Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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drucken

drucken,
1.
ein buch drucken, librum formis excudere. im 16 ten und 17 ten jh. wird noch neben drucken der umlaut drücken gebraucht, der jetzt, zur sonderung dieser bedeutung, völlig ausgeschlossen ist; Stieler und Frisch trennen drücken und drucken. und ist (die predigt) getruckt und vollendet durch Joannem Grieninger in Straszburg 1518 Keisersb. Sünden des munds 89ᵇ. (der Leipziger buchdrucker Clas Faber) alle bücher so widder den Luther gemacht werden, so vleiszlich trückt Alberus widder Jörg Witzeln K 6ᵇ. wan ich euch ewer bücher trucken werde K 7ᵇ. ein buch trucken Dasypod. 193ᵇ. bücher trucken Maaler 410ᵇ.
sind weiter nachmals kommen
an Sina reichen strand, das porcellanen schickt,
und auch geschütze hat, und auch die bücher drückt.
Opitz 1, 108.
Joh. es ist wohl schade dasz man es (das geschriebene buch) nicht drücken läszt. Simpl. nein, nein, wer etwas vor sich behalten will, der darf es nicht drücken lassen Chr. Weise Klügste leute 190. er liesz in der frembde einen bogen papier voller trauerverse drücken Riemer Stockfisch 316. dasz er unterschiedene tractätlein hat drücken lassen Schuppius 612. einem etwas zu drucken geben Stieler 344. Stöcklein (der buchhändler) ist ein wahrhaft gebildeter mann und voll gedruckter kenntnisse J. Paul Nepomukkirche 113. er freute sich, als er sich gedruckt sah, arbeiten von sich. gleichwol meint der junge autor er sei ein rechter mann, nachdem er gedruckt worden ist Briefe die neueste litteratur betreffend 9, 3. drucken lassen bekannt werden lassen. bei meiner seele! so etwas sollte man drucken lassen J. Paul Unsichtb. loge 1, 118. und hab ich in den preuszischen staaten kein laut wort hervor gebracht, das sie nicht könnten drucken lassen Göthe in Mercks briefsammlung 1, 139. man sagt im gemeinen leben er lügt als wenn es gedruckt wäre als sei kein zweifel zulässig, als sei es ausgemachte wahrheit. s. abdrucken. andrucken. aufdrucken. ausdrucken. bedrucken. nachdrucken. verdrucken.
2.
bedrucken mit einer form. cattun drucken baumwollen zeug mit farbigen figuren bedrucken. buntes papier drucken. auf zeug, auf leinen drucken. gedruckte leinwand Stieler 344.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1441, Z. 68.

drucken, n.

drucken, n.
wie bücherdruck, expressio characteribus aeneis, labor typographorum Frisch 1, 209ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1442, Z. 29.

drücken

drücken,
ahd. druckjan Graff 5, 253, mhd. drücken Ben. 1, 400ᵃ, niederd. drükken, niederl. drukken, ags. þryccan, altn. þrykia, schwed. trycka, dän. trykke. das alts. gebraucht dafür thringan. im 16 ten und 17 ten jahrhundert steht gewöhnlich im anlaut die tenuis und der umlaut fällt häufig weg; Luther schwankt darin. jetzt ist der umlaut zur unterscheidung von drucken nötig, wiewol er in mundarten noch wegbleibt und auch Göthe, zumal in der früheren zeit, ihn häufig nicht zuläszt. Wackernagel bringt drücken mit τρύξ, τρώγω ich zermalme zusammen. das gothische þreihan gehört nicht hierher.
1.
im eigentlichen sinn pressen, zusammendrängen, premere. trucken tactitare, frequenter frequenterque tangere Voc. incip. teut. y 3. trucken oder pressen premere Voc. theut. 1482 hh 2ᵇ und drucken f 3ᵃ, so auch Voc. predic. v iiij. Diefenbach Gloss. lat. germ. 455ᵃ. trucken Dasypod. 193ᵃ. 445ᵃ. trucken, mit sterke stoszen, trudere, premere, inprimere Maaler 410ᵇ. drucken trucken Henisch 756. mich drückt die last auf dem rücken und nimmt mir den athem. er sitzt bei tisch nicht gerne gedrückt, eingeengt. was ist kleiner dan ein hirskörnlein? aber so einem drei sester uf den hals würden gelegt, es würd ihn trücken Keisersberg Sünden des munds 76ᵃ. auch kan ich dem schuͦmacher nit sagen wie er die schuͦch machen sol: ich sag im wol wo sie mir zuͦ eng sein und mich trucken 77ᵃ. der schuͦch truckt mir die füsz ubel Maaler 410ᵇ. Rädlein 203ᵃ. also trucken dasz es uberlauft Maaler 410ᵇ. einen hart drucken arcte aliquem premere Henisch 757. ein baum druckt und fleucht den andern arbor arborem premit ac fugit das. mit gewalt drucken und pressen das. indem ihre (der wahren christen) sele in beharrlicher freiheit bleibet, obgleich ihren leib die bande hart drucken Butschky Patmos 364. der alp hat ihn gedrückt Stieler 342. Frisch 1, 208ᵃ. was hat sie (die drud) im kloster zthun und mich zu drucken? Bucher Karfreytags procession 139.
find ich die fülle der locken an meinem busen! das köpfchen
ruhet und drucket den arm der sich dem halse bequemt.
Göthe 1, 279.
einem die hände drücken als zeichen der liebe und freundschaft.
do sah ich ihn zu sand Monzen
einer die hend gar freuntlich drucken
Fastnachtsp. 543, 17.
wie ich dir die hand noch drückte
Göthe 1, 300.
drücktest du so freundlich gestern abend
mir die hände
2, 102.
er (der sterbende) drückte dem schönen leben noch einmal die hand J. Paul Unsichtb. loge 2, 133.
keinen drück die hand zum scherz,
dasz nicht herzen kalten
Arnim 1, 272.
2.
mit einer präposition. einem geld in die hände drücken. butter in die tonne drücken. das gesicht in das kissen drücken. saft durch ein tuch drücken. auf einen hebebaum drücken. auf die klinke drücken. sich an einander drücken.
seid du (welt) auf mich gefallen hast (bist)
und druckst mich auf die erden
Wolkensteiner 116. 1, 4.
Lucretia hat ein messer in sich selbs getruckt in angesicht irer verwandten Frank Weltb. 237ᵇ.
mein weib wermt das aug mit dem mund,
druckt es widdrumb an seine statt,
das mir auch der maszen wehe that.
Rollenhagen Froschm. Q v.
der ander wolt Reinken gar schinden
und faszt ihn hinden an den hals,
drückt in hart an boden nachmals,
das ihm der athem gar entging
das.
sie klagten ihrer männer tod
und das kein hülf wär in der noth:
druckten die kinder an ihr herz
Rr iiij.
den leib an etwas drucken inprimere corpus Henisch 757.
und dann halbtod mich an dich getruckt (aus liebe)
da aller athem fast dem herzen ward entzuckt.
Rompler 75.
den saft aus etwas drücken Frisch 208ᵃ. den hut in den kopf drücken das.
er hatte seinen mund auf meine hand gedrückt.
Gellert.
den hut ins auge drücken
Gotter 1, 54.
und drückten sich, zum ewgen bund,
der treue kusz auf ihren mund
1, 222.
ich darf die traub, ich darf der biene saft,
des schafes milch in meine schale drücken
Bürger 69ᵇ.
doch sage mir wer druckte diesen kranz
auf Ariostens stirne?
Göthe 9, 130.
mit einer auffallenden gebärde drückte ich mir die mündung der pistole übers rechte auge an die stirn 16, 165. der inhaber drückte, ohne weiter ein wort zu sagen, seine künstlerhand durch das gesträuch J. Paul Hesperus 1, 66. ich möchte in die vollen blumen mich drücken ders. Titan 3, 42. ich drückte mich stumm an die lippen der vier umarmten 4, 175.
du küssest mich zum scheiden,
ich drücke dich an die brust
Uhland Ged. 79.
3.
mit einem adverbium. etwas danieder, herab, hinunter, fort, wegdrücken. er drückte den schnee in der hand zusammen. was ist leichter dan ein feder? wan aber einer drü bett auf den hals nimpt und vil federn zusammen, das etwan zwen oder drei zentner wiegt, so drucken sie einen darnider Keisersberg Sünden des munds 76ᵃ. ich trucke under, ich trucke nider, zetrette Dasypod. 193ᵇ. zusammen trucken stringere, comprimere 445ᵃ. nidergedruckte nasenleute die breite flache nasen habend, simones das. die rinden stoszen und das saft darausz trucken Maaler 410ᵇ.
nider aber druckt mich der sack
Gilhusius 13.
4.
ausdrücken exprimere. den stempel auf das papier, ein siegel auf eine urkunde drücken. o dasz ich künde ein schlosz in meinen mund legen und ein fest sigel auf mein maul drücken Sirach 32, 33. trucken, ausztrucken, gestalten Maaler 410ᵇ. drucken, gestalten, einsetzen Henisch 756. was man einmal in wachs drucket, das bleibt wol Schuppius 83.
jungfern, wann des liebsten mund
sich zu euerm munde schicket,
haltet still: es ist der grund
drauf die lieb ihr siegel drücket
Logau 1. 7, 83.
vieles hab ich versucht, gezeichnet, in kupfer gestochen,
öl gemahlt, in thon hab ich auch manches gedruckt.
Göthe 1, 355.
5.
hervor treiben, heraus drücken. laub fürhin trucken, fürhin schieszen folia agere dicitur arbor Maaler 410ᵇ. auch intransitiv, trucken, augenschieszen, wenn sich die augen an reben erzeigend Maaler 410ᵇ. mächtig und haufächtig trucken, als im früling die reben thund das. die reben drucken Rädlein 203ᵃ. alle reben so nicht erfroren, fiengen erst so spät an zu drucken Bluntschli. eine gebärende drückt Frisch 1, 208; drücken ventrem exonerare, levare alvum Stieler 345.
nächst stund ein jungferbild in willens sich zu schmücken,
ein rothes angesicht, fieng tapfer an zu drücken,
hielt athem an sich an: sie druckte so mit macht
dasz als ein donnerknall des ruckens nachbar kracht.
Jungfernanatomie in Joach. Rachels satyr. schriften.
6.
umarmen. einen zuͦ im trucken und lieben complecti hominem Maaler 410ᵇ. si trucken alle an einander J. Ayrer Tragödien. sie (Lucius und Tullia) trucken beede an einander und gehen ab 56ᵃ. Sigmina gibt ihm die händ, druckt ihn 219ᶜ. als er ihn genug geküszt und gedrückt hatte Klinger 10, 197.
7.
uneigentlich und bildlich.
a.
in vielfachen beziehungen.
nu sich an unser unschult,
daz man mit sulcher ungedult
uns drucket von der werlde hin in fesseln legt.
Passional 16, 11 Köpke.
ie mê die lûte in (den hl. Bernhard) pflâgen loben,
ie mê er dructe hin ze tal demütigte er sich
406, 67.
des hab ich oft ein lange nacht
ein mattras müssen drucken im bett liegen.
Wolkensteiner 6, 68.
also das alles mit einander muͦst du under dich trucken und mit den füszen deiner begierd under dich treten Keisersberg Sünden des munds 86ᵇ. emsig drucken obsidere Dasyp. 445ᵃ. heftig in die gedächtnus trucken und einbilden Maaler 410ᵇ. ich will heut ewern hochmuͦt drucken und zur erden senken Aimon g iiij. die den heiden groszen schaden und abbruch theten und all ir feindt sehr unter sich druckten Buch der liebe 268, 4.
welchem Furva entgegen ruckt
und mit sein leusen auf ihn druckt.
Rollenhagen Froschm.
das theater war gedrückt voll. ein ganzer gedrückter (eng besetzter) tisch gest Katziporus H 6ᵃ. ein guter hahn musz sein huhn nicht allein drücken (sich mit ihm begatten), er musz ihm auch fürscharren Pedant. schulfuchs 66. ein pferd drücken mit dem sattel wund reiben Frisch 1, 208. so auch die schuhe drücken machen die haut wund das. war mein hintercastell dermaszen gestrichen dasz ich in etlichen tagen keine bank damit drücken (darauf sitzen) konte Felsenburg 2, 178.
je nu, wer kennt euch nicht? ihr habt so manchem
ja euern namen in die hand gedrückt.
er steht in meiner auch, seit vielen jahren
Lessing 2, 319.
er bezog bald ein kleines haus, das erste welches hier die erde drückte erbaut ward Klinger 7, 206.
schmunzelnd in dem schlafe (traum) drücke
fest mein bild mit seinem schmatz.
Hölty Petrarch. bettlerode str. 5.
da war Kreta beglückt! das hochzeitbette der göttin (Ceres)
schwoll von ähren, und reich drückte den acker die saat.
Göthe 1, 276.
die wolke sinkt, der nebel drückt ins thal,
und es ist nacht und dämmrung auf einmal
2, 146.
wer ists der dort gebückt
nachlässig stark die breiten schultern drückt?
2, 147.
Amors hände fühlt ich, er drückt uns gewaltig zusammen.
1, 300.
er mit streben, drängen, drücken,
arme straff, gekrümmt den rücken
41, 137.
dieser centner musz von meiner seele, eh er sie zur hölle drückt Schiller 124.
tief in die seele drückt sie mir den blick
495ᵇ.
er ist das aug in das die welt sich drückt,
dein auge ists, wenn es mir liebe blickt
591ᵃ.
aber Torstensohn drang durch den unbesetzten pasz zwischen Schleswig und Stapelholm, ging mit einer neugestärkten armee dem Gallas entgegen und drückte (drängte) ihn den ganzen Elbstrom hinauf bis Bernburg 997ᵃ.
hast du einen ring am finger
schwer von gold, mit stein geschmückt,
das ist ächte lieb und treue,
wenn es recht am finger drückt
Uhland Ged. 311.
ein gedrücktes gewölbe das nicht völlig halbzirkelrund ist, sondern in der mitte etwas eingedrückt, ebenso ein gedrückter bogen.
b.
intransitiv, rücken, sich drängen, dringen. die planeten drücken gegen die sonne hin.
der veind einen er (der held) randt vom pferd.
das ersach sein gesellschaft werd,
truckten im nach mit aller macht
Theuerdank 82, 41.
ir saumet euch in kein weg nit,
sonder nembt ewre rewter mit,
so will ich mit dem anderen zeug
nach drucken, darumb so habt kein scheuch
91, 36.
c.
bedrücken, bedrängen, belästigen, schmerzen verursachen, quälen. trucken angere Dasypod. 445ᵃ. trucken, engsten, zwingen urgere; durch bitt nötigen rogare et flagitare Maaler 410ᵇ. drucken beharrlich anligen Henisch 756. drücken plagen, angere, torquere, urgere, affligere, vexare Frisch 1, 208ᵃ. die dumpfe luft drückt mich beengt mir den athem. es drückt mich auf der brust pectus angitur. der magen drückt mich stomachus aestuat. das geschäft im linnenhandel war gedrückt, flau. er wollte ihn bei dem handel nicht drücken, nicht zu viel fordern. durch eerabschneiden würst du demütig und getruckt, aber durch loben würst du hoffertig und erhebt Keisersb. Sünden des munds 33ᵃ. da man sich dann zesammen henket die oberkeit under ze trücken 46ᵇ. also von vil teglichen sünden wird ein mensch hindenach uberladen, das sie in ganz nidertrucken 76ᵃ. die weiber, kinder, arbeit, schlaf und alles was uns truckt und wir doch nit entpern können, sondern menschlich not erheischt Frank Sprichw. 10ᵃ. ich hab eine andere sorg die mich wirs truckt und näher angelegen ist Maaler 410ᵇ. wenn wir unser böse neigung drucken (unterdrücken) und verhindern mit fasten, wachen, beten Luther 1, 76ᵃ. du aber, viel köstlicher und heiliger denn s. Paulus, meinst meine lere zu drucken, wo du nur ein böses wort von mir möchtest aufbringen 1, 364ᵇ. die thewrung aber druckte das land 1 Mos. 43, 1. 47, 4. und man setzte fronvögte uber sie, die sie mit schweren diensten drucken solten 2 Mos. 1, 11. aber je mehr sie das volk druckten, je mehr es sich mehret und ausbreitet 1, 12. man drücke die leute mit arbeit das sie zu schaffen haben 5, 9. zur zeit, wenn die hitze drücken wird, werden sie verschmachten Hiob 6, 17. herr, strafe mich nicht in deinem zorn und züchtige mich nicht in deinem grimm, denn deine pfeile stecken in mir und deine hand drücket mich Psalm 38, 2. 3. dein grim drücket mich und drengest mich mit allen deinen fluten 88, 8. dein schrecken drücket mich 88, 17. das land wird daumeln wie ein trunkener und weggefürt wie eine hütte, denn seine missetat drücket es, das es fallen musz und kan nicht stehen bleiben Jesaia 24, 20. wir werden gedrückt und geplagt mit schrecken und angst klagel. Jerem. 3, 47. denn der sterbliche leichnam beschweret die seele und die irdische hütte drückt den zerstreweten sin Weisheit 9, 15. die rede des narren drücket wie eine last auf dem wege Sirach 21, 19.
und wolt sich mit dem meister wetzen
herwider mit selzamen stücken,
ob er sein stolze weis möcht drücken
H. Sachs 4. 3, 82ᵇ.
aber die sorg des gemeinen nutzes
und beschwerung des römischen schutzes,
die mich drückt und im herzen krenkt
Wolgemut 2, 307.
die furcht druckt das gemüte zu boden Butschky Patmos 340. mit schwerer arbeit gedruckt 384. diese plage druckt manchen gelehrten 670. der gedruckten leute seufzen Schuppius 383. von der armuth gedruckt werden 423. ich werde in meiner sache sehr gedrückt Stieler 342. je mehr man dich drückt, je rümlicher dirs ist das. die noth drückt den guten mann ziemlich das. die unterthanen mit ausgaben drücken Frisch 1, 208ᵇ.
weibern die der taufschein drückt,
wenn ihr reiz der sonst entzückt,
sonst gestritten, sonst gesiegt,
unter schichten runzeln liegt,
mag ich nicht gefallen
Lessing 1, 76.
sanfter friede hebe deine seele
aus der last des kummers die dich drückt.
Werther an Lotte (Deutscher Merkur 1775 Aug.) 97.
ich weisz dasz ihn mein übergewicht drückt Gotter 3, 336.
dir der doch so mit mord als Saul
die kirche gottes drückte
Bürger 49ᵇ.
unter dem aussteigen strömte vor meinem gesicht eine ätherische morgenluft vorüber; sie drückte mich nicht mit dem schwülen west eines trauerfächers, sondern hob mich mit dem wehen einer freiheitsfahne J. Paul Unsichtb. loge 1, xiv. er dessen brust eine äolshöhle voll gedrückter ströme war ders. Hesp. 1, 10. mit der sanften stimme eines gedrückten herzens 3, 159. das leben ist ein schlaf, ein gedrückter heiszer schlaf 4, 83. damit den matten busen nicht die nacht noch drücke ders. Flegeljahre 1, 74. nie war er liebevoller, nie ein zärtlicherer gemahl als dann, wann er über unrecht klagte, wann ihn heimliches anliegen drückte und das herz ihm schwer war L. Phil. Hahn Aufruhr 34. eine schwere, schwarze finsternisz drückt auf mein auge Klinger 2, 440. diese bemerkung machte einen widrigen eindruck auf sein herz. der teufel merkte wo es ihn drückte 3, 97. wir wollen nicht verachtet noch gedruckt sein Göthe 8, 172.
der götter worte sind nicht doppelsinnig,
wie der gedrückte sie im unmuth wähnt
9, 29.
dich drückt ein brudermord wie jenen
9, 49.
menschen die zu sehr gedrückt werden 15, 28. so ist hiezu der sonntag bestimmt, wo alles was den menschen drückt in religioser, sittlicher, geselliger, ökonomischer beziehung zur sprache kommen musz 21, 123. aber auch er ist gedrückt durch die furcht vor Joseph dem zweiten 28, 27.
bezieht sein winterlager, drückt
des kaisers länder mit des kaisers heer
Schiller 342ᵇ.
den kaiser drückt das pactum
mit mir, er möchte gerne dasz ich gienge
344ᵃ.
auf deinem herzen drückt ein still gebresten
519ᵃ.
vergönnet was mich drückt, euch tief zerknirscht zu beichten.
Kotzebue Dramat. spiele 2, 174.
doch jetzt, ehrwürdger vater, wollet mir vergönnen
was sonst mein herz noch drückt, euch offen zu bekennen.
2, 176.
so etwas musz ich davon fallen lassen, es drückt mir auf dem herzen Arnim Schaubühne 1, 139.
d.
reflexiv, schnell sich aufmachen, still und unbemerkt sich entfernen, heimlich wegschleichen, wie sich abdrücken, dann auch sich verborgen halten; vergl. sich ducken. manchmal wird eine nicht ehrenvolle entfernung gemeint. er ward beschämt und drückte sich weg.
sîn widerwart besîten trat,
wand im sîn wîsheit wart sô mat,
beide verirret und geblant,
daz er niht widerrede vant:
des dructe er sich hin under (hinweg).
Passional 83, 85 Köpke.
Martînes leben was im wider
durch daz er alze sêre
sich dructe von der êre
615, 18.
sich trucken continere se in occulto Maaler 410ᵇ.
sie (die buchdrucker) duͦnt in selber schad und schand:
mancher der druckt sich usz dem land.
Brant Narrenschiff 103, 88.
kurze zeit darnach kam Ulenspiegel gen Cöln in ein herberg und er druckt sich zwen oder drei tag, daz er sich nit zuͦ erkennen gab Eulenspiegel cap. 79.
er sprach 'ich wil mich gar wol schicken,
heimlich in einem winkel drücken'
Wolgemut 2, 308.
dafür er (der hase) sich auch druckt ins gras,
meint niemand sehe das er da was.
Rollenhagen Froschm. Q v.
er (der hase) drückt sich (legt sich gestreckt auf die erde) oft, so gut er kann,
doch alle hunde schlagen an
Hagedorn 2, 34.
er drückte schnell sich aus dem haus
Göthe 1, 211.
so sprechen die kinder und drücken sich schnell
1, 226.
bleibt und drückt euch nicht vor seinem namen weg, dem ihr euch sonst froh entgegen drängt 8, 270.
er drückte hastig sich heran,
da stiesz er an ein mädchen an
12, 54.
den wunderbau der äuszerlich entzückt,
indesz der zaubrer sich im winkel drückt
13, 137.
das arme kind musz dabei sitzen; da druckt sichs dann in eine ecke und schläft ein 15, 6. sie (die schauspieler die dem grafen vorgestellt wurden) drückten sich vor und hinter einander, die einen präsentierten sich schlecht 18, 239. andere hatten die bänke eingenommen, einige sich hinter den ofen gedruckt 19, 48. jeder druckte sich so gut er konnte 19, 49. man drückte sich nun zurück, wie man gekommen war 30, 305. um kein augenzeuge davon zu sein, drückte er sich ab und unternahm eine kleine reise ins land Musäus Volksmärchen 1, 23.
wo wir erschienen und pochten an,
ward nicht gegrüszt noch aufgethan.
wir muszten uns drücken von ort zu ort
Schiller 322ᵇ.
der prinz, ohne uns gewahr zu werden, drückte sich an uns vorbei, durch die menge, und eilte zu der gesellschaft zurück 741ᵇ. drück dich, mensch! scher dich fort! Arnim 1, 57.
döi flügel (flegel) hobn glärmt genoug,
öiz (jetzt) sollen se sich drücken.
Weikert Nürnberg. ged. 3, 50.
sich drücken heiszt aber auch tragen, leiden, dulden, sich beugen, herab setzen, fügen, zurückhalten, mäszigen.
sus dructe er sich an allen steten,
swâ icht guotes von im geschach.
Passional 12, 12 Köpke.
sich trucken und leiden colligere se Maaler 410ᵇ. Luther 3, 26. sich trucken und schmucken (schmiegen) contrahere se, angere das. ich wil mich jetz trucken oder maszgen, ich wil mich überheben (entfernen) und entziehen reprimam jam me nec insequar longius Maaler 410ᵇ. Oroondates glaubet der sachen (dasz seine gemahlin einen andern liebe) bald, doch muszte er des königlichen stammes schonen, und so er gleich etwas merkt, muszte er doch dasselbige dulden und sich drucken Buch der liebe 207, 3.
wir müssen uns schon drücken,
wie nah es oder auch wie weit das ubel sei.
Tscherning (1642) 310.
ist disz nicht blindheit dasz ehe man sich etwas drücken und bücken wolte, man lieber gott und himmel vor eine handvoll eitelkeit versetzen und verkaufen darf! Chr. Weise Erznarren 91. (er wollte seinen mut zeigen) sonst hätte er ursache genug gehabt sich zu drücken und bei seinem scheinenden unstern etwas zu verbeiszen Riemer Stockfisch 286.
e.
zaudern, zurückhalten, mit der sprache nicht heraus können oder wollen, wie drucksen, droken Weinhold Schles. wb. 16ᵃ. ihr werdet heute nicht fertig werden, wenn ihr so drockt Schles. prov. blätter 1798. 1, 527. trocken in Anspach und Nürnberg Schmidt Westerwäld. idiot. 271. was drückst lange und willst nicht heraus? quid mussitas? Stieler 342. warum hat er so lange gedruckt? Chr. Weise Comödienprobe 62.
wer böse zeitungen nicht gerne bringen will,
weil es unangenehm, druckt immer und schweigt still.
August Buchner Weimar. jahrb. 2, 21.
die weisheit steckt zwar drinnen (im haupt),
will aber nicht heraus, wie sehr er spuckt und drückt
und unter tausend angst die kraus in falten rückt.
Günther 409.
über etwas drücken Hermes Sophiens reise 6, 589.
8.
sprichwörter und redensarten.
ich weisz wol wo mich druckt der schuͦch was ich heimlich zu leiden, zu ertragen habe
Brant Narrensch. 111, 67.
es weisz niemand, keiner besser, wo ihn der schuh druckt als der ihn selbst anhat Henisch 757. Stieler 342. Frisch 1, 208ᵃ. es ist keiner den nicht heimlich ein schuch druckt Henisch 757. niemand weisz wo den mann der schuch druckt Butschky Patmos 832.
den drückt der stiefel und jenen der schuh.
Kotzebue Dramat. spiele 2, 256.
wer sich druckt, der kompt empor Sirach 20, 11. des königs zorn druckt nach Henisch 757. wahrheit wird wol gedruckt, aber nicht verdruckt das. die tugend wird gedrückt aber nicht undergedruckt Stieler 342. wer sich drückt, wird oft klug davon das. erst gedrückt, dann beglückt per aspera ad astra, post nubila Phoebus ders. neid drückt ehre das. viel schuld ohn geld, die drücken fast hart Petri Sprichw. T. wenn die wahrheit gedruckt wird, so richtet sie sich bald wieder auf Butschky Patmos 933.
9.
s. abdrücken. andrücken. aufdrücken. ausdrücken. bedrücken. beidrücken. durchdrücken. eindrücken. erdrücken. niederdrücken. verdrücken. zerdrücken. zudrücken.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1442, Z. 31.

drücken, n.

drücken, n.
das trucken pressus Maaler 410ᵇ. er empfindet ein drücken auf der brust, im magen. der allmechtig gott da er hat wellen die kinder von Israhel erlösen von der beschwernissen und von dem drucken des königs Pharaonis in Egypten Keisersberg Sünden des munds 2ᵇ. das tringen oder trucken, grosze treibende not des stuͦlganges mit wenig würkung Maaler 408ᵈ. durch drücken gebären die mütter Frisch 1, 208ᵃ. das drücken der gebärenden 208ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1447, Z. 53.

drückend, adj.

drückend, adj.
in den verschiedenen bedeutungen von drücken.
1.
eine drückende last. sie schlug das tamburin, indem sie bald mit druckendem finger auf dem fell schnell hin und her schnurrte Göthe 19, 211. dann nahm er eine gabel und fuhr mit ihrer drückenden spitze auf dem gesichte und leibe des regierenden herrn herum J. Paul Unsichtbare loge 3, 148.
2.
die drückende hand des schicksals. die drückende last des alters. ein drückendes gefühl. drückende sorgen. drückende regierung. drückende abgaben. ein drückendes bündnis. eine drückende lage. das drückende in diesem verhältnis nahm zu. diese drückenden schuldenlasten machten den adel jeder neuerung günstiger Schiller. das drückende zeremoniel, die unnatürliche scheidewand zwischen könig und volk, war aus Brüssel verbannt ders. die töne löseten die drückenden thränen von der vollen seele los J. Paul Hesp. 2, 97. der drückenden langenweile ausgesetzt Tieck.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1447, Z. 61.

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drinkbirne durchdrang
Zitationshilfe
„drückend“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dr%C3%BCckend>, abgerufen am 01.12.2021.

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