Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

dagegen, adv.

dagegen, adv.
ahd. dara gagan, gagani, mhd. dâ gegen, dergegene, niederl. daartegen, daarentegen. Luther gebraucht in der bibel immer dagegen, anderwärts z. b. werke 8, 199ᵇ die im mhd. nicht seltene zusammenziehung dagên, wie auch bei Schwarzenberg dargen 156ᵃ. dagegen Dasypod. 311. dagegen und dargegen Keisersberg und Henisch 633. dargegen Maaler 87. dargegen H. Sachs, Schuppius, Stieler und Steinbach, aber Frisch nur dagegen, was jetzt durchgedrungen ist.
1.
drückt es eine bewegung nach einem ort aus, so ist es soviel als dawider. er sah die mauer nicht und stiesz dagegegen. die thüre wollte aufspringen, er hielt die hand dagegen. oder dahinaus zu, in der ferne lag ein wald, er gieng dagegen. so auch im mhd.
den knappen hunger lêrte
daʒ er dergegene (nach dem haus) kêrte
und klagte dem wirte hungers nôt
Parzival 142, 20.
und zog fort gen Sion und belagerte das heiligthum viel tage und richtete da gegen auf allerlei geschütz 1 Maccab. 6, 51.
2.
häufiger steht es uneigentlich, wo es dann eine abneigung, feindliche gesinnung bezeichnet. er spricht, er macht einwürfe dagegen. er ist taub dagegen hört auf keine gründe, dagegen eingenommen hat ein ungünstiges vorurtheil. er strebt, er arbeitet, sträubt sich, stemmt sich dagegen will es nicht geschehen lassen. es hilft, es dient nichts dagegen es ist vergeblich, kein mittel schlägt an. er hat vieles dagegen zu sagen, einzuwenden. er hat nichts dagegen willigt ein. er stellt, er hält die nachtheile dagegen.
mir grauet aber hart dargegen,
mein hand an meinen herrn zu legen.
H. Sachs 3. 2, 88ᵃ.
wenn er sich aber dagegen verhärten sollte, so werde ich nicht zürnen, ich werde rasen Lessing. dagegen verstoszen wir zu oft und bereiten uns dadurch grosze leiden und vielen verdrusz Tieck.
3.
bedeutet es in beziehung auf einen gegensatz eine vergeltung, so kann häufig auch dafür gesagt werden. er hat ein geschenk empfangen und hat nichts dagegen zu geben. er hat hilfe erhalten und seine treue dagegen verpfändet, seine ehre dagegen eingesetzt. der gewinn ist grosz, der verlust gering dagegen. gedenk in dir selbst, ist der ein todtschleger, warumb woltest du im sein eer abschneiden, so du dargegen einen hasz tregest, der gröszer sünd ist weder (als) der todschlag Keisersberg Sünden des munds 30ᵇ. oder er schenkt im ein kleines belgelin und wartet eines belz dargegen 38ᵃ. wan der ander fürsprech ein wort ret, so ret er zehen oder zwenzig stracks dagegen 41ᵃ. hundertfaltigen lon, der inen dargegen werden sol 64ᵇ. gedenke, son, dasz du dein gutes empfangen hast in deinem leben, und Lazarus dagegen hat böses empfangen Lucas 16, 25. vergeltet nicht scheltwort mit scheltwort, sondern dagegen segnet 1 Petr. 3, 9. so wissen wir auch was Achior geredt hat und wie du dagegen mit im gethan hast Judith 11, 7.
des goldes hundertausend pfund
hät mich dargen erfreuet klein
Schwarzenberg 156, 1ᵃ.
obgleich der unsern viel da liegen,
die andere nach Crappa fliegen,
sol man dagegen doch erwegen
wie viel der feind wol seind erlegen
Mückenkrieg 3, 501.
und wenn in deinem kreis der sonnen schwächre kraft
schon keinen demant reiszt und deiner klüfte saft
zu keinem golde kocht, so bist du doch dargegen
an andern erzten reich
Drollinger 83.
eine stelle im zuchthause musz eine rechte glückseligkeit dagegen sein Gellert.
4.
als conjunction steht es in den unter 3 angegebenen bedeutungen, die braut ist nicht schön, dagegen ist sie klug. er spricht nicht, dagegen handelt er. er schmeichelt nicht, dagegen übt er gerechtigkeit. man setzt auch das adversative aber als verstärkung hinzu. die veter sungen vorher den lobgesang, dagegen aber erschallet der feinde gar ungleich geschrei Weisheit 18, 10. selig seid ir armen, aber dagegen wehe euch reichen, denn ihr habt ewern trost dahin Lucas 6, 24. auch ohne den vordersatz auszudrücken, der in dem vorangegangenen enthalten ist. dagegen neertest du dein volk mit engelspeise Weish. 16, 20. dagegen gabestu diesen eine fewrige seule, die ihnen den unbekandten weg weiset 18, 3.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 676, Z. 38.

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Zitationshilfe
„dagegen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dagegen>, abgerufen am 27.10.2021.

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