du
Fundstelle: Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1463, Z. 47
die zweite person des persönlichen pronomens. du, dein und deiner, dir, dich, pl. ihr, euer, euch, euch. goth. þu, þeina, þus, þuk. dual. jut? ïgqvara, ïgqvis, ïgqvis. pl. jus, ïzvara, ïzvis, ïzvis. ahd. sg. dû, dîn, dir, dih. dual. jiz, iz? inchar, inch, inch. pl. ir, iwar, iu, iwih. mhd. du dû, dîn, dir, dich. pl. ir, iuwer, iu, iuch. altsächs. thû, thîn, thi, thi. dual. git, inker, ink, ink. pl. gî, iuwer, iu, iu. niederd. sg. dû, abgeschwächt de, dîner, dek, dek. pl. jî, jûer, jök, jök Schambach 50ᵃ. mittelniederländ. sg. dû, dîns, dî, dî. pl. ghî, hûwer, hû, hû. neuniederländ. ohne sg. pl. gy, uwer, u, u. angels. sg. þû, þîn, þec (þe). dual. git, pl. incer, inc, inc. pl. ge, eóver, eóv, eóvic. engl. sg. thou, thine, the, the. pl. ye, yours, you, you. altnord. sg. þû, þîn, þer, þik. dual. it (þit), yckar, yckr, yckr. pl. er (þer), ydhar, ydhr, ydhr. schwed. sg. du, dat. und acc. dig. pl. nom. i oder ni, dat. und acc. eder. dän. ebenso, nur kein ni sondern i und statt eder in der volkssprache jer; zuweilen noch der gen. pl. vores, eders. Dieses pronomen das nur im sing. éinem stamm zugehört, erscheint in allen indogermanischen sprachen, sanskr. tvam, wo der vocal noch mit einem consonant bedeckt ist, pers tu, griech. σύ, dorisch τύ, lat. tu, roman. span. ital. tu, franz. tu, toi, böhm. ty, bretag. wallis. ti. Der dualis ist schon in der mhd. schriftsprache verschwunden, nur bei Ottacker am ende des 13ten jahrhunderts zeigt er sich, nom. ez, dat. und acc. ench. mundarten bewahren ihn noch, aber ohne richtige verwendung, indem sie ihn für den pl. gebrauchen und mit dessen formen vermischen; das nähere darüber Gramm. 1, 814. 815. du war die einfache und natürliche anrede der ersten person an die zweite und ursprünglich wuszte man von keiner andern. im 9ten jahrhundert fieng man an die zweite person des pl. auch statt des sing. für bestimmte verhältnisse daneben gelten zu lassen. im 17ten jahrhundert gieng man weiter und gebrauchte in gewissen fällen die dritte person des sing. für die zweite, womit natürlich die unterscheidung der geschlechter verbunden war. am ende des 17ten jahrhunderts steigerte sich der misbrauch so weit dasz man auch die dritte person des pl. für die zweite zuliesz. das verbum muszte sich jedesmal diesen änderungen fügen. es ward dadurch allerdings möglich die abstufungen der geselligen verhältnisse feiner auszudrücken, aber das widernatürliche und ungrammatische dieser steigerungen die jetzt eingewurzelt sind, läszt sich nicht verwischen. der letzte grad findet sich in keiner andern sprache, nicht in den romanischen, selbst in der neuniederländischen nicht, die doch den ganzen singular des pronomens aufgegeben hat. die geschichtliche entwicklung dieser verirrungen des sprachgeistes gewährt die Grammatik 4, 298—311, woraus Eckstein (Zur geschichte der anrede im deutschen durch die pronomina Halle 1840) eine zusammenstellung geliefert hat, ein programm von Theodor Nölting (Über den gebrauch der deutschen anredefürwörter in der poesie Wismar 1853) und eine akadem. abhandlung von Jacob Grimm (Über den personenwechsel in der rede Berlin 1856). wir haben die verschiednen abstufungen im gebrauch des pronomens einzeln zu betrachten.
1.
du das ein näheres und vertrauliches verhältnis zwischen dem redenden und angeredeten voraussetzt, die im wechselgespräch beständig die stelle vertauschen, ist im gothischen die einzige anrede im singularis. auch in dem ältesten deutschen denkmal, in den Kasseler glossen, nur wanna pistdû, wer pistdû H, 16. 17. capiutû, dû capiut I, 6. nur du im Hildebrandslied, wo vater und sohn mit einander reden. wir müssen untersuchen wo das alte du noch fortdauert und wo es weichen muste.
a.
es erhält sich bei dem landvolk, zumal bei bergbewohnern, wie bei den Tirolern; im südlichen Deutschland häufiger als in dem nördlichen. im anfang des 17ten jahrhunderts übersetzt Schönsleder duzen plebeio more, sermone uti, rusticorum more, vulgari modo colloqui L 4.
b.
das höchste wesen, gott, Christus, den heiligen geist reden wir nur du an, auch wenn wir herr, vater, erlöser zu ihm sagen. ebenso geisterhafte wesen, gute und böse, engel und teufel, tod, kobold und hexe, auch die heidnischen götter.
ach süezer Tôt, nû brinc mich dar
dar du mich tôt bringen solt
Flore 2334.
sô bist du ein bescheiden Tôt
2343.
o tod, wie bitter bistu Jesus Sirach 41, 1.
genius, regst du dich nicht?
Göthe 1, 259.
du nur, genius, mehrst in der natur die natur
Schiller 92ᵃ.
mit dem philister stirbt auch sein ruhm.   du, himmlische muse,
trägst die dich lieben, die du liebst, in Mnemosynens schosz
92ᵇ.
c.
wer in hohen würden steht, kann jetzt nicht mit du angeredet werden, man sagt eure majestät, hoheit, durchlaucht, excellenz; früher war du wol zulässig. der Wolkensteiner redet den pabst du heiliger vater an 21, 2, 1. der beherscher der insel Felsenburg schreibt in einem brief an den könig von Portugal du, groszmächtigster könig und herr, du, gerechtigkeit liebender könig und herr 4, 259.
d.
der natürliche poetische sinn des menschen legt allen dingen, auch denen die wir leblos nennen, persönlichkeit und belebung bei. leib und seele, himmel und erde, welt, sonne, mond, sterne, tag und nacht, sommer und winter, berg und thal, flusz und bach, feuer und wasser, bäume, pflanzen, steine u. s. w. werden du angeredet, und können, der sprache theilhaftig, mit du antworten. so in dem gespräch zwischen leib und herz in dem ersten büchlein Hartmanns und bei Lichtenstein (34 folg.) Blancheflur nennt das herz ihren friunt Gottfried Tristan 21, 7.
dô dâhter 'herze, nuo vint
si diu dem gelîche'
Parzival 722, 14.
aber du nun, o meine arme seele, was hast du von diser ganzen reise zu wege gebracht? disz hast du gewonnen, ich bin arm an gut, mein herz ist beschwert mit sorgen Simpliciss. 1, 551.
o wê dir, welt, wie übel dû stêst!
Walther 21, 10 und folg.
hinweg, welt, ich bin lang genug mir dir und dir nachgeloffen Simpliciss. 1, 257. adieu welt! dann du nimmst uns gefangen und läszt uns nicht wieder ledig u. s. w. 1, 552.
weg, du beperltes haar! du strick der mich gefaszt!
weg, du nicht reines gold! du ring von meiner hand!
A. Gryphius 1, 221.
du wunderschönes bild! du himmelhohe zier!
1, 222.
je, du diebischer kopf! hast du den dreck denn gar müssen vergessen! 733.
schönster mund, du bringst mir schmerzen.
Cavalier im irrgarten 391.
du (nacht) nur allein bists, der ichs vertrauen darf.
426.
erzürnter himmel, tödte mich
436.
du, lieber mond, bist schwächer zwar und kleiner.
Bürger 55ᵇ.
herz, was für ein schalk bist du!
Lessing 2, 54.
knabe sprach 'ich breche dich,
röslein auf der heiden!'
röslein sprach 'ich steche dich
dasz du ewig denkst an mich'
Göthe 1, 17.
sonne, so sei du auch mir
die schöpferin herrlicher tage
1, 66.
herz, mein herz, was soll das geben,
was bedränget dich so sehr?
weg ist alles was du liebtest,
weg warum du dich betrübtest —
weg dein fleisz und deine ruh.
ach wie kamst du nur dazu!
1, 77.
Zephyr, nimms auf deine flügel,
schlings um meiner liebsten kleid
1, 82.
fetter grüne, du laub,
am rebengeländer
hier mein fenster herauf!
1, 92.
und du, du menschenschifflein dort,
fahr immer immer zu
1, 106.
du (mond) wandelst jetzt wol still und mild
durch feld und liebes thal
1, 110.
fliesze, fliesze, lieber flusz
1, 111.
rausche, flusz, das thal entlang
1, 112.
du prophetscher vogel du,
blütensänger, o coucou!
1, 124.
wind, o hättest du verständnis,
wort um worte trügst du wechselnd
1, 171.
wo willst du, klares bächlein, hin,
so munter?
1, 207.
nun, sonne, gehe hinab und hinauf!
ihr sterne, leuchtet und dunkelt
1, 217.
und nun komm, du alter besen!
nimm die schlechten lumpenhüllen:
bist schon lange knecht gewesen
1, 237.
saget, steine, mir an, o sprecht ihr hohen paläste!
straszen, redet ein wort!
1, 259.
rosenknospe, du bist dem blühenden mädchen gewidmet.
1, 391.
tuberose, du ragest hervor und ergetzest im freien
1, 392.
diesmal streifst du, o herbst, nur leichte welkende blätter:
gib mir ein andermal schwellende früchte dafür
1, 405.
schwimme, du mächtige scholle, nur hin, und kommst du als scholle
nicht hinunter, du kommst doch wohl als tropfen ins meer.
1, 408.
arglistig herz, du lügst dem ewgen licht,
dich trieb des mitleids fromme stimme nicht
Schiller 474ᵇ.
e.
ein gleiches gilt bei abstracten begriffen. ungelücke, waz ir mir leides tuot! Lamprechts Alexander 3260.
guot, du wetzest uns mit list,
daz wir snîden zaller frist
mit kündekeit nâch dir, guot!
Welsch. gast 8071.
die minne, im mhd. als frowe Minne personificiert, wird ir angeredet,
frowe Minne, daz sî iu getân
Walther 40, 26.
frowe Minne, ich klage iu mêre
40, 27.
doch auch du,
genâde, frowe Minne! ich wil
dir umbe dise boteschaft
noch füegen dînes willen vil
55, 17.
ebenso, wenn frowe nicht vorgesetzt wird,
nû tuo mir swie du wellest, minneclîchiu Minne
55, 6.
genædeclîchiu Minne, lâ:
war umbe tuost dû mir sô we?
55, 26.
wer gap dir, Minne, den gewalt,
dâ dû doch sô gewaltic bist?
56, 5.
nû, Minne, bewære irz und bescheine
99, 4.
Minne, wunder kan dîn güete liebe machen
109, 17.
Minne, al der werlde unsælekeit!
sô kurziu fröude als an dir ist,
sô rehte unstæte sô du bist,
waz minnet al diu werlt an dir?
Gottfried Tristan 36, 40.
troum, wie wunderlich dû bist!
Iw. 3549.
du sehr verachter bauernstand,
bist doch der beste in dem land
Simpliciss. 1, 11.
H. Sachs gebraucht nur du in seinen kampfgesprächen des tods mit dem leben, zwischen den tugenden und lastern; s. 1. 1, 103—111. 3, 245—269.
so geh nur immer hin, du falsches glücke,
dein schwacher glanz verführt
Chr. Weise Klügste leute 347.
erdrücke mich doch nur, du groszes ungelücke.
Cavalier im irrgarten 391.
angedenken du verklungner freude (ein halsband, geschenk von Lilli)
das ich immer noch am halse trage,
hältst du länger als das seelenband uns beide?
verlängerst du der liebe kurze tage?
Göthe 1, 107.
ach liebe, du wol unsterblich bist!
nicht kann verrath und hämische list
dein göttlich leben tödten
1, 217.
majestät der menschennatur! dich soll ich beim haufen
suchen? bei wenigen nur hast du von jeher gewohnt.
Schiller 91ᵃ.
alles will jetzt der mensch von innen, von auszen ergründen.
wahrheit, wo rettest du dich hin vor der wüthenden jagd?
92ᵃ.
f.
vorausgesetzte, unbekannte personen werden du angeredet; von einem ähnlichen verhältnis unter h.
waz frumt dich, rîcher man, dîn guot,
sô dich der tôt nimt in sîn huot?
Freidank 42, 1.
groszgunstiger, hochgeehrter leser, der nunmehr in Deutschland nicht unbekannte und seiner meinung nach hochberühmte herr Peter Squenz wird dir hiermit übergeben A. Gryphius 716. geehrtester leser, nimm mit diesen wenigen und wohlmeinenden zeilen vorlieb, wormit dir alle glückseligkeit anerwünschet dein getreuer freund Ettner Unwürd. doctor vorr. (1697). inzwischen lebe wohl- und hochvergnügt, teutschtreugesinnter leser, und lasz mich deiner verlangten gunstgewogenheit, uns beide dann göttlicher obhut treulichst anbefohlen sein Vorrede zum Simpliciss. von Felszecker 1713. darneben beliebe dir auch, hochgeehrter leser, zu wissen dasz u. s. w. das. vorerinnerung. also siehest du, mein leser, dasz ich zu dieser arbeit gekommen bin, wie jener zur maulschelle Felsenburg 1, vorr. zu einem unbekannten tadler wird gesagt lasz dir aber dienen! alle diejenigen, so du anitzo getadelt hast, haben wohl eine ganz besondere gute absicht gehabt, die du und ich erstlich errathen müssen das.
aber da, wo menschen menschen braten,
weil sie anders glaubens sind als du
und nach ihrem glauben gutes thaten:
o da drücke deine augen zu
Gökingk 3, 109.
in allen wipfeln
spürst du
kaum einen hauch
Göthe 1, 109.
du gehst einen kleinen hügel hinunter und findest dich vor einem gewölbe 16, 9. hier ist auch die in der gemeinen sprache übliche redensart hast du nicht gesehen! zu erwähnen. man drückt dadurch eine meist mit geringschätzung gemischte verwunderung aus, gewöhnlich über schnelles fortlaufen. als die auf der strasze tobenden und schreienden knaben den polizeidiener kommen sahen, da liefen sie, hast du nicht gesehen! ich rief ihm nach, aber er eilte fort, und, hast du nicht gesehen! war er um die ecke. nu, nu! lassen sie mich nur gehen, ich will meine dinge schon machen. ich will fragen thun, hast du nicht gesehen! Christ. Fel. Weisze Kom. opern 3, 189.
g.
verschieden ist das verhältnis, wenn eine dritte bekannte person, von der man erzählt, plötzlich, meist mit einem epitheton das sie hervorhebt und rühmt, angeredet wird. die stellen in denen dies Homer thut, sind schon nachgewiesen, wie ähnliche bei den Römern (Nölting 21. 22. Jac. Gr. Personenwechsel 13—16). Göthe hat das in Hermann und Dorothea zweimal nachgeahmt,
aber du zaudertest noch, vorsichtiger nachbar, und sagtest.
40, 303.
doch du lächeltest drauf, verständiger pfarrer, und sagtest
das.
öfter Voss in der Luise,
drauf antwortetest du, ehrwürdiger pfarrer von Grünau.
1, 38. 302. 2, 189.
ähnlich bei Wieland,
auch dich, o Rezia, floh auf deinen weichen schwanen
der süsze schlaf
Oberon 5, 1.
und schon im 13ten jahrhundert
daz diu süeze von dem galme
dich bewegete, Mîdâ,
wan du wære von geschihte dâ.
Albrecht v. Halberstadt in Haupts zeitschrift 11. 360, 16.
er was gemeit unde frô,
vrowe Thêtis, iuwer minne
363, 124.
und untfienc sie Achillen,
dich, edele ritter tûre
366, 226,
und zwar unabhängig von Ovid, der das gerade an diesen stellen nicht hat.
wes sûmest du dich, Parzivâl,
daz du an die kiuschen lieht gemâl
nicht denkest (ich mein dîn wîp),
wiltu behalten hie den lîp?
Wolfram 742, 27—30,
weil der gedanke an sie den mut im kampf erhöhen wird.
werlîcher Parzivâl,
sô müezest einen trôst doch habn,
daz die clâren süezen knabn
sus fruo niht verweiset sîn,
Kardeiz und Loherangrîn
743, 15—18.
h.
du ist gebräuchlich in sprüchen und lehren, bei befehlen und ermahnungen. man denkt dabei an solche die darauf achten sollen, der prediger an seine zuhörer, der lehrer an seine schüler. bei Freidank nicht, aber bei Walther kommt es einmal vor, mit näherer hinweisung auf junge leute,
stôz den rigel für die tür,
lâ kein bœse wort dar für
87, 11. 12.
in den sprüchen des deutschen Cato ist es regel, wird aber aus dem lateinischen herüber genommen sein. Keisersberg braucht es gerne in seinen predigten. wenn du so wol küntest reden als du kanst liegen, du wärest der best redner der in tütschem land wär Sünden des mundes 23ᵃ. sehen ir vier zeichen, dabei du magst merken, wenn es geschiht in böser meinung 28ᵃ. stilest du einem geld, du bist schuldig wider zu keren 28ᵇ. wenn du einen menschen wilt loben, so ligt es fast an der meinung, wann es sünd oder nit sünd ist 31ᵇ. wenn du einen menschen in bösen sachen lobest oder in dingen die noch ungewiss sein, oder du kennest in nit, du weist sein wesen nicht, oder so du einem gefallen wilt, oder du suͦchest dein eigenen nutz darinnen, oder jederman loben und gefallen wilt, ist weder suer noch süsz, und bist also ein gaukelman 31ᵇ. aber sprichst du 'es ist hübsch garn', so spint das kint darnach dester lieber 31ᵇ. du solt wenig und selten reden 81ᵇ. und also durch unsichtliche ding kumest du zuͦ erkantnis gottes des herren 89ᵃ. im Jesus Sirach häufig, wiewol öfter mein sohn, mein kind vorangestellt wird. je höher du bist, je mehr dich demüthige 3, 20. hastu ein weib das dir liebet, so lasz dich nicht von ir wenden 7, 28. und wiltu gott dienen, so lasz dirs ernst sein auf das du gott nicht versuchest 8, 23. ehe du was anfähest, so frage vor, und ehe du was thuest, so nimm rat dazu 27, 20.
du, priester, bete,
du, fürst, vertrete,
du, bauer, acker und gete (jäte)
Petri Sprichw. S.
du wegest dein gold und silber ein, warumb wegest du nicht auch deine wort auf der goldwage? das. Chr. Weise hat dem roman von den drei klügsten leuten hinzugefügt Die bude der klugheit aus des alten Epicteti handbuche, wo nur dieses du gebraucht wird, du must dir den tod, die beraubung des vaterlandes und alles was insgemein unter das unglück gerechnet wird, täglich vor augen stellen, absonderlich must du stets an den tod gedenken 293. mit einer anrede, mein lieber mensch, willst du nun deine eigenthümliche güter wohl besitzen u. s. w. 254. auch ein vorgesetztes freund hebt die allgemeine beziehung nicht auf.
du merks der du wilst possen schreiben
und lerne bei dem zweck zu bleiben
Simpliciss. 1, 10.
geh den weibern zart entgegen,
du gewinnst sie auf mein wort
Göthe 1, 40.
geh, gehorche meinen winken,
nutze deine jungen tage,
lerne zeitig klüger sein:
auf des glückes grosser wage
steht die zunge selten ein.
du muszt steigen oder sinken,
du muszt herrschen und gewinnen,
oder dienen und verlieren,
leiden oder triumphieren,
ambosz oder hammer sein
1, 144.
willst du immer weiter schweifen?
sieh, das gute liegt so nah
1, 174.
trinke muth des reinen lebens!
dann verstehst du die belehrung,
kommst, mit ängstlicher beschwörung,
nicht zurück an diesen ort
1, 199.
ein epigramm, ob wohl es gut sei? kannst du's entscheiden?
weisz man doch eben nicht stäts was er sich dachte, der schalk
1, 365.
willst du mit reinem gefühl der liebe freuden genieszen,
o, lasz frechheit und ernst ferne vom herzen dir sein
1, 370.
lang und schmal ist ein weg, sobald du ihn gehest, so wird er
breiter; aber du ziehst schlangengewinde dir nach
1, 379.
hast du die welle gesehen, die über das ufer einher schlug?
siehe, die zweite sie kommt! rollet sich sprühend schon aus!
gleich erhebt sich die dritte! fürwahr du erwartest vergebens
dasz die letzte sich heut ruhig zu füszen dir legt
1, 384.
immer strebe zum ganzen, und kannst du selber kein ganzes
werden, als dienendes glied schliesz an ein ganzes dich an.
1, 399.
willst du schon zierlich erscheinen, und bist nicht sicher? vergebens!
nur aus vollendeter kraft blicket die anmuth hervor
1, 407.
möchtest du beglückt und weise
endigen des lebens reise
Schiller 88ᵇ.
weil du liesest in ihr was du selber in sie geschrieben,
weil du in gruppen fürs aug ihre erscheinungen reihst,
deine schnüre gezogen auf ihrem unendlichen felde,
wähnst du, es fasse dein geist ahnend die grosze natur
89ᵇ.
vor dem tod erschrickst du! du wünschest unsterblich zu leben?
leb im ganzen! wenn du lange dahin bist, es bleibt
90.
willst du, freund, die erhabensten höhn der weishelt erfliegen,
wag es auf die gefahr dasz dich die klugheit verlacht
91ᵃ.
wahrheit suchen wir beide, du auszen im leben, ich innen
in dem herzen, und so findet sie jeder gewis
191ᵃ.
wohne, du ewiglich eines, dort bei dem ewiglich einen!
farbe, du wechselnde, komm freundlich zum menschen herab.
91ᵇ.
sprichwörtern ist es angemessen. einen für einen, so fängst du sie alle Simrock 1969. ich und du tragen wasser an einer stange 1973. ich rede von enten und du antwortest mir von gänsen 2073. sage nichts, du könnest es denn beweisen 8667.
schau selbst nach deinem dinge,
willst du dasz dir gelinge
9485.
fege vor deiner thür, so brauchst du besen genug 10311. endlich auch in gesetzen die an alle gerichtet sind, wie in den zehn geboten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht lügen, ferner in vorschriften, wie in rechnungsbüchern, besonders in küchenrecepten. so durchaus in dem buch von guter speise, das in dem 14ten jahrhundert abgefaszt ward, z. b. du solt rîs nemen und siude ez in einem brunnen 3. wiltû machen pasteden von fischen 6. alsô tuo daz ê du in abe nemest 8. ebenso in dem kochbuch des wirtenbergischen meisters Hansen vom jahr 1460 (Haupts zeitschrift 9, 367 folg.). noch in den heutigen kochbüchern kommt es vor; vergl. Personenwechsel 34.
i.
in den verhältnissen die ein nahes vertrauliches leben voraussetzen, ist nur du gebräuchlich, also zwischen geschwistern, eheleuten, nahen verwandten. gibt man es auf, so zeigt das entfremdung. auch zwischen verlobten, sie sagen du zu einander, es ist ein brautpaar. wenn ich wieder du sage, so sage ichs für ewig Kotzebue Dramat. spiele 1, 336. bei gleichgestellten die in besonderer verbindung stehen, ist es hier und da noch herkömmlich, auf einigen universitäten, wie z. b. in Jena und Leipzig, redet jeder student den andern du an, wenn er ihn auch nicht kennt. hat man brüderschaft getrunken, so folgt das gegenseitige du. es liegt dann eine ehre darin und versagt man du, so ist das eine verletzung oder zurückweisung. so geben auch die spanischen granden sich unter einander du und verweigern es andern. in einer Rhetorik von 1511 wird gesagt alle edelleute duzen einander, wenn sie nicht für edel halten, den irzen sie. Sastrow erzählt wan er mich irsete und junker hiesze, wuste ich wol das die sachen zwischen ime und mir übel gewant wären 1, 77. Don Carlos fordert du von dem marquis Posa,
und jetzt noch eine bitte, nenn mich du.
ich habe deines gleichen stäts beneidet
um dieses vorrecht der vertraulichkeit
Schiller 254ᵃ.
zwischen freunden, gefährten, genossen kommt es jetzt in abnahme, nur zwischen eltern und kindern, wo sonst unterscheidung galt, hat man am ende des vorigen jahrhunderts angefangen es einzuführen, und es ist jetzt allgemein geworden.
k.
der höhere sagt zu dem niedrigern du, der gutsherr zu dem bauern, zumal wo noch leibeigenschaft besteht. der geringere gebraucht in der antwort den pl. in einigen ländern werden die vasallen in den fürstlichen rescripten du angeredet, was im gespräche nicht statt findet. im 16ten jahrhundert ward auf die unterscheidung streng gehalten. in Kirchhofs Wendunmut beklagt sich ein fahrender schüler der sich für einen magister der sieben freien künste ausgibt, dasz ein handwerker, ein wagner ihn du nenne. der wagner antwortet ich nähre mich und meine kinder, darumb solltestu billich mich und nicht ich dich irzen 136ᵇ.
man ihrzet nieman in latein,
wann er gleich ein docter thet sein
Eyering 3, 303.
Luther nannte seinen sohn Hans ihr, als dieser magister geworden war. gegenwärtig sagt der herr zum diener wol noch du, doch in den städten ist das auch abgekommen.
l.
die poesie, sobald sie auf dem ihr notwendigen und natürlichen, d. h. auf idealem boden steht, kann du nicht entbehren. so in dem lyrischen gedicht, in der ode, in dem höheren drama, zumal in der tragödie. dichter die es manchmal aufgegeben haben, kehren dazu zurück. nur wo man die sogenannte wirklichkeit, die gegenwart ohne den anhauch des idealen schildert, kann es nicht fortdauern: nicht in dem prosaischen lustspiel das die heutige welt darstellt, nicht in dem roman, in welchen das epos, wie der Rhein in den sand, sich verlaufen hat. du allein gilt in Göthes Iphigenie, im Elpenor, Tasso, Mahomet, Tancred und in der Natürlichen tochter. Schiller nahm es in der übersetzung euripideischer und racinischer stücke wieder auf, auch in der Braut von Messina. wie die beiden dichter, denen Lessing darin vorangegangen war, die verschiedenen formen der anrede in ihren übrigen dramatischen werken mit feiner unterscheidung angewendet haben, weist Nölting nach.
m.
wenn ein verhältnis vertraulich wird, so geht man zu du über, wie es liebende pflegen, oder freunde, die brüderschaft mit einander trinken. aber auch umgekehrt, in heftiger leidenschaftlicher erregung oder entrüstung bricht es ptötzlich hervor. der prinz sagt zu Marinelli, den er sonst sie anredet, sprich dein verdammtes 'eben die' noch einmal und stosz mir den dolch ins herz Lessing 2, 124. nun bedenkst du dich, elender? nein, dein blut soll mit diesem blute sich nicht mischen. geh dich auf ewig zu verbergen! 2, 189. so sagt auch Orsina zu ihm ist dir das zu hoch, mensch? 2, 165. in Cabale und liebe redet Ferdinand mit höchster verachtung den hofmarschall du an Schiller 201ᵇ.
n.
du wird mit nachdruck gesagt und betont.
α.
vor dem subst. oder adject. du guter! du liebste! du armer junge! du gott, siehest mich 1 Mos. 16, 13. herr, du gott meines herrn Abrahams 24, 12. nu, unser gott, du groszer gott, mechtig und schrecklich! Nehem. 9, 32. hab ich gesündigt, was sol ich dir thun, o du menschenhüter! Hiob 7, 20. du herr, mein gott, wirst erhören Psalm 38, 16. gürte dein schwert an deine seite, du held! 45, 4. du groszer und starker gott Jerem. 32, 18. herr mein gott, du gott unser veter Tobias 8, 7. ach herr, du son David Matth. 15, 22. Marc. 10, 47. du herzenskind! Schlampampe (1696) 53. du herzetochter 57. du armer schelm 69.
β.
bei schelt- und schimpfwörtern. wann du zu einem sprichst 'du schalk! du dieb! du hur!' Keisersberg Sünden des munds 38ᵃ. du garstiges versoffenes schwein! Heinr. Julius v. Braunschweig 225. du narr! 237. du kahler schuft! 254. du loser ehrndieb! 289. o du gottloser bube! 345. du galgenschwengel! H. Sachs 2. 2, 28. du ungehobelter galgenschwengel! A. Gryphius 776. du altes rabenfell! 782. o du schelm! du susannenbube! du teufelsfettel! du pileweissin (hexe, s. bilwisz oben s. 30), du hexenmeister! du bleischelme! du pulverhure! du hurenjäger! 828. du trotziger erdwurm! Chr. Weise Klügste leute 237. du bernheuter! du hudler Simpliciss. 1, 148. Jac. Ayrer comöd. 47ᵃ. du strolch! Simpl. 2, 1028 Keller. du schelm, du erzschelm, du sternschelm, du stralschelm, du donnerschelm! Chr. Weise Floretto 13. du leichtfertiger schleppsack Simpl. 2, 313. du rabenas du! Schlampampe (1696) 41. je du einfältiger tropf! 51. du hund! Schlampampe (1750) 6. o du rabennickel! 7. du as! 12. du alte ziege! 42. du hurensohn! Ettner Unwürdiger doctor 335. du alte wetterkatze! das. du mauskopf! das. du rabenfell! 336. du teufelsweib! 337. du alter hasenkopf! 350. du reitigel! 351. du plaudertasche! 374. du fauler geier! 375. du feige fliege! 379. du mausekopf! anhang 189. du hundsfott! Leipz. avanturier 1, 73. du donneraas! Ehe eines mannes 211. du verfluchte donnerhexe! Jucundiss. 83. du falsche! Lessing 1, 253. du unverschämte, garstige! 1, 257. du schlange! 1, 267. auch umgedreht, esel du! schlingel du! und wiederholt, du narre du! du alte schachtel du Schlampampe (1750) 42.
γ.
im gegensatz zu einem andern. du bist gemeint. du hast die schuld allein. du hättest das thun müssen. die andern schweigen, sprich du.
δ.
elliptisch. wer, ich, Heinz? ja du, du. wie oft söllen wir noch sprechen 'du du', meinst wir seinen ewlengeschlecht, das wir allzeit sprechen du du du? Albr. v. Eybe Plautus 101ᵃ. Odoardo. eine rose gebrochen, ehe der sturm sie entblättert. war es nicht so, meine tochter? Emilie. nicht sie, mein vater, ich selbst, ich selbst. Od. nicht du, meine tochter, nicht du, gehe mit keiner unwahrheit aus der welt. nicht du, meine tochter, dein vater Lessing 2, 189. das ist zum lachen, du mit deinen schiefen beinen! (willst in die wette laufen) Hausmärchen 2, 469. warnend ruft man, um jemand von einer handlung abzuhalten, du! die mutter droht dem kind, um es von einer unart abzuhalten du, du!
ε.
am ende, meist nach der frage wiederholt.
du bist es, der wie eine perlenschnur
zusammen reihte die gestirne, du!
Platen.
du hast das gethan, du? du willst mich verlassen, du? du hast mich betrogen, du? gelt, es seind so kleine pfläumlein, gelt du? Simpliciss. 1, 30.
ζ.
in verbindung mit eben, gerade. eben du hättest kommen sollen. gerade du durftest nicht fehlen. eben du, ja gerad du und sonst kein anderer Henisch 761.
η.
in verbindung mit dem imperativ. erzähle du, wie ist es zugegangen? schweig du! trink du nur das glas wein. ruf du nur deinen bruder herbei. drohend, warte du!
o Chloe, höre du
der neuen laute zu,
die jüngst bei stiller nacht
mir Cypripor gebracht
Uz 1, 14.
θ.
in verbindung mit dem relativen der. man sol dich ertrenken, der du falsch urtheil fellest wider got, eer und recht Keisersberg Sünden des munds 81ᵇ. gott meines vaters Abraham und gott meines vaters Isaac, herr, der du zu mir gesagt hast 'zeuch wieder in dein land' 1 Mos. 32, 9. der du beweisest gnade in tausent gelied. der du die missetat der veter heimsuchest auf kinder und kindeskinder 2 Mos. 34, 7. ah gott, der du bist ein gott der geister, alles fleisches 4 Mos. 16, 22. mein heiland, der du mir hilfst vom frevel 2 Samuel 22, 3. denn sie sind dein volk und dein erbe, die du aus Egypten gefürt hast 1 Könige 8, 51. aber du herr Zebaoth, du gerechter richter, der du nieren und herzen prüfest Jerem. 11, 20. der du mein gott und heiland bist Psalm 51, 16. aber du herr, der du ewiglich lebest Klagel. Jerem. 51, 19. schalk und verräter, der du bist Boccaccio 2, 120.
der du von dem himmel bist,
alles leid und schmerzen stillest,
süszer friede,
komm, ach komm in meine brust
Göthe 1, 209.
ι.
in verbindung mit selbst, selber. du selber, du selbs tuipse Voc. incip. teut. d 4. Voc. theut. 1482 3ᵇ. 4ᵇ. du selbst tute, tuipse Schönsleder L 4. Henisch 761. du selbst hast es gethan, du selber hättest kommen müssen. betracht das du selber bresthaftig bist Keisersberg Sünden des munds 38ᵃ. du selbs sagtest es, du wirst es selbs bekennen Maaler 93ᵃ. du muszt dich selber ziehen tute tibi imperes Stieler 346.
κ.
verstärkt wird du, wenn man bei einer ausrufung den teufel in dritter person zusetzt und damit einem unlöblichen beginnen den lauf läszt. das thue du und der teufel! das magst du nur thun! s. Personenwechsel 24. ei so lüg du und der teufel! je so sauf du und der teufel! Schlampampe (1750) 17.
λ.
in der Schweiz redet man einen lieben freund mit der diminutivform duli schmeichelnd an, duli, chumm bald zuenis zu uns Stalder 1, 325.
o.
enclitisch schon im mhd., wovon Ben. 1, 420 beispiele liefert, doch konnte der vocal lang bleiben, sogar im reim kumestuo: zuo. häufig im 15ten und 16ten jahrh. schwazestu, bistu Keisersberg Sünden des munds 3ᵃ. soltu 42ᵃ. bei Luther ist es wol regel z. b. woltestu 1 Mos. 18, 24, 28. 19, 19. wiltu 20, 4. heiszestu, fragestu 32, 29. hastu Psalm 42, 10. wissestu 139, 2. bistu 139, 3. auch noch im 17ten und 18ten jahrhundert, doch selten.
so lebstu dreimal hier
Tscherning 280.
Schuppius wechselt hastu und hast du 12, wiltu 20, soltu und solt du 23. hastu, willstu, lebstu, sagstu Stieler 346. siehstu Friedr. Müller Balladen (1776) 53. jetzt ist es in der schriftsprache nicht mehr zulässig. die abschwächung wilte, wolteste, dazte, schon im mhd. gebräuchlich, dauert in der umgangssprache fort, haste gehört? wilste kommen? betrübteste dich? apocopiert vor einem vocal konnte auch im mhd. dazt, swazt gesagt werden, so noch in der Mörin des Hermann von Sachsenheim dazt ein ritter bist 16.
schlegt dich dazt an der wand thust kleben
Eyering 2, 7.
in der volkssprache wend, daszd ein esel bist Schmid Schwäb. wörterb. 145.
p.
bei dem imperativus bleibt es häufig weg, doch kann es auch sonst bei dem verbum ausfallen. ob dies im mhd. zulässig war, ist ungewiss, da in den anzuführenden stellen ein vocal darauf folgt, also e kann weggeworfen sein. daz koufest an uns beiden Armer Heinr. 662. daz erzeigest an mir wol 913. mit freuden müezest immer leben Erek 9669; vergl. Lachmann zu Iw. 483. Keisersberg läszt es aus, wenn du schon einmal vorangegangen ist oder folgt, wenn du das an dem schleck thuͦst, das es dich irret an deinen gescheften und die selben darumb underwegen lassen muͦst, so halt es für sund 7ᵇ. da du einem seinen lümbden (guten ruf) stilest, so schedigestu in mer weder (als) stülest im gelt und zeitlich gut 28ᵃ. wann schon weist dasz einer ein schalk ist oder ein bub und du sprichst zu ihm 'du bist ein böswicht' 29ᵇ. oder du suͦchest dein eigennutz darinnen, oder jedermann loben und gefallen wilt: ist weder suer noch süsz, und bist also ein gaukelman 31ᵇ. also wenn du betrachtest durch den tod das dir die sonn würt undergon und dir die augen werden brechen, bleich und elend würst 34ᵇ. du magst dein gesind und kind strafen, doch so woltest immermeder (immerfort) also schelten oder lestern, das ist nit die meinung sancti Thome 35ᵇ. die viel mauls han, soltu nit reizen, solt nit holz ins feuer werfen 42ᵃ. du bist vorhin still gewesen und hast kein freud noch forcht gehabt, und bist nit parteiisch, sunder du bist in guͦter rug und in einem stillen wesen. aber so bald du nüw mär hörest, so fahest du an zu schwattichen und freuwest dich eines dinges, das du nit soltest thuͦn 70ᵃ. und den ganzen tag so thuͦst du nichts dan den leuten übel redest und schneidest in ir eer ab 82ᵃ. auch wol ohne vorangegangenes du, und bist ein gnadjunker und gnadfrauw worden und schamest dich das zu beichten 14ᵃ.
sag, dreck, was gelucks hast vor in allen?
Fastnachtssp. 216, 18.
bis wilkommen, du edler gast,
den sunder nicht verschmähet hast.
Luther im kirchenlied vom himmel hoch da kom ich her.
deinethalben, der dich römisch nennst.
Fischart Kehrab 321.
welch ein jammer, o sperling! armer sperling!
hast gemacht dasz mein trautes mädchen ihre
lieben äugelein sich ganz roth geweint hat
Ramler.
magst wollen oder nicht
Lessing.
füllest (mond) wieder busch und thal
still mit nebelglanz,
lösest endlich auch einmal
meine seele ganz,
breitest über mein gefild
liebend deinen blick
Göthe 1, 111.
anschaun, wenn es dir gelingt,
dasz es erst ins innre dringt,
dann nach auszen wieder kehrt,
bist am herrlichsten belehrt
3, 112.
q.
als substantiv.
ich wunscht daz ichz du solde sîn
Lichtenstein 50, 12.
vergleich dich auch mit deinem andern du (deiner frau),
nimm gleiches joch auf dich
Tscherning 228.
wer wil dich (wittwer) heiszen weinen,
dasz jetzt dein halbes du
gebracht ist in die ruh?
307.
lasz ihn (den tag), mein freund, nicht ohne lust zerrinnen.
dein ander du wird auch ein teil von hinnen
dort an sich ziehn, wird zeigen die begier
dich wiederumb zu küssen, ihre zier.
hier ist ein glas, trink deine liebste drinnen
360.
die überschrift auf deine höle (grab)
setz ich also, dein ander du:
schlaf, liebstes herz und edle seele,
in sanfter still und süszer ruh.
G. H. Weber Liebesflammen (1672) anhang 4, 13.
hier ist dein bild, mein zweites liebes du,
ich werfe weinend dann
ihm kusz auf kusz von meinen lippen zu.
gökingk Lieder zweier liebenden 52.
ja sie (die pest) ist der andere du, sie hilft dir würgen Bodmer Atreus und Thyest 2, 4.
trotz des schwärmenden getöses
bleibst du immer du
Voss 4, 258.
dies brüderliche du betrügt mein ohr,
mein herz mit süszen ahnungen von gleichheit.
Schiller 254ᵃ.
wenn ich du wäre, an deiner stelle, ist eine allgemein verbreitete redensart; in der Schweiz kann man hören 'wenn ich dich wäre'. gib mir auch das brüderliche du wieder, das du am morgen unserer trennung mir segnend nachriefest Kotzebue Dramat. spiele 2, 335. nachher redeten sie sich mit dem vertraulichen du an Tieck Ahnenprobe 71. Schmeller sagt in einem gedicht bruder Du für dutzbruder,
er bleibt des kürbenzäuners sohn,
er tische nun mit hochgebornen,
sei bruder Du mit auserkornen
zu stehen um des königs thron.
in der Altmark und im meklenburgischen wird auch das diminutivum duking als substantivum gebraucht.
mien leiwe duking, weist du denn nich?
Fritz Reuter Reis nach Belligen 16.
die redensart mit jemand auf du und du sein zeigt die höchste vertraulichkeit an. etliche machen nicht viel dicentes, sondern trinken einander auf ein vertrauliches du und du zu, mit versprechung einander bisz in den tod getreu verbleiben Ettner Medicin. maulaffe 330.
bist mit dem teufel du und du
und willst dich vor der flamme scheuen?
Göthe 12, 131.
und nun den ersten und zugleich den brautkusz und von nun an du und du Tieck Der gelehrte 32.
bin freundlich mit ihnen (den vögeln) auf du und du.
Clemens Brentano Ponce de Leon 123.
r.
wer in stillem denken wie im lauten monolog sich selbst anredet, wird, so lang er keiner innern spaltung sich bewuszt ist, nur ich gebrauchen.
mîn êwekeit, majestas, sprich,
dû mîn vernunft, ich dû, dû ich!
mîn geist entsprôz von dir, dô mich
dîn minne twanc, mîn minne dich
Frauenlob s. 17. 4, 7—10.
dein herz bist du, und du wirst doch wissen was in dir vorgeht Gellert 2, 35. wird aber der unterschied zwischen dem sterblichen menschen und der unsterblichen seele empfunden, so steht ein du dem ich gegenüber, und die rede richtet sich an jenes. Schiller drückt diesen zwiespalt so aus,
warum kann der lebendige geist dem geist nicht erscheinen?
spricht die seele, so spricht ach! schon die seele nicht mehr
92ᵇ.
was will ich noch? was kann ich noch verlangen? denkt oder spricht der dessen wünsche in erfüllung gegangen sind, aber auch herz, was willst du, herz, was verlangst du noch? bei dem denken also, dem schweigenden reden, wie in dem monolog können ich und du wechseln. die rede ist dann sinnlicher, ausdrucksvoller, der poetischen auffassung wie der volkssprache angemessener. denken gestattet den wechsel bei allen drei personen. man kann sagen ich denke ich kann zufrieden sein oder du kannst zufrieden sein, du denkst ich kann zufrieden sein oder du kannst zufrieden sein, er denkt ich kann zufrieden sein oder du kannst zufrieden sein. s. Personenwechsel 37 folg. wenn herz und leib mit einander reden wird die spaltung in zwei persönlichkeiten schon bestimmt vorausgesetzt, und von diesem fall sind unter c beispiele gegeben. Göthe erzählt (Dichtung u. wahrheit 26, 209) wie er selbstgespräche in zwiegespräche umgebildet, indem er eine person seiner bekanntschaft im geiste zu sich gerufen und mit dieser über den gegenstand gehandelt habe, der ihm eben im sinne gelegen. Angemessener scheint ich, wenn von einem raschen handeln die rede ist, ich denke ich zaudre nicht, ich eile fort, ich springe hinab. du bei ruhiger betrachtung, ich denke du bleibst noch länger hier, du bist zufrieden mit deiner lage, du verlangst nichts weiter. ich dachte 'was willst du nun thun'? er dachte 'du hast nicht klug gehandelt' so unterscheidet sich du und ich im selbstgespräche áer Athanais,
unsælegiu Athânâîs,
war tuostu dîne sinne?
gestatestu daz diu minne
dich verleitet als si manegen hât?
daz würde ein grôziu missetât.
swer dich sêre, deist dir guot.
ich tæte gern, möht ich den muot
von im gewenden; ich enkan
Eraclius 2806—2812.
wider sich selben er dô sprach:
bistuz Iwein, ode wer?
hân ich geslâfen unze her?
Iwein 3507.
und in einer stelle aus dem 17ten jahrhundert,
ich dacht bei mir selbst 'nun gehest du,
die blasen dir sonst den kopf so voll
dasz du davon würdst gleichsam toll:
drumb ists zeit dasz ich mich nicht seum'.
Ferber Armbrustschieszen (Dresden 1610) P 3ᵇ.
neben du geht das possessivum auf die erste person,
er gedacht in seinem sinne
'du muost dich heven aber aus
und steigen auf meins puolen haus,
so wirst du sehen durch das tach
waz sei tuo und waz sei schaf'.
Wittenweiler Ring 10ᵈ, 3—6.
ein kühner wechsel der ersten und zweiten person in folgender stelle, ich sagte zu mir selbsten, als ich solches (den schlechten zustand der soldaten) betrachtete 'wann ich feldherr wäre und einen hauptmann hätte, der nicht mehr vermöchte als du, so wolte ich ihn vorn teufel wegjagen Simpliciss. 1, 470. Lessing bezieht das pronomen auf die erste person,
Curd! Curd! das geht so nicht! lenk ein, wenn vollends
mir Daja nur was vorgeplaudert hätte,
was schwerlich zu erweisen stände?
2, 334.
einige beispiele von ich aus den altdeutschen gedichten, die sich leicht vermehren lassen.
vil leide er ime gedâchte
umbe Bônifaites lîp,
'daz ich ie in dirre bôsen zît
ouwê leider wart geborn!'
Graf Rudolf 28, 18.
dô ir daz herze wider quam,
dô sprach diu maget lussam
ir selber jâmerlîche zuo
'nune weiz ich leider waz ich tuo,
ouch enweiz ich waz mir werre'
Äneide 268, 9—12.
er dâhte 'wie gesihe ich sî'
Iwein 1425.
und dâhte dicke wider sich
'owê, nu verstân ich mich,
diu minne hebet mit disen an'
Gottfried Tristan 303, 21.
und gedâhte ouch iesâ wider sich
'ohî, ohî und fröuwe ich mich,
wie tuon ich ungetriuwe so?
411, 14.
ich denke erbûwe ich mir ein hûs
Tanhauser MS. 2, 67ᵇ.
lîse und tougenlîche alsô
gedâhter wider sich zehant
'mich hât der strengen minne bant
nû lange zît getwungen:
ich hân mit nôt gerungen
ze dicke und allen manegen tac.
Konrad v. Würzb. Trojan. krieg 16596.
aus der spätern zeit genügt ein beispiel,
ach denkt das veilchen 'wär ich nur
die schönste blume der natur,
ach! nur ein kleines weilchen'
Göthe 1, 180.
von dem 13ten jahrhundert an findet sich nicht selten du. in den classischen sprachen war es nicht üblich, wol aber in den romanischen, aus welchen es in einzelnen fällen kann übergegangen sein.
swaz mir geschiht ze leide, sô gedenke ich iemer sô,
'nû lâ varn, ez solte dir geschehen:
schiere kumet
daz dir gefrumet'
Hartmann Lieder 12, 20.
(und gedâht) 'daz ist ein zagehafter muot:
tuo in hin, er ist niht guot,
und underwint dichs nimmer mê'
Zweites büchlein 550.
her Iwein clagte und sprach (zu sich)
'unsælec man, wie verstu nû!
der unsæligeste bistû
der ie zwer werlde wart geborn'
Iwein 3960.
diu frouwe in sorgen lac verdâht
wâ sie verbürge ir lieben sun.
si dâhte 'alsô verbirgest dun
lîse und tougenlîche niht,
dîn ouge schiere an im gesiht,
dâ von dîn lîp muoz jâmer doln.
Konrad v. Würzb. Trojan. krieg 13778—13783.
die fortdauer in der folgenden zeit beweist dasz es eine heimische redeweise war. und gedacht er 'was wiltu nun anfangen' Eulenspiegel c. 52. wenn ich denn dachte 'du must doch hindurch' Schweinichen 1, 89. in solcher zeit gedachte ich 'wächst du vollends aus und erlangst die völlige stärke' Simpliciss. 1, 318. ich gedachte 'was wilt du thun?' 1, 338. gedachte 'wer wär alsdann an ihrem frühen tod anders schuldig als du?' 1, 605. alsdann fieng ich an mir mein vollkommen männlich alter zu wünschen, dann wann ich solches hätte (sagte ich zu mir selber), so nähmest du eine schöne junge reiche frau, alsdann kaufest du irgend einen adelichen sitz und führest ein geruhiges leben 1, 306. sehr häufig in der gemeinen und schlechten prosa des Hürnen Siegfried (1729), z. b. er gedachte 'nun ist es zeit dasz du deinem feinde vollends den rest gibst' F 3ᵃ. er gedachte 'weichst du da weiter' F 4ᵃ. sprach in sich selber 'gehest du' F 4. gedenkt bei sich selber mustu? F 6ᵃ. 'gehest du gleich hin', fieng sie zu sich selbsten an, 'so wirst du nur ein zeuge sein müssen wie verpflichtet er Merinen bedient und dich hergegen verachtet' Menantes (Hunold) die verliebte und galante welt (1702) 1, 120. 'ach unglückseliger!' fieng er endlich überlaut an, 'was hast du müssen empfinden! was must du hören und worzu solst du dich entschlieszen!' 2, 173. dachte der bauer 'heute abend hast du dein geld in der tasche' Hausmärchen 1, 45. auch die neuern dichter verschmähen es nicht. wenn ich manchmal dachte 'wie wird es mit dir aufs alter werden, wenn du zu schanden gehauen bist, wenn du nichts haben wirst? wenn du wirst betteln gehen müssen?' so dachte ich wieder 'nein, du wirst nicht betteln gehen, du wirst zum major Tellheim gehen, der wird seinen letzten pfennig mit dir theilen, der wird dich zu tode füttern, bei dem wirst du als ein ehrlicher kerl sterben können' Lessing 1, 557.
für diesmal nimm für lieb! hier ist nicht viel zu sinnen,
der augenblick macht luft, nur frisch mit dir von hinnen!
Göthe 7, 74.
was gabs? weh dir! vielleicht in wenig augenblicken
gib deinen schädel preis
7, 96.
du glaubst sie nahm das geld und traust dir das nicht zu.
7, 97.
sie wird dein sein! sie ist dein! 7, 126. 133. du bleibst, sei auf deiner hut! 8, 68 vergl. 42, 86. Johanna spricht zu sich
warum muszt ich ihm in die augen sehen!
die züge schaun des edeln angesichts!
mit deinem blick fieng dein verbrechen an,
unglückliche! ein blindes werkzeug fordert gott:
mit blinden augen musztest dus vollbringen!
so bald du sahst, verliesz dich gottes schild,
ergriffen dich der hölle schlingen!
Schiller 474ᵇ.
durch zufügung des eigennamens oder einer andern benennung wird dieses du verstärkt.
nû heia, Tanhûsære,
zegangen ist dîn swære,
swâ diu liebe bî dir wære
MS. 2, 62ᵇ. 64ᵃ.
'nein', dâhte er allez wider sich,
'lâ stân, Tristan, versinne dich.'
Gottfried Tristan 295, 32.
wê dir, sinnelôser man,
verirreter Tristan!
lâ disen blinden unsin,
tuo disen ungedanc hin
481, 9—12.
Tristan wider sich selben sprach
'Tristan, hœre, es ist genuoc,
Tristan, lâ den unfuoc,
des diu welt niht ruochet
und doch der sêle fluochet.
Tristan, lâ den unsin'
Ulrichs Tristan 498, 14. 19.
in solchem welthandel dachte ich 'nun helfe dir gott, Philander, mustu du dich in dise weltköpfe alle richten, was wird es noch für angst und arbeit kosten' Philander 1, 12. da gedachte ich dann 'hui Simplici, lasz dich adeln, und bekommt der kaiser eine eigene compagnie dragoner aus deinem säckel, so bist du schon ein ausgemachter junger herr' Simpliciss. 1, 306. da sagte ich dann oft zu mir selber, 'hui Simplici, meinst du auch wol es geschehe dir unrecht, wann dir einer wieder wett spielte was du zu Paris begangen?' 1, 410. nun wolan (gedacht ich), Simplici, du bist allein, solte dich nicht der böse geist zu vexiren unterstehen 1, 653. ich dachte bei mir selbst 'lieber Simplicissime, du hast dein lebtag vil wunderliche händel vorgestellet' 1009 Keller. doch was schierts dich, Laux, bekümmere dich nicht um andere leute, sondern siehe zu wie du deinen brief bestellest, damit du bald wieder fortkommst Schlampampe (1750) 25. Laux, es thut dirs wohl ein geringer hölzchen 31. nur frisch angefangen, Anton! Lessing 1, 248.
courage, Söller, fort!
Göthe 7, 61.
verfluchter ochsenkopf, bist du so alt geworden?
7, 95.
geh, memme, bösewicht, warum erschrickst du so?
7, 96.
elender mensch, dein wort hat ihn zu tode verurtheilt 8, 155. thörichter beschränkter mensch! und du siehst nicht dasz sich hier der weg zu deinem glück öffnet, den du so oft vergebens gesucht hast 14, 122. ich würde (zu mir) sagen 'du bist ein thor, du suchst was hienieden nicht zu finden ist' 16, 12. Auch bei dem lauten sprechen kann ich und du wechseln, doch nur in der zweiten person, du sagst ich bin glücklich und du bist glücklich.
s.
ihr der pl. für du erscheint zuerst im 9ten jahrhundert: Otfried redet den bischof Salomon, dem er einen theil seines gedichts widmete, damit an. sie soll ehrerbietung vor der höhern würde und den gröszern abstand des redenden von dem angeredeten ausdrücken, indem man annimmt es stehe nicht einer sondern mehrere gegenüber; in dieser beziehung sagt Helbling
selten ist deheiner,
er wære ouch vil gerne zwên
8, 428.
der pluralis majestatis den die römischen keiser seit Constantin in urkunden gebrauchten und die deutschen könige von ihnen annahmen, wird dabei eingewirkt haben. in Eckehards lateinischem Waltharius kommt einige mal vos vor wie im Rudlieb (Gramm. 4, 301). in den Altdeutschen gesprächen wechselt der sing. und pluralis. in den gedichten des 12ten jahrhunderts, in den büchern Moses, in Wernhers Maria findet sich ihres biblischen inhalts wegen nur du. im Rolandslied blieb das alte du in voller geltung, während in der altfranzösischen chanson de Roland vos gebräuchlich ist. doch im Annolied (467) wird gesagt dasz man den Julius Cäsar, um ihn zu ehren, geihrzt habe. im Graf Rudolf, in Lambrechts Alexander, Eilharts Tristrant, Veldekes Äneide, im Athis, im Eraclius ist die unterscheidung schon festgestellt und das pronomen reverentiae, wie man es nennt (Gramm. 4, 298) eingeführt. die in gleicher würde standen behielten du bei, aber der geringere muszte den höheren ihr anreden, während dieser ihm du zurückgab. als ein zeichen der demut wird von dem heiligen Ulrich erzählt
sînen gemazzen (tischgenossen) er beduzte
Alberus 451.
der gute Gerhard bittet aus bescheidenheit den fürsten der ihn ihrzte, dasz er ihn duzen möge (1480). du blieb für alle vertrauliche verhältnisse,
war umbe ich dich heize dû?
dast von rehter liebe.   frouwe, sprich,
hân ich dar an iender missesprochen,
daz lâz ungerochen,
wan ich mac des lâzen niht,
swaz dar umbe mir geschiht,
als herzeclîche minne ich dich.
Schenk v. Limburg MS. 1, 58ᵇ.
es ward von einem bruder verlangt: der mächtige Feirefîz sagt zu Parzival
'Jupiter hât sînen vlîz,
werder helt, geleit an dich.
dû solt niht mêre irzen mich:
wir heten bêd doch éinen vater.'
mit brüederlichen triwen bater
daz er irzens in erlieze
und in duzenlîche hieze.
Parzival 749, 16—22. vergl. 814, 19.
nein, herre, sô niht sprechet,
sî ez an iuwern hulden,
daz ir an uns niht brechet
mit irzen nâhe sippe die von schulden
duzende iuwer munt solte bieten.
Jüng. Titurel 1736.
wie viel man auf die unterscheidung im 15ten jahrhundert hielt, zeigt eine stelle in Wittenweilers Ring
Bertschin det daz schelten we
und das düczen dannocht me
9ᵈ, 29.
beide redeweisen konnten sich mischen bei veränderten zuständen oder schwankenden stimmungen. der kaiser Friedrich I. gab, wenn er gereizt war, dem pabst du zurück, den er sonst ihrzte, wie umgekehrt der pabst, wenn er ihm schmeicheln wollte, ihr gebrauchte. es ist wol dichterische freiheit, wenn Walther von der Vogelweide den könig Philipp in seinen liedern (9, 15. 16, 37—39. 19, 17 folg.) du anredet, den herzog Liupolt von Östreich du (32, 5. 35, 17) und ir (28, 11 folg.). die feinen unterscheidungen die im 13ten jahrh. statt fanden, sind in der Grammatik 4, 304—306 angegeben. auf die auszeichnung die in ihrzen lag, wird mehrmals hingewiesen.
mit irzen sie dâ beide einander hôhen prîs dâ wolten mêren.
Jüng. Titurel 1737.
ob er möhte understên
daz in sîn friunde erliezen
und in niht dû hiezen,
des dûht er sich alsô hêr.
dâ von sag ich iu niht mêr.
ez sint her bî mînen tagen
ze tôde mêr dan drî erslagen,
die ir genôze hiezen dû
Helbling 8, 430—437.
ihrzen drückte man lateinisch durch vobisare aus Diefenbach Glossarium latino-germanicum 627. dieses ihr galt bis in die mitte des 18ten jahrhunderts, wie alle höflichkeitsformen, immer weiter um sich greifend und daher an gewicht immer mehr abnehmend. es konnte auch wie du verstärkend vorangestellt werden, ihr landsmann, ist das lied eure eigne erfindung? Christ. Weise Klügste leute 235. ihr plappertasche, hättet ihr nicht schweigen können Schlampampe 51. ach Eckart, ihr seids, ihr blutkerl! Ettner Unwürd. doctor 333. nun, ihr matztappe, macht fort, ehe der wein kalt wird 346. in Baiern ward im jahr 1652 ein kurfürstlicher befehl gegeben das, wan der (vom kurfürsten nicht anerkannte) fürst Meinrad von Hohenzollern sich irzet, als wür, uns, kein schreiben von ihm angenomen werden solle Schmeller 1, 98. in Baiern sagt man auch noch das ding ist zum ihrzen verdient lob, das ist ein bier zum ihrzen, ital. una birra da dirle voi. der mann sagt zur frau du, die frau zu ihm ihr Schweinichen 3, 251. 253. Schauspiele des herzogs Heinrich Julius v. Braunschw. 7. 87. 577. 578. Gryphius läszt den könig Theodorus, der von sich das majestätische wir gebraucht, zu Peter Squenz ihr sagen 728—731. Menantes (Hunold) geht in seinen romanen von ihr und du nicht ab. Friedrich der grosze ward in den briefen seines vaters ihr angeredet, dem er sie zurückgab; s. Preusz Urkundenbuch zur geschichte Friedrich II. in Cabale und liebe spricht der kammerdiener zu der vornehmen lady ihr Schiller 189ᵃ. gegenwärtig ist es in der umgangssprache fast ganz verschwunden, in besondern verhältnissen kann es wol noch gebraucht werden, und bildet dann ein mittelglied zwischen du und sie. doch in der idealen dichtung, in der dramatischen und epischen, dauert es fort, neben du, nach der verschiedenheit der verhältnisse. so erwidert Nathan (Lessing 2, 272. 273) im gefühl des eigenen werthes du, womit ihn der sultan anredet, während er dem tempelherrn gegenüber ihr gebraucht. in Göthes Clavigo ist ihr eine vermittelung zwischen du und sie, im Götz, Egmont und im ersten theil vom Faust herscht es vor, in dem zweiten du. Schiller gebraucht in den Räubern und im Wallenstein du, ihr und sie, in der Jungfrau, Turandot, im Tell und Demetrius kein sie, in der Phädra nur du. im Oberon wendet Wieland ihr öfter an, in Göthes Hermann und Dorothea ist es regel, dagegen unzulässig in der Luise von Voss, die sich über die wirklichkeit nicht erhebt. auch in Göthes Reinecke vos ihrzen sich die thiere, und nur bei leidenschaftlicher erregung oder aus geringschätzung tritt du ein. Das verbum steht natürlich auch im pluralis, aber das folgende relative pronomen behält den singularis, man sagt unglücklicher, der ihr seid! böser verräter, der ihr seit Boccaccio 2, 124.
t.
noch weitere entfernung zwischen den redenden wird bewirkt wenn die dritte person des sing. die zweite vertritt. man will damit ehrerbietung beweisen und andeuten dasz das verhältnis keine vertrauliche nähe gestatte; doch kann auch ironie dabei statt finden. von dieser widernatürlichen redeweise die bei andern völkern selten vorkommt (vergl. Personenwechsel 11), findet sich im ahd. und mhd. kein beispiel. sie hat sich erst in der zweiten hälfte des 16ten jahrhunderts geltend gemacht.
α.
ein appellativum bezeichnet die würde des angeredeten, oder das verhältnis zwischen den sprechenden. in einem drama des herzogs Julius von Braunschweig (1594) sagt der wirth zu dem junker Vincentius Ladislaus 'der junker hat ja nach mir gesendet, was ist sein begehr?' 514. es ist alles fertig, wenns dem junkern nur geliebet' 515. als er in die bütte mit wasser gefallen ist, sagt der lustige rat zu ihm wie gefellt dem herrn das badt? 553. wann es dem herrn nit zuwider wäre oder er zu antworten nicht bedenkens, so möchte ich gerne wissen wo der herr daheimb wäre Isaac Winkelfelder (Augsb. 1617) s. 185.
mein herr verzeih, ich weisz wie wahr sothanes scherzen.
A. Gryphius 225.
mein herr sieht sonnen hier, und gleichwol seh ich nacht
das.
so musz mein herr eines ziemlichen alters sein 774. was ich der jungfrauen versprochen und verspreche, bin ich stäts willig zu leisten, ob mir wol bewust dasz ihr an meinen geringschätzigen diensten wenig oder gar nichts gelegen 777. die (beiden) jungfrauen halten für ihre lust mit uns ein wenig zu scherzen 778. mein herr sieht in welchem lande dieser brief geschrieben ist Chr. Weise Klügste leute 78. der herr wird ihm belieben lassen vor mir in den busch zu gehen Simpliciss. 1, 260. der herr wird ihm nicht zuwider sein lassen sich vor diszmal in die zeit zu schicken das. der herr ist frisch und jung, er ist müszig und schön, er lebet ohne sorge, und, wie ich vernehme, in allem überflusz 1, 328. dort liegt eine kappe, die musz der herr ohne das aufsetzen, wann er von hier aus zu ihr geführt wird. bitte und ermahne demnach den herrn, so hoch als ich immer kan, er erzeige sich gegen dieser dame, wie es ihre hoheit meritiret 1, 369. der herr thue nach seinem belieben 1, 536. was beliebt meinem hochgeehrten herrn? 2, 6—10. mein hochgeehrter herr beliebe meiner vorwitzigen jugend zu vergeben 2, 11. mein bruder (antwortet Springinsfeld gar ehrerbietig) vergebe mir vor diszmal und sei mit mir zufrieden 2, 13. Isaac. bist du hier, mein sohn? Esau. ja, meinem herrn vater zu dienen Chr. Weise Comödienprobe 66. dafür lasse der herr mich sorgen Schlampampe 1, 55. ist denn der herr bruder nicht verheirathet? Ettner Medic. maulaffe 321. in Lessings Nathan reden sich der tempelherr und der klosterbruder mit ihr an, aber letzterer, um seine verehrung zu bezeigen, gebraucht auch daneben herr in der dritten person.
nehm sich der herr in acht mit dieser frucht
2, 214.
tempelh. ihr kennt mich schon nicht mehr?
klosterbr. doch doch! ich glaubte nur dasz ich den herrn
in meinem leben wieder nie zu sehen
bekommen würde.   denn ich hoft es zu
dem lieben gott.   der liebe gott der weisz
wie sauer mir der antrag ward, den ich
dem herrn zu thun verbunden war
2, 296. 297.
wozu der lärm? was steht dem herrn zu diensten?
Göthe 12, 69.
Mephist. wollte nach frau Marthe Schwerdtlein fragen!
Marthe. ich bins, was hat der herr zu sagen?
12, 150.
ich fühl es wol dasz mich der herr nur schont
12, 160.
trinkt mein sohn auch ein gläschen fürs nüchterne?
Voss Luise 1, 172.
gefällt es meinem könig platz zu nehmen?
Schiller 570ᵃ.
β.
der eigenname der dritten person wird genannt, wie kinder die zu reden anfangen, ich damit ausdrücken. beispiele zeigen sich erst im vorigen jahrhundert. Damis. nun? geht Lisette nicht mit? Lisette. ich bin ihre gehorsamste dienerin. wenn sie befehlen, so werde ich gehorchen Lessing 1, 223. D. Lisette spricht so albern nicht 1, 224. Minna. sie haben sich doch wohl nicht blosz gezieret? Tellheim. gott! so kann Minna sprechen! 1, 581.
oder ersinnt mein Karl noch ein anderes mittel?
Voss Luise 1, 172.
wo mir Amalie wagt mein armes kind zu verspotten
2, 415.
liebt mich meine Louise noch? Schiller 184ᵃ.
γ.
in den beiden angeführten fällen steht das verbum immer im sing., doch bei hohen würden, wie majestät, hoheit, durchlaucht, excellenz und ähnlichen, pflegt man, um noch gröszere ehrerbietung an den tag zu legen, den an sich unnatürlichen pluralis zu gebrauchen. Heinrich von Eppendorf sagt noch (1545) in der übersetzung der dänischen chronik von Albertus Kranz in der vorrede zu dem könig von Dänmark sodann nuͦn vsz gnaden gottes e. k. maiestat der selbigen land ein mechtiger kunig und herr ist, e. k. maiestat erkundiget hat. Jac. Ayrer sein majestat hat mir befohln Comöd. 47ᵇ. eur majestat die woll verschonen Tragöd. 53ᵃ. ihr majestat meints treulich gut 140ᵃ. beispiele beginnen am ende des 16ten jahrhunderts. es werden e. f. durchleuch. kaum glauben können Schauspiele des herzogs Heinrich Julius v. Braunschweig 531. gnädiger herr, wir zweifeln nicht e. f. durchl. werden in ihrem lande viel wilde schwein haben 534. e. f. durchleuchtigkeit verzeihen uns das wir fragen 535. wir wissen das e. f. durchl. lust haben nach gensen, kranischen und anderm federwildpret 536. fürwar, gnädiger herr, das ist nicht gut das e. f. durchleuchtigkeit die kerne essen das. haben e. f. durchleuchtigkeit auch falken? 538. e. f. durchleuchtigkeit werden ohne zweifel einen guten reitschmid haben? 550. ewre f. durchleuchtigkeit wissen was wir mit derselben geredt haben in vertrawter sache 552. alle diese stellen kommen in dem lustspiel Vincentius Ladislaus (1594) vor, Joh. Sommer Cycnaeus brachte (1599) dieses stück in gereimte verse, worin er zwischen dem sing. und pl. schwankt.
es mögens ewr gnaden gleuben nicht
701.
haben ewr gnaden auch falken hier?
703.
dagegen,
das ist ewr gnaden trawn nicht gut
das sie die kern mit essen thut
700.
es ist uns newlich wurden erzehlt
das ewr gnaden ein gut music helt
704.
ewr fürstliche durchleuchtigkeit
weisz was wir nur vor kurzer zeit
vertrawter sach geredet han
727.
Opitz sagt in der zueignung der geistlichen poemata zu der herzogin Sibylle von Schlesien (1637) ew. fürstl. gnaden sind unter so groszen edelen tugenden mit der gottesfurcht so viel mehr begabt, und so ferner. ihre majestat werden sich ob der guten leut (der schauspieler) einfalt und wunderlichen erfindungen nicht wenig erlustigen A. Gryphius 727. ihre majestät werden wunder sehen 731. wollen ihr liebden so gnädig sein? Christ. Weise Comödienprobe 7. ihre fürstliche durchlaucht sein nur so gnädig und lassen mich weiter reden das. ihre durchlaucht halten es mir zu gnaden 8. ihre durchlaucht geben mir den abschied das. schönste princessin, euer liebden befehlen etwas das mir anstehet 23. kennen ihre durchlaucht herrn Isaac nicht? 35. ihr gnaden entrüsten sich nicht über den diener ders. Klügste leute 237. nun wissen aber eu. hochgräfl. excellenz dero hohen vernunft nach, wie übelanständig, ja unverantwortlich einem soldaten fallen würde, wann er solchen ort, wie dieser ist, dem gegentheil ohne sonderbare noth einhandigte. wessentwegen dieselbe mich dann verhoffentlich nicht verdenken werden, wann ich mich befleiszige zu verharren bisz die waffen eu. excellenz den ort zusprechen Simpliciss. 1, 286. euer excellenz können mich mit billigkeit um diesen verlusts willen nicht aufhängen lassen 2, 50. 'mit diesem tractament' sagte ich zum obristen, 'wollen euer excellenz verlieb nehmen 2, 51. aber madame werden erlauben Menantes Die verliebte und galante welt (1702) 2, 129. ew. herrlichkeit werden ohnfehlbar von dem langgewachsenen barte belästigt werden Cavalier im irrgarten 205. mein englisches fräulein werden mir dennoch erlauben 440. wolten aber der herr v. A. mir eine einzige gefälligkeit noch erweisen 568. vergessen ew. excellenz nichts Schiller 185. ew. excellenz schalten und walten im land 193. nach dem was ew. excellenz mir gesagt haben 195. Mephistopheles sagt zum Faust ironisch
herr doctor wurden da katechisiert:
hoff es soll ihnen wol bekommen
Göthe 12, 184.
geringe leute gehen noch weiter herab, die frau Miller sagt zu dem secretar Wurm wie der herr sekertar selber die einsicht werden haben Schiller 182ᵇ.
δ.
gröszern einflusz hatte die einführung der dritten person des persönlichen geschlechtigen pronomens, auch ohne dasz sonst eine anrede vorher gieng. es muste nun er und sie unterschieden werden. bei dem herzog Heinr. Julius v. Braunschw. ist diese neuerung noch unbekannt, er braucht blosz du und ihr mit richtiger unterscheidung, wie auch Jac. Ayrer (1618). Opitz aber schreibt (1637) in der zueignung des zweiten bandes an Dieterich v. Werder ich gestehe es, hochgeehrter herr obrister, es ist genug, dasz er meine reimen lieset und könnte ich ihn wol mit dem schreiben verschonen. aber er wolle solches auch lesen den reimen zu ehren. bei Andr. Gryphius zeigt sich die dritte person in voller geltung in der tragödie wie im lustspiel, mithin wird sie in der ersten hälfte des 17ten jahrhunderts aufgekommen sein. Cardenio findet die Celinde im grab.
Card. o gott, was find ich!   Cel. ach, ich sterb in höchster noth.
Card. ist disz Celinde? will mich ein gespenst erschrecken?
Cel. will mich Cardenio aus dieser gruft erwecken?
Card. Celinde, schau ich sie?   Cel. schickt ihn der himmel mir?
Card. zu ihr in diese gruft!   Cel. mein herr, ich sterb allhier!
Card. ists möglich dasz ich sie Celind allhier soll schauen!
Cel. er schaut mich hier verteuft (versenkt) in unerhörtes grauen.
Card. wer führt sie in ein grab?   Cel. verzweifeln, herr, und er.
Card. o grauses wunderwerk!   Cel. mir leider viel zu schwer.
wofern sein hasz auf mich noch wie vorhin erbittert,
so schau er auf mein herz das in der angst erzittert,
in die es sich gestürzt, mein herr, um ihn allein
und stosze seinen stahl zu enden diese pein
durch die entblöszte brust.   dafern er mit mir armen
mitleiden tragen mag, so woll er sich erbarmen
und führe mich von hier
235.
Cel. er rette wo er kan! er rette mich betrübte!
er rette dieses herz das ihn so herzlich liebte.
Card. sie steige zu mir auf.   Cel. es hält mich etwas an!
doch schau ich nichts als ihn.   er reiche (wo er kan)
mir den beherzten arm.   o gott, lasz uns von hinnen!
Card. Celinde, möcht ein mensch so fremden fall ersinnen!
wie kommt sie an den ort bei ungeheurer nacht?
236.
meine himmlische! wil sie ein probestück meiner stärke sehen, sie sage nur ein wort, ich wil eine gröszere that verrichten 774. ach, mein herr Palladi, wie ist er so freigebig mit dienstanbietungen und so fest (tenax) mit der lieferung! 777. ei, herr Palladi, er eile doch nicht so heftig 778. die jungfrau verzeih, ich seh dasz eine person sie ansprechen will: sie fahre wohl 779. sie liebe was sie liebet und lasse fahren was nicht bleiben will das. ich bitte sie (mehrere) treten etwas hinter die tapete und hören unsern reden mit geduld zu 829. günstiger leser, ich erzehle diese geschichte nicht damit er viel darüber lachen solle Simpliciss. 1, 113. was mich anbelangt, so will ich ihm ein fähnlein geben, wann er will 1, 342. sachte sachte, mein hochgeehrter herr landsman, er lasse diese unnötige gedanken aus dem sinn 1, 369. monsieur Schönstein, ist ers? oder ist ers nicht 1, 397. und gewislich, mein freund, sei er versichert dasz ich mir oft ein gewissen daraus mache 2, 15. ich bitte er fahre nur fort, oder er fahe doch vielmehr an zu erzehlen 2, 19. dieses er und sie war im 17ten jahrhundert höflicher als ihr, das nur über du stand. die vornehmsten personen werden damit angeredet. schönste princessin, sie mache ihren unterthänigen diener zum sclaven ihrer gedanken Chr. Weise Comödienprobe 24. Esau. schönste princessin, sie wende die augen nur auf mich. Basmath. mein lieber unbekandter, er kann die strasze gehen, wenn er will 34. schönste Basmath, sie verhindert mich, sie nöthiget mich 168. 'ach mein engel' sagte sie (die frau zu dem mann), 'was will er mit dem ungesunden wein in dem leibe? er gedenke doch dasz er durch einen jedweden becher etliche tage von seinem alter und noch einmal so viel blutstropfen von meinem herzen absaufen musz. ach, er thu den becher weg!' ders. Erznarren 18. Liszgen. aber ich fürchte mich vor ihm, herr doctor. Chremes. darzu hat sie keine ursach 132. ich will nicht hoffen, hr. doctor, dasz er meiner mutter wird was unfreundliches zutrauen 133. ach, jungfer Liszgen, sie rede nicht wider ihr gewissen 134. was will er doch vor vergnügung in dieser grausamen wohnung holen? ders. Klügste leute 217. und so in den übrigen gesprächen dieser romane. in dem Machiavellus desselben verfassers erhält der schulmeister Scibilis er und ihre claritäten, gibt aber den candidaten die um die pickelhäringsstelle nachsuchen, ihr zurück. in einem liede sagt Weise
ach! wie geht es immer zu,
die verliebten herzen
heiszen nicht einander du,
wann sie freundlich scherzen:
alles heiszt nur er und sie.
Überflüssige gedanken L 2.
frau mutter, sie schweige nur stille Schlampampe 40. frau mutter, komme sie nur herein und lege sich ins bette, ehe sie kränker wird: sie sieht indem ganz blasz aus Schlamp. (1696) 41. frau mutter, sie sage nur ob sie uns neue kleider will machen lassen Schlampampe (1755) 6. er denke doch nur 15. Eckart sagte zu Siegfrieden 'hr. sohn, was meinet er, will ihm die lust zum studio medico noch vergehen?' Ettner Unwürdiger doctor 204. mademoiselle, sie gebe sich zufrieden. sie lebe unterdessen vergnügt 418. in der Felsenburg wird der ehrwürdige altvater mit er angeredet, gibt aber nur ihr zurück (2, 518), wie vater und groszvater den enkel ihrzen (1, 5. 23). mein lieber landsmann, er erzeigte mir hiermit einen besondern gefallen Cavalier im irrgarten 302. mein freund, ich bin ihm sehr verbunden für seine bemühung 366. der fürst ward seiner bestürzung gewahr, fragte derowegen 'wie, mein Elbenstein, will er mir nicht diesen gefallen erweisen?' 374. da Elbenstein etwas näher kam, sagte der fürst 'so will er denn schon wieder von mir wegziehen?' 'hernach will ich ihm seine entlassung geben' 375. als schüler trugen wir nicht eher degen als ein jahr zuvor, ehe wir die universität beziehen solten. anstatt uns der rector zuvor ihr betitulte, so nennete er uns bei empfang des degens er Leipz. avanturier 1, 72. der rector und seine frau nenneten uns nicht mehr ihr, sondern er; dieses machte uns doppelt stolz 1, 75. könig Friedrich Wilhelm I. gebrauchte in seinen unterredungen wie in den an den rand geschriebenen entscheidungen er. ebenso redeten bis an das ende des 18ten jahrhunderts die fürsten ihre beamten mit er an, der edelmann seinen gerichtshalter, der pfarrer den küster, der lehrer den schüler der höheren klassen. es lag nichts herabwürdigendes darin und bezeichnete nur die verschiedenheit des verhältnisses. der vormund sagt zum mündel ei, Leander, so jung und er hat sich schon ein mädchen ausgesehen? Lessing 1, 464. Ferdinand redet in Cabale und liebe den vater seiner geliebten immer damit an, wie der präsident den secretar Wurm, sieht er, mein lieber Wurm Schiller 185ᵃ u. s. w. zur Louise sagt der präsident auch sie, hoff ich, wird ihre gunst nicht verschenkt haben 193ᵃ. die lady zu dem mädchen Louise nennt sie sich? wo will denn sie hinaus? 203ᵇ, sie wechselt mit du. wo sie des pl. noch nicht eingeführt war, gebrauchte es auch der geringere dem höheren gegenüber. der bauer spricht
'herr amtmann, wie gesagt, erstatt er nur bericht,
wir mögen diesen herrn (zum pfarrer) nicht haben'
'so sagt doch nur, warum denn nicht?'
'er hörts ja wohl, er hat nicht solche gaben
wie der verstorbne herr'
Gellert 1, 204.
Louise sagt zu ihrem vater beständig er, ich versteh ihn vater, fühle das messer das er in mein gewissen stöszt Schiller 183ᵇ. was sagt er da? was? das. seh er nur um sich, vater 208ᵃ. bei Lessing wird die kammerjungfer mit sie angeredet, um gottes willen, liebe Lisette, dasz er nicht merkt dasz sie sich so lange bei mir aufgehalten hat, geh sie hurtig unterdessen in das kabinet Lessing 1, 225. thut sie doch ganz fröhlich, mein jüngferchen 1, 236. hat sie auch schon davon gehört, Lisette 1, 258. das geht zu weit, Lisette, traut sie mir keine überlegung zu? 1, 261. will sie mich alsdann noch, jungfer Lisette? 1, 288. Göthes mutter schreibt an Friedrich von Stein, den zwölfjährigen knaben, den sie sonst immer sie anredet, lieber Fritz, erinnert er sich noch, wie wirs zusammen sangen? Briefe von Göthe und dessen mutter an Friedr. v. Stein 95. Voss läszt in der Luise den pfarrer seinen eidam beständig erzen.
hört er, mein sohn, wie sie waltet, die herscherin?
1, 39.
üb er denn seinen beruf mit freudigkeit stäts wie Johannes
2, 126.
nehm er sie hin, mein sohn, das kind ist sanfter gemütsart
3, 360.
die dienstleute, für die sich das städtische sie nicht schickt, gebrauchen der herschaft gegenüber er und sie: die magd spricht zur braut
jungfer, mich sendet mama,   ob sie nicht ein wenig hinaus kommt
3, 453.
Hans zu Walther
hat er nicht immer gehört, herr bräutigam, dasz u. s. w.
3, 492.
Mephistopheles sagt zu der Marthe
lasz sie doch ja für ihn (den verstorbenen mann) dreihundert messen lesen
Göthe 12, 157.
bei verstimmungen, plötzlicher entfremdung geht man in er über. der vater sagt zu dem sohn den er sonst duzt, seit wenn ist denn das ei klüger als die henne? he? herr doctor, vergesz er nicht dasz ich vater bin Lessing 1, 27. bleib er mir, herr informator, mit den possen weg das. der prinz sagt in der aufwallung ich habe zu fragen, Marinelli, nicht er 2, 124. Faust zu Wagner den er sonst ihr oder du anredet,
such er den redlichen gewinn!
sei er kein schellenlauter thor!
Göthe 12, 37.
Sibel zu Mephistopheles
was, herr? er will sich unterstehen
und hier sein hokuspokus treiben?
12, 116.
Mephistopheles höhnend zu Faust
und kurz und gut, ich gönn ihm das vergnügen
gelegentlich sich etwas vorzulügen
12, 173.
Werther sagt zu einem dienstmädchen soll ich ihr helfen (das gefäsz auf den kopf heben), jungfer? Göthe 16, 11. der schlichte Hermann erkundigt sich wer Pamina und Tamino sei:
alle schwiegen darauf und lächelten, aber der vater
sagte 'nicht wahr, mein freund, er kennt nur Adam und Eva?'
40, 259.
dieser gebrauch des pronomens kommt jetzt immer mehr ab.
ε.
es ist schon oben (t, γ) bemerkt dasz wenn eine hohe würde angeredet ward, man gegen das ende des 17ten jh. anfieng das verbum im pl. zu setzen. so auch auszer der anrede, ihre durchlaucht, der herr vater, wollen bald hier sein Chr. Weise Comödienprobe 78. seine durchlaucht der herzog empfehlen sich mylady zu gnaden Schiller 189. der hofmarschall Kalb stehen im vorzimmer 205ᵇ. man that auch den letzten schritt und setzte statt der würde das blosze pronomen in der dritten person des pl. dieses sie das als der höchste grad der höflichkeit galt, begann in der zweiten hälfte des 17ten jahrhunderts. sie lassen mich nur ausreden Chr. Weise Klügste leute (zuerst 1673) 101. wie stehts, herr bürgermeister, haben sie ihren organisten eingebüszt? nun müssen sie einen andern annehmen 206 ders. in der Comödienprobe (1695), wo meist fürstliche personen auftreten, erscheint sie als regel mit wenigen ausnahmen, wo noch die dritte person des sing. oder die zweite des pl. gilt. nur einige beispiele daraus, verlangen sie bogen und pfeile? die sollen bald vorhanden sein 23. B. ach himmel, wo bin ich? E. schönste princessin, wo sie zu befehlen haben 33. Esau sagt zu Isaac der als ein könig betrachtet wird, mein herr vater, haben sie von dieser fabel auch etwas vernommen? 66. sie lassen mich aus diesem verdacht gesetzt sein 68. durchlauchtige princessin, ich hab es nicht verschuldet dasz sie zweifeln wollen 69. gnädigste princessin, sie halten mir eine kühnheit zu gnaden 70. ach schönste Basmath, haben sie die gewalt über mich gehabt die gedanken und die seele selbst an sich zu locken, ach so lassen sie nur einen blick von einer neuen gnade gegen mich hervor brechen 72. 73. schönste Basmath, sie geruhen in ihrer seele nachzusuchen 75. mein herz (sagt der fürst zu seiner gemahlin) sie haben das meiste zu sprechen und lassen sich mit keinem wort vernehmen 82. gnädigste frau, sie scherzen mit einem titel der mir sonst nicht ansteht 104. Stieler sagt in der zuschrift seines Sprachschatzes (1691) zu dem herzog Anton Ulrich v. Braunschweig was aber eu. hochfürstl. durchlaucht, gnädigster herzog, betrifft, so sind dieselbe dieser wehrtesten hochteutschen sprache selbsten ein höchst erleuchteter meister, mächtigster vermehrer, und aller undertänigsten nachfolge preiswürdigster vorgeher, wie sie solches mit eigner hochfürstlichen hand durch unsterbliche schriften, gleich einem keiser Julius, dargethan haben. mit übergang aus der dritten pers. sing. wann mein herr öfters die beschwerung hat, so können sie in München ihnen das oleum scarabaeorum majalium kaufen und mit sich nehmen Ettner Unwürd. doctor (1697) 775. bald gieng es auch auf geringere stände über. sie sagen von keiner aufwartung nicht, sondern ihr befehl wird mein wille sein Schlampampe (1696) 35. sie lassen sich nicht abhalten, mein herr doctor 59. in einem schauspiel, Der schlimme causenmacher (1701), sagt der schreiber eines advocaten zu der tochter eines schenkwirths in geziertem stil mademoiselle, sie vergeben mir, ich merke aus ihrem sonst schönen angesichte dasz sie sich über etwas offendiret befinden. meinen sie dasz ich würdig sei die deroselben erzeigte schmach zu rächen, so soll meine faust und dieser degen zu ihren diensten stehen 44. mademoiselle, sie geben sich nur zufrieden und erkundigen sich erst ob solches auf des richters verordnung geschehen. erinnern sie sich denn etwa eines feindes der lust hätte sie vor gericht zu vexiren 45. bei andern wird er oder der herr gesagt. in dem roman Die verliebte und galante welt von Menantes (Hunold) vom j. 1702 reden sich die vornehmen leute gewöhnlich mit ihr an, doch in dem zweiten theil, wo die gezierte und schwülstige sprache auf die spitze getrieben wird, kommt auch einigemal sie vor. sie wähnen nicht als ob wir sie dadurch zu neuen versicherungen einer treue von etlichen wochen bewegen wollten 2, 47. sie sah ihn aber mit einer nachdenklichen miene an und sagte 'wo sie es ungütig nehmen dasz (ich) die masquenfreiheit gebrochen, habe ich es verdienet 2, 104. haben sie einen guten freund gesucht das. ihr unglück wird zu überwinden sein, wenn sie sonst nichts als dieses zu beklagen 2, 113. ob sie meine freundschaft vor so hoch und schön gehalten haben, sollte fast zweifeln, weil sie damit nicht zufrieden, sondern um mehr baten 2, 130. hilf himmel, madame, wie kommen sie auf die gedanken? 2, 148. Polylogus sagt zum kaiser Theodosius
was quälet sie für ein verborgner schmerz
den man an ihrer stirne liest?
Günther 970 (1715).
Joh. Seb. Bach schreibt (1733) an deu kurfürsten von Sachsen sie wollen dieselbe (die von ihm überreichte arbeit) nicht nach der schlechten composition sondern nach dero weltberühmten clemenz mit gnädigsten augen ansehen und mich dabei in dero mächtigste protection zu nehmen geruhen Westermann Monatshefte 1857 462. Ludw. Schnabel gebraucht in der Felsenburg (1731—1734) und in dem Cavalier (1738) in der regel ihr und er nach ihrer abstufung, doch, wiewol nicht häufig, auch sie, vornehmen leuten gegenüber, wenn unterwürfigkeit soll ausgedrückt oder geschmeichelt werden, auch wol in ironischer rede. als ein studirender werden sie vielleicht besser als andere ungelehrte zu begreifen wissen wie u. s. w. Felsenb. 1, 9. sie belieben allzu vortheilhaftig von ihrem diener zu sprechen 1, 17. gestrenger herr, sie können nicht glauben was maszen u. s. w. 2, 30. daferne sie, allerschönstes fräulein, demselben nicht dero unschätzbare gegengunst zur erquickung gönnen wollen 2, 103. madame, vor dero besondere gnade und gütigkeit, die sie mir elenden erstlich ohne mein wissen, nachhero aber durch sichere merkmahle erwiesen, schätze ich mich verbunden ihnen mit meinem blute zu dienen 2, 113. mademoiselle, warum nehmen dann sie keinen theil an den lustbarkeiten bei der musik? 3, 150. da sie (madame) ihre messures weiter nach belieben nehmen können 3, 137. jedoch ich gratulire ihnen zur glücklichen niederkunft, bedaure dasz sie mich etliche wochen daher (wo es anders wahr ist) geliebt haben und bitte sie wollen sich deszfalls keine weitere mühe geben 3, 437. nun, mein herr, haben sie sich diese nacht eines andern besonnen? Elbenstein antwortet mein herr gebe sich doch ferner keine mühe Cavalier 189. erschrecken sie nicht, mein herr, ich bin kein gespenst 206. gebrauchen sie sich doch der gelegenheit 212. bedaure von herzen dasz sie nicht ruhig schlafen können 245. 'ach, mein werthester Elbenstein', antwortete das fräulein, könnten sie nur in mein herze sehen 452. madame, sie suchen vielleicht ein wort von mir heraus zu locken, welches mir das leben kosten soll 508. ich glaube dasz sie mich aufrichtig und getreu lieben würden 563. indessen entschlagen sie sich der übermäszigen liebe 568. dagegen als Gellert schrieb (1743—1769) war diese redeweise völlig durchgedrungen und der notwendige ausdruck der höflichkeit; so erscheint sie auch in dem Leipziger Avanturier (1756). ihr trat daher in der umgangssprache fast ganz zurück. Cleon (der vater) ja, indem herr Damis z. e. zu dir spricht 'mein schönes Julchen, ich habe dich' — Julchen. o er heiszt mich sie, er würde nicht du sprechen, das wäre sehr vertraut, oder doch wenigstens unhöflich. Cleon. nun nun, wenn er dich auch einmal du hiesze, deswegen verlörst du nichts an deiner ehre. hat mich doch die selige frau, als braut, mehrmals du geheiszen, und es klang mir immer schön Gellert 2, 36. die dritte person im sing. oder ihr wäre in den verhältnissen die Gellert in seinen dramen schildert, unstatthaft gewesen. Lessing und Schiller haben sie in das höhere drama eingeführt, der marquis Posa sagt zu Don Carlos
jetzt endlich hör ich meinen Carlos wieder:
jetzt sind sie wieder ganz sie selbst
Schiller 253ᵃ.
wir finden es in der Emilie Galotti, in den Räubern, dem Fiesco, Don Carlos, Wallenstein. Göthe gebraucht es im Clavigo nur mäszig. Voss läszt es in der Luise mit recht zu,
nehmen sie mirs nicht übel, mama hat die löffel vergessen.
1, 345.
ζ.
dasz der pl. dieselben in der anrede zuweilen sie des pl. vertrete, ist schon oben sp. 1024 gesagt, hier ist hinzuzufügen dasz auch der sing. wie er die zweite person ausdrücken kann. ewre durchleuchtigkeit wissen was wir mit derselben geredt haben Heinr. Jul. v. Braunschw. 552. herr vater, hier ist ein freund von demselben, der ihn gerne sprechen wolte Ettner Unwürd. doctor 81. 'mein herr verzeihe mir', antwortete Eckart, 'mir ist dessen person unbekandt, doch erinnern mich wohl etliche gesichtsliniamenten denselben ehemals gesehen zu haben' das. 'und er', sagte sie, 'mons. Rente, aus was vor einem lande kombt derselbe zu uns? er ist unter der zeit gar fett worden' 218. gott vergnüge dieselbe mit allem selbsterwünschten wohlsein 478. hr. obrister lieutenant, wie herzlich erfreue ich mich denselben noch vor meinem ende zu sehen 570. derselbe nehme mir nicht übel Felsenburg 2, 129. meine krankheit ist so gefährlich nicht gewesen, sondern ich hätte dieselbe gleich nach meiner zurückkunft ohnfehlbar besucht, befürchtete aber u. s. w. 3, 437. einer würde gegenüber steht auch wol das verbum im pl., wessentwegen dieselbe (eure excellenz) mich nicht verdenken werden Simpliciss. 1, 286. was aber eu. hochfürstl. durchl. betrifft, so sind dieselbe dieser hochteutschen sprache selbsten ein höchsterleuchteter meister Stieler zuschrift des Sprachschatzes.
η.
endlich wird auch das unbestimmte man der dritten person für die zweite des sg. oder plur. gebraucht. meist lautet es barsch, befehlend, abwehrend, zurückweisend: es kann auch einen vorwurf enthalten. man schweige! man entferne sich! man hat sich übereilt! man trinkt gerne ein glas über den durst! der lehrer fährt den schüler an, man ist träge! man spielt den ganzen tag, man arbeite! man ist nie wo man sein soll! Seumes leben 86.
man halte mich nicht mehr in den verfluchten enden!
A. Gryphius 1, 192.
man scherze nicht mit mir!
Chr. Weise Comödienprobe 45.
wie stehet es, herr leutenant Serapion? hat man das schwerdt auch in ein pflugschar verwandelt? Ettner Unwürd. doctor 332. herr bruder Eckart, er verzeihe dasz ich fragen mag 'wo hält man sich denn anjetzo auf?' 398. musz ich auch hier belästigt werden? was will man von mir? Schiller 630. nichts! hier ist der ort nicht. in meinem cabinet mag man einmal wieder anfragen das. doch auch ohne unwillen, man schaue und man wundere sich A. Gryph. 1, 732. dasz man die fackeln anzünde und uns in das zimmer begleite 1, 752. wie ist die zeit hero, als wir einander nicht gesehen haben, ergangen? wo hält man sich anjetzo auf? Ettner Medicin. maulaffe 320. der kaiser spricht
getreuester Paulin,
wo hat man sich so lange doch verweilt?
Günther 974.
bei küchenrecepten, man sol nemen ein phunt mandels Buch von guter speise 1. man neme gefüege hechede und schupe die 7. umgekehrt sagt der landmann östlich des Lechs du bist, du mainst, du kanst für man ist, man meint, man kann Schmeller Mundarten Baierns 195. wie im lateinischen deum non vides, tamen ut deum agnoscis ex operibus eius. u wir hat in gewissen verhältnissen die bedeutung von du oder ihr, eigentlich von du und ich, und scheint aus einem untergegangenen dualis entstanden; vergl. Personenwechsel 19— 22. gutmütig sagt die mutter zum kind 'heute haben wir lange geschlafen! jetzt wollen wir uns anziehen, zu bette legen', oder ermahnend, 'heute wollen wir artig sein!' in der Oberpfalz soll der beichtvater sich eines solchen wir bedienen. höflich schmeichelnd, was machen die musen? wie flieszen uns die verse? Schiller 637ᵃ. scherzhaft und ironisch sagt der freund zum andern wo es etwas gutes gibt, da sind wir bei der hand! da lassen wir nicht auf uns warten! Selicour sagt zu La Roche ich darf kaum hoffen dasz sie mir vergeben können, und dieser antwortet bitter ironisch aha! steht es so? fangen wir an geschmeidiger zu werden? Schiller 643. meist ist es der lehrer, prediger, der höher stehende, der einen tadel mildern will und gleichsam einen theil der schuld übernimmt. aber was leren sie (die doctores) uns? nichts guͦts. an der heiligsten zeit sind wir am allerlichtfertigsten, wan sie es uns vertragen und nit darumb strafen. es ist euwer gewonheit, am eschermitwochen, so man die altar verhengt und dich zu hohen dingen ermant, so seind wir am allerverruchtesten. sie laufen darafter und seind so nerrisch u. s. w. Keisersberg in der predig von der ameis 9ᵈ. die frau spricht zu ihrem mann 'sihe, wie wir nun stehen? als wenn wir uns bethan hetten. pfui, scheme dich, du versoffener heilloser mann! wolt ich dich doch wol umb einen finger winden. aber auf den abent, wann wir die nase wieder begossen haben, so wird kein teufel in der hölle bleiben können Herzog Heinr. Jul. v. Braunschweig 223. 224. Wallenstein, als er generalissimus war und eines tags vor seiner zelten stunde, da ihm viel oberste und andere cavallier aufwarteten, unter welchen sich ernanter sein alter camerad auch befande, rufte er denselben zu sich und sagte 'ist er nicht der von N und vor diesem neben mir page gewesen?' jener antwortete mit einem tiefen bückling 'ja, ihr fürstliche gnaden.' 'nun wolan', sagte Wallenstein, 'was seind wir aber jetzt?' 'ich bin', antwortete jener, 'oberstleutnant.' 'du bist', sagte Wallenstein darauf, 'ein hundsfutt' und kehrte sich damit hinumb seinem secretario befehlende dasz er ihm von wegen alter bekantschaft 4000 reichsthaler geben sollte Simpliciss. Ratstübel Plutonis 208. Jeronymus ruft aus 'sind wir hier, mein unvergleichliches fräulein? das ist mir lieb, dasz sie so glücklich curiert worden.' (dänisch, er hun der ist sie da, mademoiselle? det er mig kiert, at hun saa lykkelig er bleven cureret) Verdeutschung von Holbergs dänischer schaubühne (1744) 3, 11. nun sind wir schon wieder an der grenze unsers witzes, da wo euch menschen der sinn überschnappt Göthe 12, 233. schullehrer pflegten sonst sich des wir zu bedienen und sagten zu dem schüler wir sind faul, wir wollen nicht lernen, und die schüler spotteten darüber in überlieferten scherzen. 'wo haben wir unsere präparation?' fragte mich einmal der rector (Martini auf der Nicolaischule zu Leipzig). 'hier,' antwortete ich, und zeigte auf die stirne. 'wir sind etwas keck, wir werden ja sehen.' er hatte die marotte der alten schulmonarchen die nicht höflich sind und doch nicht grob sein wollen, nur mit man und wir zu reden. daraus entstand denn manches lächerliche quidproquo. so sagte er einmal im hitzigen eifer, ich glaube zum jetzigen buchhändler Sommer, 'wir sind ein esel.' 'ich meinerseits protestiere,' antwortete dieser ganz lakonisch, und die schule wuste nicht wo sie mit dem lachen hin sollte Seumes leben 63. 'wir sind nun wol fleiszig,' sagte er dann und wann, und es fehlt uns nicht an talenten die uns der himmel gegeben, aber wir sind doch entsetzlich hartnäckig und wollen immer mit dem kopfe durch die wand' 69. ich erhielt um die nemliche zeit ein schulstipendium von zehn thalern. 'wir haben zwar talente und sind nicht müszig,' sagte er mir beim auszahlen, 'aber unsere sitten haben diese belohnung kaum verdient' 83. mein lieber cantor Reichhart fand es unschicklich den herrn grafen von B., ob er gleich nur quartaner war, ihr zu nennen, sie wollte er um der andern schüler willen auch nicht sagen, er wählte also den mittelweg des wir, und bei einem sehr mislungenen exercitium sagte er unwillig zum grafen 'sind wir nicht esel!' der graf antwortete 'sie auch mit, herr cantor?' die classe lachte, der cantor lachte mit und nannte keinen auch noch so vornehmen schüler wieder wir Dinters leben 37. das hat sich zwischen 1773—79 im gymnasium zu Grimma zugetragen, also etwa gleichzeitig mit dem von Seume erzählten vorfall, der wahrscheinlich noch mancher andern schule nachgesagt wurde. auch in der volkssprache dauert dies wir fort. wat wi nüdlich sünd, wenn wi jung sünd! säd de jung und fodert de farken (fütterte die ferkel) Wie das volk spricht (Stuttg. 1855) s. 27. Manchmal bezieht der redende einen theil des wir auf sich, wie in der redensart lassen wir das gut sein! wenn die frau ihren mann von etwas zurückhalten will, sagt sie wir wollen das lieber nicht thun! es geht auch auf die beiden mit einander redenden. in einer niederdeutschen fabel rettet sich ein holzhauer vor dem wolf in einen holen baum. der wolf schnobert an dem baum, dabei gerät ihm der schwanz in eine spalte, den der holzhauer fest hält. der wolf dreht und dreht, bis er den schwanz abgedreht hat, und entspringt endlich. nach einiger zeit sieht der holzhauer den wolf hinter einem busche liegen und ruft ihm zu 'na, wüllt we nochmal? na, wüllt we nochmal?' indem er mit der hand eine drohende bewegung macht, worauf der wolf fortläuft. der prinz fragt was haben wir neues, Marinelli? was gibts neues für uns beide? Lessing 2, 121. 'heute haben wir schön gespielt' sagt der balgtreter zum organisten Wie das volk spricht s. 8. gewöhnlich ist wir ganz allgemein.
doch, guter freund, die zeit kommt auch heran,
wo wir was guts in ruhe schmausen mögen
Göthe 12, 85.
mein guter herr, ihr seht die sachen,
wie man die sachen eben sieht:
wir müssen das gescheidter machen,
eh uns des lebens freude flieht
12, 91.
v noch ist einer eigenthümlichkeit der nordischen sprachen zu gedenken. wenn sie kosend, bedauernd, klagend, zumal scheltend anreden, so pflegen sie zwar auch das persönliche pronomen, doch häufiger das possessivum zu gebrauchen; als wenn wir für du engel, du narr, ihr elende sagen wollten dein engel, dein narr, eure elende. seltner in erster person mein alter narr statt ich alter narr. näheres darüber und beispiele aus der Edda, dem schwedischen und dänischen s. Personenwechsel 30 folg. aus Dänemark ist diese ausdrucksweise auch zu den Nordfriesen gedrungen, man sagt dort din rakker! din arem ding! für du racker! du armes ding!
2.
Die nebenform deiner für dein scheint, wie meiner und seiner für mein und sein, aus mundarten in die höhere sprache übergegangen zu sein; mit unrecht hält Adelung das organische dein für eine verkürzung davon. Schmeller (Mundarten Baierns s. 194) weist nach dasz sie in einigen süddeutschen gegenden einheimisch ist: dort gebraucht man sie nicht blosz bei zeitwörtern, auch hinter subst. und präpositionen, z. b. mit wissen deiner, wegen deiner, nach deiner. Albert Ölinger setzt an dein vel deiner Grammatica (Argent. 1574) s. 83. in Luthers bibel deiner nur einmal, und (der herr) gebe dir barmherzigkeit und erbarme sich deiner 5 Mos. 13, 17. häufig dein bei dem verbum, z. b. aber es ward dein verschonet 1 Sam. 24, 11. die jungfraw, die tochter Zion, verachtet dich und spottet dein 2 Könige 19, 21. denn im tode gedenkt man dein nicht Psalm 6, 6. denn keiner wird zu schanden, der dein harret 25, 3. so will ich doch dein nicht vergessen Jesaia 49. im Simplicissimus ich bedarf deiner nicht 2, 9. auch dein vor selbst, herr schone dein selbst Matth. 16, 22. jetzt sagt man ich thue das deiner selbst willen, doch Wieland um dein selbst willen musz ichs thun 8, 11. hierbei ist das ahd. und mhd. dîn selbes und dînes selbes zu vergleichen; s. Gramm. 4, 356—358. du bist deiner selbst, dein eigener herr.
kein unter ihnen (den nymphen) ist, die jemals um dich (den Atys als fichte) war,
die heimlich nicht gedächt 'o wären wir ein paar!'
dir aber liebet nicht das unbefreite freien,
und deiner selbst zu sein, willst du dich nicht verzeihen.
Logau 1. 8, 99. s. 191.
vor zahlen. deiner drei können mich nicht bezwingen.
jan dorften mich dîn zwelve mit strîte nimmer bestân.
Nibel. 117, 4.
ob ich zwar nur eins gebäre (sagt die löwin zur häsin), so gilt doch das eine mehr als deiner sieben Olearius Lockmanns fabeln 10. jetzt hat deiner die oberhand behalten. Stieler führt es allein an 346. hinter einem subst. oder einer präpos. ist dein nicht mehr zulässig. der besitz deiner überwog bei mir alle pein E. v. Kleist 1, 183. der tod wird mir nicht schwer, nur der verlust deiner, o Pompeja, und der verlust eurer, meiner freunde, wird es mir 1, 184. wegen deiner werd ich gedrängt, wegen deiner wird meine seele beleidigt, wegen deiner kam ich in alle diese verhältnisse Klinger Theater 2, 230. bei Göthe findet man es einmal neben dem gleichlautenden possessivum, er sagt zu Kotzebue
und wenn nach hundert jahren ein meiner
deiner werke gedenkt und deiner,
so darf er es nicht anders sagen.
am ersten gebraucht man dein noch, wenn es hinter dem verbum steht, mich jammert dein, ich denke dein. sonst hat es sich in die höhere dichtersprache zurückgezogen.
die lorbeern warten dein
Zachariä.
zwar es wartet dein kein goldner wagen.
Gökingk 3, 35.
dich liebt mein herz
und ist dein werth
Voss.
konnt er dein schonen?
Gotter 2, 19.
eitle welt, ich bin dein müde.
Hanöv. kirchengesangbuch nr. 901.
im sprichwort, achtest du mein, so achte ich dein Henisch 671. Im 16ten jahrhundert zeigt sich zuweilen die verlängerte form deinen. da hat man deinen gar kein acht Fischart Flöhhatz. dasz man auch deinen eindenk sei Grobianus P 1ᵇ. weitere beispiele weist Zarncke zu Brants narrenschiff 49, 24. s. 386ᵃ nach. ebenso auch seinen.
3.
der dativus ethicus, auch bei der ersten person gebräuchlich, fügt dem sinn, da er keine bestimmte beziehung enthält, nichts zu und scheint daher überflüssig, aber der ausdruck wird dadurch lebhafter.
daz sper er vorne sancte,
daz nie dir ûz inwancte
Athis E, 134.
weitere beispiele aus dem ahd. und mhd. s. Gramm. 4, 363. Ben. 1, 402. er thut dir den ganzen tag nichts als in den gassen herum laufen. er trinkt dir zwei flaschen wein und fragt ob noch mehr da sei. er grübelt dir den ganzen tag darüber nach. er vergiszt dir alles. er springt dir über den graben wie ein reh. das ist dir ein leben auf dem markt! sie tanzten die ganze nacht, das war euch eine lust! die hunde erwachten bei dem lärmen, das war euch ein geheul!
ich kam dir eins auf meins vater dillen,
do lagen epfel ruben und pirn
Fastnachtsp. 72, 14.
hör nur! 's hat mir einer gesagt die gräfin wär drüber wie närrisch worden, wollt immer mit dem kopf wider die wand. 's war dir aber doch auch ein verflucht hochmütig dingelchen L. Ph. Hahn 131. das ist dir eine kunst Rost.
das war dir selbst Damöt, der hatte sich verkleidet
ders.
es liesz dir auch recht frei
ders.
er weisz dir alle mal was neues anzugeben
ders.
aber so rechtfertig ist der mensch! wenn er glaubt etwas übereiltes allgemeines halbwahres gesagt zu haben, so hört er dir nicht auf zu limitiren, zu modificiren und ab und zu zu thun, bis zuletzt gar nichts mehr an der sache ist Göthe 16, 65.
jeder, sieht man ihn einzeln, ist leidlich klug und verständig:
sind sie in corpore, gleich wird euch ein dummkopf daraus.
Schiller 95ᵇ.
ach, kousinchen, denke dir das unglück! gestern ist dir dem armen hauptmann bei dem einmarsch der Preuszen in die stadt auf der hohenthorschen brücke das bein durch eine kanonenkugel abgeschossen worden J. D. Falk Irrfahrten des Johannes von der Ostsee 1, 234. unterm volk hört man dr wie mr.
doas eass (ist) emol e mensch, dëi hott
dr backe wëi e ruse (rose).
Weigand in Marbachs hess. dichterbuche 154.
gealt (gelt) mein schatz, daͦs sein dr (sind dir) sache,
wann eich (ich) merrer andern (mit einer andern) lache!
Volkslied.
in der Wetterau wird auch dieses dir beibehalten, wenn man jemand sie anredet, sie können sichs gar nicht vorstellen, was dir da ein leutspiel (eine menge menschen) war Weigand. Eine bestimmte beziehung aber hat dir in folgenden stellen. ich will dir ihn noch finden profecto tibi illum reperiam Stieler 346. adjeu, du, barbar, nun komme ich dir nicht wieder Cavalier im irrgarten 216. höre, mensch, ich (gott) rede dir! Uz 1, 197.
dir, dem verwandten und freund, redet vertraulich der geist.
Schiller 100ᵇ.
verdient er auch dasz wang und stirne
bei seinem namen dir sich färbt?
Kotzebue Dramat. spiele 1, 70.
4.
für dich hört man in der Wetterau deich, als ob das wort im mhd. dîch gelautet hätte. rechts der Lahn bei Gieszen scharf dajch. ebenso eyss für is, ist in der handschrift eines Friedberger Passionsspiels Weigand in Haupts zeitschrift 7, 552. aus dem mhd. ist zu bemerken dînen lîp für dich.
dû hâst geschendet dînen schœnen lîp
Nib. 782, 3.
das nähere darüber Gramm. 4, 296. 297. Personenwechsel 24. 25.
Zitationshilfe
„du“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/du>, abgerufen am 16.11.2018.

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