Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

dahle, f.

dahle, f.
dohle, monedula, ahd. tâha Graff 5, 364. thâ 5, 78. in den Frankf. glossen tul (Haupts zeitschr. 9, 391). mhd. tâhe (Sumerlatten 5, 22. 47, 32, wo unrichtig tage steht. Wachtelmäre 166). tallen pl. im reim auf kallen Renner 19431. nhd. wechselt die form und in den mundarten schwankt das geschlecht. dach oder dula Voc. teut. 1482 e 5ᵇ. tahen, tule hatz Voc. incipiens teut. X 4. dol duͦl dohl Dasypod. 142ᵃ. 319ᵃ. und luͦgen wa die aller besten fisch feil seien, das nemen sie fleislichen war und luͦgen daruf als ein duͦl uf ein maus Keisersb. Sünden des munds 7ᵃ. Postille 185. ein thul oder tahel Gemma gemmar. eine dale heckt keine tauben und ein narr machet kein klugen Luther 2, 479. wie eine dale lernt der menschen sprache die sie nicht versteht 8, 31. doch schreibt er auch dole 2, 44ᵃ. dol Alberus Novum diction. CCiij. dole tüle Frischlin 98. der stork, die täle und der spatz Ganskönig A ijᵇ. dale dole Henisch 637. bergdol, duln, wilde tale pyrrhocorax Henisch 286. dole dule Schönsleder L 3. dalen pl. Ettner Unwürd. doct. 646. dale sive dole Stieler 323. 2249. dohle Frisch 1, 200ᶜ. dale Steinbach 1, 250. tole thole 2, 821. schneetahe, bergdule Stalder 1, 97. nach Schmeller in der Schweiz auch dähi oder däfi. im Zillerthal dachl Nemnich 1, 1245. dahle f. dähle n. Schmid schwäb. wörterb. 119. in Steiermark däche. in Östreich dacha m. Castelli 102. dächer m. Popowitsch wörterb. 83. in andern östreich. gegenden tagerl, tschokerl Nemnich. dalchen, dahlken Hupel Liefl. und ehstl. idiodikon 46. engl. daw, mittellat. tacula, ital. taccola. im niederd. gebraucht man andere wörter, krähe (altsächs. kraia), älke, gakke, kakkreie u. s. w. die man bei Nemnich findet. Das ahd. tâha, mhd. tâhe gewährt das einfache wort, dazu gehört tahen, dach, däche, dächer und das engl. daw. dagegen in dale dahle findet eine zusammenziehung statt, die ein ahd. tâhala, mhd. tâhel vorauszusetzen scheint (Gramm. 1³, 131) und in talle ausgeartet ist. der übergang des a in o (wie bei dacht und docht), oder in uo und u beginnt am ende des 15ten jahrhunderts, im 18ten gilt o allein. Stieler bringt dale mit dalen dahlen garrire zusammen, weil die dohle schwätzen lernt, und diese verbindung hat andern gefallen. da aber l hier nicht wurzelhaft ist, sondern der ableitung zufällt, so ist diese erklärung nicht statthaft. das ital. taccola elster stammt gewis, wie auch Diez (Wörterb. 441) annimmt, von dem deutschen tâhala, er stellt dazu das ital. taccolo schäkerei, und taccolare plaudern; beide wörter sind wol bildlich zu nehmen, da die dohlen possen treiben und schwätzen; das mittellat. nur in einer stelle sich zeigende tacula ist wol zunächst aus dem romanischen übergegangen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 695, Z. 48.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
dazwischen
Zitationshilfe
„dahle“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dahle>, abgerufen am 03.12.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)