Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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dringen

dringen,
ahd. dringan Graff 5, 261, mhd. dringen Ben. 1, 393ᵃ, altsächs. thringan, niederd. und niederl. dringen, ags. þringan, engl. to throng. das organische prät. drang lautet zuweilen drung, der organische pl. drungen gewöhnlich drangen. es kann allein stehen oder in verbindung mit einer präposition, mit einem adverbium: es kann auch ein nachsatz folgen.
1.
intransitiv. sich heftig, gewaltsam wohin bewegen, drängen.
a.
in eigentlichem sinn. der feind drang in die stadt. der flusz trat aus und das wasser drang in die straszen. das geschrei drang zu meinen ohren. der regen drang durch das dach auf den boden. das schwert drang in seine brust. die sonnenstrahlen drangen durch die wolken. das licht drang durch die öffnung.
nu heb dich hinter sie zu laufen
und tring in den nebenhaufen
Fastnachtsp. 589, 28.
und sie drungen hart auf den man Lot 1 Mos. 19, 9. und wenn ir merket das sie verzagt sein werden und die flucht geben, so dringet getrost auf sie Judith 14, 5. lief mit groszer kunheit hinzu, drang durch die feinde und tödtet irer vil auf beiden seiten 1 Maccab. 6, 45. da Judas sahe das sein heer nicht bei einander blieb und doch die feinde auf in drungen, ward im bang 9, 7. aber das volk drang hinzu Lucas 11, 29.
liesz sein anthoniglöcklein klingen:
die bawrn theten gen opfer dringen
H. Sachs 4. 3, 83ᶜ.
auf das reich tringen, underston das reich zu erobern Maaler 408ᶜ. auf eins leib und guͦt tringen das. mit gewalt in eins ordnung tringen, dieselbig zertrennen das. (die) durchs volk zu dem richter drungen Bocc. 2, 90ᵃ.
er acht sich aber nicht der sachen,
sondern drang auf den feind hinein.
Rollenhagen Froschm. Zz v.
bisz das der abend herein trung
Fischart Schiff 167.
sie dringen oder laufen über einen haufen zur thür hinausz Henisch 753.
Nicht alles was schwer, dringt unter sich.
lasz ich überreden mich
schweres ding dring unter sich?
wie dasz denn die steuerlasten
über uns noch immer lasten?
Logau 1. 2, 28.
wir drungen auf sein wort
bewehret ins gemach
Gryph. 1, 47.
alsbald der heide nun mit einem leichten sprunge
sich von Bojardo los und frei gemacht, da drunge
Rinaldo auf ihn ein
Werder Ariost 2. 8, 2.
wann ich nicht irgend fehle
so sag ich dasz er sich nein (hinein) mit dem schiffe drung.
11. 37, 7.
ich musz ein spiegel sein, in den die jugend schauet,
wie oft ein donnerschlag aus lichten wolken dringt.
Hofmannswaldau.
die länder sahen licht, die künste nahmen flügel
und drungen mit gewalt bis an der sonnen bahn.
Günther 655.
die rach ist kein vergeszlich weib,
sie dringt zwar langsam auf den leib,
allein mit desto schärfern streichen
ders.
sie drungen hinein bis nach Sardes Winkelmann 6, 19.
kühn drang er nach dem tempel
Klinger 3, 264.
diese kalte tropfen (schweisztropfen) drangen auf seine stirne 4, 275.
dasz in einem flug
himmelan wir dringen
Gotter 1, 181.
so dringet ängstlich hin und wider
durch feld und busch und wald mein blick
Göthe 1, 67.
dunkel brennt das feuer nur augenblicklich und dampfet,
wenn das wasser die glut stürzend und jählings verhüllt:
aber sie reinigt sich schnell, verjagt die trübenden dämpfe,
neuer und mächtiger dringt leuchtende flamme hinauf.
1, 268.
ein gemüse- und baumgarten drang (erstreckte sich) bis an die häuser hinan 20, 6.
das element (feuer) drang gräszlich auf mich los
41, 268.
mit weiten schritten drang er gegen den wald J. Paul Titan 2, 50. der himmel drang mit seinen lichtern und die erde mit ihren schatten in sein erweitertes herz ders. Hesperus 3, 137. Emanuel schauete still in die sonne die tiefer in die erde drang 4, 73.
zu des südpols nie erblickten sternen
dringt sein (des Briten) ungehemmter lauf
Schiller 101ᵇ.
schickt unser jagdgefolg voraus nach London.
das volk dringt allzuheftig in den straszen:
wir suchen schutz in diesem stillen park
427ᵇ.
stand er auch
bedauernd da, als hinter dir die reiter
des landvogts drangen?
542.
b.
uneigentlich.
α.
alleinstehend. wenn man gebeut, zwingt man und dringt man zu thun Luther 3, 60ᵇ. das dringt, das zwingt, das beiszet durch 3, 530. darumb lasset uns sehen was dieser text schleuszet oder nicht, wie er dringet und nicht dringet 4, 157ᵃ. er drang so, und in der unbesonnenheit sagt ich er sollte mit dir reden Göthe 7, 140. Oranien. wir zögern. Egmont. und wenn er uns im namen des königs bei seiner ankunft fordert? O. suchen wir ausflüchte. E. und wenn er dringt? O. entschuldigen wir uns 8, 222.
auf deinen wink ging ich das zweitemal
zu Tasso hin. ich komme von ihm her.
ich hab ihm zugeredet, ja gedrungen,
allein er geht von seinem sinn nicht ab
9, 220.
dann auf mich gewandt mit schäumen, schelten
dringt nun Phileros
40, 400.
im felde
da dringt die gegenwart
Schiller 336.
doch furchtbar naht sich die entscheidung, wachsend
mit jeder stunde dringet die gefahr
410ᵇ.
die stunde dringt, dem mann musz hülfe werden
518ᵃ.
β.
in verbindung mit einer präposition.
deiner töne süszes beben
dringt durch mark und bein,
dringet mir ans leben
Gotter 1, 180.
mir ist als säh ich ihn verzweiflungsvoll
zu meinen füszen seinen geist verhauchen,
und dieser anblick dringt mir an das herz
Schiller 600ᵃ.
weil nu der Carlstadt auf äuszerliche werk dringet und treibet Luther 3, 36ᵇ. mit der klag auf einen tringen, einen von zugefügtem unbill wegen verklagen Maaler 408ᶜ. auf eins leib und guͦt tringen das. er sticht oder tringt und reicht auf friden, er understat ein friden zu machen spectat ad concordiam das. es trieb sie die not darzu, denn ihr fraw drang heftig auf sie Buch der liebe 212, 1. auf einen dringen, einen zupetzen insectari Henisch 753. auf die gelegenheit dringen urgere occasionem das. auf einen dringen instare alicui, premere aliquem Frisch 1, 207ᵃ. heftig auf etwas dringen, etwas verlangen, urgere aliquid acriter das. auf zahlung dringen. der rath drang heftig auf beweis Steinbach 1, 299. mit fragen auf einen dringen einen zur antwort nötigen wollen das. auf einen eid dringen das., auf bekenntnis eingeständnis der schuld das. da ich auf ihn los drung cum a me premeretur das. das gebet der elenden dringet durch die wolken Sirach 35, 21.
ein heftig feuer drang durch meine glieder,
ach ewig werden diese flammen währen,
die mich verzehren
Ew. v. Kleist 62.
doch als
der unglückselige sich endlich nun
als seiner mutter ehgemahl erkannte
und aller jammer stürmend auf ihn drang
Schiller 236ᵇ.
der arzt dem dieses wort durch mark und beine dringet.
Canitz.
dringt durch des aberglaubens nacht
die euch zu finstern köpfen macht
Gellert 1, 175.
wir schlangen die arme in einander, um zusammen durch das leben zu dringen Leisewitz Julius v. Tarent 49. in etwas dringen wie eindringen, seine worte drangen in mein innerstes. seine ermahnung drang in mein herz.
der frevler sollt er wohl in mein geheimnis dringen?
Chr. Fel. Weisze.
nur durch das morgenthor des schönen
drangst du in der erkenntnis land
Schiller 22ᵇ.
in jemand dringen durch überredung, durch gründe zu etwas bewegen oder zu bewegen suchen. er drang so sehr in ihn dasz er seine bitte nicht abschlagen konnte. er drang mit fragen so lange in ihn bis er eine aufklärung gab. Raphael drang unaufhörlich um seine entlassung in ihn (den herzog) Klinger 4, 260. sie merkte auf, drang in mich, und ich gestand Göthe 18, 24. nach reiflicher überlegung drangen wir nicht weiter in ihn, und er führte nun dieses gift bei sich 20, 288. man dringet ihm nach dem leib er schwebt in lebensgefahr, novaeulae in acumine res est Henisch 753. zu höherem tringen und fechten, underston hoch aufhin ze kommen tendere ad altiora Maaler 408ᶜ.ᵈ.
γ.
mit einem adverbium. also sihestu was da sei in der liebe bleiben, beide, gröblich unter den leuten, aber viel mehr zum geistlichen wesen. dahin s. Johannes am meisten dringet, nemlich in der lere und christenheit, da einer den andern sol tragen und dulden, helfen und raten, auch denn, wenn er undankbar ist Luther 6, 50ᵇ. also ringen und dringen jetzt die papisten darauf, und hören nicht auf, bis man das liedlin uber sie singe, das der dritte engel Apoc. 16 cap. singet 6, 17ᵃ. denn das ist je wahr das er darnach wedder gesonnen noch gedrungen hat ders. Briefe 2, 238. mer darauf tringen und sehen das ein guͦt wol erbauwen und in eren gehalten werde, dann auf den lehenzins acht haben Maaler 408ᶜ. ich wird darauf tringen und das treiben illud urgebo das. darauf dringt er am meisten Steinbach 1, 299. ich will weiter nicht darauf dringen, ihr habt immer solche familiengeheimnisse Göthe 20, 293. und kompt nicht in das gerichte, sondern er ist vom tode zum leben hindurch gedrungen Joh. 5, 24. das gesetz und die propheten weissagen bis auf Johannes, und von der zeit an wird das reich gottes durchs evangelium gepredigt, und jederman dringet mit gewalt hin ein Lucas 16, 16.
2.
transitiv.
a.
eigentlich, mit äuszerer gewalt forttreiben, wegtreiben, drücken, stoszen; häufiger gebraucht man jetzt in dieser bedeutung drängen. dringen drängen premere, pressare, pertrudere, obterere, stipare Henisch 752.
wan er sîn sper durch in dranc
Enenkel s. 290.
under lief dem ritter sein schwert
und drang in nider zu der erd
Theuerdank 104, 29.
Esaias so hart anhelt,
tringt in darzu mit gottes wort
H. Sachs 3. 1, 125ᵇ.
der könig in Assiria
hat unterwunden ganz Juda
tyrannisch mit dem schwert zu zwingen
und unter sein schwer joch zu tringen
3. 1, 126ᵇ.
ewr beider musz der teufel walten,
wolt ir von disem schatz mich dringen,
ich wiln eh theilen mit der klingen
3. 2, 37ᵃ.
denn d. Martinus hält es dafür, das die predigermünchen damit umbgehen, das sie in von Wittemberg dringen verdrängen, vertreiben Luther 1, 113ᵃ. und die Egypter drungen das volk das sie es eilend aus dem land trieben 2 Mos. 12, 33. und die Amoriter drungen die kinder Dan aufs gebirge Richter 1, 34. es wurden auch sieben brüder sampt irer mutter gefangen und mit geiseln und riemen gesteupt und gedrungen vom könige dasz sie solten schweinen fleisch essen, das inen im gesetz verboten war 2 Maccab. 7, 1. 21. und er sprach zu seinen jüngern das sie im ein schifflein hielten umb des volks willen, das sie in nicht drüngen Marcus 3, 9. 5, 24. 31. ward zu aller underst an den tisch gedrungen Kirchhof Wendunmut 156ᵇ. das schiff zurück halten und dringen navem retro inhibere Henisch 753. etwas zusammen zwingen und dringen ders.
zwar er drang mich auf dem wege,
dasz ich fast kein glied mehr rege
Opitz Psalme.
gedrungen als adj. und hettest nit so vil groszer not, wie du dich ziertest und dinen lib feistig und gedrungen und dritschlecht gemachtest und dich selber also zart hieltest Keisersberg Bilger 148ᵈ.
ein kleins kreutlein wie hünerderm,
blühet schön röthlich in der werm,
hat am viereckten gelben stiel
als buchsbaum glenzend bletter viel,
jedoch nicht so gedrungen dick,
auch nicht so schwarzgrün am geschick.
Rollenhagen Froschm. R j.
gedrungener athem anhelitus Henisch 752. Stieler 336. gedrungene reime, gezwungene Opitz 10.
im sturm gedrungener wellen
Haller.
ein kleiner gedrungener schädel war mit haaren reich besetzt Göthe 25, 35. ein gedrungener, gefangener mensch Zöpfl Götz v. Berlichingen 26.
b.
uneigentlich, den willen bestimmen oder bestimmen wollen, mit heftigkeit einwirken, nötigen, bedrücken, quälen. tringen, nöten, afferre necessitatem, angere, cuneare, sollicitare Maaler 408ᶜ. dringen, treiben, zwingen, anhalten, urgere, cogere, stimulare, impellere, propellere, perturbare, turbare Henisch 752. auf etwas bereden, vermügen 753.
der pitter tod
mich minder dringt bedrängt, quält.
Wolkensteiner 85, 3, 9.
den andern des glaubens halben dringen Reichsabschied v. 1529 §. 10. doch ob der den er also bevhedet, sein, seiner gesipten freundschaft oder herschaft oder der iren feindt wär, oder sunst zu solcher vhede rechtmäszig gedrungen ursach hett, so sol er peinlich nit gestraft werden Carolina art. 129. er wirt mit geltschulden getrungen, geängstiget Dasypod. 193ᵇ. man findet wol das gott etliche nach seiner gerechtigkeit strafet oder durch pein dringet zu der reu Luther 1, 46ᵇ. dieweil es (das capitel) nicht anders thut denn die heiligen gotteswort zwinget und dringet von irem rechten verstand 1, 300ᵃ. nu aber dringet der text mechtiglich das zeichen auf das weibsbild und sagt klärlich das sol ein zeichen sein, wenn ein weibsbild ein son tregt 2, 241ᵃ. lieszen die lere und das urteil von der bloszen gnade faren und ergriffen die werk so die apostel theten und drungen dieselbigen aufs gewissen, sagten 'so und so mustu thun oder nicht thun' 2, 492ᵃ. dringe, zwinge, nötige in das ers muͦs so bekennen 3, 60ᵇ. das uns das evangelium entzogen werde und wir zu der pfaffen misbrauche gedrungen werden 3, 129. also sind auch die bawren nicht entschuldigt das sie sich haben dringen lassen 3, 147. aber so weit dringet er (gott) den könig 4, 80ᵇ. das ihr nicht von newen zu einem schwerern und fehrlichern kampf gedrungen werdet 5, 121ᵇ. er hat euch gedrungen zu der herrlichen offentlichen bekenntnis Christi 6, 17ᵇ. sondern sie wollen uns von der warheit zu iren lugen und greweln dringen, oder wollen uns tod haben 6, 81ᵇ. der teufel weisz seine argument wol anzusetzen und fort zu dringen 6, 83ᵃ. weil aber ein iglicher christ mus gleuben und bekennen, so ist er bald dahin zu dringen das er auch die auferstehung der todten mus lassen war sein 6, 223ᵇ. denn die folge wird euch dahin dringen das ir müszt sagen 'warlich, so es Christus durch seine apostel predigen läszt, so kan ja kein zweivel sein' 6, 225ᵇ. derhalben ist nicht not die leute zu dringen die sünde namhaftig zu machen 6, 371ᵃ. wenn du geld leihest meinem volk das arm ist, soltu in (dem du geliehen hast) nicht zu schaden dringen und keinen wucher treiben 22, 25. die welche nider gedrückt und geschwecht waren von dem bösen der sie gezwungen und gedrungen hatte Psalm 107, 39. aber die not wird sie dringen das sie die stadt ubergeben müssen Judith 7, 10. sie (die thränen der wittwen) schreien aber uber sich wider den der sie heraus dringet Sirach 35, 18. die gottlosen die das volk drangen vom gesetz abzufallen 1 Maccab. 3, 5. den die liebe Christi dringet uns also 1 Cor. 5, 14. drang Paulum der geist zu bezeugen den juden Apostelg. 18, 5. und die leut dringen und zwingen wolten Mathes. 43ᵃ. des teglichen messhaltens halb, dazu ich gleich den andern gedrungen ward Michael Stiefel A 2. einen zum eid tringen und nötigen Maaler 408ᶜ. das sie dahin gedrungen und bewegt sind Augsb. conf. Corpus doctr. christ. s. 20.
und weil man mich auch dringen wolt,
dasz ich poeten hören solt
Alberus 134ᵇ.
wie hart wir jetzt getrenget sein
von dem Jabin, der Cananiter
könig, der uns so herb und bitter
zwinget, tringet, schetzt und beraubt
H. Sachs 3. 1, 32ᵈ.
nicht hab ich das ich zalen kan,
so spricht er umb beid söhn mich an:
wil die habn zu leibeigen knechten,
mich dar zu tringen mit dem rechten
3. 1, 115ᵈ.
wird mancher ins äuszerste verderben gedrungen Kirchhof Milit. discipl. 180. aber dennoch dringet mich die liebe dergestalt, als wenn ich ein junger geselle von achtzehen jaren wäre Heinr. Jul. v. Braunschw. Susanna I, 1. der geist gottes dringet mich das ich zugehen musz Eb. III, 5. und liesz sich nicht weiter tringen in sich dringen Agricola Sprichw. 128ᵃ. ich besorge aber es möchte Moyses mich dringen dasz ich ime antworten müsse Ayrer Proc. 1, 7.
manch heiszen seufzer ihr heraus dringst.
Hoffmann Gesellschaftslieder 18.
wollest in dar wider nit dringen, bekümmern, beschweren noch anfechten Henisch 753. die worte in gewisse gesetze zu dringen und verse zu schreiben, ist das allerwenigste was in einem poeten zu suchen ist Opitz Poeterey 7. so ofte dergleichen gefunden wird, ist es eine gewisse anzeigung dasz die worte in den vers gezwungen und gedrungen sein 35. damals geschah es dasz einer den andern entweder mit gewalt oder list vom thron drang Hofmannswaldau. weil nun disz (die fabeln) die artlichste und subtileste weise ist bittere und scharfe warheit also von groszen leuten auch in die kinder, wie überzuckerten wurmsamen, zu dringen Schuppius s. 829.
mit mir ich lauter glück und heil der unschuld bringe,
ins unglücks abgrund nein ich den verräther dringe.
Dieter. v. d. Werder Ariost 5. 84, 5.
ich werde gedrungen, darum musz ich andere auch dringen pressus premo Stieler 336. die gefahr dringt ihn Steinbach 1, 299. Hume leitete, durch noth gedrungen, diese begriffe von der erfahrung ab Kant 2, 125. die vernunft wird gedrungen zu suchen 2, 451. ohne durch die gröszte noth zur annahme gedrungen zu sein 6, 315. ein particulier wird sie sicherlich bis auf das äuszerste dringen Lessing 12, 353. dieser drang Stilling dasz er seine lebensgeschichte erzählen möchte Jung Stilling 1, 360. die liebe drang mich dazu 1, 444.
Christi liebe dringe
mich damit ich treu
standhaft bleibe, ringe,
überwinder sei
Klopstock 7, 264.
die liebe
Christus dringe dich und der brüder
ders. Mess. 15, 1065.
also drang sie die liebe zu Christus
10, 269.
ha! was hab ich gedacht? was dringet mich Zeus zu verleugnen?
13, 308.
es sieht mich an mit flehender gebärde
das stumme bild und dringt mich noch zu sprechen.
Schelling in Schlegels Musenalmanach 1802 s. 118.
gedrungene schreibart kraftvolle, worte und gedanken zusammen drängende, wie oratio pressa. gedrungener wille voluntas coacta Stieler 336.
3.
sich dringen wie sich drängen.
a.
eigentlich.
das sich die seu werden ümb in dringen
Fastnachtsp. 768, 10.
da sich das volk zu im drang Lucas 5, 1.
die fronboten umb sein haus sich dringen
H. Sachs 3. 2, 117ᶜ.
die wolken drungen sich
und flogen schneller fort
Fleming.
die geister sie (die zauberer) zwar nicht mit zauberei bezwingen,
noch sich in das gestirn nauf in die höhe dringen.
Dieterich v. d. Werder Ariost 8. 1, 6.
dasz sich der lieblich hall süsz in die ohren tringet.
Rompler 52.
er schwang sich, er drang sich bald hierher, bald dort.
Reineke fuchs (Rostock 1650) s. 37.
die kirch ist oft so voll dasz ich mich durch das volk auf die canzel dringen musz Schuppius 195. wann ein prediger durch solche leut in einer volkreichen gemein sich zur canzel tringen musz 211.
aber Johannes drang sich hervor vor den andern.
Klopstock Mess. 14, 1334.
sie drangen um ihn sich
freudig herum, ganz nah ihn zu sehen
14, 1375.
heulend drang sich Boreas in die dichtverzäunten felder.
Hagedorn 2, 14.
das volk drang sich zu dem greise Klinger 5, 110.
als sie (die quelle) zuerst sich ihm entgegen drang.
Göthe 13, 184.
b.
uneigentlich. sie wolten sich also in unser kirchen dringen und pflanzen Luther 5, 279. dringe dich nicht in empter fur got und ringe nicht nach gewalt beim könige Sirach 7, 4. wenn dich ein gewaltiger wil zu sich ziehen, so wegere dich, so wird er dich deste mehr zu im ziehen. dringe dich nicht selbs zu im, das du nicht verstoszen werdest 13, 12. 13.
di sich doll in frefel dringen
Melissus Psalme B 4ᵃ.
die andre aber allzumahl
in solches ampt sich wollen dringen
Weckherlin 337.
wenn du die traurigkeiten
durch deine kunst bestürmst, so dringt der Helicon
auch selbsten sich zu dir
Fleming 59.
alsdan kan erst ein mensch sich einen menschen nennen,
wann seine lust ihn trägt was über uns zu kennen,
steigt eifers voll empor und dringt sich in die schosz
und gründe der natur; da geht sein herze los
Opitz 26
wenn man sich brods halber in solchen orden dringen will Olearius Rosenthal 2, 26. zu den wichtigsten reichsgeschäften sol er sich nicht dringen Butschky Patmos 959. der kluge vater drang sich auf den rechten thron Chr. Weise Zeitvertreib 3, 1.
hier schwitzt die tapferkeit, dort eilt die weisheit fort,
und beide dringen sich an den gestirnten ort.
Günther 524.
sich zu etwas dringen magno conatu aliquid obtinere sive consequi velle Frisch 1, 207ᵃ. ich bin indesz der mensch nicht, der sich zu ihnen dringen sollte: vielmehr suche ich mich von allem was hof heiszt so viel als möglich zu entfernen Lessing 12, 252.
sich mit zum thor des ehrentempels drang
Zachariä 1, 1.
die worte ihres vaters, er habe sich in ihr schicksal gedrungen Klinger 4, 158. er drang sich hier noch fester, noch inniger an ihn 8, 27. die liebe dringt sich durch alles Claudius 6, 97.
wie hat der zwist sich in mein haus gedrungen?
Göthe 9, 160.
beharrlich liebend drang ich mich zu ihm
9, 160.
wo bist du, Faust, desz stimme mir erklang,
der sich an mich mit allen kräften drang?
12, 34.
der menschheit krone zu erringen,
nach der sich alle sinne dringen
12, 90.
wodurch sich ein immer wachsendes miszbehagen in mir hervordrang 25, 54. eine beispiellose despotie drang sich sogar in den kreis des häuslichen lebens Schiller 859.
4.
unpersönlich.
mich drangs so grade zu genieszen,
und fühle mich in liebestraum zerflieszen!
Göthe 12, 140.
auch hab ich
für diesen fall befehle schon gegeben.
sie sehen dasz es dringt. kein augenblick
ist zu verlieren
Schiller 304ᵇ.
5.
sprichwörter. aus Henisch 753. wen der schuch wringet (preszt), zwinget (drückt) und das weib dringet, der ist ein armer man. wer sich zum ampt dringet, der ist sein nimmermehr werth. gewalt dringt fort. je stärker getrungen, je schwächer geworden.
6.
s. abdringen. andringen. aufdringen. ausdringen. durchdringen. herdringen. eindringen. nachdringen. verdringen. vordringen. zudringen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1413, Z. 52.

dringen, n.

dringen, n.
1.
dannocht ward des dringens vil der zudrang stark.
Wittenweiler Ring 34ᵇ, 36.
sag nicht du müssest der nothwendigkeit
gehorchen und dem dringen (andringen) deines volks.
Schiller 417ᵇ.
ihn beugt nicht unser heiszes dringen
ders.
2.
das tringen oder trucken, grosze treibende not des stuͦlganges mit wenig würkung Maaler 408ᵈ. Schönsleder Hh 3. s. drängen 4.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1419, Z. 1.

gedrungen, part. praet.

gedrungen, part. praet.
zu dringen, auch adjectivisch.
1)
gleich gedrängt, das jetzt vorherscht: ich fand mich nicht gedrungen, die sache selbst zu betreiben. Tieck 1, vii, so von innerlichem drange noch am gangbarsten. als adv., z. b. gedrungen sitzen Henisch 1409, gedrungen voll: fördert jeder (kranke kriegsmann), wie er kan, sich in zeiten hinbei und auf die wagen, gedrungen voll. Kirchhof mil. disc. 118; noch im 18. jh., auch bei Adelung:
und wär auch gleich mein cad nicht stets gedrungen voll,
so liesz ich mir gleichwohl an mäszigkeit genügen.
Günther 746.
s. auch gedrungenlich, adv.
2)
gezwungen, erzwungen (vgl.abgedrungen): auch ist .. oft gehört, das solcher gedrungener celibat .. nie kein gutes .. eingefurt habe. Luther 6, 369ᵃ. gedrungene not, not, in der man gedrungen wird oder ist: in gedrungener not der belägerung. Fronsperger kriegsb. 3, 146ᵃ;
und redt mit keiner jungfrau nicht,
als was (sie) gedrungener noth thun musz.
Ayrer 91ᵇ (463, 23),
mit adverbialem gen. (wie stehenden fuszes), jetzt notgedrungen. auch ungetrungen, nemine cogente Schönsl. Kk 5ᵇ.
3)
eng, zwängend, z. b. vom sarge:
bis mich ein gedrungnes haus
zu der väter beinen sammlet.
Günther 366;
auch diesz gedrungen tritt wol zugleich in activischen sinn über, wie die gedrungene not vorhin jetzt dringende not heiszt, eig.: ein haus in dem man gedrungen wohnt.
4)
in sich gedrängt, dicht, z. b. ein kriegshaufe:
aber ein gedrungner haufe tritt nunmehr gesetzt heran.
Schönaich Herm. 55;
doch wie ein fester damm den sturm gedrungner wellen,
wie sehr ihr schaum sich bläht, zurücke zwingt zu prellen.
Haller 128.
noch jetzt von körperbau: aber ain mensch der keüschlich und rainiglich lebet, der ist alweg keck, frisch, muster und wacker und getrungen wie ain hüpsch ross. Keisersb. siben schaiden (gran.) l 1ᵃ; dem kleinen gedrungnen, mit schwarzen feueraugen hin und wieder blickenden manne. Göthe 24, 290, s. auch u. gedrängt; Stein war mittlerer grösze, dem kurzen und gedrungenen näher als dem hohen und schlanken. Arndt wand. mit fr. v. Stein 61; (Schoppe) mit seiner breitschultrigen gedrungenen figur. J. Paul Tit. 2, 27;
schauet dort den fremdling, wie grosz und gedrungenen wuchses.
Voss Od. 21, 334.
im 16. jh. ebenso von einem kleinen finger: die herzogin den ring von dem ritter mit groszen freuden nemmen thet, ihn an ihr schneeweiszes gedrungenes fingerlein stiesz. Galmy 93. jenes gedrungen auch von einem, der sich in sich zusammenzieht: Humberkurt stand, zornig in sich gedrungen, ohne aufzusehn. Tieck nov. 4, 194.
5)
ähnlich von stil und gedanken: man sagte, meine gedichte seien hingegen zu gedrungen und die gedanken zu kurz ausgedrückt. Haller ged. 1777 vorr. 1ᵇ; die gedrungene menge der verse. Herder 20, 196; die stelle ist aber zu lang, um hier abgeschrieben, und zu gedrungen, um zusammen gezogen zu werden. Bürger 139ᵇ, jetzt lieber gedrängt (s. d.), wie überhaupt dringen von drängen allmälich verdrängt ward.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1878), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 2040, Z. 74.

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Zitationshilfe
„dringen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dringen>, abgerufen am 31.07.2021.

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