Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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dumpf, m.

dumpf, m.
im ahd. und mhd. unbekannt, im Passional 121, 85 Köpke einmal tumpflich für tumplich scheint ein schreibfehler.
1.
engbrüstigkeit, schwerer athem, asthma, im 14ten und 15ten jh. dumpfe dumpe, in einigen gegenden dumpfen; ein starkes part. praet. als adject. verdumpfen führt Frisch 1, 210ᵃ an, doch bedumpfet bei Schuppius (oben 1, 1237) weist auf ein schwaches verbum. es gehört zu dimpfen und kommt mit duft, dampf (s. oben 714) nahe zusammen. ursprünglich bezeichnet dumpf eine bedeckung, verhüllung durch dunst, rauch, hier als krankheit den druck auf die schleimhaut, die behinderung im freien athemholen, die gewöhnlich mit husten verbunden ist, engbrüstigkeit; vergl. dümpfel 2, dumpfig. man sagt in Hessen der alte mann hat den dumpf ist schwerathmig. dumpe tracheit catarrhus Glossar. saxonicolat. von 1425, s. Diefenbach Gloss. lat. germ. 106. dumpfe ein krankheit catharrus oder strauch Voc. theut. 1482 f 3ᵇ. dumpf catarrhus aus einem glossarium des 15ten jahrhunderts bei Diefenbach.
je jungist in der dumpfe (nach dem schnellen lauf mangel an luft)
bestûnt mit alsulchir nôt
daz er vîl dâ nidir tôt.
Jeroschin 80ᵇ.
wie schauderte sie zurück, da ihr ein haufen eingeschrumpf ter matronen an stäben und krücken entgegen zitterten, mit dumpf und keuchhusten beladen Musäus 1, 167. s. dampf 7.
2.
schimmel situs mucor Schottelius 1306. Stieler 277. Steinbach 1, 305. der schimmel nemlich überzieht verfaulte gegenstände gleichsam mit einem weiszen dunst. vergl. dumpfig 2.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1522, Z. 74.

dumpf, m.

dumpf, m.
soviel als dümpfel.
aus strudlendes loches dumpfe
und schlammigem kotsumpfe
entpor er da mich zog.
Melissus Psalme R 4ᵃ.
etlich tümpf sind, die da gelbsucht auszziehen Paracelsus 1, 1107ᶜ. so alsdann ein solch wasser in ein tumpf oder galtbrunnen (schöpfbrunnen, galgenbrunnen) vervaszt wird 1, 1108ᶜ. in welcher bedeutung es noch in Baiern gebraucht wird Schmeller 1, 373.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1523, Z. 24.

dumpf, adj. und adv.

dumpf, adj. und adv.
zeigt sich erst gegen die mitte des 18ten jahrhunderts, niederd. und niederl. duf Brem. wörterb. 1, 265. Schambach 50ᵃ, engl. damp. im altnord. schwed. und dän. kommt es nicht vor; vergl. dimper. im niederd. auch das verbum düffen schwächen Schambach 50. in der Wetterau gebraucht man, nach Weigand, bedompe und verdompe. ursprünglich heiszt es vaporosus, wird aber häufig uneigentlich verwendet, um abschwächung, dämpfung des schalles, und abspannung, gefühllosigkeit des geistes auszudrücken. s. dumpfig.
1.
drückenden, meist feuchten, moderigen dunst, düsterheit enthaltend oder verbreitend. s. dumpfig 1.
als Fell, der geiferer, auf dumpfes heu sich streckte,
stach ihn ein skorpion.
Lessing 1, 17.
selbst dann gehe hinein in Aïdes dumpfe behausung.
Voss Odyssee 10, 512.
aber aus der dumpfen grauen ferne
kündet leise wandelnd sich der sturm an
Göthe 2, 76.
nicht in kalten marmorsteinen,
nicht in tempeln dumpf und todt,
in den frischen eichenhainen
webt und rauscht der deutsche gott.
Uhland Ged. 55.
will mich selbst die dumpfe gruft,
nun wohlan, sie mag mich raffen
48.
nicht nach gewohnter sitte
erzog man dieses kind
in dumpfer kammern mitte
459.
weich aus deiner dumpfen zelle
Platen 4.
ich zog, das herz voll lust, den mund voll lieder,
frohlockend heimwärts in die dumpfe stadt.
Anastas. Grün Ged. 18.
2.
hol, mit tiefem laut, aber schwach und gedämpft erschallend; vergl. dimper 4.
ich höre dumpfes geräusch
Klopstock.
hier das dumpfe geheul des widertönenden abgrunds
ders.
wie, wenn im krummen thal ein dumpfes ungewitter
von ferne braust.
Wieland.
dumpf hin kracht er im fall, und die augen umschattete dunkel
Voss Ilias.
dumpf aufhallte der grund
2, 781.
so von heere zu heer flog häufiger steine gewimmel,
welche die Troer hier und die Danaer dort auf die Troer
schleuderten: und um die mauer erscholl rings dumpfes gepolter
12, 289.
dumpf tönt die glocke
Klinger 1, 54.
murmle dumpfer, nahe quelle
Gotter 1, 104.
ein dumpfes brüllen
1, 155.
dumpfes angstgeschrei
1, 270.
mir schallt der sterbeglocke
dumpfes geläut.
Hölty 66.
sie horchten dir (nachtigall) bis dumpf die abendglocke
des dorfes klang.
115.
abendglocken zittern
dumpf durch moorgedüfte hin.
Salis 47.
kies und dumpfe schollen warfen
wir auf den versenkten sarg.
124.
die bahre schwebt: vom thurme hallt
die dumpfe glocke schwer.
Voss 4, 226.
die dumpfe leichenglocke schallt
Matthisson 284.
eben schlug die dumpfe geisterstunde
Göthe 1, 246.
welch ein dumpfes fernes sausen!
ders.
dumpf erbrausend durch die gassen
wälzt sich die bacchantsche lust.
Schiller 61ᵃ.
und des meeres dumpfes brausen
das sich an den ufern bricht
ders.
der graue thalvogt kommt, dumpf brüllt der firn
517ᵃ.
wo in düstrer einsamkeit
dumpf die tritte widerhallen.
Uhland Ged. 13.
hört nicht seines rosses wiehern,
seiner waffen dumpfen klang.
306.
nur spät, nur langsam und leise
sank zertrümmert gebälk und sanken zerschmetterte leichen,
jetzo entfernt, jetzt nah, in die dumpf aufplätschernden fluten.
Pyrker Tunisias 4, 425.
und dumpf rollt er (der belastete wagen) dahin.
Mörike Idylle 104.
'geben sie mir, wenn ich etwas verdient habe', setzte Hackert mit dumpfer stimme hinzu Gutzkow Ritter vom geiste 4, 205.
3.
geistig niedergedrückt, verdüstert, betäubt, abgestumpft, gefühllos. er empfand einen dumpfen schmerz. er lag in dumpfem hinbrüten. es gibt einen gewissen dumpfen hasz, wo man sich nicht gestehen will dasz man sich nicht mehr liebt Leisewitz Julius von Tarent 1, 2, s. 16. die dumpfe nacht Klinger 1, 31. er versank bald darauf in den dumpfen schlummer welcher der nahen auflösung vorgeht 4, 47 es ist mir wieder so taub vorm sinn, so gar dumpf ders. Theater 2, 270. die Abderiten waren ein dumpfes völkchen Wieland. ein groszer mann hat dumpfe anstauner ders.
o brich, wie ein volkan,
nach dumpfer stille los.
Gotter 1, 223.
die dumpfe stille der mitternacht
3, 118.
Gertrude, fühllos, dumpf und krank
am leib und an der seele.
Gökingk 3, 142.
neigest dich (mitleid) mit leisem trösten
an der schwermuth dumpfes ohr.
Salis 18.
sie ahnte schaudernd ihr geschick,
ihr ward so dumpf und schwer.
Matthisson 285.
dumpfe betäubung ergrif mit dem heftigen schmerz den Apollon.
Voss Bion kleinere fragmente 1, 1.
Göthe gebraucht das wort häufig, zuweilen im mildern sinn für unbewegt, unangeregt vom geist, vom leben, wie das meer bei völliger windstille ruht; vergl. dumpfheit.
hab oft einen dumpfen düstern sinn
1, 19.
diese dumpfen pfaffenchristen
laszt uns keck sie überlisten!
1, 234.
so verwirret mit dumpf willkürlich verwebten gestalten
höllisch und trübe gesinnt Breughel den schwankenden blick.
1, 360.
götter, ists in euern händen
dieses dumpfe zauberwerk zu enden,
wie dank ich, wenn ihr mir die freiheit schaft.
2, 95.
doch sie lieszen mich im schlafe
dumpf und unerquicklich liegen.
2, 100.
lasz mir das dumpfe glück, damit ich nicht
mich erst besinne, dann von sinnen komme.
9, 242.
lasz eines dumpfen dunkeln traumgeflechtes
verworrne todesnetze mich zerreiszen.
9, 327.
ein dolchstich würde allen diesen schmerzen den weg öffnen und mich in die dumpfe fühllosigkeit stürzen, um die ich jetzt alles dahin gäbe 10, 170. o dasz ich ohne gedanken wäre! dasz ich in dumpfem schlaf, dasz ich in hinreiszenden thränen mein leben hingäbe! 10, 183.
begrüsze diese stadt,
die alles gute pflegt, die alles nützt:
wo sicher und vergnügt sich das gewerbe
an wissenschaft und künste schlieszt: wo der geschmack
die dumpfe dummheit längst vertrieb.
11, 364.
und seitwärts sie, mit kindlich dumpfen sinnen
im hüttchen auf dem kleinen alpenfeld,
und all ihr häusliches beginnen
umfangen in der kleinen welt
12, 175.
im kloster fand ich dumpfe gönner
13, 165.
wie dumpf, dringend, dreist, ungeschickt war jeder, den sie herbei reizte 19, 87. ich sah ein beispiel von der dumpfen sinnesart unterrichteter und gebildeter männer, wie mochte es erst im groszen publicum aussehen 26, 205. in einer dumpfen erziehungsanstalt weder verdorben noch gefördert 45, 181. so haben sie den gegenwärtigen fastnacht-Göthe der ihnen neulich einige dumpfe tiefe gefühle vorstolperte Göthe an gräfin Stolberg 2. und mir fuhr durch die seele 'wenn du nun auch das einmal verlassen muszt! das land, wo du so viel gefunden hast u. s. w. wenn du auch das zu verlassen gedrungen würdest mit einem stab in der hand, wie du dein vaterland verlassen hast,' es kamen mir die thränen in die augen, und ich fühlte mich stark genug auch das zu tragen: stark! das heiszt dumpf. an frau v. Stein 1, 48. mich hat der unendliche schlaf eingewickelt dasz ich in dumpfem vergessen glücklich da lag 1, 93.
dem geist auch drohts dasz er sich überlebe,
wie kühn er erst auf freien flügeln schwebe,
dumpf gnügsam bleibt er bald am boden hangen.
A. W. Schlegel Poet. werke 1, 325.
es wandelt dumpf ein thier in paradiesen
und sieht nicht blum noch frucht.
Tieck 3, 310.
gegen thiere sind wir duldend, weil sie unsere trefflichkeiten nicht bemerken können und wir ihnen dadurch immer wieder gleich stehen: indem wir aber ihre dumpfe existenz fühlen, entsteht eine magische freundschaft, aus mitleiden, zuneigung, ja ich möchte sagen aus furcht gemischt ders. Sternbald 2, 128. du wirst wie ein gemeiner missethäter von einer welt geschieden, die deiner wartet zu der wiedergeburt aus dumpfer dummheit, hohler narrheit, schalem glauben Arnim Schaubühne 2, 211.
und des lebens bange kreise
schlieszt der starre dumpfe tod.
Rückert 242.
meine augen wollt ich schlieszen
wies das dumpfe herz gebot.
300.
wie bis zur dumpfen verzweifelung sich ungeschmack und unsinn jeden andern tag wieder so breit macht als wäre er nie überwunden worden Gottfr. Keller Grüner Heinrich 80.
4.
im niederd. wird es auch von einer gedämpften matten glanzlosen farbe gesagt. ene duffe couleur Brem. wörterb. 1, 265. dat râd (roth) is te duf Schambach 50ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1523, Z. 33.

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Zitationshilfe
„dumpf“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dumpf>, abgerufen am 03.08.2021.

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