Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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daus, n.

daus, n.
die zahl zwei, binio, ahd. dûs Graff 5, 229, mhd. tûs, engl. deuce, altnord. daus, dän. duus, von δυάς dyas, nicht erst von dem französ. deux, wie Frisch und Adelung annehmen.
1.
zwei augen im karten- und würfelspiel,
umbe die frowen stât ez sô,
rehte als umbe ein toppelspil,
ob manz ze rehte merken wil,
ez ist wâr und niht gelogen,
ez velt eim rîchen herzogen
als lîhte ein esse (as) oder ein tûs (trift ihn dasselbe schicksal)
als dem bœsten (geringsten) von dem hûs.
Eraclius 2462—68.
der tiuvel schuof daz würfelspil
dar umbe daz er sêlen vil dâ mite gewinnen wil.
das esse er hât gemaht dar ûf daz éin got gewaltic ist.
der himel in sînen handen stât
und diu erde, dar ûf er daz tûs gemachet hât:
die drien ûf die drîe namen die er hât, der süeze wære Krist:
daz quâter worhte er mit grôzen listen
ûf die namen der vier êvangelisten:
den zinken ûf des menschen sinne
wie er die fünfe mache kranc:
das ses, wie er sehs wochen lanc
die vasten uns mit toppel ane gewinne.
Reinmar von Zweter MS. 1, 124ᵇ.
dar umbe sül wir prîsen
den pfaffen Amîsen,
swie verre er fuor in daz lant,
daz man doch zallen zîten vant
vil grôzen rât in sîme hûs.
dâ viel daz esse noch daz tûs
niht an der handelunge
Stricker Amis 2480—85.
d. h. die bewirtung war nicht gering. Hugo v. Trimberg weist auf die verarmung durch das spiel,
von zinken (cinq) quâter unde tûs
hât manger ein unberâten hûs
Renner 11410.
sie warf ein zinken unde ein tûs = sieben.
Liedersaal 1, 141, 534.
duo puncti in tessera ein taus Diefenbach wörterbuch von 1470. s. 248. Voc. teut. 1482. gg 3ᵇ.
wan neun und fünf und vier und sechs
ir datum wirt (die christen auf gute würfe ihr vertrauen setzen)
so kumpt daus es (ein geringer wurf)
und straft ses zink umb die neun stück.
Fastnachtsp. 294, 16.
sie (die frau) gab aus (die karten),
gab mir ein dritlein, ir ein daus
H. Sachs 1, 518ᶜ.
in einem geistlichen spiel bei H. Sachs würfeln die kriegsknechte des Pilatus um den rock Christi,
Romanus. das losz werfen wir uber dem
gestrickten rock, welcher in nem.
er wirft mit zwen würfeln ein wurf und spricht
ich hab drei esz, ich bin darvon,
er wird an mich nit langen thon.
der ander knecht. ich hab drei dausz, gwin auch nit viel,
mit dir ich darnach gleichen wil.
der dritt knecht. nu secht zu, ich hab quater drei:
ich hoff ich sei auch noch darbei.
der viert knecht. glück walts, der würfel trägt sesz daus:
der rock ist mein, das spiel ist ausz.
3. 1, 219ᵈ.
δυάς binio dausz zwei Frischlin Nomencl. 476. Henisch 665. Daus es zwei und eins = drei, ebenso dän. duus es, wo man auch tröieduus hat, für drei und zwei = 5. daus ist also ein geringer wurf. würft er (im bretspiel) dusz esz Keisersb. Marie himelfart 13ᵈ. so ungewis als wann einer mit dausz esz ein spil gewinnen wil Kriegbüchlein des frides bl. 82. sonst sind wir christen wie dausz esz ein schantze bl. 174.
er sprach 'ich (der teufel) far in den würfel,
von dem quater mach ich ein tausz'
Bruder Rausch A ij.
wirf nur ein dauszlin Garg. 165ᵇ. es, dausz, troi 171ᵇ. zwei dausz (so ist zu lesen) = vier, quater dausz = acht 97ᵇ. bei H. Sachs heiszt der spieler der karten und würfel bei sich trägt, Clas Schellendaus 5, 357. die drei stände werden durch die verschiedenen würfe bildlich angedeutet,
Taus es (das gemeine volk), wart daz ir icht verslast,
und weichet nicht von kotter (quatre) drei (vom mittelstand),
die werden euch daz spil gewinnen.
ses zink (der adel) die wonen euch nicht pei.
Rosenplüt Nürnberger rais 24. 108. 284. 403.
dausz esz hat nichts, sesz zink gibt nichts, quater drei (d. i. vier und drei) musz herhalten, das ist, der mittelstand auf erden musz sich am meisten leiden in allen auflagen. unio pauperior Codro est, ut binio egenus: senio nil confert: quinio nil tribuit. mithin geht nur der arme und der reiche frei aus Henisch 665. Stieler 388. daus es bedeutet auch einen listigen, verschlagenen, nichtswürdigen menschen das. und so erklärt sich wol das sprichwort das Henisch anführt, Dauszes, hastu mein pferd nicht gesehen? dieselbe wittib war ein rechtes dauses, die nicht viel ihres gleichen hatte Courage im 2 ten theil des Simpliciss. 130. die liederliche soldatenfrau erzählt 'ich konte abermal des namens Courage nicht los werden, wiewol ich ihn unter allen meinen sachen am allerwolfeilsten hinweg gegeben hätte, dann meine alte oder vielmehr die junge kunden von der armee ritten mir zu gefallen in die stadt und fragten mir mit solchem namen nach, welchen auch die kinder auf der gassen ehender als das vaterunser lerneten, und eben darumb wiese ich meinen galanen die feigen. als aber hingegen diese den stadtleuten erzehlten was ich vor ein dauses wäre, so erwiese ich hinwiederumb denselben ein anderes mit brief und siegel 147. Gryphius irrt (soll es nicht ein scherz sein, wie triumph für trumpf), wenn er in folgender stelle tausend statt daus setzt,
wie nichtig sind die schätze,
um die ihr (im kartenspiel) alles wagt! itzt bildet der sich ein
es sei gewonnen geld, das glück lach ihm allein,
zehlt tausend, könig, frau: schau aber wie behende
ihn jener im triumpf gleich als gefangen sende
und seine baarschaft zieh
2, 507.
eure und meines esels sprache wie ein tausz mit dem andern übereinkommen Causenm. 84.
2.
aus diesen beispielen ergibt sich schon dasz beim würfelspiel as und daus die niedrigsten würfe sind. beim kartenspiel verhält es sich umgekehrt, im französ. spiel hat as die erste stelle, im deutschen aber daus, wo eichel- grün- schellen- und herzdaus obenan stehen (Frisch 1, 187) und wo daus für as gilt.
wie in der karte kan das tausz
vom trumpf gestochen werden
Canitz 225.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 853, Z. 67.

daus, m.

daus, m.
niederd. duus, engl. deuse, ein ausgezeichnetes und treffliches wesen, ein mensch den man mit wolgefallen ansieht. man sagt, wenn man einen loben will, er ist wie ein daus.
bis sie das herz, gleichwie ein daus,
vor allen leuten schütten aus
B. Ringwaldt lw. 368.
du spinnst ja wie ein daus, so hübsch, so zierlich.
Göckinck 3, 83.
der onkel, indem er die hand des bräutigams in die hand der mutter der braut legt, sagt da hast du einen sohn, wie einen daus. so läszt michs der liebe gott also erleben, alle die mir lieb sind, glücklich zu sehen Hermes Sophiens reise 6, 595. ein mädchen wie ein daus Musäus Kinderklapper 118.
zu einem stock (weinstock) will ich euch führen,
das ist ein stöckchen wie ein daus.
Novalis gedicht zur weinlese 3, 2.
Adelh. du kennst den junker Fritz, er macht mir stark die cour.
Meta. ein jüngling wie ein daus; er fürchtet keine spinne.
Kotzebue Dramat. spiele 3, 323.
so schlage ich vor dasz wir die stuben selbst malen, ich bin ein daus im marmorieren Freytag Soll und haben 2, 309. s. däuschen, dausmann, deutscher. Als ausruf der verwunderung, so viel als ei! ei! oder des schreckens, der daus! der henker! der teufel! dasz dich der taus! Schmid schwäb. wörterb. 122. was der daus haben die leute da vor!
der daus! wie thät sich freuen
das publikum der neuen
herausstaffierten schönen!
ich lacht in meinen zähnen
Overbeck Ged. 27.
ei der daus! der lange quartiermeister richtete sich in seinem pelze ziemlich auf und sumsete im glücklichen selbstvergessen laut genug 'der daus! pfarrer?' J. Paul. im niederd. und englischen kommt das wort nur in diesem ausruf vor und immer im bösen sinn, de duus! the deuse! so ist auch wol das niederd. he schlog lustig op de däusen (Quickborn 285) zu verstehen. vielleicht ist durch die vermischung dieses worts mit daus binio das dort bemerkte dauses in der auffallenden bedeutung von einem verschlagenen menschen entstanden und gehört hierher. die schon von Schilter und Wachter vorgebrachte, in England angenommene vermutung, dasz daus und die gallischen dusii duscii zusammengehören, zumal in der Bretagne noch heute die benennung duz fortlebt (d. mythologie 449), ist nicht unwahrscheinlich, und ursprünglich mag ein zweideutiges, bald gutes bald böses wesen gemeint sein; vergl. Graff 5, 229.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 855, Z. 25.

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Zitationshilfe
„daus“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/daus>, abgerufen am 18.09.2021.

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