Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

dreist, adj. und adv.

dreist, adj. und adv.
kühn audax, ags. þrîst þrîste, niederd. driest Brem. wörterb. 1, 248. im ahd., altsächs., altfries., altnord. erscheint es nicht, auch in das engl. ist es aus dem ags. nicht übergegangen, niederl. driest, im schwed. und dän. gebraucht man dristig. so alt das wort sein musz, das dem griech. θάρσος, mit versetzung des ρ θράσος θρασύς, dem mhd. türstec, litth. drasus, zu θαρρεῖν, goth. gadaursan, ahd. turran, mhd. türren audere gehörig, entspricht, es zeigt sich bei uns erst spät, nicht bei Dasypod., Luther, Maaler, Schönsleder, und ist wol aus dem niederd. aufgenommen. Henisch hat driesz 751, driste und driest 759. driest und dreist Schottel 1304. Stieler 281 führt es an mit der nebenform driest und drüst, die bei andern dreust lautet. Frisch dreist drieste als niederd. 1, 205ᵃ. dreuste Nieremberger Kk, driest Schütze Holst. idiot. 1, 247. Bernd Deutsche sprache in Posen 43. bei Rabener und Wieland das adv. dreiste.
1.
kühn hervortretend, zuversichtlich, beherzt, nicht schüchtern, nicht zurückhaltend, nicht blöd, nicht ängstlich. der knabe stieg dreist in das schwankende schiff, gieng dreist in den dunkeln wald. er ist blöde und sollte etwas dreister sein. lasz dich nicht einschüchtern, rede dreist. das glück hatte ihn dreist und beherzt gemacht. die wahrheit kann man dreist behaupten. einen driest machen accendere animum alicujus Stieler 281. bei groszen herren musz man nicht allzu driest sein das. die wilden affen wolten sich hierbei ziemlich dreuste machen Felsenburg 2, 75.
der held bemächtigt sich der lilienweiszen hand:
er küszt sie zwanzigmal und seufzt bei dreisten küssen:
wer liegt so ehrfurchtsvoll zu ihren schönen füszen!
Uz 2, 171.
auf einem feurigen rosse floh stolz ein dreister knabe daher Lessing 1, 134. darüber spottete sie und sagte dreist sie hätten unrecht Gellert. berufen sie sich dreist auf diesen umstand Gotter 3, 15. nur sei so dreust und munter wie ein kammerjunker Thümmel Wilhelmine 23. sie machten ihn zufrieden mit sich selbst und dreust in jeder gesellschaft 69. das grosze freie talent, die dreiste hand des künstlers Göthe 22, 141.
durch gleichen zwang erzürnt gehorchten sie
den wallungen der leidenschaft so dreister
Schiller 273ᵃ.
2.
in übelm sinn anmaszend, frech, unverschämt. ein dreister bursche. er war so dreist die lüge zu behaupten. wie grausam sind sie mit mir umgegangen! wie dreiste! sie die sie sonst den augenblick roth wurden, wie dreiste haben sie ihre rolle gespielt! Gottl. Wilh. Rabeners freundschaftliche briefe herausgegeben von Chr. Fel. Weisze 99. was ficht den bengel an mich so dreiste zu fragen? 104. dreuste anmaszungen Kant 2, 230. dreusten spott auf hohe und niedere schütten Gökingk 3, 257.
ihr (Diana) schien ein blick sie schon zu dreiste anzufühlen.
Wieland Endymion v. 135.
nein, er gefällt mir nicht, der neue bürgermeister,
nun, da ers ist, wird er nur täglich dreister
Göthe 12, 50.
ihr stellet
mit dreister stirne eure schmach zur schau
Schiller.
willst du den preis der schandthat nicht verlieren,
dreist must du sie behaupten und vollführen
ders.
vergl. sich erdreisten.
3.
sprichwort. driesten leuten und schelken gibt man gleiche stück Petri R v. s. dummdreist.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1394, Z. 76.

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Zitationshilfe
„dreist“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dreist>, abgerufen am 02.12.2021.

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