Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

drudenfusz, m.

drudenfusz, m.
1.
eine aus zwei gleichseitigen, in einander verschränkten dreiecken gebildete fünfeckige oder sechseckige figur ✰ ✡, die auch drudenkreuz, alpkreuz heiszt. drutenfusz, alpfusz Stieler 589, der auch druidenfusz 340 vorbringt. drutenfusz Schottelius 1306. Frisch 1, 209. das zeichen wird verschiedentlich angebracht, am fuszgestelle der bettstatt, um die drute zu verscheuchen Schmeller 1, 477, an der schwelle, an gefäszen, büchern, gerätschaften, omnis incolumitatis signum Schottelius 1306. Henisch 758. Panzer Bair. sagen 2, 278. an dorfschenken werden sie bei der thüre als schild ausgehängt. ein hufeisen oder ein drutenfusz an der stallthüre vertreibt hexen und druten Panzer Bair. sagen 1, 260. Zingerle Tirol. sitten 37. an der wiege musz ein trottenfusz gemahlt sein, sonst kommt der schlenz und drückt oder saugt das kind aus Noth und hülfsbüchlein (1789) 271.
Mephist. gesteh ichs nur! dasz ich hinausspaziere
verbietet mir ein kleines hindernisz,
der drudenfusz auf eurer schwelle —
Faust. das pentagramma macht dir pein?
ei sage mir, du sohn der hölle,
wenn das dich bannt, wie kamst du denn herein?
wie ward ein solcher geist betrogen?
Mephist. beschaut es recht! es ist nicht gut gezogen;
der eine winkel, der nach auszen zu,
ist wie du siehst, ein wenig offen.
Faust. das hat der zufall gut getroffen!
und mein gefangner wärst denn du?
Göthe 12, 73.
das pentagramma, das signum pythagoricum, in der wappenkunst pentalpha, betrachtete man wahrscheinlich als die zwei in einander geschränkten füsze der drute, denn ihr legt man gänse- oder schwanenfüsze bei, weshalb weiber welche plattfüszig sind, am meisten in den verdacht kommen, dasz sie druten abgeben Höfer Östreich. wb. 3, 242. trutten ploti, qui sunt planis pedibus Voc. 1482. als ein guter, holder geist hat sie solche füsze, wie Bertha mit dem groszen fusz, regina pede aucae, Pedauque; vergl. Deutsche myth. 258. 400. Simrock Bertha die spinnerin 125—135. daher können sie leise gehen. in der wolthätigen kraft die man dem drutenfusz beilegt, zeigt sich noch die gute gesinnung des geistes, jetzt werden sie damit abgewehrt.
2.
lycopodium clavatum, bärlapp Nemnich 2, 473, wie drudenkraut.
3.
bildlich für gekritzelte schrift. mein schrift sicht zwar aus wie trutenfüesz, aber bei mir haiszts 'docti male pingunt' Schwabe Tintenf. 18. vergl. krakelbein.
4.
ortsname, man warnt nachts dahin zu gehen, weil man sich leicht verirre Panzer Bair. sagen 2, 163. 164.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1455, Z. 1.

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Zitationshilfe
„drudenfusz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/drudenfusz>, abgerufen am 07.12.2021.

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