dienstbarkeit f
Fundstelle: Lfg. 5 (1857), Bd. II (1860), Sp. 1121, Z. 51
1.
willfährigkeit, bereitwilligkeit zu dienen. dienstbarkeit, usz gutem willen unverpflicht, obsequium Vocab. incip. teut. d 4. so kusten sie all den braunen (das pferd) umb seiner dienstbarkeit willen weil er so treu gedient hatte Aimon 1.
will ich solchs wider zuͦ aller zeit
verdienen mit meiner dienstbarkeit
Schmelzl Saul 19ᵃ.
glaube nicht dasz, ob du schon viel dienstbarkeit erwiesen hast, du hättest mir darum einiges geschenk gebracht Olear. Baumgarten 2, 6. sage dem könige er soll seine hoffnung zur dienstbarkeit, mit welcher er will aufgewartet sein, auf die setzen, welche ihre hoffnung auf seine gnade setzen ders. Rosenthal 1, 31.
2.
unterthänigkeit, unterwürfigkeit, abhängigkeit, der zustand in dem man sich bei beraubung der freiheit befindet. begerestu aber on vernunft zuͦ leben, ietzunt wird dir die friheit ein anfengliche gefengnus der dienstbarkeit Cyrillus 32ᵇ. dann ein böser wil (wille) ie frier er ist. ie mer ist er underworfen der dienstbarkeit 32ᵇ. das du nit von wegen der begerte (begerten) herschung fallest in die dienstbarkeit der hoffart 33ᵃ. ist mer in dienstbarkeit sin weder (als) in herschung 33ᵇ. und wegerten sich zu hören und gedachten auch nicht an deine wunder, die du an inen thatest, sondern sie wurden halstarrig und wurfen ein heubt auf, das sie sich wendeten zu irer dienstbarkeit in irer ungedult Nehem. 9, 17. so wolten wir lieber einmal alle den tod kiesen denn also unser lebelang in schnöder dienstbarkeit und gewaltsamer beschwerung mit unsern weibern, kindern und freunden bedruckt und an leib und gut verunrechtet werden Schütze Beschr. v. Preuszen 199.
begeben ihr grosze freiheit
unter das joch der dienstbarkeit
Eyering 3, 563.
aus vielem müsziggehen
kommt sichers leben her, und endlich mit der zeit
auf gar zu sicher sein erfolgt die dienstbarkeit
Opitz.
(ich will) in tiefster dienstbarkeit für deinen augen stehen.
Hoffmannswaldau.
Deutschland hat für längst geherrscht als ein haupt der christenheit,
aber deutscher sprache werth lag in tiefster dienstbarkeit.
Logau 3. 6, 18.
wie oft hat deine dapferkeit
werk übermenschlich wol verrichtet
und deines feinds hochmut vernichtet
durch sein verdiente dienstbarkeit
Weckherlin 371.
und von der dienstbarkeit und irrthum schweren qual
ganz thewer zu erlosen
182.
wie oft werden die bauersleut dieser zeiten von ihren oberherrn zu weis nicht was für dienstbarkeit gezogen, wie oft werden sie gezwungen das vaterland zu beschützen, in krieg zu gehen Schuppius 697. der kerkermeister lebt nie sicher für demjenigen, der alle minuten im gefängnis zehlet und alle tage seine dienstbarkeit für lauter sterbensleufte achtet Butschky Patmos 203.
so weisz sie seine glut stäts stärker anzuschüren,
das band der dienstbarkeit stäts fester zuzuschnüren.
Bürde.
warum verlieszest du das licht der sonne, Griechenland, und jenes glückliche leben der freiheit, und kamst hierher in dies getümmel von prachtvoller dienstbarkeit, von aufwartungen und gestmälern? Schiller 1200ᵇ. meinst du, guter junge, ich könnte mir erlauben dich in solcher dienstbarkeit zu halten? Kotzebue Dramat. spiele 3, 174.
3.
leibeigenschaft. dienstbarkeit servitus, famulatus Dasypodius 315ᵃ. in dienstbarkeit geraten redigi in servitutem Stieler 315. einen in dienstbarkeit stecken aliquem in servitutem tradere ders. in ewige dienstbarkeit, in die knechtische dienstbarkeit hinwegführen Stieler 315. Frisch 1, 196ᵇ. aus der dienstbarkeit erledigen Schönsleder L. lösete mich aus der dienstbarkeit der christen (in der ich bei den Christen war) Olear. Rosenthal 2, 27. sich der dienstbarkeit entschlagen servitutis jugum a se repellere Steinbach 1, 271. einen aus der langen dienstbarkeit erlösen ders. sich aus der dienstbarkeit befreien ders.
kein zeichen der dienstbarkeit tragend am nacken
Voss.
4.
die verpflichtung die der besitzer eines grundstücks hat, etwas zu leiden, sich gefallen zu lassen, z. b. den durchgang durch das haus, das wasserschöpfen in seinem brunnen, einen fuszsteig über seine wiese, was man in der rechtssprache servitut nennt. eine solche dienstbarkeit erwerben, ausüben, abkaufen. man bezieht es auch auf das was ein besitzer zu leisten, zu thun gehalten ist, auf diesem haus haftet die dienstbarkeit die strasze im stand zu erhalten, nachts zu erleuchten.
Zitationshilfe
„dienstbarkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dienstbarkeit>, abgerufen am 12.12.2019.

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