Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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drängen

drängen,
dringen mit verstärkter bedeutung, mit gewalt, mit heftigkeit forttreiben, drücken, urgere, premere, angere, violenter cogere, ahd. drangôn Graff 5, 262, mhd. drangen Ben. 1, 396ᵃ, niederl. bedrangen Teutonista 79ᵃ, engl. throng, altnord. þrengja, dän. tränge, schwed. tränga. eine andere wurzel hat das gothische gleichbedeutende þreihan. nicht drängen nur dringen zeigt sich im altsächsischen, niederd., ags. und niederl. im mhd. ist es selten, auch findet es sich nicht bei Dasypod., Schönsleder, bei dem Wolkensteiner und Suchenwirt; der Vocab. predicantium übersetzt urgere durch tringen f iiij. doch Maaler führt 406ᶜ trengen an und Fries 1054, auch Luther gebraucht es nicht selten, dringen drengen als gleichbedeutend bei Henisch 752, drängen bei Stieler 337. Frisch 1, 207ᵃ. Steinbach 1, 299. der umlaut erscheint zuerst im 14ten jahrhundert.
so man den wolf nennet,
so er zu drenget
Wackernagel Leseb. 835, 17.
es steht allein oder in verbindung mit einer präposition, einem adverbium, oder es folgt ein nachsatz.
1.
intransitiv.
a.
eigentlich.
ein jeder fragt und drängt und eilt,
die fidel stockt, der tänzer weilt
Göthe 12, 57.
er mit streben, drängen, drücken,
arme straff, gekrümmt den rücken
41, 13.
da freut uns jeder, wie er schiebt und drängt,
und mann für mann der säle raum verengt
41, 269.
und mit ungewissem fechten
drängen sie nach ihrer rechten
41, 278.
wie drängend voll mags jetzt in Pyrmont sein!
Schiller 27.
b.
uneigentlich, die zeit drängt, ich musz forteilen. die not, die gefahr drängt zu einer entscheidung. Demetrius drängt in ihn sich deutlicher zu erklären Schiller 678ᵇ.
2.
transitiv.
a.
in eigentlichem sinn. man drängte ihn zur seite, an die wand. die brandung drängte das schiff an den felsen. das pferd drängte ihn an die mauer. eine welle drängt die andere. die schuhe drängen mich sind zu eng Stalder 1, 297. und haben die flüchtigen bei dem thor dermaszen einander getrenget dasz sie in die graben hinein gefallen sein Götz v. Berlichingens lebensbeschreib. 57.
wie du den schwarm der freier hinwegdrängst aus dem palaste.
Voss Odyss. 1, 271.
gern überschreit ich die gränze mit breiter kreide gezogen,
macht sie Bottegha das kind, drängt sie mich artig zurück.
Göthe 1, 360.
den sohn zur schwarzen pforte des Aïs
drängend
4, 350.
ach kann ich nie
ein stündchen ruhig dir am busen hängen
und brust an brust und seel in seele drängen?
12, 183.
drängt ungesäumt von diesen mauern
jetzt Menelas dem meer zurück
41, 222.
schneebälle die er alle in seiner hand gedrückt und gedrängt hatte Hippel Lebensl. 4, 412. sie machte sich die orangerie zu nutze und drängte ihr beseeltes angesicht in die pomeranzenblüten J. Paul Hesperus 1, 606.
der Grieche
befreit ihn von der jungfrau (Amazone) die ihn drängte.
Heinr. v. Kleist 1, 27.
b.
uneigentlich. heftig antreiben, die kinder drängten den vater ihren wunsch zu erfüllen. leidenschaft drängt ihn zu dem äuszersten. einen von seiner meinung trengen oder stoszen Maaler 406ᶜ. einen trengen, zwingen facere necessitatem alicui 406ᶜ. wie bedrängen, bedrücken, belästigen, unterdrücken, zwängen, in not versetzen. werdet ir aber die einwoner des landes nicht vertreiben fur ewrem angesicht, so werden euch die so ir uberbleiben laszt, zu dornen werden in ewren augen und zu stachel in ewrn seiten und werden euch drengen auf dem lande, da ir innen wonet 4 Mos. 33, 55. in der angst und not damit dich dein feind drengen wird 5 Mos. 28, 53. 55. 57. das es (mein volk) die kinder der bosheit nicht mehr drengen wie vorhin 2 Samuel 7, 10. darumb verwarf der herr allen samen Israel und drenget sie und gab sie in die hände der räuber 2 Könige 17, 20. und laszt über sie regirn einen heuchler das volk zu drengen Hiob 34, 30. warumb mus ich so traurig gehen, wenn mein feind mich drenget Psalm 42, 10. dein grim drücket mich und drengest mich mit allen deinen fluten 88, 8. der schlaf trengt mich und thuͦt mir vil zu leid Maaler 407ᵃ.
wie hart wir jetzt getrenget sein
von dem Jabin
H. Sachs 3. 1, 32ᵈ.
dieweil der herr das guͦt, das ist die freiheit, den burgern genommen hat, sie also trengt und pfrengt nach seinem willen Petr. 75ᵇ. was drängst du mich viel? quid arctas me? Steinbach 1, 299. die feinde sehr drängen hostes acrius premere das. eine gedrängte erklärung abgenötigte Opitz. die seele spricht,
und wie soll ich anders thun in der langen marterhöhle,
in dem kerker meiner freiheit, in dem leibe der mich drängt,
und mich bei vergebnem weinen fast bis zur verzweiflung kränkt?
Günther 845.
unser volles gedrängtes herz will indesz zerspringen Dusch. jede klage scheint mein gedrängtes herz zu entlasten ders.
dränget regen den wandrer, wie ist uns des ländlichen daches
schirm willkommen! wie sanft ruht sichs in finsterer nacht!
Göthe 1, 370.
ist es nicht staub was diese hohe wand
aus hundert fächern mir verenget:
der trödel der mit tausendfachem tand
in dieser mottenwelt mich dränget?
Göthe 12, 41.
mir wird so eng!
die mauernpfeiler
befangen mich!
das gewölbe
drängt mich!
12, 201.
wir gebrauchen gedrängt auch für bündig, kurzgefaszt, gedrängte rede, schreibart, übersicht.
3.
reflexiv. a. eigentlich. er drängt sich durch das volk. die menschen drängen sich haufenweis aus dem thor. die blüte drängt sich aus der knospe. die kinder drängten sich um den vater. und da die eselin den engel des herrn sahe, drenget sie sich an die wand 4 Mos. 22, 25. sich zur arbeit drängen certatim ad opus currere Steinbach 1, 299.
im lindenthal drängt sich in kreisen,
vom dach der zweige bedeckt, die wollenherde um stämme.
Ewald v. Kleist 31.
jeder kleine knabe, der schiffer, der höker, der bettler
drängt sich (herbei) und freut sich bei dir dasz er ein kind ist wie du
Göthe 1, 361.
in dickichtsschauer
drängt sich das rauhe wild
2, 65.
lieblicher als alles dieses habe
stäts vor augen wie sich kleiner gabe
dürftge hand so hübsch entgegen dränget,
zierlich dankbar was du reichst empfänget
5, 68.
sie drängen sich, so gut sie können, zwischen die übrigen wagen hinein 29, 250.
als man bei hofe vernahm es komme Reineke wirklich,
drängte sich jeder heraus, ihn zu sehn, die groszen und kleinen.
40, 59.
also durch wagen sich drängend, durch menschen und thiere.
40, 285.
ja delphine drängen gleitend
zu der schaar sich, der bewegten
40, 421.
wie in engen winterklausen
bienen um den honigseim
drängen wir uns dicht und schmausen
so behaglich und geheim
Voss 4, 151.
aber die welle entführet der strom, durch die glänzende strasze
drängt eine andre sich schon, schnell wie die erste zu fliehn.
Schiller 89ᵇ.
strasze die, wie der Rhein, sich durch grünende felsen voll epheu drängte J. Paul Titan 2, 49. b. uneigentlich. die gedanken drängten sich in seinem kopf. das glück drängte sich ihm entgegen.
ha! Ihr wiszt nicht wie viel fester
ich nun mich an euch drengen werde
Lessing 2, 249.
wenn der innere kummer sich bis zu den verschlossenen lippen drängt Dusch.
mein busen drängt
sich nach ihm hin
Göthe 12, 178.
anmaszung zu tadeln, sagt man er drängt sich überall ein, er drängt sich in das vertrauen seiner bekannten. die freier drängten sich nach dem mädchen. gnädiger herr, ich halte es in allen fällen für unanständig sich zu seinem fürsten zu drengen Lessing 2, 180. schnell auf einander folgen, die ereignisse drängen sich.
denn wer gestern und heut in diesen tagen gelebt hat,
hat schon jahre gelebt, so drängen sich alle geschichten.
Göthe 40, 287.
es drängt sich aber so viel zusammen dasz ich kaum einen augenblick finde dir dies zu schreiben ders. an frau v. Stein.
4.
unpersönlich. es drängt mich dir das geheimnis mitzutheilen.
mich drängts den grundtext aufzuschlagen
Göthe 12, 65.
tauchen dann hervor die sterne,
drängt es mächtig mich hinan
Uhland Ged. 77.
es drängt mich ich spüre stuhlzwang Stalder 1, 297. s. dringen n.
5.
s. abdrängen. andrängen. aufdrängen. ausdrängen. bedrängen. durchdrängen. eindrängen. hindrängen. nachdrängen. verdrängen. vordrängen. wegdrängen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1336, Z. 12.

drängen, n.

drängen, n.
mhd. drangen Ben. 1, 396ᵃ. im eigentlichen und uneigentlichen sinn. das drängen und treiben der menschen. alle zustände der gesellschaft von der gröszten einsamkeit bis zum gröszten lärm und drängen, und jetzt wieder zur einsamkeit habe ich erlebt Göthe an fr. v. Stein 3, 399.
äuszerm sturm und innerm drängen
widersteht Rudell nicht länger
Uhland Ged. 316.
den friedlichen bürger verschlingt
des marktes drängen und tosen
A. Grün 264.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1338, Z. 18.

dreng, n.

dreng, n.
druck, nachdruck, impulsio, gedränge; s. drang 2, bedränge, vergl. das altnord. þrengd f. das treng der kriegsleuten Maaler 406ᵉ. du sichst wie ein treng umb uns ist, wie es ein gestalt umb uns hat vides in quo cursu sumus das. es ist ein treng um sie, die freier drengen sich nach ihr Frisch 1, 207ᵇ.
umb in hats volk gar groszes tréng
Johannes Tragöd. F iiij.
mein junkern hab ich im dreng verlorn
H. Sachs 2. 2, 27ᶜ.
(der fuchs kam) für ein loch das war so eng,
da kroch er nein mit groszem dreng
Waldis Esopus 1, 33ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1400, Z. 66.

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Zitationshilfe
„dreng“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dreng>, abgerufen am 03.12.2021.

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