einig
Fundstelle: Lfg. 1 (1859), Bd. III (1862), Sp. 210, Z. 44
unice, tantum: so ist auch Hiarnes bei ihnen einig und allein dessentwegen zum königreiche kommen. Opitz poeterei 15;
es ist einig gott bekannt.
Sim. Dach A 4ᵇ;
es ist der einig wahre got.
Weckherlin 105;
dis ungeformte band ist einig übrig noch.
Fleming 40,
sie einig ist mein höchstes gut,
dich einig setz ich allen für.
473;
dort seh ich beide, nein, doch ja! o werth zu preisen,
die einig sich getreu in unsrer noth beweisen.
Gryphius 1, 102;
meine augen sind einig auf meine lieb gerichtet. pers. rosenth. 5, 4; es ist auch darum einig und allein dem ohnmächtigen teufel von gott zugelassen also herum zu schleichen. Simpl. K. 449; sofort das jahr darauf hob es Morhof in seinem polyhistor aus dem ganzen fellerschen catalogus einig und allein aus. Lessing 9, 474; mein einig geliebter. Herder 3, 70;
lasz fahren, herz, die ungeduld,
zur ruhe must du kommen,
und wirf dich in die vaterhuld,
das einig bringt dir frommen.
Schenkendorf.
heute herscht vor einzig, einzig und allein.
einig
Fundstelle: Lfg. 1 (1859), Bd. III (1862), Sp. 206, Z. 40
gleich dem einfachen 'ein' mehrdeutig. die goth. sprache kennt nur zwei, den übrigen abgehende formen ainaha und ainakls, kein ainags, aineigs, wie es dem ahd. einac, einîc, mhd. einec, einic, alts. ênig, nnl. eenig, ags. ânig, ænig, schwach ânga, engl. any entspräche. altn. besteht gar keine solche bildung, schw. und dän. enig scheinen unserm einig oder nd. enig nachgeahmt. wie μοναχός von μόνος, unicus von unus sind ainaha und einac verstärkung von ains und ein. ainaha ist lautverschobnes unicus, während durch die tenuis und media der übrigen die regel gestört erscheint, vgl. gramm. 2, 310.
1)
Ulfilas setzt ainaha m., ainôhô f. für μονογενής von sohn und tochter der menschen Luc. 7, 12. 8, 42. 9, 38, wird es wahrscheinlich auch Joh. 3, 16. 18 vom sohne gottes gesagt haben. die vulgata hat aber im ersten fall unicus, im andern unigenitus, verleiht also diesem technischen sinn. nicht anders verdeutscht Luther in jenen stellen: ein einiger son seiner mutter, eine einige tochter, mein einiger son; in den Johannesstellen: seinen eingeboren son, des eingeboren son gottes. durch diese verengung des ausdrucks wird dem text etwas aufgetragen oder vielmehr benommen. auch anderwärts steht von menschenkindern nur einig, nicht eingeboren: nim Isaac deinen einigen son. 1 Mos. 22, 2; du hast deines einigen sons nicht verschonet. 22, 12; und die war ein einiges kind und er hatte sonst keinen son noch tochter. richt. 11, 34; denn ich war meines vaters son, ein zarter und ein einiger fur meiner mutter. spr. Sal. 4, 3; trag leide, wie umb einen einigen son. Jer. 6, 26; ich wil inen ein trawren schaffen, wie man uber einem einigen son hat. Amos 8, 10; wie man klagt ein einiges kind. Zach. 12, 10; der hat nur ein einige tochter. Tob. 6, 12; weil ich ein einiger son bin. 6, 16; du hast dich erbarmet uber diese zwei einige kinder. 8, 18; ein einigen son eines alten mans. Luther 3, 129ᵇ; er verfiel im jahre 1186 und liesz einen einigen sohn nach, Bartholomaeum. Micrälius 3, 305;
mir geben so ein bösen lohn
und mir mein einigen sohn umbbringen.
Ayrer 184ᵃ;
nie keine mutter war für freuden so entzücket,
wann sie ihr einigs kind und lieben sohn erblicket.
Werders Ar. 1, 53;
ich habe nur diesen einigen sohn gezeuget. pers. rosenth. 6. 3; derselbig hett mit seinem weib ein einige tochter. wegkürzer 22. allmälich trat einzig an die stelle dieses einig, obwol es in der dichtersprache noch fortdauert.
2)
gottes einheit wird auf griechisch durch εἷς (nicht durch μόνος), lat. durch unus (nicht unicus) gegeben, auch goth. heiszt es alja ains guþ. Marc. 10, 18. niba ains guþ. Luc. 18, 19. frauja ains ist. Marc. 12, 29. ags. erscheint ân Matth. 19, 17. Marc. 12, 29. âna Marc. 10, 18. Luc. 18, 19, niemals ænig. Luther läszt einig zu: der herr unser gott ist ein einiger herr. 5 Mos. 6, 4; auf das sie dem einigen gott des himels dienen möchten. Jud. 5, 7; niemand ist gut, denn der einige gott. Matth. 19, 17. Luc. 18, 19. Marc. 10, 18; der herr unser gott ist ein einiger gott. Marc. 12, 29; sintemal es ist ein einiger gott. Röm. 3, 30; und das kein ander gott sei on der einige. 1 Cor. 8, 4; gott aber ist einig. Gal. 3, 20. diese schleppendere ausdrucksweise wurde nöthig seit das zum artikel erniedrigte zahlwort seinen nachdruck einbüszte, doch vgl. einigkeit und dreieinigkeit für einheit und dreieinheit. hier sind noch spätere beispiele für einig von gott: hör Israel, dein gott ist einig. Frank weltb. 180ᵃ; der einige gott. Lessing 10, 26. 27; gott ist einig in seinem wesen, einfach in seiner substanz. Kant 6, 41; ohne solchen begrif könnt ihr nicht auf ein einiges verständiges urwesen schlieszen. 7, 370. einzig wäre hier unverstattet.
3)
sehr oft aber hat einig die bedeutung von unicus oder unus, wo wir heute einzig verwenden und ihm meistentheils auch der unbestimmte artikel vorangeht: aber der arme hatte nichts denn ein einiges scheflin. 2 Sam. 12, 3; wenn jagstu nach? einem todten hund, einem einigen floch? (ὀπίσω ψύλλου ἑνός;) 1 Sam. 24, 15; ja sie möchten wol on das durch einen einigen odem fallen. weish. Salom. 11, 21; Abraham war ein einiger man (εἷς ἦν). Ez. 33, 24; denn du vermagst nicht ein einigs har weisz und schwarz zu machen (goth. ain tagl). Matth. 5, 36; ein einiges werk hab ich gethan und es wundert euch alle (goth. ain vaurstv). Joh. 7, 21; wiewol sie mit alle irer kunst nicht vermocht hetten dem bapst ein einig herlin zu krümmen. Luther 1, 4ᵇ; umb des einigen scheins und namens willen. 3, 51ᵇ; gleichwie etliche jüden meineten, gott hette Adam also gemacht, das sein einige person zugleich ein mans und weibsbilde were. 3, 65; were er ein einig man gewesen, hette er mügen davon gehen, so ist er mit weib und kind beladen. 4, 109ᵇ; aber doch ist mit dem allen noch nicht so viel gegeben, als mit diesem einigen wort, die liebe ist gott selbs. 6, 46ᵇ; die liebe ist der keines, sondern das einige, unaussprechliche gut und allerhohester schatz, der da heiszt gott selbs. ebenda; denn wie viel sind ir wol, die im (gott) einmal für ein einige wolthat danken? 6, 56ᵇ; denn das ist der einigste und höheste gottesdienst, trawen und glauben. 6, 66ᵇ; das der einig recht brauch der bücher ist. Frank weltb. vorr.; Reinhart gieng hinfür und nam ein einigen pfennig. Aimon F 2ᵇ;
und redet nit ein einichs wort.
fastn. sp. 387, 24;
kein auf erden mir bas gefallen thut,
du bist mein herz und einiges blut.
Ambr. lb. s. 82, 42;
kein andrer man mir werden sol,
als ir mein einigs liebelein.
Ayrer 174ᵈ;
sie ist allein, nicht zu vergleichen,
ein einige volkommenheit.
Weckherlin 347;
einiger trost meiner sehlen.
401;
ich suche nunmehr nichts, kein einig zeichen mehr.
Werders Ar. 5, 35;
ich wil aus dem Walther von der Vogelweide einen einigen ort setzen. Opitz poeterei s. 15;
so wird es ihm bald werden kund,
dasz sonst kein einigs glied an einer schönen frau
als nur der mund ihn wieder könne küssen.
Fleming 178;
(Holstein), du einigs aller landen
in Alemannien bist unverrückt bestanden.
197;
das ohr weisz nur vom fried und sonst kein einig sinn.
Logau 1, 179, 57;
soll dann ein einiger schäfer so mächtig sein? Birken Margenis 28; so eine sorgfältige mutter würde sie auch dem einigen hinterlassenen pfande ihrer gesegneten liebe gewesen sein. Canitz 189; man sieht leicht, dasz man von diesem wahren und einigen wege auf eine doppelte art abweichen kann. Lessing 4, 153; wenn er zu dieser vermeinten einigen quelle nun selbst kommt. 10, 251;
bist du der einige, der nicht wisse, dasz unsere herscher
Jesus, den göttlichen mann, an dem kreuze tödteten?
Messias 11, 1504;
alles übrige ist flaches gewäsch, ohne einen einigen allgemeinen blick. Göthe 33, 117; hier hast du deinen Götz, deinen ersten, einigen, ewigen Götz mit innig bewegter seele. Herder an Göthe in den br. an fr. von Stein 3, 271.
4)
da, wie schon mehrere der angezogenen beispiele lehren und die verwandtschaft zwischen ein, unus, εἷς und οἶος, μόνος bestätigt, der begrif des einen übertritt in den des alleinstehenden, einsamen, so sehen wir auch mit einig die vorstellung von solus verbunden. sie ist einig und thut doch alles. weish. Salom. 7, 27; ich war einig und verlassen, jederman meinet, es wer mit mir aus. Luther 3, 305; er muͦsz ainig sein (einsam leben). Keisersb. sieben schwerter, am schlusz;
solt ich nun von dir scheiden,
so wil ich einig bleiben.
Ambr. lb. s. 236, 10;
weisheit gar oft ganz einig stat,
da torheit groszen zulauf hat.
Freidank 1539 27ᵇ;
si hiesz all welt do von ir gon
und bleib ganz bei im einig ston.
Murner geuchm. 1519 d 2ᵇ;
dasz er sich ehlich möcht verweiben,
oder ledig und einig bleiben.
H. Sachs IV. 1, 113ᵈ;
da was allenthalben par und par,
der mensch aber ganz einig war.
Wickram irr. bilg. ⅩⅠⅠ;
und verwundert sich ser, dasz er also einig daher reit.
Hugoschapler 51;
als sie sich nun aller einig bei dem ritter vernam.
Galmy 31;
sobald ich zu im kam, er mich ganz einig auf ein ort führet.
268;
als nu die fraw ganz einig blieb, erst anfing ir leid gott zu klagen.
303;
bin ich doch gar einig auf der wiesen.
Wickram rollw. 57ᵇ;
als sie jetzund an ort und end kommen waren, da sie sich einig wusten.
buch der liebe 237, 2;
eines tages sich begab, dasz Rosamunde in einem garten ganz einig spazieren gieng.
238, 1;
von ungeschicht sich begab, das der jüngling ganz einig was, allein sein liebster gesell Reinhart bei ihm sasz.
233, 3;
als sie nun von Rosamunde sich einig und verlassen sahe.
234, 3;
ich will zu nacht einig allein
mich setzen in ein kleines schif.
H. Sachs V, 230ᵇ.
weil ich das tuch im geben han
einig allein in meim gewandladen.
II. 2, 37ᵃ.
hier sehen wir meistens noch die verstärkungen ganz, gar, aller, allein und verlassen hinzu getreten, vgl. hernach das adverbiale einig und die bereits dem einfachen ein beiwohnende idee der einsamkeit und verlassenheit (sp. 117). späterhin ist dieses einig dem klangvolleren einsam gewichen.
5)
unmittelbar an einig, verlassen reiht sich das seltnere einig mit dem sinne von entblöszt, beraubt, expers, wie ihn wiederum schon das einfache ein (sp. 117) gewährte. ein, allein, solus ist auch blosz und baar, ein klang an ohne (sp. 112), einig klingt an ânic, ohnig.
es mocht helfen viel oder wenig,
ich ward damit des pfaffen einig (ledig).
Waldis Esop 4, 17,
er hätte genauer reimen dürfen weinig: einig oder wenig: enig, vorher 1, 26 war ihm onig zum reim auf honig gut. dies privative einig ist uns völlig ausgestorben.
6)
desto häufiger gilt ein ihm entgegenstehendes einig für concors, consentiens, gleichfalls oft mit dem genitiv der sache: weil man des alsdann räthig und einig würde. reichsabsch. von 1512. 4, 19; haben aber der rechnung nicht einig werden mögen. Schweinichen 3, 231;
und weil wir der wahl einig sein.
Ayrer 128ᵃ;
Nurmahal verschafte sich den anblick dieser sklavin und fand sie in allen stücken so vollkommen, wie sie es zu ihrer absicht wünschte, dasz sie des handels mit den eigenthümern sogleich einig wurde. Wieland 8, 449; der prinz würde wahrscheinlich mannbar geworden sein, bevor man eines schlusses hätte einig werden können. 12, 166; sie wurden beide des schlusses einig, dasz alles zusammen nur ein blendwerk gewesen sei. 11, 199;
der könig will, schon ist man handels einig,
ich bin der creatur verkauft.
Schiller 263ᵃ;
herr Reding, wir sind feinde vor gericht,
hier sind wir einig.
528ᵃ;
sie solle es bei einer putzmacherin versuchen, die jetzt eben eine gehülfin brauche. man sei mit der frau einig geworden, sie gehe täglich so viele stunden hin. Göthe 24, 284. man sagt einige eheleute, einige geschwister, einige gesellen; einig und vergnügt leben. vgl. eins.
7)
die einzahl verlor sich in unbestimmteres ein, die vorstellung unus in die von ullus, gerade so muste nun auch einig, unicus geschwächt werden in die bedeutung von quidam und aliquis, irgend ein.
a)
am nächsten der einzahl steht, wenn die bestimmte zahl nicht angegeben werden kann oder soll, der unbestimmt zählende oder mitzählende pl. einige.
α)
ohne andere zahlen: er ist schon einige jahre (quelques ans) todt, er bat nur um einige thaler, das kind bekam brot und einige äpfel dazu, ich kann nur einige wenige tage bleiben. in diesem einige liegt, was schon der pl. ausdrückt, mehr als eins, folglich zwei und auch drei, denn drei jahre, thaler, äpfel gelten immer noch für einige; von blosz zweien wird ein paar gesagt. eben so sicher scheint, dasz auf fünf und alle weitern zahlen einige nicht mehr erstreckt werden darf, zweifel haftet lediglich, ob es auch noch vier begreifen könne? Vuks serb. wb. erklärt nekolika d. i. einige durch manje od pet, weniger als fünf, schlieszt also vier nicht aus. ich weisz nicht, ob das lat. aliquot weiter geht, bei Forcellini heiszt es: aliquot sunt plures quam unus aliquis, quot sint nihil refert. dann aber wäre es gleichviel mit plures, was nicht anzunehmen ist.
β)
wird einige andern zahlen beigefügt, so meint es zwei, drei, vier darüber: einige und zwanzig jahre sind verstrichen, d. i. zwanzig und einige mehr, wenn sich nicht bestimmen läszt, der kürze halben oder um zu mildern unausgedrückt bleiben soll, wie viel einzelne den zwanzigen noch hinzu. er ist einige und sechzig jahre alt, an demselben weinstock wurden einige und vierzig trauben gebrochen, oder auch mit ausbleibendem 'und' einige zwanzig jahre, einige vierzig trauben. die gröszere zahl läszt sich ebenwol voraus, die unbestimmte nachstellen, dann aber wird das und unerläszlich: zwanzig und einige jahre, vierzig trauben und einige. diese redeweise gleicht der sp. 114 behandelten, wo der einzahl eine durch oder verknüpfte höhere zahl folgt, über welche nicht hinausgegangen werden darf, so dasz die wahl zwischen ihr und jeder niederen frei steht. nur wird dort von der einzahl ausgegangen, während hier in dem pl. einige schon mehrzahl liegt, in beiden fällen bleibt die mindere zahl unbestimmt. dort aber sind überhaupt blosz 1—10 im spiel, hier niedere und höhere zahlen. im latein sehen wir aliqui gerade so verwandt: helleborum potabis faxo aliquos viginti dies. Plautus Menechm. 5. 5, 47; comesto aliqua quinque folia. Cato RR. 156; esse aliqua folia quinque. Varro RR. 1, 2; ut quadringentos aliquos milites ad verrucam illam ire jubeas, in einer stelle bei Nonius. französisches quelque vor den zahlwörtern bleibt unveränderlich: quelque vingt juges, einige und zwanzig richter; il y a quelque cinquante ans depuis, es ist einige fünfzig jahre her. diesem 'quelque' scheint Lessing ein auffallendes aber doch im pl. stehendes 'einige' nachzubilden: die zusätze bestehen in einige sechzig zeilen zu ende des chores nach dem ersten aufzuge. 4, 319; noch vor einige dreiszig jahren fanden wir Deutsche ebensoviel geschmack daran. 7, 280, gleichsam in, es sind einige sechzig, zeilen; vor, es sind einige dreiszig, jahren. deutscher klänge beidemal 'einigen', wie bei Winkelmann 3, 241: in einigen zwanzig figuren. ohne anstosz ist: um die jahre einige sechzig. Lessing 4, 25. Rapp verdeutscht jene worte des Plautus: ein zwanzig tage schluckst du mir helleborus, was aber nicht ausdrückt zwanzig und einige darüber, sondern nur zwanzig oder gegen zwanzig. vgl. sp. 127.
b)
einige, quidam, erträgt keinen sg., sondern musz da durch ein oder jemand vertreten werden. der pl. aber steht
α)
allein, also pronominal: einige sagen, einigen thut es leid.
β)
neben adjectiven: einige wenige behaupten; einige andere haben vermutet; einigen kühnen gelang es.
γ)
neben substantiven: einige leute; einigen menschen wird es schwer.
δ)
neben subst. und adj.: einige weise männer; bei einigen widrigen anlässen; in einigen unerwarteten fällen; es war das verdienst einiger schöner frauen in der stadt.
ε)
substantivisch, mit vorausgehendem pron. und adj.: und auch das geschieht bei kindern, die man für sich aufwachsen läszt, viele bleiben ganz roh, einige bilden sich zum erstaunen selbst. wie aber diese glücklichern einige nichts gegen den nutzen und die nothwendigkeit der erziehung beweisen u. s. w. Lessing 10, 312.
c)
einige, aliqui, irgend einige kann sowol im pl. als auch im sg. gesetzt werden.
α)
im pl.: aber wer ist noch der lebend ie gewesen, dem nicht einiche tadel oder laster zugemessen werden möcht? Aimon vorr.;
ich habe keine lust zu eingen solchen sachen,
die einen leichten schein bei gleichen leuten machen.
Fleming 108;
β)
im sg.: man sol die Christen leren, das die, so da verneinen einigen gemeinen artikel, für halsstarrig in irem irrthum recht genant werden. Luther 1, 17ᵇ; das unsere heiligkeit von im und alle seinem leben herkome, nicht von mir noch einigem menschen. 6, 74ᵃ; und (ich) wil kurz nichts wissen von meinen noch einiges menschen werken. 6, 69ᵃ; das kanst du nicht leugnen noch einiger papist. 6, 83ᵃ; und wär wider mein herz, einigen frommen priester belästigen oder betrüben. Hutten 5, 420; wo sicht man auch einichen zornmütigen, den der zorn nit so fast meistert. Aimon vorr.; es weisz Reinhart meher von streits übung wan einicher ritter der ganzen welt. 92ᵃ; davor sei gott, dasz mich einiges frawenbild dahin bringen solt. Galmy 194; dasz zu keinen zeiten einiger bischof, prälat oder thumher ohne der landesfürsten bewilligung erwehlet worden. Micrälius 5, 225; die andern drei folgten ihm ohn einigen anstosz nach. Garg. 235ᵃ; Taubmann wolte nicht, dasz einiger mensch durch seine reden angestochen oder genaget werden solte. Brandts bericht s. 20;
die (jungfrau) sonst nicht hett in ihrem leben
einigen mann dörfen nemen.
Ayrer 204ᵃ;
geht hin. ihr liebes paar, den weg der ewigkeit,
geht, geht, es ist gewis ohn einige gefehre.
Opitz 2, 68;
es würde auch schwerlich einige silbe von mir in das öffentliche licht kommen sein. Hoffmannswaldau vorr.; ist dir wol jemand unter den königen von Persien bekant, in deren lande nicht zu einiger zeit eine verwüstung sich begeben habe? pers. baumg. 1, 14; Carolus verbot bei strafe einem Normannen einiges leid zuzufügen. Hahn 1, 263; ohne einigen nachschusz. Lessing 4, 473; wofern ja einige ausnahme zu gunsten der blosz contemplativen geister zu machen wäre. Wieland 2, 228; zu einiger vergütung. 2, 232; aus furcht des todes oder sonst einiges dinges seinen platz verlassen. Claudius 5, 83; dasz sie weder an leibe noch vermögen einige kränkung erdulden sollen. Göthe 8, 240; nun denke dir einen bürger, der an jene vorzüge nur einigen anspruch zu machen gedächte, durchaus musz es ihm gelingen. 19, 152; ich begreife nicht, sagte der arzt nach einiger pause. 20, 296; alles übrige ist flaches gewäsch, ohne einen einigen allgemeinen blick, ohne verstand, ohne kenntnis. 33, 117; ein officier, der der schlacht beigewohnt und einigen plan davon hätte aufzeichnen können. 37, 127. ich habe einige aussicht, scheu, furcht, einigen theil daran; es geschieht nicht ohne einiges bedenken. vor persönlichen wörtern pflegt man das einfache ein oder irgend ein vorzuziehen.
Zitationshilfe
„einig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/einig>, abgerufen am 22.10.2019.

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