Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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dropfen

dropfen,
s. tropfen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1434, Z. 51.

tropfen, m.

tropfen, m.,
auch tropfe, tropf gutta, apoplexia. tropfe, f., s. an alphab. stelle.
herkunft und form. hinsichtlich des labials stehen ahd. tropfo, mhd. tropfe sowie mnl. droppe (druppe) einer form mit einfacher consonanz in den andern germ. sprachen gegenüber: an. dropi, aschw. adän. drupi, dropi, schw. droppe (gemination im zweiten compositionsglied erwachsen Noreen aschw. gr. § 298), dän. draabe, ags. dropa, andfrk. dropa, mnd. drope, drape (nordfries. drope ist zweideutig). danach wird die deutsche geminata eine neuerung darstellen, die sich leicht durch den einflusz des verbums tropfen erklärt, s. d. u. Wissmann nom. postverb. 1, 182. germ. drupan- ist nomen agentis zu driupan 'triefen', s. Sütterlin nom. agentis 46, Wilmanns 2, 199. im hd. sind die formen mit affricata seit alters die herrschenden. doch findet sich auch den auszerdeutschen formen entsprechende spirans: nahtroffo Williram 77, 4 Seem.; ni drof, noh trof, die ahd. negationsverstärkung, s. Schatz ahd. gramm. 102; Wilmanns 2, 623; ripuar. droffe, s. Paul u. Braunes beitr. 9, 380; troff stilla Apherdianus tyrocin. (1581) 206; in troffnasz G. d'Emiliane merkwürdige beschr. (Rotterdam 1693) 748; drəfən Hasenclever Wermelskirchen (bei Solingen) 79; die alem. belege können aus pf entwickeltes ff haben: alem. troffo ahd. gl. 3, 14, 38; aus alem. vorlage 4, 161, 34; mit einem troffen Arigo dec. 92 Keller; der troff Braunschweig distillierb. (1500) 98ᵇ; ein troffen Keisersberg postilla (1517) 104ᵃ; vereinzelt steht der trofen (1545) bei Unger-Khull steir. 175ᵇ. spuren mundartlicher lautungen in literar. denkmälern und vocabularen sind sonst selten; anl. media: dropffen (Straszburg 15. jh.) chr. d. dt. städte 9, 651; H. Sachs 18, 282, 14 lit. ver.; F. Platter tageb. 216; Bock kreuterb. (1587) 3; unverschobene geminata bei md. und nd. schriftstellern: mit zerlichen troppin Heinrich litanei bei C. v. Kraus übungsb. (1912) 51 in der frk. umschrift der hs. S; in md. voc. d. 15. jh. bei Diefenbach gl. 271ᶜ; 364ᵇ; 552ᶜ; Grunau preusz. chron. 1, 552 Perlbach; Rist Parnasz 603; senkung des o zu a findet sich häufiger im nd. bei tondehnung, vgl. Sarauw nd. forsch. 1, 81 ff.; bereits mnd., s. Schiller-Lübben 1, 583ᵃ. der nom. sg. des wortes lautet in ahd. und mhd. zeit vorwiegend tropfo, tropfe: gutta tropfo voc. s. Galli (8. jh.) in ahd. gl. 3, 4, 36; tropfe Walther v. d. Vogelweide 20, 36 L.; tropffe Murner dt. schr. 4, 37 Bebermeyer; Herberger trawerbinden (1612) 2, 227; Grimmelshausen 2, 345 Keller; seit dem 18. jh. immer mehr auf poetische verwendung beschränkt: Warnecke poet. vers. (1704) 90; Wieland Lucian 1 (1788) 57; sehr häufig bei Herder 3, 47 S.; 12, 180; 17, 357 u. ö.; öfter auch bei Schiller 1, 295 G.; 3, 237 u. ö.; Göthe I 6, 227 W.; Jean Paul 3, 201 akad.; 4, 169 u. ö.; Mörike 1, 165 Göschen; öfter wieder bei Hebbel w. 4, 38 Werner; 6, 210; 7, 141; tageb. 1, 50. als krankheitsbezeichnung ist das wort in dieser form vom 12.-15. jh. bezeugt: tropho (12. u. 13. jh.) in Germania 18, 46; 234; trophe in 2. dt. arzneib. aus dem 12. u. 13. jh. 31 Pfeiffer; tropfe (15. jh.) bei Diefenbach gl. 41ᵃ; mnd. de drope in mnd. arzneib. in jb. f. nd. sprachf. 15, 114. die heute gängige form tropfen entstand durch eindringen der endung der obliquen casus in den nom. sg.; bezeugt ist dieser vorgang für tropfen seit dem 15. jh.: stilla droppen (15. jh. md.) Diefenbach gl. 552ᶜ; tropfen voc. primo ponens dict. theut. (1515) c 4ᵃ; ein tropffen threhen (una guttula) Keisersberg brösamlin (1517) 1, 55ᵇ; ein tropffen pluts Braunschweig chir. (1539) 62ᵃ; auch für den 'schlag': der tropfen oder slag apoplexia (voc. 1445) bei Schmeller-Fr. bair. 1, 673; tropfen (15. jh.) Diefenbach gl. 41ᵃ; trofen (1545) bei Unger-Khull 175ᵇ; tropffen M. Bapst v. Rochlitz wacholdergarten (1605) 198. die kurzform tropf begegnet seit dem 12. jh. für stilla: troph ahd. gl. 3, 114, 40; troph Georg. prediger 73 Rieder; Mone schausp. d. mittelalters 2, 193; 2, 348; fastnachtsp. 208, 4; 563, 8 Keller; ein tropf des bluotes N. v. Wyle translat. 77 Keller; tropff Luther 12, 461, 16 W.; 28, 285, 21 W.; Gersdorf wundarznei (1517) 37ᵃ; H. Sachs 10, 47 lit. ver.; ein tropff (träne) Amadis 1, 110 Keller; Fischart 2, 430 Hauffen; im 17. jh. geht die bezeugung dieser form merklich zurück: tropff Spreng Ilias (1610) 154ᵇ; Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 74; H. Müller thränen- u. trostquelle (1675) 239; Lohenstein Epichar. 111; Adelung 4, 695 kennt die kurzform nur als mundartlich, Campe 4, 2, 893ᵇ nur als obd.; seit dem 18. jh. vorwiegend in poetischer verwendung, doch seltener als tropfe: tropf Brockes ird. vergnügen (1744) 1, 131; Hagedorn poet. w. (1769) 1, 11; Hölty ged. 190 Halm; Wieland I 1, 212 akad.; aber vereinzelt auch noch prosaisch: der obere tropf von einem tropfstein Gaudy s. w. 10, 43; im mnd. herrscht drope, drape, s. Schiller-Lübben 1, 583ᵃ, nur einmal nesedrop Gallée vorstud. 225. für die krankheitsbezeichnung ist seit dem 15. jh tropf der eigentliche terminus gegenüber seltnerem tropfen (s. o.): tropf stadtr. v. Hof (1436) in zs. f. rechtsgesch. 32, 158; tropff (15. jh.) chr. d. dt. städte 3, 280, 18; Diefenbach gl. 41ᵃ; n. gl. 280ᵃ; der troff H. Braunschweig distillierb. (1500) 98ᵇ; der tropf Keisersberg evang. (1517) 150ᵃ; Frisius (1556) 945ᵃ; Uffenbach neuw roszb. (1603) 2, 47; Aler (1727) 2, 1921ᵇ; tropf neben tropfen Adelung 4, 1693. unterschiede in der verwendung der kürzeren und der zweisilbigen form sind sonst nicht greifbar; öfter begegnen beide bei dem gleichen schriftsteller oder in der gleichen quelle für die bedeutung 'gutta': ain tropff Tauler sermones (1508) 37 und ein troppfe pred. 52 Vetter; tropff Hulsius (1618) 250ᵇ und tropffe ebda 178ᵃ; tropf Keisersberg brösamlin (1517) 2, 54ᵃ und tropfen ebda 1, 55ᵇ; tropf ... wohl auch tropfen Stieler 2329; tropf ... oder ein tropfen Frisch (1741) 2, 389ᶜ. in den mundarten hat die form auf -en die weiteste verbreitung gefunden. die form auf -e ist bezeugt in nd. drape Berghaus 1, 356ᵃ; Doornkaat-Koolman 1, 372ᵇ; drope (flectiert dropen) Bauer-Collitz Waldeck 23; in andern fällen kann es sich aber auch um verlust des auslautenden -n handeln: trobbe Autenrieth pfälz. 142; Crecelius oberhess. 1, 301; truͦppa Knothe schles. ma. in Nordböhmen 189; in teilen des elsäss. tropfe Martin-Lienhart 2, 763ᵇ; tropfᵉ Fischer schwäb. 2, 402; tropfe Hunziker Aargau 60. die kurzform ist gesichert für das nd.; in andern fällen ist apokope des ursprünglich im auslaut stehenden -e in rechnung zu stellen: dropp rhein. wb. 1, 1505; Crecelius oberhess. 1, 301; tropf Drechsler W. Scherffer u. d. sprache der Schlesier (1895) 57; dropf Fischer schwäb. 2, 402; Seiler Basler ma. 85; Friedli Bärndütsch 2, 19; Unger-Khull steir. 174ᵇ. die flexion schwankt. ursprünglich ist die schwache, auch für tropfen als krankheitsbezeichnung: vur den tropfen (12. jh.) Münch. sitzungsber. (1867) 2, 17; acc. sg. troffun (13. jh.) ahd. gl. 4, 414, 25; fürn tropfen Lonicerus (1604) 122ᵇ; mit dem eindringen des flexivischen -n in den nom. sg. vollzog sich auch der übergang zur starken flexion, s. H. Paul dt. gramm. 2, 38: gen. sg. tropfens J. Paul 1, 174, 8 akad.; Caroline briefe 1, 119 Waitz. die kurzform zeigt in der bedeutung 'gutta' selten starke flexion: die tröpff von dem kolben herab tropfend Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 365; Haller änderte tröpfe versuch² (1734) 119 in tropfen (1753) 142; den lezten tropf J. H. Voss sämtl. ged. (1802) 2, 92; mit dem tropf Herder 29, 250 S.; in dialekten: tröpfe guttae Hunziker Aarg. 60; trepf Meisinger Rappenau 207ᵇ. älter und verhältnismäszig häufiger belegt ist die starke flexion bei tropf als krankheitsnamen: den tropf J. Brenz pred. Salomo (1528) 17ᵃ; dem tropff Forer Gesners fischb. (1575) 89ᵃ; des tropffes Comenius janua IV ling. (1644) 88. neben dem mundartlich allgemein verbreiteten wort steht im nd. und nl. eine nebenform mit u oder ü als stammvocal, die auf den einflusz des verbs nd. ndl. druppen, drüppen zurückzuführen ist, s. unter tropfen, vb. bezeugt seit dem mnd.: nasedruppo (nicht vor dem 13. jh.) ahd. gl. 3, 722, 13; drup Richthofen altfries. rechtsqu. 268; stilla druppe (nd. 15. jh.) Diefenbach n. gl. 348ᵇ; de dachlyke drüppe Petri weiszheit (1604) 2, p 1ᵇ; so noch allgemein in den modernen nd. mundarten; im ndrhein., s. rhein. wb. 1, 1527; verdumpft Rovenhagen Aachener ma. 25. vereinzelt auch in einem md. voc. des 15. jh.: gutta drupe Diefenbach gl. 271ᶜ. deminutivbildung mit -l-suffix ist seit dem mhd. bezeugt: tröpfelîn Rudolf v. Ems Barlaam 120, 20 Pf.; tropflin guttula vocab. primo pon. dict. theut. (1515) c 4ᵃ; auch die aus tropfilî(n) entstandene form tröpfel findet sich seit dem mhd. als mundartliche nebenform: tröpfel alse kleinez Marner 109 Ph. Strauch; rôteu tröpfel Konrad von Megenberg buch der natur 449 Pf.; tröpffel Abr. a s. Clara etwas für alle (1699) 1, 17; tröpfel Holtei erzähl. schr. 22, 45; Anzengruber ges. w.³ 2, 222; Rosegger schr. II 13, 55; tröpfl, tröpferl Jacob Wiener dial. 196. jünger erscheint tröpfchen S. Dach 363 Oesterley; v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 322. eine doppelte verkleinerung begegnet in tröpfelchen, s. gramm. 3, 682: mit dem kleinsten tröpfelchen Fr. v. Heyden briefe eines flüchtlings (1838) 1, 2; Baggesen poet. w. (1836) 2, 344. bedeutungsmäszig stimmt bis auf das deminutive element tröpfchen, tröpflein zu tropfen 'gutta'. vereinzelt auch für 'apoplexia': les gouttes das tröpfflein Moscherosch gesichte (1650) 2, 480. gelegentliche für tropfen nicht bezeugte bedeutungen begegnen in tröpfchen als pflanzennamen für adonis, s. Graszmann pflanzennamen 25; für tröpfflein als gewichtsbezeichnung: ein guttula ist ein tröpfflein, dieser machen 60 ein quintlein v. Hohberg georg. curios. 3 (1715) 171ᵃ.
bedeutung und gebrauch.
A.
tropfen bezeichnet die gestalt, unter der eine flüssigkeit in ihrer kleinsten natürlichen ausdehnung auftritt.
1)
eigentlich. der name der flüssigkeit steht im ahd. und mhd. im partitiven genitiv: tropfo bluotes Tatian 182, 3 Sievers; ein tropfe wassers Tauler pred. 30, 110 Vetter; seit dem frühnhd. tritt daneben die flüssigkeitsbezeichnung in den nom. sg.: der tropff wasser Keisersberg schiff d. pönit. (1514) 44ᵈ; ein tropf regen S. Franck chron. Germ. (Augsb. 1538) 211ᵇ; kein tropfen blut Forster fr. teutsche liedlein 68 ndr.; im 16. jh. halten sich beide gebrauchsweisen die wage, mit dem 17. jh. setzt sich aber die jüngere als die bis heute gängige durch. in gewählter sprache hält sich der partitive genitiv jedoch auch in dem folgenden zeitraum: einen tropfen wassers Göthe I 17, 42 W.; tropfen thaus Shakespeare 1, 197; häufiger vom blutstropfen bei meist übertragener bedeutung: kein tropfen blutes J. Chr. Günther ged. (1735) 6; Marstalier ged. (1774) 45; Bauernfeld ges. schr. 5, 119; Geibel w. (1888) 2, 37. steht neben der flüssigkeitsbezeichnung ein einfaches adjectivisches attribut, dann hält sich der partitive genitiv schriftsprachlich noch bis heute; dabei steht das adjectiv zunächst in starker flexion: einen tropfen teutsches bluts in einer gleichzeitigen übersetzung aus U. v. Hutten op. 1, 401 Böcking; zwen tropfen guts trancks Caspar Hedio chron. Germ. (1530) 286ᵇ; gelegentlich auch jünger: tropfen helles thaus Götz verm. ged. (1785) 1, 173; seit dem 17. jh. aber allgemein in schwacher flexion: zwei tropffen bösen geblütes Lohenstein Arminius 1, 281ᵃ; ein tropfen anderen weines Fontane ges. w. I 1, 177; den letzten tropfen kühlen wassers W. Raabe hungerpastor (1864) 171; tropfen heiszen siegellacks G. Hauptmann bahnw. Thiel (1892) 56; der nom. sg. für die bezeichnung der flüssigkeit ist neben adjectivischem attribut erst seit dem 17. jh. bezeugt: ein tropffen römisch blutt Lohenstein Sophonisbe (1680) 16; einen tropfen patriotisches blut Rabener 4, 69; kein tropfen milder thau R. Z. Becker mild. liederb. (1799) 27; ein tropfen kalt wasser fürst Pückler briefw. u. tageb. 3, 134; drei tropfen süszes gift Mörike w. 3, 110 Göschen. über die stellung des attributiven adjectivs bei der bildlich gebrauchten wendung ein tropfen blut sieh unter A 3 d β.
a)
anwendungsbereich nach den arten der flüssigkeit. vom wasser schlechthin:
ich chom gegangen eine
zu einem holen steine,
dar uz vloz ein brunne kalt.
ich hete die trophen wol gezalt
alle wol besunder
kl. mhd. erzähl. 98ᵃ Rosenhagen;
rechte alse ein troppfe wassers in eime grossen vasse wines Tauler pred. 33, 24 V.; lege nachmals die fürlage darfür, ... damit du sehen kanst, wie das wasser gehet und die tropffen fallen Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 65ᵇ; aber so viel tropfen als ich auff ihn spritzete, so viel mahl schrye er à l'ayde Moscherosch gesichte 2 (1650) 236. vom regen:
ez regent bêdenthalben mîn
daz mir des alles niht enwirt ein tropfe
Walther v. d. Vogelweide 20, 36;
und wie die dropfen auf das lant
pefewchten, das es fruchtpar wirt
H. Sachs 18, 282, 14 K.-G.;
wie ein gemacher regen mit kleinen tropffen viel besser und fruchtbarer die erden besprenget, als wann eine gähe güsse oder wolkenbruch herabfället v. Hohberg georg. curiosa (1682) 1, 52; häufig ist hierbei die verbalverbindung mit fallen:
ein regen kam gerunnen,
das oben auf mich vil mancher tropf
fastnachtsp. 563, 8 Keller;
als die dicken tropfen des nächtlichen sturmregens von noch leise schwankenden pappeln auf unsere häupter fielen Klinger w. (1809) 8, 85; durch die schwüle luft fielen die ersten tropfen schwer und hörbar auf das laub der waldbäume Frenssen Hilligenlei 473; andere verbindungen sind seltener wie: so bald aber ein wetter sich ereignet, ... es ... liechte tropfen zu werfen anfängt Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 75; das wimmelnde gehüpfe der tropfen, die ... auf die fläche des sees niederrieselten H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 236; gemäsz der subjectiven empfindung des vom regen betroffenen stellt sich für stärkere tropfen in neuerer zeit als epitheton schwer ein: schwere tropfen des regens Biernatzki weltgesch. (1856) 5, 8; es regnete, die schweren tropfen fielen in sein haar Storm s. w. 1, 310; schwere regentropfen G. Keller, s. teil 8, 525. vom tropfen aus der traufe oder vom dach:
ûz der schanden traufe
viel im nie tropfe an sînen lîp
Frauenlob spr. 129, 4 Ettmüller;
daz ich etliche jar in einem hausz gelegen bin, do ein traf (traufe) in meine oren gegangen ist so lang, das er meine adern hat abgefeulet und die bein des kopfes, auch das hirn, also das der tropff iecz zu dem andern or ausz geet Steinhöwel Äsop (1487) 59; wie ein immer durchtrieffendes tach. bey einen solchen gibt nichts als lauter tropffen Abr. a s. Clara Judas d. ertzschelm (1686) 1, 39. vom tau, fast immer in dichterisch gehobener sprache, häufiger seit dem empfindsamen 18. jh.: wer hat die tropffen des tawes gezeugt Hiob 38, 28;
es ist vor dir (gott) der welten bau
so wie ein tropf vom morgenthau
Hagedorn poet. w. (1769) 1, 11;
einen kühlen tropfen thau
schlürft sie (die meise) noch daneben
Hebbel w. 7, 145 W.
von den tränen:
(die menschen, die an die tür göttlichen erbarmens)
vil emcichlichen clophin
mit zæherlichen trophen
Heinrich litanei (hs. G) bei C. v. Kraus übungsb. (1912) 51;
man sach sîn ougen rêren
heizer trehen trophen
Reinfried von Braunschweig 5281 Bartsch;
wo sie nun ein tropfen zeher vernäme buch der liebe (1587) 157ᵈ;
ihr nassen zeugen der empfindsamkeit ...
ach! so meldet ihr das leid
durch die schärfe eurer tropfen
Stoppe Parnasz (1735) 448;
in einem glossar von 1421 wird 'trähne' durch bloszes tropfen wiedergegeben: trena (i. e. lacrima) trenne, trappe Diefenbach n. gl. 370ᵇ. die epitheta stimmen hier mit den für träne geläufigen grosz, dick, hell, bitter, heisz überein, ebenso die verbalverbindungen: seine streitrosse ... weinen grosze tropfen Ramler einl. in d. sch. wiss. 2, 175; (er) weinte helle tropfen U. Bräker s. schr. 2, 167; dicke tropfen fielen aus seinen augen maler Müller w. 1, 54; O. Ludwig 3, 694; grosze tropfen rollten über ihre blassen wangen herab U. Bräker s. schr. 1, 247; sie wischte die bitteren tropfen weg O. Ludwig ges. schr. 2, 331; die augen, aus denen jetzt die heiszen tropfen hervorbrechen Zahn helden des alltags 173. vom schweisz:
wer in dise badstub sitzt
und nur ein wenig drin erhitzt,
das er nur kleine tropffen schwitzt
Murner dt. schr. 1, 2, 43 Michels;
mit den gleichen epitheta wie schweisz selbst:
(er) war müd, ohnmächtig, schwitzet sehr,
das ihme mancher heisser tropff
ablauffen thet von seinem kopff
Spreng Ilias (1610) 154ᵇ;
jeder tropfen vom schweisz, der blutig die wangen herabrollt
Lenz ged. 1 Weinhold;
redensartlich: dem alten Lindenberg standen die tropfen auf der stirn A. v. Arnim s. w. 10, 293; ähnlich Z. Werner Martin Luther 232; E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 13 Gr.; dasz sie ... hand an knechtische arbeit legte, dasz ihr die tropfen auf der stirne standen A. Stifter s. w. 3, 226. vom blut: samaso tropfo bluotes rinnenti in erda (sicut guttae sanguinis decurrentis in terram) Tatian 182, 3 Sievers; ähnlich erste dt. bibel 1, 315, 36;
hilf uns durch die süezen tropfen,
die Krist lie (am kreuze)
Mariengrüsze 699 in zs. f. dt. altert. 8, 295 Pfeiffer;
da ward die ader verstelt, das ain tropffen pluts nit darausz lieff H. Braunschweig chir. (1539) 62ᵃ;
Mary das blut zur stirn usz ran,
mit hellen tropffen thet es uszher brächen
Pamphil. Gengenbach 41 Gödeke;
und zähl, wie viel der feinde du getödtet,
an deiner weiszen kleider rothen tropfen
Rückert w. (1867) 1, 28;
von getränken, vor allem von wein und bier:
all wyl ich dise fleschen hon,
hat ich kein tropffen wyns gethon
in essig krug
Murner dt. schr. 2, 18 Spanier;
davon ... auszgan ... nit zwen tropfen guts trancks C. Hedio chron. Germ. (1530) 286ᵇ; wan du einen tropffen malvasier in ein geschirr voll essig schüttest Grimmelshausen Simpliciss. 33 Kögel; einige tropfen wein Göthe I 24, 139 W. von gift:
also sagt er, und spritzt von seinem verderbendem gifte,
ein paar tropfen ins futter der sonst gehorsamen hengste
Zachariä poet. schr. 1, 309;
hier ist ein fläschgen, und drey tropfen nur
in ihren tranck umhüllen
in tiefen schlaf gefällig die natur
Göthe I 39, 295 W.;
ein tropfen gift Fr. Meinecke Boyen 1, 248. häufiger vom öl: die pflegerin sols auf ihr schos legen ... und im ein tropfen oder zwen guts baumöls in die naszlöcher treiffen J. Ruoff hebammenbuch (1580) 215; weil sie der tropfen öl im lämplein dauert, läszt sie die mägde bei mondschein spinnen Mörike vier erzähl. (1856) 33; diese nachricht wirkte bei den alten wie ein tropfen öl auf erregte wogen W. v. Polenz Büttnerbauer 1, 111; vom salbungsöl: es wird kein haupt über Deutschland leuchten, das nicht mit einem vollen tropfen demokratischen öls gesalbt ist Uhland in stenogr. ber. über d. verh. d. dt. nationalvers. 7, 4819 Wigand. auch von dickflüssigen, zäheren flüssigkeiten: storax tropf eins paums voc. theut. (1482 Nürnberg) nach Lexer 2, 1525; tropff von dem baum (1515) Diefenbach gl. 554ᶜ;
so hand ir hie ein völligs pfund (salbe)
das sy uch in der warheit kund,
ein tropf schmeckt durch ein gantzes hus
schausp. d. ma. 2, 193 Mone;
nempt ainen tropfen balsams in die handt und halt in gegen der sunnen Schiltberger reisebuch 79 Langmantel; welches (schreiben) er ... mit einem tropffen wax zugemacht hat Abele v. Lilienberg unordn. 2, 61; tropfen heiszen siegellacks G. Hauptmann bahnw. Thiel (1892) 56; zwei tropfen vogelleim Holtei erz. schr. 5, 121; er weisz nicht, dasz die bienen viel tausend tropfen honig von einer linde sammlen Chr. Weise polit. redner (1677) 69. häufig wird der name einer flüssigkeit mit tropfen als zweitem bestandteil componiert, bereits mhd. regentropfe, bluottropfe, honectropfe u. ä., s. mhd. wb. 3, 103ᵃ, heute bes. regentropfen, tautropfen, wassertropfen, blutstropfen, schweisztropfen.
b)
wo das tropfenmäszige auftreten in flusz befindlicher substanzen hervorgehoben werden soll, geschieht es häufig durch präpositionale verbindungen, wie durch in tropfen:
ihr (wolken), die ihr ...
... gottes winke gehorsam,
aus euren höhlen in tropfen nur stürzt
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 39;
vom gewölbe in hellen tropfen fallendes wasser S. Geszner schr. (1777) 1, 147; Justin seinerseits gedenkt ... des in tropfen niederfallenden schweiszes in Gethsemane D. Fr. Strausz ges. schr. 3, 74; vgl. älteres in tropfen weise: bei regen vellet daz wazzer dar umb her ab in tropfen weise Konrad von Megenberg natur 81, 31 Pf.; veraltet ist bei tropfen:
im beysein der alten verstellt sich die jugend:
sie trinckt nur bey tropfen
Hagedorn poet. w. (1769) 3, 96;
ach tränk ich dich nicht bey tropfen!
leert ich mit einem zuge dich aus!
Klopstock oden 2, 26 M.-P.;
die gleiche vorstellung wird durch wiederholung des wortes tropfen nach einer anschlieszenden präposition ausgedrückt wie bei noch gängigem tropfen für tropfen: willst du, dasz ich dein gift tropfen für tropfen einschlürfen soll Klinger w. (1809) 3, 284; ungebräuchlich in andern wendungen:
bis tropf um tropfen hell darin zerging
Mörike w. 1, 165 Göschen;
in älterem sprachgebrauch in ähnlicher wendung von anhaltendem tränenflusz:
ir hertzen waren alle wunt
mit jamer und mit rieszen.
augen überflieszen
mit tropfen uber tropfen
Heinrich von Neustadt gottes zukunft 2763 Singer;
begunde Amadis zu weinen, dermaszen dasz ihm ein tropff über den andern die backen abflosse Amadis 1, 110 Keller; da fieng der liebe, gute alte mann an zu weinen, dasz ein tropffe den andern schlug V. Herberger trauerbinden 2, 227.
c)
das aussehen des tropfens
α)
seiner form nach seltener näher bestimmt, so durch rund, langgezogen u. ähnl.:
von stauden sah ich auch die runden tropfen rollen,
die durch des himmels nasz beschwert und aufgeschwollen
Triller poet. betr. (1750) 1, 245;
auf einer lilie zittern
zwei tropfen rein und rund,
zerflieszen in eins und rollen
hinab in des kelches grund
Hebbel w. 6, 214 Werner;
in dem ersten (bilde) fällt der goldne regen in langgezogenen tropfen nieder Welcker alte denkm. (1849) 5, 276; vgl. unter A 2 a: ein länglich zugespitzter tropfen (blei) Scheffel ges. w. 1, 230; daneben finden sich die gröszenbezeichnungen grosz, klein, dick, s. unter A 1 a; gewöhnlich werden die tropfen, wenigstens einer flüssigkeitsgattung, gleichförmig vorgestellt, wie redensartliche vergleiche zeigen: weil es unmöglich ist, dasz zwei tropfen wasser einander ähnlicher sein sollten, als ich und meine schwester einander sind Lessing 2, 75 M.; und diese bachanalien sehen der langeweile so ähnlich, wie ein tropfen wasser dem andern schr. d. Göthegesellsch. 4, 228.
β)
gegenüber den seltenen hinweisen auf die gestalt des tropfens wird gern sein glanz hervorgehoben:
Mary das bluͦt zur stirn uszran
mit hellen tropffen thet es uszher brächen
Pamphil. Gengenbach 41 Gödeke;
aus Edens ungetrübter quelle
schöpfe den lichten, krystallenen tropfen!
Klopstock oden 1, 112 M.-P.;
ein breiter quell ...
springt donnernd über jähe spitzen,
und diamantne tropfen blitzen
Gerstenberg ged. e. skalden (1766) 12;
ein stiller wind ... lustwandelte durch die blumen des ufers und beschenkte die blauen kinder des frühlings mit hellen kristallenen tropfen Tieck schr. (1828) 8, 82; die funkelnden tropfen, die gleich diamanten an allen blättchen hingen Chph. v. Schmid ges. schr. (1858) 1, 45.
d)
tropfen wird als mengenbegriff verwendet, um das kleinste masz einer flüssigkeit auszudrücken.
α)
ein tropfen im sinne von 'etwas', bildlich schon seit dem mhd. belegt, s. A 3: do was nyemant der die edeln frawen mit einem tropffen wassers gelabt oder getröst het Arigo dec. 92 Keller; anno 1344 war ein so truckner haysser sommer, daz das koren gesäet, gschnitten und gebacken ward, ehe ein tropf regen darauf kam S. Franck chron. Germ. (1538) 211ᵇ; in gleichem sinne dienen wendungen wie einige tropfen, ein paar tropfen zur bezeichnung eines schwachen regens: von zeit zu zeit fielen einige tropfen, und die sonne schien immer dazu Göthe III 1, 189 W.; was wär ich für ein landmann, ... wenn ich die paar tropfen wasser fürchtete Holtei erz. schr. 8, 172; s hot när e poor troppen higeworfen 'es regnete einige stärkere tropfen' Wenisch Nordböhm. 163ᵃ; ein tropfen blut: ich ... will ... thun, als ein ehrlicher mann, weil ich das leben oder einen tropffen bluͦt im leibe habe Reutter von Speir kriegsordnung 29; gern gebraucht, wo die vorstellung einer leichten blutmischung zugrundeliegt: hat ymant einen tropfen teutschen bluts in im, und läst sich dise unbillikeyt nit erweychen U. v. Hutten op. 1, 401 B.;
wo uns in adern steckt ein tropfen römisch bluth,
vertilg ihn und mein hertz die ärgste schwefelgluth
Lohenstein Sophonisbe (1680) 505;
J. J. Schwabe belustigungen 1, 355; Schiller 2, 40 G.; einen tropfen blut einer welschen ader E. M. Arndt s. w. (1892) 1, 158; vgl. den hieran anknüpfenden bildlichen gebrauch unter A 3 d. ein tropf im eimer dient im vergleich nach biblischem vorbild zur bezeichnung einer nichtigkeit: die heiden sint geacht wie ein tropff so im eimer bleibt (quasi stilla situlae) und wie ein scherfflin so in der wage bleibet Jes. 40, 15; der schepffer ... himels und erden, gegen welcher person alle menschen auff erden ... geachtet sind wie ein tropff so im eymer bleibt Luther 28, 225 W.; diesem sprachbrauch schlieszt sich jüngeres tropfen am eimer an:
nur um den tropfen am eimer,
um die erde nur, will ich schweben und anbeten
Klopstock oden 1, 133 M.-P.;
die flüsse, die er (der walfisch) jetzt aus seiner nase dränget,
sind gegen ihn (den ozean) ein tropf, der noch am eimer hänget
Wieland I 1, 69 akad.;
vgl. noch Hebbel w. 6, 280 W.
β)
die vorliegende verwendungsart ist besonders in der negation ausgeprägt, vor allem bei nicht ein tropfen, kein tropfen im sinne von 'nichts':
ez regent bêdenthalben mîn,
daz mir des alles niht enwirt ein tropfe
Walther v. d. Vogelweide 20, 36;
wenn grosz genug weren die zuber,
so belieb des mers nit ein tropf uber
fastnachtsp. 208, 7 Keller;
der unglaubig mensch ... hat nit gwalt auch ain bissen brots zu essen, nit ain tropfen wasser zu trincken Eberlin von Günzburg s. schr. 2, 14 ndr.; dann mumia ist der mensch selbst. mumia ist der balsam, der die wunden heilt: der mastix, die gummi, die glett, etc. vermögen nicht ein tropfen fleisch zu geben Paracelsus (1616) 1, 42ᵃ Huser; (es) fiel in der stadt ... viel regen, indess nur 3 geogr. meilen ostwärts nicht ein tropfen herabkam Ritter erdkde (1822) 5, 710.
der müller findt man warlich vil,
die alle wasser uf ir müll
richten, das es rusch do here,
ob sunst niendert kein tropffe were
Murner dt. schr. 4, 37 Bebermeyer;
o lieber sohn, die flasch ist lär.
kein tropff wassers ist darinn mehr
H. Sachs 10, 47 K.;
an einem see, da sich kein tropff bewegt,
kan man in stillen chören
die schwächsten stimmen hören
Zinzendorf kl. schr. (1740) 3;
ich habe keinen tropfen rahm im hause Fontane ges. w. I 4, 29; sie drängten sich zu ihm, als dürften sie keinen tropfen einer versiegenden heilquelle verloren gehen lassen Kolbenheyer Paracelsus 3, 389; (man soll) inen (den säuen) den ... tag vorhin keynen tropffen zu trincken geben Sebiz feldbau (1575) 134; ich hab heut noch nicht einen tropfen getruncken Kramer teutschital. 2 (1702) 1149ᵃ; ich hab heut noch keinen tropfen gekostet Gellert s. schr. (1839) 4, 262; 'basta! und keinen tropfen mehr!' war und blieb (bei den nötigungen des gastgebers) mein letzter trumpf Nettelbeck lebensbeschr. 2 (1821) 170; anders: füll mir noch einmal diesz glas, noch ein einzigmahl; und um die welt keinen tropfen mehr maler Müller w. 1, 171.
γ)
das redensartlich verwendete der letzte tropfen, bis auf den letzten tropfen geht gleicherweise von der vorstellung des tropfens als kleinstem übrig bleibendem teil einer flüssigkeit aus: wie die destillierkolben, welche aus denen blumen den letzten tropfen heraussaugen Abr. a s. Clara etwas f. alle (1711) 2, 29;
er liebt dich, als sein bestes gut,
und opfert, um dich zu vergnügen,
dir auch den letzten tropfen blut
J. J. Schwabe belustig. 3, 158;
des sonntags auf der kegelbahn
setzt alles auf dein wohlsein an,
und schlürft den letzten tropf
J. H. Voss s. ged. (1802) 2, 92;
das war der letzte tropfen wasser, welcher das gefäsz überflieszen liesz L. Häuszer dt. gesch. (1854) 2, 276; auf nd. boden sprichwörtlich: wär den lesten droppen wil hebben ut der kannen, däm fellt de deckel up de näse bei Wander 4, 1336; vgl. auch den bildlichen gebrauch unter A 3 b. bis auf den letzten tropfen: sie trinckts hertzhaft bisz auf den letzsten tropffen herausz theatr. amoris (1626) 209; ähnlich C. F. Meyer Jürg Jenatsch 72;
fliesz dann, treuloses blut, bisz auf den letzten tropffen
Hoffmannswaldau ged. (1697) 2, 28 Neukirch;
tausend bösartige insekten ... setzen ihr gift ... bis auf den letzten tropfen ab Gentz schr. 2, 29 Schlesier;
bis auf den letzten tropfen hab ich ihn
geleert — den kelch des schmerzes und der wonne
Z. Werner söhne d. thales 2, 350;
vgl.: bis zum letzten blutstropfen teil 2, 193.
δ)
sprichwörtliche und redensartliche verwendung von tropfen geht gern von der mengenvorstellung aus, einerseits zum ausdruck eines kleinen, unbedeutenden umstandes: (die klagen sind) tropfen auf einem glühenden stein Fr. L. Jahn w. 2, 605 E.; dergleichen versuche sind bei mir gemacht worden, ohne mehr zu wirken als ein tropfen kalt wasser auf einen stein Pückler briefw. u. tageb. 3, 134; Traugotts kleine ersparnisse ... waren in Splendheims grandiose bedürfnisse geworfen, eben nur flüchtige tropfen auf einen heiszen stein Holtei erz. schr. 25, 24; die nachricht wirkte bei den alten wie ein tropfen öl auf erregte wogen W. v. Polenz Büttnerbauer 1, 115; Arndts wiedereinsetzung freut mich, ... aber es ist ein tropfen wasser in der wüste Dahlmann an Jac. Grimm, briefw. 1, 395; heute noch redensartlich. auf der andern seite führt der gedanke, dasz aus einer menge kleiner einheiten schlieszlich ein groszes ganzes erwachsen kann, zu sprichworten, wie: aus vielen tropfen entsteht ein regen (minutula pluvia imbrem parit); ähnlich: aus tropfen wird ein groszer flusz, aus flüssen ein see Wander 4, 1335; ferner: ein tropfen nach dem andern macht den kübel voll (guttatim etiam impletur vas) ebda; ähnlich ist die vorstellung von der endlichen wirkung kleiner ursachen in dem geläufigsten sprichwort steter tropfen höhlt den stein, wohl einer umdeutschung des Ovidischen gutta cavat lapidem und des mittellat. gutta cavat lapidem non vi sed saepe cadendo, s. Büchmann (1926) 438; schon mhd.:
den stein der tropfe dürkel macht
dicke vallent, niht mit kraft
Thomasin von Zirclaria w. gast 1921 Rückert;
swie kleine kraft ein tropfe hât,
er machet durch den stein ein loch.
lîp, daz kumet iedoch
von des trophen krefte niht:
von der emzekeit ez geschiht
daz er dicke vellet dar
erstes büchlein des Hartmann von Aue 1620 Haupt;
ein weycher tropff hölet auch die stein ausz Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 130ᵃ; stets tropffen hölern die steyn ausz sprichw. schöne weise klugreden (1548) 138ᵃ; ähnlich in fast allen sprichwörtersammlungen bis in die neuzeit.
ε)
die vorstellung, dasz eine flüssigkeit in eine unzahl von tropfen als kleinster einheiten zerfällt, führt im hyperbolischen vergleich zur veranschaulichung des unzählbaren, der überaus groszen menge, vor allem vom regen, nach biblischem vorbild: arenam maris et pluviae guttas et dies saeculi quis dinumeravit ecclesiasticus 1, 2:
keines menschen sin ...
... zelet ouch den stoup der sunnen,
die regens tropfen
der Meiszner bei v. d. Hagen minnesinger 3, 86ᵃ;
griez unde stoup,
gras unde loup,
regens tropfen unde steine
(könnten in ihrer gesamtzahl Mariae lob nicht vollends verkünden)
Herman Damen ebda 3, 160ᵇ;
vgl. Frauenlob spr. 265, 5 Ettmüller; wer hat zuvor gedacht, wie viel sand im meer, wie viel tropffen im regen, und wie viel tage der welt werden solten Jesus Sirach 1, 2; ähnlich H. Sachs 19, 4 lit. ver.; so wenig ... alle tropffen des regens gezehlt werden mögen volksb. v. dr. Faust 39 Braune;
geb euch gott viel tausent seegen
als in meyen tropffen regen
Königsb. dichterkreis 202 ndr.
in der formel tropfen im meer:
so vil tropffen in dem meer
so vil höfflichkeit und lachen   lieblich machen
deinen teuren purpurmundt
Zinkgref auserl. ged. 43 ndr.;
du, Christian, der viert, an dem ein jeder zählet
mehr edler tugenden, als troppen sind im meer
Rist Parnasz 603.
in ähnlicher vorstellung:
(sag) von wunsch ir dar zu liebes me
denn trophen hab der Bodemse
Laszberg liedersaal 1, 96, 58;
viel mehr sind ahrten meiner pein,
als tropfen in den seen sein
Neumark musik.-poet. lustw. (1657) 1, 375;
teiche, in welchen sich mehr menschen ersäuft haben, als tropfen wasser darinne sind Lessing 2, 150 M.; welche der himmel mit so vielen vergnügungen, als die Donau tropffen führt, ... erwiedern wolle S. v. Birken verm. Donaustrand (1684) vorr. 4.
ζ)
des weiteren dient die vergleichende gegenüberstellung eines einzelnen tropfens und einer flüssigkeitsmenge gern zum ausdruck eines überaus groszen abstandes, der den mit dem tropfen verglichenen gegenstand als winzig oder auch geringwertig erscheinen läszt, vgl. auch den bildlichen gebrauch unter A 3 c. wiederum in dem gegenüber von tropfen und meer, vielleicht an biblischen brauch anschlieszend, vgl. ecclesiasticus 18, 8 quasi gutta aquae maris: und dar umb sol man got zuͦ kainen hailgen zellen, wan sin tugend sint reht als daz mer wider ain trophen st. Georgener prediger 28, 24 Rieder; Salomon sprichet: alle dinc sint also cleine wider gode alse ein trophe wider dem wildin mere parad. anime intell. 126, 29 Strauch; der beyfall der primaner und zeitungsschreiber ist ... in absicht des ruhms eines werks, was ein tropfen im weltmeer ist Lichtenberg verm. schr. 1, 320. als variation dazu das in der klassik beliebte gegenüber von tropfen und ozean:
ozean der welten, sterne sind tropfen des ozeans
Klopstock oden 1, 153 M.-P.;
namentlich bei Herder: wir finden uns ... ganz umringt von ... macht und übermacht der schöpfung, dasz wir in ihr nur wie tropfen im ocean zu schwimmen scheinen w. 16, 256 S.; ähnlich 3, 248; 6, 478. weiterhin: bei der neuen ausgabe des grafen Rudolf denken sie vielleicht, wie man so viel mühe ... an ein paar bruchstücke wenden könne, die in ihrem werk wie ein tropfen in dem breiten strome vorüber eilen W. Grimm in briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 64.
η)
das gleiche bild umschreibt auch ein verhältnis innigster verschmelzung, durch die ein einzelnes in der höheren einheit völlig aufgeht; wurzelnd im gebrauch der mystik: er (der geist des menschen) wart also ein mit der suͦssekeit der gotheit ... daz er sich verluret, rehte alse ein troppfe wassers in eime grossen vasse wines Tauler pred. 33, 24 V.; er (Jesus) ist der brunn und wir (sind) seine tropfen in ihme Jac. Böhme v. d. menschwerdung Jesu Christi (1682) 80.
2)
uneigentlich.
a)
auf feste stoffe angewandt.
α)
von gefrorenen wassertropfen: stiria eyn tropff Diefenbach gl. 553ᶜ; vgl.: stiria droppel in dem nd. nahestehenden glossaren ebda; die gefrornen tropffen Schaiden-Reisser Odyssea (1537) 61ᵇ; ein hangender tropff stiria Aler (1727) 2, 1922ᵃ;
selbst wenn die pracht Pomonens längst vergangen,
an Äols bart gefrorne tropfen hangen
J. Fr. Löwen schr. (1765) 1, 100.
von glühendem flüssigem wachs: nun schleuderten die ... wachskerzen glühende tropfen E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 23 Gr. beim glasflusz wird als glastropfen 'ein plötzlich erkalteter tropfen flüssigen glases' bezeichnet, s. Heyne 1 (1890) 1190; diese gläsern helle und gläsern zarte und auf einmal — wie ein tropfen geschmolzenen glases hängt — von leidenschaft gefüllte stimme Wilh. Schäfer erz. schr. (1918) 2, 180. ähnlich von metallen in flüssigem oder erstarrtem zustande: da wir (bergleute) die schönen stüflein, gediegen ertz, glaszertz tropffen heiszen, die wunderbarlicher weise mitten in dem gelligen stein, in den gengen auffeinander getroffen sein, wie das wachsz von dem angezündten liechte über einander treuffet und gestehet Mathesius Sarepta (1578) vorr. 2ᵃ; (im wasser) war das blei zusammenhängend geblieben, ein länglich zugespitzter tropfen Scheffel ges. w. 1, 230; vgl. bleitropfen teil 2, 103; in frühem dichterischem vergleich unmittelbarer vom vorgang des träufelns her:
in einem blâwen plîât
diu schœne was gesloufet,
dâ wâren în getroufet
von golde tropfen cleine
Konrad von Würzburg Troj. 7467.
β)
auf tropfenförmige gegenstände aus an sich fester substanz übertragen findet tropfen als fachausdruck in der architektur nach lateinischem vorbilde verwendung; es wird dadurch bezeichnet 'ein cylindrischer oder konischer körper unter einer platte, wie er an einer platte unter den triglyphen sich in gruppen als zierath findet' Schönermark-Stüber hochbaulex. (1902) 849; die höhe des epistiliums oder architrab (bei der dorischen baukunst) sol die höch eines models halten mit der tenia oder leisten, und den guttis oder tropffen, die leist oder tenia sol ein sieben theil des models breit sein, die leng der gutten oder tropffen gegen dem trygliphen sampt der leisten, den sechsten theil eines moduli herabhangen Rivius Vitruv (1575) 300; darnach die gantze breite desz archatrabs geteilt in sechs teil, ist ein teil die tropffen oder schällen H. v. Blum v columnae (1596) 2; siehet man von einem dorischen architrave den untern balken übrig, an welchem die sogenannten tropfen hängen Winckelmann 1, 358. tropfen wird ferner zur bezeichnung einer perle oder eines brillanten oder anderer schmuckstücke in tropfenform verwendet: tropfen 'werden diejenigen perlen genannt, so zwar länglich, aber doch fast rund sind' Jacobsson techn. wb. 8 (1795) 21ᵇ; tropfen 'werden auch die ganz runden perlen genannt' Brosenius technol. (1819) 1, 237; 'gefaszte perle' Birlinger schwäb.-augsb. wb. 125; hättest immerhin tropfperlen kaufen können, hast ja ohnehin nichts hübsches in den ohren. wie ich mein Juck (seine frau) kenne, wird sie schon noch ein paarmal zum Swoboda hatscherln und am ende die tropfen doch heimbringen Benedek nachgel. papiere 158 Friedjung. vgl. auch perlentropfen = perlenauge teil 7, 1558. tropfen 'ein groszer brillant' Birlinger schwäb.-augsb. wb. 125; ein brillanter tropfen ohrgehänge (Wien) Schmeller-Fr. 1, 673; längliches ohrgehänge: mei frau had von ihrn vater schöne tropfn ins ohr kriaget Hügel Wiener dialekt 167ᵇ; Nicolai österr. id. 137. dichterische übertragung auf tropfenförmige dinge ist ganz vereinzelt: drei reihen von ... weizenähren übereinander, ... umzittert von den ... schlanken tropfen des hafers Cl. Viebig schlaf. heer (1904) 1, 93.
b)
übertragen auf flecken und male von tropfenmäszigem aussehen, nach lat. vorbild vornehmlich in der naturkunde, so schon tröpfel an edelsteinen bei Konrad v. Megenberg 439; 449 Pf. (s. u. sp. 886); vornen an der angesicht sind (beim schwarzfalken) die tropffen und die falckenmäler fast schwartz umbgeben mit ainer dunckeln plaich (in facie autem guttas falconarias habet nigras) Mynsinger v. den falken 13 Haszler; intertinctus guttis aureis (Plinius) gefärbt, gezeichnet oder gesprengt hin und här mit maasen oder fläcken gleich wie guldin tropffen Frisius dict. (1556) 724ᵇ; s. auch tropfenfleck, tropffarren, tropfkraut, tropfpunkt, tropfwurz und träufen A 2 b β, teil 11, 1, 1, 1418.
c)
die übertragung von tropfen auf den lichtschein, der häufig in vergleich mit einer flüssigkeit gesetzt wird, erscheint dichterisch gern zur bezeichnung von lichtflecken:
es schlürft der goldne sonnenschein
in tropfen an mir nieder
Mörike 1, 53 Göschen;
da plötzlich flammte es blendend auf, wie wenn tropfen überirdischen lichtes in die dunkle erdatmosphäre herabsänken G. Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 31; wiederholt vom mondlicht: nur einzelne tropfen des mondlichts sickerten durch zerstreuete ... bergöffnungen durch Jean Paul 15-18, 261 Hempel; am fenster, mit bleichen tropfen des hereinscheinenden mondes betupft, das schreibgerüste Stifter s. w. 2, 137; vgl. auch: das mondlicht ... hing sich wie tropfen an die dunklen blätter Storm w. (1899) 1, 109.
d)
gelegentlich mehr oder weniger bildlich von groszen funken, vgl. auch triefen unter A 1 a β und B 1 a α: das kind brannte über und über, und es fielen feurige tropfen von ihm herab Göthe I 23, 11 W.; vgl. seit dem 16. jh. belegtes feuertropfen 'scintilla' teil 3, 1606.
3)
die verwendung des wortes tropfen in bildlichem verstande geht gewöhnlich von der vorstellung des mengenbegriffs aus und gilt wie im eigentlichen gebrauch (A 1 d) zum ausdruck des kleinsten maszes einer substanz; sonst finden sich in bildl. übertragung noch wendungen wie bei tropfen, tropfen für tropfen u. ä. gemäsz ihrer unter A 1 b bezeichneten anwendung: was die erde gibt, ist kein vollwerck, sondern stückwerck, sie gibt nur bey tropffen, dem einen disz, dem andern das H. Müller geistl. erquickstd. 714) 517; man schlingt die lüge, die uns schmeichelt, in vollen zügen hinab, und kostet tropfen für tropfen die wahrheit, die uns bitter ist Göthe I 45, 80 W.; es wird ihnen recht schlimm gewesen sein in der gebundenheit dieser krankheit, die bei vollkommener besinnung läszt, um das ganze übel von tropfen zu tropfen zu schmecken Görres briefe (1858) 3, 628; im sinne von A 1 d:
a)
in der form ein tropfen, der einzige tropfen, einige, ein paar tropfen u. ä. (vgl. A 1 d α), zunächst in geistlicher literatur:
α)
von göttlichem wesen, von vernunft, geist u. ä. zuerst in einer übersetzung: sumeliche trophen gotes tougeni Notker 2, 245 zu: quaedam stillicidia de sacramentis psalm 64, 11; öfter in mystischer literatur: daz ein einig troppfe sinre gotheit der krancker durchlidender menscheit nie einen ougenblig zu helffe enkam Tauler pred. 62 Vetter; nu neme wir in der sele, die einen trophin hait fornuftikeit, ein funkelin, einen zvic paradisus anime intell. 75, 17 Strauch; wo die armen blinden lewte ein einigen troppen verstands hetten, sollten sie billich greyffen, das es eyttel tewffelsch und erlogen wer H. Emser sendbrieve M. Luthers (1527) a 2ᵃ; so lange ein tropfen geist in mir ist, wird er voll verlangen nach ihrem glücke seyn Gleim briefw. 1, 227 Körte; auch in bildlicher anlehnung an ein tropfen wein u. ä. (s. A 1 a): in den späteren zeiten, da man ... aus ihr (der homerischen mythologie) ein paar tropfen metaphysischen geist abzog Herder 3, 114 S.; traurig ist es, wenn ein phlegmatisches geschöpf zu jedem geistreichen tropfen, den uns die süsze phantasie einschenkt, wasser gieszt Knigge umgang (1796) 2, 71.
β)
von angenehmen empfindungen, mhd. namentlich geistlich: wan dû hâst der wâren minne einigen tropfen niht Berthold v. Regensburg pred. 1, 545 Pf.; wen nimand mag himelische freude, so lang er auff diszer erden ist, volkomlich emphan sunder als ein tropff der sam nichts ist gegen der warheit buch gaistl. gnaden (1503) 17ᵇ; sah er, wie jämmerlich ich mich winden und zerren muszte, um wieder einmal einen tropfen freude an ihrem herzen zu fühlen Lenz ges. schr. 3, 148 Tieck; ähnlich Hölderlin 1, 98 L.; E. M. Arndt w. 5, 78; die tropfen der liebe flogen in alle empfindlichen theile unserer seelen Heinse s. w. 3, 79 Schüddekopf; ähnlich Hayneccius H. Pfriem 73 ndr.; Hölderlin 2, 155 L.; Geibel nachl. 78; in diesen bereich gehört auch, triefen in bildlichem gebrauch entsprechend:
nur einen kleinen tropfen linderung!
gib mir, gott, den kleinen tropfen
Lenz ges. schr. 1, 174 Tieck;
könntest du meiner heiszen leidenschaft einen tropfen linderung geben Göthe I 8, 74 W.; ebenso I 19, 47; keinen tropfen linderung in der fieberhitze Bettine dies buch gehört d. könig 2, 459; ferner: ein tropfe schwachen trosts Ayrenhoff w. 2, 45.
γ)
von schmerzlichen empfindungen: disz ist eyn tropffe odder vorschmack der hellischen peyn Luther 18, 481, 24 W.; vielleicht sind nur noch wenige tropfen todesangst übrig Hippel lebensläufe (1778) 1, 152; dies war der einzige tropfen bitternisz in seiner seeligkeit H. Seidel vorstadtgesch. 151.
δ)
von der zeit, beeinfluszt von der vorstellung der dahinrinnenden zeit, des zeitstroms, wie der vergleich dartut:
so wie ein tropfen in dem bach
folgt in der zeit
ein augenblick dem andern nach
ins meer der ewigkeit
Chr. F. Weisze lieder f. kinder 25;
du siehst die dinge schwarz, gebrochen und verstellet,
nach deinem raupenstand und einem tropfen zeit
Haller ged. 181 Hirzel;
Schubart briefe 1, 59 Strausz; Matthison schr. 1, 35; jeder tropfe zeit ist eine sterbeminute der freuden, jeder wehende staub der leichenstein einer begrabenen wonne Schiller 2, 353 G.
ε)
seltener von sonstigen abstractis: bis hieher reicht die wut des ungeheuers nicht, ein tropfen freiheit ist genug, sie auf immer zu lähmen Novalis 4, 17 M.; s. auch unter A 3 c.
b)
in anlehnung an A 1 d γ wird auch der letzte tropfen bildlich gebraucht: sie wollen mit gewalt poeten sein, ... sie erpressen auch die lezte trübe tropfen ihres verstandes Bodmer sammlung crit. schr. (1741) 1, 79; in der sittlichen entrüstung ... ging der letzte tropfen abschiedswehmut ohne residuum auf W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 194.
c)
gern findet sich die gegenüberstellung des einzelnen tropfens und einer gröszeren menge flüssigkeit im sinne von A 1 d ζ; entsprechend A 3 a α: der ich nicht ein tropffen weisheit hab und der feind hat ein gantzes meer vol Luther 32, 121, 17 W.; entspr. A 3 a β: ich hatte eine unausprechliche sehnsucht, nur einen tropfen von freude zu empfangen, es schien ein ganzes meer davon ... ausgegossen, nur ich allein ging leer aus H. v. Kleist 5, 219 E. Schm.; ein tropfe schwachen trosts, und nun ein meer von qualen Ayrenhoff w. 2, 45; entspr. A 3 c γ:
ein tropfe hasz, der in dem freudenbecher
zurückbleibt, macht den segenstrank zum gift
Schiller 13, 260 G.;
so muszte Dietrich, ... erfahren, dasz ein tropfen hasz zäher leimt als ein fasz voll liebe W. Schäfer die 13 bücher (1925) 51; entspr. A 3 c δ:
... ein tropfen freiheit kann
ein ganzes maasz voll gram versüszen
Gökingk gedichte (1780) 1, 134.
d)
in besonderer weise wird ein tropfen blut, ein ... tropfen im blut im sinne von A 1 d α zur kennzeichnung der gesinnung verwendet.
α)
ein tropfen blut:
kein tropfen blut
ist in meim leib,
zart werdes weib,
der dir args gund
G. Forster t. liedlein 68 ndr.;
wer noch ein redliches herz und einen tropfen patriotisches blut in adern hat Rabener s. w. 4, 69. das attributive adjectiv steht oft neben tropfen statt neben blut, da ein tropfen blut in dieser bildlichen verwendung einen einheitlichen, festen begriff ausmacht: der hat keinen ehrlichn tropffen bluth Rollenhagen froschmeuseler (1595) j 2ᵃ; in gleicher wendung bei Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg (1862) 222; wer nur einen ehrliebenden tropfen bluts im leibe hat Gottsched dt. schaubühne (1741) 1, 245; einen redlichen tropfen bluts Lessing w. 2, 84 M.; koan frischen tropfa bluat bei Hartmann volksschausp. in Bayern u. Österreich (1880) 261; kä gude drobbe blut meh han 'körperlich heruntergekommen sein' Follmann lothr. 106. vgl. auch ein christlicher blutstropfen, ein redlicher, rechtschaffener blutstropfen seit dem 17. jh. bezeugt, s. teil 2, 193.
β)
tropfen im blut: (die sorglichkeit) ist ein fremder tropfen in meinem blute Göthe I 8, 230 W.; vornehmlich in Niebuhrs blute flossen einige tropfen kerniger demokratischer gesinnung Treitschke hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 395.
4)
tropfen als negationsverstärkung in der verbindung nicht ein(en) tropfen wird auf zunächst sinnliche vorstellungen zurückgehen, wie sie im sinne von A 1 d β gerade neben der negation häufiger sind; über den anfang des 16. jh. hinaus ist diese verwendung von tropfen nicht mehr bezeugt: do setzet er sine wise für und kert sich daran nüt einen tropfen Tauler predigten 73 V.; es ist eine lieblingswendung von Geiler v. Keisersberg: man sagt nichtz meer von got, von den tugenden nichtz meer oder von der conscientz. nain, nit ainen tropfen geistl. spinnerin (1510) f 3ᶜ; aber du laufst nit zu got; ja wol, nit ainen tropfen; du gedenckst unsers herrgots nymer has im pfeffer (1510) B b 1ᵈ; so voller sterck, tugend und manheit bin ich, das ich nicht ein tropfen noch des weibs und kinder bitten ... und heulen fragt Er. Alberus widder Jörg Witzeln (1539) k 5ᵃ; gelegentlich auch um kein(en) tropfen:
hastu uns etlich knecht gelezt,
das soldu dich um kain tropfen frewen
(1504) Liliencron volkslieder 1, 512ᵃ.
zu diesem befunde stimmt das ahd.: semergot elfe, ne haben ne trophen i. si me deus adiuvet, non abeo nihil altdt. gespr. 48 in ahd. gl. 5, 518, 31. hierher gehört auch die ahd. negationsverstärkung ni drof, noh drof, die gramm. 3, 730 und Müllenhoff-Scherer denkmäler 2³, 87 analog dem mhd. ni blat, ni wiht erklären.
5)
tropfen gilt, pluralisch gebraucht, seit dem ausgang des 17. jh. auch als bezeichnung für eine medizin, die in tropfenform genommen wird, vgl. engl. drop 'arzenei in tropfen': ich bilde mir ein, dasz die tropffen, so euch so woll bekommen ..., von den englischen dropffen sein Elis.-Charl. v. Orleans br. 3, 284 Holland;
ich darf dabey zu keinem artzte lauffen,
noch trinckbar gold und bittre tropfen kauffen
vernünft. tadlerinnen 1, 378;
ihr tragischen ärzte, die ihr uns statt dieser ausführenden oder stillenden tropfen tollwurzel ... reichet Herder w. 23, 356 S.; wird aber sein magen ... durch stärkende pillen und erfrischende tropfen warm Fr. L. Schröder dram. w. 1, 12; auf veranlassung des arztes verschluckte sie starke dosen temperierender pulver und tropfen Musäus volksm. (1805) 2, 176; herzstärkende tropfen Eichendorff sämtl. w. (1864) 2, 515; eine bestimmte medizin: ich will meine braunen tropfen nehmen und mich ins bett legen Geibel ges. w. (1893) 7, 118; Hoffmanns tropfen Fischer schwäb. 2, 402, von dem Halleschen prof. Friedrich Hoffmann (gest. 1742) und nach ihm benannt, vgl. P. Diepgen gesch. d. med. 3 (1919) 72. bes. für die als altes hausmittel weit verbreitete Hing-fongessenz: gib mir von den grünen tropfen ... ein biszchen hilft es doch immer Fontane ges. w. I 5, 260; vgl. auch die zusammensetzungen: eisen-, stahl-, augen-, brust-, magen-, krampftropfen u. ä.
6)
seit ende des 18. jh. ist tropfen ohne bestimmendes substantiv für wein bezeugt, pro toto, gewöhnlich mit einem auszeichnenden epitheton:
es lebe freund Bacchus, der heut uns ergötzt,
der unsere tafel mit flaschen besetzt
veredelt zu himmlischen tropfen
Kretschmann s. w. 6, 270;
sprach der bischof: 'heil dem lande,
das solch edle tropfen sendet'
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 90;
langsam schlürfte er den säuerlichen wein, der nach den tropfen des Kastnerschen hauses ein wenig leer schmeckte Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 188; insbes. singul.: ein guter tropfen: (im wirtshaus,) wo man ... seinen durst mit einem guten tropfen stillen konnte Auerbach auf d. höhe (1871) 1, 21; bringt Bacharacher von dem bewuszten jahrgang, den besten tropfen, der im keller liegt W. H. Riehl culturgesch. nov. 261; war das der dank für den guten tropfen, auf den man ihretwegen verzichtete W. Raabe Horacker (1876) 88. auch mundartlich, sieh z. b. Friedli Bärndütsch 5, 276; J. Jakob wb. d. Wiener dialekts 196ᵃ; Hönig Köln 38ᵃ; Meyer der richtige Berliner (1925) 55.
B.
tropf, tropfen als krankheitsbezeichnung für den schlagflusz, den hitzschlag, die gicht und rheumatische erkrankungen. es übersetzt lat. gutta, das im sinne der humoralpathologie medizinischer terminus für eine ganze reihe von krankheiten war, s. Höfler dt. krankheitsnamenb. 752ᵇ; Lessiak in zs. f. d. altert. 53, 112 ff.; vgl. noch ital. gotta, frz. goutte 'gicht'. vql. auch triefte teil 11, 1, 2, 481, tripfe ebenda 637 sowie gutt teil 4, 1, 6, 1477. tropf, tropfen ist in dieser bedeutung innerhalb des germ. bereits im ags. als dropa 'paralysis, colera' Bosworth-Toller 215ᵃ; suppl. 158ᵇ und im frühmhd. belegt, ferner im mnl. als drope 'gicht, hautausschlag, wassersucht' Verwijs-Verdam 2, 439. es findet sich im deutschen bis ins 17. jh. hinein in geläufiger verwendung bezeugt, lexikalisch noch bis ins 18. jh., nach Adelung 4, 693 jedoch nur noch fürs obd. die benennung tropf(en) wird sich, wie Lessiak a. a. o. 113 meint, zunächst an gutta in der bedeutung 'tropfenförmiger punkt oder fleck, farbiger fleck überhaupt' anlehnen, womit verschiedene arten von ausschlag, dann auch die gichtknoten bezeichnet werden konnten. 'vermutlich auf volkstümlicher umdeutung der alten säftelehre' beruht dann der glaube an die drei verhängnisvollen blutstropfen, die im kopfe hangen, eine vorstellung, 'die namentlich die auffassung von tropfen als 'schlag' gefördert zu haben scheint' ebda 114. danach wird ein eigentümlicher saft im blute des menschen tropfenweise in die organe ausgeschieden. der erste tropfen fällt durch den tropfgang in die glieder als gicht (gutta arthretica, podagra); der zweite ins gehirn oder rückenmark als schlagflusz (apoplexia); der dritte ins herz und bleibt dort hängen, erstickt das herz und führt den tod herbei, s. Höfler krankheitsnamenb. 753ᵃ ; M. Heyne dt. hausaltert. 3, 122. dieser glaube ist auch ins volk gedrungen, vgl. Keisersberg evang. (1517) 151ᵃ; Agricola sprichw. n 1ᵇ; Rosegger als ich noch jung war 110; Rochholz dt. glaube (1867) 1, 41. da sich die bedeutungen von gutta bei Ducange 4, 143 fast ganz mit denen von tropfen B decken, und da auch im heutigen glauben der Romanen ähnliche vorstellungen herrschen, darf man den dt. volksglauben wohl auf spätantike und frühmittelalterliche volksmedizin zurückführen.
1)
schlagflusz. am häufigsten wird tropf(en) im sinne von schlag 5 a (s. teil 9, 320f.) gebraucht und begegnet oft synonym in verbindung mit diesem wort.
a)
wie schlag bezeichnet tropf(en) die oft kaum unterschiedenen arten von apoplexia, paralysis und hemiplexia: der tropfen oder schlag apoplexia (1445) bei Schmeller-Frommann bair. 1, 673; apoplexia tropff, tropfe, tropfen (15. jh.) Diefenbach gloss. 41ᵃ; apoplexia der schlag, tropff oder das gut Frisius (1556) 104ᵃ; tandem tropf est lethalis ille percussus nomine apoplexia der schlag Stieler 2330; tropff, der schlag apoplexia Aler dict. (1727) 2, 1921ᵇ. paralysis tropff (15. jh. obd.) Diefenbach nov. gloss. 280ᵃ; paralysis der schlag vel tropff vel lämme des leibs Dasypodius (1536) 165ᵃ; paralysis verlust oder beraubung der empfindtligkeit und bewegnusz eines teils am leyb, der tropff Frisius (1556) 945ᵃ; paralysis, welches eine solche krankheit ist, die das frei hurtig bewegen eines glieds am menschlichen leib vil oder wenig verletzet. das nennen wir den tropf, schlag, gottes gewalt oder gottes hand Wirsung arzneibuch (1584) 117; Lonicerus (1604) 122ᵇ. hemiplexia tropff zu einer seiten bei Scherz-Oberlin 2, 1665; der schlag oder tropff uf eyner seiten, so nur der halbteyl des leibs lam ist Dasypodius (1537) 292ᶜ; die handt gottes hat in gerürt, daz ein halb syt im lamm waz. ir nennens den schlagk oder den tropffen Keisersberg post. 3, 93ᵇ; kalte gebresten des hirns, als da ist der schwindel, gantze und halbe schlag oder tropff H. Bock kräuterb. (1587) register ggg 2ᵃ. — auch von tieren: der tropff oder schlag ... macht das pferd nicht allein fallen, sondern benumpt ime auch alle bewegung Uffenbach n. roszbuch (1603) 2, 47.
b)
tropf(en) hat die gleichen typischen verbalverbindungen wie schlag 5 a (s. teil 9, 321): der tropf(en) rührt, schlägt, trifft einen menschen, rührt ein glied: umb ein tötlichen hieb ... am haubt painschrötig bis hinein ufs hirnfele, von demselben in der tropf gerurt, geburt 30 lb. newer heller stadtr. von Hof (1436) in zs. f. rechtsgesch. 32, 158; da bracht man einen dar uff eim bette, het der schlack geschlagen oder der tropff ... het in gerürt Keisersberg evang. (1577) 150ᵈ; (die päpstlichen) haben ein starcke schwindsucht kriegt, vieleicht wird sie der tropf und sterbedrüs (pest) auch bald rüren Luther 6, 359ᵃ Jen.; vom tropff gerührt werden estre frappé de l'apoplexie Hulsius (1616) 330ᵃ. schlagen: rosen wasser ... ist gut so ein mensch der troff geschlagen hat und nit reden kan H. Braunschweig distilierb. (1500) 98ᵇ; Lucium den ainen kaiser traf der gewalt gotts, schlueg in der tropf und das sälig und starb Aventin s. w. 4, 876 Lexer; do schlug ihn der tropf Eck 199ᵃ (1. Macc. 9, 55); Dietenberger 428ᵈ; Züricher bibel (1531) 316ᶜ; wider den tropff oder das gut reibet das lam oder geschlagen glid oder ort mit fuchszöl Sebiz feldb. (1592) 90. treffen: wenne der trofen oder schlag getroffen hat (1545) bei Unger-Khull steir. 175ᵇ; bringet wider zu rechte die lahmen glieder, so der schlag oder tropffen getroffen hat M. Bapst v. Rochlitz wacholdergarten (1605) 198. wie bei schlag werden diese verbindungen auch vergleichsförmig gebraucht: etlich so si in den tempel kamen ... fielen si ernider, als het si der tropff und donder erschlagen S. Franck chron., zeytb. (1531) 225ᵃ;
denn geht er btrüb und hengt den kopff,
als ob in gschlagen hett der tropff
B. Waldis Esopus 1, 81 Kurz;
bald traf Helrufn ein pfeil am kopf,
das er stürzt als schlüg ihn der tropf
Rollenhagen froschmeuseler 260 G.
in fluch- und verwünschungsformeln: er hat wöllen seinem feind ... ein gros übel ... wünschen oder fluchen, als wenn wir einem die pestilentz oder den tropff fluchen J. Brenz pred. Salomo (1528) 17ᵃ; wiwol die alchimisten ausgeben, das goldöl mach sprachlose reden, das mag vileicht von der lugensprach gemaint sein, die der tropf mus treffen Fischart werke 3, 99 Hauffen; lasz dich der tropff nicht lenger leben J. Episcopius aulularia (1570) c 2ᵇ;
der tropff erschlag die kupplerin
Fröreisen griech. dramen 2, 170 Dähnhardt.
vor allem in der form dasz dich der tropf schlage: sihe mein gesell, dasz dich der tropff schlag, dasz du must rasend und unsinnig werden J. Agricola sprichw. (1534) n 4ᵃ; schenck ein, schenck, das dich der tropff schlag Fischart Garg. 153 ndr.;
ey, dasz dich dann erschlag der tropff
Fischart werke 2, 62 H.;
hier bauer, bengel, grober knopff,
hörst nicht? dasz dich besteh der tropff
Gilhusius gram. (1597) 3, 5, 73;
hierher wohl auch:
botz tropff, er schleicht gleich selbs daher
H. Sachs 9, 72 lit. ver.
2)
hitzschlag bei gewächsen, seltenere, im anschlusz an 1 erwachsene bedeutung: sideratio mehlthau, der schlag vel tropff (1517) Diefenbach gl. 533ᵃ; sideratio der schlag vel tropff Junius nomenclator (1577) 167ᵃ; sideratio der schlag, der tropff, da die bäume von verderben Corvinus fons lat. (1646) 785; der rebenschlag oder tropf articulatio Schönsleder prompt. (1647) S s 1ᵇ.
3)
gicht als arthritis ... glidsucht, gesücht, heiszt auch gutta der tropff Alberus (1540) 39ᵇ; (eine heilige nonne) die was sere gemuet und erschlagen mit einem tropfen in dem knu heil. leben summerteil (1472) 24ᵇ; gutta der tropff, schulterwee, als do einer den arm on schmertzen nit uffgeheben mag Gersdorf wundarznei (1528) 99; es seind mancherlei schmertzen der gleich, welche im gmein alle genant werden gutta artetica, zu teutsch ... ein tropff Fries spiegel d. artznei (1532) 122ᵃ; für das podagram und güldin tropffen (mach eine salbe) Gäbelkower artzneybuch (Tüb. 1594) 405; vom tier: vom zipperle oder podagra des habichs. den habich rhüret auch unterweilen die gutta, das ist der tropff, in den flügeln oder hüften Sebiz feldb. (1592) 731; das strangeln und den tropff pflegt man den hunden gleicher weis wie den schafen zu heylen Sebiz feldb. (1579) 147; so noch wörtlich übernommen bei v. Hohberg georg. cur. (1715) 3, 250ᵇ; ähnlich auch noch Döbel jägerpract. (1754) 2, 115.
4)
in einer reihe meist früherer mhd. belege bezeichnet tropfe, troffe wie das ags. dropa durch flüssigkeit des körpers erzeugte geschwulsterscheinungen und gelenkkrankheiten, also wohl im wesentlichen rheumatische oder gichtische erkrankungen (ähnlich 3): qui superfluum sanguinem id est uͦberbluͦthdich habent, isti scarifationem accipiant et propter noxium livorem, id est troffun, cum wolfesmiliche pustulas faciant (13. jh.) ahd. gl. 4, 414, 15; vgl. ebda 4, 414, 35; Ebom ist vur den tropfen, ob er das soc (den saft) trinchot (12. jh.) clm. 536 Münchener sitz.-ber. (1867) 2, 17; swem der trophe wirret, oder der sêr ist an der haute 2. dt. arzneib. aus d. 12. u. 13. jh. 31 Pfeiffer; so we en sunt lif hebben wil, he scal dicke laten (zur ader lassen), eme wert de drope tvisschen vel unde vleysch mnd. arzneib. in jb. f. nd. sprachf. 15, 114; vgl. hierzu insbesondere mnl.. drope 'hautkrankheit' Verwijs-Verdam 2, 438; hierher wohl auch:
da wahset edelr wurzen raut
und meniger hande fruht,
die tropfen und gesuht
gar hailent und swainent
der sœlden hort 122ᵃ Adrian.
wie viele andere unerklärliche krankheiten glaubte man auch den tropfen durch zauberei hervorgebracht und personifizierte ihn (so wird in Flandern ein sonst unbekannter st. Gotte [goutte] als gichtpatron angerufen, s. Höfler a. a. o.): in nomine domini ... tres angeli ambulaverunt in montem Sinay quibus obviavit Nescia, Nagedo, Stechedo, Troppho, Crampho, Gigihte, Paralisis. ... qui dixerunt: nos imus ad familium dei N. caput eius vexare, venas eius enervare, medullam evacuare, ossa eius conterere et totam compaginem membrorum eius dissolvere (12. jh.) in Germania 18, 46; ähnlich in zs. f. dt. a. 17, 560; auch in den beschwörungsformeln blickt personifizierte auffassung durch: sicut cervus thebeus viperam naribus producit, sic ego te nessia, tropho, crampho, herdo, nagado (12./13. jh.) in Germania 18, 234; sprich also 3mal: ich segne dich bey der crafft gottes tropf und knopf (geschwulst) ..., desz dich der heilig athem dehr! Mone anz. 6, 468. vgl. auch die composita nöschtropff, marcksdropff bei Mone anz. 6, 463; 470, nach Rochholz zs. f. dt. myth. 4, 110 'die laufende gicht' bzw. 'der hexenschusz im rückgrat'.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 862, Z. 33.

tropfen, vb.

tropfen, vb.,
stillare.
herkunft und form.
1)
ahd. tropfon (geschrieben troaphon ahd. gl. 1, 342, 6), mhd. tropfen, ags. droppian, mnl. droppen, mnd. droppen. ō-verbum mit lautsymbolischer consonantendehnung zu ¹triefen, neben dem im mnl., mnd. druppen, nd. drüppen ein j-verbum steht, s. Wissmann nom. postverb. 182. ff ganz vereinzelt im part. prät. getrofft J. Wickram irreitend pilger (1556) a 2ᵃ; wegen kreuzungen mit träufen s. dort herkunft und form 3, teil 11, 1, 1, 1416.
2)
die u-form findet sich auszer in dem nd. mundartlich allgemein verbreiteten druppen, drüppen gelegentlich auch bei nd. oder nd. schreibenden schriftstellern: syn nesze drüpf B. Waldis verl. sohn 14 ndr.; Äg. Albertinus zeitkürtzer (1603) 9ᵇ; trüpfen Buchholtz Herkuliskus (1665) 842; älter auch im hd.: trupfet Konrad von Würzburg Troj. 7528 als lesart der hs. A zu triufet; das part. prät. trupfft neben trufft als variante Fischart Garg. 286 ndr.; trupff (imp.) Lonicerus kreuterb. (1593) 12ᵃ. vgl. auch mundartliches ²trippen sp. 649f., für das noch nachzutragen ist: dripfe, dribe Hertel Thüringen 248; trippen Müller-Fraureuth obersächs.-erzgebirg. 1 253ᵇ.
3)
formen mit ö erklären sich als verdumpfungen von drüppen, drippen, trippen oder aus contamination dieser wörter mit tropfen wie bei mundartlichem dröppen rhein. wb. 1, 1505; Rovenhagen Aachen 25ᵃ; tröpfen Hertel Thüringen 248; tröppen Müller-Fraureuth obersächs.-erzgebirg. 1, 253ᵇ; die literarische belegung entspricht im ganzen dem bereich von drüppen, drippen, trippen: tröpf (imperativ) H. Braunschweig chir. (1539) 56ᵃ; Heyden Plinius (1565) 151; Lohenstein Armin. (1689) 1, 146ᵇ; Mich. Wiedemann gefangensch. märz (1690) 16; Zachariä tageszeiten (1757) 2, 121; (er) tröpfte das leben Chr. Nagels (1829) 1, 129 Ammon-Herold u. a. m. (s. u.); bereits mhd.: sy tröphent Laszberg liedersaal 1, 105, 34. eine nur dialektisch weiter verbreitete ableitung ist wie ags. drop(p)ettan: tropfezen Schmeller-Fr. 1, 673; Schöpf tirol. 759; dropse Autenrieth pfälz. 36; troppsen Kehrein Nassau 411; dröpsen wb. d. luxemb. ma. 73ᵃ; schon im ahd.: tropheze restillet (hs. d. 11, jh.) ahd. gl. 2, 470, 66; tropffatzen vulgariter trieffen guttare voc. primo pon. diction. theut. (1515) c 4ᵃ; vgl. dazu die ableitung: stillicidiis trophizunga (um 800) ahd. gl. 1, 518, 51; stillicidia troffezunge (hs. d. 12. jh.) ahd. gl. 4, 98, 40.
bedeutung und gebrauch. tropfen wird mit triefen häufig ganz synonym verwendet, s. triefen sp. 469; es konnte so das starke verbum in den dialekten mit verdrängen helfen, s. triefen herk. u. form 2, sp. 468. auch der charakter der intensität kann tropfen in älterer zeit eignen: mine lere dröppe alse de regen bei Schiller-Lübben 1, 589ᵇ, zu deut. 32, 3: concrescat ut pluvia doctrina mea; der schlagregen, so darausz (aus den wolken) tröpffet J. de Acosta America (1605) 38. gegenüber triefen fehlt ihm aber im allgemeinen die vorstellung des länger anhaltenden niederfallens, s. triefen bedeutung u. gebrauch eingangs, sp. 469.
A.
intransitiv.
1)
subject ist die herabtropfende flüssigkeit.
a)
eigentlich: distillare troaphon (9. jh.) ahd. gl. 1, 342, 6 zu Lev. 5, 9: quidquid autem reliquum (sc. blut) fuerit, faciet distillare ad fundamentum. häufig mit einer ortsangabe, von den verschiedensten flüssigkeiten, insbesondere vom regen: wann der regen allgemachlich herab troppfet Sebiz feldbau (1579) 42; der schlagregen, so darausz (aus den wolken) tröpffet J. de Acosta America (1605) 38; vom tau: das schöne haar von nachtthau feucht, der noch immer von den bäumen tropfte Storm werke 3, 68; von sonstigen atmosphärischen niederschlägen: hörte ich die ganze nacht den südwind wehen, den schmelzenden dünnen schnee von den dächern tropfen G. Keller ges. werke 3, 208;
von den segeln tropft der nebel,
auf den buchten zieht der duft
Freiligrath ges. dicht. 1, 66;
vom blut: dez hizzigen bluͦtes, daz uf si hate getropfet H. Seuse dt. schr. 37 Bihlmeyer; das zerrisz die wunden am gantzen leyb, das sein heylig plut ab im tropfft geystlich strasz (1521) g 4ᵃ; ihr zartes blut auf die erde tropfte A. U. v. Braunschweig Oct. (1677) 1, 146; von den tränen: darauff fieng der churfürst an zu weinen, dasz ihm die zehren über die backen tropffeten G. Maier histor. lustgarten (1625) 1, 99; ich ... konnte nichts finden, weil ich mich blind geweint, da tropften meine wilden zähren auf dieses kästchens deckel Holtei erz. schr. 7, 83; vom schweisz:
wie ihm, sprach izt der rektor seinen namen,
der helle schweisz aufs buch getropft
Schiller 1, 354 Gödeke;
der todesschweisz tropfte von seiner stirn L. v. François Reckenburgerin 2, 18. von wachs, baumsaft, fett u. ähnl.: mit einem tröpflein spanischen waxes, so man unter das siegel ... tropffen lässet Harsdörffer secret. 2, 234; das myrr gummi, so do selbst ausz den baumen tropfft, ist vil besser Seb. Münster cosmogr. (1550) 1123; mir war wie einem baum, dem der hauptzweig herunter geschlagen ist und aus dem nun der lebenssaft tropft E. Förster br. (1841) 118; sprichwörtlich: es ist kein mager gebratens, da nichts von tröpffet Lehman floril. polit. (1662) 3, 80; vgl. triefen A 1 a. bildlich: Hirzels briefe tropfen schon jahrelang anhaltend auf denselben fleck Jac. Grimm an Dahlmann, briefw. 1, 536. ohne ortsangabe: wan daz (honigwasser) tropfen wil, so züch daz füer ein teil darusz H. Braunschweig kunst zu distill. (1500) 57ᵃ; das dicke und stete tropffen desz wassers höhlet auch die stein ausz Lehman floril. polit. (1662) 3, 53; ich hörte nun das tropfende wasser in den ritzen des hügels Hölderlin 2, 55 Litzmann; tau, der in der groszen stille hörbar tropfte Cl. Viebig schlaf. heer (1904) 1, 51. wohl in berührung mit tropfen, m., B 'apoplexia', singulär: dieweil er durch zu viel fischessen ein flegmatisch, lugenflüszigs und tropffends hirn und ein schwach gedächtnusz ... möcht bekommen haben Fischart bienenkorb (1588) 215ᵃ; vgl. dazu triefend unter triefen A 1 a α sp. 470 und trifendiz houbit sp. 475.
b)
uneigentlich. übertragen auf lichterscheinungen, vgl. tropfen, m., A 2 d:
es tröpft ...
ein sparsam licht von ihm (dem himmel) herab
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 65;
die strahlen regneten tropfend in den kelch Tieck Phantasus 1 (1812) 438; Jean Paul 7-10, 487 Hempel;
wir fühlen dankbar wie zu leisem brausen
von wipfeln strahlenspuren auf uns tropfen
Stefan George jahr der seele 15.
wie bei tröpfeln A 1 b von einer spärlichen, durch pausen unterbrochenen folge: zu zeiten tropften ihm die sätze zäh und monoton aus dem munde H. Stehr Peter Brindeisener (1927) 7; begann vor ihm ein maschinengewehr zu klopfen, aber es stockte alsbald, ein paar schüsse tropften nach P. Alverdes Reinhold (1930) 50. in neuester zeit in noch erweiterter metaphorischer verwendung: aus dem astwerk tropfte kühlung H. Carossa verwandl. einer jugend (1928) 177; seltsames labyrinth im bauch der erde, oh, aber still, — so still! erzadern blinkten, irgendwo tropfte schlaf Ina Seidel labyrinth (1924) 220. verbreiteter vom geld: gleich wie der medicus, wo ferne im das gelt nicht immerdar in die hand tröpffet, wenig darnach fraget, ob der patient lebe grillenvertreiber (1605) 3, 184; vielleicht trifft er einen glücklichen augenblick, wo es wieder tropfet beim wirt (damit er sein geld wiederbekommt) J. Gotthelf ges. schr. (1855) 3, 390; ähnlich mundartlich: er het e guet lädele, s tropft allewill e bissle bi -n- ihm Martin-Lienhart elsäss. 2, 763ᵇ; hä hett nix droppen (er hat kein geld) Buchrucker Elberfeld. 43. vereinzelt wird tropfen in früherer zeit von einem menschen gebraucht: (frau zu dem unter der bank hervorkriechenden pantoffelhelden)
o narr, wa tropfst also herfür
fastnachtsp. 52 Keller;
das macht das oben (sp. 479) als ²triefen angesetzte verbum zweifelhaft.
2)
subject ist der ort oder der gegenstand, von dem eine flüssigkeit herabtropft. wo sie genannt wird, wird sie durch von angeschlossen, älter aber auch wie bei triefen und träufen gelegentlich durch mit:
so tröphent sy (trauben) mit süssikait
uff myn jamer und uff min we
Laszberg liedersaal 1, 105, 34;
die himel und die wolcken tropffen mit wasser (richter 5, 4: nubes distillaverunt aquis) erste dt. bibel 4, 353. von gegenständen: also das es (das geschirr) auch tropffet, so ist das wasser nahe M. Herr feldbau (1551) 29ᵃ;
langsam dreht sich das mühlrad,
bis es im letzten ohnmächtigen schwunge gefrieret und still steht.
tausend kandierte figuren hängen von den tröpfenden schaufeln
Zachariä tageszeiten (1757) 121;
besonders von leckenden gefäszen: s fässel tropft (der hahn schlieszt nicht gut) Martin-Lienhart elsäss. 2, 763ᵇ; sprichwörtlich: alt rören tropffen gern Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 7ᵃ; oft von regenfeuchten dingen: wann das tach bei hellem sonnenschein tropfft Sebiz feldbau (1579) 9; wenn die dächer tropfn, ragets (regnets, gesagt wenn einer bekanntes wiederholt) Ruckert unterfränk. 184;
ausgezürnet hatte das gewitter; ...
ruhte die natur, und im gezitter
kühler schauer tropfte jeder baum
Tiedge werke (1823) 2, 150;
die sonne schien warm auf die gartensteige, die blätter tropften Storm werke (1899) 1, 50; von durchnäszten menschen:
eh der pfarrer im bach auffstahn
und herausz wuth ans trocken land,
als ein getauffte kacz do stahnd
und tropffet da hinden und voren
H. Sachs 17, 359 K.-G.;
wenn ich dann vom regen tropfend ...
empor die breiten treppen flog
Geibel werke 1, 123.
von tränenden augen, für weinen:
wann dein augen voll wassers sind
und tropffen wie die neuen reben
Scheit Grobianus 3272 ndr.;
mein auge tropft über unsre trennung Schubart br. bei Strausz werke 9, 7; Schlegel hatte freilich die sichere wirkung für sich, da er auf dem grabe die ohnehin tropfenden augen reizen konnte Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 34; von der laufenden nase, doch seltener als das gewöhnliche triefen (s. d. sp. 475):
krachen mir d beyn unnd tropfft mir d nasz
Wickram werke 5, 60 Bolte;
mag vielleicht mancher seyn auff die meynung gerathen, ob verursachte das suppenessen auff fastnacht, dasz einem die nase tröpffe J. G. Schmidt rockenphilosophie (1706) 1, 336. von schweiszbedeckten körpern: hörten gemeinlich auff, wann sie uber den gantzen leib vor schweisz tropfften, wie ein badschrepffer Fischart Garg. 274 ndr.; dasz alle haare am haupte vom schweisz zu tröpfen schienen Ehrhart pflanzenhist. (1753) 9, 124; die pferde tropften von schweisz A. v. Arnim werke 12, 53. von blutigen waffen:
trug ein mordaxt in seiner hend,
voll scharpffer spitzen aller end,
welche all noch tropfften von blut
H. Sachs 20, 485 K.-G.;
das bajonet tropfte
von türkischem blut
Schubart sämtl. ged. (1825) 3, 86;
von wunden:
selbst am zärtlichen reh tropft auch die blutende wunde
Zachariä poet. schr. (1763) 4, 32;
arm, der von dem blute der unschuld noch tropfte
Bodmer Noah 2, 534.
von angezapften bäumen: kiefer und lärche tropfen weniger ausgiebig Ratzeburg waldverderbnis (1866) 2, 51.
B.
transitiv.
1)
flüssigkeiten in tropfenform fallen lassen. spätahd. in der bibelübersetzung: sine lefsa sint lilion, die de quekkeston mirron tropphen (hs. O) Williram 91, 2 Seem. (zu cant. cant. 5, 13: labia eius lilia distillantia myrrham primam); s. auch 80, 2; tropff von der gemachten laug ... ein tröpfflein nach dem andern hinein L. Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 126ᵇ; wenn man schon ... köstliche saffte in die muscheln tröpfet, wird doch keine perle daraus Lohenstein Armin. (1689) 2, 146ᵇ; Prizier, der ... essenzen auf die grauweisze sternschnuppensubstanz tropfte Ina Seidel labyrinth (1924) 191; im bilde:
tropftest mäszigung dem heiszen blute
Göthe I 4, 98 W.
wie träufen A 1 a β häufig für das einflöszen von medizin, schon im 12. jh.: hus wurze ... trophet im iz ins ore clm. 586 in Germania 8, 301 (vgl. MSD 2³, 276); die körner sol man stoszen zu pulver und das pulver ... feucht machen mit essich und sol ... es tropffen in die naslöcher Mynsinger falken 23 lit. ver.; gebüt Jesus der mayster in das aug zu tropfen disz frawenmilch oder gemain süsz wasser H. Braunschweig chirurgia (1539) 48ᵇ; tropffe ihm (dem hunde) den tobacksafft darein M. Böhme viehartzney (1682) 50; (sie) preszte den saft davon aus, und tropfte ihn der Flora in die wunde Drollinger ged. (1743) 334; bildlich: dieweil sie (die kinder) aber allzeit am besten behalten, was man von ersten in sie gleichsam gossen hat, so soll man das beste in sie tropffen J. Barth weiberspiegel (1566) 3ᵇ. vereinzelt mit ellipse des objects: versuch ihn (den salpeter) mit einem halmen auff ein thuch, wirdt es tröpfflet, wann du darauff tropffst, so hat er des aber genug (ist genug geläutert) L. Fronsperger kriegsbuch (1573) 2, 211ᵇ; sie trug ein spiritusfläschlein und einen pinsel, um den gefangenen damit auf die köpfe zu tropfen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 160.
2)
betröpfeln:
so fangt die gans, so bringt die gans,
so würgt die gans, so ropft die gans,
so zopft die gans, so tropft die gans
so brat die gans
(1621) Uhland volkslieder (1881) 572;
bei der folterung, vgl. träufen A 2 a: stimulare treiben dar zu, peinigen, tropfen Eichmann vocab. predic. 1485 s. v.; etlike bunden se ynt cruce, dropeden se myt vurygen vlammen dorch van dem spekke (Lübeck 1482) chron. d. dt. städte 31, 1, 244; vgl.:
tropft schwefel, siedend ertz und öl ihm auf die brust
Lohenstein Cleopatra (1680) 67.
C.
unpersönlicher gebrauch. im allgemeinen für den in tropfenform fallenden regen und deshalb meistens im gegensatz zum vollen, starken regnen, oft für das beginnende regnen: es tröpffet schon N. Volckmar viertzig dialogi (1625) 265; es will regnen, dann es tropfet schon M. Kramer 2 (1702) 1149ᵇ; Viktor dachte blos über die blumen nach, ... als es plötzlich zu tropfen anfing Jean Paul 7-10, 93 Hempel; mundartlich: s tropft schon Martin-Lienhart elsäss. 2, 763ᵇ. sprichwörtlich: wo es täglich tropffet, verseihet es nit Seb. Franck sprüchwörter (1541) 2, 45ᵇ; regent es nicht, so tropft es doch Simrock sprichw. 391. bei tropfenden gegenständen: unter der dachtraufe! es tropft mir in die anke (nacken) maler Müller werke (1811) 2, 67; von den dunklen büschen tropfte es und fielen zahlreiche schneeklumpen G. Keller ges. werke 1, 393. seltener für das tränen der augen: o wie fühl ichs ... schlagen im herzen, tropfen vom auge Schubart leben u. ges. 1, 224;
und heisz vom auge fühlt ichs tropfen
Geibel werke 2, 68.
D.
das part. prät. wird in der mineralogie im sinne von tropfenförmig gebraucht: der chalcedon (quarzart) ist ferner kugelig, traubig, nierenförmig, getropft in den mannigfaltigsten gestalten Oken naturgesch. 1, 141; die goldstücke haben ... zuweilen ein geschmolzenes, getropftes ansehen Muspratt chemie (1891) 3, 1682.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 878, Z. 69.

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Zitationshilfe
„dropfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dropfen>, abgerufen am 01.12.2021.

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