Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

durchschleichen

durchschleichen,
still und heimlich durch einen ort gehen; vergl. ausschleichen. durchschleichen, bisz etwar hin schleichen perrepere Maaler 95ᵃ. labi, prolabi, effugere Henisch 775. Stieler 1834. Rädlein 208ᵃ.
1.
untrennbar. er durchschleicht feld und wald, alle winkel des hauses.
es ist leichter dasz ein camel
ein nadelör durchschleiche
Meisterlieder Berlin. hs. 23. fol. nr. 234.
an allen orten die ich durchschlichen und durchstrichen Philand. 2, 20.
ihr sehet mich, ihr rosensträuche,
wie ich nachsinnend euch durchschleiche,
doch was ich denke ist nur sie
Ossenfelder Oden und lieder 42.
wie mag ich der knechte reigen durchschleichen?
Körner 1, 304.
uneigentlich.
derhalben mich ein forcht durchschlich
H. Sachs 3. 1, 264ᵃ.
die forcht durchschlich in an dem ort,
er seufzt und rüft die götter an
4. 3, 108ᵃ.
seel, herz und mark
ein wunsamlich freud durchschlich
ders.
sein geist schien zu feurig die grade langsam zu durchschleichen Wieland.
wohl, ich weisz es, da durchschleicht uns innen
manche hoffnung, mancher schmerz
Göthe 1, 85.
doch oft durchschleicht der süsze wahn die brust
Platen 46.
eh ich, gleich der motte,
nur einen morschen adelsbrief durchschlich langsam durchlas
Thümmel Reise 6, 309.
2.
trennbar. er ist unbemerkt zwischen uns durchgeschlichen. nur von menschenhand ist der bequeme weg, über den man durch diese seltsamen gegenden (gebirgsschluchten) durchschleicht Göthe 16, 224. uneigentlich, du bist noch so durchgeschlichen, glücklich, ohne schaden durchgekommen, durchgewischt Steinbach 2, 444.
3.
reflexiv. es waren wachen aufgestellt, aber der dieb schlich sich durch entkam, entschlüpfte. er wuszte sich heimlich durch die straszen durchzuschleichen. ich habe mich zwischen beide (so) klippen, so gut als möglich, durchzuschleichen gesucht, dabei aber doch an der einen lieber als an der andern scheitern wollen Lessing 7, 263.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1671, Z. 34.

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Zitationshilfe
„durchschleichen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/durchschleichen>, abgerufen am 03.12.2021.

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