Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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driest, adj. und adv.

driest, adj. und adv.
s. dreist.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1409, Z. 10.

trist, adj.

trist, adj.,
'traurig, trübselig, jämmerlich, öde'; ende des 18. jh. in studentenkreisen aus dem franz. triste entlehnt, vgl. Seiler kultur 4, 213. in der ersten zeit nach der übernahme des franz. fremdworts findet sich manchmal noch dessen end-e: tage und wochen vergingen langweilig und triste bei viertelsportionen Gaudy s. w. (1844) 2, 149; oh, so musz ich den dicken Konrad holen, denn er ist wieder erschrecklich triste geworden, seitdem man die alte chaussee ausbessert Grabbe w. 1, 404 Blumenthal; meist jedoch fehlt es. in seinem bedeutungsgehalt als typisches fremdwort unscharf und schillernd.
1)
zum ausdruck einer traurigen, niedergedrückten, trübseligen stimmung: der kaffee, der mir eine ganz eigne triste stimmung gab Göthe 27, 185 W.; ich will der Pichler, Lafontaines und Reinbecks arbeiten nicht schelten ... aber es geht doch durch alle etwas tristes hindurch, das einen gewissen gedrückten zustand andeutet und den leser, wo nicht niederzieht, doch gewisz nicht erhebt ders. IV 21, 100 W.; mein wort und lied blühte empor aus einer groszen, gottfreudigen frühlingsidee, die ... wenigstens ebenso respektabel ist, wie jene triste, modrige aschermittwochsidee, die unser schönes Europa trübselig entblumt Heine 14, 34 E.; nie hat eines menschen wort einen tristeren und schmerzlicheren eindruck auf mich gemacht Pückler br. u. tagebücher 1, 332. auch in weiterer beziehung von dingen, die im beschauer solche stimmungen und eindrücke hervorrufen:
damit zu etwas gut doch ist
das winterlaub das triste
Rückert w. (1867) 2, 610;
ein unseren weiden im wuchs vergleichbarer, aber sehr trist aussehender baum Schlechtendal flora v. Deutschl.⁵ 16, 49 Hallier. scharf herausgehoben wird diese bedeutung durch den betonten gegensatz zu heiter: wenn dieses blatt mit etwas tristen betrachtungen anfing, so kann ich nun dagegen mit recht heitern empfindungen schlieszen Göthe IV 37, 175 W.; zwar ist er durch eine gewisse mittelgattung von dramen gewöhnt worden, das heitere neben dem tristen zu sehen ders. 40, 83 W.; je nach den heiteren oder tristen szenen, deren ... augenzeuge er sein durfte Fontane ges. w. I 1, 535; noch anders: unter uns allen werden sie allein von diesem tristen glauben gequält — und sie verdienen einen so schönen! Jean Paul w. 39, 58 Hempel.
2)
von zuständen, dingen und orten 'öde, leer, stumpf, langweilig, geistlos, ohne abwechslung': wie sich aber die tristeste aller erscheinungen eingeschlichen, dasz man die mutter gottes braun gebildet Göthe 34, 1, 164 W.; wie hohl und leer ward uns in dieser tristen atheistischen halbnacht zu muthe, an welcher die erde mit allen ihren gebilden, der himmel mit allen seinen gestirnen verschwand ebda 28, 70; schon mancher, dem dergleichen geschah, ist verzweiflungsvoll in die triste einöde jener dichtungen geflohen, die sich wie schauspiele gebärden, indessen ... durchaus nicht für das theater bestimmt sind E. T. A. Hoffmann s. w. 8, 137 Gr.; unter den nassauischen bädern das tristeste, Schwalbach Gutzkow ges. w. (1872) 4, 262; Hanswurst ist ein tristes, ja schauerliches gespenst, das sich aus der gruft heraufgestohlen und nichts, als sein altes, buntes narrenkleid mitgebracht hat Hebbel w. 9, 378 W.; der höhenweg ist besser und nicht so trist und öde Fontane ges. w. I 2, 217; nur eines ist mir noch gewisser, dasz du hier seit 14 tagen ein elendes und tristes leben führst ebda 4, 153; sein ganzer stolz in seinem übrigens tristen dasein war die tatsache, dasz er ein Kriebow war v. Polenz Grabenhäger 1, 332; aber was ich nicht verstehen kann, ist, dasz du noch immer in deiner tristen heiligkeit verharrst A. Fitger die rosen von Tyburn² 22. daraus entwickelte sich, bereits in den letzten belegen angedeutet, mit schärferer abwertung die bedeutung 'jämmerlich': das wären die tristen früchte und überbleibsel der pedantischen erziehung, die ich ihr gegeben Unger Julchen Grünthal (1784) 187;
und wenn ich bedenke, wie feig und windig
die götter sind, die euch besiegten,
die neuen, herrschenden, tristen götter
Heine w. 1, 189 E.;
... weil trist an
mein leben fing mit tristem sterne,
gab er den tristen namen (Tristan) mir
Immermann 13, 76 Hempel;
glücklich? wer ist glücklich? welche frau? meinst du, Helene ist es mit ihrem tristen, halbtoten skelette, das sich zwischen husten, gicht und blindheit neben ihr hinschleppt? H. v. Kahlenberg fam. Barchwitz (1902) 153.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1936), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 656, Z. 11.

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Zitationshilfe
„driest“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/driest>, abgerufen am 05.12.2021.

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