Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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dunk, m.

dunk, m.
visio, opinio, phantasia, persuasio Henisch 766, s. mhd. dunc Ben. 1, 359ᵃ. niederl. dunk; meditatio, cogitatio Steinbach 1, 306, s. bedunk m. bei Stieler 296. gedunk, dunken n. das weib soll iren dunken fallen lassen Agricola Sprichw. 206ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1532, Z. 44.

dunk, f.

dunk, f.
unterirdisches gemach worin die weber ihre werkstätte haben, webergaden weberstube unter der erde, ahd. tunc dung hypogeum textrina Graff 5, 433, Haupts Zeitschr. 5, 337ᵃ, dunch Gl. Wiesbad. 162, mhd. tunc Ben. 3, 130ᵃ, tong Vocab. opt. 13, 32. dunck dextrina vel dextrinum, est camera textoris in terra qui in yeme non sentit frigus Voc. incip. teut. d 4. dunck genicium (gynaeceum), geniculum, textrina Voc. theut. 1482 f 3ᵇ. nachweisungen aus andern glossarien bei Diefenbach 582ᵇ. (die bettler wollen lieber) frei eigen herren bleiben dann daz sie eim meister die ganz wochen schaften und in der dunk säszen umb das brot Frank Sprichw. 2, 75ᵇ. auch in der folgenden zeit kommt das wort vor, er hab dann glaubt was gut sei f;eur hitz, sei auch gut fuͤr frost, wie die bronnen, wie der weber dunkkeller, wie der weiber brautbelz und der männer wolfsbelz Fischart Garg. 117ᵃ. de kaiserinne wolde dat de utgesnedene Narses mit eren wiven in ere dung spunne aus einer Chronik bei Frisch 1, 211ᵃ. dunk webergaden Schönsleder Kk 5. die leinweber wirken unter der erden, welche werkstatt sie dunken nennen Henisch 765. der schmid bei den funken, der weber bei den dunken Abraham a S. Clara bei Schmeller 1, 385. dunk weberkeller Schmeller 1, 385. Schmid Schwäb. wörterb. 148. bei Maaler allein dunnen wäbergaden 93ᵈ. der bedeutung von weibergemach gynaeceum entspricht die ahd. entstellung genez genuz genz (Graff 4, 217) oder die zusammensetzung geneztunc (5, 434), weil den frauen und jungfrauen als häusliche arbeit das spinnen und weben oblag (Weinhold Die deutschen frauen 114), und so hat das altnord. dŷngia auch die bedeutung von webegemach der frauen: in einer solchen dŷngia singen die Walküren das schicksalslied zu ihrem grausenhaften gewebe (Nialssaga c. 158). dasz die weberkeller schon in der ältesten zeit vorhanden waren, hat W. Wackernagel (Haupts zeitschrift 7, 128) nachgewiesen. Plinius, wo er von der webkunst handelt, berichtet 'in Germania defossi atque sub terra id opus agunt' Nat. hist. 19, 1, wie man noch jetzt z. b. in Appenzell solche dunken wenigstens halb in die erde hinein baut. die arbeitsstuben der frauen werden in der lex salica, der lex Frisionum und dem capitulare de villis screona screuna screo genannt (Graff 6, 582. Waitz Salisches recht 292), wovon das französische écraigne, bei Roquefort (1, 508. 509) escregne escrienne escriegne, abstammt, kleine unterirdische, mit mist bedeckte gemächer, wo die mädchen im winter zur abendzeit zusammen sitzen. im mhd. dehnte sich der begriff aus und tunc bezeichnete eine tiefe dunkle höle, sogar den abgrund der hölle, bei Ottacker, wo es m. oder n. ist, ein unterirdischer gang, unz daz man ûʒ dem tunc die tôten veigen rûmt 427ᵃ. unzuvarili gitungi inaccessus recessus (Graff 5, 434) sind blosz erdklüfte. Tacitus (Germ. 16), wo er von den vereinzelten wohnungen der Deutschen spricht, fügt hinzu 'solent et subterraneos specus aperire eosque multo insuper fimo onerant, suffugium hiemi et receptaculum frugibus; quia rigorem frigorum eiusmodi locis molliunt, et si quando hostis advenit, aperta populatur, abdita autem et defossa aut ignorantur aut eo ipso fallunt quod quaerenda sunt.' von weberei ist hier nicht die rede, aber es ist doch gewis ein ähnlicher aufenthaltsort; getreidekammern dieser art waren bei vielen völkern in gebrauch, und sind von Wackernagel näher beschrieben. da Tacitus ausdrücklich bemerkt dasz der unterirdische keller, ohne zweifel zur abwehr der kälte, mit mist sei bedeckt worden, so schlieszt Wackernagel dasz dunk f. und dung m. dünge f. dasselbe wort sei. s. dunkesel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1532, Z. 49.

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Zitationshilfe
„dunk“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/dunk>, abgerufen am 31.07.2021.

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