Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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durchbringen

durchbringen,
ahd. duruhbringan Graff, 3, 200, niederd. dôrbringen Schambach 45ᵃ, niederl. doorbrengen.
1.
eigentlich. a. durch einen ort führen. grosze ballen mit wolle wurden auf wagen durchgebracht. die gefangenen feinde hat man gestern hier durchgebracht durchgeführt. b. durch eine öffnung mit mühe drängen, treiben, stoszen. es war ein starkes gedränge, doch habe ich ihn glücklich durchgebracht. das nadelöhr ist zu klein, man kann den faden nicht durchbringen. der ermel ist zu eng, ich bringe den arm nicht durch. c. eine zeit hinbringen, zubringen. der knabe hat den ganzen tag mit spielen durchgebracht.
neun stunden sind nun gleich von nächten durchgebracht
Fleming 487.
wie manchen tag, wie manche nacht,
wie manche liebe zeit
hab ich mit klagen durchgebracht
494.
gehab dich wol, du manche süsze nacht,
die ich mit ihr in liebe durchgebracht
534.
er hat sein leben in wollust und begierden durchgebracht, steckt in seinen sünden bisz an den hals Olearius Pers. baumgarten 4, 4.
2.
uneigentlich. a. durchhelfen, von bedrängnis befreien. sein lehrer hat ihn in der prüfung durchgebracht. ein versuch ob man nicht die vernunft zwischen diesen beiden klippen glücklich durchbringen könne Kant 11, 126. b. bewahren, erhalten in not, krankheit, bedrängter zeit. die herde ist, ungeachtet des futtermangels, glücklich durchgebracht. man hat die pflanzen mit laub bedeckt und den winter durchgebracht.
durch welche mittel und auf welchen wegen
das schöne fräulein (in die burg) durchzubringen sei
trotz allen schaaren (der feinde), so die burg umhegen
Gries Bojardo 1. 14, 58.
c. verschwenden, verthun. durchbringen, verbrassen, verschlemmen Henisch 772. wenn er das seine liederlich durchgebracht Olearius Lokman fab. 16. als könnten gottes gaben sonst nicht durchgebracht werden (es ist von übermäszigem trinken die rede) Chr. Weise Erznarren 303. das gütlein wird durchgebracht patrimonium dilabitur Stieler 243. er bringt das seinige mit schwelgen durch Steinbach 1, 173. ich weisz wol dasz du ein lockerer zeisig gewesen bist und alles durchgebracht hast Lessing.
ein schöner helfer wohl mein biszchen durchzubringen
Göthe 7, 41.
er macht im spiele schulden,
er bringt noch alles durch, und ich, ich musz es dulden
7, 51.
ein dienstfertiger freund hat mir versichert du lebtest mit einem liederlichen jungen edelmann, führtest ihm schauspielerinnen zu, hälfest ihm sein geld durchbringen 20, 134. die erbschaft in Macerati hatte er ganz durchgebracht 37, 285.
der seines vaters goldne füchse
mit unserm regiment hat durchgebracht
zu Glückstadt in einer lustigen nacht
Schiller 321ᵃ.
d. verderben, zu grund richten, in dieser bedeutung nur bei wenigen im 17ten jahrh.
der ungehorsam ist das ärgste ding auf erden:
er bringt die städte durch, wirft nieder hof und haus,
und wann man fechten soll, so reiszt er flüchtig aus
Opitz 1, 183.
ihre augen bringen ganz mich durch
ders.
bisz hieher bin ich wilde
zu klagen üm mein leid. hier wird mein wehmuth milde,
der mich fast durch hat bracht, mein wehmuth üm die zeit
die ich hier richte hin ganz ohne nutzbarkeit
Fleming 201.
die zeit vergeuden. (die beschäftigung mit kleinlichen dingen) gab abermals veranlassung die schönsten stunden durchzubringen Göthe 25, 132. e. zu ende bringen, lesen. hatten wir in langen winterabenden im familienkreise ein buch angefangen vorzulesen, so muszten wir es auch durchbringen Göthe 24, 229. dasz er einen guten almanach am angenehmsten durchbringe, wenn er blosz die reime durchlaufe J. Paul Hesp. 2, 184.
3.
reflexiv. er hatte mit ihm (sich) selbst zu thun sich durchzubringen zu entkommen Simpliciss. 1, 398. sich ehrlich durchbringen aetatem agere in honesta paupertate Frisch 1, 138ᵇ. er bringt sich elendiglich durch misere vivit Steinbach 1, 173.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1593, Z. 80.

durchbringen, n.

durchbringen, n.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1594, Z. 77.

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Zitationshilfe
„durchbringen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/durchbringen>, abgerufen am 03.08.2021.

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