Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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dölpisch

dölpisch,
s.tölpisch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1233, Z. 19.

tölpisch, adj. adv.

tölpisch, adj. adv.,
tölpelhaft, grob, ungeschickt, zu tölp (s. oben sp. 650) Adelung, Campe, Heyne, Paul. vgl. tölpelisch (unter tölpelig, sp. 667) zu tölpel. form. die ältere form dölpisch (s.tölpel 1, sp. 653), dolpisch findet sich neben tölpisch bis ins 17. jh., so bei H. Sachs, Weckherlin, Moscherosch. die wörterbücher zeigen allgemein den t-anlaut, nur Maaler hat beide formen. auffällig ist dölpisch bei Wachter (1737), aber aus der dort vorgetragenen etymologie zu erklären. die umlautlose form tolpisch, dolpisch erscheint namentlich bei Luther (s. tölpel 7, sp. 654 f.). Rompler v. Löwenhalt hat einmal tälpisch (s. oben talp, sp. 101, vgl. ital. talpa, tölpel, und die lat. form talpenses neben tölpisch bei Luther 6, 148, 11 Weim.) und ebenso bezeugt mundartliches telpsch, talpsch, tölpelhaft, Weinhold schles. wb. 99ᵃ. Sanders 2², 1334ᵇ wollte danach dic ganze sippe von tölpel zu talpen, v., stellen; es liegt offenbar nur gelegentliche beeinflussung vor. eine bairische quelle des 17. jh. (s. unten I A 1ᵇ) hat dolbisch (vgl.tolb bei Henisch, oben tölpel 3, sp. 654). bei Frisius und Maaler erscheint tülpisch neben tölpisch (s.tölpel 6, sp. 654). dörfisch in gleicher wendung s. th. 2, sp. 1281. in den wörterbüchern wird tölpisch seit Dasypodius (1537) aufgeführt: eyn tölpischer und ungeschickter mensch, der niergend zu keyn gnad hat Ciijᵇ; ebenso Frisius (1556) 939ᵇ, 978ᵃ, 644ᵃ, 689ᵃ und Maaler (1561) 403ᵈ, tülpisch, gar torächtig und unartig. perfatuus 411ᶜ, 91ᵈ; ungelehrt, grob, tölpisch Epicurus hebes et rudis Henisch (1616) 1458; dölpisch, obtuse, stolide, imperite, crasse. fatuari dölpisch seyn Schönsleder prompt. (1647) L 6ᵇ; ein narr, thor, püffel, alber, unweisz, unbedacht, tölpisch, unvorsichtig Calvisius (1653) 194ᵃ; tölpisch, adj. rusticus, plumbeus, ineptus. tölpisch, adv. inficete, inscite Frisch (1741) 376ᶜ; tölpelhaft, tölpelisch, tölpisch, adj. lomp, boers, onbeschoft Kramer-Moerbeek (1768) 343ᵃ. mundartlich scheint tölpisch nach ausweis der wb. selten zu sein; belegt ist es für Schlesien (s. oben) und Elsasz (s. unten III).
bedeutung.
I.
als menschliche eigenschaft.
A.
im äuszeren verhalten.
1)
'ungebildet im ganzen auftreten und benehmen, in der lebensart', und zwar
a)
mit erkennbarer beziehung auf die grundbedeutung von tölpel: 'bäurisch, unhöfisch, ungeschliffen, ungebildet, unhöflich'. tölpisch, nicht mit hüpschen gebärden, inciuil Hulsius dict. teutsch-frantz. (1640) 391ᵇ; tölpisch inurbanus rusticus Schottel haubtsprache (1663) 1432; tölpisches gesinde, famuli rustici Steinbach (1734) 2, 822; dölpisch rusticus Wachter (1737) 297; du tölpischer sauhirt Schaidenreiszer Odyssea (1537) 90ᵃ;
weil sie diese kunst (musik) verachten
und ihren nutz nicht betrachten,
so bleiben sie die gröbsten knolln
als die tölpischen acker trolln
Agricola musica instr. 135 Eitner;
Jäckel (ein bauernjunge) ist aber zu tölpisch (zum studieren) Schoch studentenleben (1657) D v jᵇ; sprach, es weren unverstendige, grobe und tölpische leut in der statt, ausz denen ursachen, dasz sie einen menschen vor dem andern .. nit .. zuͦ entpfahen wüszten Kirchhof wendunmuth 1, 233; manche elttern balgen und bochen über ihre kinder, dasz sie so grob, ungezogen und dölpisch sind, und mit zierlichen geberden und ehrerbietung niemand wissen zu begegnen Moscherosch insomnis cura 87 neudr.; ach monsieur, was ist für ein unterscheid, wenn ich den närrischen Damon und meinen tölpischen mann gegen sie betrachte! sie sind die galanterie selbst! Gellert 3 (1775) 296; zu viel höfflich ist tölpisch Lehmann florilegium (1642) 131. entsprechend adverbial gebraucht:
sind wohl die sitten so fein am wilden tische des junkers?
er sitzt tölpischer, als ein knecht, bey stolzen couverten,
unter plumpen schmarotzenden gästen als witzling bewundert
Zachariae tageszeiten (1757) 43;
die beziehung auf den ungesitteten bauerburschen liegt überhaupt nahe, wo es sich um mangelnde tischzucht handelt:
faul Fritz stets in der schüssel lag
und duncket vil der schnitten ein,
hielt sich auch dölpisch zu dem wein
H. Sachs 17, 281, 19 Keller-Götze;
hier ist mein schwerdt, o fühlts, ihr brüder!
beym element! es hält sich frisch.
gleich schlägt mein held es auf den tisch,
und wirfft die kannen tölpisch nieder
Hagedorn versuch (1729) 29, 220 Sauer.
b)
allgemeiner: 'ungeübt, ungeschickt, plump, schwerfällig, steif'. apalœstros id est, homo palestrœ imperitus, eyn tölpischer und ungeschickter mensch, der niergend zu keyn gnad hat Dasypodius (1537) Ciijᵇ, danach Frisius, Maaler und Reyher lex. lat.-germ. (1686) 162; tölpisch ... wie tölpelhaft, aus schwerfälligkeit oder dummheit ungeschickt Adelung; Pan der hirten gott, eyner ausz den satyris, mit eyner sackpfeiffen, dölpisch und ungeschickt Franck morie encomion (Ulm o. j.) 12ᵇ;
musz dir beschneiden die knorn rauch.
ey, wie bistu so dolbisch auch!
Regensburger fastnachtspiel (1618), in: Bayerns mundarten 2, 10, 741;
der hochmütige esel, was hat er mich einen groben, ungehobelten tölpischen teutschen zu nennen gehabt? Moscherosch gesichte (1650) 2, 49; Jocrisse, ein charakter, der dem italiänischen Pierrot auf ein haar gleicht, ein tölpischer mensch, der alles verdirbt, indem er alles gut machen will Kotzebue erinnerungen aus Paris (1804) 507; die tochter soll sehr wohlerzogen und schön, der sohn hingegen ein tölpischer bengel, ein verzognes, dummes müttersöhnchen (!) sein Fr. L. Schröder irrthum auf allen ecken (1810) 27;
vom sims gestoszen! oh,
Semo war tölpisch, wenn's der herr erfährt,
in so viel stücke läszt er Semo hau'n,
als scherben sind
P. Heyse 9 (1872), 187.
verbunden mit zu, 'ungeschickt zu einer fertigkeit, kunst': das die, so am ersten im teutschen zuͦ lernen haben angefangen, hernachmals zum lateyn und andern zungenungeschickter und tölpischer gewesen sein Joh. Muschler von schuͦlzuchte (1529) B 7; in der verbindung toll und tölpisch:
lasz die anblick hin und herfliegen,
getrewe botten deiner gunst,
der neyder torheit zu betriegen,
toll und tölpisch zu diser kunst
Weckherlin 1, 159, 10.
in vergleichen, 'steif wie ein stock', 'linkisch und ungeschickt wie ein knabe':
der Omer, dölpisch als ein stock,
und sein weib, lieblosz als ein block,
beed träg zu der lieb süssen sachen
Weckherlin 2, 424;
sehet, diese meine liebe geliebte da, wie hat sie mich mit ihren schelmereien und bösen kühlen redensarten so meisterlich geplagt, dasz ich wie ein rechter knabe stumm und tölpisch wurde P. Heyse 4 (1872), 55 (l'arrabbiata). adverbial gebraucht: denn weil sich zu Münster der böse geist, nur wie ein simpeler schulteufel, so grob und dölpisch mercken liesz, dasz er sich leicht .. zu erkennen gab Mathesius Luther (1583) 107ᵇ; wer ist doch der neue Duns, der ihren sieg des liebesgottes, so tölpisch angegriffen, wie mir herr Leszing gesagt hat? Gleim an Uz 294 Schüddekopf; ich hatte nämlich bemerkt, dasz man bei'm fouragiren um die dörfer und in denselben tölpisch geradezu verfuhr Göthe 33, 63, 23 Weim.; in einem leichten oxymoron:
wie sol ich doch mit euch gebarn?
ich thue fein tölpisch einher fahrn,
ihr müst mirs nicht vor vbel han,
ich machs so gut traun, als ich kan
Hayneccius Hans Pfriem 2437 neudr.
c)
auf das körperliche aussehen gewandt, 'groß und plump' im gegensatz zu feinem, zierlichem leibesbau (vgl. tölpicht 1):
er, der teütsch, haut nach, und trifft als dan
nächst oberhalb des knües den tälpisch-grosen mann,
dasz alsobald das bluth komt starck herausz geflossen
Rompler v. Löwenhalt (1647) 105;
nach mehreren jahren sah ich ihn (einen harfespielenden knaben) wieder, wo er gröszer und tölpischer geworden war, ohne in seiner kunst viel zugenommen zu haben Göthe 28, 92, 9 Weim.; die maulwürffe auf denen dörffern werden zweifels ohne stärker und tölpischer seyn, als die bey denen städten Schmidt rockenphilosophie (1718) 2, 198.
2)
'ungebildet, ungeschickt im einzelnen thun, im gehen, lachen usw.'
a)
adverbial: tölpisch gehen, aller, ou marcher lourdement .., tölpesch lachen, rire comme vn paisan Hulsius dict. teutsch-frantz. (1640) 391ᵇ; er lacht tölpisch, rustice ridet Steinbach (1734) 2, 822;
wer klopffet also dölpisch an?
halt! halt! ietzt wil ich dir auffthan
H. Sachs 21, 66, 26 Keller-Götze;
jedermann neckt' ihn und lachte ihn aus, weil er so tölpisch dahergieng, alle augenblick' über stock und stein stolperte, alle vögel begaffte, und nie zu seinen füssen sah Bräker arme mann im Tockenburg (1783) 291 Füszli.
b)
übertragen (wie 1 c) auf einzelne glieder: er kont nicht mit den .. fatziolen umbgahn: kont nicht den küchleinthurn unzerrürt abnemmen, sein finger waren zu tölpisch stumpff darzu Garg. 64 neudr.; ein gewisser Hofmann, ein mensch, dessen tölpisches gesicht und plumper körper den bauernlümmel, so wie seine physionomie einen dummen .. menschen karakterisirte Bahrdt geschichte seines lebens (1790) 1, 107.
B.
als eigenschaft des menschen in seiner gesinnung, seinem herzen, verstärkt und vertieft aus A, 'plump, flegelhaft, roh, wild, wüst'. den übergang bilden fälle wie die beiden nächstfolgenden. man helt dafür dasz .. die lepp- undt hangörichten ... tölpisch und lümmelhafftig (seien) ... bardi atque blitei Comenius ianua aurea (1640) 82; grob, unhöfflich, tölpisch, ein flegel, pengel. rusticus, inurbanus, infacetus Calvisius (1653) 315ᵇ; und die si sonst für die barbaros, das ist für grob, wild, tölpisch leut hielten Aventin 1, 346, 25 (dtsch. chronik);
es wer denn in der gantzen pfarr
ein mann der aller-gröst stocknarr,
so dölpisch, grob, wild und ungfüg,
der ein weib unverschuldet schlüg
H. Sachs 17, 140, 5 Keller-Götze;
woher kompt aber solche weisz, gottes wort also zu meistern, welchss man doch keinem weltlichen fürsten thun dörffte ... gewiszlich nirgends her, denn von dem groben, tölpischen, seuwischen teuffel, dem leydigen sauffteuffel theatrum diabolorum (1569) 321ᵇ A. adverbial: wer hat doch ye freveler und dabey tölpischer gott gelestert? Butzer bericht P 4ᵇ.
C.
als verstandeseigenschaft (s. a. unten IV A), und zwar
1)
'stumpf gegen äuszere eindrücke, unempfänglich für geistige reize, von mangelndem auffassungsvermögen, dumm, blöde': wer nichts achtet, der ist träge: der nichts vernimpt, tölpisch (qui nihil percipit, stupidus) Comenius ianua aurea (1640) 102; unlehrhafftig, tölpisch, ingenium infimum, tardum, socors, negligens Calvisius (1653) 729ᵇ; Stosch versucht bei einer begriffsbegrenzung gegen plump tölpisch auf diese bedeutung festzulegen: beide, der tölpische und der plumpe, sind dumm und grob; aber bei dem ersten, ist die dummheit, bei dem zweiten, die grobheit gröszer. wenn man jemand einen tölpischen menschen nennet, so will man damit sagen, dasz er dumm und klotzig sey: wenn man ihn einen plumpen menschen nennet, so giebt man mehr zuverstehen, dasz er grob sey, und durch dumme grobheiten anderen beschwerlich falle Stosch versuch in richt. bestimm. einiger gleichbedeut. wörter 2 (1780), 532; aber was gott im hertzen wirckt, und der heilige geist im menschen thut, das kan er (der teufel) nicht wissen noch sehen, am rande: da ist er zu tölpisch Luther tischreden (1568) 209ᵃ; dort war ich stutzer, dort wildfang, dort tölpisch, dort empfindsam Klinger sturm und drang I 1, in: stürmer und dränger I 67, 15 Kürschner;
es achten solche gesellen
weder klugheit noch feine gedanken; es bleibet dem groben
tölpischen volke der werth von aller weisheit verborgen
Göthe 30, 163 Weim. (Reineke fuchs 11, 263).
2)
'grob von verstand, plump im urtheilen und unterscheiden, unausgebildet in geistigen fertigkeiten': er (Satanas) hatt biszher mitt myr alleyne gerungenn durch eytell grobe tölpische köpff, die nichts denn lestern und liegen kunden Luther 10², 12, 6 Weim.; denn die andern sind noch grobe tolpische teuffel als Sabellij, Manichei und andere ketzerey 28, 117, 36 Weim.; darümb den jüden als eim groben tolpischen volck waren die bilder allein verbotten, daran sie gott wolten eine ehre thun 16, 442, 28 Weim.; er sey gleich reich oder arm, jung oder alt, gelert oder ungelert, kunstreich oder tölpisch, gescheid oder närrisch Schumann nachtbüchlein 4, 14;
wer tölpisch ist und nichssen kan,
der ist im land ein edelmann
H. Sachs fabeln und schwänke 1, 10, 97;
Hans Düppels weib von Milichtahl
. . . . . .
sie hat ein grobn, dölpischen man,
der nichtsen denn eyfferen kan
14, 235, 7 Keller-Götze;
'ungelehrt': ungelehrt, grob, tölpisch, Epicurus hebes et rudis .. Henisch (1616) 1458; tölpisch, adj. et adv. ... stupidus, inconditus, inscitus et: indoctè ... infabrè Stieler (1691) 2282. adverbial: wenn könig Heyntz auch seynes königreychs hett gewartet odder basz ynn der schrifft studieret, wurde er nicht so tolpisch alfentzen mit gottis wortten Luther 10², 248, 23 Weim.
II.
als eigenschaft von thieren (bär, fluszpferd, esel, kuh): und es sind keine thier so geschwind schaden zuͦthuͦn, und einem böse tück zuͦbeweisen, als eben die dölpische grobe bären Heyden Plinius (1565) 184; der elephant ist ein grosz ungehewer, tölpisch thier (1584) 86;
unser könig ist edel geboren und mächtig und gnädig,
dacht' ich im stillen bei mir: es wär' ein trauriger wechsel
einen bären und tölpischen taugenicht so zu erhöhen
Göthe 50, 63, 66 Weim.;
wiewol das wasserpferd ein dölpisch närrisch thier von vielen geachtet wirdt, so soll doch etliche sondere witz in jm stecken Gesner-Forer fischbuch (1598) 201ᵃ; denn unser gott hat nicht allein die angeneme nachtigall erschaffen ... besondern er lesset auch die grobe ochssen und tölpische esel auff dem erdreich herümme lauffen Rist rettung der edl. teütsch. haubtspr. viijᵇ. prädicativ: zieht, zieht, sie (die kuh) ist bald droben: sie ist so tölpisch und ungeschickt, dasz sie ihr selbst nicht helffen kan schildbürger (1678) 131. adverbial, von der schlaftrunkenheit verstanden:
die thiere eilten tölpisch aus dem schlafe,
und flohen, ängstlich durch einander irrend
Brentano Gustav Wasa 31, 7 neudr.
III.
als eigenschaft von gegenständen, 'plump, roh verfertigt, gestaltet': tölpisch unwercklich (vgl. unwercklich, on ein sundere arbeit und fleysz gemacht), infabre, ignaue Maaler (1561) 403ᵈ; tölpisch, nicht artig gemacht .. lourdement fait, ein tölpische bettlade .. un chalict mal accomodé, ein tölpischer schuch, .. un soulier lourdement faict Hulsius dict. teutsch-frantz. (1640) 391ᵇ; tölpisch und ungeschickt gemacht, lourd, groszier, mal faict ou bâti Frisch teutsch-frantz. wb. (1730) 555; ein tölpischer schuch, calceus rustice factus Steinbach (1734) 2, 822; sie (die Samiuten) haben auch bilder von holz geschnitten, so gar schlecht und dölpisch sein L. Hulsius schifffahrten (1598 ff.) 3, 31 (z. f. d. phil. 13, 376); was vermögliche und stattliche baurn, soll mancher 50 ... starckhe dölpische sülberne löffel beysamen haben S. Kiechel, bei Fischer schwäb. wb. 2, 253. adverbial: scalptum infabré .. unmeisterlich, oder tölpisch gegraben Frisius (1556) 689ᵃ. in dieser verwendung auch aus der lebenden mundart bezeugt: das kommod isᵗ tölpisch geschafft, die kommode ist grob, roh gearbeitet Martin-Lienhart 2, 681ᵇ.
IV.
in verbindung mit abstracten, in der polemik der reformationszeit besonders gern gebraucht.
A.
mit allgemeinen und farblosen substantiven wie art, gedanke, wort, sprache verbunden. vgl. I C 1: auch ist es jedermann kundt, und bedarff keiner beweysung, dasz dem menschen (er sey dann gar dölpischer und beürischer art) nichts anmütigers ist, dann die belustigung des gemüts, im lesen .. Höniger weltspiegel (1574) Aijᵃ; vgl. I A 1 b:
wie wol das alt sprichwort doch jach:
neun schand man ob eym ay entfach.
solch neun schand ich doch doppaliert
solch dölpisch weisz in mir regiert
H. Sachs fabeln und schwänke 1, 508, 80;
zwar seine tölpisch schlüffliche art
so wenig als seinen kohlschwarzen bart,
seine lust in den weeg zu —
hab nicht können aus der wurzel reissen
Göthe 38, 47, 5 Weim. (Hanswurst's hochzeit)
vgl. I B: das sind alles solch kindische, tölpische,; schendliche gedanken und luͦgen unternander, das sie nicht werd sind verantworttunge Luther wider die himmlischen propheten 2, A 2ᵇ; der teufel hat auch ein zungen. non veniunt pseudoprophetae nostri mit tolpischen wort, sed sapientibus 20, 536, 38 Weim.; do uberfeldt der gotlose den gerechten, und tregt Paulum herfürer mit einem sölchen tölpischem verstanndt, dasz es den kindern auch zum poppenspill wirdt Müntzer schutzrede 22 neudr.; vgl. I C 2:
Mopsus hat ein grob verständnüsz,
meint, es sey ihm trefflich nützig,
dann was tölpisch, tauret lange,
stumpff wird leichtlich, was zu spitzig
Logau 3, 123 nr. 20;
es were die teutsche sprache gar unedel und tölpisch, aller edlen spraachen zier ohne W. Scherffer bei Drechsler 4; es ist schande, das man solch latin auch tzu den deutschen schreybt und solch tölpisch auszlegen der schrifft vernunfftigen leutten thar furgeben Luther 11, 356, 23 Weim.; er thut der gantzen universitet ein schand und unehr an, mit diser tolpischen tragedia Vogelgesang gespräch v. d. trag. J. Hussen 3 neudr.; freier: in einem moment, wo in der ganzen nation eine so mächtige antipäpstliche regung überhand genommen, hatte er (Eck) man möchte sagen, die tölpische dienstbeflissenheit, eine frage in gang zu bringen, deren beantwortung immer sehr zweifelhaft gewesen Ranke² 1, 278.
B.
mit miszbilligenden und herabsetzenden ausdrücken verbunden.
1)
entsprechend I A: was Eulenspiegel beifall verschaffte, war nicht so sehr seine tölpische grobheit und spaszhaftigkeit, als die ironie .. Ranke² 1, 172.
2)
von gesinnungen, entspr. I B, tölpische lügen und zoten: .. haben sich doch daneben auff nichts, denn auff tölpische und unhöffliche lügen gesteürt, da sie aus disem sacrament (dem abendmahl) eyn opffer haben gemacht Speratus übersetzung von Luthers de instituendis ministris F 2ᵇ: das ist doch zumal ein grobe, tölpische lügen, die sich gar nicht gleuben lesst Luther 28, 431, 28/30 (zusatz) Weim.; o du kaltes entschuldigen unnd tolpischs heuchlen 6, 581, 29 Weim.; das ich widderumb auch meine lust an yhm (dem hoffärtigen, spöttischen teufel) busse, gott zu ehren und spotte yhn widder ynn solchen seinen tolpisschen zoten, denn er sol und mus gotts wort unterligen 23, 94, 7 Weim.; wer würt dich (Treger) nit verlachen mit solchen tölpischen, lammen zotten? Butzer bericht G 3ᵃ.
3)
von verstandeseigenschaften, entspr. I C, tölpischer einfall, unwissenheit, tölpischer irrthum:
so meint er, und gibt für; dasz redligkeit der sinnen
nur tölpisch einfalt sey, und bäurisches beginnen
Logau 3, 218;
der grosz theologus .., der unser tölpische, grobe, ungeschickte unwissenheit, nit genuͦg verhönen kan Butzer bericht E 4ᵃ; gotts zorn, der dem teufel den zaǔm lesst, solch grobe, tolpissche yrthǔm .. anzurichten Luther 23, 72, 14 Weim.; von plumpheit des denkens und fühlens: .. den eusserlichen groben verstand, also so man steyn und holtz anbettet .. das ist die grobe und tölpische abegötterey 16, 462, 22 Weim.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 671, Z. 48.

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Zitationshilfe
„dölpisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/d%C3%B6lpisch>, abgerufen am 24.06.2021.

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