Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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drespe, f.

drespe, f.
s. trespe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1406, Z. 29.

trespe, f.

trespe, f.,

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ein unter dem getreide wachsendes unkraut.
1)
form. mhd. trefs(e), trefze, treps(e); mnd. drespe, drespekrût Schiller - Lübben 1, 574ᵃ; vgl. ohne -s-ableitung dräff Seiler Basl. ma. 82; nl. draf quisquilia bei Diefenbach 480ᶜ, nl. dial. drep; dän. norw. draphavere Falk-Torp 153. zweifelhafte etymologien bei Falk-Torp ebda, Fechner erklär. volkstüml. pflanzenn. (1871) 6, Prahn pflanzenn. (1909) 149. — die ursprüngliche form ist trefs, trefse, vgl. Wilmanns³ 1, 133. neben ihr schon mhd., zuerst auf md. boden, die metathese (wie in knospe, wespe s. Kluge et. wb.¹¹ 314ᵃ) bei Nicolaus v. Jeroschin 1560; 5944 Strehlke; Konrad v. Heinrichau 336ᵃ (1340 schles.); bei Diefenbach gl. 480ᶜ (md.-ndd. 15. jh.), dann im 17. jh. allmählich allgemein: treps saxon. ... nos hodie appellamus trespe Stieler stammb. 2305; die ps-form, ursprünglich auch md. vorhanden (Heinr. v. Meiszen 57, 5; 49, 2; 52, 11), scheint sich demgegenüber in Süddeutschland länger zu halten. sie wird noch notiert von Kirsch cornucop. Nürnb. 1723, nicht mehr in der ausg. Augsbg. 1796, s. Diefenbach gl. 635ᶜ. ihre letzten lexikal. bezeugungen für das md. liegen im 17. jh.: Calvisius thes. 46; Zehner nomencl. 176; Corvinus fons latinit. 342. — die maa., in denen das wort reich verbreitet ist, zeigen trepse, mehr oder weniger lautlich gewandelt, vor allem obd.: Schmeller-Fr. 1, 673; Brenner-Hartmann Bayerns maa. 2, 136 (Egerl.); Fischer schwäb. 2, 351; Seiler Basl. ma. 82; Spiesz henneberg. id. 258; trespe mehr ndd. und md.: Gutzeit dt. spr. in Livl. 200; Hupel Lief- u. Ehstl. 241; Dähnert pommersch. u. rügensch. ma. 88; C. F. Müller Reuterlex. 30; Damköhler Nordharz. wb. 45; Hertel Thür. 247; Schambach Göttingen 47; brem.-nieders. wb. 1, 245 ('besonders gras, so im ersten jahr nach dem pflügen wächst'); Doornkaat-Koolman 1, 332; Lenz Handschuhsh. dial. 72ᵃ; im schlesw.-holst. verkürzt als dress Mensing 1, 857; Schütze 1, 253; Schumann Lübeck 5. — die formen ohne auslautendes e, nach Fischer schwäb. die ursprünglichen, deren plur. die e-formen rückbildend ergeben habe, seit dem 15. jh., hauptsächlich bair. Diefenbach 335ᶜ; 635ᶜ; n. gl. 238; Schmeller-Fr., Brenner-Hartmann a. a. o.; auch dräff Seiler Basl. ma. 82. literarisch selten: Schade sat. u. pasquille 2, 149; A. Chrosner serm. v. d. hl. christl. kirchen 48; J. Wild n. reisebeschr. (1613) 174; treps und lolch und schwindelhaber Immermann 13, 197 Boxb. gelegentlich auch in der zweiten gruppe: tresp Nic. v. Jeroschin; trisp Hupel Lief- u. Ehstl.; Dähnert pomm. u. rügensch. ma.; dresp Müller Reuterlex.das geschlecht ist mhd. stets masc., ebenso mnd. Schiller-Lübben 6, 107, im nhd. jedoch immer fem. die maa. haben für die kurze form das masc. geschlecht bewahrt; bair. kommt auch das neutr. vor Schmeller - Fr.die flexion wird ursprünglich nur stark gewesen sein: acc. sg. trefs (: kefs) Heinr. v. Meiszen 49, 2; gen. sg. trespis Nic. v. Jeroschin 5944 Strehlke. daneben früh schwach: acc. pl. trefsen pred. des 13. jh. 2, 37 Grieshaber; trefftzen teufels netz 12377 Barack, später im sg. nur selten und nicht über das 17. jh. hinaus: acc. trespen S. Dach 903 lit. ver.; nom. sg. mit eingedrungenem -n: trespen Kirchhof wendunm. 1, 238 lit. ver.; da wächst nur trespen und tauber haber (infelix lolium) Corvinus fons latinit. (1646) 342.
2)
bedeutung. das wort bezeichnet ein getreideähnliches unkraut, meist ohne eindeutige vorstellung, nur nach der nützlichkeit betrachtet:
in des hoves garten
stênt tistel rûch, unkriutic trefs bî den bluomen zarten
Heinrich von Meiszen 57, 7 Ettm.;
quisquilia drespe Diefenbach 480ᶜ; nov. gl. 312ᵃ; unkraut und trespe und schmarutzerische pflanzen Wieland I 9, 272 akad. ausg.; daher von den mannigfachsten botanischen arten, z. b. für zizania, lolium, bromus secalinus, iuraia, festuca secalina u. a.; sowohl lexikographisch wie literarisch reiche synonymenangaben: dort, lolch, taumellolch, twalch, töberich, schwindelhaber, -korn, kuhweizen. über verschiedene arten vgl. Holl wb. d. pflanzenn. 383ᵃ; Adelung 4, 670. manchmal mit genauerer scheidung: lolium, ..., zizanion, in hordeo walch, in olyra (einer getreideart) threspe voc. rei nummariae (1552) j 1ᵃ; lolium dort, lolch unkraut, trespe im korn, oder twalich in der gersten Golius onomast. (1571) 398. eine speciellere vorstellung läszt trespe mit anderen unkrautarten wie wicke, rade, kornbolle zusammentreten: unnutz korn als treffs, raten Diefenbach 378ᶜ; tresp und raden Brockes 7, 332; wicken und trespe Rabener s. w. 1, 230, s. a. unten die belege aus teufels netz, Schade sat. u. pasqu. u. K. Rother. den literarischen gebrauch bestimmt die gegenüberstellung mit gutem korn und nützlichen pflanzen überhaupt:
so si (die bauern) iren zins sond richten,
so machend si das korn zuo nichte,
trefftzen, wikan und kornbollen,
land darinn die akerschollen
teufels netz 12377 Barack;
so seind die bauren foller böser list mit was sie zu markt füerent, es sei korn, gersten, habern, darin vil unflat, staub, trefts, wicken Schade satiren u. pasqu. 2, 149;
raden, trespen, vogelwicken
sollt ihr nicht zum decem schicken.
ich predige das wort gottes lauter und rein,
drum soll auch rein mein decem sein
bei K. Rother schles. sprichw. 31.
hiernach zu verstehen:
ja, weil kein rittergut dich für die blösze deckt,
und dir in theurer zeit aus trespen silber heckt
Hanke ged. 1, 421.
sonder unkraut, tresp und dorn
wächset eittel reines korn
Treuer dt. Dädalus 1, 257;
vor gutes kraut
tresp nur und diestel wächst
Anton Ulr. v. Braunschw. Octavia 3, 241;
(die feldmaus) spelt und trespe nur asz, der besseren kost sich enthaltend
J. H. Voss Horatius (1806) 2, 178 (sermon. II 6, 89).
stimmungsmäszig ausgewertet:
das auch betrübte grasz beklagt dich (den toten) bey den
für das reiche korn brunnen,
wächset tresp und dorn.
es trawret selbst das grosze radt der sonnen
Opitz buch v. d. dt. poeterei 53 ndr.
der gegensatz begünstigt bildliche verwendung:
wer unter uns steht nach gewinn
und gibt für koht die perlen hin,
für trespen schönen weitzen
S. Dach 903 lit. ver.;
korn, da kein trespen innen sey,
ein bauernhochzeit on schlägerey
Kirchhof wendunm. 1, 238 lit. ver.;
ich rede nicht vor alle dirnen, es gibt auch trespen unter korn
Günther ged. (1735) 428;
wer trespe und korn zusammen thut, hat fürwahr 'n dummen muth; wo die trespen gedeihen, miszräth der hafer; je mehr trespe, je weniger korn Wander 2, 1307/8. vor allem macht sich die christliche symbolik (meist nach Matth. 13, 24 ff.) den gegensatz zu nutze (vgl. unkraut teil 11, 3 sp. 1108): do die liute scliefen, so kom sin vigent, unt sâte ratten alder knullen, alder trefsen alder swie man ez denne haizet dt. predigten d. 13. jh. 2, 37 Grieshaber;
wî er in den ackir
gotis alsô vruchtsam
gewurfe sînes trespis sam
Nicol. v. Jeroschin 5944 Strehlke;
des hazzis tresp er (der teufel) drundir warf
ebda 1560;
eine falsche lehre, welche der teuffel ... wie die trespen und unkraut unter den guten samen einmenget Mathesius Syrach (1586) 2, 55;
was unkraut steht auf deiner sat,
kornblumen, disteln, trespe, rat
Ringwaldt ev. j 3ᵃ.
an Matth. 13, 40 schlieszt an: den drespen vorbernet er yn deme ewyghen vure Oldenb. evangelienb. (15. jh.) bei Schiller-Lübben 6, 107. wie bey sichtung des weizens das reichhaltige korn von selbst ... zurückbleibt, indesz die leeren schalen nebst spreu und trespe sämtlich durchfallen: eben so gewisz sondert sich der poetische mittelkopf ... von dem wahren dichter ab Kretschmann s. w. 2, 15. redensartlich: daͦ is diespen dermank die sache ist nicht richtig Bauer-Collitz waldeck. wb. 20ᵇ. zu erwähnen ist der volksglaube, gutes korn könne sich in trespe verwandeln, entstanden als erklärung für die tatsache, dasz bei unreiner aussaat und zuviel feuchtigkeit nur der trespensamen zum keimen kommt Thär grunds. d. rationalen landwirtsch. 2, 165; landschaftlich für Schleswig-Holstein notiert Mensing 1, 857. in fester phraseologischer verbindung: dasz der hochliegende, nunmehr aber schmelzende schnee durch allzu langes stehen die saate aussauren und zur trespe bringen konte samml. v. natur- u. medicin. gesch. (Breslau 1718) 3, 665. übertragen ungewöhnlich: wie verdorben musz der boden sein, der die beste weizensaat zu trespe macht und verwandelt Hamann schr. 1, 183 Roth.
3)
composita, erstmalig drespecrut Diefenbach n. gl. 312ᵃ, werden meist mit dem element trespen- gebildet; allein steht trespartig Dietrich lex. d. gärtnerei u. botanik 1, 176 (daneben auch trespenartig ebda 2, 103).
trespenart
zu den kulturpflanzen kommen an weiteren pflanzlichen resten noch zwei einheimische unkräuter: eine trespenart
Hoops waldbäume u. kulturpflanzen 285;
trespenernte
allg. öcon. lex. (1731) 2463;
trespenfeld
lolietum
Steinbach dt. wb. 1, 430;
trespenkorn
je reifer die trespenkörner sind, desto schwerer sind sie
L. G. Leopold hwb. d. ökonomie (1805) 516ᵃ;
trespenmühle
getreidereinigungsmaschine Mothes baulex. 4, 370;
trespenpflanze
die saaten wuchern empor und ersticken die schwachen trespenpflanzen
Schlechtendal flora v. Deutschland 8, 132;
trespensame
allg. öcon. lex. (1731) 2463;
trespensieb
trefzensieb
allg. dt. bibl. 26, 172;
wer sich also nicht ... schwere verantwortung zuziehen will, musz ... solches (getreide) gar wohl durch ein trespensieb ... reinigen
Rud. Zach. Becker noth- u. hülfsbüchl. f. bauersleute (1788) 95.
von sprachlichem interesse sind sie dort, wo sich die negative wertung der trespe äuszert;
trespenbrot
also, mein herr Jesu! segnest du noch heute vielen armen ihr trespen- und kleyenbrodt, die ungemachten wassersuppen, und ungesaltzen gemüse, dasz sie dabey ... viel gesunder sind ... denn die reichen, die täglich gesottenes und gebratens, wein und semmelbrot haben
M. Möller geistr. erklär. d. evangelien (1729) 282;
trespenjahr
wenn im herbste die äcker so nasz eingesäet, und so zu sagen zugeschmieret werden, so folget gar gewisz ein gut trespenjahr
Breslauer samml. v. natur- und medic. geschichten (1717) 2, 74.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1934), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 171, Z. 72.

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Zitationshilfe
„drespe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/drespe>, abgerufen am 29.11.2021.

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