decke f
Fundstelle: Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 882, Z. 29
tegumentum, ahd. deckî decha Graff 5, 103. mhd. decke Benecke 1, 295. altfries. thekke, niederd. deke, dän. däkke. im 16ten und 17ten jahrh. oft gekürzt in deck. doch kommt auch decken vor, wie in Schwaben noch heute decken mit dem pl. deckenen Schmid 124. deckin Pauli Schimpf und ernst 356. meist biegsam wird sie vorsorgend zum schutz gewöhnlich gegen kälte über etwas gelegt, gebreitet oder gezogen, braucht es aber nicht völlig zu umschlieszen oder einzuhüllen. früherhin hatte auch dach diese weitere bedeutung, ist aber jetzt in den begriff von tectum eingeengt, wofür decke nur bei dem dach einer stroh- oder erdhütte und dergleichen kann angewendet werden. Dasypodius 313ᵇ erklärt das wort durch stratum, stragulum, stroma, cortina aulaea, aulaeum, torale, lodix, lodicula, vestis. Maaler 88ᵇ durch integumentum, amictus, tegmen, operimentum, involucrum, tegulum. Henisch 667 durch golter, leilach, teppich, decktuch.
1.
im eigentlichen sinn wird es im mhd. fast nur für bedeckung der menschen und pferde gebraucht (beispiele bei Benecke 1, 295), ein paar mal für den überzug des schildes; s. Wigalois 9595. Engelhart 2560. in jenem fall hiesz es gewöhnlich bettdecke, so auch in declachen betttuch und in deckeblôz Lichtenstein 516, 10.
und het mein kleider abgezogen
und plos (mich) under die deck geschmogen.
Fastnachtsp. 332, 24.
es zalens die unter den stroen dechen
die armen peurlein in den dorfen
380, 33.
und nam eine alte deck geflickt,
welliche lag ob seinem bett
H. Sachs 4. 3, 59ᵃ.
hab mich mein tag mit faulen secken
geschlept und under mancher decken
beholfen, wo ichs hab bekommen.
Wolgemut Esopus 2, 385.
kinder kriechen unter die decke. der kranke wirft die decke ab, wenn er im fieber liegt. man verhüllt sich in die decke, wickelt sich hinein. eine steppdecke von grünem atlas lag auf dem bett: die frau konnte keine leiden die aus bunten lappen zusammengesetzt war. unter damastenen decken schlafen Schiller 190ᵇ. bei den pferden war es im mittelalter eine eiserne bedeckung, über welche der pracht wegen noch eine zweite von kostbarem zeug lag, wo denn decke und dach als gleichbedeutend neben einander stehen konnten,
der îserînen decke dach
was ein pfellel
Parz. 261, 13.
sîn ors von îser truoc ein dach
daz was für slege des gemach.
dar ûf ein ander decke lac,
ringe, diu niht swære wac:
daz was ein grüener samît
36, 23.
jetzt legt man den pferden eine zottige wollendecke (gausape) auf Comenius Orbis pictus 157. Aber wir gebrauchen das wort auch in andern beziehungen. im winter musz eine decke von bast über diese bäumchen gelegt werden. den knollengewächsen gibt man eine decke von erde oder von mist. der schnee ist die beste decke für die kornfelder. du solt auch eine decke aus zigenhar machen zur hütten uber die wonunge von eilf teppichen 2 Mos. 26, 7. und wenn er solches mit inen redete, legt er eine decke auf sein angesicht 34, 33. 34. 36. und macht eine decke uber die hütten von rötlichten widderfellen, und über die noch eine decke von dachsfellen 36, 19. wenn das heer aufbricht, so sol Aaron und seine söhne hinein gehen und den furhang abnehmen und die lade des zeugnis drein winden und darauf thun die decken von dachsfellen und oben darauf eine ganz geele decke breiten und seine stangen dazulegen, und uber den schawtisch auch eine geele decke breiten 4 Mos. 4, 5—7. und das weib nam und breitet eine decke uber des brunnen loch und breitet grütze drüber, das man es nicht merket 2 Samuel 17, 19. die nacketen lassen sie liegen und lassen inen keine decke im frost, den sie die kleider genommen haben Hiob 24, 7. er breitet eine wolke aus zur decke Psalm 105, 39. deine pracht ist herunter in die helle gefaren sampt dem klange deiner harfen: motten werden dein bette sein und würme deine decke Jesaia 14, 11. denn das bette ist so enge das nichts übrigs ist, und die decke so kurz das man sich drein schmiegen mus 28, 20. ich kleide den himel mit dunkel und mache seine decke als einen sack 50, 3. Dedan hat mit dir gehandelt mit decken, darauf man sitzet Hesek. 27, 20. darnach schneit sie im (Judith dem Holofernes) den kopf abe und welzet den leib aus dem bette und nam die decke mit sich Judith 13, 9. sehet dis ist das heubt Holofernis und sehet das ist die decken, darunter er lag, als er trunken war 19. oder leret auch nicht die natur das einem manne eine unehre ist, so er lange har zeuget, und dem weibe eine ehre, so sie lange har zeuget? denn das haar ist ir zur decke gegeben 1 Corinth. 11, 14. 15. decke von stro und binzen und dergleichen gemacht Dasypod. 313ᵇ. decke ausz maszkraut oder bintz gemachet wie ein gulter Maaler 88ᵇ. gestücklete, zesamen blätzete decke cento 89ᵃ. gewirkte deck oder serge, heidnisch deck tapete Dasypod. decke eines galgbrunnens puteal ders. decke über einen behangenen wagen Henisch 667. Frisch 1, 188. decken von rohr geflochten, die man umb die kaufmannswaren führt und in mehr weg gebraucht, matzen, flechten storea, teges cannea, matta Henisch 667. der deck oder kissenziechen stickt 669. grobe deck, serg gausape ders. 669. Stieler 284. zötige (grobe) decken Henisch 669. eine geflickte decke, bettlersmantel cento ders. 669. Stieler 284. decken und rüstung zu einem schaw- und gaukelspiel siparium scenicum, apparatus scenicus, velamentorium Henisch 667. gestickte, bunte, scheckigte stragulum acu pictum, versicolor ders. glatte decken mappae sine villis ders. lederne, härene, rauhe decke Frisch 1, 188. die augenwimpern sind der augen decke ders.
weg, Moses, mit dem fluch, hier hat gesetz ein ende,
der decke darf man nicht, dasz uns der herr nicht blende.
Fleming 14. vergl. 2 Mos. 34—36.
feine wollene decken mit purpursäumen, ein lager
zu bereiten, das uns traulich und weichlich empfängt.
Göthe 1, 301.
2.
für deckel. dasz gleich die decke sei wie der haf (olla) S. Frank 36.
häfen, krüg und deck
sind all von einem dreck
Eyering 3, 5.
ein solcher topf kann kein andere deck leiden Henisch 699. die decke eines gefäszes operculum vasis Steinbach 1, 238.
3.
die bedeutung von kleid zeigt eine sprichwörtliche redensart im Lanzelet,
nû lît ze Schâtellemort
gevangen unser recke.
im was âne decke
als mære als mit gewande
3679,
er war gegen alles gleichgültig. Luther gebraucht das wort in diesem sinn, doch mehr als bild, denn sein kleid ist sein einige decke seiner haut, darin er schläft 2 Mos. 22, 27. hab ich jemand sehen umbkomen, das er kein kleid hatte und den armen on decke gehen lassen? Hiob 31, 19. decke und futter kleidung und speise.
wenn sich der mensch gnügen läszt
an deck und futter alle frist
Eyering 3, 51.
so solt ihr gnugsam han allzeit,
das ist futter und deck auf erd
3, 288.
wenn wir futter und deck thun han,
so sollen wir uns genügen lan
3, 348.
wir sollen uns gnügen lassen, wenn wir futter und decke haben Henisch 669.
4.
die decke einer stube oder eines gemachs, einer kirche, der plafond. die vertäfelung, oberboden oder büne lacunar, laquear Henisch 667. eine bretterne, gewölbte, gemalte, berohrte decke, gypsdecke, plattdecke laquear planum. ausgeziert, eine felderdecke laquear diversis spatiis distinctum, spiegeldecke unico spatio tanquam speculo ornatum Frisch 1, 188. und bawet die wende des hauses inwendig an den seiten von cedern, von des hauses boden an bis an die decke 1 Könige 6, 16.
unerschütterlich ruht die hohe decke des hauses
Göthe 40, 344.
wie wurde mir als ich ins innre nun
der kirchen trat, und die musik der himmel
herunterstieg und der gestalten fülle
verschwenderisch aus wand und decke quoll
Schiller 409.
um eine grosze freude auszudrücken, sagt man wenn er das vernimmt, so springt er bis an die decke. s. deckenhoch.
5.
technische bedeutungen. in der anatomie ist decke die haut über dem menschlichen körper. bei den jägern die haut des bären, dachses, hirsches, rehes, fuchses. in der botanik die dünne haut welche den samen oder die blumen der farrenkräuter bedeckt, indusium Nemnich 2, 231. bei den perrückenmachern das stück der perrücke, das den scheitel bedeckt. bei den buchbindern dasjenige, womit der band eines buchs überzogen wird und die verzierung desselben. bei den weingärtnern bezeichnet es die bedeckung der weinstöcke gegen winterfrost Frisch 1, 188ᵃ. die decke des schiffs das verdeck, constratum navis Steinbach 1, 238.
auf der decke (einer brieftasche), glaub ich,
ein schattenrisz mit perlen eingefaszt
Schiller 289.
6.
uneigentlich und bildlich.
diu künegîn Arnîve sprach
'hêr, nu prüevet iwer gemach.
ir solt an disen stunden
ruowen ziwern wunden.
hât sich diu herzogîn bewegn
daz se iwer wil mit decke pflegn
noch hînte geselleclîche,
diu ist helfe und râtes rîche'
Parzival 640, 13—20.
wille nimet got alsô her gut ist und lustic, und dâ nimet her (er) got under einer decke verhüllung, erkennt ihn nicht wahrhaft Hermann v. Fritzlar 178, 38. niemand sol seines vaters weib (stiefmutter) nemen und nicht aufdecken seines vaters decke 5 Mos. 22, 30. man musz ihm die decke vor den augen wegziehen man musz ihn von der teuschung befreien, ihm das vorurtheil nehmen.
geflügelt ist das glück und schwer zu binden:
nur in verschloszner lade wirds bewahrt.
das schweigen ist zum hüter ihm gesetzt,
und rasch entfliegt es, wenn geschwätzigkeit
voreilig wagt die decke zu erheben
Schiller 495.
die natur ist nur eine idee des geistes, die nie in die sinne fällt: unter der decke der erscheinungen liegt sie, aber sie selbst kommt niemals zur erscheinung ders.
so bitt ich dich zerreisz der augen faule decke.
Hofmannswaldau.
hab mich mein tag mit faulen secken
geschleppt und under mancher decken
beholfen, wo ichs hab bekommen
Waldis Äsop 228ᵇ.
dasz du deinen begierden den zaum anlegest und die decke deiner lüste ein wenig enger zusammenziehest Olear. Rosenth. 5, 19.
ach weh die hoffnung ist nun weg,
ich bin ein maulesel ohne deck.
Chr. Weise Zweifache poetenzunft 12.
um hinter dieser decke die seichtigkeit des beweises durchschlüpfen zu lassen Kant 7, 371. ein unverständiger obrister der die gemeinde unter der decke (dem vorwand) der landes wolfart plaget Olear. Baumgarten 7, 21. gerade weil die materie närrisch scheint, wollt ich um meinen kopf wetten dasz ein geheimnis unter der decke liegt sich verbirgt Wieland 13, 149. dasz hier etwas unter der decke liegt 18, 215. durchblicke kühn die alte graue decke der vorurtheile Seume. was den Homer betrifft, ist mir wie eine decke von den augen gefallen bin ich plötzlich zu klarer einsicht gelangt Göthe 28, 242.
so zerreiszt er eine strecke
quer des thales ruhige decke
41, 137.
unter éiner decke in gemeinschaft, in verbindung,
was eine lange weite strecke
im leben von einander stand,
das kommt nun unter einer decke
dem guten leser in die hand
Göthe 1, 11.
nicht selten ist die redensart mit einem unter der decke spielen, liegen, stecken, um eine verborgene, meist unrühmliche mitwirkung zu bezeichnen. so finden leut bald schutz und beifall, die zu tief greifen und andere mit sich unter der decke liegen und partem de tunica haben lassen Mathesius 150ᵃ. wer mit bösen und lasterhaftigen leuten umbgehet, wird das ansehen haben, als wenn er mit ihnen gleiches sinnes wäre und mit unter ihrer decke läge Olear. Rosenth. 8, 115. dasz vir ille magni nominis mit meinem verleumbder unter der decke liege Schuppius 787. von denen die einig sind, sagt man sie liegen unter einer deck Lehmann 186. mit unter einer decke liegen es mit einem halten Frisch 1, 188. eine der hauptklagen gegen ihn, dasz er mit den Persern unter der decke spielete Heilmans Thucydides 112. der lange war gewis ein schatzgräber, mit dem du unter der decke spielst Göthe 21, 57. mit der frau wirthschaftsräthin, herr, können Sie doch nicht unter einer decke stecken Gutzkow Ritter vom geiste 2, 291. die schonung welche Richelieu den eingeschränkten begriffen seiner zeitgenossen schuldig war, schränkte seine politische thätigkeit auf die behutsamen versuche ein, hinter der decke verborgen zu wirken und die entwürfe seines erleuchteten geistes durch eine fremde hand zu vollstrecken Schiller 921. Möser gebraucht decke sehr eigenthümlich für unbedingte gewalt und herschaft, nunmehr (nach der vereinigung mit den Franken) waren die Sassen reichssassen. der bisherige gottes- oder priesterfriede machte dem königsbanne raum, und die reichsfahne wehte da wo vorhin die gottesfahne gestanden hatte. Carl war gesalbt und mithin August kein gemeines oberhaupt: sie traten also unter eine vollkommene decke, welche die wehren leicht in leute verwandelte Osnabr. gesch. 227. s.decken 2.
wie schlug mein herz, wie warf ich durch die decken
der grünen zweige blick auf blick
Hölty an eine quelle str. 6.
7.
man betrachtet die ehe als vollzogen, wann das bett beschritten ist, wann die decke man und frau beschlägt oder beschlieszt umfängt; vergl. Rechtsalt. 440. ähnlich eine andere rechtsregel, ist die decke über den kopf, so sind die eheleute gleich reich Simrock Sprichw. 1516. wenn und alsbald ouch die beid eelich gemechid die teck beschlüst, so sol jungfrauw Effrosinen zu rechter morgengab verfallen sein und zuͦgehören der gulden kopf (becher) mit den bluͦmen u. s. w. Geszler 39ᵃ. nachdem sie beid irs beiligens die teck beschlüszt, ir zu rechter morgengab werden sol ein gülden halsband uf hundert gulden wert 41ᵇ. nachdem sie die decken bei und mit einander beschlossen haben Thurneisser Ausschreiben 3, 18.
8.
sprichwörter. sich strecken nachdem und (als) er decke hat, nach seinem gut und staat (stand) leben, kosten haben nach seinem vermögen metiri suo se pede Maaler 88ᵃ. aller engel und menschen frömmkeit ist vil zu schmal eines menschen sünd zu bedecken, wann die decke gleich über alle himmel reichte Henisch 667. es musz sich oft ein guter mann unter einer schlechten deck behelfen Lehmann 204. sich nach der decke strecken vivere pro facultatum suarum modulo Stieler 284. Frisch 1, 188. Steinbach 1, 238.
ein armer soll sich strecken nach seiner decken
Henisch 669.
strecke dich nach der decke Chr. Weise Isaacs opfer 3, 7. man musz sich nach der decke strecken Lichtenberg 3, 92.
wer sich nicht nach der decke streckt,
dem bleiben die füsze unbedeckt
Göthe 2, 238.
schon Stricker hat das sprichwort gekannt,
daz borgen und daz gelten
diu bræhten lîhte ein schelten:
dâ von wil ich mich strecken
als ich mich kan bedecken
Haupts zeitschr. 7, 481.
9.
zusammensetzungen. altardecke, bärendecke stragulum ex pelle ursina. bettd. bilderd. velarium. binzd. Henisch 668. brautd. velam nuptae. breterd. fuszd. hauptd. calyptra, rica. helmd. kopfd. oberd. pferded. rückend. roszd. satteld. schandd. velamen honoris Stieler 284. schneed. strohd. stubend. sündend. occultatio delictorum. tafel-tischd. teigd. wagend. wappend. winterd. wollend.
Zitationshilfe
„decke“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/decke>, abgerufen am 08.12.2019.

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