Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

dahinten, adv.

dahinten, adv.
ein verstärktes hinten, im hintergrund, zurück, pone, a tergo.
1.
er geht nicht davorn, er geht dahinten im zug.
ich will nausz in wald mit verlangen
und will bei dreihundert füchs fangen
und will auch all mal binden
zweien füchsen die schwenz zsam binden.
H. Sachs 3. 1, 51ᵈ.
dahinten dahinten, von ferne von ferne
da kommt er, der bruder, da kommt er, der tod.
Göthe 4, 313.
2.
meist uneigentlich bei bleiben, lassen, sein.
a.
unser vieh soll mit uns gehen und keine klaue dahinten (zurück) bleiben 2 Mos. 10, 16. das wir die verheiszung einzukommen zu seiner ruhe, nicht versäumen und unser keiner dahinten bleibe Hebr. 4, 1. gefällt es dir, so geschehe es, gefällt es dir nicht, so bleib es dahinten geschehe es nicht Luther 1, 77ᵃ. und dieweil keiner (der kranken kriegsleute) gern dahinten bleiben will, fürdert jeder, wie er kann, sich in zeiten herbei Kirchhof milit. discipl. 118. also dasz solchs fürgenommen werk nun schier gar dahinden blieben Waldis Äsop. vorr. doch das beste bleibt dahinten kommt nicht zum vorschein Chr. Weise Kl. leute 356.
ir ruhm bleibt nicht dahinden
Logau 2, 65.
ob wahrheit sich verkrochen,
die zeit die wirt sie suchen:
sie wird sie wol auch finden,
sie bleibet nicht dahinden
2, 112.
wer in den sprachen und wissenschaften zunimbt, hingegen in äuszerlichen vollkommenheiten dahinden bleibt Schoch Stud. leben A. Narcisz vertraute mir weitläufig ihre unterredung: ich blieb mit meinen anmerkungen nicht dahinten hielt sie nicht zurück Göthe 19, 121.
auch die köchin des pfaffen blieb nicht dahinten
40, 26.
alle setzten im zu, es blieb auch keiner dahinten
40, 27.
und wo der fürst sich hingetraut, da will der graf,
mein gnädger herre, nicht dahinten bleiben, er macht
auf gleiche ehre anspruch
Schiller 352ᵇ.
so auch sich dahinten finden lassen saumselig sein, ihr werdet euch doch nicht dahinten finden lassen, nun frisch! singet uns eins Fr. Müller 1, 258.
b.
und noch unlängst in Holland ergangen das ein arm hogerig oder buckelecht weiblin unser l. frau zu Henkelem sehr andächtig besucht, ir opfer gethan und darnach zu haus gangen, ihren hoger (höker) oder buckel dahinden gelassen hat der ihr dort verschwunden war Fischart Bienenkorb 141ᵃ. so kämen wir hindurch, wie Reinicken fuchsen Bruniger bär, der die ohren dahinden (im stich) liesz 166ᵃ. wie die vögel, wann sie dem garn entwischen und etlich gesellen dahinden lassen die gefangen waren Garg. 149ᵃ. flohen sie aus der stadt Rom in das elend und lieszen ir gut dahinden Livius von Schöfferlin 48. da man allweg schier den zehent dahinten läszt (der zehnte kommt um), die dursts halben sterben Frank Weltbuch 83. begehrt diejenige (reichthümer), welche ihr könnt mit recht erhalten, mäszig anwenden, lustig austheilen und gerne dahinten lassen Schuppius 715. so ist auch nicht vergeszlich dahinten zu lassen (zu unterlassen) eine treue ermahnung zu thun Kirchhof discipl. milit. 12, 150. so würdet ihr nicht an den bloszen schalen kleben und den kern dahinten lassen Chr. Weise Erznarren 128. lasz die lockungen der eitelkeit dahinten Gotter 3, 85. mancher will lieber einen guten namen behalten, und soll er den mantel dahinten lassen Lehmann Floril. 173. ir sollt abziehen mit gewehr, pferden und rüstung: proviant sollt ir dahinten lassen nicht mitnehmen Göthe 42, 146. er wollte lieber einige regimenter weniger als diese werkzeuge der wollust dahinten lassen Schiller 854. Luther gebraucht einen volksmäszigen ausdruck, wenn er sagt wäre dies nicht gewesen, so wäre ich Hans dahinten gewesen Briefe 1, 316.
c.
es ist eine ursach dahinden subest causa Maaler 86ᵃ. und wenn er mir gleich vergilt was ich verdient habe, so ist sein (solcher züchtigung) noch mehr da hinden noch mehr zu erwarten Hiob 23, 14. auf das sie vollend die strafe uberkämen, die noch dahinden war Weisheit 19, 4. ich vergesse was dahinden ist und strecke mich zu dem, das davornen ist Phil. 3, 13.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 693, Z. 36.

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Zitationshilfe
„dahinten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dahinten>, abgerufen am 26.10.2021.

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