Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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dunkele, dunkel, dunkle, dünkle, f.

dunkele dunkel dunkle dünkle, f.
wie dunkelheit im eigentlichen und uneigentlichen sinn. ahd. tunkalî, tunkal Graff 5, 435, mhd. tunkel Ben. 3, 131ᵃ, finstere, tünkle Lex. trilingue. tunkele caligo Frischlin Nomencl. 13. bair. dunkel dunklé dünklé Schmeller 1, 385. in Tirol dünkle Frommann Mundarten 3, 111. wann ein mensche aus der tunkle seines gemütes kumpt Keisersberg Sieben scheiden cc 4ᵃ. damit wir nicht in derselben dunkel und finsternis irre gehen Luther 4, 90ᵃ. dünkle tenebrae, caligo, schwarze dünkle caligo picea, unbehutsame dünkle, da sich der mensch nit wol hüten kan, incautae tenebrae Maaler 93ᵇ. tünkle tunkelheit 411ᶜ. dunkle obscuritas Schönsleder L 4. dunkele der augen schwarzer staar amaurosis Henisch 767. die zeit in ansehung der helle und dunkle Campe 5, 964.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1540, Z. 3.

dunkel, n.

dunkel, n.
wie dunkelheit obscuritas.
1.
eigentlich. aber Mose machte sich hinzu ins tunkel da gott innen was 2 Mos. 20, 21. und ward da finsternis, wolken und tunkel 5 Mos. 4, 11. und als sie auf dem esel reit und hinab zog im tunkel des berges 1 Sam. 25, 20. er neigete den himel und fuhr er ab (herab), und tunkel war unter seinen füszen 2 Sam. 22, 10. der herr hat geredt er wolle im tunkel wonen 1 Könige 8, 12. finsternis und tunkel müssen in (den tag) uberweldigen und dicke wolken müssen uber im bleiben Hiob 3, 5. die nacht müsse ein tunkel einnehmen 3, 6. ehe denn ich hin gehe und kome nicht wider, nemlich ins land der finsternis und des tunkels (in den Hades), ins land da es stockdicke finster ist und da keine ordnung ist und da es scheinet wie das tunkel 10, 21. 22. er öffnet die finstern gründe und bringt es aus dem tunkel an das liecht 12, 22. und da ichs mit wolken kleidet und in tunkel einwickelt wie in windeln 38, 9. wolken und tunkel ist umb in her Psalm 97, 2. die da sitzen musten in finsternis und tunkel, gefangen in zwang und eisen 107, 10. 14. der gottlosen weg aber ist wie tunkel, und wissen nicht wo sie fallen werden Sprüche Sal. 4, 19. die augen der blinden werden aus dem tunkel und finsternis sehen Jesaia 29, 18. so wird dein liecht in finsternis aufgehen und dein tunkel wird sein wie der mittag 58, 10. denn sihe, finsternis bedeckt das erdreich und tunkel die völker 60, 2. ir fürst wird auf der schulter tragen im tunkel 12, 12. ein tag der finsternis und tunkels Zephanja 1, 15. irrige sterne welchen behalten ist das tunkel der finsternis in ewigkeit Judä 13.
o welch geheimnis
und welches dunkel herrscht rings um uns her!
Joh. El. Schlegel.
(mitternacht) geusz deines dunkels schrecken aus
Voss 4, 225.
ihn bettet gott zu süszer ruh
und zieht des dunkels vorhang zu
4, 271.
schnell umhüllt ihm die augen ein mitternächtliches dunkel
Ilias 5, 659.
jetzo wie hoch aus wolken umnachtetes dunkel erscheinet
5, 864.
oder ich fasz und schwing ihn hinab in des Tartaros dunkel.
8, 13.
durchwandelnd der nacht stillfliehendes dunkel
10, 394.
und absinket die sonn und heiliges dunkel heraufzieht
17, 455.
als die sonne nunmehr absank und das dunkel herauf zog.
Odyssee 10, 478.
und wie gepflegt, im kreis lykomedischer jungfraun,
Peleus sohn, den in dunkel geschwundenen, Deidamia
ders. Bion 7, 9.
da setzten sie sich ins dunkel und sungen dasz es durch berg und thal erscholl Stilling Jugend 2, 66.
goldne bilder
steigen aus der gewässer klarem dunkel
Matthisson Ged. 62.
im nächtlichen dunkel
treffe dein leuchtender blitz diesen unglücklichen mast
Göthe 1, 302.
ha, ich kenne dich, Amor! da bringst du
deine fackel, und sie leuchtet im dunkel uns vor
1, 371.
schau, im zweifelhaften dunkel
glühen blühend alle zweige
5, 190.
von dem würdigen dunkel erhabener linden umschattet
40, 284.
und sie waren zum weinberg gelangt und traten ins dunkel.
40, 320.
die (pforte des Aïs) ihm, so nahe sie klafft, noch nächtliche dunkel umhüllen
40, 358.
so halten wir den ewig jammernden
im dunkel hier verborgen
Schiller 238ᵇ.
das dunkelste aller dinge, ja das dunkel selbst nach einigen, ist die materie Schelling Weltseele, vorr. xix.
dennoch in verliebtem drange
wandl ich durch das grause dunkel
Uhland Ged. 191.
ein liebendes mädchen von deinem (der buche) dunkel umduftet
Mörike Ged. 111.
vor aus dem dunkel nun trat er und stand von der leuchte beschienen
ders. Idyll 138.
so standen sie, geschützt von dem dunkel, eine weile Gutzkow Ritter v. geiste 6, 165.
2.
uneigentlich. und du sprichst 'was weis gott? solt er das im tunkel ist richten können?' Hiob 22, 13.
kein blick der hoffnung heitert im trüben licht
der seele dunkel.
Hölty 66.
auch des edeln schlummernde gebeine
hüllt das dunkel der vergessenheit.
Matthisson Ged.
der vergangenheit entferntes dunkel
Gotter 1, 329.
die hochgestalt aus altem dunkel
Göthe 40, 403.
wo ich in Leipzig in studentischem dunkel und dünkel umherging 45, 285. nur ihre mutter blieb in ehrwürdigem dunkel, die tochter sprach nicht über sie 48, 37.
doch nicht erkühnt ich mich was du vor mir
in tiefes dunkel hüllst, dir abzufragen.
Schiller.
wo mit vernunftgründen und aus lauterem interesse an der wahrheit gestritten wird, streitet man niemals im dunkeln; das dunkel tritt nur ein, wenn die personen die sache verdrängen Schiller gegen Bürgers vorläufige antikritik.
das gräulichste ward stäts im dunkel ausgebrütet
Tiedge.
ich lüftete das mysteriöse dunkel, in das er sich zu verbergen suchte Gutzkow Ritter v. geiste 4, 29.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1536, Z. 78.

dunkel, f.

dunkel, f.
s.dunkele.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1539, Z. 51.

dunkel, adj. und adv.

dunkel, adj. und adv.
des lichts beraubt, finster, obscurus, caliginosus, ahd. tunkal Graff 5, 434, mhd. tunkel Ben. 3, 131, tunker Merigarto 8, 4. altsächs. duncal und duncar, altfries. diunk diunker dionker Richthofen 688ᵇ, niederl. doncker Teuthonista 76. Kilian 111, niederd. dunkel Schütze Holstein. idiot. 1, 271. Schambach 51ᵃ, altnord. döckr, niger, schwed. und dän. dunkel. als stammwort ist in der Gramm. 2, 60 ein verlorenes verbum dinkan dank dunkun angesetzt. die strenghochd. tenuis fieng im 15ten jahrhundert an in die niederdeutsche media überzugehen, die jetzt allgemein angenommen ist. dunkel Eychmann Voc. praed. c iiij, Dasypod. 23ᵃ. 317ᶜ, Luther schreibt in der bibel ohne ausnahme tunkel, wie noch Stieler am ende des 17ten jahrhunderts. dagegen schwanken der Voc. incip. teut. d 4 und y 4, Maaler und Henisch.
1.
nicht hell, dämmernd, düster, trübe, schwärzlich, finster, caliginosus Dasypod. 23ᵃ. ein dunkeler körper der kein eigenes licht hat. eine dunkele stube in die wenig tageslicht fällt. der vorhang vor dem fenster macht das zimmer dunkel. man treibt einen wald dunkel, wenn man ihn nicht völlig auslichtet und samenbäume stehen läszt. es wirt dunkel noctescit Dasypod. 317ᶜ. Henisch 767. Stieler 2363. Rädlein 205ᵃ. dunkel machen nubilare, obfuscare Voc. incip. teut. d 4. Dasyp. 317ᶜ, braun oder dunkel machen, verdünkeln Fries 596ᵇ, verdunkeln, verblenden Henisch 767, obducere clarae rei tenebras Frisch 1, 211ᵃ. mein gestalt ist tunkel worden (hat die gesunde farbe verloren) für trawren, und alle meine glieder sind wie schatten Hiob 17, 7. nu aber ist ir gestalt so tunkel fur schwerze das man sie auf den gassen nicht kennet Klagel. Jerem. 4, 7. wenn der allmechtige hin und wider unter inen könige setzt, so wird es helle wo es tunkel ist Psalm 68, 15. in der demmerung am abend des tags, da es nacht ward und tunkel was Sprüche Sal. 7, 9. die sonne geht finster auf und der mond scheint tunkel Jesaia 13, 10. ehe denn es finster werde und ehe ewre füsze sich an den tunkeln bergen stoszen Jerem. 13, 16. du solt es auf deine schulter nemen fur iren augen, und wenn es tunkel worden ist eraus (heraus) tragen Hesekiel 12, 6. 7. alle liechter am himel will ich uber dir lassen tunkel werden, und will ein finsternis in deinem land machen 32, 8. ein finster tag, ein tunkel tag, ein wolkiger tag, ein neblicher tag Joel 2, 2. denn des herrn tag wird ja finster und nicht liecht sein, tunkel und nicht helle Amos 5, 20. das liecht das scheinet in einem tunkeln ort 2 Petri 1, 19. dunkeler finsterer oder heimlicher eingang aditus caecus Maaler 93ᵈ. dunkle laternen das. do es schon nacht oder dunkel war das. gar tunkel und finster, trüb wetter tempus tenebrosissimum 413ᵈ. dunkle luft aer tenebrosus Henisch 768. alte kirchen haben dunkele (trübe) gläser Eyering 1, 49. 2, 557. Henisch 768. dunkeles glas undurchsichtiges Frisch 1, 211ᵃ. dunkel farb lentus color Schönsleder L 4. dunkele luft nubilus aer Henisch 768. dunkele mettenen matutinae tenebrarum das. dunkeler nüblicher tag dies crassus nubilus Frisch 1, 211ᵃ. tunkele nacht nox opaca Stieler 2363. tunkeler stern stella nebulosa, obscurior das.
so lang die pilgrimsjahre währen,
irr ich im dunkeln wald, wo zweifelhaftes licht
durch dichte zweige dämmernd bricht
Uz 1, 230.
dunkler dämmert die flur, tief in das nachtgewölk
schwindet Hesper.
Friedr. Hahn Sehnsucht im Götting. musenalmanach 1773 s. 202; vergl. Millers ged. 37.
wie wenn stürmischer regen das dunkele land ringsum deckt.
Voss.
dunkeles meist und dem drucke der schar fettscholliges erdreich
und von lockerem mulm (denn lockerung ahmet der pflug nach)
dient dem getreide.
Voss Virgils landbau 2, 203.
so düster es oft und so dunkel es war
Göthe 1, 137.
dunkel brennt das feuer nur augenblicklich und dampfet,
wenn das wasser die glut stürzend und jählings verhüllt.
1, 268.
was spelunke nun sei, verlangt ihr zu wissen? da wird ja
fast zum lexicon diesz epigrammatische buch,
dunkele häuser sinds im engen gäszchen.
1, 367.
bei dem dunklen schein einer kerze 17, 365. den düstern zustand der gemüther kann man an den düstern kirchen und dunkeln und traurigen klöstern jener zeiten am besten erkennen 43, 41.
der braunen locken dunkle ringe
seh ich des weiszen halses edle form beschatten.
Schiller.
lasset uns folgen ins wilde gehölz,
wo die wälder am dunkelsten nachten.
497ᵃ.
die farbenwelt der ideale ist noch in eine dunkle knospe zusammengezogen J. Paul Herbstblumine 3, 1.
o legt mich nicht ins dunkle grab,
nicht unter die grüne erd hinab.
Uhland.
In beziehung auf die sehkraft heiszt es schwach, blöd, wie mit einem schleier bedeckt, halbblind. es ward ihm dunkel vor den augen. die augen sein (sind) dunkel, der leib schwer Albr. v. Eybe 102ᵃ. wiewol der vatter (Esau) blinzlet mit den augen, sicht und sicht doch nit wol und hat dunkele augen Keisersb. Sünden des munds 16ᵃ. und es begab sich, da Isaac alt war worden das seine augen tunkel worden zu sehen 1 Mos. 27, 1. denn die augen Israel waren tunkel worden fur alter und kund nicht wol sehen 1 Mos. 48, 10. 1 Sam. 3, 2. 4, 15. seine augen waren nicht tunkel worden, und seine kraft war nicht verfallen 5 Mos. 34, 7. ir arm muste verdorren und ir rechtes auge tunkel werden Zachar. 11, 17. dillen gessen macht ein dunkel gesicht Mich. Herr Veldtbaw (1545) 107ᵇ. Rädlein 205ᵃ. dunkele blöde augen, gesicht oculi caligantes Henisch 767. Stieler 2363. dunkele augen des yeux éblouis Rädlein 205ᵃ. ein dunkeles gesicht hebes oculorum acies Frisch 1, 211ᵃ.
herr, mein gesicht, gaist, herz
wirt dunkel, schwach, zaghaft
Weckherlin 275.
sein blick ward dunkel und nacht lag
dicht um ihn her
Klopstock.
Dunkele farben sind schwärzliche. die farben eines gemäldes werden dunkel, dunkeln nach. dunkle farb die nit iren lieblichen schein hat Maaler 93ᵈ. dunkele, finstere, schwarze farb furvus, ater color Henisch 767. dunkele, grosze, trübe farben colores austeri das. dunkele farbe color fuscus Rädlein 205ᵃ. Steinbach 1, 305.
(du, wehmuht, die) in Florens bunte kronen
ein dunkles veilchen webt
Salis 22.
kennst du das land wo die citronen blühn,
im dunkeln laub die goldorangen glühn?
Göthe 1, 177.
prangt mit den farben Aurorens, ranunkeln, tulpen und astern!
hier ist ein dunkles blatt das euch an dufte beschämt.
1, 393.
wenn der adler in dunkler blauer tiefe, unter mir, über felsen und wälder schwebt 16, 199. vergl.dunkelblau, ↗dunkelbraun, ↗dunkelgelb, dunkelgrün, dunkelrot, dunkelviolett, helldunkel. soll tiefes schwarz ausgedrückt werden, so sagt man schwarzdunkel, stichdunkel, stockdunkel.
2.
uneigentlich.
a.
wovon der sinn nicht offen liegt, was unklar ist, ungewis, unverständlich, verhüllt, geheimnisvoll. er hatte davon nur einen dunkeln begriff, eine dunkele ahndung. er fühlte dunkel dasz es so kommen würde. der erfolg ist noch dunkel. die zukunft liegt dunkel vor uns. er spricht und schreibt dunkel. in dem brief ist eine dunkele stelle. und er sihet den herrn in seiner gestalt, nicht durch tunkel wort oder gleichnis 4 Mos. 12, 8. verstand und klugheit trewme zu deuten, tunkel sprüche und verborgen sachen zu offenbaren Daniel 5, 12. wir sehen itzt durch einen spiegel in einem tunkeln wort 1 Cor. 13, 12. er (Carlstad) liesz auch ein büchlein ausgehen, damit er widerrief ausz falschem herzen, wie seine folgende thaten zeugen, es war aber gleichwol ein tunkeler widerruf, das man wol dabei spüren mocht es gienge nicht von herzen Erasmus Alberus wider die verfluchte lere der Carlstader Gg 2ᵇ. dunkle histori schwär zu verston historia caeca Maaler 93ᵈ. auch zum theil tunkel und disputirlich Publicationspatent zur Frankfurter reformation v. 1578. so viel zu kurz und derwegen tunkel das. da findet man bei ihnen (den dichtern) gar keine tunkele oder gar hochtrabende art zu reden Joh. Rist Poet. schauplatz (1646) vorbericht. fürstenbriefe sind dunkel zu lesen Henisch 768. das einige ziel meiner dunkeln und einfältigen redensart Chr. Weise Überflüssige gedanken M. tunkele treume somnia incerta Stieler 2363.
wollt ihr vom philosophen wissen
wer ist der gröszte mann?
aus dunkeln reden müszt ihr schlieszen
wer ihn verstehn und grübeln kann
Lessing 1, 54.
es ist eine kleinigkeit, was einem Bünau, einem Mascau zu vollkommenen geschichtschreibern fehlen würde, wenn sie sich nicht in zu dunkele zeiten gewagt hätten 6, 145. bis in den abgelegensten dunkelsten winkel der menschlichen kenntnisse 6, 267. wenn wir unsere dunkelen vorstellungen zu deutlichen erheitern Karl Wilh. Jerusalem Philosophische aufsätze herausg. von Lessing s. 34. diesz beweist nur dasz unsere dunkle ideen, so lange sie noch dunkel sind, stärker auf uns wirken als die deutlichen das. die dunkeln vorstellungen hören auf, sobald die seele ihre begriffe zu deutlichen aufkläret 65.
die liebe die mit einem lichten blick
auslichtet mehr die dunkelste vernunft
als alle professoren, rekter (rector) und
magister.
Klamer Schmidt Poetische briefe (1782) s. 95.
aus muthvollem vertrauen auf sich theilt er, selbst an der tafel seines monarchen, seinen nachbarn gesinnungen über berührte gegenstände und personen mit, dasz diesen dunkel vor den augen wird Klinger 11, 101. das dichterisch-dunkelphilosophische ungeheuer (das schicksal in der griechischen tragödie) 12, 113. er hörte die flöte die gleichsam aus dem herzen der stummen nachtigall sprach. heisze freudentropfen sog das dunkle getön aus seinem von tausend reizen überfüllten auge J. Paul.
dunklere wege des heils, nicht trennungen, ordnet der vater,
bald, bald wieder vereint, feiern wir ewigen bund
Voss 3, 91.
alle die andern
armen geschlechter
der kinderreichen
lebendigen erde
wandeln und weiden
im dunkeln genusz
und trüben schmerzen
des augenblicklichen
beschränkten lebens.
Göthe 1, 62.
es kann das beste herz in dunkeln stunden fehlen
7, 81.
ein guter mensch in seinem dunkeln drange
ist sich des rechten weges wohl bewuszt
12, 25.
wenn ihn jene vorstellungen zu einer dunkeln verzweiflung brachten 15, 199. das kann wohl geschehen bei menschen die nur dunkel vor sich hin leben, nicht bei solchen die, schon durch erfahrung aufgeklärt, sich mehr bewuszt sind 17, 12. die dunkeln, heftigen, unbestimmten anklänge rühren euch 19, 129. zu dem unerkannten verlangen einer dunkeln begierde 20, 172. als schon die nachricht sich dunkel verbreitete 24, 152. ihr habt so lange mit so viel dunkeln unwilligen ungeschickten menschen geduld gehabt 24, 161.
als die mich erzeugten
und mit ernst mir in dunkler zeit der kindheit geboten.
40, 271.
die (furchtbare macht) unerforschlich, unergründet
des schicksals dunkeln knäuel flicht,
dem tiefen herzen sich verkündet,
doch fliehet vor dem sonnenlicht.
Schiller 58ᵇ.
alles dieses ist durch den geist einer dunkeln frömmigkeit und wohlthätigkeit zusammengebracht und errichtet 43, 42. Rabener selbst war über diese seine wirkung nicht dunkel 49, 166.
herr, dunkel war der rede sinn
69ᵃ.
ich brauche wahrheit.   ihre stille quelle
im dunkeln schutt des irrthums aufzugraben,
ist nicht das los der könige.
275ᵃ.
und leitet keine dunkle spur zurück
zu ihres daseins unbekannten quellen?
496ᵃ.
dunkel, mächtig, wunderbar ergriff
im tiefsten innersten mich ihre nähe
502.
es zieht mich grausend hin und zieht mich schaudernd
mit dunkler kalter schreckenshand zurück
ders.
des schicksals wege sind dunkel Kotzebue Dramat. spiele 2, 200. er mochte immerhin die augen zuschlieszen, in seiner dunkeln brust ruhte noch diese blühende unendlichkeit J. Paul Hesp. 1, 168. ach in solchen tönen schlagen die zerlaufenden wellen des meeres der ewigkeit an das herz der dunkeln menschen die am ufer stehen und sich hinüber sehnen 3, 76. es wäre dann eine unvergeszliche stunde nie in mein leben getreten. dunkele stunde! du strecktest deinen schatten über viele jahre aus ders. Unsichtb. loge 2, 161. der erstgeborne eingewindelte säugling mit seiner dunkeln seele ders. Jubelsenior 191.
der letzte tageslaut verklang in dunkler ferne
Tiedge.
du sähst auf fernem boden
des friedens dunkle spur:
betrogner, ach! sein odem
umweht die kindheit nur.
Matthisson Ged.
ein in den dunkeln antrieben eines kreuzzuges zusammen gebrachtes heer verjagte den von ihm (Heinrich) eingesetzten pabst aus Rom Ranke Reformation 1, 33.
b.
geistig niedergedrückt, traurig. gott, wie kann es mir so dunkel in der seele sein! Lenz 1, 226. sie waren auf diese weise eine stunde neben einander gewesen, und es ward immer dunkler in Lottens gemüth. sie verfiel in eine wehmuth, die ihr um so ängstlicher ward als sie solche zu verbergen und ihre thränen zu verschlucken suchte Göthe 16, 185. brief des todes von meiner schwester. dunkler zerrissener tag ders. Tagebuch 16. juni 1777 (Riemer 2, 43). ihre seele ist dunkel von trauer J. Paul Hesperus 2, 115. da die minute immer dunkler heran kam, worin ihm der abschied diesen stillen engel von der seite nahm 3, 86. wie er denn so allein und dunkel in der schönen gegend bleibt 2, 243.
c.
unbekannt, unberühmt. seine abkunft ist dunkel. er ist von dunkelm herkommen. dunkel tunkel verborgen, verdeckt, unberümpt Henisch 766.
oft ist der ruhm der schriftverfasser hebt,
ursprünglich schwach: doch hilft die kunst ihm weiter.
der gönner huld, nach der die zuschrift strebt,
mácht kleine grosz und dunkle namen heiter.
Hagedorn 1, 58.
dieses recht
gibt sich der hohe geist, der grosze plane
zu fassen und beharrlich zu verfolgen
verstehet, selbst und fühlet sich geboren
das dunkle, das gemeine menschenvolk zu leiten.
Göthe 7, 179.
o, flieh auf ewig dieses ufer! ich,
ein dunkler bürger, kann, nach den verbrechen
die dieser tag erzeugte, selbst nicht bleiben
7, 283.
mein vater war ein dunkler ehrenmann
der über die natur und ihre heilgen kreise
in redlichkeit, jedoch auf seine weise,
mit grillenhafter mühe sann.
12, 58.
die krummen anlagen der straszen, wo jeder nur sein plätzchen und seine bequemlichkeit im auge hatte, fallen in einem dunkeln gewerbvollen zustande nicht auf 43, 41.
knie nieder und steh auf
als eine edle! ich erhebe dich,
dein könig, aus dem staube deiner dunkeln
geburt.   im grabe adl ich deine väter.
Schiller 470ᵃ.
die offiziere grösztentheils leute die einen dunkeln dienst als ausweg aus abenteuern oder aus noth ergriffen hatten Niebuhr Kleine schriften 1, 29.
3.
sprichwort, da ist es so dunkel wie in einer kuh.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1533, Z. 35.

dünkel, m.

dünkel, m.
zea wie dinkel. spelz oder dünkel hat ein mittelart zwischen dem weizen und der gerst Tabernämont. 608. Steinbach 1, 306. tünkel 2, 882. vergl.dünkelkorn.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1539, Z. 52.

dünkel, m.

dünkel, m.
von dünken. Luther schreibt dünkel und dunkel, selten tunkel.
1.
wie bedünken, gutdünken, meinung, ansicht, sententia, mhd. dunc m., dimin. dünkelîn Ben. 1, 359ᵃ, dünkelbilde spiegelbild Renner 6231 Frankf. hs., in der neuen ausgabe goukelbild. für die wort Jacobi bringen sie uns ihren dunkel und sehen doch selbst nicht was aus diesem ihrem trawme folgen musz Melanchthon Corpus doctr. christ. 78. darumb hat könig Heinz hie die sach nit wol angesehen das er eine gestalt und menschenlere hat wollen grunden und nötig machen ausz diszem wasser mischen das er doch nit kan nötig beweisen denn alleine mit seinem dunkèl und meinen. nu ligt dem Luther an dem dunkel des königs eben so viel als an dem dunkel des kukugs Antwort deutsch Mart. Luthers auf könig Heinrichs von Engelland buch (Wittenb. 1522) C iiij. das wort zihen die apostel Petrus und Paulus oft an, und ist so viel gesagt das wir alle ein sinn, ein mut, ein dünkel sollen haben Luther 2, 358ᵃ. ein rumpelgeist welcher euch wil irre machen und vom rechten verstand füren auf seinn dunkel 3, 101ᵇ. darumb müssen so viel abgötterei sein, so mancherlei dünkel. also ist der abgötterei kein zal, so viel der dünkel sind 3, 205. aber er wagets gleichwol auf den dunkel und geriet im das ers traf plumpsweise 3, 269. es dünkt sie wol, aber der dünkel ist ungewis und ist auf unser dünkel nicht zu bawen 4, 324ᵇ. der schwarmgeist kan in diesem text keine demut aus den kindern machen on nach seinem dünkel 3, 325ᵃ. denn das man solt schlechtem argwohn und bösem dünkel oder auch bösen meulern folgen 5, 250ᵇ. als wort er sagen 'wolt ir meine jünger sein', so lasset ewer verstand und dünkel in der lere gleich und einerlei sein 5, 429ᵃ. wenn du sie (die welt) fragst, so kan sie nicht anders sagen denn 'es deucht mich also.' ja, ins rauchloch mit deinem dünkel 5, 448ᵃ. aus eignem dünkel fürgenommen 5, 440. aber mein volk gehorchet nicht meiner stimme, und Israel will mein nicht, so hab ich sie gelassen in ihres herzens dünkel das sie wandeln nach irem rat Psalm 81, 12. 13. er (der gottlose) wird nicht bestehen, denn er ist in seinem eitel dunkel betrogen Hiob 15, 31. sie sagen denen die mich lästern, 'der herr hats gesagt, es wird euch wol gehen', und allen die nach irs herzen tunkel wandeln sagen sie 'es wird kein unglück über euch kommen' Jerem. 23, 17. aber ruchloser dünkel ist ferne von gott Weish. Sal. 1, 3. solcher dünkel hat vil mehr betrogen und ire vermessenheit hat sie gestürzt Sirach 3, 26. es dünket die schwermer nerrisch sein das (dasz) wasser die sünde abweschen sol. was ligt uns aber an irem dünkel Alberus wider die verfluchte lere der Carlstader C 3ᵃ. du magst allhier deine augen weit aufthun und den geist in deinem halbtodten herzen wecken, denn es ist kein dünkel, gedicht oder fantasei J. Böhme Morgenröthe 130. dunkel, das bedunken, gedunken Henisch 766ᵇ.
es geht nicht wie man meint, die vorsicht (vorsehung) schlüszt und spricht,
und was sie winkt, geschieht auch wider unsern dünkel.
Günther 584.
sagt mir wo die folge steckt? nirgends als im blinden dünkel.
859.
glaubt doch nur, der menschen dünkel stöszt des höchsten schlusz nicht um,
gottes ungebundner wille hat kein fragendes warum.
879.
der das schwert so dieser arm regieret,
wie Theodosius nach meinem (der Justitia) dünkel führet,
nach meiner wage lenkt.
964.
Frisch führt dünkel opinio, sententia an 1, 211ᵇ, bemerkt aber dasz das wort veralte, nemlich in dieser bedeutung.
nur murre nicht
wenn, deinem dünkel nach, der schoner (gott)
des frevlers stolz zu lange trägt
Gotter 1, 415.
2.
die übertriebene, hoffärtige, auf andere herabblickende meinung von eigenen vorzügen, insolentia, arrogantia, nimia de sese opinio Schottelius 1306. arrogans de se persuasio Steinbach 1, 306. in des franziskaners Berthold predigten mit dieser bedeutung das dimin. dunkelehe n. Wackernagel Leseb. 1, 668, 25. man sagt von einem eiteln, aufgeblasenen menschen er hat einen unmäszigen, unerträglichen dünkel.
es läszt sich aber gott nit äffen
mit globen zu viel guten werken,
damit wir unsern dunkel sterken
Waldis Esopus 212ᵇ.
jungfer, o ihr seid die schönste, wann ihr steht allein im winkel:
kommt ihr etwa rausz ans lichte, sieht man dasz ihr feil habt dünkel
Logau 3, zugabe 162.
der dünkel nahm mich ein:
ich glaubt es könte mir kaum einer gleiche sein.
Gryphius 194, 59.
du, untersucher der gründe,
was blickst du hohnlächelnd abwärts, gebläht vom dünkel des wissens,
im wahn, vom hohen Olymp auf raupen der erde zu schauen?
Ew. v. Kleist 176.
ein rammler den zu früh der dünkel aufgeblasen,
hielt sich für einen hohen geist
Hagedorn 2, 126.
und schätzte sie, nach dünkels recht,
das schlechte hoch, das gute schlecht.
Göthe 2, 218.
gegen anmaszung und dünkel wuszte er (Lavater) sich sehr ruhig und geschickt zu benehmen 26, 267. wo ich in Leipzig in studentischem dunkel und dünkel umher ging 45, 285. für naseweisheit und jugendlichen dünkel sehr willkommene gegenstände 25, 254. allgemeine begriffe und groszer dünkel sind immer auf dem wege entsetzliches unglück anzurichten 49, 24. aristokratischer dünkel 52, xvi. er, wohl wissend dasz aus dergleichen einbildungen ein geistlicher dünkel, der schlimmste und hartnäckigste von allen, gewöhnlich entspringt ders.
ein verwegener dünkel schwellte
dieses liebetrunkene herz
Platen 9ᵇ.
ein verbrechen zu dem mich hochmut, dünkel und die gelegenheit verleitete Gutzkow Ritter v. geiste 5, 405. s. dünkelei. dünkelgut, gutdünkel. eigendünkel. ladünkel, laszdünkel.
3.
sprichwörter. der dünkel und dunktmich ist ein groszer klotz der für den augen liegt, dasz kein liecht kann hinein kommen Lehmann 65. sein dünkel geht auf stelzen Stieler 296. er hat dünkel (wortspiel mit dinkel) ausgesäet persuasione, amore sui laborat das. meister gutdünkel ist aller ketzerei groszvater Simrock 1732.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1538, Z. 13.

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Zitationshilfe
„dünkel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/d%C3%BCnkel>, abgerufen am 09.07.2020.

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