Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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drude, f.

drude f.
hexe, altes hexenartiges weib, unholde, alp der die schlafenden drückt, mhd. trute Ben. 3, 124ᵇ, nur im Passional, daher das kurze u nicht sicher ist, dän. drude, gothländ. druda, auf den farö. inseln trut Finn Magnussen Lex. myth. 668ᵃ. gleichbedeutend ist das niederd. maar nagtmar Brem. wörterb. 3, 128, engl. nightmare, franz. cauchemar. saga ein zauberin oder drutte Serranus Diction. x 6ᵇ. venefica ein drutt 668ᵃ, druckende drut incubus, daemon ders. Synon. 53ᵈ. drutt ephialtes, incubus, suppressio nocturna Schönsleder L 4. drutte trutte saga et venefica Stieler 340. drud drude Frisch 1, 209ᶜ. Reinwald Henneb. idiot. 2, 35. Schmeller 1, 476. Frommann Mundarten 3, 191. s. nachtdrude. roggendrude.
1.
gemeinlich, aber ohne allen grund, leitet man das wort von dem gälischen druide ab. Christian v. Stolberg sagt daher, als Bürger justizamtmann geworden war,
dir, o Bürger, der du heiligen druden gleich
richtertugenden übst.
einfach wäre die erklärung durch das adj. trût traut dilectus, drud drut bei Henisch 758, niederd. truut, das in vielen eigennamen vorkommt; s. Weinhold Deutsche frauen 14. Förstemann Namenbuch 346. eine bairische sage beschreibt die bösen druden als alte in waldlöchern hausende weiber, häszlich anzuschauen, mit kurzen grauen haaren Panzer 1, 88. die drude war aber ursprünglich auch ein guter wolwollender geist, wie die frau Holde, und ward, wie diese, späterhin in eine unholde verwandelt; in Tirol hält man sie noch jetzt für eine schöne frau Zingerle Tiroler sitten 37. Finn Magnussen Lex. mythol. 971 und die Deutsche mythol. 394 bringen die valkyrie þrûđr damit in verbindung, welches wort auch als appellativum virgo bedeutet.
2.
sie treibt teuflische künste, sie verwandelt ein kleines mädchen in einen holzblock und wirft diesen ins feuer Hausmärchen nr. 43. lärmenden kindern ruft man zu 'schweig, die drut kommt!' Flögel Geschichte des groteskkom. 23.
nu quam ein alde vrouwe,
ein volgerinne der truten
Passional 395, 77 Köpke.
so spricht mancher tummer leib
die trutte sei ein altes weib
und chunne die lewt saugen.
Vintler Blume der tugend.
H. Sachs sagt mehrmals alte trute für hexe. dise nächt (im advent) hat man für scheulich und verworfen tag, förcht sich vor gespänst, unhulden, trutten, hexen und zauberin S. Franck Weltbuch 132ᵃ.
ein trutt soll helfen zu den sachen
und ein heftiges wetter machen.
J. Ayrer Fastnachtsp. 32ᵇ.
sie kommt nachts als alp mit leisen schritten an das bett des schlafenden Höfer Östreich. wörterb. 3, 242. sie kommt auch in gestalt eines weiszen bündels und klettert auf das bett Porowitsch Wörterb. 94. sie legt sich dann auf den schlafenden, drückt ihn dasz er sich nicht regen kann, nicht athmen, nicht rufen. incubo infestari, vexari wann einn die drutt truckt Schönsleder L 4. heut nacht hat mich die drud gedrückt Castelli 116. spöttisch sagt man von einem der nachts umgeht, gehst wieder um wie eine drud das. ist zu mir (erzählt ein pater capuziner) auch einmal eine gekommen und hats gewagt und hat sich schon hinauf glegt ghabt auf mich nach aller schwern. ich merks aber, rumpl auf, und gleich I. N. R. I. und nach dem weihbrunnkrüegl tapt. witsch, ists draus gwesen. ich schrei ihr nach 'komm um ein glehhet (um etwas zu leihen)' und mache mein præceptum dazu. brav ists kommen den andern morgen zu der porten und hat nur um ein wasserkrüegl gebethn. ich hab aber den portner schon informirt und der hat ihr hernach swasserkrüegl brav um den kopf herum geben. ist ihr recht geschehen, dem fetzen. was hat sie im kloster zthun und mich zu drucken? ist unser körzlerinn (weib das in der kirche wachskerzen verkauft) gewesen. trösts gott, wenns ztrösten ist Bucher Karfreitagsprocession 39. viel anderer aberglaube hängt noch daran. druden können dem vieh, besonders dem jungen viel schaden, auch neugeborene kinder plagen und gar ums leben bringen Panzer Bair. sagen 1, 259. ein hufeisen oder ein drudenfusz an der stallthüre vertreibt hexen und druden 1, 260. wo drei lichter brennen, kann keine drut bei 1, 262. wenn an einem baum ein frischer ast verdorrt, so sagt man die drut sei darauf gesessen; man nennt diese äste drutenpfläschn 2, 298. wenn die drut jemand gedrückt hat, lehnt sie sich ins eck; es ist aber nur ihre hülle d. i. ihr körper 2, 299. bei Nordheim in Mittelfranken legt man auf die vier ecken der hanf- und flachsfelder einen kreuzbüschel und einen stein darauf, damit die drut nicht darüber kommt 2, 550. in Zingerles Tiroler sitten wird noch manches mitgetheilt. weiber mit groszen augenbrauen werden mit der zeit truden 36. sie gehen besonders auf die pferde, reiszen ihnen die haare aus, drücken oder kitzeln sie, dasz die armen thiere elend schwitzen und schnaufen das. sie stehlen sich oft in gestalt von schmetterlingen, besonders bei offenen fenstern, in die zimmer das. oft stecken sie hinter den bettstätten der kinder, und sobald diese erwachen und schreien wollen, faszt sie die trude mit ihren langen fingern an der kehle und würgt sie bis sie blau werden das. wer von ihr geplagt wird, soll sich eine hechel so auf die brust legen dasz die stacheln aufstehen. kommt sie, so wird sie damit auf immer vertrieben das. wenn man von ihr gedrückt wird, soll man mit der hand auffahren und das nächste beste ergreifen. die trude musz dann kommen und um das ergriffene bitten das. wenn man ihr ein kopfkissen gleich entgegenwirft, musz sie weichen das. wenn man beim kommen der trude alsogleich einen heiligen namen ausspricht, so musz sie fliehen das. einen trudenfusz von einfachem tannenholz musz jede frau in die wiege ihres kindes legen, sonst wird es von der trude gedrückt, ohne dasz es schreien kann 37. die trud drückt nicht blosz die menschen, wenn sie diesen frei läszt, auch den eschenbaum. deshalb zeigen sich an der esche so vielerlei verkrüppelte bildungen die bald bischofsstäben, bald sicheln, bald andern sonderbaren geräten gleichen 62. bevor man ein kind ins bett legt, musz man drei zipfel der windel einbiegen und den vierten zuknüpfen; dann hat das kind vor der trude ruhe 139.
schlaf, büble, schlaf,
die mutter gibt acht
dasz die trud dich nit drückt
und der alp nit erstickt
148.
bei den Walachen in Mähren glaubt man jedes kind das mit zähnen zur welt geboren werde, sei eine drud Kulda.
3.
scheltwort wie hexe.
lo lollo lo, liebn bubn, seht an
wie ist die alte drut (trunkene bäuerin) so vol
dasz sie sich nicht kan bsinnen wol.
J. Ayrer Fastnachtsp. 61ᵈ.
4.
nach Adelung kommt in Oberdeutschland auch das masc. drud vor, wovon Schmeller nichts weisz, aber im Voc. incip. teut. y 3 heiszt es trut incubus vel incubo est demon qui assumit corpus humanum ad opprimendum mulieres superponens. auch ist bei den Walachen in Mähren ein männlicher drud (morous) bekannt, neben der weiblichen; s. Kulda in den schriften der historisch-statistischen sektion der mähr. schles. gesellschaft 9, 89. s. druder.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1453, Z. 1.

drut, drute

drut drute,
s. drude.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1463, Z. 45.

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Zitationshilfe
„drut“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/drut>, abgerufen am 31.07.2021.

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