Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

dürftig, adj. und adv.

dürftig, adj. und adv.
ahd. durftig Graff 5, 213, mhd. dürftic Ben. 1, 364ᵃ, altsächs. thurftig, altnord. þurftugr. auch dorftig, mnd. droftich, s. Diefenb. Gloss. 294ᵇ.
1.
wie bedürftig, einer sache benötigt, mit dem gen. oder einer praepos. sie sind nicht arm noch zu rufen oder bitten dürftig: sat und voll sind sie Luther 1, 22ᵃ. sie solten unternander wol thun, wer des dürftig wäre 4, 278ᵇ. das land ist schier ganz eben und der wasser dürftig Frank Weltb. 81. an süszem wasser seer dürftig 180ᵇ.
auch laszt die vestung allesant
wohl versehen mit viel proviant
und dürftiger (nöthiger) munition
Jac. Ayrer Opus theatr. 115ᵇ.
wer ich bin habt ihr erfahren,
weiber schönheit hab ich nicht,
frisch von augen, schwarz von haaren,
braun in meinem angesicht,
und dabei gesundes leibes,
dürftig eines jungen weibes
Georg Greflinger Seladons beständige liebe (1644).
selbst des trostes dürftig, den ich gebe, gehe ich
Wieland 26, 44.
s. deuteldürftig. notdürftig.
2.
arm, in not und mangel lebend; öfter substantivisch. in der Schweiz heiszt es elend, gebrechlich, bedauernswerth, und das adv. beinahe, kaum, selten Stalder 1, 329. durftiger egenus Voc. incip. teut. d 4. durftig sein egere das. er lebt in dürftigen umständen. ist er (gott) so dürftig arm? Luther 8, 27ᵇ. ist er aber ein dürftiger, so soltu dich nicht schlafen legen uber sein pfand 5 Mos. 24, 12. du solt dem dürftigen und armen seinen lohn nicht vorenthalten, sondern solt im seinen lohn des tages geben das die sonne nicht drüber untergehe, denn er ist dürftig und erhält seine seele damit 24, 15. er (der herr) hebt auf den dürftigen aus dem staub und erhöhet den armen aus dem kot 1 Sam. 2, 8. die armen müssen inen weichen und die dürftigen im lande müssen sich verkriechen Hiob 24, 4. wenn der tag anbricht, stehet auf der mörder und erwürget den armen und dürftigen 24, 14. hab ich den dürftigen ir begirde versaget? 31, 16. helfet dem elenden und dürftigen zum recht Psalm 42, 3. wegere dich nicht dem dürftigen guts zu thun, so deine hand hat von gott solches zu thun Sprüche Sal. 3, 27. wer des dürftigen spottet, der hönet desselben schepfer 17, 5. sie (das tugendsame weib) breitet ihre hende aus zu den armen und reichet ire hand dem dürftigen 31, 20. auf das wir die armen umb geld und die dürftigen umb ein par schuch unter uns bringen und sprew für korn verkeufen Amos 8, 6. liebes kint, lasz den armen nicht not leiden und sei nicht hart gegen den dürftigen. verachte den hungrigen nicht und betrübe den dürftigen nicht in seiner armut 4, 1. 2. o tod, wie wol thustu dem dürftigen der da schwach und alt ist! Sirach 41, 3. dürftig, mangelhaft, arm Dasypod. 60ᶜ. Rädlein 209ᵃ. dürftig, blosz, elend, bresthaft, mangelhaft Henisch 776. dürftig leben tenuiter vivere Steinbach 1, 311.
schöne kinder tragt ihr und steht mit verdeckten gesichtern,
bettelt; das heiszt mit macht reden ans männliche herz.
jeder wünscht sich ein knäbchen, wie ihr das dürftige zeiget,
und ein liebchen, wie mans unter dem schleier sich denkt
Göthe 1, 355.
lieblicher als alles dieses habe
stets vor augen wie sich kleiner gabe
dürftge hand so hübsch entgegen dränget,
zierlich dankbar was du reichst empfänget
5, 68.
mit aller treue verwend ich
eure gaben, der dürftige soll sich derselben erfreuen
40, 247.
theilet den pfennig
unter die dürftigen aus, und gott vermehre die gabe
40, 298.
3.
mager bedeutet es in Deutschungarn. ein dürftiger mensch Schröer 47ᵇ.
4.
uneigentlich, schwach, gering, armselig, gehaltlos. ein buch mit dürftigen gedanken. dürftige kenntnisse, einsichten, nachrichten, dürftige einrichtung des hauses. dürftige geschenke. dürftige ernte. die dünne wand wehrte den winterfrost nur dürftig ab. aber got hat den leib also vermenget und dem dürftigen glied am meisten ehre gegeben 1 Cor. 12, 24. wie wendet ir euch denn umb, wider zu den schwachen und dürftigen satzungen, welchen ir von newes an dienen wolt? Galat. 4, 9.
dürftig kommst du des sinns (mentis inops Metam. 6, 37) und geschwächt vom lastenden alter!
wer zu lange gelebt, dem schadet es!
Voss Ovid nr. 26, 33.
diese (die Plejaden), wiewol sehr klein und dürftiges glanzes, doch namhaft
früh in der dämmrung und spat
Voss Aratos 263.
in einer stube, worin man nur durch éin fenster dürftige stralen fallen lassen, weil die gemälde keine reichlichern vertragen J. Paul Teufelspapiere 1, xxiii.
also das wäre verbrechen ....
dasz nicht des lebens bedingender drang mich, den menschen verändert?
dasz ich der heuchelei dürftige maske verschmäht?
Göthe 1, 330.
wie ist, o sohn, dir die zunge gelöst, die schon dir im munde
lange jahre gestockt und nur sich dürftig hewegte!
40, 282.
auf seiner seite findet er ein dürftiges brod nebst einem wasserkrug und daneben eine schütte stroh zu seinem lager Schiller 715ᵃ.
und funfzig, zwanzig, zehn
verweigert er mit dürftgem achselzucken
Tieck 3, 26.
der zagende bettelte jetzt von jeder stunde seines daseins noch eine dürftige erquickung ders. in Ulm hieszen die dürftigen diejenigen armen welche in ein hospital aufgenommen wurden ohne etwas hinein zu bringen, entgegengesetzt den pfründnern die sich einkauften, bessere kost und wöchentliche geldzulage erhielten Schmid Schwäb. wörterb. 148. in Schwaben bedeutet dürftig auch krank, siech. in einer legende steht das maul und der fleck wirt zu ainem loch und fulet das flaisch und wird ein schad draus, den niemant hailen mag (vermag), das der mensch musz zu einem dürftig werden. ein groszes krankenzimmer im hospitale zu Ulm heiszt die dürftig stub das.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1731, Z. 1.

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Zitationshilfe
„dürftig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/d%C3%BCrftig>, abgerufen am 06.07.2020.

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