Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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dückisch, adj.

dückisch, adj.
s. tückisch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1495, Z. 43.

tückisch, adj.

tückisch, adj.,
im 15. jh. als ableitung von tuck, m., auftretend, bei dem vordringen von tücke, f., zugleich als adj. davon verwendet; vgl. die formen tückisch, duckisch im frühnhd. sowie noch mundartlich umlautloses tukš Hentrich nordwestthür. 28.
1)
auf das ältere nhd. beschränkt bleiben die neutralen bedeutungen, die an tuck 'listiger anschlag', 'heimlich ausgeführte tat' anknüpfen; charakteristisch ist dafür das fehlen einer moralischen bewertung (anders als 2) und das vorhandensein der vorstellung eines heimlichen tuns (anders als 3).
a)
im sinne 'heimlich' oder 'hinterhältig' auf handlungen bezogen, aber ohne die gesinnung des handelnden als moralisch niedrig, hinterlistig u. dgl. zu charakterisieren, vgl. tückusch oder haimlich Münchener reimpred. (15 jh.) in: ztschr. f. dt. altert. 44, 191; meist adverbiell:
sy (die landsknechte) griffen duckisch an die wer
Nürnb. meisterl. fol. 23, nr. 225;
am tag thet er zwor keine (tat) nie
dann er die nachts dückisch begieng
Wickram w. 8, 159 lit. ver.;
(es ist) nicht grosz daran gelegen ..., der feint werde gleich haimlich oder offenlich, redlich oder tückisch angegriffen (v. j. 1516) städtechron. 11, 797;
und ob er dir gleich ist zu schwach,
wird er doch seiner zeit hernach
dich drucken dückisch und verborgen
Hans Sachs 19, 80 lit. ver.;
zum letsten, als Catiline vil haymlicher, dückischer, versuͦchter anschleg gegen dem Ciceroni feleten (miszlangen) Schwarzenberg t. Cicero (1535) 6; er wich mit den seynen heimlich davon, dasz er in nicht tückisch überfiele Seb. Franck Germ. chron. (1538) 139ᵇ; unser widersacher ... tückisch und rücklings kome geschlichen F. Dedekind christl. ritter (1590) b 2ᵃ;
dasz er sie (die possen) hab getrieben all
durch hilff Minervae nachtigall,
durch ihre nachteul, dückisch, still
Fischart w. 2, 433 H.
ähnlich noch, aber in deutlicher verbindung mit 2: der eifer ist besser als der heimliche und tückische grimm Butschky Pathmos (1677) 93; die Italiäner sind gar schlaue und verschlagene leute, ... tückisch ihren feinden auf eine geheime art einen gefährlichen streich zu versetzen Fleming t. soldat (1726) 41; so lange er tückisch handelte ging ihm alles hin. wer offen befehden will, musz nicht so viele schlechte verwundbare seiten blos geben Göthe IV 29, 160 W. hierher stellt sich mit der nuancierung 'aus dem hinterhalt plötzlich geschehend' wohl auch die glossierung: momentaneus bei Schmeller-Fr. 1, 490, vgl. momentaneus tückykch, rapcio gehe oder tükchik (16. jh.) in: mitteil. d. hist. ver. f. Steiermark 46 (1898) 66.
b)
auf die sinnesweise der handelnden person bezüglich bedeutet anderseits tückisch bis in das 17. jh. auch 'listig, verschlagen, anschlägig' ohne ethische bewertung, vgl. auchwetterwendisch, ↗tückisch versutus, versipellis, Protheus Er. Alberus nov. dict. (1540) o 3ᵇ; dückisch astutus, dolosus Henisch 761: aber las also sein, das ich euch nicht habe beschweret, sondern dieweil ich tückisch war, hab ich euch mit hinderlist gefangen 2. Cor. 12, 16;
(die frauen sind) nicht tückisch, verschlagn, vertrogn
Hans Sachs 1, 210 lit. ver.;
dieser (papst), weil er eins hohen sinns und gar tückisch, daneben allzeit erbar war Forberger Jovii beschr. (1570) 1, 7;
wiewol der tyrann tückisch war,
ward doch sein anschlag offenbar
Kirchhof wendunmuth 2, 67 Ö.;
tückisch und listig seyn, wann es die noth erfordert ..., das ist nutz und nothwendig Lehman floril. polit. (1662) 3, 24; dieser geringe und wohlbekante landsmann (ist) verschlagen und tückisch Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 138, vom sperling gesagt; hierzu: nachmals so sein die hirtzen (hirsche) auch solcher tückischer natur, das sie gar wol wissen, das sie die jaghund mehr an seinem athem und laufklauen dan sonst andern iren glidern auszzuspähen pflegen Sebiz feldbau (1579) 585.
2)
die hauptbedeutung bezieht sich seit dem auftreten des wortes auf die negative moralische kennzeichnung der handelnden person, ihres charakters, der äuszeren merkmale, ihrer denkungsart, ihrer handlungen u. s. w., schlieszt sich also an tuck 5 u. 6 (sowie tücke 2) an im sinne 'in böswilliger und hinterhältiger weise auf schädigung einer andern person bedacht', vgl. dückisch subdolus (obd. voc. a. d. 15. jh.) Diefenbach-Wülcker 373; tückisch, boszhaftig, arglistig, trughaftig fraudulentus Frisius 583ᵇ, dückisch im Frankf. druck des renner 76ᵃ für drughaftich in v. 14954 Ehrism.; im älteren nhd. ist der beisinn des hinterlistigen, ränkevollen nicht immer greifbar.
a)
von einer person.
α)
allgemein: dem geschicht billich als dem hasen und dem vogel, die inen selbs einen richter welten, den muszhund, do sie in sahen vasten und betten, und sich daby erberkeit zuͦ im versahen, wiewol er daby tückisch was buch d. beisp. 106 Holland; ich ... habe nicht gemeynschaft mit den tuckischen (später von Luther geändert in: heuchlern, falschen) ps. 26, 4, s. dt. bibel 1, 478 W.; wiwol der papst, als ein kluger, tückischer gesell, sich stellt, als wollte er gerne ein concilium haben tischr. 4, 495 W.; Italiäner sind die allerlistigsten und tückischsten leute ebda 2, 48;
Murner ist ... böss und ... tücksch
Rollenhagen froschmeuseler (1595) j 5ᵇ;
weil ir doch noch gern seit betrogen
und bei der nasen umbgezogen
von jedem scheingelehrten gsellen,
der sich kan dückisch heylig stellen
Fischart s. dicht. 2, 334 Kurz;
wenn aber unredliche, tückische und betriegliche leute ... mit einander im bunde ... stehen Reinicke fuchs (1650) 39; ihr von dem tückischen Nero dannoch sehr misdünkte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 778; sie (haben) die völcker wild, misztrauig, listig, tückisch und feindlich wider sie angetroffen Olearius verm. reisebeschr. (1696) 83; so gottes geist im menschen regieret, so ist er nicht tückisch, lügenhafft Jac. Böhme apologia (1682) 175; tückisch ist er, nicht klug Göthe I 13, 1, 255 W.; äuszerlich bettelhaft kriechend, ist er hinterher tückisch und eingebildet (1820) J. Grimm briefw. 1, 194 Leitzmann; das furchtbarste spionagewesen macht sie falsch, tückisch, boshaft Ritter erdkde (1822) 4, 969; Fritz ist nicht unartig, boshaft, lügnerisch, tückisch oder von falschem gemüth maler Müller w. (1811) 1, 279; jedermann nannte ihren jungen tückisch und verschlossen A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 270.
β)
als nähere bestimmung oder verstärkung neben einer personenbezeichnung, die in sich schon die negative bewertung trägt: und fürest in die wüste viertausend tückisch mörder Züricher bibel (1531) 262ᵃ; denn es ist nicht ein schlechter, sondern der allerlistigste und tückischste spötter Luther tischr. 3, 152 W.; ein tückischer böszwicht stellio Er. Alberus nov. dict. (1540) i i 4ᵇ; das eben schien dem tückischen bösewicht rechte freude zu machen E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 98 Gr.; durch seine larve hindurch erkenn ich den tückischen heuchler Gerstenberg Ugolino 253 Hamel; geh, tückischer schmeichler! Klinger w. (1809) 3, 52; seine rothe augbrauen ... verkünden eher einen alten tückischen betrüger J. M. Miller briefw. (1778) 1, 97. etwas anders, mit stärkerer betonung des hinterhältigen der tückische feind: es ward des Türken gedacht, wie dasz er ein listiger, tückischer feind wäre Luther tischr. 1, 449 W.; unter stetigen angriffen des tückischen feindes Mommsen röm. gesch. 5, 366; (dem unmut,) dem tückischen erbfeinde des menschengeschlechtes Holtei erz. schr. (1861) 2, 78; (er) sprang auf den tückischen angreifer los M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 5, 221; das deutsche volk ... innen und aussen von tückischen feinden bedroht Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 285; hierher: (er gebe euch) friede von dem bösen tückischen fleisch und blut Luther br. 11, 93 W. als typisches beiwort namentlich von mythischen fabelgestalten wie zwerge, dämonen u. s. w.:
... den weg zu ihr
bewacht das tückische geschlecht der zwerge
Hebbel w. 4, 15 W.;
habe ich mit allerlei tückischen kobolden zu thun gehabt (1885) G. Freytag br. an s. gattin (1912) 16; der tückische feuermann hätte fast den sieg erhalten Storm s. w. (1898) 2, 242.
γ)
in gleicher bedeutung prädikativ oder adverbiell: was mag bösz tuckischer seyn denn sie (die Pariser gelehrten) Luther 8, 304 W.; denn so bald ein Deutscher in Italien den epicurismus gelernt hat ..., so ist er viel ärger und tückischer denn ein wal ders. tischr. 4, 79 W.; man sol ufrichtig und nit dückisch oder dopel handlen Murner an d. adel 41 ndr.; Justinus aber handelte so tückisch, dasz er das gold in seinem eigenen namen austheilete G. Arnold kirch.- u. ketzerhist. (1699) 253ᵃ;
und was tückisch auf mich hält
ist vorausz die böse welt
Simon Dach 595 Österley;
hüt dich für denen, die tückisch schweigen Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, j i 5ᵇ;
der uns allen ein feind nur tückisch lauret
Herder 26, 112 S.;
... da schleicht vom hinterhalt
der feind ihm tückisch nach
Collin Regulus (1802) 38;
indem der bildhauer Bandinello sich eifersüchtig und tückisch gegen ihn beträgt Göthe I 44, 158 W.; (das) ist dem Niederländer fremd, der listig ist, aber nicht tückisch Schiller 7, 45 G.; laszt sie doch gehn, sprach er tückisch, dasz sie euch taranteln fange Novalis schr. 4, 196 M. im bilde:
doch tückisch harrt das lebewohl zuletzt
Göthe I 3, 20 W.
b)
in bezug auf die charakterliche gesamthaltung eines menschen oder die psychischen organe, die als sitz der sinnesart gelten: des menschen hertz ist so heylosz und tückisch, das es niemand auszgründen kan Luther 52, 77 W.; (der bischof von Mainz) ist ein subtiler tuckischer kopff, das er eine sach durch zwey hendel treiben kan ders. tischr. 5, 285 W.; syntemal ... dem geytz und der bösen, tuckyschen eygennutzigen natur thür und fenster aufgethan (ist) Luther 15, 304 W.; erzeigt er sein tückische art Stumpf Schweizerchron. (1606) 607ᵇ; auff das nit durch den guten scheyn einreyssze der falsch tuckische und boszguter wil Luther 2, 103 W.; diese verrücktheit (ist) mit bösem tückischen willen verbunden Hegel w. (1832) 18, 186; gott verleihe mir so viel gnade, ... dasz ich ihm das boszhafte, tückische herz rühren möge Bucholtz Herkuliskus (1665) 376; Napoleons tückisch herze Ditfurth volksl. d. bayer. heeres (1871) 80;
es hat zum wenigsten an ihm der ausspruch statt
dasz er ein tückisches und schlimm gemüthe hat
Chr. Fr. Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 400;
sie verstand ..., ob sie gleich kein tückisches gemüth hatte, mit groszer vorsicht aufzupassen, wo des andern schwache seite sein möchte Göthe I 21, 169 W.; (die freier,)
die so gewaltsame thaten mit tückischer seele beginnen
J. H. Voss Odyssee 26 v. 237 Bernays.
c)
von der äuszeren erscheinung des menschen und des tiers, einzelnen ihrer teile, die auf hinterhältige und arglistige gesinnung deuten oder sie ausdrücken, 'tücke anzeigend, ausdrückend'; hier mag für das sprachgefühl auch tucken = nd. ducken 'niederdrücken' mit hereinspielen. ähnlich schon in übertragung: (der tolle hund) hat ein traurig, dückisch gesicht Ryff chirurg. (1559) 96ᵇ; unfreundlichen ansehens und tückischer geberden Guarinonius grewel (1610) 63;
und wünscht die seeligen freuden
mit tückischen mienen auch sich
Joh. Chr. Rost verm. ged. (1769) 93;
schlaffe, tück'sche züge künden,
was verbarg der stolze tritt
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 204;
es mag würde ... hinter seiner kalten tückischen erscheinung sein Pückler briefw. (1873) 1, 183; vom wolf:
seinen tückischen, verdrehten, schielen blick
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 13;
ihr bürger, konntet ihr den Sinon
nicht an dem tückischen blick erkennen?
Herder 27, 114 S.;
die kleinen tückischen mausaugen Schiller 3, 365 G.; er begleitete diese worte mit einem tückischen seitenblicke Göthe I 21, 202 W.; täppische und tückische hände griffen nach deinem schönen schmetterling Storm s. w. (1898) 4, 236; mit ihrem tückischen lächeln Giseke poet. w. 118 Gärtner; dieses verhältnisz von stirn und nase, das tückische beugen, das durch die überstrebenden falten noch vermehrt wird, bezeichnen ihn hinlänglich Göthe I 37, 334 W.; nur Theodor bewahrte haltung, eine lächelnde, tückische haltung E. Wiechert d. kl. passion (1929) 243; die augen in seinem kleinen kopf waren tückisch geworden H. Mann d. untertan (1949) 43. ebenso prädikativ oder adverbiell:
sein augen schiesen wie ein schlang
und sicht sawer, dückisch und strang
Hans Sachs 22, 224 lit. ver.;
Ulysses, der fürsichtig man
Atridem sahe dickisch an
J. Spreng Ilias (1610) 46ᵃ;
sie sieht unter ein paar niederhangenden augenbraunen wild hervor und schielt tückisch um sich herum Rabener s. schr. (1777) 4, 203;
(er) klagt und zeigt sein brennend herz
der tückisch lachenden Neären
Wieland I 1, 316 akad.;
wie würde das balg erst tückisch grinsen Cl. Viebig die vor d. toren (1949) 195.
d)
neben substantiven, die eine negativ bewertete sinnesweise, einen affektzustand oder deren sichtbare erscheinungsform ausdrücken, 'aus tücke hervorgehend, tücke beweisend': mit seiner tuckischen heuchley Er. Alberus widder Jörg Witzeln (1539) g 7ᵃ; deine tückische schadenfreude, deine rachsucht Lessing 2, 183 L.-M.; diese tückische grobheit gegen den früheren recensenten Göthe IV 21, 468 W.; der tückische neid E. M. Arndt w. 6, 72 R.-M.; nun zum dank verrath und tückscher groll E. Raupach dram. w. (1835) 8, 122; der ausdruck seines gesichts wechselt ... zwischen zuthulichkeit und tückischem trotz O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 169; wie diesen ... zu helfen ist von ihrem tückischen eigensinn Bettine dies buch (1843) 1, 275;
ihm wehrt nur tücksche laune,
mich zu ehren, wie er müszte
Hebbel w. 6, 440 W.;
ähnlich: (der kragen), der mit tückischer hartnäckigkeit zu den ohren seines eigenthümers emporstrebte M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 153; keinen halt gab es mehr und keinen frieden, nur noch tückisches misstrauen aller gegen alle O. M. Graf unruhe (1948) 142. — ebenso wird bei substantiven der tatabsicht durch tückisch die seelische haltung des handelnden bezeichnet:
wie? oder ist es nur ein tückischer versuch?
anmuth. gelehrsamk. (1751) 1, 861 Gottsched;
diese fremden hunde (haben) nur die tückische absicht, auszuforschen, was in einem hause vorgeht Rabener s. schr. (1777) 1, 196; der tückische wunsch ... ist nicht in erfüllung gegangen Hebbel w. 8, 218 W. formelhafte verbindungen: als sie jetzt zwen tag forthgezogen, haben sich die gemeldten (barbari) versamlet, den Carthaginensern nachgevolget, dieselben, als sie durch ein vnwegsam vnnd gaͤhes thal durch zohen, tückischer weisz angewendt W. Xylander Polybius (1574) 153; ihr aber habt ... tückischer weisz gehandelt H. W. Kirchhof mil. disc. (1602) 86; ehrliche leute mit solchen famosschriften tückischer ... weise graviren und beschweren Schupp schr. (1663) 620; (er haszt) zwar nicht ohne ursache, doch aber auf tückische und verruchte weise den Guelfen Ugolino Göthe I 40, 320 W.; er hätte mich auf eine so tückische art hintergehen wollen theater d. Deutschen (1768) 12, 425; er hatte eine ganz eigene tückische manier, die treuherzigkeit, mit welcher ihm etwas gesagt wurde, ins lächerliche zu ziehen G. Keller ges. w. (1889) 1, 341.
e)
im gleichen sinne häufig neben substantiven, die handlung und ergebnis ausdrücken. determinierend und wertend bei neutraler tatvorstellung: dieser Carolus lait gar vil tückisch stuck von Thaxilo (Nürnb. 1488) städtechron. 3, 59;
dann er hat heint vergangne nacht
ein blind' tückische that volbracht
W. Spangenberg bei Dähnhardt griech. dram. 2, 64;
der Teukrische, trifft er dem Pele den
mit einem tückschen schlag die rüstung prasselnd
H. v. Kleist w. 2, 27 Schm.;
ein tückischer schusz Göthe I 15, 295 W.; tückische bisse H. Seidel Leb. Hühnchen (1899) 120; die tückische politik Alexanders Klinger w. (1809) 3, 217. charakterisierend bei substantiven, die selbst bereits eine moralisch verwerfliche tat ausdrücken: seyn (Herodis) falsch, tuckisch gleyssen Luther 10, 1, 1, 680 W.; ja freylich ein tückische luͤgen Ulr. v. Hutten op. 2, 197 B.; er (hat) mir eine art von tückischem streich gespielt Göthe IV 13, 35 W.;
bis in den schosz der mutter fürchtet ihr
der arglist schlingen, tückischen verrath
Schiller 14, 28 G.:
den abgeschmackten vorwurf tückischen meuchelmords L. Häuszer dtsche gesch. (1854) 1, 513. ebenso bei sonstigen äuszerungen des durch hinterlist bestimmten denkens und handelns: ich kenne des teufels list und behende, tückische griffe Luther tischr. 6, 88 W.; stille, heymliche, tückische anfechtunge des teuffels ders. w. 15, 30 W.; solcher tückischer, unwarhaftiger exempel ist das gantz Luthertumb voll Joh. Nas antipap. 1 (1567) 113ᵃ; ein offenbarer religionsspötter ist der verfasser dieses tückischen buches Zimmermann über d. einsamkeit (1784) 2, 105; die übrigen einwendungen sind bedenklicher, weil sie tückisch sind Thibaut notwendigkeit (1814) 447; nie würde er ... darauf gekommen seyn, dasz diese tückischen anzeigen von ihnen herrührten Caroline 1, 281 Waitz; die kühnen und tückischen rathschläge Nitzsch dtsche studien (1879) 253; und mit grimm las Simone, was für tückische mittel die schar der richter anwandte Feuchtwanger Simone (1950) 233. 'betrügerisch': durch unrechtmessig unbillich duckisch practik zu erlangen, das inen sunst durch eer recht und billichhait nit gedeihen mag chron. d. st. Bamberg 2, 313 Chroust.
f)
in anwendung auf tiere teils allgemein das unberechenbar launische und störrische verhalten (vgl.tücke 3 c), teils ein menschenähnlich hinterhältiges, bösartiges handeln bezeichnend: so bald er (der büffel) aufgewachsen, ist er tückisch und launig Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 32; ein tückisch rosz bessert sich nie Klinger w. (1809) 1, 96;
mein pferd, ein ungebändigt tückisches
H. v. Kleist w. 1, 24 Schm.;
als 'hinterhältig, listig': doctor lügner, du tückischer fuchs! Luther 18, 93 W.; tückisch wie ein schmauchender fuchs J. Mathesius Syrach (1586) 122ᵃ; als ein lichtscheuender tückischer fuchs Gottsched anmuth. gelehrs. (1751) 6, 522; als ein tückisch schlenglein J. Mathesius Sarepta (1571) 72ᵃ;
weit schlimmer ist des lasters gift,
als gift der tückschen schlange
Z. Becker Mildheim. liederb. (1799) 81;
vast grosz grüslich dückisch wölf bei Schade sat. u. pasqu. 3, 14; wie dem groben esel und tückischen wolf Moscherosch gesichte (1650) 546; ain herre hett ainen tückischen hund Steinhöwel Äsop 267 lit. ver.; als einer schlange oder einem tückischen hunde Lenz ges. schr. (1828) 1, 13; als schimpfwort tückscher hund Frischbier 414ᵇ.
g)
ein festes anwendungsgebiet sind personifiziert gebrauchte begriffe wie glück, zufall, schicksal u. s. w. (vgl.tücke 4), die als hinterhältig empfunden werden, da ihr wechselndes verhalten sich der menschlichen berechnung entzieht: das blinde ... tückische glück ... Treuer dtsch. Dädalus (1675) 1, 672; das tückische glück der Syrenen art an sich hat Grimmelshausen Simplic. 255 Scholte; und doch lag eine tragische notwendigkeit in dem tückischen zufall Treitschke dtsche gesch. (1897) 1, 330; schicksal, ... oder wie du sonst heiszest, tückische macht, die die welt regiert Raupach dram. w. kom. gattung (1829) 4, 231; der krieg ... bewährte eine tückische unbeständigkeit Mommsen röm. gesch. 2 (1865) 12; ihn hatte böser wille der armeeleitung oder ein tückischer zufall ferngehalten Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 78. so in fester verbindung von einer tückischen krankheit: die tückische seuche Hebbel w. 8, 307 W.; man sieht es wieder, wie lange sie nachschwingen, diese tückischen fieber Carossa d. arzt Gion (1931) 26.
h)
bei dingbezeichnungen erweitert sich in neuerer sprache diese zunächst in poetischer übertragung personifizierend gebrauchte bedeutung 'arglistig und hinterhältig schadend' zu 'plötzlich oder überraschend gefahr bringend, trügerisch, gefährlich', ohne dasz die personifikation noch gefühlt wird, vgl. mundartlich: ticksch 'vom wetter gesagt, wenn es recht unangenehm naszkalt ist' Kleemann nordthür. 23ᵇ: die küste des festen landes ... hat stürmische winde ..., tückischen sand Fr. L. Jahn w. 2, 436 Euler; wenn ... die sommersonne den tückischen schnee aufgezehrt (hat) Steub drei sommer (1895) 2, 393; ringsum stark aufschieszende felsen und zur linken die tückische firnfläche R. Stratz (1897) d. weisze tod 15; ob er denn nicht wisse, wie tückisch die thauluft dieser ebene sei A. Stifter s. w. 3 (1911) 244; endlos dünkte ihm die breite des tückischen stroms G. Freytag ges. w. 11 (1887) 301;
ruhvoll um klippen überm tückschen grunde
lenk ich mein schiff, wohin die sterne winken
Eichendorff s. w. (1864) 1, 364;
und steuerlos an tückischen gestaden
sah ich mein schiff auf schlechter sandbank stranden
Brentano ges. schr. (1852) 6, 8;
den tückischen wein Ramler lyr. ged. (1772) 92; vor allem macht mir eine tückische stiege, grade neben seiner thür, sorge (1842) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 116 Sch.-K.; wie die alten ein besonders tückisches meer den 'wohlgesinnten Pontus' nannten Werfel Bernadette (1948) 45. anders 'arglistig aus dem hinterhalt gebraucht': nach dem schnellen absterben seiner ... ältern, das einem tückischen gifte zugeschrieben wurde Arnim s. w. 3 (1840) 311; fürchte den tückischen pfeil! Geibel ges. w. (1883) 5, 159.
3)
in jüngerer zeit schwindet das moment des hinterhältigen, versteckten.
a)
im sinne 'trotzig, störrisch, verstockt', ähnlich vielleicht schon:
es sei kain got, tut œr tukkisch gedenken
Schede-Melissus psalmen 39 ndr.;
Peter wurde zornig und hielt den kopf (den sprechenden zauberkopf) für tückisch und verstockt, dasz er nur aus eigensinn nicht antworten wollte Tieck schr. (1828) 9, 127; (er) grunzte etwas zwischen den zähnen her und ward zuletzt so tückisch, dasz er kein wort mehr sprechen wollte J. G. Forster s. schr. (1843) 1, 181; er ist tückisch, sagten einige; denn er thut das maul nicht auf W. Alexis hosen (1846) 1, 50; ich stand tückisch-trotzig (im zimmer meines vormunds) W. Raabe s. w. I 6, 55; Mila sehr beleidigt mit tückisch vorgeschobener unterlippe Kahlenberg familie Barchwitz (1992) 10; aber wenn soldaten ... anfangen, tückisch zu werden, da kann man nicht lange zusehen Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 350. dialektisch: tücksch 'trotzig, von einem kinde, das sein unrecht nicht eingestehen und nicht abbitten will' H. Meyer d. richt. Berliner 179ᵇ; 'schmollend, verdrossen, unzufrieden' Block Eilsdorf 99.
b)
als 'ärgerlich, zornig': (der ärger) kochte heimlich fort, obgleich alles mich hätte sollen zur freude, zur nachgiebigkeit stimmen. im gegentheil wurde ich nur noch tückischer, als man eine laute brachte und meine schöne ihren gesang zur bewunderung aller übrigen begleitete Göthe I 25, 148 W.; der lehrer fluchte, wenn er tückisch war, wie ein bootsknecht Laukhard leb. u. schicks. (1791) 1, 30; oft wurde sie so tückisch, dasz Lucinde manche arbeit dreimal thun muszte, nur damit ihre peinigerin ihren willen hatte Gutzkow zaub. v. Rom (1858) 1, 32; da ward der stiefbruder tückisch Brentano ges. schr. (1852) 4, 178; mundartlich tücksch: immer wutscht er einem durch die finger, mitunter könnt man rein tücksch werden Simpson die Barrings (1939) 686. wie böse, mit der präpos. auf, seltener gegen: weswegen einige, besonders neuere litteratoren, ganz tückisch auf ihn sind Gleim briefw. 2, 416 K.; ich bin nur noch tücksch auf die da, dasz sie so wenig fiduz hat auf mich Holtei erz. schr. (1861) 13, 235; ick bin so tücksch uf den kerl H. Mfyer d. richt. Berliner 179ᵇ; aber so lange ich lebe, sollen sie ihn nicht tückischer gegen mich machen als er es schon ist Fr. H. Jacobi w. (1812) 1, 81. — anders, adverbial als verstärkung gebraucht: tükisch arbeiten, tükisch essen Schöpf Tirol 775.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1533, Z. 10.

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Zitationshilfe
„dückisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/d%C3%BCckisch>, abgerufen am 15.06.2021.

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