element n
Fundstelle: Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 404, Z. 22
der Gothe setzte stabs für στοιχεῖον und ahd. drückte wenigstens rûnstap, puohstap elementum, puohstapâ elementa, literae aus, altn. stafr für sich schon buchstab und mit stafr werden vielfache abstracte bedeutungen gebildet (gramm. 3, 525). wie stabs mit stamm und stôjan, staua verwandt scheint, könnte es auch an stôma ὑπόστασις reichen, wozu noch ahd. ungistuomi, nhd. ungestüm gehören, so dasz stôma, stuomo den ruhenden stof ausdrückten, den unruhigen, regen würden goth. stubjus, ahd. stuppi, stoup, unser staub, die sich von stiuban, stieben ciere leiten, treffend bezeichnen, und auf eins dieser deutschen wörter musz das franz. étoffe, estoffe zurückgeführt werden, woher wir unser stof wieder entnahmen. Schwerfällig ist die mhd. versuchte zusammensetzung zuhtsal für element (Kelle sp. eccl. s. 180). wie viel alte, einfache wörter, die sich ungebraucht verloren und verdunkelten, hätte die geistige bildung unsrer sprache aus sich selbst greifen, entfalten und reichlich verarbeiten können, wäre sie mit besonnenheit verfahren, um sinnliche wörter für abgezogne anwendungen auszuprägen; in den meisten fällen genügte ihr der fremden benennung träge aufnahme. so stoszen wir bereits mhd. auf
diu vier elementâ.
Er. 7593,
und Megenberg 68, 27 sagt von den vier elementen; Keisersberg im narrenschif Straszb. 1520 bl. 95ᵇ: sie saul mit den vier schlangenköpfen seint die vier element, von denen der leib zusamen ist gesetzt. Stieler 374. 375 schlägt vor urgemenge oder urwesen, meint sogar auf jenes selbst das lat. elementum zurückzuleiten. element bedeutet uns also
1)
diese vier grundstoffe: das ich weisz wie die welt gemacht ist und die kraft der element. weish. Sal. 7, 17; die element giengen durch einander, wie die seiten auf dem psalter durch einander klingen. 19, 17; die element aber werden fur hitze schmelzen. 2 Petr. 3, 10;
doch dises nidrig element
thut er auch wol versorgen.
Weckherlin 257,
nach ps. 113, 6 'der auf das nidrige sihet in himel und erden';
wer torecht finden wolt,
was doch an element und jahren
nicht gründlich auch bekant sein solt,
der müst ein newe welt erfahren.
548;
horch, hohe dinge lehr ich dich,
vier elemente gatten sich.
Bürger 41ᵇ;
hochgefeiert seid allhier,
element ihr alle vier!
Göthe 41, 178;
zwecklose kraft unbändger elemente!
41, 259;
immer wilder drängts heran.
die elemente fassen sich, die tobenden.
11, 258;
sei ruhig, freundlich element!
12, 116;
denn die elemente hassen
das gebild der menschenhand.
Schiller 78ᵇ;
o unvernunft des blinden elements!
540ᵃ.
2)
das, wodurch leben bedingt wird, quo vita continetur, deliciae: wasser ist das element der fische; das ist sein element (sein leben, sein vergnügen); jetzt ist er in seinem elemente (i. s. esse); der hof ist sein wahres element; er war jetzt in seinem element. Stilling 3, 121; zum erstenmal seit langer zeit fand sich Wilhelm wieder in seinem elemente. Göthe 19, 72; so waren von der ersten jugend an die küche, die vorratskammer, die scheunen und böden mein element. 20, 47;
nahrung edler geister,
aller sorgen meister,
du mein element!
was man jetzo knaster nennt,
komm und lasz die müden sinnen
wieder ruh gewinnen!
Günther 917;
doch nichts erschreckt den muth der ente,
sie schwimmt beherzt in ihrem elemente.
Gellert 1, 133;
zieh sie aus ihrem sumpf, sie stürzen doch behend,
den fröschen gleich, aufs neu sich in ihr element.
Joh. Ad. Schlegel fabeln 242.
3)
auf einzelheiten bezogen: dieser mann ist ein wirksames element in unserm kreise; sie war das lustige element im hause;
da sach ich mir behende,
zu einem fenster naus,
ein schönes elemente
in einem groszen haus.
lied des 16 jh. weimar. jb. 4, 237, der landsknecht ersieht in einem gegenüberstehenden hause ein schönes mädchen.
4)
die anfangsgründe, aber auch die hauptstücke einer wissenschaft: er wuste nichts von den elementen der mathematik; er steht noch bei den elementen; nicht ein element, nicht das geringste, nicht ein stäubchen:
ich halte sie fürwahr auf erden
nicht eines elementes werth.
Günther 163;
wozu menschen? menschen sind
für sie nur zahlen, weiter nichts. musz ich
die elemente der monarchenkunst
mit meinem grauen schüler überhören?
Schiller 307ᵇ.
5)
element wird zu fluch und betheuerung: das ist, beim element, eine schwere sache. Gryphius 1, 722; beim element, wir hätten schier das nöthigste vergessen. 1, 725; beim element, herr don Sylvio, erwiderte Pedrillo, ich glaube sie träumen. Wieland 11, 67; beim element, da wird nichts draus, jungfer Schmergelina! 11, 131; beim element, das ist sehr gnädig. 11, 131;
wen lockst du hier? beim element!
vermaledeiter rattenfänger!
zum teufel erst das instrument,
zum teufel hinterdrein den sänger!
Göthe 12, 194;
wird ja doch, beim element, etwas profitieren. Fr. Müller 2, 60; element! über den juden! Engel diamant 111;
element!
was wollen diese amazonen uns?
Heinr. v. Kleist 1, 123;
zum element! Lenz 1, 88; wetter element! 1, 277; potz tausend element, was machst du da! Stieler 375; dasz dich gottes element schände! kotz element! vgl. 2, 279.
Zitationshilfe
„element“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/element>, abgerufen am 17.07.2019.

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