Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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drollgast, m.

drollgast, m.
trollgast, ein ungebetener gast der als schmarozer einem andern sich anhängt Reinwald Henneb. idiot. 1, 172. Schmidt Westerwäld. idiot. 267. den man nicht dulden will, der sich fort drollen soll. es soll keiner kein hund mit bringen, wenn sie biszent einander unter dem tisch und springent uf die benk, und hat nieman kein ruw noch rast vor inen, dovon so losz einer den hund doheim; und bei dem hund verstand auch ein trumpel- oder truillgast, denn keiner soll kein trumpelgast mit im bringen Keisersberg Postille 3, 43. s. drollmann.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1430, Z. 26.

trollgast, m.

trollgast, m.,
auch trul(l)gast, neben drollgast, drullgast.
1)
heute findet sich das wort in der form trollgast, drollgast bes. in md. mundarten, darüber hinaus aber auch im westfäl. in den bedeutungen
a)
'ungeladener gast' Woeste-Nörr. westf. 59ᵃ; insonderheit 'ungebetener gast, der als schmarotzer einem andern sich anhängt' Kehrein Nassau 1, 118; Schmidt westerwäld. 267; Reinwald Henneberg 170; ferner 'ungeladener teilnehmer an einem (tauf- oder hochzeits-) fest' Hertel Thür. 247; Müller-Fraureuth obersächs.-erzgeb. 1, 252ᵇ; Albrecht Leipziger ma. 225ᵃ; vgl.draelgast, dreylgast umbra (d. i. ungeladener gast), coenipeta Kilian (1605) 95ᵃ; 96ᵃ. so vielleicht schon eine stelle bei Luther zu deuten: ego M. Luther nollem in papae ecclesia aliqua sine vocacione praedicare. si ipsi (die wiedertäufer) volunt praedicare, tunc eos ad pastorem et magistratum duc, ut in publico praedicent, si volunt praedicare. hutte dich vor solchem drollgast, du bist in schuldig anzusagen Luther 34, 1, 422 W. vereinzelt bezeichnet drollgast auch jemanden, 'der zur hochzeit geht, ohne zu bezahlen' Woeste-Nörr. westf. 59ᵃ. ein besonderer gebrauch des wortes wird für das württemberg. Franken von Höhn in württemb. jb. 1912, 39 verzeichnet: geht aus einer familie die frau zur hochzeit, so wird sie abends von ihrem mann, dem 'trollgast', oder auch von ledigen söhnen ('holer', 'abholer') abgeholt; ähnlich bezeugt Fischer schwäb. 2, 398 fürs fränkische die bezeichnung trollgäste für die männer, die, 'wenn bei hochzeiten die frauen erscheinen, nach einigen stunden oder auch abends nachkommen'.
b)
im westfäl. sind drollgäste 'bei bauernhochzeiten die leute, welche in lächerlicher kleidung, oft auch angeschwärzt, sich einfanden und durch musik oder possen die gesellschaft belustigten, nicht selten indes argen unfug anrichteten' Woeste in d. zs. f. dt. phil. 2, 113.
2)
nicht ganz greifbar wird die bedeutung des älteren trol-, trul-, droll-, drullgast. drullgast in dem aus dem Rheingau stammenden weisth. 1, 552 (s. teil 2, 1456) bezeichnet eine person, die von dem gericht, das der abt anläszlich eines dinges bestimmungsgemäsz bewirtet, zum gelage hinzugeladen werden kann: das gericht hat macht eynen drullgast zu laden. was aber näher unter der so bezeichneten person zu verstehen ist, geht aus dem zusammenhang ebensowenig hervor wie bei den übrigen älteren belegen, die das wort mit einem geringschätzenden beiklang bieten:
(exsu)rge, sede, tu trolgast, cito recede,
... clina, si sumis prandia bina,
... trina spernit te mea coquina
in einem handschriftenfragm. des 14. jh. in zs. f. dt. altertum 5, 463;
ähnlich:
terge, sede, ede, trulgast, et cito recede.
terge, sede, comede, trulgast, subitoque recede
(1493) bei Schmeller-Fr. 1, 661.
Woestes von der bedeutung 1 b ausgehende vermutung, dasz es sich bei dem drullgast des weisth. 1, 552 um einen spielmann, gaukler o. ä. handele, mag zutreffen, im grunde aber bleibt diese deutung hier ebenso ungewisz wie für die andern belege.
3)
trüllgast bei Keisersberg rückt durch die lautung wie durch den unterschied der localen bezeugung von 1 und 2 ab: ein yeglicher der do geladen würt, (halte) disze dry oder vier regel: ... die vierd regel thun ich darzu. es sol keiner kein hundt mit jm bringen. wenn sye byssent einander vnder dem tisch und springent vff die benck, vnd hatt neymans kein ruw noch rast vor jnen. douon so lossz einer den hundt doheym. vnd bey dem hund verstand auch ein trumpel oder trüllgast (assur[?]), denn keiner sol kein trumpelgast mitt jm bringen Keisersberg postilla (1522) 3, 43ᵇ; meint trumpel hier wie das entsprechende mhd. wort 'unzüchtiges weib', dann darf man in dem ersten glied des compositums das synonyme trülle 'meretrix' vermuten und trüllgast wie trumpelgast als blosze gelegenheitsbildung ansehen.
4)
bei der unklarheit der älteren belege ist es schwierig, die herkunft des ersten gliedes des compositums zu deuten. sieht man mit Woeste in der bedeutung 1 b etwas altes, dann liegt es nahe, an einen zusammenhang mit mhd. trüllen 'gaukeln, spielen', trüller 'gaukler, spielmann' zu denken; vgl. auch nl. drollen, droelen, druilen 'gaukelei treiben', engl. to droll 'scherzen'. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 805, Z. 49.

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Zitationshilfe
„drollgast“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/drollgast>, abgerufen am 29.11.2021.

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