Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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driezen

driezen
triezen.
1.
quälen, peinigen, wie dretzen, ahd. driuzan drängen, treiben, schelten, drohen Graff 5, 247, mhd. driezen Ben. 1, 396, ags. þreatian, engl. threaten. hierher auch drieszen und bei Jeroschin drôz überlast, beschwernis. hier soll uns die langeweile nicht triezen Heynatz Antib. 2, 479.
2.
an stricken aufziehen, niederd. updrisen Brem. wörterb. 5, 354. Schütze Holstein. idiot. 1, 255; vergl. ahd. gedrôzan protrahere Graff 5, 250. das bauholz wird mit einer winde in die höhe getriezt Heynatz Antib. 2, 479.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1409, Z. 32.

triezen, vb.

triezen, vb.,
auch trietzen, tritzen durch eine trieze hochziehen; quälen, necken. gebildet vom nomen trieze (s. o.) und wie dieses aus dem nd. stammend. desgleichen ist mnd. tritzen, trissen wie das nomen in andere germ. sprachen entlehnt: mnl. trisen, nl. trijsen; mittelengl. trīsen 'trice, hoist up', engl. trice, trise 'aufwinden, aufholen'; dän. tridse 'rollen, winden, hissen'. zu mnd. trissen ist zu vergleichen gleichbedeutendes driesen, updriesen Schütze holst. 1, 255; weiter gebildet nd. trisseln 'quälen, ängstigen' Danneil 227. über die räumliche verbreitung des wortes, welche, besonders in uneigentlicher bedeutung (s. u. 2), die des nomens weit übertrifft, vgl. Kretschmer wortgeographie 539, dessen anknüpfung an das obd. tratzen, trätzen allerdings irrig ist. Kretschmers angaben ist hinzuzufügen, dasz das wort auch für Schleswig-Holstein (Mensing 5, 161) und Königsberg (Betcke 61) bezeugt ist und dasz die bezeichnete linie des vorkommens z. t. weit südlicher zu legen ist, s. Christa Trier 72; Schön Saarbrücken 51; Gerbet Vogtland 171; selbst obd. (ostfränk.) ist das wort bezeugt Reinwald henneberg. 169. s. auch driezen teil 2, 1409.
1)
mittels der trieze (des triezblockes) aufziehen: (am himmelfahrtsfest) wert vam kerckenwelffe (kirchengewölbe) mit stricken ein hüselin herdale gelaten, nevenst engelsbilderen mit berneden lichteren, desülven werden up unde dale getrytzet und getagen (1593) bei Schiller-Lübben 4, 613; meist lexikalisch: trietzen Schrader deutsch-frz. wb. 2, 1382; trietsen, trietschen Mensing 5, 161; etwas hochtriezen an einem seile hochziehen Betcke Königsberger ma. 61; trītzen aufwinden Sallmann Estland 42; vgl. driesen, updriesen an stricken aufziehn, aufwinden Schütze 1, 255. in Schleswig-Holstein dann überhaupt 'ziehen': wisst du mal trietsen! (zuruf an pferde) Mensing 5, 161; ähnlich: se triezt sik so drup af plagt sich damit ab ebda; vgl. noch: tritzen bildlich, aus der stelle verdrängen Sallmann Estland 73.
2)
uneigentlich.
a)
'plagen, quälen, drangsalieren, peinigen, schikanieren', dann etwas abgemildert 'drängen, nötigen' u. ä. der sinnliche urgrund wird darin gesehen, dasz matrosen zur strafe an einem seil unter die raa hochgezogen wurden, s. Kluge etym. wb. ¹¹629 Götze; ähnlich Kretschmer wortgeogr. 539. vornehmlich diese bedeutung ist in den (nd. und md.) mundarten zuhause, vgl. oben über die verbreitung. selten in literarischer bezeugung: du hast mich so getriezt, lieber freund, dasz ich nun wircklich meine dogmatik schreibe (1848) Schleiermacher an J. Chr. Gasz 159 W. Gasz; der hat mich schon seit vier wochen getriezt, dasz ich ihm seinen löwen neu roth malen soll L. Starklof vierzehn tage im gebierg (1837) 94; wärst du ein junge, ich hätte dich gestenzt und getriezt nach meiner art, welche die leute eine grobe art nennen; du aber bist ein mädchen geworden G. Freytag (1886) 7, 296; die rekruten werden ... getriezt Imme soldatenspr. 77; solches geistiges trietzen briefe von u. an Lobeck u. Lehrs 2, 147 Ludwich.
b)
'necken, foppen, ärgern, reizen', vgl. die ähnliche bedeutungsentwicklung bei aufziehen; meist mundartlich: laat doch dat asige triezen na Mensing 5, 161; vgl. ferner Brendicke Berlin 185; Teuchert neumärk. 242; Bauer-Collitz 105ᵇ; rhein. wb. 1, 1502; Müller-Fraureuth 1, 250; Reinwald henneb. 169. von hier aus wohl das comp. triezenwerfen: das ballspiel und das triezenwerfen, wobei zwei parteien der jungen männer gegeneinander standen A. Andrä-Roman aus längst vergang. tagen (1899) 28.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1935), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 492, Z. 1.

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Zitationshilfe
„driezen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/driezen>, abgerufen am 28.11.2021.

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