Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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dröster

dröster,
s. trester.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1438, Z. 33.

tröster2, m.

²tröster, m.,
dasselbe wie trester: siliqua (obd. voc. d. 15. jhs.) Diefenbach nov. gl. 339ᵃ; fürs obd. seit dem 14. jh. bezeugt, zufrühest in einer abgabebestimmung: und sollen wir in geben den aindliften emer und nasse tröster (1340) österr. weist. 8, 898, 6; Gäbelkover artzneyb. (1596) 3, 192; E. Gocelius curiose beschr. (1697) 26; (1737) bei Fischer schwäb. 2, 371; vgl. ferner Wickram und Wirsung teil 11, 1, 2, 178 ff. s. v. trester. heute noch fürs oberfränk. und bair. bezeugt als bezeichnung der rückstände bei der bereitung von butterschmalz, s. Martiny wb. d. milchwirtsch. (1907) 130; in der form troster (truster), die bereits in bynentrostern bei Gersdorf wundartzney (1517) 93ᵃ begegnet, verzeichnet das wort fürs Elsasz Martin-Lienhart 2, 766ᵇ; vgl. trostwein neben trest(er)wein s. dort.hierzu: trösterkernöl, n., in einem buchtitel: anweisung zur bereitung des trösterkernöls ... zur gemeinmachung dieser vor (für) das ganze weinland so nützlichen erfindung ... von M. Ph. F. Binder (Stuttg. 1785); vgl. allg. dtsche bibl. 76, 577. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 988, Z. 61.

tröster1, m., nomen agentis

¹tröster, m., nomen agentis
zu trösten, bezeugt seit dem 12. jh. (s. unter 2 a), älter trostkebin consolantes bei Notker 2, 269, 21 P.; mit anlautendem d: drostere Elisabeth 4853 Rieger; droster Alsfelder passionsspiel 27, 877 Grein; in vocabularien des 15. jhs. md. und nd. herkunft bei Diefenbach 411ᶜ; dröster Hans Sachs 18, 273 Keller-Götze; die umlautlose schreibung, die im mhd. häufiger begegnet, findet sich bis zu beginn des 16. jhs. bei Luther 30, 2, 542 W.; 34, 1, 576 u. ö. (gegenüber tröster pred. Sal. 4, 1; klagel. Jer. 1, 21 u. ö.); aus d. j. 1502 bei Liliencron hist. volksl. 228, 218; gelegentlich entrundetes trester schausp. d. ma. 1, 203, 32 Mone.
1)
der älteren bedeutung von trösten I gemäsz bezeichnet tröster eine person, die durch handelndes eintreten, bürgschaft, fürsprache u. ä. anderen hilfe oder stütze gewährt.
a)
allgemein helfer, stütze, halt u. ä.:
(Hildebrand, bei der auswahl der 12 angreifer des rosengartens:)
der starcke munch Hilsan ...
kem er in sneller ayl,
der wer uns wol ein troster
für alle schande mail
rosengarten c 115, 7 v. d. Hagen-Primisser;
Tyrus zu dem kunig sprach:
werder kunig mer,
der armen troster!
mir hatt dein grosz miltikait
vertriben all mein laid
Heinrich v. Neustadt Apollonius 1835 Singer;
er (der teufel) würd freilich zum hertzogen von Braunschweig
der musz nu solche tröster haben draben,
lustig gespr. d. teufel ... v. d. flucht herzog Heinrichs v. Braunschw. (1542) b 3ᵇ;
entsprechend den verbindungen trost und hilfe, trost und rat (sp. 902 f.), trösten und helfen u. ä. (sp. 957) begegnen, jedoch mit übergang zu der bedeutung 3: helffer und tröster J. Mathesius Sarepta (1571) 3ᵇ; ratgeber und tröster Arigo decamerone 455, 33 lit. ver.; Luther 34, 2, 526 W.; weish. Sal. 8, 9.
b)
in der rechtssprachlichen bedeutung von 'bürge' (appromissor Maaler 409ᵇ), anschlieszend an trösten I 9, ist tröster im obd. vom 14.-17. jh. bezeugt, vor allem im westen (s. u.); über vorkommen im steir. s. Unger-Khull 176; öfter synonym in verbindung mit bürge oder (ge)wer: sie gaben abermahls bürgen unnd tröster, hielten doch schwachlich (das verbürgte) Stumpf Schweizerchron. (1606) 228ᵃ; (1358) bei Fischer schwäb. 2, 406; (1627) thurgauisches urkdb. 4, 749; tröstere und wern (1338) ebda 4, 729; geweer und tröster bei Fischer a. a. o.; gewöhnlich in stehenden verbindungen wie ze tröster(n) setzen: und zu ainer merun sicherhait so hab ich in ze tröstern und ze bürgen gesetzet hern Johansen von Frowenvelt, ritter, und Cuͦnrat von Wellenberg, und die hant in och gelobt bi ir trüwe in aides wise (1339) thurgauisches urkdb. 4, 749; zs. f. gesch. d. Oberrheins 25, 301; Fischer a. a. o.; ze tröster(n) geben (1317) bei Fischer a. a. o.; (1326) cod. dipl. Austriaco-Frisingensis 2, 152; (1469) weisth. 1, 196; tröster geben: und ward ain frid gemacht mit disem geding, dasz graf Diethelm dem gotzhus sin schlosz Utzenberg pfandbar machen söll und darzuͦ tröster gen J. v. Watt 1, 283; vgl. oben Stumpf und Fischer a. a. o.; vereinzelt jünger archaisierend wieder aufgenommen: Disentis und Lugnetz ... gelobten dem bundesverein von Rhätien ewige treue; stellten dafür sechs achtbare geiseln als tröster Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 38, 69.
c)
nur schmal ist tröster in der bedeutung von 'fürsprecher, advocat' bezeugt: (ein vor gericht geladener läszt sich) ein tröster für süni kint geben, sid dasz dü nicht under ögen (persönlich gegenwärtig) wärin. ... Hug Kamb ... gab Heinrich Landolt, bürger Zürich, für süni kint ze rechten tröster, der öch do für dieselben kint tröst (1374) bei Tschudi chron. Helv. 1, 483ᵃ Iselin; paracletus, consolator, consolabundus, aduocatus (!) tröster Er. Alberus dict. (1540) b b 4ᵃ.
2)
in geistlicher verwendung von den göttlichen personen.
a)
in erster linie vom heiligen geist auf grund des biblischen παράκλητος Joh. 14, 16 u. 26; 15, 26; 16, 7; tröster löst hier das ältere compositum trostgeist ab; älteste lexikalische belege des 15. jhs. bei Diefenbach 411ᶜ; vgl. auch gemma gemmarum (1495) q 1ᵈ: und ich bit den vatter, und er gibt euch ein andern tröster, daz er beleib mit euch ewiglich der geist der warheit (Joh. 14, 16) erste dtsche bibel 1, 397, 26 Kurrelmeyer; ähnlich Luther; zufrühest in einer interlinearversion des ambrosianischen lobgesanges den trostære für paracletum (hs. 12. jh.) in Graffs diutisca 3, 493; der hailig geist ist paraclitus, daz ist ain trœster Konrad v. Megenberg buch d. natur 70, 13 Pfeiffer; der heilige geist ... heiszet der tröster Tauler pred. 107, 27 Vetter. oft im deutschen kirchenlied auf grund der sequenz veni sancte spiritus:
kum du tröster heylger geist
1524 bei Bäumker 3, 323;
du hochster troster ynn aller not
Luther geistl. lieder 25 ndr.;
der heilig geist und warer gott
der höchste tröster in der not
1567 Leisentritt ebda 1, 656;
kom, ach kom, o tröster mein
1691 ebda 3, 35.
tröster wird geradezu als geistlicher terminus gebraucht:
gott vater sei lob und dem son,
der von den toden auferstund,
dem tröster sei dasselb gethon
in ewigkeit alle stund
Luther dichtungen 1, 35 Goedeke;
wie meine lehr vom vater kompt,
deszgleichen auch der tröster nimpt
das wort aus meinem munde
Ringwald evangelia (1581) r 5ᵃ;
(in einem lied an den heiligen geist:)
stärk uns, tröster! bleibe, bleibe
bey uns, wenn der tod ihn (Christus in der vorstellung seines leidens) trift
Schubart s. ged. (1787) 1, 109.
gewöhnlich tritt aber die nähere bestimmung appositionell hinzu: der tröster, der heilig geist, durch sein sun gesant, ist kummen nach der verheiszung Caspar Hedio chron. Germ. (1530) 148ᵃ; G. Arnold kirchen- u. ketzerhist. (1699) 125ᵃ; umgekehrt findet sich tröster als apposition zu heiliger geist: danne sol der mensch zehen jor beiten hernoch, e im der heilige geist, der tröster, in der worheit werde Tauler pred. 79, 29 Vetter; der heilige geist, der höchste tröster in aller noth B. Schupp schr. (1663) 584; wiederholt begegnet der wahre, der rechte tröster: der heilige geist ... ist der ware tröster Tauler a. a. o. 98, 14; Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1151ᶜ; der rechte tröster, der h. geist, ... der tauffet mit einem neuen leben Jac. Böhme von Christi testamenten (1682) 106; häufiger auch tröster der (aller) betrübten: wo nu Christus, daselbs ist auch sein heiliger geist, den er versprochen hat zuͦ der kirch ze senden als ainn troͤster der betruͦebten Berthold v. Chiemsee tewtsche theologey 49 Reithmeyer; (1648) bei Flaskamp hausinschr. 43; B. Schmolcke trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 400.
b)
von gott und Christus:
ir benam die manegen swære
der oberiste trôstære
(nisi tibi misericordia subvenisset omnipotentis)
Alber Tnugdalus 844 Wagner;
ackermann a. Böhmen 15, 16 Hübner; Jes. 51, 12;
gelobet sey mein gott,
mein tröster früh und spat
G. Weissel bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 9;
B. Neukirch ged. (1744) 74.
ze hant empfieng si (Maria) Jesum Crist
der aller welt an tröster ist
bei Arthur Hübner geiszlerlieder 195;
Hans Sachs 22, 100 Keller-Götze; Schleiermacher s. w. 2, 4, 93.
3)
im sinne von trost III, trösten III bezeichnet tröster eine person (a, b) oder eine ursprünglich personifiziert vorgestellte erscheinung (c), die durch innere anteilnahme, die äuszerung freundschaftlicher gesinnung, das gewähren eines seelischen halts, zuspruchs, einer beruhigung, aufheiterung und dergl. schmerzliche empfindungen anderer zu lindern suchen. tröster kommt hier lat. consolator, solator gleich, vgl. die glossierungen in vocabularien des 15. jhs. bei Diefenbach gl. 144ᵇ, 540ᵇ; nov. gl. 109ᵇ; consolator ein tröster, der einen sterckt und tröst Frisius dict. (1556) 311ᵇ. als festere verbindungen erscheinen gelegentlich: tröster in sorgen weish. Sal. 8, 9; tröster in ... trurigkeiten Pamph. Gengenbach 183 G.; häufiger tröster in der not G. Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 262; Fouqué held d. nordens (1810) 2, 104; A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 249 Cotta; vgl. aus dem 16. und 17. jh. unter 2 a. weniger gebräuchlich scheint die genetivische fügung wie tröster seines jammers Göthe I 49, 78 W., öfter nur im sinne von c: wein ... der sorgen tröster Hagedorn poet. w. (1757) 3, 185; Triller, Wieland s. u.
a)
von personen allgemein.
α)
bei leid und unglück:
wy ich (Hiob) saz als eyn kung gemeyt ...,
doch was ich eyn troster zu dank
den jamerygen luten crank (maerentium consolator),
den betrubten ich myte leyt
Hiob 11259 Karsten;
vgl. tröster der traurigen (Hiob 29, 25) erste dtsche bibel 7, 206, 45; die schmach bricht mir mein hertz und krencket mich, ich warte, obs jemand jamerte ... und auff tröster (qui consolaretur) ps. 69, 21; man ist ein ungeschickter tröster, wenn man den schmerz selbst nicht ... mitempfindet Bismarck briefe an s. braut u. gattin 16; mit gröszerer betonung der stärkenden und halt gewährenden kraft des trostes: als vermittler, tröster und berather der schwachen auftreten Holtei erz. schr. 2, 9; auf mir lag endlich nicht nur die ganze sorge für den unterhalt der familie, ich muszte auch noch der tröster der gesunden sein Storm w. (1899) 2, 38; (Moriz Haupt) stand ihm (dem vater) sieben jahr lang als tröster zur seite Wilh. Scherer kl. schr. 1, 122. beim schmerz um einen verstorbenen: wenstu, daz David hab gesant zu dir die tröster (consolatores) umb die er deins vatters (als beileidsdeputation) erste dtsche bibel 5, 164 (2. Sam. 10, 3);
vergeblich meld ich dir der wolverblichnen preis,
mit dem sich hier die welt und dort die engel tragen.
kurz, aller tröster kunst vermag dir nichts zu sagen,
das dein geübter sinn nicht selbst zur gnüge weisz
Richey bei Chr. Fr. Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 198;
auch bei liebesleid: mit kläglichen zehern (die von ihrem geliebten getrennte) Bianceffora den tröstern (zwei gutherzigen kaufleuten) zuhöret, die ir wenig trost geben mochten buch d. liebe (1587) 149ᵇ; du bist ein williger tröster, aber du kanst (mit der vertröstung auf neue liebe) kein glücklicher seyn, denn du weiszt nicht, wie viel ich (an Nais, der geliebten) verlohr A. G. Meissner Alcibiades (1781) 2, 146. verbale fügungen: den tröster machen oder spielen: dein ... brief ... möchte mich beinah besorgen lassen, dasz wir rollen tauschen und ich bald den tröster werde machen müssen G. Forster s. schr. (1843) 9, 102; (der alte offizier) spielte ... nach besten kräften den tröster Raabe hungerpastor (1864) 1, 240. redensartlich ist: einem guten tröster thut das haupt nicht weh C. Scheit frölich heimfart 3 Strauch; ähnlich bei Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1151ᶜ; Düringsfeld sprichw. 1, 43ᵇ; ye lieber der tröster, ye angenemer der trost bei Fischer schwäb. 2, 405.
β)
insonderheit ist tröster die bezeichnung aller seelsorge übenden:
wenn sie (die bettelmönche) zu den krancken gehn
und solten sie nun trösten schön, ...
sie thun das widerspiel mit schanden
kein trost ist bey jn nicht vorhanden. ...
seht, was seind das für tröster hie
Fischart s. dichtungen 1, 161 Kurz;
die absicht derer, die am ende des lebens einen geistlichen rufen lassen, ist gewöhnlich: dasz sie an ihm einen tröster haben wollen Kant (1839) 6, 243 H.; (der pfarrer:) wählt einen andern tröster für den sünder (einen zum tode verurteilten) A. v. Arnim w. 6, 161.
γ)
tröster begegnet in abgeblaszter bedeutung, wo der trost weniger seelischen gemütsempfindungen gilt, vgl. unter trost III 5 und IV: (schreiben eines kornhändlers, der bei einer guten ernte einen reichen vorrat lagern hat und verluste befürchtet:) zwar fehlt es nicht an tröstern, die mir sagen, ... der (neu geerntete) roggen ... habe entweder vom frost oder mehltau gelitten J. Möser s. w. (1842) 2, 58; zum überflusz nahm er noch im letzten monat seines akademischen lebens einen graubärtigen studenten ... zum lehrer an und meldete sich, als dieser alte tröster ... die pandekten mit ihm durchgepeitscht hatte, sehr muthig zum ... examen Langbein s. schr. 10, 65.
δ)
tröster kann einen abwertigen beiklang erhalten, der sich entweder aus dem sinnzusammenhang ergibt oder durch ein negatives attribut bezeichnet wird: deine tröster (viri pacifici) haben dich uberredt und verfürt und in schlam gefurt und lassen dich nu stecken Jerem. 38, 22; mein volck, deine tröster, (das ist, diejenige, die dir nach dem munde reden) ... die verführen dich B. Schupp freund i. d. not 19, 11 ndr.; (gräfin Orsina:) sie sind ein unverschämter tröster, Marinelli! Lessing 2, 427 Lachmann-Muncker; (der schauplatz) wo ihre verscherzte ehre nur schadenfrohe lacher, ihre verschmähte liebe nur peinigende tröster fand Schiller 3, 574 G.;
der tröster unberufne schar, wie wird sie nun zur plage mir
Platen 1, 126 Redlich;
häufig ist leidiger tröster; lexikalisch: consolator importuno, frivolo, molesto, noioso, oneroso Kramer teutschital. 2 (1702) 1151ᶜ; ihr seid alle zumal leidige tröster (consolatores onerosi) Hiob 16, 2; falsche freunde und leidige tröster Harsdörffer teutsch. secretarius (1656) 1, 94; einige leidige tröster, die mit kaltem munde und noch kälterem herzen mir vorschwatzten A. G. Meissner skizzen (1778) 1, 13; vgl. auch 3 c ζ.
b)
in der liebe (vgl. trost III 1 d und trösten III A 5); hier gewinnt das wort die bedeutung von 'liebhaber, geliebter'; der Florentiner ... nahm die gelegenheit so wohl in acht, dasz er dem studenten einsmahls des morgends ... nachfolgete, welches die gewöhnliche zeit war, da jener seine ehrbaren visiten (liebesbesuche) abzulegen pflegte. dieser lateinische tröster lief mit verdoppelten, jedoch gantz leisen schritten die treppe hinauf, verfügte sich hernach unangemeldet in die kammer der donna Liscata Ph. B. Sinold cur. cafehausz (1698) 43;
nunmehr bedarff sie einen nahmen,
den sie dem neuen liebsten gibt. ...
'mein tröster' ist ein süszer hohn,
es schwatzt sich nur nicht wohl davon
Chr. Weise d. grün. jugend überflüss. gedanken 127 ndr.;
(die heiratende)
hofft, sie hab ein tröster erfischet,
so hat sie ein drescher (tribulator) erwischet
Hans Sachs 17, 301 K.-G.;
weiber ... nehmen offt ein trescher vor ein tröster Lehman floril. polit. (1662) 2, 887; vgl. auch weibertröster huomo dato alle femine Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1151ᶜ. im höfischen minnesang entsprechend von der dame statt üblichem trösterin (s. dort unter 2):
vrouwe, ich wære gerne vrô.
daz mac âne iuwer helfe niht gesîn.
wê, wie wære iu danne sô! —
dan' ist niht an: nemt ander trœster danne mîn. —
âne got eine, kan mich niht getrœsten wan ir eine
Ulrich v. Singenberg 224, 10 Wackernagel-Rieger.
auch in jüngeren belegen kommt bei vorwiegen der allgemeineren bedeutung (3 a) gelegentlich die erotische tönung dieserart trost noch zum vorschein: Constantie ist ein gutes mädgen, ich wünsch ihr einen tröster; keinen von den leidigen, die sagen: ja, es ist nun einmal so, man musz sich zufrieden geben; sondern so einen tröster, der einen durch die sache tröstet, indem er einem alles wieder ersetzt, was man verlohren hat (nämlich den liebhaber). ... geben sie darauf acht, wenn sie jemanden sehen, der ... mit ihr spazieren geht, und ... nun das wissen sie ja, was alles dazugehört Göthe IV 1, 211 W. (an Käthchen Schönkopf);
noch eine soll den tröster sich erkiesen,
Robertos wittwe, Kordula, die arme ...
wir aber wünschen: möge wohl gerathen
die ehe Kordulas mit Fortunaten
Uhland ged. 1, 370 E. Schm.-H.
c)
tröster wird, zunächst personifizierend, dann auch allgemein übertragen, von geistigen wie gegenständlichen dingen gebraucht, die durch von ihnen vermittelte zustände, empfindungen, eindrücke oder gedanken trost zu spenden vermögen, vgl. trost III 3.
α)
rein geistige subjekte: die liebe, die do der verirrten ein lerer, ratgeber und tröster ist Arigo decamerone 455, 33 lit. ver.; ich habs beschlossen, mir sie (die weisheit) zum gespielen zu nemen, denn ich weis, das sie mir ein guter ratgeber sein wird, und ein tröster in sorgen und trawrigkeit (allocutio cogitationis et taedii mei) weish. Sal. 8, 9;
er schwebt herab aus seinen sternenthoren,
der mir entfloh, der milde tröster, glaube
an gott und wahrheit
Fr. Kind ged. (1817) 2, 169;
aus dem richter der welt wird es (das 'gesetz' als forderung der nächstenliebe) zum tröster der welt R. A. Schröder in: d. stunde d. christentums (1938) 268; von einem nicht näher bestimmten inneren gefühl:
ein innres wort, ein höhrer tröster, sprach (bei dem nahenden tod der gattin)
zu dem von angst und tiefen schmerzen
schon lang gepreszten herzen:
wer thut und trägt, was gott gebeut, ...
wird danken, wo er meint zu weinen
A. v. Haller ged. 156 Hirzel;
groszen herzen steigt der tröster
leuchtend aus dem eignen gram
A. Grün ges. w. 2, 203 Franke.
β)
von künstlerischen erhebungen:
(lies) den lieben Homer, der einsamen abende tröster,
welchen das kind anhöret mit lust und der alte mit andacht
J. H. Voss s. ged. (1802) 1, 106;
ein feyerliches lied, der beste tröster (comforter)
zur heilung irrer phantasie
Shakespeare (1797) 3, 117;
mein vater, dessen freund und tröster immer seine harfe war Cl. Brentano Godwi (1801) 1, 74.
γ)
heimat und landschaft: meine geliebte, theure vaterstadt, du ... wirst freundlich mein tröster in öden stunden maler Müller w. (1811) 1, 349; der wald hält uns frisch und warm und ist ein guter tröster E. Höfer aus d. volke (1852) 152.
δ)
öfter vom schlaf:
wo bist du hin, du tröster in beschwerde,
mein güldner schlaf?
Hagedorn poet. w. (1769) 3, 77;
Triller poet. betracht. (1750) 5, 447; Wieland I 13, 137 akad.-ausg.
ε)
von erquickenden und erfrischenden konkreteren genüssen, besonders vom wein:
ihr strotzende beeren, aus welchen die kelter
so zungen- als seelenerquickenden most,
den schäumenden tröster der traurigen, pressen
Brockes ird. vergnügen in gott (1744) 1, 279;
wie, murrt er, trügerischer wein!
sollst du der sorgen tröster seyn
und kannst nicht meiner schwermuth wehren?
Hagedorn poet. w. (1757) 3, 185.
sonst seltener:
wenn aber uns auch das gebricht
in unserm bivouak,
ist unser letzter tröster
der liebe rauchtaback
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 3, 194.
bei andern ausgesprochen materiellen bezügen nur vereinzelt: und ist gleichsamb der ofen ein gewaltiger tröster der angefochtenen, betrübten und von der kälten beleydigten menschen Guarinonius grewel d. verwüst. (1610) 483.
ζ)
mit negativem beiwort von abschätzig gewerteten dingen: reichthum ist ein schlechter tröster, wann man betrübt ist H. Müller geistl. erquickstunden (1714) 499; die welt ist ein leidiger tröster und kan keinen wahrhaftigen trost ins hertze geben, denn sie führet nur auf das irdische und auf zeitliche umstände A. H. Francke sonn-, fest- u. aposteltagspred. (1746) 1, 867;
ein schlimmer tröster, mein ich, ist der hasz
Raupach dram. w. kom. gatt. 1, 267;
ein buch ist in ihren umständen der elendeste tröster J. Fr. Löwen schr. (1765) 4, 246; briefe sind leidige tröster Caroline 1, 27 Waitz; vgl. auch 3 a δ und trost III 5 a η.
4)
als bestimmte bezeichnung eines gegenstandes.
a)
ein buch wird tröster genannt.
α)
zufrühest in dem compos. bachantentröster eselskönig (1625) 208, s. teil 1, 1060, das Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1151ᶜ erklärt als 'un buon libro di luoghi communi, un buon lessico, un buon postillante etc.', wonach es sich um ein hilfsbuch, ein nachschlagewerk u. ä. handelt: ein priester nur aus seinem bachantentröster, der postillen, will predigen lernen A. Ortelius blut-, angst-, thränengeld (1639) 41; ich wollte, dasz sie möchten lesen ... bey dem alten ehrwürdigen bachantentröster Ambrosio Calepino, was eine fabul seye B. Schupp schr. (1663) 827; daneben auch bubentröster als gelegentliche bezeichnung eines rechtsbuchs Abele v. Lilienberg gerichtshändel (1654) 529; älter ist gleichbedeutendes bachantenbuch Alberus wider Jörg Witzeln (1539) e 6ᵃ, s. teil 1, 1060.
β)
das simplex ist im gleichen sinne seit dem ausgehenden 17. jh. bezeugt: ich thue mich gleichwol dieses trösters (des lexikons von Dasypodius) in verteutschung der lateinischen bücher bedienen Abele künstl. unordnung (1670) 4, 225; gesetzt auch, es käme zuweilen ein ungewöhnlich (lateinisches) wort in diesem oder jenem autore vor, so ist doch bekant, dasz sich die gelehrtesten leute bey so raren exempeln des lexici als eines trösters bedienen Chr. Weise erznarren 83 ndr.; in der Pfalz ... reiten die herren, was das zeug hält, die alten postillen zusammen: ja, das ist schon ein rechter mann, welcher aus Martin Jockisch sel. expeditem prediger ... oder aus einem andern tröster von der art eine predigt zu fabriciren im stande ist Laukhard leben u. schicksale (1792) 4; da es sich in der regel um länger gehandhabte werke handelt, ist das beiwort alt häufig: (die beruhigung,) dasz ... auch die alten tröster in die begehrten bücher werden verwandelt werden Chr. Fr. Hunold geheime nachrichten (1702) 57; am ende liegt immer ein alter tröster im hintergrunde, woraus mechanisch der nöthige rath geschöpft wird Thibaut notwendigk. eines allg. bürg. rechts (1814) 424; ich habe viele alte tröster nachgeschlagen und mir überall raths erholen müssen A. v. Droste-Hülshoff 164 Cardauns-Jostes. auch mundartlich, z. b. Dähnhert plattdt. 495; Albrecht Leipziger ma. 225ᵃ.
γ)
jünger entwickelt findet sich die bedeutung 'älteres buch, veraltetes werk schlechthin', meist im abschätzigen sinne, daher auch besonders von schulbüchern: es ist selbiger der bekannte pere Thomaszin, welcher die gantze christliche religion in denen pfützen des Homeri, Hesiodi und andern alten griechischen und lateinischen tröstern gefunden Gundling satyr. schr. (1738) 54; die Lancelots du Lac, die Amadis, die Huons de Bordeaux und dergleichen alte tröster von romanen Bode Montaignes ged. u. mein. (1793) 1, 355; der begriff des alten, abgetanen kann aber auch zurücktreten und tröster etwa soviel wie 'schmöker' bedeuten: inländische und ausländische dichter waren ihm (als lektüre) gleich willkommen, ... es gab fast keinen tröster, über den nicht sein geist sich aus der gegenwart verlieren konnte W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 143.
b)
tröster bezeichnet mundartlich einen stock, gewöhnlich einen derben handstock, 'auf den man sich im falle eines angriffs verlassen kann' Vilmar Kurhessen 417; vgl. ferner Martin-Lienhart elsäss. 2, 767; Müller-Fraureuth obers.-erzgeb. 1, 254: wer den wilden jäger zuerst sieht, stöszt den andern, dann springen wir mit unsern tröstern über ihn her und schlagen den kerl zu brei Cl. Brentano ges. schr. 4, 250. auch für den rohrstock des lehrers, s. Betcke Königsberger ma. 61; H. Marggraf bücher u. menschen (1837) 12; er zog den 'tröster' liebevoll zwischen daumen und zeigefinger hindurch E. Wiechert kleine passion (1929) 103.
c)
gelegentlich für ein alkoholisches getränk, einen 'kleinen schnaps zur beruhigung oder stärkung' Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 437ᵇ; fürs schwäbische s. Alemannia 25, 125; da gevatter, ein zweigroschenstück, jetzt geh und hole mir den tröster A. v. Kotzebue s. dram. w. 10, 277. vgl. trost V, sp. 942.
d)
im hessischen gilt tröster, auch trösterig, trösterich u. ä. für den leichenschmaus, s. Kehrein Nassau 1, 411; Schmidt Westerwald 270; Vilmar Kurhessen 417; Pfister 301; Fr. Dingelstedt s. w. 4, 14. Schmeller-Fr. 1, 670 erinnert an den in einer leichenordnung vom jahre 1785 als bei sterbefällen üblich erwähnten tröstertrunk; vgl. den tröster trinken 'das trauermal halten' Vilmar Kurhessen 417; ferner tröstelbêr 'leichenschmaus' Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 437ᵇ.
e)
vereinzelt für membrum virile Martin-Lienhart elsäss. 2, 766ᵇ; alamod. technol. interim (1675) 466; vgl. weibertröster membro virile Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1151ᶜ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 982, Z. 35.

tröster2, m.

²tröster, m.,
dasselbe wie trester: siliqua (obd. voc. d. 15. jhs.) Diefenbach nov. gl. 339ᵃ; fürs obd. seit dem 14. jh. bezeugt, zufrühest in einer abgabebestimmung: und sollen wir in geben den aindliften emer und nasse tröster (1340) österr. weist. 8, 898, 6; Gäbelkover artzneyb. (1596) 3, 192; E. Gocelius curiose beschr. (1697) 26; (1737) bei Fischer schwäb. 2, 371; vgl. ferner Wickram und Wirsung teil 11, 1, 2, 178 ff. s. v. trester. heute noch fürs oberfränk. und bair. bezeugt als bezeichnung der rückstände bei der bereitung von butterschmalz, s. Martiny wb. d. milchwirtsch. (1907) 130; in der form troster (truster), die bereits in bynentrostern bei Gersdorf wundartzney (1517) 93ᵃ begegnet, verzeichnet das wort fürs Elsasz Martin-Lienhart 2, 766ᵇ; vgl. trostwein neben trest(er)wein s. dort.hierzu: trösterkernöl, n., in einem buchtitel: anweisung zur bereitung des trösterkernöls ... zur gemeinmachung dieser vor (für) das ganze weinland so nützlichen erfindung ... von M. Ph. F. Binder (Stuttg. 1785); vgl. allg. dtsche bibl. 76, 577. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 988, Z. 61.

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drinkbirne durchdrang
Zitationshilfe
„dröster“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dr%C3%B6ster>, abgerufen am 07.12.2021.

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