Dähnert plattdeutsches wb. 488ᵇ (tölpel); Woeste westfäl. mundart 273ᵃ (adj. tölpelig). dagegen ist das wort im elsässischen äuszerst selten [briefliche mittheilung von E. Martin] und im schwäbischen 'keinesfalls populär': H. Fischer schwäb. wb. 1, 253; vgl. Birlinger schwäb. augsburg. wb. 299. in der bedeutung von 'ineptus' ist in Schwaben vielmehr dippel oder diledap gebräuchlich: vgl. Holder Bayerns mundarten 1, 192.
bedeutung und gebrauch. Das dem nhd. tölpel zu grunde liegende flämisch-mhd. dörper dient als übersetzung des altfranzösischen vilain (von mlat. villa 'dörfchen, weiler' Diez⁵ 341): es bedeutet 'dorfbewohner, bauer', doch immer mit dem nebenbegriff des plumpen, rohen, unedlen. der dörper ist in allem der gegensatz des ritters, er vereinigte in sich alle diejenigen eigenschaften, die dem echten ritter nicht ziemen.es ist bemerkenswerth, dasz die echt hochdeutsche form dorfære, dörfer den tadelnden sinn von dörper nicht gehabt zu haben scheint: Sîfrit den dorfêre nennt sich selbst ein mitteldeutscher dichter, der verfasser des frauentrostes (Haupts zeitschr. 7, 109 ff. vgl. die geharnschte Venus von Filidor dem Dorfferer 1660), und oytmudiche dorfer heiszen in einem niederrheinischen geistlichen gedicht des 14. jahrhunderts (Haupts zeitschr. 17, 18 v. 196) die hirten, denen die geburt des heilands verkündigt wird. auch in Wittenweilers 'ring', wo sonst dörpel oder törpel gesagt wird, scheint dörfer 44ᵇ 3, 48ᶜ 2 die mildere bezeichnung zu sein. wenn dagegen in dem Neidhartspiel (fastnachtspiele 400, 26) sich der bauer selbst einen dörper nennt und die bauerndirne gar ausruft:
was hüpscher dörper sten dort vier!
so ist das vom dichter natürlich ironisch gemeint.statt dörper wird in der ritterdichtung auch ein auf franz. vilain zurückgehendes vilân gebraucht (vgl. Lexer mhd. handwörterb. 3, 349), doch hat sich dies wort nicht über die mhd. periode hinaus erhalten.mit der umgestaltung von mhd. dörper zu nhd. dölpel, tölpel trat zugleich eine leichte veränderung der bedeutung ein: der zusammenhang des wortes mit dorf schwand aus dem bewusztsein, sodasz tölpel nicht mehr in erster linie den ungeschlachten dorfbewohner, sondern allgemein den menschen von plumpem benehmen, rohem gemüth oder grobem verstande bezeichnet. daher werden auch in der heutigen sprache zusammensetzungen wie tölpelbauer (s. unten), bauern- (oder bauer-) tölpel (th. 1, 1183), dorftölpel (th. 2, 1286) keineswegs als tautologien empfunden. [für die beiden letzteren mögen hier noch einige belege stehen:
geh vor die raben, dummer bauertölpel!
Wieland att. mus. (1798) 2, 2, 129.
Franzseph war ein soldat, dürfen diese versessenen bauertölpel über seine ehre richten? Auerbach dorfgeschichten 4, 196; die flegel, die bauerntölpel Storm gesammelte schriften 6, 14; wenn er (Faust) den bauertölpeln auf landstraszen und in kneipen allerlei possen spielt Erich Schmidt charakteristiken 1², 26. bauerntölpel als name einer krankheit, der parotitis epidemica, s. Höfler deutsches krankheitsnamenbuch 742ᵃ. — gewisz hat er (der schulmeister) irgend einen erzdummen dorftölpel aufgefischt, den er uns als einen groszen poeten vorstellen ... wird Grabbe 2³, 221 Gottschall; der Tralle, ein halbstummer dorftölpel Auerbach dorfgeschichten 1, 57.] ebenso unbedenklich, wie bauerntölpel, ist natürlich bäurischer tölpel (s. unten 1, c). Die folgende unterscheidung Eberhards (versuch einer allgemeinen deutschen synonymik 5 (1800), 294) ist nicht durchzuführen: der tölpel miszfällt durch seine ungeschickten bewegungen aus unbehülflichkeit, der bäuerische in seinen reden, handlungen und manieren aus mangel an geschmack für das anständige, beyde aber ohne beleidigend zu seyn; der plumpe und grobe aber verletzen die achtung gegen andere, der erstere blosz aus mangel an feinem gefühle, der letztere auch aus stolz und verachtung.
1)
im eigentlichen sinne:
a)
ohne beisatz: denn es duͤnckt jn (Quintilianus), wie auch billich, vnmüglich sein, das solcher tolpel, wie man Esopum malet vnd beschreibet, solte solch witz vnd kunst vermuͤgen, die in diesem buch vnd fabeln funden wird Luther fabeln 2 neudr.;
am Reinstram sasz ein edelman,
der het ein knecht, hiesz Grobian ...
wie vil der junckher an im (dem knecht) strafft,
doch er nichts fruchtbars an im schafft,
er blib ein dölpl, wie er vor war
H. Sachs 21, 250;
darzue so thet ihm (dem herzog von Baiern) die landschaft klagen
dasz man recht prediger thet verjagen
und an ihr statt thet man erwöhlen
fantasten und dolpl, auch guet gesellen
August Hartmann histor. volkslieder 1, 41 (1556);
man findt der dölpel vil, die reitzen die narren an zu zorn, gotteslesterung, zanck, trunckenheit vnd geilheit, ander leut damit zu lachen (zu) bewegen Höniger weltspiegel oder narrenschiff (1574) 253ᵃ;
ei tülpel, kanstu nicht sprechen: herr?
Bartholomaeus Krüger von dem anfang und ende der welt (1580) [Tittmann 1, 252];
disen bawrn sprach d. Faustus guͦtlich an, dasz er jn (auf seinen wagen) auffsitzen lassen ... wolte, welches jm aber der dölpel wegerte vnd abschluge volksbuch vom doctor Faust (1587) 95 neudr.; der alte mensch, der ist ein solcher tölpel, zürnet leicht, ist feindselig und rachgierig J. Arndt vom wahren christentum 1, 15, 5; dasz er (der kreuzfuchs) inn vnmut (zu dem fallenden esel) sagte: oho, tölpel, du bist subtil wie Prey, der wolte opffern vnd stiesz den altar vmb eselkönig (1617) 103;
wolt ir anderst zu der zeit
ausz dölppel machen schöne leith
Regensb. fastn. sp. 1 (1618) v. 588 [Bayerns mundarten 2, 8];
zu Parrisz da hab ich studirt,
alda manchen dölppel depenirt (l. deponiert).
ebd. 1, v. 606;
das saltz erhält das fleisch für faulen und für stincken;
ein tölpel wil geschickt sich in der mode düncken!
Logau 2, 6, 52;
was musz doch manchen tölpel so werth bey hofe machen?
man kan nicht alles mercken; offt sind es kammer-sachen
3, 9, 93;
zween priester ... deren der erste wohl gelehrt, der ander aber ein tölpel war Moscherosch gesichte 2 (1666), 253; etwas schändliches ist es auch, wann man ... seine edlen ahnen und ihre ankunft, leben und edle verrichtungen heraus streichet, und doch selbst ein dölpel in der haut und zehen mal gröber und ungeschlachter, als wol zehen Spässerter bauren sich erweiset Simplicissimus 1, 30 Keller; die music ist (in Spanien) so eine freye kunst, dasz ein dölpel, der auff der guittarre spielt, einen monat voraus bezahlt haben will und, wann vierzehen tage vorbey, so bleibet er hernach aus Lolivetta das teutsche gespenst (1684) 118; (der bauer, der reicher leute kind nicht mit 'herr' anredet, wird angefahren:) du grober flegel! meynest du tölpel denn, dasz das junge herrgen deines gleichen ist? rockenphilosophie (1718) 2, 128; Klotz hat doch wohl genug. zwar macht es der tölpel immer ärger. haben sie seine scurrilischen briefe gelesen? Lessing 12, 223; wegen des clown habe ich mich nur in dem namen geirrt. der charakter ist auf unserm alten theater sehr gewöhnlich gewesen und ist es unter den gemeinen komödianten im reiche noch. aber er heiszt nicht tölpel, sondern rüpel. beyde wörter bedeuten das nehmliche 12, 418; zur lincken stund mir ein tölpel von 6 fuszen, dem ich mit meinem scheitel ... an den dritten westenknopf, von oben gerechnet, reichte Lichtenberg briefe 1, 140 (1773);
ein extratölpel nun von dieser saubern schaar,
der junker Pyramus, wo ich nicht irre, war,
musz, wie sich das so fügt, die bühn' einmahl verlassen
Bürger übersetzung des sommernachtstraumes bei Bernays, zur entstehungsgeschichte des Schlegelschen Shakespeare 129;
Bittermann; schweig, tölpel! Peter: nun da haben wir's! ich darf das maul nicht aufthun Kotzebue menschenhasz und reue 1, 10 (theater 1, 89); er (Göthe) redete über das nil admirari — oder vielmehr über den platonischen ausspruch, dasz die verwunderung die mutter alles schönen und guten sei. 'der ist ein tölpel', sagte er, 'der sich nicht verwundern kann, auf den nicht die ewigen naturgesetze ... einen mächtigen eindruck machen' H. Vosz d. j. Göthe und Schiller in briefen, her. von G. Gräf (Reclam) 20;
Bossu: o kommt doch — seht! — das ist der Luther! —
Karl V: der?
Bossu: er ist's.
Karl V: der tölpel macht mich nicht zum ketzer!
Z. Werner Martin Luther 3, 1 (J. Minor, das schicksalsdrama 124);
wer ist denn jener tölpel dort, der sich
die freiheit nimmt, als wär' er hier zu hause,
mit pfeifen mir die ohren vollzuleiern?
H. v. Kleist 1, 207 E. Schmidt (Amphitryon 126);
(von einer aufführung des Fidelio) Marzelline verziert ihre rolle; Jaquino ist ein tölpel F. Mendelssohn-Bartholdy briefe⁴ 1, 9;
du tölpel, willst du gehn?
Grillparzer 8, 37 Sauer (weh dem, der lügt! 2);
sie (die hosen) klebten
mir am beine, eng und treu,
wie die freundschaft eines tölpels
Heine 2, 167 Karpeles (Atta Troll c. 21);
und du, du forschtest nicht,
wohin sie fährt, du tölpel?
P. Heyse dram. dichtungen 31, 19;
tüchtige und wohlgeartete leute haben immer weniger mühe, ihre kinder ordentlich zu ziehen, wie es hinwieder einem tölpel, der selbst nicht lesen kann, schwer fällt, ein kind lesen zu lehren G. Keller 4, 169; der dortige inspector ist ein tölpel, über dessen benehmen gegen mutter ich mich hier gallig ärgere Bismarck briefe an seine braut und gattin 308.
b)
mit sinnverwandten substantiven. verschiedene hierher gehörige stellen aus älteren wörterbüchern sind schon oben unter 3 angeführt. vgl. ferner:
aber die torpel und die toren
wolten do mit iren oren
nit horen was er in seit
Liliencron histor. volkslieder no 148 v. 293 (1476);
ich wil dir sagen von einem grosszen tolpell und esel Luther 9, 619 Weim.; darumb bleibens stöck, grobe tolpel und faule schelmen 19, 307; (ihr seid) beide die rechten Hans Worst, tolpel, knebel vnd rültze wider Hans Worst 5 neudr.; vnd der grobe filtz, rultz vnd tölpel, der esel aller esel zu Wolffenbüttel, schreiet daher sein eselgeschrey, vrteilt vnd ketzert, so er doch nimer mehr lernen kan ... was ein christ oder abtrünniger sey ebenda 31; wer einen narren und dölpel, drumb dasz er viel pfenning hat, hoch herfür und mit einer löwenhaut überziehen wil, mag ein zeitlang solchs bey denen, so in nicht recht erlehrnet, statt finden, letzlich aber in doch die auszragende ohren und das freundlich gesang ia verrahten Kirchhof wendunmuth 1, 196; das ist gantz gemein, dasz von auffrechten, geraden, wolgestalten vnnd verständigen eltern manchmal krumme, höckerte, klötzechte tölpel, vnd widerumb von krummen, höckerichten, einfeltigen oder thörichten eltern auffrechte, schöne, wolgestalte, vernuͦnfftige kinder, oder auch von klützen vnnd dülpeln klütze vnd dülpel herkommen Heyden Plinius (1584) 25; du dölpel vnnd nichtwerdiger vnflat volksbuch vom doctor Faust (1587) 95 neudr.; (der schildbürger dachte), gauch vnd narr weren ja eins ... also sind tölppel vnnd durch ein metaphoram esel auch eins, des gleichen vnser liebe fraw vnnd vnsers herrn gottes mutter schiltbürger (1598) 116;
du unbescheidner bawr, du tülpel, stille steh',
und weiter keinen schritt mit einem fusze geh'
Dietrich von dem Werder Ariost (1632) 28, 35, 7;
die tölpel und büffel Moscherosch gesichte 1 (1650), 419; dasz ihr vngerathene nachkömlinge darfür haltet, wo ein ehrlicher gewissenhaffter mann bey seiner alten ehrlichen tracht bleibe, dasz er ein hudler, ein halunck, ein alber, ein esel, ein tölpel sein müsse 2 (1666), 72; wolt ihr der mann etwas untersagen oder eine gute lehr geben, da war gleich feuer im dach, sie schmählte wider ihn, gab ihm tausend wort für eins, du esel! sagte sie, du dölpel! du narr! du saurüssel! was verstehst du? Stranitzky ollapatrida (1711) 177 neudr.; er (Nicolai) ... zählte, um zu zeigen, dasz er kein badaud und tölpel, sondern ein mann von welt und lebensart sey, alle königliche und fürstliche personen, minister, generale, gesandte usw. auf, die er in seinem leben gesehen, und mit ihnen gesprochen J. G. Fichte sämmtliche werke 8, 90.
c)
mit adjectiven: alberner, altdeutscher, aufgeblasener, bäurischer, dummer, (abgeschmackter), einfältiger, grober, groszer, (ungeschliffner), guter, gutmüthiger, lieber, plumper, (verletzender), unachtsamer, unbesinnter, ungeschickter, unverschämter, unverstandener, unwissender, (ungerollter) tölpel.
ich alber tölpel, auff mein eid,
habs nicht versunnen also weit
Hayneccius Hans Pfriem (1582) v. 1362 neudr.;
ich habe zu dieser ganzen sache geschwiegen ... obgleich Steffens ehrenrührig von mir gegeifert hatte: 'der Jahn ist weiter nichts als ein altdeutscher tölpel F. L. Jahn brief von 1818 (Hoffmann von Fallersleben findlinge 202); — wie zuweilen etliche aufgeblasene dölpel thun, die ihrem ansehn eine merckliche grösze zuzusetzen vermeynen, wann sie eine weile auff sich warten machen Lolivetta das teutsche gespenst (1684) 109; — er wollte ... den bäurischen tölpel, für den ein solches mädchen wahrlich nicht geschaffen war, verdrängen M. Meyr erzählungen aus dem Ries (1861), 131. — sie verstehen nichts von der bewegung derer himmelscörper und sind solche dumme und abgeschmackte tölpel, dasz sie bey sonnenfinsternissen dafür halten, es habe sie ein groszer drache angepackt und weggeschleppt Robinson Crusoe (1720) 2, 314; dummer tölpel ich, dasz ich euch nicht gleich (erkannte) Schiller 2, 142 (räuber 4, 3); — vnd mich wundert ... dasz noch etliche männer so gar einfaltig grobe dölpel sind, dasz sie ihrer weiber boszheit weder mercken noch fühlen Moscherosch gesichte 2 (1666), 336; endlich fieng ich einfältiger tölpel an, mich wieder zu beruhigen Ulr. Bräker schriften des armen mannes im Tockenburg, ges. von Füszli 1, 43; — wem gefiele nit, daz die groben toͤrpel, in den hoͤlern erzogen, synd zuͦ buw und vernünfftiger uͤbung genomen? Stainhöwel berühmte frauen 36;
dank habt, ir groben törpel,
wo man's von üch seit im land,
dasz ir die toten cörpel
so dapfer gschlagen hand!
Niklaus Manuel 27 Bächtold (Bicoccalied 20 a. 1522);
grobe tolpel Luther 19, 307 Weim. s. unter 1, 6; dasz dis wort, Hans Worst, nicht mein ist, noch von mir erfunden, sondern von andern leuten gebraucht wider die groben tolpel, so klug sein wollen, doch vngereimbt vnd vngeschickt zur sachen reden vnd thun wider Hans Worst 4 neudr.; weil dein Heintz vnd du solche grobe tolpel seid, das jr gemeinet, solcher fauler, lamer zote solte in diesen sachen mir schaden thun ebenda 5; nun welcher heid wolt nit zuͦhandt weichen so vil kluͦgen argumenten? es sei dann so ein grober dölpel, dasz ers nit verstehe S. Franck lob der thorheit 104, 27 Götzinger; E. Alberus dictionarium (1540) Aa 3ᵃ und E 1ᵃ s. oben 3 sich bey jeden groben tölpel zu dulden vnd schleppen, der den gantzen tag der arbeit nachziehet vnd ihm nicht wohl eine gute stunde anthut, das wäre dem podagram schwer zu vertragen Moscherosch gesichte 2 (1666), 465; Lucidas konte es kaum glauben, das dieses wahr seyn solte, so sehr verwunderte er sich, dasz man an einem so considerablen orth solche grobe, ungeschliffne und ungeschickte tölpel (wie fischer und metzger) in den rath ziehe Lolivetta das teutsche gespenst (1684) 257; du grober tölpel! von wem hast du mehr wohlthaten genossen, als von deinem gnädigen gott? dasz du denn diesem nicht auch danckest? Gottlieb Cober der aufrichtige cabinetprediger² (1734) 1, 270; — ah dau grober eselkopp, replicirt er (der knän) hinwieder, dau bleiwest dein lewelang a narr, geith meich wunner, was ausz dir wera wird, biszt schun su a grusser dölpel, un waist noch neit, was der wolff für a veyrfeussiger schelm isz Grimmelshausen Simplicissimus (1669) 11 neudr.; du groszer, ungeschickter tölpel! Chr. F. Weisze komische opern 1, 45; du groszer, ungeschlifner tölpel, der nicht so viel vernunft hat, das maul zu halten F. L. Schröder vier lustspiele (Hamburg 1810) 107; 'in welchem mauseloche steckst du, kleiner knirps?' fragte der bärnhäuter. 'wo du, grosser tölpel, nicht stecken kannst', sagte der allraun Arnim werke 1, 55; — dann ein gemein sprichwort ist, das sollichs ein böser vogel sey, der im selbs in sein nest scheist. welches on zweyfel der guͦt dölpel (der betrogene ehemann) wol betrachtet hat, darumb stillschweig M. Montanus schwankbücher 78, 26; nuͦn sagt aber die fraw zuͦm mann: 'lieber, nim fünff heller und geh in die statt unnd kauff ein säcklin foll gewürtz!' der guͦt dölpel zoge hien. name ein sack, darein wol ein malter ging, zoge für den wurtzladen und begert ein sack foll gewürtz 302, 33; ich wais nicht, was dem guten dölpel in sinn kam, oder was er irr ging 329, 19; — der matrose ist allezeit und immerdar ein gutmüthiger tölpel M. Busch deutscher volkshumor² 19; — geb euch ein frölichen morgen! ist keiner hie, der spricht zu mir: gut gesell, der gilt dir? ja, lieber dölpel, ein gläszlin wein, trei oder vier Fischart Gargantua 139 neudr.; — aber neben dem eingewanderten geldstolz, diesem plumpen, stets nur verletzenden tölpel, macht sich jetzt in der ... stadt auch noch ein anderer eindringling breit ... der moderne schwindel Redwitz Hermann Stark³ (1879) 2, 4; —
(wer) haben thet ein dölppel schwer,
der mit grobheit seine frau thet blagen
Regensb. fastn. sp. 1 (1618) v. 626 [Bayerns mundarten 2, 8];
wo ytzunt eine fraw verhanden wer,
beladen mit einem dölppel schwer
1. v. 640 [Bayerns mundarten 2, 9]; —
da gedachte ich erst an meinen knecht, dasz mich der unachtsame tölpel umbgeworffen (sc. mit dem wagen). Chr. Weise die drey hauptverderber (1673) 72; —vnbesinnter tölpel Diefenbach 215ᵇ (1590) s. oben 3; — einsidel: wie hiesze dich dan dein meüder? Simpl.: sie hat mich bub geheissen, auch schelm, ungeschickter dölpel und galgenvogel Grimmelshausen Simplicissimus (1669) 23 neudr.; du ungeschickter tölpel ... wiltu das wasser fallen lassen? kunst über alle künste (1672) 139, 13 R. Köhler; — ich dummkopf über alle dummköpfe! dies haus für ein wirthshaus und meines vaters alten freund für einen gastwirth anzusehen. für was für einen unverschämten groben tölpel musz er mich halten F. L. Schröder vier lustspiele (Hamburg 1810) 96; — do sie sahe, das der Rolandus ein unverstandner dölpel, ein undanckbarer mensch wolt sein Stainhöwel berühmte frauen 316, 12; — einen vnwissenden vnd vngerollten dölpel, der nichts weisz noch auch lernen wil Garzoni piazza universale (1659) 641ᵇ; kurz, das war ein streit, den zween unwissende tölpel nicht ausmachen, und ich, der dritte, ... eben so wenig entscheiden konnte Ulr. Bräker schriften des armen mannes im Tockenburg, ges. von Füszli 2, 116.
d)
in vergleichung:
dasz zwar, die zuschaun, alle wissen, wer ich bin,
jedoch des chores männer dumm wie tölpel stehn
Voss Aristofanes 1, 34.
e)
mit einem genitiv oder der praeposition von: was mich betrifft, so war ich, gott sey dank, nie ein tölpel des patriotismus Börne Menzel der Franzosenfresser³ 43; sobald der tanz sich löste, trat sie, wie schutz suchend, zu ihrem tölpel von pflegebruder C. v. Glümer Lütin und Lütine (Westermanns deutsche monatshefte 54 (1883), 153ᵃ).
f)
als schmeichelwort gebraucht, indem der sprechende scherzend das gegentheil sagt von dem, was er meint. zu einem kleinen, zierlichen schüler: der lehrer sprach: tölpel! du hast wohlgethan, — du hast würze an deinen kohl gethan. Rückert makamen² 2, 188 (no. 39). vgl. auch guter, lieber tölpel unter c.
g)
in manchen gegenden, z. b. im Spessart, in Steiermark, in verstärkter bedeutung bezeichnung des blödsinnigen, des kretins: Rochholz mundartliche namen des kretinismus (zeitschr. f. deutsche phil. 3, 331 ff.); Höfler deutsches krankheitsnamen-buch 742. nach Schmid 133 heiszt im schwäbischen dörpel ein zwergartiges, unbehilfliches kind oder thier. auch haustölpel, scheint es, wird der kretin genannt, als der im hause gehaltene, zum hause gehörige, als das hauskreuz, die hausplage: vnnütze augengrewel, hauszhinderer vnd hausztölpel Fischart Gargantua 437 neudr.
h)
in verschiedenen redensarten:
α)
einem, der den hut nicht zu rechter zeit abnimmt, ruft man in Pommern und auf Rügen zu: nimm den tölpel af Dähnert 488ᵇ.
β)
von einem, der überall seinen 'unschick' macht, etwas unpassendes thut, sagt man in Franken: dir tölp'l gröszt 'n überoll Frommann deutsche mundarten 6, 325.
γ)
tölpel merk's heiszt ein wink oder verweis, den man empfängt: (der hofjägermeister) erklärte dem sich beschwerenden forstlaufer: in die rechnung sollst du ihn (den verlorenen tressenhut) bringen, hab' ich gesagt, nicht auf die rechnung. das war ein 'tölpel merk's' für manche fälle H. König seltsame geschichten (1857) 27; jemandem einen gehörigen 'tölpel - merks' auf den rücken, buckel geben, ihn prügeln H. Schrader bilderschmuck der deutschen sprache⁶ 507; merx tölpel! Michel Robinson curieuse sammlung von tausend in Schlesien gewöhnlichen sprüchwörtern und redensarten (1726) 29; ebenso Daniel Bomolcke sprüchwörter, welche in Schlesien im schwange gehen (1734) b 1ᵇ.
δ)
Passauer tölpel heiszt zunächst ein kolossaler steinerner mönchskopf, der nach Wander 4, 1263 in der nähe der domkirche zu Passau eingemauert ist (nach A. Erhard geschichte der stadt Passau 2, 49 wird er vielmehr in dem garten eines gasthauses gezeigt). er soll einst der statue des h. Stephan angehört haben, die auf der zinne des alten domes stand und bei der feuersbrunst im j. 1662 herabstürzte und zertrümmert wurde. vgl. auszer den schon angeführten werken Bavaria 1, 2, 974. der name (auch als compositum Passauertölpel gebräuchlich) wird aber zugleich gern den Passauern selbst als spottname zuertheilt, ja auch auf andere, als grade Passauer, angewendet, vgl. Schmeller² 1, 603. H. Fischer 1, 668: die dölpel von Passau, welche zwar hoch daran seyn, doch an den thürn kein spitz abgeben P. Gansler v. j. 1696 bei Schmeller; in L. Aurbachers volksbüchlein² 2, 260 erklärt der Spiegelschwab: er wolle ins Bayerland, eigentlich um erstens ein Weilheimer stückle zu erfahren, und zweitens den Passauer tölpel zu sehen, und drittens einen Münchener bock zu trinken. er findet dann auch (264) in einem bairischen wirthshaus eine abbildung des Passauer tölpels mit der unterschrift:
ich bin der tölpel hübsch und fein,
zu Passau bin ich nicht allein,
werd' ausgeschickt in alle land,
darum bin ich so wohlbekannt.
ε)
dunkel ist die bei dem Schlesier Wencel Scherffer sich findende redensart den tölpel verstreuen, sich tölpelhaft benehmen:
wirdt von dir trunckner weis' ein tölpel gleich verstreut,
so heltt man dirs zu gutt: wer ist berauscht gescheidt?
grobianer (1640) 143;
hat jemand von der pursch den tölpel ja verstreut
ebd. 187.
P. Drechsler, W. Scherffer und die sprache der Schlesier 261 vergleicht die ähnliche, bei Scherffer (aber auch sonst) vorkommende wendung: den lümmel umschütten oder verschütten.
ζ)
einen tölpel machen, eine ungeschicklichkeit begehen: wie mir die liebe das geschik gab, so herum zu schnurren, ohne einen tölpel zu machen! denn im vertrauen musz ich dirs sagen, dasz ich mich zuvor in meinem leben noch nie auf einen schlitten gewagt hatte. aber .. alle, die mich sahen, versicherten, dasz ich gut führe Schöpfel Thomas Imgarten (1777) 96.
η)
die ausdrücke: über den tölpel werfen, stoszen, schupfen, führen, fallen s. unten 6.
i)
in sprüchen und sprichwörtern:
der jugend steht es an, gefoppt zu werden,
doch traurig ist ein tölpel mit der glatzen
Rückert makamen² 1, 39 (no. 4);
der tölpel stolpert selbst im grase,
fällt auf den rücken und bricht die nase
Wander 4, 1263;
ein tölpel fällt über einen strohhalm, ertrinkt in einem glase wasser und erhungert in der brotkammer; ein grober tölpel in schönen kleidern ist eine häszliche mauer mit goldener schrift; je dümmer der tölpel, je älter die metze; je älter die metze, je frecher ihr blick ebenda.
k)
als symbolischer eigenname gebraucht (vgl.Tölp oben sp. 650);
α)
als geschlechtsname: ein von Luther gebrauchtes Hans Tölpel ist schon th. 4, 2, 461 angeführt. vgl. unten sp. 667 Tölpelhans, in der beschreibung einer bettelhochzeit heiszt es:
Matz Tölpel hat den brey geruhrt,
Cuntz Kachelofen hat den löpffel geleckt.
Bolte der bauer im deutschen liede no. 23 str. 13.
auch als pseudonym von schriftstellern kommt Tölpel vor: nach Weller wörterbuch der pseudonymen² 567ᵇ nennt sich der verfasser des garngrämpler, das ist ein schoen new traus- oder klaglied, wie sich alle arme Bernische garngrämpler vnd vnderthanen klagen vber den mächtigen auffzug vnd erlitnen schaden zu Vilmergen etc. o. j. 1656 — Oswald Tölpel; ein anderes werk, das im quellenverzeichnis zum 5. bande des deutschen wörterbuchs sp. XLVII genannt ist, führt den titel: Ludwig Tölpels ganz funkel nagel neue baurenmoral, mit einem lächerlichen wörterbuch vermehret und in das teutsche übersetzt von Palato. Kamtschatka 1752.
β)
als geographischer name, einen ort bezeichnend, wo tölpel aufwachsen. vgl.Tölpelbach (sp. 665), Tölpelsberg, Tölpelshagen (sp. 669) und W. Wackernagel kleinere schriften 3, 126. 128. in einer streitschrift gegen Emser vom j. 1521 sagt Luther: ich acht, du hast zu Tolpell yn die schul gangen, der esell hatt dyr vbirleszen; worauf Emser antwortet: das aber Luter meynt, ich sey tzu Tolpel in die schul gegangen vnd hab mir der esel vberlesen, das ist nichtzit nawes, dann der prophet Balaam ouch von eym esel gelernet hat Luther und Emser streitschriften aus dem jahre 1521 2, 71 und 162 neudr.
l)
als zweites compositionsglied (bemerkt sei ausdrücklich, dasz hier nur tölpel 1 in betracht kommt): bauern- (oder bauer-) tölpel th. 1, 1183 und oben sp. 655; dorftölpel th. 2, 1286 und oben sp. 655 f.; hammertölpel: einige unerfahrene hammertölpel (tölpelhaft drauf loshämmernde hufschmiede), die offt das beste pferd im beschlagen verderben Abraham a S. Clara etwas für alle 1 (1699), 407; haustölpel th. 4, 2, 693 und oben sp. 660: nit genugsam seynd zu tadeln und zu schelten jene groben knospiones und tyrannischen haustölpel, welche ihre weiber nit anderst als durch schläg regieren wollen Abraham a S. Clara sämmtliche werke 19, 14 (gemisch-gemasch); riesentölpel: die kraft der trägheit in den massen oder, kürzer gesagt, die dummheit der völker ist eine furchtbare macht und es gehörte wahrlich kein geringer muth dazu, diesem riesentölpel zu leibe zu gehen Scherr Blücher 1, 54; Witztölpel Fischart Gargantua 5 neudr.; B. Schupp in Wackernagels leseb. 3, 1, 786.
2)
name einer münzart, nach th. 2, 1233 'vielleicht für dublone'; vielmehr verkürzung von tölpelthaler (s. d.). Unger-Khull steirischer wortschatz 160ᵃ; Chr. Schmieder handwörterbuch der gesamten münzkunde (1811) 127.
ach, mein herr, ...
helfft mir mit sechs dölpeln nur!
J. Ayrer dramen 2454, 6;
die dölpel vnd die silberkronen
thun als edelleut her gronen,
sie gelten sovil auf der bahn,
dasz mans schier nit mehr leyden kan
Augsb. fliegd. bl. 17. jahrh. (Alemannia 18, 21);
Genueser dölpel werden in münzordnungen des 17. jahrhunderts unter den silbermünzen angeführt (das stück im werthe von 2 floren 4 kr.) Hirsch münzarchiv 4, 207. 218.
3)
name von krankheiten Höfler deutsches krankheitsnamenbuch 742:
a)
eine gehirnkrankheit bei hausthieren, besonders bei schafen (drehkrankheit th. 2, 1367. schöpsdrehe th. 9, 1571), verursacht durch den in blasen, hydatiden, lebenden dreh- oder blasenwurm, cocnurus cerebralis Höfler 823. 824. gehirnbrand der thiere Schmeller² 1, 603: er sprach den segen des heil. Pirmins und Wendelins wider den tölpel oder gehirnbrand der thiere über ihn A. v. Bucher sämmtl. schriften 5, 225. vgl. tölpelhirnig sp. 667.
b)
parotitis epidemica, entzündung der ohrspeicheldrüsen (vgl. Eulenburg realencycl. der ges. heilkunde³ 18, 317 ff.), auch wochentölpel, mumps (th. 6, 2669), Ziegenpeter, bair. dalewatsch (vgl. Schmeller 1, 499) genannt, Weinhold 99ᵃ, Mi 93ᵇ. den namen tölpel erklärt der umstand, dasz die krankheit durch die schwellungen der drüsen dem gesichte einen eigentümlich stumpfsinnigen ausdruck gibt. daher auchZiegenpeter, weil der kranke dabei aussieht wie ein die ziegen hütender bauerntölpel (s.Peter 2, th. 7, 1577). wochentölpel heiszt die parotitis, weil mit dem siebenten tage durchschnittlich die kritische entfieberung eintritt.s. tölpelkrankheit.
4)
name verschiedener vögel:
a)
sula, eine vogelgattung, zur familie der pelecanidae gehörend, aus der gruppe der scharben. es werden verschiedene vertreter dieser gattung mit dem namen tölpel bezeichnet, in erster linie: sula bassana, pelecanus bassanus, pelecanus sula etc., der weisze oder gemeine tölpel, auch tölpelgans (s. d.), der weisze fischer oder weisze seerabe genannt, Nemnich 4, 897, Otto Buffons naturgeschichte der vögel 31 (1804), 130 ff., Oken 7, 409, Krünitz 185, 631, Giebel thesaurus ornithologiae 3, 552, Brehm 6, 561. er findet sich im ganzen nord- und eismeer, besonders häufig auf der schottischen insel Basz, daher der name bassanus (basztölpel O. v. Riesenthal waidwerk [1880] 971). 'die tölpel' schreibt Brehm 6, 563, 'haben keine gelegenheit, den menschen kennen zu lernen, und benehmen sich ihm gegenüber oft so, dasz sie ihren namen wirklich bethätigen, verlieren, wenn sie sich nicht mehr auf dem meere befinden, förmlich die besinnung und lassen dann, obschon nicht widerstandslos, vieles über sich ergehen, scheinen auch wenig durch fortgesetzte verfolgung zu lernen.' — unter den sulen-arten tragen ferner den in rede stehenden namen: sula fusca, der ruszbraune tölpel Krünitz 185, 632 und sula piscatrix, pelecanus piscator, der tölpel oder wassertölpel Forster reise um die welt 1 (1778), 25, Nemnich 4, 896, Giebel thesaurus ornithologiae 3, 553. s. th. 3, 175 unter einfaltspinsel.
b)
didus ineptus, dudu, walgvogel, mönchsschwan, dronte (s. th. 2, 1434), seines plumpen körpers wegen auch tölpel genannt; kam ehedem auf den ostafrikanischen inseln, besonders auf Mauritius vor, soll aber jetzt ausgerottet sein: Nemnich 1, 1412, Oken 7, 628, Krünitz 185, 632, Giebel 2, 46, Brehm 5, 441.
c)
nach Tschudi thierleben der alpenwelt³ 99 heiszt der waldlaubsänger, sylvia rufa, in Bünden tilltölple, tille (vgl. dille th. 2, 1150) nachahmung seines flötenden gesanges?
5)
pflanzenname: brassica napus, raps, wintersame, rübsaat Holl 201ᵇ. in den idiotiken nur für Hessen und Nassau bezeugt: rübsaht, so vulgo dölpel genennet wirt Bingenheimer archival von 1663 bei Diefenbach-Wülcker 356; Kehrein 114, Crecelius 1, 280, Weigand deutsches wörterb.² 2, 911 (Wetterau). verwandtschaft des pflanzennamen mit dülch, semen rapistri aestivalis, wie Diefenbach-Wülcker meinen, ist schwerlich anzunehmen. eher dürfte Weigands vermuthung das richtige treffen, dasz tölpel das gewächs bezeichne, das 'andere pflanzen beeinträchtigend sich ausbreite', die 'dorf-ölpflanze'.
6)
auffallend ist tölpel in den fünf wendungen über den tölpel werfen, schupfen, stoszen, führen, fallen, stolpern. die transitiven (werfen bis führen) bedeuten 'einen ungeschickten übervortheilen', vgl.übertölpeln, die intransitiven (fallen, stolpern) 'eine ungeschicklichkeit begehen'. da in diesen formeln das aus mhd. dörper entstandene tölpel absolut unverständlich wäre, so liegt die vermuthung nahe, dasz es sich hier um ein ganz anderes wort handelt, das mit jenem dörper-tölpel nur lautlich zusammengefallen ist. Heyne nimmt in seinem deutschen wb. 3, 992 f. einen doppelten ursprung des wortes tölpel an, indem er tölpel (1) auf mhd. dörper zurückführt, tölpel (2) dagegen für weiterbildung eines älteren dolp (oder dolbe) 'knüttel, keule' (s. Grimm th. 2, 1221) erklärt. mit dem letzteren identificiert er das von uns oben sp. 650 anders aufgefaszte tölp oder dölp, das wie tölpel (1) zur bezeichnung eines ungeschickten menschen dient und schon seines umlauts wegen mit dolb 'knüttel, keule' nicht identisch sein kann. in den redensarten über den tölpel fallen, werfen etc. soll nun tölpel (2) vorliegen, der sinn also sei eigentlich 'über einen klotz fallen, werfen' etc., woraus sich die bedeutung 'aus ungeschicklichkeit einen fehler begehen' oder 'einen ungeschickten übervortheilen' entwickelt habe. ähnlich Paul deutsches wb. 456. Allein es musz auffallen, dasz das von Heyne und Paul vorausgesetzte tölpel (2) = 'klotz, strunk', 'wurzelende eines gefällten baumes' aus der litteratur sonst nicht zu belegen ist (nur die lexicographen Frisch und Adelung halten 'truncus, stipes' für die grundbedeutung von tölpel, weil sie dessen entstehung aus mhd. dörper nicht kennen), und ferner, dasz in den in rede stehenden fünf wendungen der bestimmte und nicht, wie Heyne und schon vor ihm Adelung in ihren erklärungen einsetzen, der unbestimmte artikel gebraucht ist. es heiszt nicht über einen tölpel, sondern über den tölpel werfen etc., und man müszte, wenn unter tölpel wirklich ein klotz oder baumstumpf verstanden wäre, fragen: über welchen klotz wirft man denn den ungeschickten gegner, oder stolpert man selbst aus ungeschicklichkeit? es könnte sich doch nur um einen unbestimmten, zufällig im wege liegenden handeln, der von dem zu falle kommenden vorher nicht bemerkt worden war. Wir müssen uns deshalb nach einer anderen bedeutung von tölpel (2) umsehen, die den bestimmten artikel zu rechtfertigen vermag. und eine solche bietet sich ungezwungen, wenn man mit Frommann deutsche mundarten 5, 238 und dem verfasser zeitschrift f. deutsche wortforschung 2, 296 f. (vgl. dagegen Schuchardt zeitschr. f. deutsche wortforsch. 4, 330) ein zusammenfallen von dorpel 'thürschwelle' (s. th. 2, 1301) mit tölpel annimmt. nach dem, was oben (2 und 4) bemerkt wurde, ist das wort tölpel durch die im späteren mhd., vereinzelt aber auch noch im 16. und 17. jh. vorkommenden formen dörpel oder törpel hindurchgegangen. wie leicht konnte mit ihnen ein ursprüngliches dorpel 'thürschwelle' in den in rede stehenden verbindungen verwechselt werden. daher dann auch weiter der übergang zu tölpel, ganz wie bei dörpel und törpel. Die redensart über den tölpel werfen würde also eigentlich bedeuten 'über die thürschwelle, zum hause hinaus werfen', womit in drastischer weise das verdrängen, das übervortheilen einer bestimmten person bezeichnet wäre. der nebensinn, dasz der geschädigte sich ungeschickt benommen habe, dürfte durch eine beziehung des wortes auf tölpel erst hinzugekommen sein.bei der vorgetragenen auffassung ist der gebrauch des bestimmten artikels wohl gerechtfertigt, denn es handelt sich um die bestimmte thürschwelle des hauses. Es ist nicht anzunehmen, dasz die fünf mit über den tölpel gebildeten redensarten sich alle selbständig und unabhängig von einander entwickelt haben. wie die unten folgenden belege zeigen, ist über den tölpel werfen von den angeführten verbindungen die älteste und steht lange für sich allein da. offenbar hat sie für die andern das muster abgegeben. dieselben sind einfache nachbildungen der älteren formel und entstanden, als der zusammenhang mit dorpel 'thürschwelle' gewisz längst vergessen war. es ist daher nicht nöthig, für sie alle noch auf die zu grunde liegende sinnliche bedeutung zurückzugehen. Es folgen nun die belege. vgl. Wander 4, 1264:
a)
über den tölpel werfen: hertzog Friderich ... ist weidlich vbern tölpel geworffen vnd betrogen worden vom selbigen bischoff Luther tischreden (1568) 239ᵃ; (mancher handwerker denkt) er (der kunde) verstehet sich nicht darauff, darumb wil ich jhn wol vber den dölpell werffen Höniger narrenschiff (1574) 179ᵇ; in diesem jtzt gelesenem text aber fodert er (Syrach) von einen (sic) christen menschen eine besondere vorsichtigkeit vnd bescheidenheit, welche ferne hienaus auffs künfftige siehet ... vnd lest sich nicht also vber den tölpel werffen vnd gleubet nicht bald alles was man sagt Mathesius Syrach (1586) 1, 118ᵃ; es bestund nit lang, er (der neue weinhändler) ward als einer solcher kauffmannschafft unwissend übern tölpel geworffen, ietzt im kauff, denn im verkauffen, denn von seynen eygnen knechten Kirchhof wendunmuth (1563) 1, 213 Österley; vber den dölpel werffen, fraudare, ludificare. also musz man den narren vber den dölpel werffen, vnd ein specklein auff die fallen legen Henisch (1616) 725; (menschen, die) sich noch wol rühmen, wenn sie jhn (ihren nächsten) tapffer haben vber den tölpel geworffen, als hetten sie eine grosze ritterthat begangen Valerius Herberger herzpostilla (6. aufl. 1625) 1, 195ᵃ; rationes fallendi, dadurch ... die alten teutschen täddel (österr. Thädl, Taddädl vom namen Thaddäus, ein schwachkopf Schranka Wiener dialekt-lexikon 170) vbern tölpel geworffen worden A. Mengering Kriegsbelial (1633) 265; (ich musz sehen) wie meine kinder so üppig mit all meinem gut vmbgehen ... in erscharrung dessen ich so manchen ehrlichen mann vber den tölpel geworffen und betrogen Moscherosch gesichte (1650) 1, 417; ich hab jhn, gott verzeih mirs, recht vbern tölpel geworffen 1, 446; ich habe ihn so artlich über den dölpel geworffen, dasz ihn der teuffel hätte holen mögen Grimmelshausen Simplicissimus (1669) 72 neudr., etliche betrogen, und andere wurden wieder über den tölpel geworffen simplicianische schriften 1, 186 Kurz; es vermeinen etliche ..., wann man einen juden betrieget oder über den tölpel wirffet, dasz es kein sünde seye Abele künstliche unordnung (1670 ff.) 2, 250; wie manierlich kan er die alberen courtisanen auffziehen und über den tölpel werffen pedantischer irrthum (1673) 73; einen mit sehenden augen verblendeten über den tölpel zu werffen alamodisch technologisches interim (1675) 476; wo ich ihnen indessen ein bein halten und (sie) über den tölpel werffen kan, thue ich das meinige 515; aber wir lachten ab seiner einfalt, dasz er vns wolte so schnell über den dölpel, dieser dölpel, werffen kurtzweilige raisz, so ... general Springensfeld ... verrichtet (1676) 32; grabschrift eines roszkamms:
ein roszkam streckt sich hier in dieses grabes grundt,
der übern tölpel warff durch sein verlognen mund
all' die mit ihme sich zu kauff und tausch einlieszen
Corydon ausz Arcadien narrenbossen (1677) A. XII;
im anfang, wenn sie ein mägdlein über den dölpel werffen wollen, so brennet ihnen die liebe liechterloh aus dem leibe Stranitzky ollapatrida (1711) 246 neudr.; so er (der prozeszführende) den festen glauben heget, dasz er seinen gegner werde über den tölpel werffen können, wenn er ihn erst zu gesichte bekäme (nämlich eher, als der gegner ihn), so ist er ein abgöttischer rockenphilosophie (1718) 2, 293; a läszt sich nich balde (oder leicht) übern tölpel warffen von einem, der sich nicht leicht hinters licht führen läszt, Michel Robinson curieuse sammlung (1726) 29, D. Bomolcke sprüchwörter (1734) A 6ᵃ. einen über den tölpel werffen, hominem incautum fallere Steinbach 2 (1734), 822; jem. über den tölpel werfen, besiegen (1747) Kluge studentensprache 130ᵇ; einen über den tölpell werffen, ihn betrügen O. Lind teutsch-schwedisches wb. (1749) 1540; ich pflegte oft über ihren ehrlichen, einfältigen nachbar Flamborough zu lachen und gewöhnlich warf ich ihn, auf eine oder die andre art, jährlich einmal über den tölpel (Bode) dorfprediger von Wakefield (2. aufl. 1777) 356. vgl. ferner Adelung-Serz teutsche idiotismen (1797) 157ᵃ; Campe; Heinsius; Krünitz 185 (1844) 631; Heyse. von dialektwörterbüchern führen die redensart an: Schmeller² 1, 603; Birlinger 299; H. Fischer schwäbisches wb. 1, 253; Kehrein volkssprache in Nassau 405; Schmidt westerwäld. idiot. 256; Müller-Weitz Aachener mundart 34.
b)
über den tölpel schupfen:
ja hui, der (nachbar) ist weidlich beschissen,
ich haun wol dächt, ich sey so gflissen,
dasz ich jhn vbern tölpel schupff.
J. R. Fischer letste weltsucht. (1623) 3, 1 (Bayerns mundarten 1, 186ᵇ).
c)
über den tölpel stoszen: wer ein narr ist und läszt sich über den tölpel stoszen, der mag sich auslachen lassen Christian Weise baurischer Machiavellus (1679) 28 L. Fulda; wie schön sie mich über den tölpel stoszen will Lessing 1, 246 (der junge gelehrte 2, 3); S. er hat sich von mir lassen übern tölpel stoszen. W. sie mögen selber ein tölpel seyn 1, 365 (misogyn 2, 5); über den tölpel stoszen, circumvenire aliquem Hederich (1777) 2982;
doch, Frank, ein kniff, ein plänchen ists ja nur
von mir und ihrem vater ausgeklügelt,
Mounchen sey übern tölpel brav zu stoszen
Tieck altenglisches theater (1811) 2, 159:
vgl. ferner Adelung, Campe, Heinsius, Krünitz 185 (1844), 631, Heyse, von dialektwörterbüchern Müller-Weitz 34.
d)
über den tölpel führen: schweizerisches idiot. 1, 56.
e)
über den tölpel fallen: er fiel heszlich über den tölpel, er begieng einen groszen schnitzer Ludwig teutsch-engl. lexikon (1716) 1991; über den tölpel fallen, tombolare sul balordo, cioè far qualche atto da balordo Kramer teutsch-ital. dictionarium (1724) 2, 1100; vgl. ferner O. Lind teutsch-schwedisches wb. (1749) 1539, Adelung, Campe, Heinsius, Krünitz 185 (1844) 631, Heyse, von dialektwörterbüchern Müller-Weitz 34.
f)
über den tölpel stolpern: Perez (zu Valerio): nun nehmt mir den sonnenschirm ab, tölpel. (er stolpert.) Valerio: dankt gott, dasz ihr über euren eigenen tölpel stolpertet, sonst wollte ich euch die schiefen beine gerade brechen Brentano gesammelte schriften 7, 99 (Ponce de Leon 3, 3).
III.
III. die zusammensetzungen zerfallen in eigentliche mit tölpel — und uneigentliche mit dem genitiv tölpels.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 653, Z. 11.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
durchwirbeln
Zitationshilfe
„dölpel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/d%C3%B6lpel>, abgerufen am 03.07.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch (¹DWB)