Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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darunter, drunter, adv.

darunter drunter, adv.
ahd. dâr untari Graff 5, 62. mhd. der under drunder Benecke 1, 306. altsächs. thar undar, altfries. therunder, niederl. daaronder, engl. thereunder dän. derunder.
1.
in eigentlicher bedeutung subter weist es auf die gegenwart oder die bewegung unter einem ort im gegensatz zu darüber. wir sagen die wolken gehen hoch, die vögel fliegen darunter, darunter hin. die schiffe ziehen darunter her, weg unter der brücke. er trägt die last, aber er seufzt darunter. dort steht eine linde, darunter bist du geborgen, gegen den regen geschützt. darunter hat er sich versteckt. der regenbogen steht mit beiden füszen auf der erde, darunter liegen, wie man glaubt, goldene schüsseln. er nahm die urkunde und setzte seinen namen darunter unterzeichnete sie. er häufte holz an und legte feuer darunter. also macht er alle bretter zur wohnung, und macht vierzig silbern füsze drunter, unter iglich brett zween füsze an seine zween zapfen 2 Mos. 36, 24. und das meer thet er von den ehrnen ochsen, die drunter waren, und setzts auf das steinern pflaster 2 Könige 16, 17. unser sünde und missethat ligen auf uns, das wir darunter vergehen Hesek. 33, 10. denn der fürst sol darunter (unter dem thor) sitzen, das brot zu essen fur dem herrn 44, 3. er bringet seine kinder auch unter ir dechlin und bleibet unter irer lauben. darunter wird er fur der hitze beschirmet Sirach 14, 27. wenn der schne weg ist, so sihet man was darunter gelegen ist Henisch 659. haben sich etliche gutherzige kriegsknecht zusammenrottiert und allda eine hütte gebauet ausz einem alten schiff und haben darunter die kranken getragen Schuppius 76. man setzt noch pleonastisch unten voran, da stand nun (auf dem stammbaum) er und seine schwester und unten drunter sein sohn und daneben Hilarie Göthe 22, 51. auch mit vorgesetztem da, er liegt dadrunter. dadrunter ist nichts mehr.
2.
geht es auf einen zustand, eine thätigkeit, so heiszt es soviel als dabei, darin, dadurch, damit. arbeitet er so angestrengt, so leidet seine gesundheit darunter. er seufzt darunter. er verlangt gerechtigkeit, versteht aber die förderung seiner absichten darunter. er fasset das wasser zusamen in seine wolken, und die wolken zureiszen drunder nicht Hiob 26, 8. Silvestrum II. hielte man gar vor einen zauberer, wiewol ihm darunter zu viel geschehen Hahn Reichshistorie 2, 161. was sucht er darunter, wenn er nicht mein unglück bei ihnen sucht? Gellert. wenn dieser satz jeder menschlichen vernunft genugthuend ist, so möchte ich wissen was uns darunter abgehe, dasz wir ihn nicht auch für höhere wesen rechtfertigen können Kant 7, 276.
3.
für geringer, weniger, minder, tiefer, wenn es auf ein masz, gewicht, einen preis, eine abstufung sich bezieht, im gegensatz von darüber. die mauer ist funfzehn fusz hoch oder noch drunter. ein pfund schwer oder darunter. der preis ist hoch, aber er gibt es, er läszt es nicht darunter. der barometer steht auf regen oder drunter. und da mans (das manna) mit dem gomor masz, fand der nicht drüber, der viel gesamlet hatte, und der nicht drunter der wenig gesamlet hatte 2 Mos. 16, 18. aber David nam die zal nicht dere die von zwenzig jaren und drunter waren 1 Chronica 28, 23. und liesz alle kinder zu Bethlehem tödten, die da zweijärig und drunter waren Matth. 2, 16.
4.
für dazwischen, in der mitte, in die mitte. schon im ahd. (Graff 1, 382) und mhd. (Wackernagels glossar DLI) hat die präposition untar die abgeleitete bedeutung von inter. es ist falsches geld darunter. die leute waren zusammen gelaufen, und er gieng mitten darunter zu ihnen hinein, oder zwischen ihnen herum. es ist keiner darunter, den ich nicht achte. darunter macht man keinen unterschied. der wein ist gut, aber man hat wasser darunter geschüttet. er sah eine kette feldhühner und schosz darunter mitten hinein. so mischet sich darein, das er auch etwan erabschneidliche wort oder spotwort oder scheltwort darunder redt. so etwan sich ander böse lasterliche wort darunder mischen Keisersb. Sünden des munds 51ᵇ. wan sie ein ganzen sester vol schelfen gereden (durchsieben), so findt man nit vier guͦter nüssen darunder 81ᵃ. weh dir, der du deinem nähesten einschenkest und mischest deinen grim drunter Habac. 3, 15. mir ist so wol dasz ich kindisch lachen kann, als wenn das alles farcen wären, die man uns vorspielt. würklich sind sies auch. ich geh so drunter hin und verwandle die guten und freudigen scenen der menschheit all in die farbe meiner seele Klinger Theater 3, 308. ich habe sehr schöne gesichter und gestalten darunter gefunden Göthe. alles ist reif für einen mann, der Juvenals geiszel ergreift und darunter haut Lichtenberg 5, 97.
5.
statt des relativen worunter. und alles volk, darunter du bist, sol sehen des herren werk 2 Mos. 34, 10. wenn die vierzig jar aus sein werden, wil ich die Egypter wider samlen aus den völkern, darunter sie zerstrewet sollen werden Hesekiel 29, 13. das ist die decken, darunter er lag, da er trunken war Judith 13, 19. und hügel aufgeworfen waren am wege, darunter man die erschlagenen mit haufen begraben hatte 1 Macc. 11, 4. ein groszer knotiger astiger baum, darunter andere gesunde fruchtbare bäum verdüstern Lehmann Florileg. 180.
6.
bei uneigentlicher und bildlicher bedeutung sind besondere redensarten anzumerken, es geht alles drunter und drüber ist in voller unordnung und verwirrung.
wo es aber drunter und drüber geht,
ein heiliger wird angefleht
Göthe 4, 320.
es poltert alles drüber und drunter
13, 56.
kehrt eben alles drüber und drunter
13, 60.
wo's freilich auch geht drüber und drunter
13, 77.
es geht alles drunter und drüber 42, 126.
da stürzte denn alles drüber und drunter
47, 225.
man sagt drunter durch kommen wenn man den zweck aus den augen verliert, sprich nicht so viel durch einander, wir kommen sonst ganz drunter durch. drunter durch sein heiszt in misachtung geraten, seit er diese anrüchige frau geheiratet hat, ist er ganz drunter durch. sie ist in der gesellschaft ganz drunter durch, im mildern sinn, ihr ansehn ist dahin, sie wird nicht mehr beachtet, aber auch, ihr guter ruf hat gelitten. J. E. Schlegel sagt dasz sie sachen durch die gebärden ausdrücken wollten, welche niemals darunter (dahin) gezogen werden konnten welche sich durch gebärden nicht ausdrücken lassen 3, 419.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 803, Z. 73.

drunter

drunter,
s. darunter.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1457, Z. 67.

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Zitationshilfe
„drunter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/drunter>, abgerufen am 01.08.2021.

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