Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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dropf

dropf,
s. tropfen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1434, Z. 50.

tropf

tropf
- als erstes compositionsglied hat in der bedeutung 'gutta' die ebenso häufige form tropfen - neben sich; öfter stehen beide im gleichen wort nebeneinander wie tropf- und tropfenbad, -fall, -fleck, -glas, -regen u. a.; die zusammensetzungen mit tropf- tragen teilweise verbalen charakter wie tropfbier, -wein, -brett, -bühne, -nase, -schwefel und sind zu tropfen, vb., zu ziehen. hinter der substantivischen composition steht die adjectivische zurück; am geläufigsten ist tropf(en)nasz; vergleichende bildungen wie tropfenartig, -flüssig, -förmig sind vor allem den naturwissenschaften eigen; allgemein ist die adverbbildung tropf(en)weise. bei der substantivcomposition nehmen bildungen der naturwissenschaften und der technik den gröszten raum ein. sonst öfter bei gebrauchsgegenständen wie tropfbrett, -fasz, -geschirr. poetische bildungen im eigentlichen sinne finden sich, vor allem seit dem 19. jh., in tropfenmeer, -nebel, -schauer, -staub, tropfgefunkel, -perle. zu tropf(en) 'schlagflusz' gehören tropfader und tropfschlag 2. zu tropf, m., oder tropfe, f., 'traufe' sind zu ziehen tropfhaus, -holz, -recht, -stall.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 857, Z. 70.

tropf1, m.

¹tropf, m.,
einfältiger, bedauernswerter oder minderwertiger mensch.
herkunft und form. das wort ist seit dem 15. jh. in allgemein sprachläufiger verwendung bezeugt, als deminutiv vereinzelt bereits im mhd., s. unter 1 b. die von anfang an durchstehende form des nom. sg. ist tropf A. v. Eyb dt. schr. 2, 52, 17 H.; H. Folz meisterl. 359ᵇ Mayer; Egerer fronleichnamspiel 37 Milchsack; fastnachtsp. 158, 31 Keller; 284, 29; Seb. Brant narrensch. 44 Zarncke; Luther 29, 114, 9 W.; H. Sachs 4, 400 lit. ver. so bis in die neueste zeit, wie etwa bei G. Keller ges. w. 1, 50; M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 5, 73; A. Hitler mein kampf (1933) 88. der nom. sg. tropfe ist dagegen nur vereinzelt belegt: der tropffe C. Spangenberg Mansfeld. chron. (1572) 42ᵇ; B. Schupp schr. (1663) 526 neben tropf ebda 124; der ... tropfe Trebellius polit. narrenkappe (1683) j 4ᵃ; ich armer tropfe G. Landcron merkwürdige reisen (1724) 22. tropf(e) begegnet in schwacher und starker flexion; im 15./16. jh. herrscht die schwache vor: zuͦ disem tropffen A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) t 2ᵃ; manchen ... tropffen (acc. sg.) Murner dt. schr. 5, 57 Fuchs; eines jeden tropfen Luther 33, 395, 36 W.; diese dropffen H. Sachs 1, 130 lit. ver.; aus jüngerer zeit ist an singularischen formen bezeugt: einen tropfen kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 104; Vischer auch einer (1879) 1, 92; mich armen tropfen U. Bräker s. schr. (1789) 1, 208 neben (des) tropfs 1, 109; einem ... tropfen Jean Paul 3, 324, 20 akad. neben den tropf w. 24/26, 209 Hempel; dem armen tropfen Mörike w. 3, 67 Göschen neben mir alten tropf 1, 163. häufiger tritt die schwache flexion im plural auf; heillose tropfen Luther tischreden 1, 48 W.; einfältige tropfen J. G. Schmidt rockenphilos. (1718) 1, 286; Blancard Antersons fataler schiffscapitain (1742) 276; H. P. Sturz schr. (1779) 1, 116; tropfen Göthe I 8, 208 W., später geändert in tröpfe, s. lesarten 8, 350. starke flexion läszt sich seit dem 16. jh. nachweisen, steht aber zunächst hinter der schwachen zurück: die groben tropff Luther 29, 272, 19 W.; mir armen tropf Dedekind christl. ritter (1590) 92ᵇ; dem tropff Calagius Susanna (1604) e 4ᵃ; Reinicke fuchs (1650) 85. mit dem 18. jh. setzt sich die starke form aber immer mehr als allgemeingültige durch: eines albernen tropps Lessing 6, 126, 34 M.; U. Bräker, Jean Paul, Mörike s. o.; einen armen tropf M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 171. der starkflectierte plural ist zunächst umlautslos: die ... tropff Luther (s. o.); schlechten tropfe Leibniz dt. schr. 1, 380; einfältige tropfe J. G. Schmidt rockenphilos. (1718) 2, 192; arme tropfe Bettine d. buch gehört dem könig (1843) 2, 352. daneben tritt seit dem 18. jh. der umgelautete plural auf, der sich im laufe des 19. jh. als allgemein üblich durchsetzt: elende tröpfe Liscow sat. schr. (1739) 205; solche tröpfe J. J. Schwabe belustigungen (1741) 3, 164; arme tröpfe Herder 15, 149 S.; ihr armen tröpfe Göthe I 12, 12 W.; dualistische tröpfe G. Keller ges. w. 2, 160; (eine) front aus ... deutschen tröpfen Hans Grimm volk ohne raum 2, 612; so auch mundartlich, z. b. tröpf Friedli Bärndütsch 4, 167; Martin-Lienhart elsäss. 2, 763ᵇ; Follmann lothr. 106; Hönig Köln 38ᵃ. nach dem formalen befund bestehen gegen die identität des vorliegenden tropf(e) und tropfen 'gutta' keine bedenken. beide setzen ein schwachflectierendes tropfe mit einer starkflectierenden nebenform tropf voraus. ein unterschied besteht nur in der form des nom. sg., für den in der bedeutung 'gutta' sich tropfen durchgesetzt hat (s. d.), während in der bedeutung 'homo stultus etc.' nur tropf(e) bezeugt ist. diese differenzierung findet sich aber auch sonst bei ein und demselben worte zur bezeichnung von sachen einerseits und lebenden wesen anderseits, wie etwa bei lump(en), knote(n), drache(n), s. Wilmanns dt. gramm. 3, 2, 382. was die bedeutung anlangt, läszt sich eine entwicklung von tropf im sinne von 'homo stultus etc.' aus tropfen 'gutta' auf grund bestimmter bildlicher wendungen oder redensarten allerdings nicht nachweisen. die spezifische bedeutung von tropf konnte aber auch unmittelbar aus der vorstellung des kleinen oder nichtigen erwachsen, die in tropfen 'gutta' liegt und im ahd. bereits zur verwendung des wortes als negationspartikel führte. das schmalbezeugte verb ²triefen 'umherziehen' bietet bedeutungsmäszig keinen überzeugenden anknüpfungspunkt. das wort ist der mundart gemeinhin vertraut. an mundartlichen lautungen begegnet in literarischen denkmälern anlautendes d im md., im nürnbergischen und im elsäss.: dropffen Luther 32, 237, 7 W.; H. Sachs (s. o.); Murner a. d. adel 29 ndr.; Sleidanus reden 196 lit. ver.; Montanus schwankb. 485 lit. ver. unverschobenes pp im ostmd., vornehmlich obersächs.: trop Luther 34, 2, 2, 26 W. u. ö.; tropp Rinckhart christl. ritter 18 ndr.; Basilius Faber thes. (1587) 774ᵇ; des ... troppen Lindener katzipori 70 lit. ver.; eines ... tropps Lessing 6, 126, 34 M. vereinzelt die doppelspirans ff: haillos troffen (pl.) Nas antipap. eins und hundert (1567) 2, 264ᵇ.
bedeutung und gebrauch.
1)
tropf bezeichnet vorwiegend einen menschen von geistig beschränktem wesen, und zwar einmal mehr eine einfältige, unselbständige oder auch läppische person (a), das andere mal mehr einen dummkopf oder stümper (b).
a)
einfältiger mensch; gelegentlich in positiv beurteiltem zusammenhang: ein frommer tropff, einfaltig homo antiquus, frugi, sine omni mala malitia Schönsleder promptuar. (1647) r 4ᵃ; in der regel aber rein negativ bewertet 'geistig beschränkter mensch'; gern neben einfältig: gegen einen verschlagenen finden sich wohl zehen tausend einfältige tropffen, derer tummigkeit, leichter glaube und verwegenes hastiges gemüthe denen listigen zu ihrem ehrgeize dienen musz Chr. v. Ryssel seelenfrieden (1685) 309; Darius scheint ein tropf zu sein, der sich von seinen hofschranzen gesetze vorschreiben läszt briefe, d. n. litt. betr. 20 (1764) 84; gutwillig jemand als einen gott über sich erkennen, kann nur im grund ein schwacher tropf maler Müller w. (1811) 2, 124; ist die ursache der einfalt in der schwäche der urtheilskraft zu suchen, so heiszt ein solcher mensch ein tropf, einfaltspinsel Kant (1838) 10, 9. zuweilen noch stärker so viel wie läppischer, alberner mensch: tropf de homine inepto et negligente Maaler 409ᵇ;
du nasenweiser tropf, sieh doch,
ob du dich nicht im kurzen noch
must deiner eignen narrheit schämen
S. Brant narrenschiff 44 Zarncke;
mit deinen weichen, wüsten, närrischen geberden und gäukeleien! pfui dich du ellendiger tropff Moscherosch gesichte (1650) 2, 104; der irrthum eines albernen tropps Lessing 6, 126 M.; die narrheit dieses albernen tropfes Raupach dram. w. kom. gattg. 1, 77. auch von frauen: freilich ist seine frau ein tropf J. Gotthelf Uli der knecht (1854) 210. in der bedeutung 'einfältig' namentlich auch mundartlich und in sprichwörtlicher verwendung, s. Wander 4, 1334.
b)
ein ungelehrter mensch, ein dummkopf oder stümper:
da von so hat myn munt bericht
uz mynem herzen disz gedicht
und hat vermischt dar in latin
allen tropheln gar ze pin
Laszberg liedersaal 1, 114, 46.
(hiesze) usz der heiligen gschrift reden daz man allein sprech da und da steht das, es sei oder sei nit so künt sich dermaszen ein ieder dropff der gschrifften bruchen Murner dt. schr. 7, 88 Voss; darum sind das heillose tropfen, die sagen, man sol den bapst nit schelten Luther tischreden 1, 48 W.; erstlich sagt er, darumb dasz die ungeweichte predicanten die ungelehrtesten tropffen seien, die man auff erden finden mag Fischart binenkorb (1588) 225ᵃ; o ellender tropff, es gehöret ein anderer verstandt und kopff zur poeterey Moscherosch gesichte (1650) 1, 470;
... macht er ein supplicat,
so zieht er nicht einmal den Volkmann erst zu rath,
wie manche stümper sonst und ungelehrte tropfe
Gottsched schaub. 6, 423;
... was einst Hippocrates
und mehr als das, bin ich, bin Paracelsus!
und eure ärzte sind beschränkte tröpfe!
Schnitzler kakadu (1899) 10;
so ging ich philosophischer tropf nach hause Gleim briefw. 2, 512 Körte; die grosze masse ... der juristischen tröpfe G. Forster s. schr. (1843) 3, 121; Marius ein politischer tropf wie viele volkstümliche parteiführer O. Spengler jahre d. entscheidung 1 (1933) 61.
2)
tropf bezeichnet seit dem 15. jh. auch einen in verschiedener richtung bedauernswerten menschen; der ausdruck des mitleids äuszert sich oft durch epitheta wie armselig, unglückselig u. ä., vor allem aber arm:
ich meint ich wolt eim andern schaden,
so müsz ich selbs im jamer baden
und ewig syn ein armer tropff
Murner dt. schr. 411 Spanier;
warumb hast nechst dein man geschlagen,
zerstieszt ihm also seinen kopff.
er tauret mich, der arme tropff
Wickram 4, 44 Bolte;
ob gleich ... desz gemeinen manns empörung ... mit hinrichtung ... etlicher armer unschuldiger tropffen gestillt worden Lewenklaw chron. Türck. nation (1590) 136; wirdt also deine vergebliche liebe, du armer und betrogener tropff, billich gezehlet under die ... wunder der liebe theatr. amoris (1626) 34; Gelanor hätte mit den unglückseligen tropffen gern mitleiden gehabt Chr. Weise erzn. 34 ndr.; was seynd anderst die arme und elende leuth als verworffene, verachte fuszhaderen? ... aber gedult, ihr bedrangte tropffen! Abr. a s. Clara etw. f. alle (1699) 1, 315; arme tropfen, die zum dritten mahl in betrübten wittwerstand gerathen sind J. G. Schmidt rockenphil. (1718) 2, 355; ich bin ein armer unglückseliger tropf Pestalozzi s. schr. (1819) 1, 259; G. Freytag ges. w. 2, 17;
du mochtest wähnen,
du seiest ein gottverlaszner tropf
Chr. Morgenstern alle galgenlieder (1932) 227.
öfter von in armut lebenden menschen:
der gold mocht tragen auff seim kopff
zu letzt ward so ein armer tropff
M. Agricola musica instr. 138 Eitner;
dieweil die gelahrte insgemein armselige tropfen sind, welche kaum ... das liebe brod können erwerben J. Rist friedew. Teutschl. (1648) 112;
die (pillen) mancher arme tropf gebückt und frech verbeiszet,
weil er der excellenz bezahlter diener heiszet
Gottsched anmuth. gelehrs. 2, 383.
vgl. demin.: der habenichts! das tropfel, das armselige! Thoma ges. w. 2, 22. von körperlich geschädigten: horten si den armen tropffen ernstlich seufzen, ... funden ... iren gesellen mit zerbrochnen beinen ligen Wickram 3, 52 Bolte; (der mildtätige zu dem bettelnden blinden:)
gang weidlich hernacher blinder tropff.
wilt anderst füllen deinen kropf
N. Frischlin dt. dichtg. 35 Strausz;
die augen führt er (Thersites) schlechts im kopff,
war hinckend, und ein krummer tropff
Spreng Ilias (1610) 17ᵃ:
innerhalb des schwäb. heute geradezu für 'krüppel', s. Fischer 2, 402. öfter klingt bei der verwendung von tropf im bedauernden sinne der ausdruck gutmütiger oder ironischer anteilnahme mit, besonders neben gut: der gut arm tropff hat sein gält ... und kosten umbsunst gehabt Wickram 3, 48 Bolte; (der schneider) spottet des guten einfältigen troppen Lindener Katzipori 70 Lichtenst.; welche ihn oft dermaszen ins bad führen, zwagen, täufen und beträufen, dasz der gute nasse tropf wohl gar ersaufen möchte S. v. Birken lorbeerhayn 12; neben arm: ist leichtlich zu ermessen, wie lächerlich der arme tropff sich in so stattliche kleider geschickt habe Harsdörffer gesprächspiele (1641) 2, 93; wie kotzerliche mienen der arme tropff machte, bis er dieses unnöthige artzneyträncklein in sich schüttet Grimmelshausen 2, 342 Keller.
3)
als abschätzige bezeichnung eines schlechten oder verkommenen menschen.
a)
von einem ehrlosen, charakterlosen menschen überhaupt: was werden doch die elenden, erlosen tropffen gott dem herrn denn antworten J. Dietenberger christl. verman. (1523) l 1ᵇ; will er ... mich ... als einen elenden tropf herunter machen, der gar keine ehre zu sprechen hat Liscow samml. sat. schr. vorr. 45; eines mannes von ehre? rief er höhnisch lachend; so kann sich jeder tropf nennen Hauff s. w. (1890) 2, 24; daher ekelten ihn die niedrigen tröpfe um ihn an, die nicht sein herz, sondern seinen beutel verlangten Jean Paul 2, 143 akad.:
spitzbuabn sans allsam. ...
weils lauter lumpen san! ...
es san ja lauter tröpf
K. Stieler ged. 4, 54 Recl.
auf einzelzüge gehend:
mein man ist ein hemischer tropf
H. Sachs 7, 146 lit. ver.;
der alte karge geitzig dropff
ebda 20, 551;
da ward er als ein lügenhaftiger tropff erkent S. Münster cosm. (1550) 151; was schads dem Ennio, wann ihme schon der neidig tropff Horat ... beschuldigt Fischart Garg. 27 ndr.;
wenn ein weib in einer stadt
ihr eh bricht, soll sie sampt dem tropff
hinausgeführt ... werden
Calagius Susanna (1604) e 4ᵃ;
da ziehlt von fern auf ihn der verräthrische tropff
D. v. d. Werder ras. Rol. 1, 130;
der wirt ist kein knausiger tropf Mörike 1, 154 Göschen.
b)
im 16. und 17. jh. wird das wort zur bezeichnung eines liederlichen, wüsten, verkommenen gesellen verwendet: flagrio troph vel lecker (1517) Diefenbach gl. 238ᵃ; adolescens perditus ac dissolutus der verterbt und zum buben worden ist, ein loser tropp B. Faber thes. (1587) 774ᵇ;
du alter grawer wüster tropff
Murner dt. schr. 5, 57 Fuchs;
wiewol er ein verwegener und leichtfertiger vogel was, ... erwischt der kaufmann den tropffen Wickram 3, 107 Bolte; ein schlammiger tropffen oder ungewaschen maul, der umbs bauchs willen garstige und lose possen reiszet Mathesius Sarepta (1571) 108ᵃ; abgesoffene, abgehurte, ausgespielte leidige tropffen Fischart Garg. 473 ndr.; Petronius ist mir etwas verdächtig, und sonst selbst ein unflätiger tropff mit aufschneiden Moscherosch gesichte (1650) 2, 299; dasz er sich selber schämen müste, mit einem solchen liederlichen tropffen es aufgenommen zu haben Happel akad. roman (1690) 54; häufiger begegnet in dieser bedeutung loser tropf H. Sachs 4, 400 lit. ver.; Frey gartengesellsch. 189 Bolte; B. Krüger anf. u. ende (1580) d 8ᵃ; Basilius Faber s. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 853, Z. 22.

tropf2, m.

²tropf, m.,
gewöhnlich in der zusammensetzung dachtropf, s. teil 2, 670. bedeutungsmäszig dasselbe wie traufe 3 und trauf 3, der bildung nach dasselbe wie tropfen, m. und dessen kurzform tropf. zur composition vgl. dachtrauf, dachtraufe teil 2, 670 und dachtrief unter ¹trief sp. 465; vgl. auszerhalb des deutschen in dieser bedeutung mnl. drop, auch drope, m. Verwijs-Verdam 2, 473; nnl. drop, m. wb. d. nl. taal 3, 2/3, 3465; ags. dropa, m., 'stillicidium' Bosworth-Toller 214ᵇ. der endungslose nom. sg. tropf bzw. dachtropf ist im deutschen das gewöhnliche; vereinzelt steht späteres der tachtropfen (1630) österr. weist. 7, 133; nicht eindeutig ist älteres tropfe, s. unter ¹tropfe; die flexion ist seit dem mhd. als schwach bezeugt: eynem dachtropfen gesta Romanorum 7 Keller; eime dachtropfen Laszberg liedersaal 2, 330; auszer des dachtropfen (steir. nach 1590) österr. weist. 10, 55; starke flexion begegnet seit dem frühnhd.: den troff Keisersberg geistl. spinnerin (1510) f 5ᵇ; seines tachtropffes Fischart Gargantua 92 ndr.; untern dachdropf (steir. 16. jh.) österr. weist. 6, 39; under sein tachtropf (steir. 17. jh.) österr. weist. 10, 134. die form mit auslautender spirans ist zum teil als alem. weiterverschiebung zu deuten: troff (1383) urkdb. Heilbronn 2, 7; troff (oberrhein. 1475) weisth. 5, 205; troff Keisersberg a. a. o.; dachtroff Brack voc. rer. (1495) bei Diefenbach gl. 552ᶜ gegenüber jüngerem tachtropff ebda (1512) 20ᵇ; an alem. herkunft darf man auch denken bei den ahd. glossen zum 'summarium Heinrici': dactrof (12. jh.) ahd. gl. 3, 332, 50; dahdrof (13. jh.) ahd. gl. 3, 129, 27; tachtrof (13/14. jh.) ahd. gl. 3, 269, 54; zu den 'glossae Salomonis' trof (in einem druck des 15. jh.) ahd. gl. 4, 48, 19; troff in einem obd. voc. des 15. jh. bei Diefenbach nov. gloss. 348ᵇ; es kann sich hier aber vielfach auch um eine tiefstufige parallelbildung zu trauf handeln, entsprechend troffe zu traufe, s. sp. 782, so bei drof (kärntn. 14. jh.) österr. weist. 6, 507f.; troff in einem md. voc. von 1440 bei Diefenbach gl. 552ᶜ. die affricata, die wie bei tropfen, m. zu deuten ist, findet sich von anfang an bezeugt: tachtropf (12. jh.) ahd. gl. 3, 229, 49; dachtroph (12. jh.) ahd. gl. 3, 129, 25; dachtropf (obd. 14. jh.) Diefenbach gl. 552ᶜ; tropff Hulsius (1618) 250ᵇ; so auch noch heute in bair. mundarten. s. ferner unter dachtropfen teil 2, 670. tropf dient wie trauf 3 den älteren glossographen als notübersetzung von 'compluvium', s. teil 11, 1, 1, 1402: conpluvium drop (hs. d. 11./12. jh. aus Trier) ahd. gl. 4, 199, 42; conpluvium dactrof (12. jh.) ahd. gl. 3, 332, 50; tachtropf (12. jh.) ahd. gl. 3, 229, 49; compluvium trof ahd. gl. 4, 48, 19. wo es seiner bedeutung nach faszbar wird, bezeichnet es allgemein die dachrinne: stillicidium dropp (nd. 15. jh.) Diefenbach gl. 552ᶜ; drop vel goete gemma gemmarum (Köln 1507) ebda; grondaia Hulsius (1618) 250ᵇ; ob ich läg under eynem dachtropfen und trüf auf mich, so liesz ich die dachtropfen die augen auz slahen gesta Romanorum 7 Keller; häufiger in rechtsquellen: wo ainer in seyn hausz gejagt wurde, so er under den dachtrophen kumbt, so soll im sein widerteil nit nachkumen (steir. 1478) österr. weist. 6, 31; in iedem hausz ist sondere freiheit, als weit der tachtropfen wehrt (niederösterr. 1630) 7, 133; danach bezeichnet es auch den bereich, der unter der überstehenden dachrinne liegt: item sew (die richter) ruegent und meldent, was geschiecht in versperter tuer auf ander herren guet, das ist demselbig herren zwe verpuessen. item wer aber das chomen aus den dachtropfen auf dye gassen, so sein sew verpuessen dem edlen vessten Gamarett von Frannaw (niederösterr. um 1460) weisth. 3, 696; drey tritt für die tachtropfen gahn (Thurgau 1491) weisth. 1, 290; (in der häuslichkeit) erkennt der hauszfürst seines tachtropffes reichsgrenzen Fischart Garg. 92 ndr.; vgl. für diese besondere bedeutung auch mnl. drop, drope Verwijs-Verdam 2, 473.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 856, Z. 75.

tropf3, m.

³tropf, m.,
s. tropfen, m.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 857, Z. 69.

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„dropf“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dropf>, abgerufen am 29.11.2021.

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