Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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darob, drob, adv.

darob drob, adv.
gleichbedeutend mit darüber, darauf, insuper, im gegensatz zu darunter. ahd. thâr oba (Graff 5, 60), mhd. dar obe.
1.
es bezieht sich auf den raum. thâr (auf dem grab) lag oba felisa Otfr. 3. 24, 65. thaz er thâr oba (auf dem füllen) sâzi 4. 4, 16.
dar obe (auf dem pelzwerk) pfelle lâgen, swarz alsam ein kol.
Nibel. 356, 3.
mit guldînen buochstaben
was gescriben dar obe (auf den marmorstein)
Herbort 6111.
die wende wâren alle
und daz gewelbe da obe
von vil grôzme lobe.
7221.
sîn brust, sîn arme und sîniu bein
diu wâren hêrlich unde rîch,
wol gestalt und edellîch:
im stuont daz îsen (die eiserne rüstung) dar obe
wol und ze wunderlichem lobe
Gottfried Tristan 168, 23.
idoch er in daz grab nicht steic,
wande er bleip dar obe stân
Passional 92, 12.
hie mite kam er durch daz gras
geslichen zuo dem brunnen kalt.
dâ stuont von böumen obe ein walt
vil maneger hande leie
Engelhart 5323.
im 14ten jahrh. bei dem Wolkensteiner,
ir euglein, nas, mund, kinn und kel
geformiert schon, darob das fel
rot, beis (weisz), ein klein verblichen, hel
89, 2, 6.
in der folgenden zeit noch seltner, ein paar ander schiff drob und drunter halten Kirchhof milit. discipl. 104. federn geben, better zu machen, dasz wir darob ruhen Schuppius 737.
2.
darob sein darüber aus sein, acht haben, wie daran sein, war im 16ten und 17ten jahrh. gebräuchlich. doch schon im Passional,
ir beider wille was dar obe gieng dahin
6, 25 Köpke.
doch sollen die herrschaften und stedte darob sein, das die landläufer, Jacobsbrüder und was fremde bettler wären, verboten würden Luther 1, 254ᵇ. ich will mit allem fleisz drob sein id agam sedulo Stieler 173. dannenhero erscheint es, wie ein weiser mehr als jemand darob ist, dasz er sein gemüte der seuche und der gemeinschaft des leibes entziehen möge Hoffmannswaldau Sterb. Socrates 19. so auch drob halten fest daran halten, dabei beharren Stieler 744. daran und umb soll auch ein jeder hohes oder nideres standes streng und steif darob halten Fronsp. Kriegsbuch 1, 25ᵃ.
3.
für darum, deshalb, darüber in uneigentlichem sinn.
darob so hät ich klainen graus
Wolkenstein 52, 3, 12.
auf götlich hilf stet unser baw,
darob söll niemant nemen graw
dasz in ümb tugent trübsal übt (belästigt).
Schwarzenberg 151.
darob der held thet gfallen tragen
Theuerd. c. 68.
wenn ein dieb ergriffen wird, das er einbricht, und wird drob geschlagen, das er stirbt 2 Mos. 22, 2. wie wil es euch zu letzt drob ergehen? Jerem. 5, 31. da sie nu lang drob beratschlagten 2 Maccab. 14, 20. ein weib hatte viel erlitten von vielen erzten und hatte alle ir gut drob verzeret Marc. 5, 26. were mein reich von dieser welt, meine diener würden drob kämpfen, das ich den Jüden nicht uberantwortet würde Joh. 18, 36.
ich wolt mich auch ins herz nein schemen
ein armen gast zu übernemen,
ich halts mit meinen gesten darob:
ich zum gelt verdien dank und lob
H. Sachs 3. 1, 236ᵈ.
so wöll wir darob leikauf trinken
3. 3, 69ᵈ.
darob hetten ein grosz abschew
4. 3, 65.
dasz er darob entrüstet wird
4. 3, 67ᶜ.
ir herz müszt drob ertrauern Fischart Garg. 92ᵇ. du leidest aber darob an deinen ehren Petr. 90ᵃ.
Neptunus sich darob entsetzt
Fuchs Mückenkr. 1, 679.
die nicht weiber haben,
wünschen ihre gaben:
die sie nun genossen,
werden drob verdrossen
Logau 3, 19.
ob nun gleich die zuhörer darob ein grosz misfallen hatten Olear. Rosenth. 4, 12.
drob wir bestürzet werden solten
Opitz.
nicht wundre dich darob, es sind zwei liebe stücke.
Hoffmannswaldau.
dieser überreichte ih. majestät eine sehr scharfe censur über ein poetisches italiänisches gedicht. ihre majestät aber lieszen sich öffentlich merken dasz sie einen schlechten gefallen darob hätten Schuppius 576. drob klagen Stieler 963. drob streiten disceptare 2209. 2210. drob wachen 2397. Frisch 1, 207 hielt das wort für veraltet. Adelung nimmt ärgernis daran, weil er es nicht für hochdeutsch ansieht, ohne grund: irrthümlich bringt er Otfrieds drof (nihil) hierher. es dauert in dieser bedeutung noch fort.
die mutter schaudert drob in ihrem grabe.
J. A. Schlegel.
zudem, ich seh nun wol
religion ist auch partei: und wer
sich drob auch noch so unparteiisch glaubt,
hält, ohn es selbst zu wissen, doch nur seiner
die stange
Lessing 2, 298.
ja solltest du auch den Homer
in jamben übersetzen,
drob werden dich kein haarbreit mehr
die herrn minister schätzen
Göckingk 3, 26.
drob will die fei vor zorn vergehen
Gotter 1, 117.
sie priesen den zufall darob
Wieland 5, 103.
und sich drob basz erfreuen Herder in Mercks briefsammlung 1, 40.
allein die feindlichen Olympier
entbranten drob in zorn
Bürger.
drob sei auch von nun an leben
und unsterblichkeit gegeben
deinem namen für und für
ders.
und der greis erbangte drob
142ᵃ.
drob ärgert sich der andre sehr
Göthe 2, 263.
darob ereifre niemand sich
3, 123.
viele frauen hast und ruh im haus,
werth dasz man darob das paradies gewinnt
5, 254.
wir staunen drob
41, 226.
darob entbrennt in Roberts brust,
des jägers, giftger groll
Schiller 67ᵇ.
der exjesuit schien darob noch seine freude zu haben G. Forster in Mercks briefsammlung 1, 366. wachen darob dasz nicht schlaf einfalle Niebuhr 3, 628. als nach vielen verhandlungen darob eine zusammenkunft stattfand Dahlmann Gesch. v. Dänemark 2, 25.
darob in staub mein siegermut fiel
Rückert 155.
4.
für daraus, so viel als ich drob schlieszen kan quantum auguror conjectura Stieler 1845. im kanzleistil, ihr werdet darob ersehen.
5.
für weshalb, worüber.
wie man alsdann nichts thut und spricht,
drob jemand zürnen kann
Bürger 84ᵇ.
linderungsbalsam gosz der arzt
in seinen schmerz, darob der gott der nicht
zur sterblichkeit geboren war, genas
ders.
die kunst darob sich die juristen
auf richterstühlen mächtig brüsten
Göckingk 1, 195.
dein purpur ist aller ehren werth
im grünen überkleide,
darob das mädchen dein begehrt
Göthe 1, 190.
6.
im Passional steht es für überdies, darüber hinaus.
der herre sie (die jungfrau) zu hûse nam
und bôt ir lieblîchiu wort,
wie man sie beide hie und dort
êren solde in hôhem lobe.
er wolde ouch selbe dar obe
sie halden nach der êren stift
34, 56 Köpke.
in Siciljen aldâ
er sechs klôster stifte,
die er mit rîcher gifte
widemete wol in gotes lobe.
daz sibende klôster er dar obe
machte binnen der stat
193, 10.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 783, Z. 5.

drob

drob,
s. darob.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1426, Z. 37.

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Zitationshilfe
„drob“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/drob>, abgerufen am 01.08.2021.

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