Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

dremel, m.

dremel m.
balke trabs, ahd. dremil tremil Graff 5, 531, mhd. dremel Ben. 1, 391ᵇ. altnord. þremr. das wort, mit dram (s. oben 1332) von gleicher abstammung und bedeutung, hat sich in besondere begriffe weiter zertheilt.
1.
balke, trämel den man überzwerch über die tillböum legt, templum Maaler 405ᵇ. Fries 1294ᵇ. wenn nicht mein groszvater dem vater einen trämel hätte müssen zur säge führen helfen Jerem. Gotthelf Bauernspiegel 1, 6. in Schwaben ein kurzer dünner balke Schmid 139.
2.
riegel vectis pessulus. zu dieser bedeutung gelangte das wort, weil man thore und grosze thüren mit einem querbalken verschlieszt, daher spanndrämmel Frischlin Nomencl. 455. so kommt es schon im ahd. vor, und führen es Dasypod. 283ᵃ, Stieler 2300 und Frisch 2, 381ᵃ an.
3.
pfahl, stange, hebebaum. ein langer pfal, tremmel Dasypod. 283ᵃ. stange, langer tremel longurius 120ᶜ. 443ᶜ. tremel und dremmel pertica, vallus Schönsleder L 4. Gg 5, sudes, tigillum Stieler 2300. bewältigen mit dremlen oder durch stangen Fronsperger 1, 204ᵇ. liesz er etliche drämel des bergs höhe gleich aufrichten Frontin 3. 8, 3 bei Fronsp. 3, 265ᵇ. trämel für stange phalanga und für hebebaum merkt Stieler an. s. hebedremel.
4.
stecken, knüttel, prügel. do hewe (hieb) das mennlin einen grünen tremel in dem wald und fieng an zuͦ schlagen mit kreften Steinhöwel Esop 63ᵇ. mit einem trömmel erschlagen S. Frank Heillosigkeit 82. rief zweien seinen knechten jeden mit einem guten trümmel zu kommen Kirchhof Wendunm. 398ᵇ. sie haben in mit einem dremel zu tod geschlagen Reiszner Jerusalem 1, 56ᵃ. und in die eine hand im ein groszen tremmel gab Bocc. 1, 213ᵇ. der bapst (Martinus, als er zu Constanz nach seiner weihe aus dem münster nach haus ritt) sasz mit der kron und mit ganzem seinem habit auf ein weiszes pferd, das was mit rotem verdecket. und gienge unser herr der künig (Siegmund) ze fusz dar und naiget sich auf seine knie und nam das pferd zu einer seiten bei dem zaum und (hett) ein tremel in der hand und weret dem volk Ulrich v. Reichenthal Concilium von Constanz. es war ein altes recht der römischen kaiser des pabstes steckenknecht zu sein; s. Schmeller 1, 489. starke hölzerne stöszel oder tremmel, die heuschrecken damit zu vertilgen Hohberg 1, 480ᵃ. man schlage den bären mit einer axt oder einem groszen tremmel auf den kopf 2, 642ᵇ. so ist es noch heute in Baiern, Schwaben, in der Wetterau nach Weigand und in Schlesien gebräuchlich Weinhold 16ᵃ. in Östreich dremmel ein dicker stock Castelli 114.
5.
als stange, stecken gieng es über in den begriff von speer, spiesz. dremmel sparus sparum Dasypod. 316ᶜ. Serranus Synon. 53ᶜ. Dictionar. 24ᵃ. dremel wurfwehr, geschosz telum Henisch 749, jaculum Schottelius 1304, vordem hand- oder wurfpfeil Stieler 279. 2300.
6.
als scheltwort bezeichnet es einen groben menschen, wie man bengel, klotz gebraucht. Schmeller merkt es für Baiern an 1, 489. pengel oder dremmel Katziporus a 5ᵃ. ein bawren dremmel O 4ᵃ. du bawrtremmel! P 8ᵇ. in Schwaben eine lange starke steife mannsperson Schmid 139. in Preuszen nennt man scherzhaft einen der fett am leib ist einen dicken dremel Joh. G. Bock Idiotikon prussicum (1759) 7. vergl. molkendremel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1399, Z. 52.

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Zitationshilfe
„dremel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dremel>, abgerufen am 05.12.2021.

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