einfahren
Fundstelle: Lfg. 1 (1859), Bd. III (1862), Sp. 169, Z. 39
invehere, ingredi, ahd. in faran, mhd. în varn, nnl. invaren, dän. indfare.
1)
intrare, eingehen:
fuar ër thô in thia worolt in, liaʒ thaʒ wastweldi sîn.
O. I. 23, 9;
faramês avur thara zi in, hina in iro lant in.
III. 23, 28;
faret in thia burg in!
IV. 9, 9;
dar die liute in unde ûʒ fuoren. N. ps. 68, 13. man hüte sich ahd. infaren = entfahren damit zu verwechseln. nhd. zum schacht, in die grube einfahren; zum schornstein ein und aus fahren. man sagt das holz ist eingefahren, eingelaufen, hat sich im trocknen zusammengezogen, vgl. eingehen.
2)
invehi, vom einfahrenden wagen: in den hof einfahren, eben ist er eingefahren; ein wagen fährt ein. Klinger 1, 475; ich höre einfahren. 9, 154. da nun der donner als ein wagen gedacht wurde, heiszt es treffend: der donner ist eingefahren, hat eingeschlagen; im felsengewinde, in das zuweilen tief ein donnerkeil einfuhr. J. P. Tit. 4, 52; weil das sonnenlicht der untersuchung völker wie den diamant still durchflieszt, indes das electrische der factionen zerschmetternd einfährt. freiheitsbüchl. 111. auch vom einlaufenden schif: das schif ist glücklich in den hafen eingefahren.
3)
irrumpere, irruere, einbrechen, losfahren: ich verfügte mich gleich in ihre (der diebe) zunft und half bei nacht einfahren, wo ich zukommen möchte. Simpl. K. 634;
da fuhren zehn husaren
wie teufel auf mich ein!
Gökingk 1, 246;
er fuhr dergestalt mit drohungen auf sie ein, dasz sie bald aus furcht mehr versprachen als man verlangt hatte. Beckers weltg. 8, 139.
4)
transitiv: invehere, den wagen, das getraide einfahren; der knecht soll heu einfahren; heute wollen wir einfahren. pferde einfahren, zum wagen abrichten: jagen, pferde kaufen, tauschen, bereiten und einfahren. Göthe 17, 36; denn gearbeitet musz doch einmal werden (am bau Deutschlands) und von wem wird es feuriger geschehen, von einer schon eingewöhnten, eingefahrenen nachkommenschaft? J. P. nachdämm. 70; gut eingefahrne pferde. Maaler 123ᶜ hat aber in anderm intransitivem sinn: einfaren, ab der weid füren, nach dem lat. dispescere, a pastione deducere, sejungere, heimfahren, im gegensatz vonausfahren mit dem vieh. das thor, die thür einfahren, einstoszen.
Zitationshilfe
„einfahren“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/einfahren>, abgerufen am 09.12.2019.

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