Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

dame, f.

dame, f.
domina, mlat. domna, ital. dama und donna, franz. dame, welches wahrscheinlich erst in der zweiten hälfte des 17 ten jahrhunderts bei uns eingeführt ist. Henisch (1616) hat es noch nicht, wol aber Stieler (1691), der dabei bemerkt, zu seiner zeit sei das wort anrüchig geworden und bezeichne das lateinische amica, und in einem solchen verächtlichen oder ironischen sinn wird es noch heutzutage vom volk gebraucht; vergl. Schmeller 1, 369. in der schimpflichsten bedeutung bei Schuppius, wann ich nun sagen werde dasz ihr eine dame seid, welche die franzosen habe 488. da si vernahmen dasz es Corinna, eine in der ganzen stadt bekannte dame, welche an den franzosen gestorben sei 491.
was dame sei und denn was dama, wird verspüret,
das jene hörner macht und diese hörner führet.
Logau 1, 67. s. 21.
das wort ist heutzutag zu vollen ehren gelangt, und bezeichnet
1.
eine angesehene, vornehme frau,
kaum aus dem flügelkleid spielt sie schon stolz die dame.
Zachariä.
denn noch so häuslich im hause
mögen sie öffentlich gern als müszige damen erscheinen.
Göthe 1, 343.
eine dame von so viel schönheit und geist Schiller 190ᵃ.
2.
die welche man liebend verehrt, Felix (sollte) als page seinen ersten ausritt der dame seines jugendlichen herzens zu verdanken haben Göthe 21, 96. uneigentlich, dame Weisheit Gotter 1, 441.
3.
in der gesellschaft, beim tanz stehen im allgemeinen herren und damen gegenüber, wie im französischen beim tanz cavaliers et dames unterschieden werden. im gefolge der fürstin oder königin befinden sich damen, hofdamen.
die königin von allen ihren damen
verlassen
Schiller 272ᵇ.
4.
im schachspiel wird die königin dame genannt, ebenso die vier königinnen im kartenspiel. der könig war eine unglückliche karte für Sie, die dame wird lhnen desto günstiger sein Lessing 1, 578. im dambretspiel heiszt der stein dame, der in das letzte feld des gegners vorgerückt ist und mit einem aufgelegten zweiten gekrönt wird. in diesem sinne sagt man die dame schlagen, eine dame wegnehmen, bekommen. daher das sprichwort wer die dame berührt, musz des spieles pflegen Simrock 1488. auch bedeutet dame die ganze letzte reihe der felder auf dem bret, daher aus der dame, in die dame ziehen, in die dame kommen, endlich heiszt das ganze spiel dame,
ein affe sah ein paar geschickte knaben
im brett einmal die dame ziehen
Gellert.
er spielte gern dame und mit den damen Göthe 8, 54 oder er spielte mit den damen und auf der dame 42, 67.
5.
im hüttenwesen wird ein stück eisen das die öffnung des hohofens zum theil verstopft dame genannt.
6.
dame in trauerflor eine schwertlilienart, iris susiana.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 702, Z. 40.

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Zitationshilfe
„dame“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dame>, abgerufen am 03.12.2021.

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