Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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duchs, m.

duchs, m.
s. ducks.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1489, Z. 6.

ducks, m.

ducks, m.
1.
schläge. he krigt ducks. dat geit nig af ane ducks. man sagt auch daaks Schütze Holst. idiot. 1, 237. daher in Hamburg daaksen prügeln.
2.
was verderben, untergang bringt. 'bawestu kuchs (kux), so gehet dein geld in duchs' sagen alte bergwerker Henisch 761. darumb, o ihr lieben mädchen, die ihr noch euer ehr und jungfrauschaft erhalten habt, seid gewarnet, und lasset euch solches so liederlich nicht hinrauben, dann mit derselbigen gehet eure freiheit in duckas in tentationem, und ihr gerathet in eine solche marter und sclaverei, die schwerer zu erdulden ist als der tod selbsten Simpliciss. 2, 127. seht mich nicht so scharf an, ihr habt mir schon in Granada einmal einen ducks gegeben, dasz ich kaum heil werden konnte Klinger Theater 4, 245. ich hab ihm seinen tackes gegeben ihm etwas angethan, womit er lebenslang zu thun, woran er sterben kann, wie man sagt jemand einen tappen geben Schmidt Westerwäld. idiot. 249. es geht in duckes geht verloren Schmid Schwäb. wörterb. 147. in Posen dafür drucks, das gab ihm den drucks richtete ihn zu grund, gab ihm den rest Bernd 44. J. G. Bock Idiot. pruss. 7. es fällt in duckes kommt nichts darauf an, ist eine nebensache Schmid a. a. o.
3.
hinterlist, geheimer betrug Dähnert Plattd. wörterb. 94. es liegt ein duchs hierunter verborgen Schottelius 1306.
4.
ein heimtückischer mensch wie duckmäuser Brem. wörterb. 1, 268. Schmidt Westerw. idiot. 272. dux ein arglistiger, tückischer mensch, tückebold Schambach 53ᵇ.
5.
ein buckeliger, weil er zusammen gedrückt ist Schmid Schwäb. wörterb. 147.
6.
der teufel. Strodtmann Osnabr. idiot. 44. de duks und de dood! Brem. wörterb. 1, 268.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1496, Z. 73.

tuch, n., in älterer sprache und mundartlich noch heute auch m.

tuch, n., in älterer sprache und mundartlich noch heute auch m.,
pannus, vestis, linteamen. frühnhd. und mundartl. begegnet auch die kollektivbildung getuch, s. teil 4, 1, 3, sp. 4568 f.
herkunft und form.
1)
nur kontinentalwgerm., zunächst hd., got. stattdessen fana; an. u. englisch erscheint das wort erst später als lehnwort (s. u.); ahd. tuoch; die alte monophthongische form noch in kelatoh ahd. gl. 1, 211, 37 St.-S.; alts. nur in hullidôk teristrum Wadstein 73 (10./11. jh.); das von Gallée vorstud. zu e. altnd. wb. 46 u. 416 angeführte simplex dôk ist nur erschlossen. auffallend ist es, dasz der Helianddichter das wort meidet und statt dessen uuad und lakan gebraucht (s. u. I A 1 a). altfries. dôk, mhd. tuoch (mfränk. u. rheinfränk. doich, dūch); mnd. dôk, auch in hantdok mappula ahd. gl. 3, 717, 7 (12. jh.); mnl. doec; aus dem nd. (oder fries. nach Wadstein fries. lehnw. i. nord. 8) in die skandinav. sprachen und (über diese?) ins engl. übernommen: aisl. dúkr, s. Fischer lehnw. d. altwestnord. (1909) 28; isl. dukur, norw. duk, schwed. duk, dok, dän. dug (Blöndal 145, Torp nynorsk etym. ordbok 77ᵃ, Hellquist³ 148. 161); engl. duck, s. Murray lit. D, 700 (seit dem 17. jh.), der für das engl. entlehnung aus dem holländischen annimmt; hierher auch über das langobardische ital. tocca seidenstoff, schleier, kopftuch, vgl. Meyer-Lübke nr. 8765ᵃ; Gamillscheg Rom. Germ. 2, 165 f. die etymologische anknüpfung an altind. dhvajá, m. (n.), 'fahne, erkennungszeichen', die vielfach angenommen wird, ist zwar lautlich möglich, aber wegen der merkwürdig isolierten stellung beider wörter wenig glaubhaft, s. Walde-Pokorny 1, 869.
2)
im ahd. steht neben dem neutrum das masculinum, z. b. pannos tuocha und tuoch ahd. gl. 1, 633, 23/25; 4, 85, 20/23; 3, 618, 10 St.-S., bei Otfrid ther duach IV 25, 10 und V 6, 59; 61; 66. in mhd. zeit fehlen auf obd. u. md. boden bereits die zeugnisse für das masculinum: ein plural tuoche, dem ahd. tuocha entsprechend, ist nicht belegt. auf nd. boden herrscht anfänglich das masculinum vor, vgl. umb iren tuoch Wizlav v. Rügen in: minnesinger 3, 83ᵇ v. d. Hagen; für das md. randgebiet vgl. den dûch wilder mann 98 Köhn; erst allmählich dringt auch hier der hochdt. sprachgebrauch durch, doch ist das masculinum noch bis ins 18. jh. nachweisbar: eröffnet er den tuch Brockes ird. vergn. (1728) 1, 555; in groben tuch gehüllt Dusch verm. w. (1754) 167; decke den seidenen tuch dir unter J. H. Voss ged. 117 Sauer, s. auch 88. niederdeutsche und vereinzelt auch mitteldt. maa. haben das masculinum bis in die gegenwart bewahrt und ihm zum teil eine sonderbedeutung gegeben (s. u.), vgl. Mensing schlesw.-holst. 1, 765 ff., Kehrein Nassau 1, 411, Meyer-Mauermann der richtige Berliner ⁹179, Vilmar-Pfister Hessen 301; Crecelius Oberhessen 307; Hasenclever Wermelskirchen 57 u. a.
3)
dem doppelten genus entspricht im ahd. ein doppelter plural, vgl. die oben angeführten belege aus den ahd. gl. und Otfrid. das mhd. bewahrt nur tuoch. im 12. jh. tritt auf oberdt. boden erstmalig der -er-plural auf (Milstätter genesis 17, 15). dieser beleg trägt mundartl. charakter und bleibt daher lange vereinzelt, denn die klassische mhd. dichtung meidet tüecher. erst im spätmhd. mehren sich die zeugnisse für diese neue form, vgl. PBB 38, 213. seit der angleichung der masculinen und neutralen pluralformen der -o-stämme, die im spätmhd. einsetzt und mundartl. sowohl durch zufügung als auch durch fortlassung der endung erfolgen kann (s. Paul dt. gramm. 2, § 4), stehen sich die plurale tuch(e) und tücher gegenüber. die bedeutungsmäszige scheidung beider formen gelangt nach jahrhundertelangem schwanken erst im 19. jh. zum abschlusz. für das einzeltuch verwenden die frühesten mhd. belege (s. PBB 37, 511) unterschiedslos sowohl tuch(e) wie tücher. ebenso verfährt die vorlutherische bibel, vgl. 1. dt. bibel 1, 417; 3, 305; 8, 63; 9, 295, während Luther und seine nachfolger, soweit sie nicht Niederdeutsche sind, an den gleichen stellen für das einzeltuch nur den plural tücher kennen. für tuch als 'stoff, material' begegnet der plural tuch(e) vornehmlich in der sprache der zünfte: daz die tuchmachere di tuch schullen schere (1322) bischöfl. satzungen ... in Zeitz 1, 106 Bech; denhein wolleslaher kneht zu Strazburg sol ime selber ... denheine tuche machen (1381) bei Schmoller tucherzunft 11; die groszen wiszen tuche und die growen kemlin tuche (1433) ebda 44; vier lange tuch von Gint fastnachtsp. 1, 466 Keller; daneben steht in der gleichen umgebung der -er-plural: mittel tucher (1399) Marienb. treszlerb. 152; stücke sydiner tuͤcher (1401) bei Schmoller 21ᵃ; zuweilen werden beide pluralformen in gleicher bedeutung unmittelbar nebeneinander gebraucht: item was tücher in den dörfern gemacht werden, die soll man nit zusammen legen oder versigeln als die statt tüche (Baden 1486) bei Mone zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 154; dasz sie (die tuchmacher) und alle ihre nachkommen ... ihre tuech und gewand, was sie des ... arbeitten und bereitten, bey gantzen laken und tuechern oder bey halben oder bey vierteln oder bey ehelen ... verkeuffen (Magdeburg 1496) gesch.-qu. Sachsens 28, 594; ein yeder welcker ... soll die tuͤchere also walcken oder bereyten, er soll an allen tuͤchen ye an zehen eln ein eln lassen ingän (Baden 1486) bei Mone zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 155; neben den Lundeschen und anderen frembden tuchern gulden und silbern tuch (1564) kurmärk. ständeakten 2, 322 Friedensburg. die bedeutungsmäszige scheidung der beiden formen geht anscheinend so vor sich, dasz tuch(e) als plural für das gebrauchsfertige einzeltuch schon früh schwindet, während die pluralform tücher noch lange auch für tuch als 'stoff, material' gebraucht werden kann. die belege für diese verwendung reichen bis ins 19. jh.: dasjenige walken, welches den zeugen oder solchen tüchern widerfährt Ludovici kaufmannslex. (1756) 610; auch die Patanen und die Scyten kauffen gewaltig viel englische tücher Haller briefw. m. Gemmingen 92 lit. ver.; mein vater war selbst um die besten tücher und zeuge bemüht Göthe I 27, 56 W.; I 25, 1, 125; (es) wurden flandrische tücher in Frankreich und Deutschland getragen Schiller 7, 34 G.; ich mochte es (das garn) roh verkaufen oder zu tüchern machen U. Bräker s. schr. (1789) 1, 196; reine thone werden zum waschen, walken der tücher ... verwendet Oken allg. naturgesch. 1 (1839) 209.
bedeutung und gebrauch. durch die geschichte des wortes zieht sich, wie aus dem vorausgehenden schon ersichtlich ist, eine doppelheit der bedeutung.
1)
tuch (pl. tücher), abgegrenztes, meist viereckiges stück gewebe beliebiger grösze und aus beliebigem material, das für bestimmte zwecke zugerichtet ist. in dieser bedeutung seit frühester zeit (9. jh.) bis in die gegenwart am häufigsten bezeugt. obd. lachen, das bei Otfrid und im Tatian synonym mit tuch gebraucht wird (s. u. I A 1 a u. b; teil 6, sp. 80), stirbt früh aus. seither dominiert tuch auf hd. gebiet unangefochten.
2)
tuch (pl. tuche, im singular in der regel artikellos) 'stoff, der aus verschiedenem fadenmaterial, in erster linie aus wolle hergestellt und noch nicht für einen bestimmten zweck zugerichtet ist'. anfänglich in dieser bedeutung nur in unsicheren spuren nachweisbar, erst in der sprache der zünfte (später des handels und der industrie) voll ausgeprägt und häufiger vorkommend. auf dem gesamten sprachgebiet durch jahrhunderte neben gewand stehend, nur mit dem unterschied, dasz gewand häufig den weiteren begriff bezeichnet, tuch den engeren, so im sinne des besonders bearbeiteten wollstoffs oder auch des maszes (s. II C 3 a), s. die belege teil 4, sp. 5240 und bes. 5242. die parallelität reichte bis in die komposita, so dasz hier doppelreihigkeit entstand, vgl. tuch- bzw. gewandmacher, -haus, -schneider usw. mit dem zurücktreten von gewand im 17. jh. (vgl. teil 4, sp. 5261 u. 5262) wird tuch alleinherrschend, erleidet jedoch in moderner zeit eine einschränkung des gebrauchs. innerhalb der vielfalt von sonderbenennungen für die verschiedensten, vor allem aus kunstfasern hergestellten stoffe wird tuch bezeichnung für reinwollene gewebe, nicht ohne den beisinn des besonderen wertes. das gewebe schlechthin jedoch wird mit dem im 17. jh. über das niederländische aus dem italienischen in die deutsche handwerks- und kaufmannssprache entlehnte wort stoff benannt, das zunächst als ausdruck des textilgewerbes das seidengewebe bedeutet, bald aber auf gewebe aller art ausgedehnt wird, s. teil 10, 3, sp. 140. auf nd. boden war tuch (dok) lange ein wenig verbreitetes wort. noch der Lübecker bibelübersetzer (1533) weicht tuch, das er bei Luther vorfindet, häufig zugunsten von laken aus, verwendet jedoch die komposita windeldoͤke (Hiob 38, 9) und swethdoͤck (Joh. 20, 7). in der bedeutung 1 begleitet lakan, das obd. früh ausstirbt, dok auf seinem weg und steht noch. in der gegenwart neben ihm, vor allem dann, wenn es sich um ein gröszeres gebrauchstuch (tisch-, bettlaken) handelt, vgl. Adelung 4 (1780) 1096. in der bedeutung 2 ist die stellung von lakan und wand bzw. gewand so fest, dasz dok in der sprache der zünfte nicht aufzukommen vermag. die älteren nd. zunftrollen und -urkunden kennen kein dok, vgl. für das 15. jh. C. Wehrmann d. älteren lübeck. zunftrollen (1864), für das 15./16. jh. O. Rüdiger d. ältesten hamburg. zunftrollen (1874), auch nicht die nd. städtechroniken, vgl. die Lüneburger u. Braunschweiger chronik (15. jh.), sowie die Magdeburger schöppenchronik um 1360. ein beleg aus Magdeburg (gesch.-qu. Sachsens 27, 5) vom jahre 1403 steht lange vereinzelt. die hansischen urkunden (beginn des 14. jhs. bis ca. 1500) meiden gleichfalls das wort. noch Adelung stellt fest: 'wand, gewand ist in Niedersachsen für wollentuch völlig gangbar'. in nd. und md. maa. ist das wort heute noch zweigeschlechtig, die bedeutung 'einzeltuch' erscheint dann gewöhnlich als masculinum (z. b. Mensing schlesw.-holst. 1, 765; Meyer-Mauermann d. richtige Berliner 179ᵇ; Hasenclever Wermelskirchen 57; Vilmar-Pfister Hessen 301), die bedeutung 'material, stoff' dagegen als neutrum. ein doppelter gebrauch in Hessen erklärt sich aus dem unterschied des materials, s. Kehrein 1, 411 und Crecelius 307.
I.
tuch als fertiger gebrauchsgegenstand, d. h. ein meist viereckig abgegrenztes stück gewebe, das in der regel bereits bei der anfertigung für einen speziellen verwendungszweck bestimmt ist. auch vertreter zahlreicher komposita wie bettuch, halstuch, kopftuch usw., vgl. schon:
sie sahun thar tho wuntar:   thie duacha (leichentücher) liggan suntar;
ther selbo sweizduah, in war,   lag gisuntorot thar,
biwuntan thar zisamane   fon themo selben sabane
fon then duachon (leichentüchern) funtan,
mit then er lag biwuntan.
bizeinot in giwissi   ther duah (schweisztuch)
thaz gotnissi,
thaz ist in giwelti   ana theheinig enti.
ther duah (schweisztuch), ther wirdit funtan zisamane biwuntan
Otfrid V 6, 55—61.
A.
tuch als schmiegsame umhüllung.
1)
die vorstellung des umwindens, einwickelns steht im vordergrund:
a)
sehr früh belegt als bezeichnung für 'windel'. in der übersetzung von Luk. 2, 7: gibar ira sun êrist boranon inti biuuant inan mit tuochum inti gilegita inan in crippea (et pannis eum involvit) Tatian 5, 13 (dagegen Heliand biuuand ina mid uuâdi 379; Otfrid mit lachonon I 11, 35); în want en mit tuͦcheren Matth. v. Beheim evangelienb. 118 Bechstein; so auch erste dt. bibel 1, 203 Kurr. (dagegen Luther: vnd wickelt jn in windeln). in anlehnung an Luk. 2, 7:
da wart geborn daz frone chint
mit den tochen umbe hebet
in die chrippe geleget
(um 1127) frau Ava 232, 20 Diemer.
in auszerbiblischem gebrauch:
von bosir materien bistu kommen,
in arme tuchir gewundin
Joh. Rothe ritterspiegel 202 Neumann;
wollte sehen das kindlein nackt
und entband es von den tüchern
Tieck schr. (1828) 1, 115.
b)
'leichentuch, grabtuch', zuerst im biblischen bericht von Christi grablegung; vgl. linenemo tvoche ahd. gl. 5, 17, 62 St.-S. (Matth. 27, 59: Joseph involvit illud in sindone mundi):
biwuntun sie tho scono   thia selbun lih frono
mit lininemo du che   joh sorglichemo ruache
Otfrid IV 35, 32; ähnlich IV 35, 34;
(aber mit lachanon biwuntan ebda III 24, 102; vgl. thie duacha Otfrid V 6, 55 gegen thiu lininun lachan Tatian 220, 4); sy namen den leip Jhesus vnd bunden in mit lilachen (linteis, var. mit leynin tüchern) erste dt. bibel 1, 416 Kurr. (Joh. 19, 40); bei Luther: in leinen tücher, so auch Zürcher bibel (1531) 2, 248ᵃ. in anlehnung an den evangelientext:
das ist das tuech sicherleich,
dar in gotes sun von himelreich
in dem grab ward gewunden
altdt. passionsspiele aus Tirol 240 Wackernell;
wir seine treuen
hatten ihn hingelegt;
tücher und binden
reinlich umwanden wir
ach! und wir finden
Christ nicht mehr hier
Göthe I 14, 42 W. (Faust 753);
vgl. auch:
ihr hochbetrübten frawen,
was wolt ihr fürchten euch?
das tuch ihr möget schawen,
hier ist nicht mehr die leich
(17. jh.) bei Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 120.
in auszerbiblischem zusammenhang, vgl. sindon ein duch (1414 md.), sindoum eyn duch in quo corpora mortuorum voluuntur (15. jh. nd.) bei Diefenbach gl. 536ᵇ; vmbdann oder tuch, dorinne man die todten begrebt (Nürnberg, voc. von 1482) ebda: dez richen mannez lichame wart in siden doch bewunden heilig. regel 41 Priebsch; ob man sie auch schon mit gulden tüchern unter den hohen altar begrub mit allem brangen, glocken und singen Luther 6, 65 W.; darauf ich dasselb (kind) widerumb aus dem gräble lassen erheben, auch den uberthan und tücher aufschneiden (1611) Lori Lechrain 458;
eiszkalt, eiszkalt liegt er (der gestorbene) hier im tuche
Schiller 1, 107 G.
als symbol irdischer vergänglichkeit:
wib, liebiu kint, vriunt, al sine habe
nimet im diu werlt: mit eime swachen tuoche,
sich, sent sie in ze grabe
minnesinger 3, 41ᵇ v. d. Hagen;
alles, des div werlt hat,
frivde, genucht vnt rat,
des envolget in in die grube nicht ...
der e vier bette phlac ...
in ein unwerdez tuch
want man den reichen
warnung 2967 Weber;
(der tod zum sterbenden)
zer werlt du nacken bist geborn
und scheidst och blos von ihr,
ein linin tuch für dine scham
und anders nit
gibt si ze lone dir
Moscherosch gesichte 1 (1650) 183;
in sprichwörtlicher wendung:
... aber in dem tod
wirt dem menschen von seiner hab
nicht mehr, denn ein tuch in das grab
Hans Sachs 1, 432 lit. ver.;
ähnlich: Luther tischreden 5, 108 W.;
ein tuch ins grab
damit schab ab
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, y 7ᵃ;
bildlich:
weitberühmt; das waren viele
mehr als du, und starben dennoch
eingehüllet in die tücher
menschlicher vergessenheit
Herder 28, 471 S.
c)
allgemeiner ein beliebiges tuch zum einwickeln oder einschlagen eines gegenstandes, oft als behälter zum tragen: und (sie) haben die armen lut ermurdet ... vnd die kindes houpter in Elions stuben getragen, nemlich die kindshoupter in tuchern, vnd das hab er ... gesehen (16. jh.) Endinger judenspiel 94 ndr.; ein bawer gehet daher auff dem acker, hat sein tuch am halse, darinne tregt er weitzen, rocken, gersten etc. Luther 49, 423 W.; der ackersmann, der sein schmutziges tuch löset, woraus er schmierigen speck und schwarzes brod hervorziehet Lessing 8, 12 L.-M.; am nächsten tage machte ich mich abermals auf den weg, nahm aber klüglich die in ein tuch gewickelten bilder mit, damit sie wenigstens angesehen wurden G. Keller ges. w. (1854) 3, 53; Marleenken ... hahl all de beenkens un knakens ünner den disch heruut un bünd se in den syden dook un droog se vör de döhr un weend ere blödigen tranen kinder- u. hausmärchen 1 (1888) 174; während die frauen ihre gaben sorgfältig in tücher einsackten Polenz Grabenhäger (1898) 1, 297; ... einen schatz, etwas gestohlenes vielleicht, gewickelt in ein tuch H. Hesse glasperlenspie l (1946) 2, 362. bildlich: so bewinde ich (die ewige weisheit) der sunnen glast in ein tuͦch und gibe dir geistlichen sin in liplichen worten von mir und miner suͦzen minne Seuse schr. 224, 1 Bihlm. im vergleich: tiefes dunkel ... wickelte das herrenhaus ... wie in ein dickes warmfeuchtes tuch Cl. Viebig d. schlaf. heer (1904) 1, 45. Luther in der übersetzung von apostelgesch. 10, 11: vnd (Petrus) sahe den himel auffgethan, vnd ernidder faren zu jm ein gefesse (vas quoddam) wie ein gros leinen tuch (linteum) an vier zipffel gebunden, vnd ward nidder gelassen auff die erden, darinnen waren allerley vierfüssige thier der erden (leylache erste dt. bibel 2, 323 Kurr.). an die bibelstelle anschlieszend: da sach er (Petrus) den himel offen und ein tuch alls ein leylach herab chomen (1346) bei Röhricht pilgerreisen (1880) 54;
wie dem hohen apostel ein tuch voll thiere gezeigt ward,
rein und unrein, zeigt, lieber, das büchlein sich dir
Göthe I 1, 322 W.
von der bezeichnung für ein gefülltes tragetuch her wird tuch zum festen maszbegriff, vgl. 'tuach — eine bürde heu, welche von einem manne in einem fuǎdartuach auf dem stall getragen werden mag' Bühler Davos 4, 124; vier vierling habern, zway tuech hew, vier hüener (Diessen 1476) bei Schmeller-Fr. 1, 582.
2)
tuch als lockere, schützende hülle zur bezeichnung eines kleidungsstückes, vorwiegend von der frauenkleidung, häufig komposita wie halstuch, kopftuch, umschlagtuch vertretend: unde mit plauuemo tuoche behulter (glauco quoque i. uiridi amicto tectus) Notker 1, 746 Piper;
den mantel slan si (frauen) umb iren tuoch
Wizlav v. Rügen in: minnesinger 3, 83ᵇ v. d. Hagen;
neyn vrowe eder junkvrowe scal draghen dǒke, de mit golde eder gruͦner eder blawer eder roder siden ghestript sint (um 1350) urkundenb. d. st. Braunschw. 4, 581, 23 H. Mack; mulieres non debent ferre smyde ultra IV solidos neque preciosa doke, eciam si matrimonium intrassent (1430) Wism. bürgerspr. 58, 25 bei Schiller-Lübben 1, 534ᵃ;
der jurist mit seinem buch,
der jud mit seinem gesuch,
die fraw mit jhrem weissen tuch.
dieselben drey geschirre,
machen die gantze welt jrre
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, 0 4ᵃ;
aber nun hat man nicht an handschuh und sonnenschirm und tuch gedacht Tieck schr. (1828) 4, 61; Lene ... nahm ihr tuch und schickte sich an, einen arzt zu holen Fontane ges. w. (1905) I 5, 263; hell leuchteten die weiszen hemdärmel (der burschen) und die bunten tücher (der mädchen) im grellen sonnenschein Polenz Grabenhäger (1898) 1, 17. in der mundart: dock op stötten ('tuch auf stützen', besonders gelegtes halstuch der frauen) Frischbier pr. wb. 2, 414ᵇ; moder, sitt mien dook noch good? morgen kümmt de freier bei Mensing schlesw.-holst. 1, 765. im sprichwort: das tuch hängt ihr nach dem witwer 'von einem frauenzimmer, deren tuchzipfel schief hängt, was man als vorbedeutung betrachtet, dasz sie einen witwer heiraten werde' bei Wander 4, 1355. mit stärkerem nachdruck auf dem vorgang des umhüllens, häufig in verbalen verbindungen mit um: stunden sie beyde auff ausz dem bette, also nacket, wie sie denn gott ... geschaffen hatte, und namen beyde guldene thücher umb sich buch d. liebe (1587) 171ᵈ; sie hatte endlich die pelzkappe aufgesetzt und sämmtliche mäntel und tücher umgethan Storm s. w. (1898) 1, 229. mundartlich: se is recht sun piepensierken (verweichlicht), hett ümmer gliek 'n groten wullen dook üm'n kopp bei Mensing schlesw.-holst. 1, 765. das moment des schamhaften verhüllens klingt mit an, 'lendentuch':
ich wære ê nacket âne tuoch,
sô ich in dem bad sæz
Wolfram v. Eschenbach Parzival 116, 2
Joh. 13, 4: und do er (Christus) hett enpfangen ein duͦch, (accepisset linteum) er fúrbegúrt sich erste dt. bibel 1, 392 Kurr. (he hadde genomen einen doek Halberstädter bibel [1522], Barther bibel [1588] schoͤrte). 'busentuch': das weiche braune haar, das unter dem luftigen hütchen hervorquoll, sowie das licht des jungen busens, wenn das helle tuch sich einen augenblick lüftete G. Keller ges. w. (1889) 3, 84. als zeichen einer standes-oder nationaltracht, im allg. unter betonung bestimmter farbe oder art des tragens:
ez ist noch der Kriechen site,
daz si mit rîchen tuochen
bewinden und beruochen
ir houbet wellen gerne
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 20271 Keller;
es war auch ... eine grosze schar der wittwen ..., all mit weiszen leinen tüchern ... von dem haupt bisz auff die erdt bedeckt Dürer tageb. 55 Leitschuh; darauf schlug ich ihm ein groszes seidenes tuch über den kopf, wie die Römerinnen im sommer tragen Göthe I 43, 79 W.; ein tuch um die schultern trugen die Tahitierinnen in ponchoart Ratzel völkerkunde (1885) 2, 145; für den nonnen- oder novizenschleier: wurt das eddele froychen van Mekelenborch froychen Ursula ... tho deme convente der suster unde sammelinghe ghesettet unde ghedüket myt dubbelden dukeren na uthwisinge der hilgen regulen (16. jh.) Mecklenb. gesch.-qu. 1, 132; wenn einer junckfrawen oder junger frawen ein schwarcz tuch, daz ir den weyel nent, auf das haupt gelegt werde Arigo decamerone 165 Keller. seidenes tuch in der marine, quadratisches mit schifferknoten auf der brust getragenes schwarzseidenes tuch der mannschaften Stenzel dt. seem.-wb. (1904) 430ᵇ.
B.
tuch, das verhüllend ein objekt den blicken entzieht oder dem auge die sicht nimmt.
1)
als vorhang bzw. zum verhängen benutztes stück gewebe; möglicherweise bedeutet schon tuacha im 9. jh. als übersetzung von placula 'bett- oder senftenvorhang', s. ahd. gl. 2, 742, 12 St.-S.; vgl. auch (11. jh.) 2, 748, 16 St.-S.:
was ein tuch gezogen vein
umb und umb ain pett
liederb. d. Hätzlerin 125 Haltaus;
allein den priestern zugelassen was hinein zugon, und das gesiecht der andern ward verhindert mit fürzognem tuch C. Hedio chron. (1530) 285ᵃ; von Nola ward er (der tote kaiser) auf dem güldenen mit purpernen tüchern umhengten bette ... bisz nach Bacilla ... getragen Lohenstein Arminius (1689) 2, 944ᵇ; der schöne breite spiegel war verhängt, ich weisz selbst nicht, wie ich darauf kam, das tuch herabzuziehen E. T. A. Hoffmann s. w. (1912) 1, 254 Ell.
2)
'bahrtuch': indem tritt Amory hervor, hebt von der leiche das blutge tuch Wieland s. w. (1796) 22, 26; da seht den unglücklichen (toten) unter diesem tuche Klinger w. (1809) 3, 112; die leiche des oheims hatte man auf einem bette ausgestreckt. als der prediger ihm ins gesicht blickte, fuhr er zurück und gebot, es mit einem tuche zuzudecken Immermann w. 7, 211 Boxb.
3)
speziell die augenbinde, die dem verurteilten bei der hinrichtung umgelegt wird:
dem ein tuoch der ougen schîn
het benommen
Herrand v. Wildonie poet. erz. 159 Kummer;
wen ... syne hande vp den rugge bynt, unde enen swarten doeck auer syn oghen bynt, unde dat men ene to der galghen lede bei Richthofen fries. rechtsqu. 235;
wan ein tuch wil ich dir geben,
so dir verteilet wirt daz leben,
zu einem bande fur die ougen
mhd. erz. 59 Rosenh.;
vgl. Schiller-Lübben 1, 534; 'es ist nicht angst', lächelte er dem leutnant, der ihm das tuch um die augen legte Alverdes nov. (1923) 72.
4)
von der vorstellung der verhüllten augen her übertragen als name einer augenkrankheit, der hornhauttrübung: wann aber ein überzug ist in den augen genant das duch, so nim os sepie (Frankf. 1535) Alemannia 3, 71; vielleicht schon: velamen, velarium tuch vor den augen voc. incip. teut. ante lat. (Speyer um 1485) gg 5ᵃ.
5)
die vorstellung des undurchsichtigen gewebes wird gern in vergleichen und bildern verwertet; im vergleich:
der spiegel vnd das tunckle buch
darinn sie vor, wie durch ein tuch,
die himlisch güter müsten hoffn,
stundt jhnen allenthalben offn
B. Ringwaldt christl. warnung (1588) C 3ᵇ.
bildlich und übertragen: es (das ewige leben) ist aber verborgen, und noch eyn tuch für getzogen, das mans nit sihet (1523) Luther 12, 267 W.;
was er bisher
fein und treu dem tuche der verschweigung eingehüllet
Reinicke fuchs (1650) 161;
die vorsicht deckt mit dunkeln tüchern
die spuren ihrer fügung zu
Gottsched ged. (1751) 1, 214.
sinnlich-anschaulich:
was bringstu kühle nacht das braune tuch herfür
und deckst den erdkreis zu?
Dan. Czepko bei Drechsler Wenzel Scherffer 183;
in wenigen stunden verhüllte auch ein graues nebeltuch alles licht, und das tuch begann sich langsam in nasse fäden zu entfasern, bis ein gleichmäsziger starker regen weit und breit hernieder fuhr G. Keller ges. w. (1889) 3, 130. in der verbindung unter das tuch treten für 'sich verbergen': es ist ein solcher geist, der einem nach dem schwert greifft vnd auch nimpt, wen vnser herr gott vntter das tuch tritt bei Luther tischr. 4, 497 W.
C.
weiches, meist gebauschtes tuch, um einen gegenstand abzureiben oder zu trocknen.
1)
für 'schweisztuch', vor allem in bibelsprachlichem zusammenhang, vgl. den oben unter I sp. 1451 angeführten beleg aus Otfrid vom schweisztuch Christi (zu Joh. 20, 7, wo Luther und die erste dt. bibel das kompositum schweisztuch setzen); als schweisztuch der Veronika:
sô lâzet mich den dûch sin
dâ dat godis antlitze ane steit
wilder mann 98 Köhn;
als die meess beschehenn was, liess man das heilige duch der Veronika sehenn (1491) bei Röhricht pilgerreisen 234;
wie auf jenes tuch der tücher
sich des herren bildnisz drückte
Göthe I 6, 34 W.;
bildlich: trage du das blutige bildnis Jesu im tuch deines gedechtnis V. Herberger hertzpostilla (1613) 2, 386.
2)
meist als abkürzende bezeichnung für zweckbetonende komposita wie taschentuch, schnupftuch, handtuch, badetuch (s. diese) usw. (vgl. I A 2): ein leinen thuͦch, damit er den staub und schweisz von seinem antlitz wüscht Kirchhof wendunmuth 1, 27 Ö.; keine als die selbst unflätig wären, brauchten unreine tücher zu wischung ihrer angesichter Lohenstein Arminius (1689) 2, 586ᵇ; reiszt das tuch heraus, trocknet die augen Iffland theatr. w. (1827) 1, 28; die werkzeuge menschlicher reinlichkeit, also kämme, seife, tücher Göthe I 21, 88 W.; in ermangelung eines tuches wischte sie ihre augen mit der blauen schürze ab A. v. Arnim s. w. 15 (1846) 41;
o Genoveva, seht, mir fehlt ein tuch,
und thränen stehen einem mann so schlecht;
ich bitt euch, trocknet mir die thränen ab
Hebbel w. 1, 115 Werner;
er suchte seine feuchte stirn zu trocknen, fand aber kein tuch in der rocktasche G. Keller ges. w. (1889) 8, 279.
3)
in der heilbehandlung: vnd so ich daz bruchen wolt, dunckt ich ein schwamen oder tuͦch (linteolum) daryn vnd ernert die eissen (geschwür) mit weschen oder den eiter abzutrücknen Murner bei Hutten opera 5, 412 Böcking; nim boleywasser, rosenwasser, das weisz von einem ey, klopffs wol under einander ..., netze tücher darinn und schlags vber den kopff Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 2. hierher auch: sie läszt das schweiszig tuch fallen, mit dem sie das blut einer handwunde stillen wollte Gilhusius gramm. (1587) 78. mit zweckbestimmenden verben: er (soll sich) ... umb die schultern ... mit warmen tüchern lassen riben (1467) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalt. 1, 78;
ei, lass er sich den kopf mit warmen tüchern reiben!
vielleicht verzieht es sich
Göthe I 9, 104 W.
4)
'staubtuch', 'wischtuch':
da ist der helm! — Susanne gieb ein tuch!
der ist voll spinneweben
Tieck schr. (1828) 1, 262;
denn eine magd im negligé mit fliegendem haar wischte gehörig den langen tisch ab, und nachher mit demselben tuche die irdenen teller Immermann w. 1, 34 Boxb.; er wischte und glättete mit einem tuche den stuhl für seinen gast G. Freytag ges. w. 5 (1887) 81.
D.
die bedeutung des wortes wird von dem begriff der flächenhaftigkeit bestimmt; bei Notker in der demonstration geometrischer figuren: fald ouh taz tuoh in zuei, so durhkat ter uald in reizis uuis alla dia breiti des tuochis, unde ist gemeine marcha peidero dero teilo, diudar in eben sint. uuile du iz an dero stete in zuei scrotin, so sint sar uuortin zuei tuoh uzer einemo 1, 402, 1 Piper.
1)
zur bezeichnung des flächig ausgebreiteten tuches, oft mit verben wie (aus)breiten, legen usw. verbunden.
a)
ausgebreiteter, teppichartiger belag des bodens: (auf dem wege) worn tuchere geleyt uff dy steyne; do gingen mit öm dy epte Stolle thüring. chron. 207 lit. ver.; an den orten so man sitzt, ist ein deck oder teppich ... oder wullin tuͦch unterpreyt Seb. Franck chron. d. Turckey (1530) D 4ᵇ.
b)
als 'tischtuch', in älterer zeit häufig in der verbindung brot und tuch auflegen usw., vgl. Edda:
hón tók at þat   hleifa þunna,
hvíta af hveiti   ok huli didúk
Rígsþula 31, 5—8 Neckel;
do het die vrowe dargetragen
kese und brot und ein tuch
mhd. erz. 209ᵃ Rosenh.;
nu wart ouch dâ gesûmit nicht:
die tische wurden gericht,
tuoch und brôt dar ûf geleit
Heinrich v. Freiberg Tristan 603 Bernt;
dîn ezzen wirt wol bereit ...
sie sprach: 'nû her tuoch und brôt!'.
Seifrit Helbling 1, 1027 Seem.;
soll ich bald den tisch decken? (Grasilla:) 'du must das tuch fein glatt auszbreiten' engl. com. u. trag. (1624) Cc 6ᵃ; und wir waren so veranlaszt, an dem weisz gedeckten tische sitzen zu bleiben, denn die wirtschafterin nahm blosz schüssel und teller mit und liesz das tuch liegen G. Keller ges. w. (1889) 3, 227;
er sprengt zu seinem vater: 'heut zahl ich alte schuld; ...
nicht darf ich mit dir speisen auf einem tuch, du held'
Uhland ged. 1, 288 Schmidt-Hartm.
mit einem adjektiv, das den begriff des einladenden und weiszen ausdrücklich betont: item es soll auch ein herr ... in den hof reiten und ... zehren und der hofmann soll ein weisz tuch aufn tisch legen (1494) weisth. 6, 49;
auch sach ich mit schneeweyssen reynen
tüchern bedecket alle tisch,
besetzet mit wildpret und visch
Hans Sachs 1, 438 lit. ver.;
dann sahen sie auch ein weiszes tuch am boden schimmern, das war die tafel und darauf standen erdbeeren Storm s. w. (1898) 1, 12;
als nun all' am rande des ufers ins gras sich gelägert,
rund um das gastliche tuch des traulichen mahles genieszend
Kosegarten Jucunde (1808) 165.
in der redewendung das tuch zerschneiden, 'die gemeinschaft aufheben', für die alte redensart 'das tischtuch zerschneiden' (vgl. tischtuch teil 11, 1, 1, 520): sie aber wollte das tuch zerschneiden zwischen sich und mir G. Freytag ges. w. 8 (1887) 153; vgl. hierzu auch Uhland ged. 1, 287 Schmidt-Hartm.
c)
auch als 'bettuch', 'laken', gleichfalls mit der vorstellung des weiszen, reinen verknüpft: darnach leget sie (eine frau im spital) im schone weysse tucher unter und hiesse in sich dar ein legen Veit Warbeck Magelone 64 Bolte; da (in Italien) zeucht man im (d. kranken) eynen weiszen kittel an, legt in in ein schon gemalet bette, reyne tucher Luther tischr. 4, 17 W.;
die tücher legt ich auf (das bett), wie ihrs befahlt
Shakespeare 8 (1832) 261.
d)
mit dem plural oder dem sing. in kollektiver bedeutung werden allgemein groszflächige, im haushalt verwendete wäschestückein erster linie tisch- und bettücherbezeichnet; vgl. getüech Schmeller-Fr. 1, 583 u. teil 4, 1, 3, sp. 4568:
ein büttin si har vür dô truog
vol tuochen, diu si solte
bûchen (var. weschen)
Ulrich Boner edelstein 48, 61 Pfeiffer;
den züber ûf ir houbt si nan
und zogte zuo dem bach hin dan
und spuolt ir tuoch
ebda 48, 71;
swer über daz tuoch an der plaich get oder vieh treibet, der geit dem richter XII dn und der stat XXV dn (1340) Münchner stadtr. 122 Auer;
aber die hauszfraw war im kraut,
so lag der knecht, vnd war sehr schwach,
die magd wusch tücher bey der bach
E. Alberus fabeln 135 ndr.;
die edelfrau sah ..., wie ... die (wäsche-) haufen immer gröszer wurden, reine saubere tücher Alexis hosen (1846) 1, 18.
e)
bildliche verwendungen, die zunächst von der vorstellung der fläche ausgehen:
wer hat die weiszen tücher
gebreitet über das land?
die weiszen duftenden tücher
mit ihrem grünen rand?
W. Müller 265 Hatfield;
ernst umgab mich und still die weite der öden Campagna,
über das leichengefild dekten die wolken das tuch
G. Kinkel ged. (1857) 87;
hier grünen junge saaten, dort die gelben, groszen tücher der nordischen ölpflanze Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 1, 56; (die nacht hatte) über alle dächer sanft das grosze tuch des schlummers ausgebreitet Stifter s. w. 1 (1904) 63; nebel steht um die füsze der pferde, und ihre körper sind riesengrosz über den weiszen tüchern Ernst Wiechert hirtennovelle (1935) 47. dann auch mit anderem vergleichspunkt: an ewerm angesicht, welches so blasz und bleich ist als ein tuch Dhuez le vray guidon (1646) 299; (er) sah so blasz aus wie ein tuch A. v. Droste-Hülshoff w. 2 (1878) 296 Schücking; auch übertragen: das mädel ist rein wie ein weiszgewaschenes tuch Meisl theatr. quodlibet (1820) 1, 91. vom unreinen tuch als symbol der sündhaftigkeit: unsere gerechtigkait ist vor dem angesicht gotes als ain vnraines tuͦch Keisersberg predigen teütsch (1508) 82ᶜ;
mein sünden, welch sein wie blutt so roth,
wie unrein tuch und lauter koth
bei Fischer-Tümpel 1, 407.
2)
das ausgespannte tuch, dessen flächenhaftigkeit oft durch ein entsprechendes verb oder adjektiv hervorgehoben wird: item es ist auff sant Marxplatz (Markusplatz in Venedig) allenthalben umb und umb, als weit der platz ist, überzogen gewesen mitt weyssen tiechern und dar under ist die process gangen (1495) bei Röhricht pilgerreisen 310;
vnd Eulenspiegel hett vberal
an die vngmalt getünchte wandt
ein leinen thuch darfür gespant
Fischart w. 2, 139 Hauffen;
der grosze marktplatz war zeltartig mit tüchern bedeckt J. Kerner bilderb. (1849) 5; zum (hinter-) grund (des theaters) ein groszes tuch nehmen Göthe I 21, 35 W.; denn die theater und amphitheater wurden oft, um dem sonnenstrahl zu wehren, mit einem tuche überschattet Stolberg ges. w. (1820) 7, 116. vergleichend und bildlich: der roman des nebeneinander ... da ist die zeit wie ein ausgespanntes tuch Gutzkow ritter v. geiste (1850) 1, 7. der vorstellung nach hierher auch:
den himmel obenhin, nur als ein blaues tuch
... anzusehn
Brockes ird. vergn. (1744) 2, 13.
3)
als 'seihtuch' für ein durchlässiges und engmaschiges stück gewebe:
vrow Scham dez suezzen tawez tror
straufte snelle von dem gras
in ein tuech, daz seydein was,
pis ez die fauchte durich gie
Suchenwirt 30, 58 Primisser;
colare syhen als milch durch ein tuch gemma gemmarum (1510) e 4ᵇ; treib es durch ein härin tuch oder härin sib Ryff spiegel d. gesundh. (1544) 170ᵇ; seihe es alleweg durch ein leinen tuch Thurneysser magna alchymia (1583) 43.
E.
vom flatternden tuch, um grusz, botschaft oder befehl zu übermitteln.
1)
meist in verbalverbindungen wie schwenken des tuches, winken mit dem tuch: die gouvernante schwenkt ein weiszes tuch Meiszner skizzen (1780) 1, 96;
die scheidenden umarmen thränend sich,
und von den schiffen, von dem strande wehn
die weiszen tücher noch den letzten grusz
Göthe I 10, 348 W.;
wenn sie ...
den tönen . . freundlich lauschte
und dann ihr tuch gewinkt den dank
Gaudy s. w. (1844) 4, 8;
sie schwenkte ihr tuch aus dem offenen fenster unter abschiedsgrüszen und glückwünschen G. Keller ges. w. (1889) 2, 210. auch: bunt flatterten die bänder und tücher in der luft (am kranze des richtfestes) Göthe I 20, 156 W.; in militärischer verwendung:
eh er dies herz hier, das getreu ihn liebt,
auf eines tuches wink, der kugel preis gibt,
eh, sieh, eh öffnet er die eigne brust sich
H. v. Kleist w. 3, 75 Schm.;
ein kurier mit einem wehenden tuche Fontane ges. w. (1905) I 1, 183. hierher auch die redensart ein tuch werfen (zwischen kämpfer, ringer, boxer), um die aufgabe des kampfes zu bewirken.
2)
zuweilen auch in verbindung mit farben, die auf grund von vereinbarungen bestimmten nachrichtenwert besitzen: wann sie (die Megapoliter als vereinbartes zeichen) ein purpurfarbs thuch bey dem könig sehen auffgereckt werden Xylander Polybius (1574) 113; hievon aber hielt ihn zurücke, dasz er ... im läger durch aufgesteckte rothe tücher ... gewisse kriegszeichen geben sah Lohenstein Arminius (1689) 1, 54ᵇ; sie bieten mit allerlei zeichen und weiszen tüchern einen vertrag Göthe I 13, 1, 295 W.
3)
von den stierkämpfen her stammt die redensartlich fest gewordene und übertragen gebrauchte verbindung rotes tuch: das rote tuch für den englischen seeherrn war die schlachtflotte Wilhelms des zweiten qu. v. j. 1923; das ist ja schlechtes, bürgerliches neunzehntes jahrhundert! die epoche ist ihrer jämmerlich satt, bald wird sie das rote tuch für sie sein Th. Mann Faustus (1948) 396. in der wendung: wie das rote tuch wirken Borchardt-Wustmann (⁶1925) 480.
4)
tuch für 'fahne' (s. d.), 'kriegsfahne' (zur ursprünglichen bedeutung von 'fahne' = 'tuch' s. teil 3, 1241 u. oben unter 'herkunft u. form' sp. 1448): gienge hindennach als ein baupst mit söllicher zierd mit dem tuͦch vor im der patriarch Richental Constanzer conzil 72 lit. ver.; als ein turnier angesetzt war und schon das tuch des kaisers dazu aushing Ranke s. w. (1867) 1, 329;
vor allem denkt man heut der ahnen, ...
durch sie sei unser tuch geweint
E. M. Arndt s. w. 5, 255 R.-M.;
wollt ihr jenseit der grenze mit eigener faust das tuch von den standarten lösen, und wollen die entlassenen soldaten mit weib und kind als friedliche wanderer in mein land ziehen G. Freytag ges. w. 12 (1887) 71.
F.
tuch in verschiedenen verwendungsmöglichkeiten (s. o.), zuweilen auch ohne jeden hinweis auf den gebrauch, doch stets mit ästhetisch oder gefühlsmäszig gebundenen momenten verknüpft, die durch hinzutretende nähere bestimmungen verstärkt sein können.
1)
besonders in belegen älterer zeit wird der wert des gegenstandes und damit ein ästhetisches wohlgefallen hervorgehoben:
wahero duacho   werk wirkente
dinrero garno,   thaz deda siu io gerno
Otfrid I 5, 11;
diu ros beide waren
gar wunneclich gezieret,
rîchlich verlankenieret
gar mit edelem baldekîn,
mit schœnen tuochen sîdîn
Heinrich v. Freiberg Tristan 4452 v. d. Hagen;
waz ye ward von geschmide,
von golde oder siden,
menig tüch so wunneklich
da mitt frowen übend sich
Göttweiger Trojanerkrieg 15 085 Koppitz;
von ediln tuͤchin sidin
brahter ouh groze richeit
Rudolf v. Ems weltchronik 29928 Ehrismann;
also alle die ding (die kleinen versuchungen) vil schedelicher sint, der man nút bekennt, wan die sint, die man bekennet, also ist dis geverte, do man nút uf wil achten, also gespilschaft oder die tüchere, die kleider, die kleinöte Tauler pred. 52, 14 Vetter; das estreich, das gar kostenleich und loblich mit gülden gemolten tüchern, tebichen ... zubereit was (um 1445) bei Röhricht pilgerreisen 90; das mann ihnn keiner stadt fiendett, da die bürgern gekleidett gehenn mitt ihrenn köstlichenn düchern undt alles lange kleider mitt ihrem köstlichenn futter (um 1491) ebda 171;
du ehrenhold behenck den sal
mit güldnen tüchern uberal
Hans Sachs 8, 31 lit. ver.;
man warf ihnen (als ovation) bänder, blumensträusze und seidene tücher zu Göthe I 21, 164 W.; er war weihnachten hier, hat Linchen und mir gestickte kragen, Luisen ein seidnes tuch und den kindern schuhe geschenkt (1841) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 476 Schulte-K.; in landschaftlich gebundenem brauchtum: ein tuch für die braut, ein präsent für die künftigen schwäger und schwägerinnen (bei der verlobung) Kehrein Nassau 168. daher auch als tausch- und zahlungsmittel: jedoch fertiget er (der könig v. Portugal) ine (den grafen v. Werdenberg) ehrlichen ab mit gelt, auch köstlichen tüchern von sament und von seiden Zimmer. chron. (²1881) 3, 32 Bar.; ich hab mein conterfetten kaiser (ein bild Maximilians I.) geben umb ein weisz englisch thuch Dürer tageb. 90 Leitschuh. hierher auch: die Portugisen bezahlen den einheimischen sclavenhändlern ihre waare mit ... groben tüchern und leichten zeugen Ritter erdkde (1822) 1, 156. auch als preis bei wettrennen und dgl., vgl. schon:
san Gregorius spricht in seinem puech:
es laufen vil leut zue dem tuech,
aber wer da harret in dem laufen sein,
der selb zeucht das tuech hin
Hans Vintler pluemen der tugend 4739 Zingerle.
redensartlich einen behandeln wie ein seidenes tuch, d. h. sehr zart und schonend, vorsichtig und rücksichtsvoll (behandeln) Spiesz Henneberg 260.
2)
als 'reliquie, liebespfand'. der wert ist hier gefühlsmäszig bedingt: (aus dem Ätna seien) feurige bäche hervor geflossen, welche nicht eher gestillet worden, als bisz aus der heil. Agathae ihrem grabe ein tuch genommen und dargegen gehalten Chr. Weise polit. redner (1677) 667;
nimm diss gestückte tuch als unsrer liebe zeichen
Lohenstein Ibrahim sultan (1680) 1, 23;
auch dies seidene tuch verehr' ich dir, welches Luise
sonntags trug um den hals, und dir schon lange bestimmte
Voss Luise (1795) 84;
(er) nahm das halstuch aus der ... tasche. das rauschen eines zettels ... zog ihm das tuch von den lippen Göthe I 21, 113 W.;
mich freut, dasz ich das tuch (Desdemonas) hier finde.
diesz war des mohren erstes liebespfand
Shakespeare 8 (1832) 232;
Agnes ... reichte ihr zum abschied ein schönes seidenes tuch, das sie sich warm vom hals losknüpfte Mörike ges. schr. (1905) 3, 53.
G.
tuch als fachsprachlicher terminus.
1)
in der sprache des duellwesens bedeutet schieszen über das tuch eine besondere art des duells. dabei 'wird die mensur durch die gegenüberstehenden zipfel eines mantels oder tuches bestimmt. die barrieren beim schieszen über den mantel oder das tuch ... werden so gemacht, dasz, wenn jeder duellant an der seinigen steht, beide 5 schritt voneinander entfernt sind' Meyer konvers. lex. (⁶1909) 20, 1038; vgl. Franz v. Bolgár regeln d. duells 70; Kufahl-Schmied-Kowarzik duellbuch 235: wir schieszen überm tuche Müllner dram. w. (1828) 5, 337; vgl. auch: wenn sie nur nicht mein sohn wären, so würde ich sie ... zum zweikampf herausfordern — auf pistolen ... durch ein tuch K. Nötzel brüder Karamasoff 1, 135.
2)
in der seemannssprache für das segel bzw. auch sämtliche segel eines schiffes, vgl. dook bei Mensing schlesw.-holst. 1, 765: da sah ich drüben in nord-nordost eine schwere, mälig aufsteigende bank, und gerade vor ihr her kam mit allem tuch, das es tragen konnte, ein schiff E. Höfer vergangene tage (1859) 209; neulich fuhr ein ... segler an uns vorbei ... obgleich er nicht mehr tuch hatte als wir, kam er weiter als wir Frenssen Hilligenlei (1906) 141.
3)
tuch als bestandteil der jagdausrüstung; 'jagdtuch, tuch, lat. cassis, franz. toite, ist eigentlich nichts anders, als eine wand von starker leinwand, womit bey dem bestätigungsjagen ein revier im walde umstellet wird' forst-, fisch- u. jagdlex. (1772) 2, 401; vgl. Heppe wohlred. jäger (1779) 139; 370; hdb. f. forst- u. jagdkde (1796) 2, 432; Behlen forst- u. jagdkde (1840) 4, 48; 655; 6, 213; Kehrein weidmannsspr. (1871) 296: ein jagdt-tuch, welches sowohl jägern, als jagd-leuten beym jagen zum stellen ... bequem seyn soll, musz nicht mehr oder weniger als 130 wald-schritte stellen, und zu einem solchen tuche nun werden erfordert 6 schock ellen leinwand Göchhausen notab. venat. (1732) 257; vgl. ebda 259; von den übrigen hilfsmitteln zur jagd fanden namentlich die netze und die tücher ... eine ausgedehnte verwendung. die tücher wurden unterschieden: in hohe, welche zum einschliessen des edelwildes dienten, ... und in halbtücher, die für sauen, wölfe, rege ... benutzt wurden Schwappach hdb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 2, 631. bildlich: mit hunden mögt ihr zu wald fahrn, ich gebe hund, tücher und garn (nämlich um die buchstaben, litren, zu fangen) Gilhusius gramm. (1597) 60; vgl. auch 61;
viel garen und viel tücher
stellt man um Prag herum,
ausreiszen war nicht sicher
(1621) bei Opel-Cohn dreiszigj. krieg 82;
vgl. ebda 287.
4)
döker (sg. dok, dōg, dauk, m.) nennt die nd. fischersprache einzelne lange stücke, aus denen das netz zusammengestellt wird, vgl. Mensing schlesw.-holst. 1, 765.
5)
tuch für malerleinwand, schon im 15. jh.: von den gesellen mit gemaleten duchern in dem kruzegange zu steen (hatte die kirche einnahmen) (1426) Bücher Frankf. berufswb. 83ᵃ;
drauff zog er strack
noch viel mehr thücher (bilder) ausz dem sack,
die hat er in Flandern gekaufft
Fischart w. 2, 137 Hauffen;
sonsten und nichts anders mahlte er auff das tuch Äg. Albertinus landstörtzer (1615) 2; weil du (maler) leben auf todten tüchern heuchelst Schiller 3, 260 G.; eine neue manier, die farben zu reiben, das tuch zu gründen ... macht noch keinen mahler Hegner ges. schr. (1828) 2, 88. im vergleich: die alten wunderwerck ... zu malen, wie auff eine taffel odder tuch Luther 19, 427 W.;
wie ein grau grundirtes tuch gespannet
deckt er (der nebel) alles in die breit' und höhe ...
lieber freund, wie magst du starrend
auf das leere tuch gelassen schauen?
hast du denn zum mahlen und zum bilden
alle lust auf ewig wohl verloren?
Göthe I 2, 182 W.
bildlich: wie die fabel dieser comödie nur das tuch ist, welches zubereitet war, eine menge wahrhafter züge, ... in einer gewissen ordnung anzunehmen Ramler einl. i. d. schön. wissensch. (1756) 1, 137; wenn undeutlichkeit immer ein mangel ist, so wird die beste tendenzschrift durch diesen fehler vollends zu einem grundierten tuche, das jedem falschen pinselstrich freien raum gibt (1845) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 399 Schulte-K.
II.
tuch als materialbezeichnung, besonders für den stoff zur herstellung von kleidungsstücken.
A.
allgemein für gewebe jeder art, im sinne des jüngeren stoff, das tuch in dieser bedeutung ablöst (s. stoff teil 10, 3, 143), später für ein bestimmtes wollgewebe, vgl. etwa: die zweite (brautjungfer) warf ihr den rock von schwarzem, feinem tuche über und liesz diesem stücke die jacke gleichen stoffes ... folgen Immermann w. 3, 19 Boxb.
1)
ohne zusätzliche adjektivische bestimmung, wohl schon: uuiz tuoh uuizera uuirdit tanne iz er uuare Notker 1, 393, 12 Piper.
a)
neben einer gröszenangabe: fetzen, lappen, stück tuch(es) u. ä. früh schon in biblischem text: panni duoches (9. jh.) ahd. gl. 1, 711, 50/51 St.-S. (Matth. 9, 16 nemo autem immittit commissuram panni rudis in vestimentum vetus); in der übersetzung von Mark. 2, 21: nioman blezza niuues duoches nauuit altemo giuuate (nemo assumentum pannis rudis assuit vestimento veteri) Tatian 56, 7; keiner leg das stuck des newen tuͦchs an daz alt gewant erste dt. bibel 1, 33 Kurr. (Matth. 9, 16); vgl. 1, 127; niemand flicket einen lappen von newem tuch an ein alt kleid Luther (Mark. 2, 21 u. Matth. 9, 16). im sprichwort: es gilt nicht flickens mit newem tuch auff einem alten rock Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Z 8ᵃ. auszerbiblisch: etlich werdent auffgehalten die lefftzen der wundenn, unnd die werden von gûtem gerainigtem werck oder vonn stücklein tuchs ... inn die engen wunden gethon Braunschweig chirurgia (1539) 30ᶜ; geschihet solches (das ablegen von prüfungen) in den gewerben, die etwan nur einen fleck thuch belangen (bei den schneidern), warumb wolte solches nicht viel mehr geschehen in dieser edlen kunst der wundartzney Würtz wundartzney (1624) 81; legt ihr ein stück tuch hin, stellt männer, stellt frauen ihr vors gesicht: ohne masz zu nehmen schneidet sie aus dem ganzen Göthe I 25, 1, 102 W. sprichwörtlich und im vergleich: was doch die gewohnheit thut! — sprach der schneider, und warf lappen vom eigenen tuch in die hölle Binder sprichwörtersch. 75; (die Heiterethei) strich ... den ganzen mann herab, scheinbar so unabsichtlich wie einen lappen tuch, den man wohl in gedanken vom tische streicht O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 20. im mhd. kann ein tuch allein 'stück tuch' bedeuten:
als im die wunde geschah,
von dem kleide er ein tuch brach,
in drifalden er ez vielt,
in die wunden er ez schielt
Herbort v. Fritslar liet v. Troye 5900 Fromm.;
Polistrâtus reiz ein tuoch
einsît ûz des gezeldes want ...
und dacte im sîne wunden
Ulrich v. Eschenbach Alexander 16734 Toischer.
b)
als material zum malen und schreiben: blasphemiae sunt ein gemalter tod, ... bleibt ein bild auff tuch und holtz Luther 34, 1, 252 W.;
das auge steht erstarrt, die geister sind entzückt,
wenn starres tuch und holz, das nun bemahlt, sich reget
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1725) 1, 73.
als schreibmaterial:
tuch, holz erz, blei und stein
must ihnen an der statt, was uns papir ist, sein
Fleming dt. ged. 1, 125 lit. ver.;
wär es zu jener zeit,
da man auf tuch und rinden ...
und wachs und leder schrieb
bei Gottsched krit. dichtkunst (1751) 301.
c)
übertragen vom geistigen stoff (s. teil 10, 3, 149): mich dunckt woll könig Heynrich (v. England) habe eyn elle grobs tuͦchs oder tzwo datzuͦ (zu einer schrift gegen Luthers 'babylon. gefangensch.') geben Luther 10, 2, 228 W.; wann der gute mann nichts studieret, oder die postillen recht durchschritten und also nicht tuch genug zur predigt hat alamod. technolog. interim (1675) 172.
d)
in der wendung tuch zum weibe kaufen: wenn man etwas zunehen will, dann da musz man vor allen dingen zween lappen tuch, die da sollen zusammen genehet werden, darnach musz man eine nadel haben, zum dritten auch einen faden, dasz findet sich auch beym heiligen ehstand, drumb sagt man von jungen freyers-leuten, sie kauffen tuch zum weib Creidius nuptialia (1655) 1, 233; (meine frau hat mich gelehrt) kein tuch mehr zu einem weib vor mich zu kauffen, wann gleich alle tag jahrmarckt wäre Grimmelshausen 2, 135 Keller.
2)
adjektive bezeichnen das material des gewebes.
a)
sehr häufig wollenes tuch:
zv koyffen viel und genoich,
pellen syden wullen doich,
aller slahter kunne
Morant und Galie 1026 Kaiisch;
(sie) weder arras noch kain wullin tuͦch bi der kurtzen elen nit mer verkoufen sond (Konstanz 1400) Mone zs. f. d. gesch. d. Oberrheins 9, 183; derselbe wöber sol ouch ... nit wöben umb lone keinerley wüllin düch, aber sergen, stüllachen, lynin und halplynin düch mag der wöber wöben (1474) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 80; und nit last uch (das wams) mit wullem duch fuddern, is ist heyss und ist alless voll sweyss bei Röhricht pilgerreisen 124;
nun hört, wir hand uns auch bedacht,
vil narrenkappen mit uns bracht
von zwilch, (von) wullen duch und seiden
Wickram w. 5, 133 Bolte;
soll kain wullin tuech mit der eln im ausschnitt verkaufft werden, es sey dann zuvor genetzt und geschoren tirol. polizeiordn. v. 1603 in: Frommann zs. f. dt. maa. 4, 455.
b)
leinenes tuch, diese bedeutung noch heute in den komposita tischtuch, bettuch, handtuch (s. d. u. kleid teil 5, 1069): daz leinein tuͦch, daz weppe brait sol sein, daz daz habe zwo eln an der breite, und daz halb tüche aine eln (13./14. jh.) Nürnb. polizeiordn. 166 lit. ver.; item alles tuch es sye wüllin, linyin, henffin oder wellerhand tuͦch es sy (1401) Schmoller Straszb. tucherzunft 21ᵃ anm.; kein arras oder leynen tuch (15. jh.) Nürnb. polizeiordn. 133 lit. ver.; nehmlich anno Christi 1642 wurde ... ein schiff ... unter der erden ... gefunden, von holtz ... und segeln von leinen tuche Prätorius anthrop. plut. (1666) 1, 59; von leinenem und hanfnem tuche anmuth. gelehrsamk. (1751) 9, 656 Gottsched. in der verbindung leinene und wollene tuche:
zum fünfften: ,du sey ein weber
und wirck leynen und wüllen thuch'
Hans Sachs 9, 357 lit. ver.;
wullene und leinine tücher Sebiz feldbau (1579) 44.
c)
seidenes tuch nur bis zur mitte des 15. jhs. belegt, vgl. seidentuch teil 10, 1, sp. 186, später durch das einfache seide ersetzt; vielleicht: wir, Friderich etc. bekennen ... daz wir schuldik worden sein umb samyt, guldeine und seideine tucher den ... burgern zu Nüremberg (1375) mon. Zollerana 4, 304; wer ein ganz stücke sydiner tücher kofet oder verkofet (1401) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 21ᵃ; ein lang gerühet siden tuͦch (1424-42) ebda 39.
d)
baumwollenes tuch: ein handel mit bömwüllin duͦche (1424 - 1442) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 39; spinner, bleicher und mahler der feinsten baumwollnen tücher ... eines zeuges, den Koromandel an alle morgenländer sonst verkaufte Haller Usong (1771) 139; die weberin feiner baumwollenen tücher Göthe I 25, 1, 125 W.
e)
rupfenes tuch 'grobe leinwand', vgl. teil 8, 1532:
siben eine ze hemede unt ze bruoch
rupfîn tuoch
kaiserchron. 14800 E. Schröder;
dasz ain wöber ainem paurn würchen soll bei seinem brodt ain rupfes tuech umb 12 pfening (vor 1483, hs. von 1643) österr. weist. 9, 818.
f)
gewächstes tuch, vgl. wachstuch teil 13, 155: dem schuster wöllest ... gewüxt thuch zu meinen stifeln geben (1591) Balth. Paumgartner briefw. 119 lit. ver.; weil jr wagen, drauf sie fuhren, allenthalben mit gewächsten tuch bedeckt war theatrum amoris (1626) 1, 99.
3)
eingeengt auf die bedeutung eines bestimmten wollstoffes oder des leinens.
a)
'tuch ein gewebe von wollenem garn, das von dem tuchmacher gewebt, gewalket, gerauhet, geschoren, gefärbet und nachher zubereitet wird' Jacobsson technolog. wb. 4 (1784) 454 (s. unter C), ähnlich Adelung 4 (1780) 1095: etwas stärker mochte das tuch damals noch gearbeitet werden, das zeigten jetzt die mächtigen wohlgedrehten fäden, nachdem die wolle abgetragen war A. v. Arnim s. w. (1853) 2, 196. im gegensatz zu seide und anderen geweben: die guten maler aus der römischen schule ahmten ... keinen stoff, keine zeuge nach. man unterscheidet weder tuch noch seide; es sind falten, es ist draperie, und die ursache leuchtet ein Sturz schr. (1779) 1, 53; ein stück tuch hält gemeiniglich 22 bis 32 ellen und wird an manchen orten auch ein tuch genannt. in der leinwand, dem kattune, den seidenen zeugen etc. sind die stücke von verschiedener länge Krünitz encycl. 176 (1841) 514. bildlich:
ich aber unterscheide
der weiszheit grobes tuch von eines thoren seide
Hagedorn versuch 54 Sauer.
im gegensatz zu stoff 'seidengewebe' (vgl. teil 10, 3, sp. 140): der eine gab ihm tuche, der andere stoffe, der dritte machte ihm schöne kleider slg. v. schauspielen (1764) 3, 10 (probe der zärtlichkeit).
b)
tuch 'leinwand' — bes. im obd. (vgl. II A 2 b) — auch in der literatursprache, vgl. 'tuch eine art fest geschlagener leinwand ... am üblichsten ist es in dieser bedeutung von einem groben, starken fest geschlagenen gewebe, welches gemeine leute zu hemden tragen, und in Obersachsen nicht leinwand, sondern tuch genannt wird' Adelung 4 (1780) 1095: hier neben auf der haide ... hatte das Marannele das tuch gebleicht, von dem er das hemd anhatte Auerbach ges. schr. (1857) 1, 24;
gar manche jungfrau freundlich spricht
'mach mir gut tuch zu betten'.
O. Schade dt. handwerkslieder (1865) 98.
c)
mundartlich im allg. 'wollstoff', vgl. Schambach Göttingen 40; Danneil altmärk. 36; Christa Trier 73. westmitteldt. und obd. sowohl woll- wie auch leinengewebe, vgl. Vilmar-Pfister Hessen 301; Follmann lothr. 110; Kehrein Nassau 411; bad. wb. 1, 583; Martin-Lienhart els. 2, 648; Schmeller-Fr. 1, 582 (vgl. zu tuch 'leinengewebe' das getüech Schmeller-Fr. 1, 583); Schöpf Tirol 771; auch bei Fischer schwäb. 2, 437; Spiesz Henneberg 260: wie ᵈᵃs tuch am hemd ist, wird ᵉs verrisseⁿ bei Fischer schwäb. 2, 437. vgl. tuch bleichen 'leinwand bleichen' (C 1 p). vereinzelt auch für jede art von gewebe, vgl. Fischer schwäb. 2, 437; Spiesz Henneberg 260; Lexer Kärnten 74.
d)
vgl. in neuester fachsprache des textilgewerbes die komposita leinen-, halbleinen-, baumwolltuch Schradin garne u. stoffe (1950) 141.
B.
als material menschlicher kleidung.
1)
mit benennung des kleidungsstückes, 'kleid aus tuch', 'tuch zum kleid'. vielleicht schon: unde mit kelesotemo tuoche (contracta ueste) iro uuate uuista si miniu vuuoffenten ougen Notker 1, 17, 1 Piper. die entwicklung von der allgemeinen bedeutung (II A 1) zu tuch als bestimmtem wollstoff wird auch hier deutlich:
ein failen tuoches von Sûrîn,
gefurriert mit gelwem zindâl,
die swanger über diu bluotes mâl
Wolfram v. Eschenbach Parzival 301, 28;
ûz dem rîlichen tuoche ...
truoc Helenâ diu schœne
des mâles mantel unde roc
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 20 130 Keller;
und sprich daz er mir duͤch zum kleid
von stund an schick um dises gelt
schausp. d. mittelalters 2, 386 Mone;
wir senden uch lieve broeder, ewenich (ein wenig) swarz doex zoe eyme wamboes (um 1400) bei Steinhausen privatbr. d. ma. 1, 20; sich die hossen an, wie sie geteilt seint wie ein schachbret, wie von cleinen bletzlin sie zammen gestücket seint also dz sie me kosten zemachen, den das thuch wert ist Pauli Keisersbergs narrensch. (1520) 286; ich (Luther) hab tuch genug, mag mir aber kein hossen lassen machen Luther tischr. 4, 32 W.; ein alter barfuͦszermünch, der truͦg vil thuͦchs, ime und seinen brüdern zu kutten Frey gartenges. 57 Bolte; und borge mir bey euch zu einem neuen (mantel) tuch oder geld Lessing 3, 60 L.-M.; auch wohl:
dasz er von gleichem tuch und schnitt
gemacht die beiden hosen
Rückert ges. poet. w. (1867) 2, 39;
du könntest auch von selbem tuche noch ein beinkleid nehmen Beethoven s. br. 5, 141 Kal. im 16. jh. auffallend häufig in der wendung tuch zur narrenkappe, auch sprichwörtlich:
nun hört, wir hand uns auch bedacht,
vil narrenkappen mit uns bracht
von zwilch (von) wullen duch und seiden
Wickram w. 5, 133 Bolte;
wer jm (dem mädchen) nicht recht zu sprechen kan,
dem schneid sie bald ein kappen,
kein tuch dar an nit wirt gespart
Forster fr. teutsche liedlein 98 ndr.;
liebe macht lappen,
des tuchs tregt mancher zu einer kappen
Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) E 1ᵇ;
vgl. Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Mm 7ᵃ. seit dem 18. jh. überwiegend in der engeren bedeutung des gewalkten und geschorenen wollstoffes, vgl. II A 3 a: ich möchte tuch zu einem frak aus Leipzig haben, weil ich es hoffentlich da beszer und wohlfeiler bekommen kann Schiller br. 1, 283 Jonas; ein runder hut von tuch Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 89; ein kurzes camisol von tuch J. G. Forster s. schr. (1843) 1, 41; er zog eine neue joppe von dunkelblauem tuch an, steckte den reich mit silber beschlagenen Ulmer pfeifenkopf in den mund M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 1, 327; angekommen ist er in so einer art waffenrock aus tuch M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 381.
a)
die adjektive als qualitätsbezeichnungen unterstreichen meist die bedeutung des bestimmten wollstoffes: (die mönche) machen ... iczund ire röcke weyt schöne czwifach von dem feinsten tuch Arigo decamerone 207 lit. ver.; rock und mantel des besten tuch (um 1530) Kunegund Hergotin ein neues lied v. e. bösen weib, str. 3;
ein mantel er von schönem tuch
schlug vmb sich, gürtet ein die schuch
J. Spreng Ilias (1610) 14ᵃ;
er ... erblickte einen mann, der in einen grauen rock von feinem tuche gekleidet war Nicolai Seb. Nothanker (1773) 2, 3; Wilhelm umarmte ihn (Laërtes) und fühlte ein vortrefflich feines tuch an seinem rocke Göthe I 23, 90 W.; das wams von feinem tuch mit seidenschlitzen ... zeichneten ihn ... vor seinen nachbarn aus Hauff w. (1890) 1, 65.
b)
sprichwörtlich, vgl. unter II B 1: wer wenig tuch hat, der musz den rock desto kürtzer machen Lehman floril. polit. (1662) 1, 288; (ein groszer mensch) braucht mehr tuch oder zeug zum kleide Chr. Weise 3 klügsten leute (1675) 44; wer das tuch zum mantel stilt, dem schaft der teufel das unterfuter Eiselein sprichw. u. sinnreden (1840) 606; vgl. Binder sprichwörterschatz 197; wat de gewohnheit ni deit, sä de snieder, do stöhl he vun sien egen dook bei Mensing schlesw.-holst. 1, 765; alle grauen mäntel haben grau tuch Rother schles. sprichw. 78.
c)
hosen eines tuches in der bedeutung 'von derselben art', vgl. hose teil 4, 2, 1839: wann hadern vnd zancken seind gar bei (beinahe) zwo hoszen eins thuͦchsz Keisersberg sünden d. munds (1518) 41ᶜ; darüm sind sie beide, jüden und papisten, gottlose; es sind, wie man saget, zwo hosen eines tuchs Conr. Cordatus (1531) bei Luther tischr. 2, 278 W.;
erstlich von dem maul-christen,
darnach von romanisten
und den religiosen;
sind eines tuchs drey hosen
Hans Sachs 1, 350 Keller;
wir sind viel hosen eines tuchs, und bedürffen alle der gnaden und verzeihung Hayneccius Hans Pfriem 8 ndr.; dat sint twei (pâr) hôsen enes daukes d. h. der eine ist genau so (schlecht), wie der andere Schambach Göttingen 40ᵇ.
2)
tuch kann auch metonymisch für kleidung selbst stehen, vgl. pannus in der bedeutung 'gewand'. in neuerer zeit geht diese bezeichnung deutlich von dem material der kleidung aus, in den frühen belegen ist das nicht mit sicherheit zu erkennen:
zeinot ouh thio dati
thaz purpurin giuuati
ther selbo duah (mantel?) roto
heidinero liuto
Otfrid IV 25, 10; s. aber auch I A 2ᵇ.
tuoch für 'pallium': pallio tuohhe, tuoche (10. jh.) ahd. gl. 1, 403, 6 St.-S. (1. Kön. 21, 9 gladius ... est involutus pallio post ephod; Luther: das schwert ... gewickelt in einem mantel hinder dem leibrock), vgl. auch ahd. gl. 2, 444, 52 (palliolum); 2, 748, 16 (velamen) St.-S.:
dar zuo ist des streites recht,
daz man den veinten send ein knecht
in einem rosenvarwen tuoch
mit swert und auch mit hantschuoch
Heinrich Wittenweiler der ring 7548 Wieszner;
da wir nun Jesu treu und bleiben Abas magd,
so wird uns ja von Chach nicht brodt nicht tuch versagt,
das ieder sclav empfieng
Gryphius trauersp. 219 lit. ver.;
der bauersmann und arbeitende leute sollten kein tuch tragen, wovon die ehle über einen halben gulden kostete M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 442.
a)
in adjektivischen verbindungen, die die art oder qualität des stoffes bezeichnen und häufig zugleich armut oder reichtum bzw. die soziale stellung des trägers unterstreichen (vgl. II B 1 a): zuͦletst kame in ein rew an, dasz er barfuͦsz, in eytel wuͦllin thuͦch gekleydet ... für den keyser ... kame S. Franck Germ. chron. (1538) 140ᵃ; man findet weiber, denen auch ein grob, geringe thuch wol anstehet Joh. Barth weiberspiegel (1565) 5, 1ᵃ; weil i. f. g. sonsten ihr gesindlein in grau tuch kleideten Schweinichen denkw. 178 Ö.; die welt, die sich vor einem gerippe, das mit fleisch und haut überzogen ist und in theures tuch eingehüllet, furchtsam bücket discourse d. mahlern (1721) 2, 13;
grob war die welt der väter, und wild ging der barbar ...
in groben tuch gehüllt, mit ungeheuren knöpfen,
wie eine dicke faust, und mützen auf den köpfen
Dusch verm. w. (1754) 167;
kehrt sich das glück, so ist ein einfach tuch
dem der sich lebt, für andre gut genug;
ihn macht sein geist, ein kleid die thoren munter
bei Herder 23, 98 S.;
er ging in ein einfarbiges, aber sehr feines tuch ... gekleidet J. J. Engel schr. (1801) 12, 3; (der herzog) trug das gröbste tuch und sasz am liebsten mit verwaltern und bauern in wirthschaftsgesprächen zusammen Immermann w. 7, 153 Boxb.; in grobes tuch müssen sie sich kleiden und schwarzes brot essen G. Keller ges. w. (1889) 6, 285. in bildlicher übertragung:
swer der matêrjen kleit ê gap,
von pfelle, samît, rîch gewant ...
danc habe sîn herze und ouch sîn sin.
kumt aber der matêrjen suoch,
kleid ichs in ein getriuwez tuoch
Frauenlob str. 179 Ettm. (vgl. aber I A 2);
ire lerer sind nichts sunders hoch, sy haben vyl guͦts geschriben, auch vyl arges, man weist wol was ir tuch für faden hat Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 64 ndr.; und siehe nicht auf den fürsten, sondern auf die einfältigen ... leute, welches tuchs auch der fürst sein wird Luther tischr. 3, 455 W.; alle sind von einem tuch und einer wolle Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 436ᵇ; gott schicket die kälte nach dem tuche Winckler 2000 gutte gedancken (1685) F 10ᵇ.
b)
typische bezeichnungen für die kleidung eines standes:
ich trüeg villicht grob tuͦch und zwilchen (als mönchskleid)
N. Manuel 36 Bächt.;
iᶜʰ hauⁿ noᶜʰ keiⁿ zweierlei tuch ᵍᵉkennt 'noch keine sträflingskleider tragen müssen' bei Fischer schwäb. 2, 438. vom zweierlei tuch der soldatenuniform: wenn krieg wär, thät ich sagen: Florian, lasz dir zweierlei tuch anmessen, du bringst's zu was B. Auerbach dorfgesch. (1846) 2, 462; der offizier war natürlich für Risa Chan, schon um des zweierlei tuches willen Kurt Faber m. d. rucksack nach Indien (1927) 151. mundartlich: tweierlei dauk up'n lîwe hem soldat sein Schambach Göttingen 41; vgl. Hönig Köln 34. dann auch auf den träger des tuches übertragen: die mad'ln gengan auf's zwavala tuach 'sie lieben die soldaten' Hügel Wien 168; vgl. Frischbier sprichw. 185; Borchardt-Wustmann 481;
der frack ist eine gewaltige macht,
doch zweieriei tuch hats weiter gebracht
Hoffmann v. Fallersleben mein leben (1868) 6, 347;
haben sie nur keine angst, meine liebe, meine beiden (töchter) sind auf blaublindheit erzogen, die stürzen nicht ans fenster, wenn einer in zweierlei tuch vorübergeht Stinde Buchholzens in Italien (³1884) 15. ähnlich: (die zechbrüder) entlieszen das bunte und schwarze tuch (einen leutnant und einen kandidaten) mit einer knatternden abschiedssalve der fabulhaftesten bemerkungen Raabe hungerpastor (1864) 2, 84.
c)
über die wendung der hat eⁱⁿ leichtᵉs tuch am kittel 'ist ein leichtsinniger mensch' (Fischer schwäb. 2, 438) kommt es im obd. zu der bezeichnung a leichts tuach leichtsinnige person Jakob Wien 197; vgl. Hunziker Aargau 63; Seiler Basel 89: ein leichtes tuch macht man nicht zum paten Peter Dörfler d. kommende geschlecht (1932) 9. so auch e liederlichs tuch ein nichtsnutziger schlingel bei Martin-Lienhart els. 2, 648; vgl. id. Austriacum 65; Schöpf Tirol 771; Castelli Österreich 117; Hügel Wien 168: meines mannes sohn, das liederliche tuch Gottlieb Stefanie s. singsp. (1792) 35; aber du bist ein zu liederliches tuch Raimund w. 1, 269 Gl.-S.;
häd i was glernt und a guet than,
hiesz i kain liedaligs tue
Stelzhamer ausgew. dichtungen (1884) 1, 29;
ab und zu reite ich zu einem pfarrer in der nähe, ... einem Franzosen, und trinke mit ihm portwein. er ist ein liederliches tuch, aber das einzige amüsante in der gegend E. Strauss Hans u. Grete (1919) 153. auch: das isch es nüütnutzigs tuch Friedli Bärndütsch 6, 531; und: e lustigs tuech 'ein fröhlicher kerl, kauz' bad. wb. 1, 583ᵃ. schon früher: also mus man dem lutherischen thuch thun (mit den ketzern verfahren), es verleurt sonst des geschlachteten lämlins farb Fischart binenkorb (1581) 60ᵃ.
C.
tuch im fachsprachlichen bereich der zünfte bzw. der textilindustrie.
1)
in verbindung mit verben, die arbeitsgänge der gewebe-, insbesondere der tuchherstellung betreffend.
a)
tuch weben, vgl. teil 13, 2623: er wîbet dûch (1355) cod. dipl. Moenofrancof. 637 Böhmer; ander thuch wird da nicht geweben, wiewol grosze menge wollen da ist J. Kellner beschr. d. königr. China (1589) 27; wie es scheint, glaubt sie durch diesen vorrat weiszen tuches, das sie jedes jahr weben läszt, ihr glück herbei zu locken G. Keller ges. w. (1889) 3, 101. übertragen: we euch, so jr wolt tuch weben, das ist: ein sach volenden, vnd nicht durch meinen geyst O. Clemen reform.-flugschr. (1906) 2, 185.
b)
tuch wirken, vgl. teil 14, 2, 554. hierher:
wahero duacho   werk wirkento
diurero garno   thaz deda siu io gerno
(Maria bei der verkündigung)
Otfrid I 5, 11;
die maister über daz tuͦch die suln ireu tuͦch, die si würken, niht zaichen vor e danne es der maister drei ze dem minsten gesehen habent (13./14. jh.) Nürnb. polizeiordn. 162 lit. ver.;
ein weber solt werden ...
solt tuch wuͦrcken zu hem vnd roͤcken
Hans Sachs fastnachtsp. 5, 26 Götze.
bildlich:
was nennst du gut und böse in der welt?
hast du das tuch der zeit nicht wirken sehn?
der vortheil sucht, der zufall bringt den faden,
und wollust schieszt als schiffchen mitten durch
Immermann w. 16, 76 Boxb.
c)
tuch machen, 'herstellen': swer auch warf (= wollengarn) machet und daz verkaufen wil, er welle denne selber tuͦch daraus machen (13./14. jh.) Nürnb. polizeiordn. 162 lit. ver.; das menglich hie zu Spire, beide man und vrouwen von allen gezunften, duch und gewant machent, wie viel sie wollent (Speier 1381) Mone zs. f. gesch. d. Oberrh. 9, 166; alle fremde und heimisch, so tuͦch machen und die hie walcken lassen werden (Pforzheim 1497) ebda 9, 162; (sie) sasz mit erin dinstjungfreuwchin unde span wollen, unde lisz darusz duch machen Gerstenberg chronik 168 Diemar; gut tuch macht man in dieser stadt (Paris) Krämer Parival (1691) 81; ich hatte garn ..., an dem ich verlieren muszte, ich mocht es nun wieder roh verkaufen oder zu tüchern machen U. Bräker s. schr. (1789) 1, 196. sprichwörtlich: er musz gut tuch machen (als entschuldigung) bei Rother schles. sprichw. 258. ursprünglich vielleicht vom vorgang des walkens (vgl. teil 13, 1246 u. II C 1 e) her übertragen:
drum ich bald auf die kanzel sprang,
fügt mich unter des priors kutten, ...
und macht im krisaments gut thuch
(etwa: spielte ihm übel mit)
Fischart w. 1, 38 Hauffen.
d)
tuch bereiten, nach Loesch zunfturkunden 1, 674 'waschen, walken und auf dem rahmen trocknen'; nach Bech dagegen 'rauhen, scheren und pressen' Germania 27, 165; 22, 46, ähnlich Rüdiger hamburg. zunfturk. 317: an wuwen und ouch an bereiteten tuͦchen (1433) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 41; item ein yeder welcker, der den meystern oder andern lüten walcken will oder walcket, soll die tüchere also walcken oder bereyten, er soll an allen tüchen ye an zehen eln ein eln lassen ingän (Baden 1486) Mone zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 155; solche tüche sollen ... fürter gewalckt und bereyt werden (Baden 1486) ebda 153; wan der mülmaister einer im duech berait (Lauterecken 1542) ebda 172; 156.
e)
tuch walken, die oberfläche des wollgewebes durch mechanische und chemische einwirkung verfilzen, vgl. Lueger lex. 7, 73 u. teil 13, sp. 1246: ez sol auch nieman dehain roh tuͦch ungewalken verkaufen (13./14. jh.) Nürnb. polizeiordn. 162 lit. ver.; und hant gesworn meyster und knehte die welker der düch keins me zü walkende (1412) Schmoller Straszb. tucherzunft 28; reine thone werden auch zum waschen, walken der tücher ... verwendet Oken allg. naturgesch. 1 (1839) 1, 209; vgl.: das beste tuch wird und bleibt schlecht, wenn es seine gehörige walke nicht erhalten hat Jacobsson technolog. wb. 8 (1795) 132. sprichwörtlich: erst das tuch wird gewalkt, nicht schon die wolle Eiselein sprichw. (1840) 606.
f)
tuch karten, das gewalkte gewebe aufrauhen, vgl. teil 5, 209 u. 210: willicher eyn duch kartet (1355) cod. dipl. Moenofrancof. 635; man sal auch keyn tuch zceichen ader vorsigeln, das ... gellicht gekart addir nicht eynen guten grund hat (1470) Chemnitzer urk.-buch 170; lappago, hippophaes ein distelkraut, das tuͦch zuͦ karten, aber nit der gmein kartendistel Gesner catal. plantarum (1542) 50; mit disteln wird das tuch gerauhet, d. h. aufgekratzt, um es besser zu scheren bei Jean Paul 15, 128 anm. Hempel.
g)
tuch längen, breiten usw., dem gewebe während des trocknens die richtige länge und breite geben: uf das er das tüch lengen und breyten möge darnach (Baden 1486) Mone zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 151. hierher auch: man schol auch kain tuͦch durch ziehen oder er gibt zwai pfunt haller ze buͦze ie von dem tuch (13./14. jh.) Nürnb. polizeiordn. 163 lit. ver.; swer auch ain tuͦch überzeyhet, sagent daz die maister, die darzuͦ gesetzent sint, der gibt ie von der eln ainen haller ze puͦze (13./14. jh.) ebda 162. das eingehen des tuches während oder auch nach seiner verarbeitung ist ausgangspunkt für vergleich und bild: von gedancken und gespannem tuche gehet viel ab (oder ein) bei Luther 28, 499 W.; vgl. ebda 16, 12; Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, J 4ᵃ; an anschlägen und ungegangenem tuche giht vil ab Gryphius lustsp. 286 lit. ver.; hierher auch: die stirn sr. hoheit war wie schlecht gekrumpenes tuch zusammengelaufen Gaudy s. w. (1844) 2, 61.
h)
tuch netzen, vor dem scheren anfeuchten, eingehen lassen, vgl. netzen teil 7, 640 u. 641; auch eintauchen in die farbflüssigkeit Jacobsson technolog. wb. 3 (1783) 138: ein yeglichs Ypers tüch ... soll behalten, genetzet und geschoren, zwo eln mynder ein halb viertel einer eln (Baden 1486) Mone zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 149; was aber ganze tuech wären, sollen ungereckt und gestreckt, aber doch genetzt verkauft werden (1603) Tirol. polizeiordn. von 1603 in Frommann zs. f. dt. maa. 4, 455; vorzeiten ... las man in den reichsabschieden noch wohl, dasz ... kein ungenetzt und ungeschornes tuch ausgeschnitten ... werden solle J. Möser s. w. 1, 283 Abeken.
i)
tuch scheren, von dem aufgerauhten tuch die langen ungleichen wollfasern abschneiden:
bring mir daz duch, las es nit scheren,
so mag es mir dester lenger weren
schausp. d. mittelalters 2, 387 Mone;
wi wollen ouch, daz dî tûchmachêre dî tûch schollen schere nâch deme mâze, daz in der rât gegeben het (Naumburg 1322) bei Bech eidgeschosz 3; vgl. den im voraufgehenden abschnitt h angeführten beleg von J. Möser s. w. 1, 283 Abeken.
k)
tuch färben: ein geverwet tûch vor vier mark (Naumburg 1322) bei Bech eidgeschosz 1; einich wüllein tuch ... es sey vor dem zaichen geverbt oder nit geverbt, nach anlegung desselben zeichens nit mer verben noch verben lassen sol, weder hie noch anndersswo (15. jh.) Nürnb. polizeiordn. 187 lit. ver.; in masz ain ungefarbt tuͦch anfancklich mit ettlichen schlechten farben so lang gefärbt wirt, bis es kumbt zuͦ volkommener farb Berthold v. Chiemsee teutsche theologey (1528) 654 Reithm.; an die vorstellung des gefärbten tuches bzw. vielleicht an den vorgang des wiederholten eintunkens in die farbflüssigkeit anknüpfend finden sich vergleiche, bilder und sprichwörtliche wendungen:
was geltz, wir werden sie dan leren!
man muͦsz das duͦch wol also ferben,
es möcht sunst an der varb verderben
Murner luth. narr 2009 Merker;
auch:
darmit (mit zorn und schelten) hab ich gewenht mein man,
also musz man dem tuche than,
wann es möcht sunst sein farb verlirn
Hans Sachs 14, 269 lit. ver.;
ähnlich: es ist böses tuch, das keine farbe annimmt Wander sprichw. 4, 1353; an der farb erkennt man das tuch Lehman floril. polit. (1662) 2, 932. in der wendung: dem grawen tuͦch musz mann also tuͦn, es kemen sonst die schaben drein Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 121ᵇ; 2, 177ᵇ; vgl. Wander sprichw. 4, 1353.
l)
tuch streichen, messen, mit einer maszschnur über zum verkauf bestimmtes tuch hinfahren (vgl. oben streichen): die gesvoren strigere suͦelen sweren zu den heiligen, die doiche reicht zu strichen (1350-60) acten zur verf. d. stadt Cöln 2, 25 Stein; und sal auch ire keiner die duche strichen, daran er underkeuffer gewest ist (1406) Frankf. amtsurk. 212; nemlich so sollent die tuch, so in ganzen stucken verkauft werden, durch die underkeüfer mit der schnur gestrichen und sechs und dryssig elen für ein ganz tuch, achtzehen elen für ein halbtuch gelüfert werden ... und soll man sy strichen, wie die ordnung der welschen tuch usweist (1529) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 139. hierher auch tuch messen: der pöffel misset die freundschafft am nutz, wie tuch an einer ellen Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, O 7ᵇ. sprichwörtlich: tuch misset man mit der elen, vnd nicht die elen nach dem tuch, man musz sich nach dem rechten richten, vnd nicht das recht nach dem letzkopff Lehman floril. polit. (1662) 2, 651.
m)
tuch anschlagen, offenbar in der bedeutung 'zum verkauf ausstellen' vgl. anschlagen teil 1, 442: dasz alle die, die daz antwerk hant, ... kein tuͦch anslahen an kein lander (tuchrahmen) an keim sunnendag ... wer ez öch daz ein welker eime weber ein tuͦch anslüge, so sol der welker dieselbe besserunge tuͦn, als do vor geschriben stot, unserm antwerk (zunftbeschlusz der tucher zw. 1400 u. 1434) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 27; vgl. auch ebda 60; esz sal nymande fremde tuch anslaen (1470) Chemnitzer urk.-buch 170.
n)
tuch versiegeln, die fertigen tuche nach der prüfung auf ihre güte mit siegeln und zeichen versehen, vgl. versiegeln teil 12, 1, 1319: das sich nymand mit unserme ingesigel, da man die duch mydde besigilt, behelffen ensal (1355) cod. dipl. Moenofrancof. 635 Böhme; die schauwer sollen die tüch versigeln alle wochen (Baden 1486) Mone zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 156; und was von tuchen zu schawen und zu besigeln, ... davon gepurt meim gnedigsten herrn, der statt und dem handwerk jedem sein geordneter teil (Bretten 1529) ebda 9, 165.
o)
tuch (aus)schneiden, vom ganzen stück eine bestimmte menge abschneiden, verkaufen, vgl. schneiden teil 9, 1257: undir yn selbs, die tuch schneyden Chemnitzer urk.-buch (1470) 168; weder geferbet, noch ungeferbet tuch schneyden (1489) bei Lorenz Rochlitzer tuchmacherhandw. 65; soll unser richter ... unsern burgern, so tuech ausschneiden, ... ir eelen ... abmessen (1533) österr. weist. 8, 230. bildlich übertragen: wie lang wir noch ... ze leben haben, wann uns der weber das tuch abschneidt, das ist, wann got unser leben abschneidet, das wissen wir nit Keisersberg baum d. seligkeit (1518) 32ᵇ.
p)
tuch bleichen, allgemein 'curare, biancare tele ò drappi, panni de tela' Kramer t.-ital. 2 (1702) 1157ᶜ, obd. speziell 'leinwand bleichen', vgl. Schöpf Tirol 771: da erschin sein antlüt als die sunn, vnd seine claider wurden weisser dann kain blaicher kain tuch blaychen kan Keisersberg pred. (1508) 3ᵃ; zimbliche anzahlen tuech zum plaichen an- und einnemen (Tirol 1668) österr. weist. 5, 509, 3.
2)
tuch in adjektivischen verbindungen.
a)
mit fachsprachlichen wertbezeichnungen: macht aber er (der tuchmacher) ein bôse valsch tuͦch, sô shol er aber als vil geben vnd shol daz tûch verbürne (Naumburg 1322) bei Bech eidgeschosz 3; (die meister sollen die tuche beschauen) swelhes tuch dann gereht ist, daz süln si zaichen, welhes aber ungerecht ist, daz sol man vj ellen lank absneiden und derzu des selbendes auch vj (ellen) lank abreizzen (13./14. jh.) Nürnb. polizeiordn. 164 lit. ver. 'grätet tuch unredliches tuch, welches zur warnung der käufer von den schauherren geschrenzt (entzweigerissen) woraen' Spreng id. Rauracum in Alemannia 15, 203.
b)
mit bezeichnungen der stoffart, vgl. zvilichez tǒch biplex pannis ahd. gl. 4, 239, 6 St.-S. (12. jh.), s. auch zwillich teil 16, 1198.
α)
graues tuch ungefärbter und daher nicht so wertvoller wollener stoff: die grawen tüch, die nicht enhant die breite zweier ellen, und eines vierteiles einer ellen, die sol man burnen (1270) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 3; dasselbige graw tucht (1470) Chemnitzer urk.-buch 175, 28;
frw kam der dewffel in (einen mönch) zw quellen,
pracht grabes tuechs auf zwainzig elen
und schnit miten darein ein loch,
hing ims an hals
Hans Sachs 22, 408 lit. ver.
in der redewendung: an waren und grauen tuch geht viel ein Schottel haubtspr. (1663) 1113; ähnlich Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 88ᵃ; an worten und an grauem tuch geht vil ein Eiselein sprichw. 650.
β)
grosze, kleine, mittlere tuche, vgl. es sollent ouch die cleynen tuͦch von der besten landwollen gespunnen und gemacht werden, die mitteltuͦch von der anderen, donoch die beste und das gross tuͦch von der groben, wie dann sollichs vormals auch gewesen ist (1514) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 112: vgl. beleg aus d. cod. dipl. Moenofrancof. unter γ; wer ein mitteler tuͦch koͧfet oder verkofet (1401) bei Schmoller a. a. o. 20; man sol ouch ein ieclich klein tuch werken in zehen gebunt unt nit mynner ... ein mitteltuch in nun gebunde ... ein gross tuch acht gebunde (1433) ebda 43.
γ)
grobes tuch, offenbar sowohl für wollstoff wie für leinwand, vgl. Hulsius (1616) 417ᵇ, ferner grob teil 4, 1, 6, sp. 394: von grobin duchen adir von mytteln duchen adir von namelosen duchen (1355) cod. dipl. Moenofrancof. 637 Böhmer; so sall derselve (tuchscherer) kneicht ... sess elen guetz doichs und sess elen groifs (groben) doichs scheren (1440) bei Loesch Kölner zunfturk. 1, 193; ein ehle des grobsten duechs, daran 4 gebund sind ... ein elen duech, das nit so grob ist und 5 gebund hat, ... 1 ehln des reinesten duech, daran 9 gebund sind, ... reiner duech machen die leineweber in diser gegend lands nicht (Lauterecken 1571) Mone zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 180. sprichwörtlich: auf ein grobes tuch gehört ein grober knopf bei Wander 4, 1352.
δ)
allgemeine sprichwörtliche wendungen: wie das garn, so ist das tuch Eyering proverb. 3 (1604) 554; so auch Henisch (1616) 1358; er kann fast gute wort spinnen, wirt aber nit gut tuch darausz Luther br. 1, 120 W.; schönem tuch thun die schaben am meisten schaden Lehman floril. polit. (1662) 2, 726; ähnlich Butschky Pathmos (1677) 6.
3)
tuch als längenmasz für gewebe, in erster linie für wollstoff.
a)
ein tuch, vgl. tuch ... so viel eines solchen gewebes (tuches), als auf ein mahl verfertiget wird. in diesem verstande ist es nur in einigen gegenden üblich, indem im hochdeutschen dafür stück üblicher ist Adelung 4 (1801) 713; vgl. Frisch (1741) 2, 393ᵇ; bis in neuere zeit auch für leinengewebe, vgl. tuch ist ein linnenmaasz und hält 14 ellen kauflinnen Jacobsson technol. wb. 4 (1784) 455. die länge des tuches ist in den einzelnen orten verschieden, vgl. ein stück tuch hält gemeiniglich 22-32 ellen und wird an manchen orten auch ein tuch genannt Krünitz encycl. (1841) 176, 514; vgl. Voigt hdwb. f. d. geschäftsführ. (1807) 2, 518; in Nürnberg hält ein tuch 32 ellen Adelung 4 (1801) 713: man sol auch zu iedem tuch niht minner nemen dann VIII gepunt garns (13./14. jh.) Nürnb. polizeiordn. 164 lit. ver.; den dok ghentisch scal he eme gheuen vor verdehalue mark lodich (1326) Mecklenb. urk.-b. 7, 379; dit is, wey lanc eyn eygklich duͦch sin sal (1344) Loesch Kölner zunfturk. 1, 64, 34; bey pene von einem yeden tuch XX pfund newer haller und von einer yeden eln besunder ein pfundt newer haller (15. jh.) Nürnb. polizeiordn. 133 lit. ver.; item a domino Jacobo ... ein thuech Bresler (1533) qu. z. gesch. d. st. Kronstadt 2, 319; so auch ein maister ... in solchen vier jahren krank würde, also das er die gesetzte zahl der tücher leibs halber nicht machen ... könte (1630) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 264. α) zum unterschied von anderen mengen auch deutlicher' ganzes tuch: ein gancz tuoch (Erfurt 1289) bei Bech eidgeschosz 12; die do ganze tuͦch koͧfent oder verkofent (1401) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 21ᵇ; weder mit gantzen tuchen, stuck oder elnweiss, bey peenen von einem yeden ganntzen tuch XX pfund newer haller, und von einer yeden eln ein pfund newer haller (15 jh.) Nürnb. polizeiordn. 133 lit. ver.; all andere leynwat soll funfftzig eln an leng habenn, will es anders ein gantz tuͦch genandt seyn teutscher nation nodtdurfft (1523) D 2ᵇ. β) ein halbes tuch (vgl. dagegen halbtuch teil 4, 2, 216): das leinin tuͦch, daz weppe brait sol sein, daz daz habe zwo eln an der breite, und daz halp tuͦche aine eln (13./14. jh.) Nürnb. polizeiordn. 166 lit. ver.; das alle gewantsnider ... an eins eydes stat geben söllent, was ganzer duͦche oder halben duͦche sü samenthaft verkoͧfent (zw. 1424 u. 1442) Schmoller Straszb. tucherzunft 38; das ganze duech, es sei grob oder rein, ist in gemain, wenn es im geschir noch ist, zehen viertel breit, das halbe duech aber ist im geschir nur 5 viertel brait, kosten den gebunden nach an macherlohn so vil als das ganze duech (Lauterecken 1571) Mone zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 180. seit dem 16. jh. wird als grösztes mengenmasz für gewebe ein ballen tuch üblich, vgl. ballen teil 1, 1092.
b)
es kann auch tuch als maszbegriff neben tuch als materialbezeichnung stehen: sal man kouffen zwelf tuch grawes tuches, die sal man teilen (1379) urk.-b. d. st. Erfurt 2, 611; van eyme doike sairdoikes des gelix 1 d(enarium). van eyme doike bursis 1 d(enarium) (Unna 1427) westf. stadtrechte 1, 3, 54; so auch neben gewand (s. o. unter bed. u. gebr. 2; hierher wohl die meisten belege teil 4, 1, 3, sp. 5241): vort so en sal man gein vremde gewand an gantzen doichen of an stucken doichen in die zwei huis Orsburch und Kriechmart of in einich ander huis ... setzen (1341-60) acten z. verf. d. st. Cöln 1, 64 Stein; 22 tuch ist ain sam gwantz, 24 elen machen ain tuͦch, 45 parchant ist ain fardal, 18 elen ist ain parchant qu. d. 15. jhs. bei Schmeller-Fr. 1, 582; item einer kaufft 1 saum gewantz zuͦ Köllen ie ein tuͦch für 9 fl. rechenb. a. d. anf. d. 16. jhs. 64ᵃ in teil 4, 1, 3, 5241. neben laken: dat voder holtes mach men losen mit ses penninghen um den dok lakenes mid achte penninghen unn dat scap vor eynen schillinc (Herford 1372) cod. trad. Westf. 4, 95. tuch und laken als maszbegriffe gleichbedeutend nebeneinander: dasz sie (die tuchmacher) und alle ihre nachkommen ... ihre tuech und gewand, was sie des ... arbeitten und bereitten, bey gantzen laken und tuechern oder bey halben oder bey vierteln oder bey ehelen und halben ellen ... verkeuffen, schneiden, verhandeln (Magdeb. 1496) gesch.-qu. v. Sachsen 28, 594; bi gantzen lakenen vnd doken scholen se de verkopen (1353) urk.-buch Lübeck 3, 187; 15000 und mehr laken oder tucher jerlichs gemacht, vorkauft (1563/9) kurmärk. städteakten 2, 567 Friedensburg.
D.
tuch als handelsobjekt:
ich hân voller secke drî,
die sint swære als ein blî.
der eine ist vol unversniten
klein lînîn tuoch in den siten,
swer sîn ze koufe gert,
diu elle ist fünfzehen kriuzer wert
Meier Helmbrecht 1332 Panzer;
ein ieder gast, der kaufmanschaft herpringt, als eisen, stachel, waxs, wein, tuech und ander ding desgeleichen, der ... mag das wol verkaufen ... wein ürnweis und tuch stuckweise (15. jh.) österr. weist. 5, 479; alle kaufmansware als: gulden stugk, silbern tucher, samatt und alles seidengewant, auch unczen golt, auslendische tucher H. v. d. Planitz berichte (1521) 49 Wülcker.
1)
sehr häufig mit herkunftsbezeichnungen, an denen sichbesonders in neuerer zeitdie hauptzentren der tuch-herstellung ablesen lassen:
sî truogen beide röcke nâch dem hovesite
Ôsterrîches tuoches
Neidhart 60, 13 Wiessner;
den dok ghentisch scal he eme gheuen vor verdehalue mark lodich, den Ordenborgiscen vor dre mark lodich (1326) Mecklenburg. urk.-buch 7, 379; item Brabensch, Triersch, Lützelburgsch, Spirsch oder ander derglich düch (1477) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 92; solten ... schlecht kleyder tragen, aber nun ist es doch zuͦ kommen, dasz sie lündisch und mechelsch tuͦch tragen Keisersberg christl. bilgersch. (1512) 42ᵃ; (wir) öffneten ... von ballen und fassen ... worinnen es viel seyden wahr und englisch tuch setzte Grimmelshausen 2, 91 Keller; s. auch 2, 32; und schon in der mitte des zwölften jahrhunderts wurden flandrische tücher in Frankreich und Deutschland getragen Schiller 7, 34 G. auch mit wertbezeichnendem epitheton: wenn es sie (Göschen) nicht incommodirt, so haben sie die güte, mir 3 und 1⁄2 elle sehr feines französisches oder feines englisches tuch zu einem frack nebst guten knöpfen nach der neuesten mode auszusuchen oder aussuchen zu lassen Schiller br. 3, 343 Jonas. in scherzhafter wendung: wenn lügen lönsch tuch wäre, wäre es nicht ein wunder, dasz er schöne kleider hätte bei Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 162.
2)
in verbalverbindungen.
a)
tuch verschneiden 'im kleinen verkaufen', vgl. verschneiden teil 12, 1, 1131: die swesteran sont aber des selben tuͦchs nieman andern lúten versniden noch ze koffen geben (Konstanz 1382) Mone zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 174; git er aber sin truwe an eydes stat, das er die duͦche versniden wil ... so sol er nuwent slehten zoll geben (1424-42) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 38.
b)
tuch ausnehmen 'im laden kaufen', vgl. ausnehmen teil 1, sp. 921:
dan soltten sy erst in laden gohn,
tueg auff borg auszunemen thon
Regensb. fastn.-sp. in Bayerns maa. 2, 3;
hab also ... allerley tuchs ... etlich vil eln auszgenomen J. Nas warnungsengel (1588) vorr. A 3ᵃ; der schneidern, welche mir tuch ausnimmt, sind sie so gütig und zahlen den rest von 25 thalern aus Schiller br. 7, 249 Jonas.
III.
als bestimmungswort zahlreicher komposita steht tuch nur vereinzelt in der bedeutung von tuch I (z. b. tuchecke, s. u.), vorwiegend als materialbezeichnung (zu II), und zwar meist in engerem sinne als speziell bearbeiteter wollstoff (zu II A 3 a, z. b. tuchartig, tuchrock, s. u.), vereinzelt in der bedeutung 'leinwand' (zu II A 3 b, z. b. tuchbleiche, s. u.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1448, Z. 58.

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Zitationshilfe
„duchs“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/duchs>, abgerufen am 01.08.2021.

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