Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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duns, m.

duns, m.
ein aufgeblasener eingebildeter geistloser gelehrter. Stieler, Frisch und Steinbach kennen das wort noch nicht, es zeigt sich erst gegen die mitte des vorigen jahrhunderts. da es dem englischen dunce, allgemein dummkopf, entspricht, so liegt Adelungs vermutung nahe, dasz es von dort gekommen sei, wo es aber auch nicht einheimisch zu sein scheint. das ahd. duns (Graff 5, 197) tractus, ductus, das ausziehen, ausdehnen, gehört zu dinsen, noch näher steht dunsen aufschwellen und von dinsen das part. prät. aufgedunsen. man bezieht duns auch auf den philosophen Joannes Duns Scotus, der im 13 ten jahrh. lebte und seiner spitzfindigkeiten wegen doctor subtilis genannt ward. es wird daher als eigenname, aber auch appellativisch gebraucht.
magister Duns, das grosze licht,
des deutschen Pindus ehre.
Uz 1, 36.
wenn ein pedant die trotzige weisheitsmiene annimmt wie diese dunse alter und neuer zeiten Kant 7, 388.
der schöne sänger (ein kauz den ein kettenhund schilt) hörts und lacht
mit solchen groszmuthsvollen mienen,
in welchen oft ein duns erschienen,
wenn man ihm spöttisch hinterbracht
dasz alle welt sein neu system verlacht.
Handkorb der frau mutter (Wittenb. 1769) 2, 78.
man denke nur, herr Duns, wie grosz, wie alt sie sind!
2, 176.
Sulzer schreibt (1757) der könig (Friedrich der grosze) hat sich bereden lassen dasz dieser duns (Gottsched) ein licht der Deutschen sei Weimar. jahrb. 4, 167.
die dichter sahen diesz (dasz der mit fremden federn sich schmückende reimer sich selbst besang und ein Haller zu sein glaubte), beraubten seine lieder
des witzes den er stahl. wo war nun seine pracht?
der neue Haller ward ein seichter reimer wieder
und selbst von dunsen ausgelacht.
J. A. Schlegel Fabeln 105.
ach der edle schläfer (Lessing)! schliefe
doch, an seiner statt,
der berühmten dunsen einer,
der verwirrt, was ordnung war, mit seiner
kleinen dunsenseele hat!
Klamer Schmidt Poetische briefe (1782) 119.
doch plauderst du, so bist du hin,
und dein credit auf einmal all.
'herr Dunsz' grüszt man dich überall,
so lange du am pranger stehst,
bis dich ein andrer abgelöst.
(Merck) Rhapsodie (1773) s. 11.
froschgequäcke wär um uns,
Peter Meffert, Bav und Duns
würden um den könig schwärmen.
Gleim Sinnged. 88.
welcher duns, welcher schuft wollte nun nicht so gut wie Caesar an seine fortunam glauben? dasz der elendeste duns, der dummste Gottsched, ebensogut als Horaz im triumphierenden bewustsein seiner selbst ausruft u. s. w. Wieland in Mercks briefsammlung 1, 238. entweder müssen wir allen witzelnden und in genienmasken einhergehenden dunsen den krieg ankündigen, oder wir müssen gar keine notiz von ihnen nehmen 2, 137. die Leipziger dunse nach gebühr züchtigen Böttiger Literar. zustände 1, 220. und besagter geist wird facultisten von dunsen, profeszhäuser von irrenhäusern wenig oder gar nicht zu unterscheiden wissen J. Paul Siebenk. 3, 122. sie sind ein groszes genie, mein herr, oder, funfzig gegen eins, sie sind ein groszer duns oder dummkopf Bode Tristram Shandy 1, 57. hieraus auf Voltaires gänzliche unwissenheit der italiänischen sprache zu schlieszen, scheint mir ebenso ungerecht als Trissino, Goldoni, Frugoni mit der ganzen zunft der reimlosen italiänischen dichter als dunse, skribler und sprachverderber vorzustellen Biester Neue berlin. monatsschrift 13, 256. wobei wir sie (die methode) nochmals jedem empfehlen, der sich in beliebter kürze der zudringlichkeit eines schalköpfigen dunses der keine räson anzunehmen pflegt, weil das schon vernunft voraussetzt, gern erwehren will Siegfried v. Lindenberg 1, 146.
sein (des Narciss) name lebt, wie doctor Duns
in dicken folianten,
in einem blümchen unter uns,
das gärtner nach ihm nannten.
Hölty Narciss und Echo.
die reichen dunse Klinger 11, 248. warum soll ich moralische fehler z. b. eitelkeit dem genie vergeben, und dem dunse nicht? J. Paul Siebenkäs 3, 44. sie schalten dich saufaus, lügner, duns Kotzebue Dramat. sp. 3, 327.
pfui, schäme dich und sei kein duns
den höllenfurcht besiegt.
A. F. E. Langbein Ged. 2, 1800.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1557, Z. 52.

tüt3, tüte3, f.

³tüt(e), f.,
wohl in anlehnung an ¹tüte gebildete kurzform zu tüter, tüder 'strick zum festmachen des grasenden viehs', s. Mensing schlesw.-holst. 5, 209 f.; nur vereinzelt in der nd. wendung aus der tüt(e) sein, schlesw.-holst. ut de tüt bzw. ut tüt un tǫ̈gel 'auszer rand und band, ausgelassen sein' (vgl. he is gans ut'n tüter zügellos, ausgelassen Mensing a. a. o.): Thetje Fein war ganz aus der tüt vor vergnügen Georg Asmussen stürme in: tägl. rundschau (1906) unterhaltungsbl. 181ᵃ; Störtebeker aber kam gänzlich aus der tüte (vor verwunderter entzückung) Gorch Fock seefahrt (1914) 159; ebenso im mecklenb.-vorpomm. ut de tüt kamen auszer sich vor vergnügen sein Mi 95; oldenburg. auch: se is ganz ut'e tüüt verwirrt, auszer sich Böning 120.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1937, Z. 1.

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Zitationshilfe
„duns“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/duns>, abgerufen am 07.12.2021.

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