Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

durchstreich, m.

durchstreich, m.
wie durchstrich.
drumb hastu auch hingegen
ein vortheil auszerdacht, wie du der offnen schuld
kannst einen durchstreich thun (sie auslöschen) und wieder werden huld
Fleming 28.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1695, Z. 16.

durchstreichen

durchstreichen,
ahd. durstrîchan Graff 6, 743, mhd. durchstrîchen, niederd. dôrstrîken Schambach 46, niederl. doorstrijken.
1.
untrennbar.
a.
ausstreichen etwas geschriebenes, gedrucktes, einen strich dadurch machen, um es damit für ungiltig, erloschen, vernichtet zu erklären, wie austhun delere Henisch 775. eine rechnung durchstreichen. er durchstrich die verse die er für fehlerhaft hielt. ein zeil durchstreichen versum aliquem inducere Henisch 775. kreuzweis durchstreichen Frisch 2, 346ᵃ. des schuldners namen durchstreichen Steinbach 2, 746. tadelt nur dreist ein gedicht das nicht alt geworden und oft durchstrichen Ramler Dichtkunst des Horaz 99. uneigentlich, auslöschen, vertilgen.
zage nicht, es ist verglichen,
weil dein Jesus, dessen huld
deine schwere sündenschuld
an dem creuze längst durchstrichen,
als er vor die sünder bat,
auch vor dich geseufzet hat
Chr. Gryphius Poet. wälder 1, 157.
gieb zu dasz diese reu den irrthum ganz durchstreiche,
der nur so kurz gewährt
J. E. Schlegel 1, 234.
an dem jungen entzückten gesichte hat das leben gar manches durchstrichen oder doch entfärbt J. Paul Komet 3, 41. ein süszer schlummer überraschte ihn endlich und durchstrich seine zweifel und schmerzen Tieck 4, 306.
b.
flüchtig durchwandern pervagari, durchstreifen, durchirren Fries 977ᵇ. Stieler 2201. Rädlein 208ᵇ. durchwandeln Maaler 95ᵇ.
ich bin ein konig ausz Frankreich,
nach kunsten ich die lant durchstreich
Fastnachtsp. 140, 14.
jungfern, seid ihr taub an ohren dasz ihr nicht die stadt durchstreichet?
Logau 3. zugabe 157.
bald wird ein mutig pferd das schöne feld durchstreichen
Chr. Gryphius Poet. wälder 1, 372.
an allen orten die ich durchschlichen und durchstrichen Philand. 2, 20. das meer durchstreichen, die ganze welt Steinbach 2, 746.
sein (des hasen) rascher lauf verläszt die wälder,
durchstreicht die triften und die felder
Hagedorn 2, 34.
dann durchstreiche als ein elender landstreicher die welt Dusch. wie ein muthiges rosz das ohne reuter zügellos weite gefilde durchstreicht ders.
der um den glanz der um die groszen schimmert
sich wenig oder nichts bekümmert
und die allee in sich vergnügt durchstreicht
J. A. Schlegel Fabeln 233.
wie ängstlich ward von mir der ganze hain durchstrichen
Wieland.
schon durchstrichen sie ein sanfteres mittelgebirg Göthe 21, 13. man durchstrich die gegend 26, 186. er (Albano in den gesellschaftszimmern des ministers) konnte nun die spieltischgassen durchstreichen und alles besehen J. Paul Titan 2, 32. sie hatte im ganzen garten den sie durchstrichen hatte niemand vermuthet ders. Unsichtb. loge 1, 152.
ihr mögt die ganze welt mit extrapost durchstreichen
Kotzebue Dramat. spiele 1, 210.
solch wunder sah man nie; von berg und hügel,
von thal und ebne, die sein (des rosses) flug durchstreicht,
vermag das auge kaum so viel zu fassen
als schon der renner hinter sich gelassen
Gries Bojardo 1, 14, 3.
mit sein statt haben. er ist die ganze welt durchstrichen und durchwandelt Maaler 95ᵇ. länder die er durchstrichen war Heinse Ardinghello 1, 189. uneigentlich.
sus liez ouch hie durchstrîchen
iren louf die barmherzikeit
Passional 4, 26 Köpke.
ruht auf den pfeilen des blitzes, durchstreicht den glänzenden abgrund
der gottheit, ihr endlichen geister, durch tausend alter des weltbaus
Ew. v. Kleist Frühling 228.
c.
überstreichen. ich durchstreiche, beflecke damitten Dasypod. 118ᵇ. delinere Henisch 775.
d.
durchwehen, perflare; s. durchziehen 1 c. der wind durchstreicht die gassen, das ganze haus Steinbach 2, 746. ein nordwind der achtzehn fusz in einer secunde durchstreicht Kant 9, 85.
balsamischer geruch durchstrich den kleinen raum
Uz (1768) 2, 35.
der abendwind durchstrich
sein fliegend haar das keine ros umkränzte
Wieland.
e.
durchschneiden, durchwühlen.
sô wil ich vellen gar dar nider
mit gewalde hie die stat
daz sie durchstrîchen sal ein pflûc
Passional 360, 87 Hahn.
2.
trennbar.
a.
ausstreichen, auslöschen wie 1 a. er strich die ganze rechnung durch. durchthuͦn, ein geschrift durchstreichen, abwüschen, mit der federen einen strich dardurch thun, inducere Maaler 95ᵇ. uneigentlich, die philosophie die uns die freuden im baurisz der vorsicht durchstreicht J. Paul Kampanerthal 16.
b.
durchwandern wie 1ᵇ.
wie manche nachtigall am Elbestrome singt,
streicht thal und wälder durch
Opitz.
wie oft hab ich nach dir die fluren durchgestrichen
Gellert.
c.
durchwehen wie 1ᶜ. man öffnete die thüren damit frische luft durchstreichen konnte. der wind streicht durch Frisch 2, 346ᵃ. nach dem mittag zu habe ich sie (die laube) ganz dichte zugeflochten dasz dich die sonne nicht trifft, und dort nach der wiese hin habe ich luft gelassen, dasz sie die weste durchstreichen können Weisze Kom. opern 1, 117.
d.
derbe streiche geben.
schlägt mich (den narren) ein mächtiger dasz es schmerzt,
so thu ich als hätt er nur gescherzt:
doch ist es einer von meines gleichen,
den weisz ich wacker durchzustreichen
Göthe 3, 175.
e.
durch eine seihe drücken. wenn man erbsen durchstreicht, das was da bleibt heiszen hülsen Keisersberg Post. 52ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1695, Z. 21.

durchstreichen, n.

durchstreichen, n.
1.
das durchstréichen einer gegend peragratio Stieler 2201. Frisch 2, 346ᵃ.
2.
das dúrchstreichen einer schrift obliteratio das. das dúrchstreichen (vernichtung) so vieler hoffnungen J. Paul Siebenkäs 2, 71.
3.
das dúrchstreichen des windes perflatus Frisch 2, 346ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1696, Z. 49.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
durchdonnern durchwirken
Zitationshilfe
„durchstreich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/durchstreich>, abgerufen am 16.01.2022.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)