Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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daheim, adv.

daheim, adv.
zu haus, domi, in der heimat. die alte sprache, die das dativische heime von dem accusativischen heim domum scharf trennt, kann sagen hie bin ich heime, wiewohl auch im ahd. (doch nicht bei Otfried und Notker) schon dâr (Graff 4, 947), im mhd. dâ (Benecke 1, 653) vorgesetzt wird. wir können es nicht mehr entbehren, da wir das unterscheidende e abgeworfen haben. zuweilen erscheint die bessere form daheime. Maria aber blieb da heime sitzen Joh. 11, 20. hungert aber jemand, der esse daheime 1 Corinth. 11, 34.
ich acht dasz ich daheime bleib
B. Waldis Äsop 199ᵃ.
was das gsind daheime macht
190ᵇ.
iedoch war er seins mutes frei,
sang und war stäts frölich dabei,
des abends er daheime blieb
und seine zeit also vertrieb
H. Wolgemut 2, 276.
und froh sagt solchs daheime nach
2, 355.
ich wölt dasz ich doheime wär
und aller welte trost enbär:
ich mein doheim im himelrich
do ich got schowet ewenclich.
Uhland 868.
warum habe ich den menschen ausgehen lassen? daheime hätte ich ihn lassen sollen J. E. Schlegel 2, 91. ach wie wol wäre mir daheime Tieck 1, 255. s. daheimen und daheimet. Luther gebraucht daheime und daheimen, in der bibel aber gewöhnlich daheim. Maaler 85 hat nur daheimen. Dasypodius 57 daheime. Henisch 634 setzt daheim an, läszt aber daheimen in einigen beispielen gelten. nur daheim Stieler 820 und Frisch 1, 179.
1.
in eigentlicher bedeutung. ich würd daheim sin, ist das du etwa min wilt Terentius 91ᵇ. so du krank bist, so schmuckest du dich und bleibst daheim Keisersberg Sünden des munds 17ᵇ. nam alle knechte die daheim (in der heimat) geboren und die erkauft (waren) 1 Mos. 17, 23. und sie soll daheim bleiben dreiunddreiszig tage 3 Mos. 12, 4. namen zwo junge seugende küe und spanneten sie an einen wagen und behielten ihre kälber daheim 1 Samuel. 6, 10. bleib daheim und rüre mich nicht, denn ich sol dich heiligen Jesa. 65, 5.
dafür ich dich daheim wil strafen
B. Waldis Äsop 199ᵇ.
einer der im elend ist, nicht darf daheim sein exul Henisch 634. er findet mich daheim über ein stund das. das vaterland zu beschützen, in krieg zu gehen, wie vielmal andere onera und läst daheimb zu tragen Schuppius 697.
der hirsch der sich nicht wol befand,
blieb lange zeit daheim, verliesz sein lager nicht.
Hagedorn 2, 30.
er wünscht aus diesem zauberorte
nur schon daheim zu sein, ihn zu verlassen.
Wieland 10, 216.
sie (die von reisen zurückkommen) halten die daheim gebliebenen (nicht in die welt gekommenen) nicht für voll Göthe 21, 110.
was? ich hab auch ein leben zu verlieren,
hab weib und kind daheim wie er
Schiller 518ᵃ.
wenn er zwischen seinen bekannten bergen und bäumen daheim sitzt bei den seinigen, so ists ihm wol, und er denkt just nicht weiter Hebels Schatzkästlein 1.
2.
bildlich, wie daheim thun sichs bequem machen. fordert man geld, so ist er nicht daheim zieht er sich zurück, erhält man nichts. darum wo du hörest ein klapperman (der mit der klapper für die spitalleute bettelt), und ob er schon geistlich ist und ein kutzhuͦt antregt, so bis sicher das niemants daheim ist Keisersberg Sünden des munds 76ᵃ. wir haben lust auszer dem leib zu wallen und daheim zu sein bei dem herrn die welt zu verlassen 2 Corinth. 5, 8. er selber, Jesus, zeugete das ein prophet daheim (in seinem vaterland) nichts gilt Joh. 4, 44. der teufel liesz sich auch wahrlich daheim finden (war nicht saumselig) mit morden durch die tyrannen Luther 8, 77ᵇ.
3.
sprichwörter. Henisch 634, daheim ist der mann zween wo keine gefahr ist hat er mut. daheim ist gut gelert sein. bleib daheim und warte des deinen, so rupft man dich nicht. daheim, geheim. daheim heilig, im krieg mannlich, im beiden fürsichtig. der satan ist der wirth in der welt, den findt man immer daheim. ein weiser biedermann ist allenthalben daheim, oder reiche leut sein allenthalben daheim. leb dir und bleib daheim.
ost oder west,
daheim ist das best.
welcher sicher daheim bleiben kan, sol den kopf nicht zu weit hinausz strecken. wem wol ist, der bleibe daheim. Lehmann Florilegium 133, die leut leben als wenn unser herr gott nicht bei uns daheim wäre. oft ist eines verstand nicht daheim. was man daheim hat, darumb darf man niemand zu flehen kommen.
im haus daheim,
bricht nicht die schuh und stöszt kein bein.
wer daheim bleibt, der wird von keinem ziegel vom dach getroffen und erschlagen. Simrock 1475 —1487, daheim bin ich könig. daheim musz man bewandert sein. drauszen hundert augen, daheim ein maulwurf (den man für blind hält). der weise ist daheim, wohin ihn der wind weht. daheim gilt unser kreuzer ein batzen.
daheim erzogen kind
ist in der fremde wie ein rind.
der fisch ist gern im wasser, der vogel in der luft, das brave weib daheim. eine mühle die nicht umgeht, ein backofen der nicht heizt und eine mutter die nicht gern daheim ist, sind unwert.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 677, Z. 52.

daheimen

daheimen,
wie daheim, nimmt die form eines dativs an und kommt zuerst im 15ten jahrh. vor.
ich darf nit lenger daheimen sein
Fastnachtsp. 163, 10.
wenn ich dich daheimen hab
165, 4.
der ein schön foln daheimen hat
306, 9.
wan wir niemant daheimen suchen denn die frumen.
730, 16. 782, 10.
der pleib daheimen und schon seins leibs
767, 4.
wenn wir über tak pei in lägen daheimen
770, 6. 30
sahe was dfrauw daheimen macht
B. Waldis Äsop 293ᵇ.
ir findet in daheimen
Ecke 35 Schade.
mein herr der ist daheimen nicht
41.
sin ros lieʒ er daheimen
63.
Luther gebraucht es einige male in der bibel, habe den ruhm und bleib daheimen 2 Könige 14, 10. des andern tags geriet der böse geist von gott über Saul und weissagt daheimen im hause, wo es pleonastisch steht 1 Sam. 18, 10. häufiger in Luthers werken, daheimen lassen 2, 369. und sei der geist da nicht daheimen gewesen 3, 286. daheimen oder sonst bei sich 3, 494. darumb der meister nicht daheimen gewest ist 5, 267ᵇ. die rabiner selbst unternander oft hierin nicht wissen wo sie daheimen sind können sich nicht darin finden 8, 166ᵇ.
magstu daheimen auch nit spinnen
H. Sachs 3. 3, 7ᵇ.
sag, tochter, wies daheimen steh
3. 1, 56ᶜ.
bei Maaler 85ᵇ daheimen in seinem haus domi. daheimen und dauszen. es ist nit vil dauszen ze gewinnen, wenn man daheimen nit weisen rat hat. eines daheimen warten domi opperiri aliquem. ich darf mich daheimen nicht lassen finden domo exulo. ich wil gan lugen daheimen visam domum. ich wird daheimen sein, wenn du meinen bedarfst domi ero, si quid me velis. sich daheimen halten domo se tenere. so fangt mein wunderböses weib daheimen an zu brummen Fischart Garg. 98ᵃ. und siehet man alhier wie der mensch dieser welt nicht daheimen ist, sondern er ist darein kommen als ein gast, und hat nicht das kleid mitte bracht, wie alle andere creaturen, so in dieser welt daheimen sind J. Böhme von den drei principien göttlichen wesens cap. 20. §. 7. wo er daheimen war Wickram Rollwagen 82ᵇ. Henisch 634 hat das sprichwort er sitzet daheimen und wehret der mucken jagt die fliegen fort, er sitzt faul und unthätig zu haus, wie man sagt er jagt die hunde aus der kirche.
wer will dasz ihm wol sei,
der leb daheimen frei.
noch einmal bei Opitz,
hier wo der guten schaar zuvor daheimen war.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 678, Z. 70.

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Zitationshilfe
„daheimen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/daheimen>, abgerufen am 27.10.2021.

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