einerlei
Fundstelle: Lfg. 1 (1859), Bd. III (1862), Sp. 166, Z. 23
unius generis, nnl. eenerlei, nach dem was unter allerlei und anderlei gesagt wurde zu beurtheilen; von der grundbeutung des subst. soll unter lei gehandelt werden, dasz es weiblich war, ergibt das vorstehende einer.
1)
der organische gebrauch gieng aus von den neben einander unverknüpft stehenden genitiven einer leige, worin ursprünglich der zahlbegrif, frühe aber auch schon der unbestimmte, artikelhafte enthalten war. der zahl éiner leige trat zweier leige, drîer leige zur seite, doch bereits Berthold sagt s. 137 einer leige tugent (eine gewisse tugend), diu heiʒet stætekeit, und Megenberg verschiedentlich: eʒ ist ainr lai unk, die vliegent. 264, 27; und fleugt ainer lai tarant, aber niht aller lai. 283, 29; eʒ ist noch ainr lai tierl, die haiʒent würm. 286, 27; wie wir, nur nicht mehr im gen. sagen, es gibt eine art thiere, franz. une espèce, sorte. gerade so hiesz es mit anderm wort: einera slahta natera (gramm. 3, 76), une sorte de vipères. nhd. erscheint dies unbestimmte einerlei selten: im kauf oder irgend einem handel einerlei (aliquam) untrew oder tücke zu beweisen. Luther 4, 402ᵇ; des nehesten weib oder gut begeren und einerlei weise (aliquo modo) darnach zu stehen. 4, 406ᵇ; wer einerlei verlesset, der sol es hundertfeltig wider haben. 3, 295;
ohn einerlei gebrechen.
Ringwald evang. Dd 6ᵃ;
weil der gemeine entweder nichts entzogen oder durch einerlei weg abgedrungen. Dreyding B 2; Henricus declarierte öffentlich, wie er nicht gesonnen sei die einkünfte und freiheiten der kirche auf einerlei weise (ullo modo) zu kränken. Hahn 3, 145. auch besteht das entsprechende keinerlei, nullius modi uneingeschränkt fort. in unserm heutigen einerlei dagegen sehen wir die unbestimmte vorstellung wieder entfernt und überall die nachdrückliche der einzahl hergestellt; beide wörter hängen wir stets aneinander. vielleicht lebt noch in der volkssprache hin und wieder einerlei = aliquis.
2)
einerlei, unus idemque, tritt gewöhnlich einem subst. zur seite: wer es doch nummen von einerlei speisen. Keisersberg s. d. m. 11ᵇ; sihe, es ist einerlei volk und einerlei sprach unter inen allen. 1 Mos. 11, 6; es hatte aber alle welt einerlei zungen und sprache. 11, 1, vulg. erat autem omnis terra labii unius et sermonum eorundem; es ist einerlei traum. 41, 26; einerlei gesetz sei dem einheimischen und dem frembdlingen (so). 2 Mos. 22, 49; es sol einerlei recht unter euch sein. 3 Mos. 24, 22; und war einerlei masse und einerlei raum beider cherubim. 1 kön. 6, 25; auch kam gottes hand in Juda, das er inen gab einerlei herz. 2 chron. 30, 12; er macht aber aus einerlei thon beide gefesze. weish. Sal. 15, 7; denn sie waren alle zugleich mit einerlei ketten der finsternis gefangen. 17, 18; aber alle glieder nicht einerlei gescheft haben (liþjus allai ni þata samô taui haband). Röm. 12, 4; habt einerlei sinn unternander (þata samô in izvis missô fraþjandans). 12, 16; das ir allzumal einerlei rede füret. 1 Cor. 1, 10; und haben all einerlei geistliche speise gessen und haben alle einerlei geistlichen trank getrunken (jah allai þana saman mat ahmeinan matidêdun, jah þata samô dragk ahmeinô drugkun). 1 Cor. 10, 3. 4; nicht ist alles fleisch einerlei fleisch. 15, 39; ein leib und ein geist, wie ir auch berufen seid auf einerlei hofnung ewers berufs (ain leik jah ains ahma, svasvê atlaþôdai sijuþ in aina vên laþônais izvaraizôs). Eph. 4, 4; wer das sacrament auch einerlei gestalt isset. Luther 3, 529ᵇ; einerlei spis, unvermischt, darunder nichts ist, cibus simplex. Maaler 99ᶜ; einerlei speise und keine arzenei, das macht die kinder unsterblich. Weise kl. l. 34; allein sie bleibt bei einerlei sprache (geht nicht ab von dem was sie sagte). Felsenb. 4, 168. er hat nicht einerlei rede, von einem doppelzüngigen. statt dieses einerlei vor dem subst. ziehen wir jetzt vor das selbe, ein und dasselbe.
3)
einerlei, ohne subst. gleichviel: beide treume sind einerlei. 1 Mos. 41, 25; bei den Römern ist tugend und tapferkeit einerlei. Wieland 1, 149; mir ist alles einerlei, versetzte Philine, nur musz ich auch diesmal erfahren, dasz männer immer im widerspruche mit sich selbst sind. Göthe 19, 15; dann glauben sie was sie wollen, es ist ohnedem jetzt ganz einerlei. 20, 94;
wie einer denkt, ist einerlei,
was einer thut, ist zweierlei.
3, 273;
und was die menschen meinen,
das ist mir einerlei.
3, 258;
und wo die freunde verfaulen,
das ist ganz einerlei.
4, 344;
die busze bleibt bei allen sünden einerlei.
Rost schäfererzähl. 61.
mit ausfallendem verb. subst.
es ist arabisch aber was der herr
hinein geschrieben. 'einerlei! nur her!'
Lessing 2, 327;
liebe verschenkt, egoismus leiht — einerlei vor dem throne der richtenden wahrheit, ob auf den genusz des nächstfolgenden augenblicks oder die aussicht einer märtyrerkrone, einerlei ob die zinsen in diesem leben oder in einem andern fallen. Schiller 756ᵃ;
er lege
die erste hand an diesen rohen stein,
ob er vollende oder unterliege, ihm einerlei.
294ᵇ;
'kind, waschen must du dich'. es kommt von den blumen, antwortete Apollonia. 'einerlei', sagte die frau, 'du must dich waschen'. Arnim kronenw. 1, 101.
4)
einerlei substantivisch gefaszt, assiduitas, hier könnte nicht gleichviel gesetzt werden:
alle bäche rauschen hier ein ewigs einerlei.
Zachariä;
das ewge einerlei, das ich für sie empfand.
Wieland 9, 178;
so süsz auch küsse sind, wenn wir Tibulle hören,
so haszt doch die natur ein ewig einerlei.
10, 150;
doch alles einerlei
ermüdet zuletzt.
4, 38;
und in dem buntsten einerlei
von sinnenrausch den geist herum zu drillen.
18, 198;
und reiz und manigfaltigkeit
in dieses einerlei von müh und kummer streut.
Gotter 1, 22;
du wirst, mein freund, für deine sinnen
in dieser stunde mehr gewinnen
als in des jahres einerlei.
Göthe 12, 75.
wie unter 3 'ist', könnte auch hier zu verstehen sein das einerlei d. h. das einer art 'seiende'. den gen. einerleis zu bilden wäre hart.
5)
der sprache gewalt thut aber Lessing, wenn er einer lei für ein adjectiv nimmt und nun gar schwach flectiert: die möglichkeit, dasz die unendliche zahl der endlichen wesen gleich anfangs in den vollkommensten zusammenhang, deren sie fähig sind, (habe) gebracht werden können, gibt Leibnitz nicht allein zu, sondern rettet sie auch gegen den vorwurf des immer einerleien. 9, 166.
Zitationshilfe
„einerlei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/einerlei>, abgerufen am 17.11.2019.

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