Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

durchkriechen

durchkriechen,
durch einen ort kriechen, perrepere Maaler 94ᵇ, Rädlein 207, niederd. dôrkrûpen Schambach 45ᵇ niederl. doorkruipen. durchhin kriechen Stieler 1035.
1.
untrennbar. die kinder durchkriechen alle winkel des hauses. an allen orten die ich durchstiegen und durchkrochen Philand. 2, 20.
ich durchkrieche strauch und höhlen,
such in wäldern weit und nah
Günther 282.
manche ruine (habe ich) durchkrochen Göthe 11, 289. uneigentlich und bildlich.
und ist also auf heut den tag
mit seim ganzen läger aufbrochen,
so hett die forchte in durchkrochen
H. Sachs 3. 1, 130ᵃ.
weil mein braut ist der schön ein gab,
welche die augen an sich zeucht,
dar durch das herz und gemüt durchkreucht
3. 2, 5ᵈ.
ein edler ruch
der all mein sinn und kreft durchkruch
ders.
jagt nicht der schnöde geiz den menschen fast zur hellen,
dem golde das nur krieg und streit hegt nachzustellen?
wie tief durchkreucht er doch der erden heimligkeit!
Tscherning 136.
ein politischer man der die welt ziemlich durchkrochen und allerhand erfahren hatte Olearius Pers. rosenthal 2, 28. dasz sie (die zweige) den ganzen garten durchkrochen, alles verwirreten ders. Lokmans fabeln 22. hat sich eine pestilenz ereignet ausz Mohrenland und hat alle römische provinzen und länder durchkrochen Schuppius 782. hätte er gleich alle stücke der gelehrsamkeit auf das mühsamste durchkrochen Günther Vorrede.
sie (die ehrsucht) bricht den abgrund auf, durchkreucht der klüfte nacht
607.
ist nicht Deutschland von einem ende zum andern durchzogen, durchkrochen und durchflogen? Göthe 19, 102.
2.
trennbar. es befand sich eine öffnung in der mauer, wo er durchkriechen konnte. uneigentlich.
und wenn der beutel denn ein heimlich loch gewinnt,
so kreucht er (der mann) stille durch (entfernt er sich) und läszt mit saurem blicke
den guten gläubigern die frau zum zins zurücke
Günther 485.
und ich werd ihn (in jenem leben) wieder finden,
wenn ich meine spanne raum
durchgekrochen bin
Gökingk 1, 64
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1636, Z. 25.

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Zitationshilfe
„durchkriechen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/durchkriechen>, abgerufen am 03.12.2021.

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