Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

ellenboge, m.

ellenboge, m.
cubitus, ahd. elinpogo m. aber auch elinpogâ f., denn in glossen bei Haupt 3, 465ᵃ steht in elinpogûn sînô, in ulnas suas, wie auch Dasypodius 45ᶜ die elboge, zierd der elboge gewährt, Frisius 348ᵃ die ellenbogen, cubitale ein zierd der ellenbogen, bicubitalis in die lenge zwo ellenbogen 156ᵃ, Maaler 100ᶜ klammert bei ellenbogen 'der' ein, läszt aber die andern stellen. Keisersberg setzt das wort männlich: da liesz in (den juden) gott der herr zuͦ fliegen einen groszen haufen vögel, die flugen nummen zwen ellenbogen hoch von der erden, das sie die wol möchten fahen. s. d. m. 16ᵇ; welcher kan sich selber eins ellenbogen lenger machen? narrensch. 139ᵇ. diese männliche form herscht bei weitem vor und gilt ohne zweifel auch bei Luther, wiewol sie aus 5 Mos. 3, 11 nicht erhellt. im teutonista ellenboeghe. Schon unter elle ist gesagt, dasz ellenboge ursprünglich nur das gelenk, die biegung der ulna ausdrückt, worauf man sich stützt, wie cubitus von cubare gebildet wurde, genauer bestimmt ist es das hakenförmig umgebogne ende der elle des vorderarms. gleich elle und ulna kann auch ellenboge und cubitus ein masz bezeichnen; in der vorrede zu Aimon a 3ᵇ heiszt es von einem riesen: das er zwei hundert elenbogen hoch gewest sein solt, vorausgeht a 3ᵃ von einem mann fünf elen hoch; Frank weltb. 188ᵇ spricht von lauter arabischem gold, sechs elenbogen lang, vier breit; bisz das wasser fünfzehen elenbogen hoch uber alles erdreich gieng. buch der liebe 289, 2; Og der könig zu Basan pranget in seinem eisernen bette, welches neun gemeiner leut elenbogen lang und vier elen breit war. Mathesius 78ᵃ; fuhren einer wol hundert ellenbogen hohen pforte zu. Lohenstein Arm. 2, 860. ob ellenboge auch von dem menschlichen fuszgelenk gebraucht wurde, kann ich noch nicht sagen, das thierische wird dadurch bezeichnet und kaum nur an den vorderfüszen: es tragen sich oft krankheiten oder mängel zu an einem ros, als da seind spatten, elenbogen, leist, uberbein, allerlei gallen, darzu man das fewr muͦsz brauchen. Seuter 67; schir das har sauber von den ellenbogen und hebe ein gluet daran, dasz die ellenbogen wol warm werden und reib den senf daruber des tags zweimal, so werden die ellenbogen weich und fallen löcher darein, daraus gehet gelbes wasser. 301; bindt den geiszen den hinkenden elenbogen. Garg. 185ᵇ und bekannt ist der name Katzenelenboge, schon MB. 29ᵃ, 270 (a. 1140) Cazenellinbogo; mhd.
sô ist daʒ ûʒer lop nâch êren,
sam des von Katzenellenbogen.
Walther 81, 6,
die grafen hieszen nach einem berg, dessen name wie Hundesrücke u. a. m. von einer ähnlichkeit mit der thierischen gestalt entnommen war. vgl. Förstemann 2, 466, wo wiederum die form Elinpogâ. solche wörter begegnen in mehr als einer gegend:
ein bad bei Eger zuom elnbogen.
fastn. 1262,
auf böhmisch loket. in der tischzucht oder hofzucht wird vorgeschrieben:
leg dich nit auf dein elenpogen.
meisterl. f. 23 nᵒ 212;
wer neben dir zu tisch ist gsessen,
den irre nit mit den elbogen.
H. Sachs I, 430ᵇ;
aber hohn ist: küsz mir den elenbogen! Garg. 94ᵃ. es spricht, wen ich, der prophet Ezechiel (13, 18), wee denen die küsselin negen und legen under die ellenbogen. Keisersb. s. d. m. 31ᵇ; we die ir verschlieszent die küsselin under einem ieglichen ellenbogen. Schade pasq. 3, 18; die da küsselin zusamen negent under alle ellenbogen der hend. Gefken beilagen 34; du scholt auch wiʒʒen, daʒ diu zwai mäuslein an den armen pei den elnpogen niht wunden geleiden mügen. Megenberg 20, 17; viel haben fuchs- oder katzenaugen, die bei nacht so wol sehen als bei tag und seind am elenbogen blind. Lehmann 65; thu halt das beste, begehret er dasz du schweren solt, so schwere 'bisz uber die elnbogen'. Ayrer proc. 1, 7 s. 150, ähnlich der gangbaren redensart, die finger lecken 'bis an, bis über die ellenbogen'; du bist auch einer von denen, wenn man sie das ganze jahr lang auf händen trägt und am neujahrsabend einmal unsanft niedersetzt, da 'klagen und jammern sie ihren blutigen ellenbogen' (klagen sie bitterlich). morgenblatt 1853 nᵒ 2 s. 38; ich hatte schon den ellenbogen angesetzt. Schiller 118ᵃ; aus der karte wissen wir, dasz wir in dem winkel eines ellenbogens sitzen, von wo aus der kleinere theil des Wallis die Rhone hinunter sich an den Genfer see anschlieszt. Göthe 16, 254;
da stiesz er an ein mädchen an
mit seinem ellenbogen.
12, 54;
gabst den andern stillen wink
mit dem ellenbogen.
41, 28;
einen mit dem ellenbogen anstoszen, fortschieben, am ellenbogen erwischen u. s. w.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 414, Z. 68.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
eintreffung elsebeere
Zitationshilfe
„ellenboge“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ellenboge>, abgerufen am 08.08.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch (¹DWB)