Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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danz, danzen, dänzeln

danz, danzen, dänzeln,
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 750, Z. 20.

tanzen, verb.

tanzen, verb.,
früher auch danzen, mhd. tanzen, mnd. dansen, tanzen (s. tanz).
1)
intransitiv, sich im oder wie im tanze bewegen.
a)
im eigentlichen sinne:
dise tanzten, dise sungen.
Iwein 67;
die tanzent unde singent liet.
Parzival 511, 26;
die gerne tanzten unde sprungen.
Walther 114, 36;
die lieber tanzten, das die wend krachten.
fastn. sp. 566, 15;
sie machten ein munch im kloster tanzen.
150, 32;
do (zur kirchweihe) dantzen pfaffen, mynch und leien,
die kutt muͦsz sich do hinten reien.
S. Brant 61, 21;
an dem sontag tantzen ist ein todsünd. Keisersb. narrensch. (1520) 126ᶜ;
sie alle tanzen nicht weil sie der kitzel sticht,
die armen tanzen weil sie müssen.
Wieland Oberon 2, 41;
und wenn euch der liebste mit eifersucht plagt,
dann singet und tanzet, da hört ihr ihn nicht.
Göthe 7, 29;
künstlich, gut, schlecht, scharf, deutsch, französisch u. s. w. tanzen: künstlich, wol tanzen, unrecht tanzen Stieler 2256; vil ehrlicher und züchtiger tantzen die Sarracener weder (als) die christen. Albertinus narrenhatz 251; die so ungestim danzen nach dem deutschen, gemainen, bösen geprauch. Zimm. chron.² 4, 67, 19; der polnisch orator Lasca ... wollt welsch dantzen, kont aber das deutsch nit wol. 2, 251, 15; auf wellisch und frantzösisch ... höflich dantzen können. Mathesius Sar. 11ᵇ; der muͦsz ... auf das hüpscht tantzen: teutsch, wälsch, polnisch. Lindener schwankb. 129 Lichtenstein; ich habe gern teutsch gedantzt. Elis. Charl. (1881) 127; das ist schrecklich getantzt! sagte er ... es wird mir hoffentlich nicht schaden, sagte sie; aber freilich war es scharf getanzt. Siegw. 2, 340;
wie reizend tanzt er nicht!
Göthe 7, 22.
Mit einer präpositionalen fügung:
sælic wîp, lâ tanzen mich an dîner hant.
minnes. 2, 88ᵇ;
die elfen tanzen auf moorgründen, ... die riesen sah man wohl auch auf dem wasser tanzen. H. Heine 7, 41; im reihen tanzen, saltatorium versare orbem Stieler 2256;
ich wil ouch mit in tanzen unde springen mê.
minnes. 2, 92ᵃ;
die frawen und mägdlein seind hoffertig, .. wollen mit keinem geringen tantzen. Albertinus hauspolizei 2, 143ᵇ; als sie mit einem andern tanzte, der sie wie ein rasender herumrisz, und mit ihr mehr flog als sprang. Siegw. 2, 339; mit fackeln tanzen, den fackeltanz (bei fürstlichen hochzeiten) aufführen. Elis. Charl. (1867) 490;
wol ûf, swer tanzen welle nâch der gîgen!
Walther 19, 37;
nâch gîgen und nâch lieden
hie man tanzen sach.
U. v. Türheim Willeh., Pfälzer handschr. 258ᵇ;
du geschwurst schon, wir kunden nit
tanzen nach der hofsit.
fastn. sp. 581, 2;
es sollte nie nach der musik getanzt werden; wer in der innern freudigkeit tanzt, wird nie den takt verlieren. Arnim Hollins liebeleben 50 Minor;
ihr tanzt um Wodans blutaltar.
Hagedorn 3, 121;
als er sahe, dasz das volk um das goldene kalb tantzte. Albertinus der welt turnierplatz 276; um den hahnen (als preis) tanzen, s. hahn 1, e und Böhme gesch. des tanzes 1, 171; weil sie den bräutigam, um welchen sie mit ihren gespielinnen getanzt, nicht erhalten. Lessing 5, 1.
b)
sehr oft in sprichwörtern und redensarten, s. Wander 4, 1028—1032: er tanzt alzeit auf einem bein. S. Frank 2, 180ᵃ; wer lust zu tantzen hat, dem mag man leicht pfeiffen. Agricola sprichw. nr. 363;
wer gerne tanzt, dem pfeift man bald.
Rollenhagen froschm. III. 3, 1 Xx 7ᵇ;
dasz jener .. endlich tanzen musz, wie ihm der widersacher .. vorpfeift. Gryphius lustsp. 522 Palm; fast all der hof ist mit dem herzog nicht zufrieden, weil man ihnen nicht nach der pfeife tanzt. Göthe br. 403 (3, 30) Weim.; s. noch andere belege bei pfeife 1, d und pfeifen 1, a;
der edle könig, er liebt sich
ganz besonders leute, die .. nach der weise,
die er singt, zu tanzen verstehn.
Göthe 40, 132;
denn jeder tanzt, wenn seine geige gestrichen wird. G. Keller Seldwyla⁴ 1, 186; wer in hoffnung lebt, tanzt ohne musik. Lessing 11, 386;
hier ist Rhodus! tanze du wicht (hic Rhodus hic salta)!
Göthe 3, 280.
c)
uneigentlich, vgl. tanz 4, c.
α)
von personen, höhnisch von fliehenden Soltau volksl. 2, 17; die magd und ich werden in das gefängnis tantzen. Gryphius lustsp. 552 Palm; er schlug umb sich wie ein grimmiger löwe, und sprach: ihr habt mich noch nicht gefangen, es müssen euwer noch mehr auf den köpfen tanzen. buch d. liebe 26ᵈ, s. kopf II, A, 3, n; auf dem seil tanzen Rädlein 867ᵃ;
und wer wir in gefengknus komen,
so het es sich nit wol geschantzt,
man het uns auf den schinbein tantzt,
uns gelont unser mörderei.
H. Sachs 11, 453, 15;
ich wolt dir auf deim maul baldt tantzen.
14, 56, 10;
er sihet nit gern mit den zenen dantzen (kauen), ist filzig Frank sprichw. 2, 10ᵇ; es fällt ihm (dem geizhalse) ein blutstropfen vom hertzen, so oft er einen heller auszgibt: er siehet gerne tantzen, aber mit den zeenen nit. Corvinus 1, 349ᵇ;
ich wolt gern mit den zenen tantzen,
so wil der koch nit richten an.
H. Sachs 1, 121, 5. 15, 108, 26,
darnach bei anrichten theil 1, 427 zu berichtigen;
(sie) liesz trotz ihrer unpäszlichkeit
gar weidlich ihre zunge tanzen.
Wieland Gandalin 5, 38;
mit tanzenden (vor freude hüpfenden) herzen. J. Paul Hesp. 1, 15;
Saladin. ich tanze wie ich kann (wohl anspielend auf den tanzbären);
und könnt' es freilich, lieber — schlechter noch
als besser.
Lessing 2, 271 (Nathan 3, 4).
β)
von thieren: so die wölf vil um die schafställ danzen. Herr feldbau 3ᵃ; die schleuereule ist schier wie eine nachteule, aber gleichwol etwas gröszer und tanzet. Colerus hausbuch 489; ich sehe die bähren nicht ungern dantzen; mit den Poln vorm jahr wahren etlich hir. Elis. Charl. (1874) 256;
ich bin so fröhlich wie ein reh,
das um die quelle tanzt.
Hölty 189 Halm;
hoch bäumt das rosz sich auf und tanzt mit leichten füszen.
Schultze Cäcilia 11, 5;
wie ein zahmer affe ... tanzen. Schiller 3, 452 (kabale 4, 3); abends tanzen sie (die tanzfliegen) schaarenweise in der luft. Oken 5, 773.
γ)
von sachen und abstractionen:
(das glück,) das uf und ab dantzt wie ein ball.
S. Brant 6, 78;
ja der Rein wurf auch auf klein wällen,
die dantzten umb das schif.
Fischart gl. schiff 398;
(da) tanzten unzählige kleine sonnenbilder auf dem dünnen glase. Bronner fischerged. (1787) 126; die sonnenstrahlen tanzen in den fluthen. Klinger theater 2, 131;
der allgewaltige Belt,
ein blauer abgrund voll tanzender wellen.
E. v. Kleist 2, 8;
jünglingfrisch
tanzt er (felsenquell) aus der wolke,
auf die marmorfelsen nieder.
Göthe 2, 55 (ged. 2, 53 Weim.);
ihr sterne, die ihr fröhlich über meinem schmerz daher tanzt. Lenz 1, 97; die sphären tanzen und musicieren, und selbst die sonne tanzt am ostertage. Kotzebue dram. sp. 1, 256;
der alte geiger,
dem die gestirne tanzen
zur starken weltenfiedel.
Lenau 1, 175;
dasz der blitz jetzt nie das capitol trifft, während er bei jedem gewitter auf dem dach der Peterskirche tanzt, und dort auch mauern spaltet. Niebuhr 3, 607;
durch die bäume tanzen lichter rosenrot.
Platen 2, 33;
wie auf dem spiegelhellen bach
die bunten ufer tanzend schweben.
Schiller 6, 275;
neue aussichten, neue scenen von glück und freuden tanzten vor ihrer stirne. Wieland 20, 283;
hier, dort verirrte funken gottes tanzen.
Lenau 1, 263;
alle die töne sie klettern, sie tanzen
wildverschlungen wie urwaldpflanzen.
264;
der fünfte theil (des pythischen nomus) enthielt ein tanzendes (mit tanz begleitetes) siegeslied. Herder nachlese zur schönen lit. u. kunst 132;
die freude tanzt hier ohne regeln.
Thümmel reise 2 (1791), 316.
2)
transitiv.
a)
mhd. die wîse, daʒ liet tanzen, zu einer tanzweise, zu einem tanzliede tanzen Lichtenstein 410, 26. 28. 442, 14. 536, 14. 564, 5. 8.
b)
einen tanz, einen reigen u. s. w. tanzen:
sie theten frolich ains tanzen.
Raber Sterzinger spiele 17, 660;
was andre tanzen musz er schätzen.
Göthe 12, 216 (Faust 4150 Weim.);
der tanz, den er mit ihr zuerst getanzt hatte, schallte ihm noch immer in den ohren. Siegw. 2, 227; endlich tanzte man den kehraus. 2, 216 (s. kehraus theil 5, 404 und Böhme gesch. des tanzes 1, 184); man liesz sie (die zeloten) ... lächerliche tänze tanzen. Schiller 9, 152; hofball, ... worauf man den ersten englischen tanzte. 3, 429 (kabale 3, 2);
die räuber tanzen tollen reigen.
Lenau 2, 332;
(ich) will mit dir den reihen tanzen.
H. Heine buch der lieder 34 neudruck.
c)
mit angabe des erfolges:
tanzt ihr verbrüderung?
P. Heyse ges. werke 2, 15;
sie tanzt mich rasend — ich werde toll.
H. Heine 18, 47;
tanzen aus, hinaus:
er drückt ihr die händchen ...
und tanzt sie hinaus durch die offene thür.
Lenau 2, 25;
hör', es wiehert unten dein rosz, aus der burg dich zu tanzen (tanzend zu tragen)
zu der schaar.
Klopstock od., krit. ausg. 2, 70;
du versprachst das paar mit mir zu machen (mit mir zu tanzen). aber ich hörte; ein keusches weib hielte ihr versprechen nicht, und so gabst du vor meinen augen dem prinzen die hand. und ich tanzte die bäume im garten aus der wurzel. Klinger theater 2, 229.
3)
reflexiv:
(er) glich dem kranken,
der sich zu tode tanzt.
Wieland 9, 27;
den tanz versäumst du! ...
er tanzt sich schön!
Göthe 7, 28.
unpersönlich:
im offnen tanzt sich's nur,
so lang Fortuna fiedelt.
3, 292;
da ward der füsze nicht geschont,
da hat sich's genug getanzt.
Hagedorn 3, 75;
gelt, schätzle, gelt! so tanzt sichs recht.
122.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 122, Z. 17.

tanzen, n.

tanzen, n.
der substantivierte infinitiv des vorigen (1): vom anfang und ursprung des tantzens sein mancherlei meinungen vorhanden. Albertinus hauspolizei 2, 137ᵇ;
tanzen unde singen muoʒ ich haben.
minnes. frühl. 185, 17;
tanzen unde turnieren
het man dicke gefunden.
Reinfr. v. Braunschw. 12510;
sô ir die zît unnützelîchen an geleit habet ... mit tanzen unde mit topeln. Berth. v. Regensb. 21, 21; weinen, lachen, klagen, tantzen hat seine zeit. pred. 3, 4; wie einem kröpel das tantzen, also stehet den narren an von weisheit reden. spr. Sal. 26, 7;
sie hetten umb den kreis ir tantzen.
H. Sachs 9, 274, 19;
als er sahe das unzüchtig danzen zu Straszburg. Zimmer. chron.² 4, 67, 27; ich liebe das frantzosche dantzen gar nicht; ein ewig menuet .. ist mir unleidlich. Elis. Charl. (1867) 447. (1881) 127;
tantzen steckt beim lieben voller seegen,
darum hat michs iederzeit ergötzt,
weil man, wenn die füsze sich bewegen,
auch die hertzen in bewegung setzt.
Stoppe ged. 2, 118.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 124, Z. 56.

tänzen, verb.

tänzen, verb.
1)
ein kind tänzen, was tänzeln 2 teutschengl. wb. (Leipzig 1726) 1014.
2)
reflexiv (im partic. ohne sich), vgl. tänzeln 3:
von art nit wie sonst weiber gehn
geförmbt, geschminkt, geputzt, geschwentzt,
gestickt, gestrickt, geprest, getentzt.
Calagii Susanna 3, 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 124, Z. 77.

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j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
dazwischen
Zitationshilfe
„danzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/danzen>, abgerufen am 02.12.2021.

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